Amycretin: Wie wirkt es und was zeigen die bisherigen Studien?
Klinische Prüfung ausstehend
Amycretin verbindet die Wirkung an GLP-1- und Amylinrezeptoren. Was frühe Studien zu Gewichtsverlust und Verträglichkeit zeigen und welche Fragen offenbleiben.
Was ist Amycretin?
Amycretin ist ein experimenteller Wirkstoff zur Gewichtsregulierung. Er aktiviert zwei Rezeptoren, über die Hormone den Appetit beeinflussen: den GLP-1-Rezeptor und den Amylinrezeptor. Frühe Studien zeigen eine Gewichtsabnahme; wie anhaltend die Wirkung ist und wie verträglich eine längerfristige Behandlung wäre, bleibt offen.
Amycretin wird auch als Zenagamtid bezeichnet 1. Novo Nordisk entwickelt den Wirkstoff in zwei Formen: als Injektion einmal wöchentlich unter die Haut und als orale Form, die einmal täglich eingenommen wird. Amycretin wird noch klinisch untersucht und ist bislang für keine Anwendung zugelassen.
Wie wirkt Amycretin?
Amycretin verbindet zwei Signalwege, die den Appetit beeinflussen. Es aktiviert den GLP-1-Rezeptor [2], über den ein Darmhormon aus der Gruppe der Inkretine wirkt. Auch Wirkstoffe wie Semaglutid setzen an diesem Rezeptor an. Wird er aktiviert,
- steigt die Insulinausschüttung, wenn der Blutzuckerspiegel hoch ist,
- entleert sich der Magen langsamer,
- nimmt der Appetit ab.
Amycretin aktiviert außerdem den Amylinrezeptor [3]. Dieser reagiert auf Amylin, ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, das das Sättigungsgefühl fördert.
Beide Signalwege können jeweils die Nahrungsaufnahme verringern. Amycretin soll sie in einem Molekül zusammenführen, damit sich ihre Sättigungssignale ergänzen. Die Hypothese dahinter: Gemeinsam könnten sie die Nahrungsaufnahme stärker senken als jeder Signalweg allein. Ob dieser Mechanismus auch einen anhaltenden Nutzen bringt, müssen klinische Studien zeigen.
Ist Amycretin von der FDA zugelassen?
Nein. Amycretin wird noch klinisch untersucht und ist weder von der US-Arzneimittelbehörde FDA noch von einer anderen Zulassungsbehörde zugelassen. Nach Angaben von Novo Nordisk sollen nach den Ergebnissen früher Studien beide Formen in Phase 3 zur Gewichtsregulierung untersucht werden: die subkutane Form, die unter die Haut gespritzt wird, und die orale Form zum Einnehmen. Die Phase-3-Studie AMAZE 1 begann im Februar 2026, Teilnehmende aufzunehmen 4.
Was zeigt die Forschung?
Die bisherigen Daten am Menschen stammen aus frühen Studienphasen. Zwei veröffentlichte Studien untersuchten die subkutane und die orale Form:
| Studie | Dauer | Ergebnisse |
|---|---|---|
| Phase-1b/2a-Studie zur subkutanen Form 3 mit 125 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas | Bis zu 36 Wochen | Das Gewicht nahm dosisabhängig ab. Nach 36 Wochen sank es bei einer Dosis von 60 mg um 24,3 %, unter Placebo um 1,1 % 3 (p < 0,0001). Die Magen-Darm-Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis mittelschwer. Allerdings brachen auffällig viele Teilnehmende die Studie oder die Behandlung ab. |
| Erste Studie der oralen Form am Menschen 5 | 12 Wochen | Im Mittelpunkt standen die Sicherheit und die Wirkstoffspiegel. Zusätzlich erfasste die Studie Gewichtsveränderungen, um erste Hinweise auf eine mögliche Wirkung zu gewinnen. Diese Auswertung war explorativ, diente also zunächst der Erkundung. |
Beide Studien waren klein und liefen nur über einen kurzen Zeitraum. Ergebnisse zur Wirksamkeit aus Phase-3-Studien liegen bislang nicht vor. Die frühen Ergebnisse lassen deshalb noch keine gesicherte Aussage darüber zu, wie Amycretin längerfristig wirkt und wie gut es über längere Zeit vertragen wird.