Warum bin ich ständig müde und hungrig?
Klinische Prüfung ausstehend
Ständige Müdigkeit und häufiger Hunger können eine gemeinsame Ursache haben. Dazu gehören zu wenig Schlaf, Blutzuckerschwankungen, Stress, Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung. Welche Erklärung infrage kommt, hängt auch von weiteren Beschwerden, Medikamenten und den Alltagsgewohnheiten ab.
Wer ständig müde ist und häufig Hunger hat, fragt sich vielleicht, ob beides zusammenhängt. Eine gemeinsame Ursache ist möglich: Zu wenig Schlaf, Blutzuckerschwankungen und Stress kommen ebenso infrage wie Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung. Welche Erklärung passt, hängt von weiteren Beschwerden, den eingenommenen Medikamenten und den Alltagsgewohnheiten ab.
Warum Müdigkeit und Hunger gemeinsam auftreten
Schlafmangel kann müde machen und zugleich den Appetit beeinflussen. Eine Übersichtsarbeit über 41 Studien ergab, dass verkürzter Schlaf den Hunger verstärkte und die tägliche Energieaufnahme um etwa 250 Kilokalorien erhöhte.
Auch die Zusammensetzung einer Mahlzeit kann den Hunger beeinflussen. In einer Studie mit 12 Männern ließ eine schnell verdauliche Mahlzeit den Blutzucker innerhalb von 2 Stunden 2,4-mal so stark ansteigen wie eine vergleichbare, langsamer verdauliche Mahlzeit. Nach 4 Stunden war der Blutzucker niedriger und der Hunger stärker als nach der langsamer verdaulichen Mahlzeit. Die kleine Studie liefert einen Hinweis darauf, wie Mahlzeiten, Blutzuckerverlauf und Hunger zusammenhängen können. Im Alltag können zudem Gewohnheiten Hunger und Müdigkeit zugleich begünstigen.
Alltagsgewohnheiten, die müde und hungrig machen können
Je nach Gewohnheit verändert sich vor allem der Hunger oder das Gefühl, wie viel Energie zur Verfügung steht. Manche Einflüsse betreffen beides.
- Zu wenig Schlaf: In einer Studie mit jungen Männern sank nach 2 kurzen Nächten der Spiegel von Leptin, einem Hormon, das Sättigung signalisiert, um 18 %. Der Spiegel des hungerfördernden Hormons Ghrelin stieg um 28 %. Eine größere Übersichtsarbeit bestätigte diese Hormonveränderungen allerdings nicht.
- Eiweißarme Mahlzeiten: Mahlzeiten mit mehr Protein, also Eiweiß, führen im Durchschnitt zu einem etwas stärkeren Sättigungsgefühl.
- Zu wenig Flüssigkeit: In einer Studie mit jungen Männern verstärkte ein leichter Flüssigkeitsmangel Müdigkeit und Anspannung. Der Flüssigkeitsverlust entsprach etwa 1,6 % des Körpergewichts.
- Anhaltender Stress: In einer Laborstudie mit Frauen aßen diejenigen mehr süße Lebensmittel, bei denen der Spiegel des Stresshormons Cortisol unter Belastung am stärksten anstieg. Die Studie untersuchte eine Stressreaktion im Labor. Wie sich chronischer Stress bei einer einzelnen Person auswirkt, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
Eine Erkrankung kommt ebenfalls als Ursache infrage, auch wenn sich die Gewohnheiten nicht verändert haben und die Beschwerden anhalten.
Erkrankungen, die ständigen Hunger und Müdigkeit verursachen können
Verschiedene Erkrankungen können mit Müdigkeit und verändertem Appetit einhergehen. Die meisten lassen sich durch eine ärztliche Untersuchung oder gezielte Bluttests abklären. Ausgeprägter Hunger auch kurz nach dem Essen gehört zu den häufigen Symptomen eines Diabetes. Medizinisch heißt dieser starke Hunger Polyphagie. Die folgenden Erkrankungen unterscheiden sich darin, wie sie Appetit, Gewicht und Energie beeinflussen.
| Erkrankung | Hunger und Gewicht | Energie und weitere Beschwerden | Wie wird sie abgeklärt? |
|---|---|---|---|
| Diabetes oder Prädiabetes | Starker Hunger auch nach dem Essen möglich; anhand der Beschwerden allein lassen sich Diabetes und Prädiabetes nicht unterscheiden | Müdigkeit | Hämoglobin A1c (HbA1c, auch A1C) oder Nüchternblutzucker |
| Unterzuckerung, überwiegend bei Menschen mit Diabetes | Hunger | Müdigkeit, Zittern oder Schwindel | Messung der Glukose im Blut |
| Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) | Gewichtszunahme | Müdigkeit, erhöhte Kälteempfindlichkeit | Zunächst thyreoideastimulierendes Hormon (TSH), anschließend Thyroxin (T4) |
| Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) | Mehr Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust | Müdigkeit, Schlafprobleme | Zunächst TSH, anschließend T4 |
| Depression | Appetit und Gewicht können zu- oder abnehmen | Müdigkeit, wenig Energie | Ärztliche Beurteilung |
Auch Ursachen außerhalb dieser Erkrankungen können die Beschwerden erklären und werden leicht übersehen.
Schwangerschaft und Medikamente als leicht übersehene Ursachen
Eine Schwangerschaft kann Müdigkeit erklären; bestimmte Medikamente kommen als Ursache einer Gewichtszunahme infrage. Beide Möglichkeiten verdienen bei der Suche nach einer Erklärung Beachtung.
In der Schwangerschaft sind Müdigkeit und Erschöpfung häufig, besonders in den ersten 12 Wochen. Hormonelle Veränderungen können in dieser Zeit auch Übelkeit auslösen.
Einige Antidepressiva, Antipsychotika, Diabetesmedikamente, Blutdruckmedikamente und Kortikosteroide stehen mit Gewichtszunahme in Zusammenhang. Für viele dieser Medikamente kommen gewichtsneutrale Alternativen oder eine andere Dosis infrage. Ob eine solche Änderung geeignet ist, muss ärztlich beurteilt werden. Verordnete Medikamente sollten deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache geändert werden. Bei den Alltagsgewohnheiten lassen sich einige Schritte selbst angehen.
Was im Alltag bei Hunger und Müdigkeit helfen kann
Kleine Veränderungen können ein erster Ansatz sein, um den Hunger gleichmäßiger zu halten und sich weniger müde zu fühlen.
- Mahlzeiten um eine Proteinquelle ergänzen, wenn sie bisher ausschließlich aus kohlenhydratreichen Lebensmitteln bestehen.
- An den meisten Tagen zu ähnlichen Zeiten schlafen gehen und aufstehen.
- Über den Tag verteilt Wasser trinken. Eine griffbereite Flasche kann dabei helfen.
- Die eingenommenen Medikamente ärztlich besprechen und nach gewichtsneutralen Möglichkeiten fragen.
- Beschwerden festhalten: Seit wann bestehen sie? Verändert sich das Gewicht? Kommen Durst oder erhöhte Kälteempfindlichkeit hinzu?
Halten die Beschwerden trotz dieser Veränderungen an, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Je nach Beschwerden können dabei auch Blutuntersuchungen sinnvoll sein.
Was unauffällige Blutwerte bei Müdigkeit aussagen
Unauffällige Routineblutwerte schließen niedrige Eisenspeicher, Veränderungen der Schilddrüsenfunktion oder einen steigenden Blutzucker nicht unbedingt aus. Für die Einordnung ist entscheidend, welche Werte gemessen wurden. Ein Referenzbereich beschreibt, wo die Werte der meisten gesunden Menschen liegen. Er gibt keinen persönlichen Zielbereich vor.
Die Eisenspeicher können schon abnehmen, bevor sich das Hämoglobin verändert. Dieser rote Blutfarbstoff wird häufig gemessen, um eine Blutarmut abzuklären. Ferritin gibt dagegen Aufschluss über gespeichertes Eisen und ist ein wichtiger Laborwert bei der Abklärung eines Eisenmangels. Niedrige Eisenwerte können auch bei normalem Hämoglobin und ohne Anämie, also ohne Blutarmut, mit Müdigkeit einhergehen. Mit Müdigkeit bei Eisenmangel ohne Anämie befassen sich eine systematische Übersichtsarbeit und eine Studie mit menstruierenden Frauen mit niedrigem Ferritin.
Zur Untersuchung der Schilddrüse wird meist zuerst TSH bestimmt. Dieses Hormon regt die Schilddrüse an, Hormone zu produzieren. Anschließend kann der Wert des Schilddrüsenhormons Thyroxin, kurz T4, bestimmt werden. Schwangerschaft, Antibabypillen oder Kortikosteroide können T4-Werte verändern, ohne dass eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt.
Der HbA1c-Wert gibt an, welcher Anteil des Hämoglobins Glukose, also Blutzucker, gebunden hat. Damit hilft er, den Blutzucker über einen längeren Zeitraum einzuschätzen. Nach den zitierten US-amerikanischen Diagnosekriterien liegt ein HbA1c von 5,7 % bis 6,4 % im Bereich eines Prädiabetes. Diese Vorstufe des Diabetes kann leicht unbemerkt bleiben. Bei bestimmten Begleitbeschwerden ist zeitnah ärztlicher Rat nötig, statt zunächst weitere Tests abzuwarten.
Wann Hunger und Müdigkeit ärztlich abgeklärt werden sollten
Treten neben Hunger und Müdigkeit weitere Beschwerden auf, ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung besonders wichtig. Dazu gehören:
- Starker Durst oder häufiges Wasserlassen
- Gewichtsverlust trotz vermehrten Essens
- Ausgeprägte Kälteempfindlichkeit
- Gedrückte Stimmung oder Verlust des Interesses an gewohnten Aktivitäten
- Atemnot oder Brustschmerzen
Müdigkeit und Gewichtszunahme kommen häufig vor und bedeuten für sich genommen nicht zwangsläufig eine Schilddrüsenerkrankung. Ärztlich werden die Beschwerden deshalb gemeinsam mit den passenden Laborwerten beurteilt.
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