Akupressurmatten: Was sie für Entspannung, Schmerzen und Schlaf leisten können
Klinische Prüfung ausstehend
Kann eine Matte mit Kunststoffspitzen beim Entspannen helfen, Schmerzen lindern oder den Schlaf verbessern? Manche Menschen empfinden nach dem zunächst oft unangenehmen Druck Wärme und Entspannung. Kleine Studien haben solche Erfahrungen untersucht. Ob sich chronische Schmerzen oder Schlafstörungen mit den Matten verlässlich behandeln lassen, kann die bisherige Forschung jedoch nicht beantworten. Für die Einordnung kommt es auch darauf an, welches Verfahren untersucht wurde: eine Matte, gezielte Akupressur durch eine Fachperson oder Akupunktur.

Kann eine Matte mit Kunststoffspitzen beim Entspannen helfen, Schmerzen lindern oder den Schlaf verbessern? Manche Menschen empfinden nach dem zunächst oft unangenehmen Druck Wärme und Entspannung. Kleine Studien haben solche Erfahrungen untersucht. Ob sich chronische Schmerzen oder Schlafstörungen mit den Matten verlässlich behandeln lassen, kann die bisherige Forschung jedoch nicht beantworten. Für die Einordnung kommt es auch darauf an, welches Verfahren untersucht wurde: eine Matte, gezielte Akupressur durch eine Fachperson oder Akupunktur.
Wie eine Akupressurmatte aufgebaut ist
Eine Akupressurmatte besteht meist aus einer Schaumstoffunterlage mit vielen kleinen Kunststoffspitzen. Beim Liegen verteilt sich deren Druck über die Haut. Häufig werden Anwendungen von 15 bis 30 Minuten beschrieben, direkt auf der Haut oder mit einer dünnen Stoffschicht dazwischen.
Die Bauform knüpft an Nagelbrett-Traditionen an, darunter Sadhu-Bretter aus indischen Yogapraktiken. Skandinavische Handelsvarianten wie die Shakti-Matte machten sie im Wellnesshandel bekannter. Bei klassischer Akupressur übt eine behandelnde Person mit den Fingern gezielt Druck auf bestimmte Punkte aus; bei Akupunktur setzt sie Nadeln ein. Eine Matte drückt dagegen auf eine größere Fläche. Eine explorative Studie von 2011 untersuchte bei 32 Menschen, wie das autonome Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System und Cortisol während der Mattennutzung reagierten. Studie
Beworben werden Matten vor allem für vier Ziele: weniger chronische Rücken- und Nackenschmerzen, entspanntere Muskeln, weniger Stress beziehungsweise veränderte Cortisolwerte und besseren Schlaf. Wie viel Forschung dazu vorliegt, unterscheidet sich je nach Ziel. Insgesamt gibt es nur wenige Daten.
Was der Druck der Spitzen bewirken könnte
Eine mögliche Erklärung für die empfundenen Veränderungen ist der Druckreiz auf der Haut. Diskutiert werden Reaktionen des autonomen Nervensystems, eine mögliche Freisetzung von Endorphinen oder Oxytocin sowie eine örtliche Erweiterung der Blutgefäße durch Druck und Histamin. Letztere könnte erklären, warum sich die Haut warm anfühlt. Die allgemeine Forschung zu Berührung und Massage beschreibt solche körperlichen Zusammenhänge. Für die einzelnen Mechanismen gibt es bei Menschen, die Akupressurmatten nutzen, wesentlich weniger Belege. Massageübersicht
Eine weitere Erklärung beruft sich auf Meridiane und Akupressurpunkte aus der traditionellen chinesischen Medizin. Der flächige Druck einer Kunststoffmatte entspricht allerdings keiner gezielten Behandlung einzelner Punkte. In der Studie von 2011 veränderte sich die Herzratenvariabilität, kurz HRV, während das Speichelcortisol unverändert blieb. Eine Cortisolwirkung ließ sich in dieser Untersuchung also nicht nachweisen. Damit sind mögliche Wirkungen über die HPA-Achse, das hormonelle Stresssystem, aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Studie
Wie die Dichte und Schärfe der Spitzen mit der Anwendungsdauer zusammenwirken, wurde kaum systematisch untersucht. Die bisherigen Studien sind klein, meist unverblindet und stammen häufig aus skandinavischen Kontexten. Viele Ergebnisse beruhen darauf, wie die Teilnehmenden ihr Befinden selbst einschätzten.
Worauf sich beim Vergleich von Matten achten lässt
Wie groß ist die Matte, wie sind die Spitzen geformt und wie fest sitzen sie? Solche Angaben helfen beim Vergleich mehr als ein Markenversprechen. Für manche technischen Kaufempfehlungen fehlen allerdings klinisch geprüfte Grenzwerte.
- Bei Anzahl und Dichte der Spitzen nennt die zugrunde liegende Quelle kommerzielle Ganzkörpermatten mit ungefähr 6.000 oder mehr Spitzen in Untersuchungen von 2011, 2021 und 2024. Diese Zahl beschreibt allenfalls eine ähnliche Bauform; direkte Vergleiche, die eine Mindestzahl belegen, fehlen. Auch die Behauptung, unter 4.000 Spitzen werde der Druck grundsätzlich zu scharf, lässt sich nur unter Berücksichtigung von Fläche, Geometrie und Material beurteilen.
- Für die Schärfe gibt es ebenfalls kein systematisch geprüftes Optimum. Die Quelle bevorzugt mittelfeste Kunststoffspitzen und vermutet, dass sehr scharfe Spitzen eher zum Abbruch führen, während sehr weiche zu wenig Reiz erzeugen. Das bleibt eine Annahme.
- Fest sitzende Spitzenrosetten und ein intakter Bezug sind nachvollziehbare Qualitätsmerkmale. Genannt werden dichte Baumwoll- oder Leinenbezüge. Die pauschale Aussage, preiswertes Polyester verliere Spitzen, ist durch keinen allgemeinen Materialvergleich belegt.
- Als Ganzkörperformat für Rücken- und Schlafanwendungen werden ungefähr 70 × 40 cm genannt. Kleinere Matten berühren weniger Hautfläche; reine Fußvarianten entsprechen nicht ohne Weiteres den untersuchten Anwendungen.
Die Quelle unterscheidet grob zwischen Marktgruppen: 4.000 bis 6.000 Spitzen mit einfacher Schaumstoffunterlage, 6.000 bis 8.000 Spitzen mit befestigten Rosetten und dichtem Baumwollbezug sowie mehr als 8.000 Spitzen bei höherpreisigen Modellen mit Bio-Baumwolle und Reisetasche. Daraus ergibt sich keine wissenschaftliche Rangfolge der Qualität. Für die Auswahl verdienen Bauweise, Befestigung und die eigene Verträglichkeit mehr Aufmerksamkeit als Zubehör und Preisetikett.
Was die Forschung zeigt
Beim Lesen der Studien ist zunächst entscheidend, ob sie tatsächlich eine Matte untersuchen oder eine andere Form der Akupressur. Die zugrunde liegende Quelle verwendet eine fünfteilige Skala: stark, moderat, begrenzt, ausschließlich tierexperimentell und anekdotisch. Diese Einstufungen sind keine unabhängig geprüften Bewertungen von Nutrient Desk.
Chronische Rücken- und Nackenschmerzen: wenige Daten zu Matten
Die Schmerzstudien zu Matten sind klein und liefern vorläufige Ergebnisse. Mehr Daten gibt es zur gezielten Akupressur durch Fachpersonen. Eine Metaanalyse beschrieb über mehrere randomisierte Studien hinweg Verbesserungen bei Rückenschmerzen und den damit verbundenen Einschränkungen. Eine BMJ-Studie verglich Akupressur mit Physiotherapie. Die beobachteten Unterschiede bei den Einschränkungen bestanden nach sechs Monaten noch. In diesen Untersuchungen kamen keine Spitzenmatten zum Einsatz. Die Ergebnisse belegen daher nicht die Wirksamkeit eines Mattenprodukts. BMJ-Studie · Metaanalyse
Entspannung und Muskelspannung: begrenzte Hinweise
In der explorativen Studie von 2011 mit N=32 nahm die subjektive Entspannung in allen Bedingungen zu, also auch ohne Matte. Auf der Matte wurden Veränderungen der HRV und andere Kreislaufreaktionen beobachtet; das Speichelcortisol unterschied sich nicht. Die dreiwöchige Trainingsstudie fand ebenfalls keinen signifikanten Vorteil der Matte gegenüber Entspannung ohne Hilfsmittel, weder bei subjektiven noch psychophysiologischen Ergebnissen. Dass Menschen sich beim Entspannen besser fühlen, kann dennoch persönlich relevant sein; ein spezifischer Matteneffekt ist damit nicht belegt. 2011 · Trainingsstudie
Schlafqualität: Ergebnisse anderer Verfahren sind nur begrenzt übertragbar
Systematische Übersichten beschreiben eine bessere Schlafqualität bei verschiedenen Akupressurverfahren. Dazu zählen eine Übersicht zu Akupressur, Reflexologie und Ohrakupressur, eine breiter angelegte Schlafmetaanalyse und eine Analyse bei Menschen unter Hämodialyse. Sowohl die untersuchten Gruppen als auch die Verfahren unterscheiden sich von gesunden Erwachsenen, die eine Spitzenmatte verwenden. Die Schlafdaten zu Matten selbst sind weiterhin vorläufig. Übersicht 2012 · Schlafmetaanalyse · Hämodialyse
Matte, klassische Akupressur und Akupunktur: unterschiedliche Verfahren
Eine Kunststoffmatte verteilt Druck über eine größere Hautfläche. Klassische Akupressur arbeitet mit gezieltem Fingerdruck, Akupunktur mit Nadeln. Zu Akupunktur bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen gibt es beispielsweise einen Cochrane-Review. Er bewertet eine eigene Behandlung mit eigener Studienlage. Auch wenn die Werbung die Verfahren gleichsetzt, wird die Matte dadurch weder zur gezielten Behandlung noch zu deren Ersatz. Cochrane-Review
Wann eine Akupressurmatte infrage kommen könnte
Was soll sich durch die Anwendung verändern? Wer vor dem Schlafengehen entspannen möchte, hat ein anderes Ziel als jemand mit unbehandelten chronischen Schmerzen. Verlässliche Angaben dazu, wie sich Dauer oder Häufigkeit für Rückenbeschwerden, Einschlafen oder Spannungskopfschmerzen unterscheiden sollten, lassen sich aus der zugrunde liegenden Quelle nicht ableiten.
Als Abendritual mit einem spürbaren Hautreiz könnte die Matte manchen gesunden Erwachsenen beim Abschalten helfen. Die Untersuchungen von 2011 und 2024 zeigen jedoch keine Überlegenheit der Matte bei der subjektiven Entspannung gegenüber den jeweiligen Vergleichsbedingungen. In der Studie von 2011 blieb das Speichelcortisol unverändert. Für die persönliche Entscheidung kann zählen, ob sich die Routine angenehm anfühlt, ohne sie an ein Hormonversprechen zu knüpfen.
Bei bereits abgeklärten chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen lässt sich eine Matte als mögliche Ergänzung einer bestehenden Behandlung betrachten. Die stärkeren Daten zur Akupressur stammen allerdings von anderen Verfahren. Bewegung, Physiotherapie und eine individuell passende Versorgung behalten ihren Stellenwert.
Bei gelegentlich schlechtem Schlaf kommt ein angenehmes Entspannungsritual infrage. Eine chronische Insomnie braucht eine andere Beurteilung; hier hat die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, CBT-I, eine etablierte Rolle. Ausstrahlende oder ungeklärte Schmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Wenn körperbezogene Übungen traumabezogenes Unbehagen auslösen können, sollte ihre Auswahl traumasensibel begleitet werden.
Wie Matten in Untersuchungen angewendet wurden
Die Quelle beschreibt unterschiedliche Dauer und Häufigkeit und nennt häufig 15 bis 30 Minuten pro Sitzung über einen Untersuchungszeitraum von 2 bis 8 Wochen genannt. Diese zusammengefassten Angaben sind kein einheitlich geprüftes Protokoll und keine persönliche Verordnung.
- Um die Ausgangslage festzuhalten, schlägt die Quelle sieben Tage mit täglichen Angaben zu Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 sowie zu Schlaf und Stress vor. Dafür sind keine Blutuntersuchungen nötig. Der zusätzliche Vorschlag, optional morgens Cortisol zu messen, ist ohne klinische Fragestellung nicht begründet.
- Für die Anwendung werden 15 bis 30 Minuten, drei bis sieben Mal pro Woche, direkt auf der Haut oder über dünnem Stoff genannt. Die ersten ein bis fünf Minuten können unangenehm sein. Die Verträglichkeit setzt dabei Grenzen: Schmerz oder Hautschäden müssen nicht ausgehalten werden, um sich vermeintlich an die Matte zu gewöhnen.
- Ein vorab gewählter Beobachtungszeitraum erleichtert den Vergleich. Die Quelle beschreibt mögliche subjektive Veränderungen nach ein bis zwei Wochen und schlägt eine Beurteilung nach vier Wochen sowie erneut nach acht Wochen vor. Daraus lässt sich keine wissenschaftlich gesicherte Mindestdauer für jeden Menschen ableiten.
- Kurze tägliche Angaben und eine Notiz zur tatsächlichen Anwendung helfen, den Verlauf festzuhalten. Bereits vorhandene Schlaf- oder HRV-Daten können hinzukommen. Die Aufzeichnungen wöchentlich durchzusehen, sagt mehr aus als die Erinnerung an eine einzelne gute Sitzung.
- Bei neuen anhaltenden Hautreizungen, offenen Stellen, zunehmendem Schmerz oder schwangerschaftsbezogenen Beschwerden sollte die Anwendung beendet und gegebenenfalls fachlicher Rat eingeholt werden. Für den Vergleich mit Tag 0 sollten die Bedingungen möglichst ähnlich sein.
Für wen die Matte infrage kommt und wer vorsichtig sein sollte
An den kleinen Studien nahmen vor allem allgemein gesunde Erwachsene teil, die sich entspannen wollten. Bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen kommt eine ergänzende Anwendung allenfalls nach Abklärung und im Rahmen der bestehenden Versorgung infrage.
Bei Schwangerschaft, verletzter Haut, Krampfadern im Druckbereich, aktiven Hautinfektionen und sensibler Neuropathie rät die zugrunde liegende Quelle zu vorheriger fachlicher Rücksprache. Eine sensible Neuropathie kann das Empfinden beeinträchtigen. Dadurch fehlt ein wichtiges Warnsignal, wenn der Druck zu stark wird oder zu lange anhält. Offene oder entzündete Haut sollte nicht mit Spitzen belastet werden.
Die Behauptung, bestimmte traditionelle Akupressurpunkte seien in der Schwangerschaft generell kontraindiziert und dies gelte automatisch für jede Matte, muss fachlich geprüft werden. Eine Schwangerschaft ist dennoch ein sinnvoller Anlass, eine neue Anwendung mit Druck auf den Körper vorher mit dem betreuenden Team zu besprechen.
Sicherheit, Nebenwirkungen und die FDA-Frage
In den USA hängt die regulatorische Einordnung vom konkreten Produkt, seinen Risiken und den beworbenen Anwendungen ab. Die FDA hat eine Richtlinie für risikoarme allgemeine Wellnessprodukte; sie ist keine pauschale Freigabe aller Akupressurmatten. Eine gegebenenfalls vorhandene 510(k)-Freigabe betrifft das konkrete Medizinprodukt und seine Zweckbestimmung und ist keine Arzneimittelzulassung. Ob ein Modell eine solche Freigabe besitzt, muss anhand seiner Angaben und des FDA-Eintrags geprüft werden. Aussagen über TENS-Geräte lassen sich nicht auf Matten übertragen. FDA-Wellnessrichtlinie 510(k)
Beschrieben werden vor allem vorübergehende Hautreizungen und leichte Druckmarken, die meist innerhalb von Stunden zurückgehen. Die Quelle erwähnt außerdem gelegentliche kleine Blutungen bei empfindlichen Personen, insbesondere bei hoher Spitzendichte. Ob diese Angaben zur Häufigkeit und zur Spitzendichte zutreffen, muss anhand eines Belegs geprüft werden. Nach Darstellung der Quelle wurden in den kleinen Studien von 2011 und 2024 keine schweren unerwünschten Ereignisse dokumentiert. Seltene Risiken können solche kleinen Studien jedoch nicht zuverlässig ausschließen.
Wer Gerinnungshemmer einnimmt, sollte wegen möglicher Hautverletzungen besonders vorsichtig sein. Bei eingeschränkter Sensibilität lässt sich zu starker oder zu langer Druck schlechter wahrnehmen. Auch Schwangerschaft, geschädigte Haut und bestehende Gefäßprobleme müssen individuell berücksichtigt werden.
Woran sich ein persönlicher Nutzen erkennen lässt
Für Matten gibt es keinen klaren Blutmarker, der einen Behandlungserfolg anzeigt. Angaben zu Schmerz und Schlaf bleiben subjektive Endpunkte, auch wenn sie systematisch erfasst werden. HRV-Daten liefern eine zusätzliche Messgröße, beweisen für sich genommen aber weder Entspannung noch Wirksamkeit.
- Tägliche Schmerzangaben auf einer Skala von 0 bis 10 können den Verlauf beschreiben. Die Quelle nennt diese Skala VAS. Numerische Skalen und visuelle Analogskalen sind methodisch jedoch nicht völlig identisch.
- Für die Schlafqualität kommen ein Fragebogen wie der PSQI oder eine einfache Bewertung von 0 bis 10 infrage, um Veränderungen über Wochen sichtbar zu machen. Die beiden Instrumente sind nicht austauschbar.
- Bei der HRV wurden 2011 Veränderungen während der Mattennutzung beobachtet. Daraus folgt nicht, dass sich auch zwischen den Sitzungen stabile Verbesserungen zeigen. Das ist bei der Einordnung von Wearable-Daten zu beachten.
- Eine morgendliche Cortisolmessung wird in der Quelle als Option genannt, obwohl die Mattenstudie keine Veränderung des Speichelcortisols zeigte. Eine Routinekontrolle allein zur Bewertung der Matte lässt sich damit nicht begründen.
Ein besseres Befinden ist eine nützliche persönliche Beobachtung. Auch wenn sich zugleich die HRV verändert, beweist das jedoch nicht, dass die Matte die Ursache war. Bleibt der gewünschte Effekt aus, kann die Routine angepasst oder beendet werden. Aus einem einzelnen Versuch lässt sich keine allgemeine Aussage über alle Matten ableiten.
Veränderungen von normalen Schwankungen unterscheiden
Tägliche Bewertungen machen vor allem den Verlauf sichtbar; eine Erkrankung lässt sich damit nicht diagnostizieren. Erwartungen, die investierte Zeit und der Kaufpreis können beeinflussen, wie eine Anwendung erlebt wird und in Erinnerung bleibt.
Die mit einem Wearable gemessene HRV hängt unter anderem von den Messbedingungen und weiteren Begleitfaktoren ab. Die zugrunde liegende Quelle erwartet über vier bis acht Wochen einen Trend, falls sich das autonome Nervensystem verändert. Diese Erwartung ist kein validierter Test für die Wirksamkeit einer Matte. Um einen Verlauf einzuordnen, sind Mittelwerte über mehrere Wochen sinnvoller als einzelne auffällige Tage.
Zur Orientierung nennt die Quelle einen Rückgang um mindestens 2 Punkte auf einer 0-bis-10-Schmerzskala, gemittelt über Zweiwochenfenster. Einen Unterschied von 1 Punkt bewertet sie als mögliche Alltagsschwankung. Solche Schwellen hängen jedoch vom Ausgangsschmerz, der Erkrankung und dem Messinstrument ab. Sie dürfen deshalb nicht als universelle Grenze gelten. Aussagekräftiger ist ein konsistenter Verlauf, bei dem nicht nachträglich nur die beste Sitzung ausgewählt wird.
Welche Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten
Ausstrahlende Rückenschmerzen, ungeklärte chronische Schmerzen, der Verdacht auf eine Schlafstörung oder schwangerschaftsbezogene Beschwerden sollten vor einer Mattenanwendung beurteilt werden. Je nach Problem kommen die Hausarztpraxis, Physiotherapie, Schlafmedizin oder das geburtshilfliche Team als Ansprechpartner infrage.
Geht es ausschließlich um Entspannung, genügt oft die Frage, ob sich die Anwendung angenehm anfühlt und im Alltag hilft. Für dieses Ziel ist keine Reihe von Laboruntersuchungen nötig. Eine notwendige Diagnose kann die Matte allerdings nicht ersetzen.
Häufige Fragen
Wirken Akupressurmatten wirklich?
Kleine Studien zeigen, dass Entspannung während der Anwendung möglich ist. Die Vergleiche belegen aber keinen überlegenen subjektiven Entspannungseffekt der Matte; auch die neuere Trainingsstudie fand keinen Vorteil gegenüber Entspannung ohne Hilfsmittel. Günstigere Daten zur gezielten Akupressur bei Rückenschmerzen betreffen andere Verfahren und gelten nicht automatisch für Matten. 2011 · Trainingsstudie
Haben Akupressurmatten eine FDA-Freigabe?
Das lässt sich nicht für die gesamte Produktgruppe beantworten. Die allgemeine Wellnessrichtlinie der FDA ist keine Medizinproduktfreigabe. Falls ein Anbieter eine 510(k)-Freigabe nennt, sollte sie für das konkrete Modell und die beworbene Zweckbestimmung im FDA-Eintrag geprüft werden. Eine solche Freigabe ist keine Arzneimittelzulassung.
Wie lange und wie häufig wurden Matten angewendet?
Die Quelle nennt Anwendungen von 15 bis 30 Minuten, drei bis sieben Mal pro Woche, direkt auf der Haut oder über dünnem Stoff; die genaue Zuordnung zu einzelnen Studien ist nicht vollständig gesichert. Das ist keine persönliche Behandlungsanweisung. Für eine individuelle Anwendung sind die Verträglichkeit und bestehende Erkrankungen zu berücksichtigen.
Wer sollte keine Matte verwenden?
Offene oder entzündete Haut sollte nicht mit Spitzen belastet werden. Bei offenen Stellen, aktiver Hautinfektion, Krampfadern im Druckbereich oder eingeschränkter Sensibilität ist vor einer Anwendung fachliche Rücksprache nötig. Auch in der Schwangerschaft ist eine vorherige Besprechung sinnvoll. Gerinnungshemmer können die Folgen kleiner Verletzungen verstärken.
Was sagt die Forschung insgesamt?
Für Matten selbst gibt es wenige Daten. In der kleinen Studie von 2011 nahm Entspannung auch ohne Matte zu, und das Speichelcortisol unterschied sich nicht. Die spätere Trainingsstudie fand keinen signifikanten Vorteil gegenüber Entspannung ohne Hilfsmittel. Akupressur durch Fachpersonen bleibt ein anderes Verfahren mit eigener Forschung zu Rückenschmerzen. Matte · Akupressurübersicht · Training
Sind Matten dasselbe wie Akupunktur?
Nein. Bei Akupunktur setzt eine behandelnde Person Nadeln ein. Eine Matte übt mit Kunststoffspitzen Druck auf eine größere Hautfläche aus. Der Cochrane-Review zu Akupunktur bei chronischen Kreuzschmerzen bewertet deshalb eine andere Behandlung. Review
Woran erkenne ich einen persönlichen Nutzen?
Hilfreich ist, zunächst das eigene Ziel festzuhalten, etwa Entspannung, weniger Schmerz oder besseren Schlaf. Regelmäßige Beobachtungen unter ähnlichen Bedingungen erleichtern dann die persönliche Entscheidung, ob die Anwendung etwas bringt. Medizinische Wirksamkeit beweisen sie nicht. Eine optionale Cortisolkontrolle, wie sie die Quelle vorschlägt, ist dafür ohne weitere klinische Fragestellung nicht erforderlich.
Sind Akupressurmatten in der Schwangerschaft sicher?
Die genannten Daten erlauben keine pauschale Zusage zur Sicherheit. Eine neue Anwendung sollte deshalb mit dem betreuenden Team besprochen werden. Fachlich zu prüfen bleibt die Behauptung, bestimmte Akupressurpunkte seien generell kontraindiziert und diese Einschränkung lasse sich auf Matten übertragen.
Quellen
-
Olsson EM, von Schéele B (2011). Relaxing on a bed of nails: an exploratory study of the effects on the autonomic, cardiovascular, and respiratory systems, and saliva cortisol. Journal of alternative and complementary medicine (New York, N.Y.), 17(1), 5-12. https://doi.org/10.1089/acm.2010.0135 https://doi.org/10.1089/acm.2010.0135
-
Field T (2014). Massage therapy research review. Complementary therapies in clinical practice, 20(4), 224-9. https://doi.org/10.1016/j.ctcp.2014.07.002 https://doi.org/10.1016/j.ctcp.2014.07.002
-
Li T, Li X, Huang F, Tian Q, Fan ZY, Wu S (2021). Clinical Efficacy and Safety of Acupressure on Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. Evidence-based complementary and alternative medicine : eCAM, 2021, 8862399. https://doi.org/10.1155/2021/8862399 https://doi.org/10.1155/2021/8862399
-
Hsieh LL, Kuo CH, Lee LH, Yen AM, Chien KL, Chen TH (2006). Treatment of low back pain by acupressure and physical therapy: randomised controlled trial. BMJ (Clinical research ed.), 332(7543), 696-700. https://doi.org/10.1136/bmj.38744.672616.AE https://doi.org/10.1136/bmj.38744.672616.AE
-
Kisker J, Schöne B (2024). Regular use of acupressure mats reduces perceived stress at subjective but not psychophysiological levels: Insights from a three-week relaxation training. Applied psychology. Health and well-being, 16(1), 338-355. https://doi.org/10.1111/aphw.12490 https://doi.org/10.1111/aphw.12490
-
Waits A, Tang YR, Cheng HM, Tai CJ, Chien LY (2018). Acupressure effect on sleep quality: A systematic review and meta-analysis. Sleep medicine reviews, 37, 24-34. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2016.12.004 https://doi.org/10.1016/j.smrv.2016.12.004
-
Yeung WF, Chung KF, Poon MM, Ho FY, Zhang SP, Zhang ZJ, Ziea ET, Wong VT (2012). Acupressure, reflexology, and auricular acupressure for insomnia: a systematic review of randomized controlled trials. Sleep medicine, 13(8), 971-84. https://doi.org/10.1016/j.sleep.2012.06.003 https://doi.org/10.1016/j.sleep.2012.06.003
-
Wang Y, Zhang X, Lan L, Qu Y, Wang Y, Chen J, Chou LW, Zeng F (2026). Acupressure for Sleep, Mental Health, and Quality of Life in Hemodialysis Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nature and science of sleep, 18, 566303. https://doi.org/10.2147/NSS.S566303 https://doi.org/10.2147/NSS.S566303
-
Mu J, Furlan AD, Lam WY, Hsu MY, Ning Z, Lao L (2020). Acupuncture for chronic nonspecific low back pain. The Cochrane database of systematic reviews, 12(12), CD013814. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013814 https://doi.org/10.1002/14651858.CD013814