Acetyl Octapeptide-3 (SNAP-8)
Klinische Prüfung ausstehend
Acetyl Octapeptide-3, auch SNAP-8 genannt, wird in Kosmetik gegen Mimikfalten eingesetzt. Die berichtete Wirkung stützt sich vor allem auf Herstellerdaten; unabhängige Studien am Menschen sind begrenzt, und eine Überlegenheit gegenüber Argireline ist nicht belegt.
Acetyl Octapeptide-3 ist ein synthetisches Peptid, das in Seren und Cremes das Erscheinungsbild von Mimikfalten mildern soll. Bekannt ist es vor allem unter dem Handelsnamen SNAP-8. Der vorgeschlagene Wirkmechanismus setzt bei der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln an. Wie viel eine Anwendung auf der Haut tatsächlich bewirkt, wurde bisher jedoch nur begrenzt in unabhängigen Studien am Menschen untersucht.
Was ist Acetyl Octapeptide-3?
Acetyl Octapeptide-3 ist ein synthetisches Peptid aus acht Aminosäuren, das als kosmetischer Inhaltsstoff verwendet wird. Sein bekanntester Handelsname ist SNAP-8. Es ist eine verlängerte Variante von Acetyl Hexapeptide-8 (Argireline) mit zwei zusätzlichen Aminosäuren. Wie bei Argireline ist seine Aminosäuresequenz einem Endabschnitt von SNAP-25 nachempfunden. Dieses Protein hilft Nervenzellen dabei, Botenstoffe freizusetzen, die Muskelkontraktionen auslösen. Als Beleg wird Referenz 1 angeführt.
Der Inhaltsstoff findet sich in Seren und Cremes, die als Anti-Aging-Produkte vermarktet werden. Sie werden äußerlich auf die Haut aufgetragen. Der Fachbegriff dafür lautet „topische Anwendung“.
Wie soll es wirken?
Acetyl Octapeptide-3 soll Mimikfalten weniger sichtbar machen, indem es die kleinen Muskelkontraktionen abschwächt, durch die sie entstehen. Nerven lösen diese Kontraktionen aus, indem sie einen chemischen Botenstoff freisetzen. Dafür ist eine Gruppe von Proteinen nötig, der sogenannte SNARE-Komplex. SNAP-25 gehört zu diesem Komplex.
Der beschriebene Ansatz aus der Laborforschung: Peptide dieser Familie ahmen einen Endabschnitt von SNAP-25 nach und konkurrieren mit dem natürlichen Protein. Dadurch soll der Aufbau des SNARE-Komplexes gestört werden. In der Folge würde weniger von dem Botenstoff freigesetzt, der den Muskel zur Kontraktion anregt. Dafür wird Referenz 1 angeführt. Dieser Mechanismus erklärt, warum solche Peptide erforscht werden. Er belegt jedoch noch nicht, dass eine Creme mit SNAP-8 die darunterliegenden Muskeln entsprechend beeinflusst.
SNAP-8 wird als wirksamer als Argireline vermarktet. Auch die Beschreibung der äußerlichen Anwendung als deutlich milderer Ansatz gegenüber einer Injektion mit Botulinumtoxin, etwa Botox, ist keine nachgewiesene Aussage zur vergleichenden Wirksamkeit. Ein belastbarer direkter Vergleich ist dafür nicht angegeben.
Eine wesentliche Hürde ist, das äußerlich aufgetragene Peptid an den vorgesehenen Wirkort zu bringen. Es ist unklar, wie gut ein großes, wasserliebendes Peptid die Hautbarriere durchdringt und die darunterliegenden Nerven erreicht. Deshalb lässt sich aus dem vorgeschlagenen Mechanismus nur eingeschränkt ableiten, welche Wirkung auf der Haut zu erwarten ist.
Ist es von der FDA zugelassen?
Nein. Für einen kosmetischen Inhaltsstoff ist eine solche Zulassung im Allgemeinen auch nicht vorgesehen. Die US-amerikanische Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde FDA lässt Kosmetika und die meisten kosmetischen Inhaltsstoffe nicht vor ihrer Markteinführung zu [2]. Trotzdem gelten gesetzliche Vorschriften: Kosmetika müssen bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher und korrekt gekennzeichnet sein. Anders als Arzneimittel durchlaufen sie grundsätzlich kein entsprechendes Zulassungsverfahren vor dem Verkauf. Dass ein Anti-Aging-Peptid in einem kosmetischen Serum enthalten ist, bedeutet deshalb nicht, dass das Peptid oder seine Anti-Aging-Wirkung „FDA-zugelassen“ wäre.
Entscheidend ist die Abgrenzung zwischen Kosmetikum und Arzneimittel [3]. Ein Produkt gilt als Kosmetikum, wenn es das Aussehen verbessern soll. Wird dagegen behauptet, es verändere die Struktur oder Funktion der Haut beziehungsweise des Körpers, etwa indem es Muskeln lähme, kann die FDA es als nicht zugelassenes Arzneimittel einstufen und entsprechend regulieren. Deshalb beziehen sich Aussagen zur Hautpflege häufig auf das Erscheinungsbild von Falten, statt eine bestimmte physiologische Veränderung zu versprechen. Diese Einordnung betrifft das US-amerikanische Recht.
Wofür wird es verwendet?
Acetyl Octapeptide-3 wird fast ausschließlich in äußerlich angewendeten Anti-Aging-Produkten eingesetzt. Es soll dort das Erscheinungsbild von Mimikfalten mildern, insbesondere von Stirnfalten und den als Krähenfüße bezeichneten Fältchen um die Augen. Häufig wird es als weiterentwickelte Alternative zu Argireline vermarktet.
Was zeigt die Forschung?
Die bisher beschriebene Forschung zu Acetyl Octapeptide-3 beim Menschen ist begrenzt. Die meisten Wirksamkeitsdaten stammen vom Hersteller des Inhaltsstoffs, der eine Verringerung der Faltentiefe berichtet. Überwiegend handelt es sich dabei nicht um unabhängige klinische Studien, die vor der Veröffentlichung von Fachkolleginnen und Fachkollegen begutachtet wurden. Diese Begutachtung heißt Peer-Review-Verfahren.
Für den eng verwandten Stoff Argireline wird eine veröffentlichte randomisierte Studie [1] angeführt. In einer solchen Studie werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Für Acetyl Octapeptide-3 ist in der beschriebenen Forschung keine Prüfung auf vergleichbarem Niveau genannt.
Die Annahme eines Nutzens stützt sich damit vor allem auf Herstelleruntersuchungen und den verwandten Wirkmechanismus. Überzeugende unabhängige klinische Evidenz spielt bislang eine geringere Rolle. Eine Wirkung ist dadurch nicht ausgeschlossen; wie groß und wie verlässlich sie ist, lässt sich auf dieser Grundlage aber nur eingeschränkt beurteilen.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Äußerlich angewendetes Acetyl Octapeptide-3 wird als im Allgemeinen gut verträglich beschrieben. Auch das Reizpotenzial soll, wie bei kosmetischen Peptiden allgemein angenommen, gering sein. Eine konkrete Sicherheitsstudie ist für diese Einschätzung allerdings nicht angegeben. Wie bei jedem Hautpflegebestandteil können leichte Rötungen, Reizungen oder allergische Reaktionen auftreten. Vor einer regelmäßigen Anwendung kann es deshalb sinnvoll sein, das Produkt zunächst auf einer kleinen Hautstelle auszuprobieren. Ein solcher Verträglichkeitstest schließt spätere Reaktionen nicht sicher aus.
Da das Peptid auf die Haut aufgetragen und nicht injiziert wird, werden seine Sicherheitsfragen denen eines üblichen kosmetischen Inhaltsstoffs zugeordnet. Daraus ergibt sich jedoch kein umfassender Sicherheitsnachweis: Die äußerliche Anwendung allein belegt weder die Sicherheit des Inhaltsstoffs noch die Verträglichkeit einer konkreten Formulierung.
Wie unterscheidet sich Acetyl Octapeptide-3 von Acetyl Hexapeptide-8?
Acetyl Octapeptide-3 und Acetyl Hexapeptide-8, besser bekannt als Argireline, sind eng miteinander verwandt. Nach der hier beschriebenen Forschungslage liegt der wichtigste praktische Unterschied in der Aussagekraft der veröffentlichten Studien; der vorgeschlagene Wirkmechanismus ist ähnlich. Beide sind synthetische Peptide, deren Aufbau SNAP-25 nachempfunden ist. Sie wurden mit dem Ziel entwickelt, den SNARE-Komplex zu beeinflussen. Dadurch sollen Nerven weniger von dem Botenstoff freisetzen, der die kleinen, für Mimikfalten verantwortlichen Muskelkontraktionen auslöst. Unterschiede bestehen vor allem in ihrer Struktur und der verfügbaren Evidenz:
| Merkmal | Acetyl Hexapeptide-8 (Argireline) | Acetyl Octapeptide-3 |
|---|---|---|
| Länge | 6 Aminosäuren | 8 Aminosäuren |
| Ursprung | Das ursprüngliche, kürzere Peptid | Eine später entwickelte, verlängerte Variante, die als wirksamerer Nachfolger vermarktet wird |
| Unabhängige Evidenz beim Menschen | Angeführte unabhängige, fachlich begutachtete Studien am Menschen: eine randomisierte kontrollierte Studie [1] und eine spätere randomisierte Studie [4], die Verbesserungen des Erscheinungsbilds von Falten berichteten; die Einordnung und Zuordnung der Ergebnisse sind noch zu prüfen | In der beschriebenen Forschung nicht auf diesem Niveau untersucht; die Wirksamkeitsdaten stammen überwiegend vom Hersteller und nicht aus unabhängigen Studien |
Acetyl Octapeptide-3 wird häufig als der stärkere der beiden Inhaltsstoffe angeboten. Die Bezeichnung „wirksamer“ ist hier eine Marketingaussage, kein Ergebnis einer direkten Vergleichsstudie. Unter den angeführten Veröffentlichungen ist keine Studie am Menschen genannt, die zeigt, dass einer der beiden Inhaltsstoffe das Erscheinungsbild von Falten besser mildert als der andere.
Wegen dieser Lücke in der unabhängigen Evidenz wird die Forschungslage zu Argireline im Ausgangstext als „moderat“ und die zu Acetyl Octapeptide-3 als „gering“ eingestuft. Diese Bezeichnungen sind übernommene Bewertungen; ihnen liegt keine eigene formale Evidenzbewertung zugrunde.
Redaktionelle Prüfhinweise
- Referenz 1 wird im Ausgangstext sowohl zur Struktur und zum vorgeschlagenen Wirkmechanismus von SNAP-8 als auch zu einer randomisierten Studie über Argireline angeführt. Ob die Quelle jede dieser Aussagen in der jeweiligen Form trägt, muss gesondert geprüft werden. Ergebnisse zu Argireline dürfen nicht ohne Weiteres als klinischer Wirksamkeitsnachweis für SNAP-8 gelten.
- Bei Referenz 4 sind die Einordnung als randomisierte Studie, die untersuchte Formulierung und die Zuordnung der Ergebnisse zu Argireline noch zu prüfen. Die bereitgestellten Angaben erlauben keine bestätigte Aussage dazu, ob ein möglicher Effekt dem einzelnen Peptid zugerechnet werden kann.
- Die Aussagen zur allgemeinen Verträglichkeit, zum geringen Reizpotenzial und zum Vergleich mit Botox sind im bereitgestellten Text nicht mit spezifischen Belegen versehen. Sie wurden entsprechend eingeschränkt wiedergegeben.
- Der bereitgestellte Ausgangstext enthält keine vollständigen bibliografischen Titel oder Autorennamen. Die folgenden Referenzen geben deshalb die vorhandenen Quellenlinks wieder. Eine unabhängige klinische Prüfung steht aus.
Referenzen
- Im Ausgangstext angeführte Quelle zu SNAP-25, zum Wirkmechanismus und zur randomisierten Argireline-Studie. DOI: 10.1007/s40257-013-0009-9.
- FDA: Quelle zur Regulierung und fehlenden Vorabzulassung von Kosmetika.
- FDA: Quelle zur Abgrenzung von Kosmetika, Arzneimitteln und Seife.
- Im Ausgangstext als spätere randomisierte Studie zu Argireline angeführte Quelle. DOI: 10.1111/jocd.12314.