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Ist man im Schlaf bewusstlos?

Klinische Prüfung ausstehend

Bewusstsein im Schlaf: Wie sich Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit zwischen Schlafphasen verändern.

Blaue Papierbänder bilden eine liegende menschliche Silhouette neben einer gelben Scheibe.

Normaler Schlaf ist nicht mit medizinischer Bewusstlosigkeit gleichzusetzen. Die Wahrnehmung der Umgebung verändert sich, doch das Gehirn bleibt aktiv: Es durchläuft verschiedene Schlafstadien, verarbeitet bestimmte Reize und erfüllt wichtige Aufgaben für Gedächtnis und Erholung. Ob dabei bewusstes Erleben vorhanden ist, lässt sich nicht allein an dieser Aktivität ablesen. Schlaf und Bewusstsein sind komplexer als ein Wechsel zwischen „an“ und „aus“.

Ist man im Schlaf bewusstlos?

Die kurze Antwort

Im medizinischen Sinn unterscheidet sich normaler Schlaf wesentlich von Bewusstlosigkeit. Die bewusste Wahrnehmung ist im Schlaf verändert und häufig deutlich vermindert. Eine Übersichtsarbeit in Nature Reviews Neuroscience beschreibt Schlaf sinngemäß als einen umkehrbaren Verhaltenszustand, in dem die Wahrnehmung von der Umgebung abgekoppelt ist. Der Zugang zur Außenwelt ist dabei eingeschränkt, aber nicht vollständig unterbrochen. Hobson und Pace-Schott, 2002

Auch im Schlaf kann das Gehirn äußere Reize verarbeiten und unterschiedlich darauf reagieren. So kann ein Elternteil vom Weinen seines Babys aufwachen, während lautere Hintergrundgeräusche den Schlaf nicht unterbrechen. Ebenso kann der leise ausgesprochene eigene Name eine Reaktion auslösen, während ein fremder Name bei gleicher Lautstärke unbeachtet bleibt. Eine solche Reaktion belegt allerdings für sich genommen noch kein bewusstes Erleben.

Wie medizinische Bewusstlosigkeit aussieht

Medizinische Bewusstlosigkeit kann etwa bei einer Vollnarkose, nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma oder im Koma auftreten. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum normalen Schlaf ist die Weckbarkeit: Im Schlaf können ausreichend laute Geräusche oder sanftes Rütteln zum Aufwachen führen. Bei medizinischer Bewusstlosigkeit gelingt das mit gewöhnlichen Weckreizen typischerweise nicht.

Wie die Hirnaktivität und die Reaktionen auf Reize aussehen, hängt dagegen vom jeweiligen Zustand ab. Vollnarkose, schwere Hirnverletzung und Koma lassen sich in dieser Hinsicht nicht ohne Weiteres gleichsetzen.

Wie sich Schlaf von Bewusstlosigkeit unterscheidet

Geordnete Zyklen der Hirnaktivität

Schlaf hat eine charakteristische Architektur. Das Gehirn durchläuft die NREM-Stadien 1, 2 und 3 sowie den REM-Schlaf in Zyklen von ungefähr 90 Minuten. Jedes Stadium hat ein eigenes EEG-Muster: von den Schlafspindeln in Stadium 2 über die Deltawellen des Tiefschlafs bis zur schnellen, desynchronisierten Aktivität im REM-Schlaf. Diese geordnete Abfolge zeigt, wie aktiv das Gehirn während des Schlafs arbeitet.

Eine Vollnarkose lässt sich nicht als natürliche Erholung mit derselben Abfolge von Schlafstadien verstehen. Ebenso wenig lässt sie sich pauschal als vollständige „Stilllegung“ des Gehirns beschreiben.

Umkehrbarkeit und Weckbarkeit

Aus jedem normalen Schlafstadium ist ein Aufwachen durch ausreichend starke Reize möglich. Im Tiefschlaf muss ein Reiz stärker sein als im Leichtschlaf, doch grundsätzlich besteht eine Weckschwelle. Das Gehirn verarbeitet eintreffende Sinnesinformationen und beeinflusst damit, ob der Schlaf anhält oder ein Aufwachen folgt. Diese Reizfilterung wird auch „Gating“ genannt und ist eine aktive neurologische Funktion.

Wie sich diese Verarbeitung bei unterschiedlichen Formen von Bewusstlosigkeit verändert, erfordert eine differenzierte Betrachtung.

Homöostatische Regulation

Nach zu wenig Schlaf nimmt der Schlafdruck zu; nach ausreichend Schlaf sinkt er wieder. Diese Anpassung wird als homöostatische Regulation bezeichnet. Ein Schlafdefizit kann sich ansammeln und durch Erholungsschlaf zumindest teilweise ausgeglichen werden. Mehr dazu: Kann man Schlaf nachholen?

Medizinische Bewusstlosigkeit unterliegt keiner vergleichbaren Regulation. Der Körper braucht Schlaf, entwickelt aber keinen entsprechenden physiologischen Bedarf nach einer Bewusstlosigkeit durch Narkose oder Koma und strebt einen solchen Zustand nicht an.

Was dein Gehirn in den einzelnen Schlafstadien tut

Leichtschlaf: die Übergangszone

Das NREM-Stadium 1 bildet den Übergang zwischen Wachsein und Schlaf. Das Gehirn erzeugt Thetawellen, die Muskelspannung lässt nach, und es können Einschlafzuckungen auftreten. Manchmal gehen sie mit dem plötzlichen Gefühl einher, zu fallen. In dieser Phase lässt man sich leicht wecken und bemerkt möglicherweise gar nicht, bereits geschlafen zu haben. Die bewusste Wahrnehmung tritt im Leichtschlaf zunehmend in den Hintergrund.

Im Stadium 2 nimmt die Abkopplung von der Umgebung weiter zu. Das EEG zeigt Schlafspindeln und K-Komplexe. Vermutlich tragen diese Vorgänge dazu bei, die Weiterleitung äußerer Reize an höhere Hirnregionen zu begrenzen und so den Schlaf zu stabilisieren. Das Gehirn filtert also weiterhin Informationen aus der Umgebung.

Tiefschlaf: intensive Erholung

Im NREM-Stadium 3, auch Slow-Wave-Schlaf genannt, erzeugt das Gehirn große, langsame Deltawellen. Aus diesem Stadium lässt man sich am schwersten wecken. Wer daraus aufwacht, fühlt sich manchmal benommen und desorientiert. Dieser Zustand heißt Schlafträgheit oder Schlafinertie.

Für diese Phase werden ein Höhepunkt der Wachstumshormonausschüttung, eine beschleunigte Gewebereparatur und eine erhöhte Aktivität des Immunsystems beschrieben. Die dazu angeführte Veröffentlichung behandelt die Physiologie der Wachstumshormonausschüttung im Schlaf.

Selbst im Tiefschlaf kann das Gehirn bestimmte Umgebungsreize weiter verarbeiten. Eine dazu angeführte Studie wird so beschrieben, dass Menschen im Tiefschlaf stärker auf ihren eigenen gesprochenen Namen reagierten als auf andere Namen. Das wäre ein Hinweis darauf, dass das Gehirn Geräusche weiterhin auf ihre Bedeutung hin bewertet; bewusstes Erleben wäre damit noch nicht nachgewiesen. Ob die zitierte Arbeit genau diesen Befund belegt, ist noch offen. Blume et al., 2018

REM-Schlaf: innerlich wird das Gehirn wach

Während des REM-Schlafs ähneln die Stoffwechselaktivität und die elektrischen Aktivitätsmuster des Gehirns in vieler Hinsicht denen im Wachzustand. In dieser Phase sind lebhafte Träume mit zusammenhängenden Handlungsabläufen möglich. Der präfrontale Kortex, der unter anderem an logischem Denken und Selbstwahrnehmung beteiligt ist, ist dabei weniger aktiv. Das trägt zur Erklärung bei, warum Träume trotz ihrer mitunter absurden Inhalte real wirken können.

Zugleich wird die Aktivität eines großen Teils der willkürlichen Muskulatur vorübergehend gehemmt. Diese sogenannte Atonie verhindert normalerweise, dass Träume körperlich ausgeführt werden. Die Augen bewegen sich rasch, die Herzfrequenz schwankt, und das Gehirn verarbeitet intensiv Emotionen und Erinnerungen. REM-Schlaf lässt sich in diesem Sinn als veränderter Bewusstseinszustand beschreiben.

Kann man im Schlaf bewusst etwas erleben?

Luzides Träumen

Beim luziden Träumen, auch Klarträumen genannt, wird einem bewusst, dass man träumt, während der Traum weitergeht. Eine hierzu angeführte Studie soll bewusste Wahrnehmung innerhalb eines Traums mithilfe von Augensignalen bestätigt haben. Beschrieben wird, dass Klarträumende gezielte Entscheidungen treffen, sich an Anweisungen vor dem Einschlafen erinnern und über zuvor vereinbarte Augenbewegungen mit Forschenden kommunizieren können. Die genaue Zuordnung dieser Fähigkeiten zur zitierten Veröffentlichung steht noch aus. Voss et al., 2009

Klarträume liefern damit einen besonders deutlichen Hinweis darauf, dass Schlaf nicht grundsätzlich mit fehlendem Bewusstsein gleichzusetzen ist. Während des REM-Schlafs kann ein ausgeprägtes Bewusstsein für den eigenen Zustand entstehen, obwohl der Körper weiterhin schläft und die REM-bedingte Muskelhemmung bestehen bleibt.

Verarbeitung der Umgebung im Schlaf

Mit dem Einschlafen endet die Verarbeitung von Geräuschen nicht. Eine in Current Biology veröffentlichte Untersuchung beschäftigte sich damit, wie das schlafende Gehirn auf gesprochene Wörter reagiert. Die Teilnehmenden sollten Wörter als Tiere oder Gegenstände einordnen. Der Studienbeschreibung zufolge verarbeiteten ihre Gehirne die Bedeutung der Wörter und bereiteten motorische Antworten vor, während sie weiter schliefen. Kouider et al., 2014

Ob während des Schlafs tatsächlich ein Tastendruck erfolgte oder lediglich eine motorische Antwort im Gehirn vorbereitet wurde, geht aus der vorliegenden Beschreibung nicht eindeutig hervor. Für die Einordnung ist dieser Unterschied wesentlich.

Schlaf vermindert die bewusste Wahrnehmung, beendet aber nicht jede Form der kognitiven Verarbeitung.

Warum dein Gehirn nicht vollständig abschaltet

Überleben aus evolutionärer Sicht

Aus evolutionärer Sicht wäre vollständige Unempfindlichkeit gegenüber der Umgebung im Schlaf gefährlich gewesen. Unsere Vorfahren mussten bei Raubtieren, Unwettern oder dem Weinen eines Säuglings aufwachen können. Die Fähigkeit, im Schlaf die Umgebung zu überwachen, unwichtige Geräusche auszufiltern und mögliche Gefahren zu erkennen, lässt sich als eine über Millionen von Jahren entwickelte Überlebensanpassung verstehen.

Diese Erklärung macht nachvollziehbar, warum jemand trotz eines laut rumpelnden Lastwagens weiterschlafen, aber beim Knarren einer Tür aufwachen kann. Das Gehirn kann Geräusche auch im Schlaf nach ihrer möglichen Bedeutung bewerten. Dafür müssen Nervenzellen aktiv sein. Wie stark einzelne Geräusche zum Aufwachen führen, unterscheidet sich allerdings von Mensch zu Mensch und je nach Situation. Siehe auch: Warum verschlafe ich meinen Wecker?

Wichtige Erhaltungsfunktionen

Schlaf erfüllt biologische Aufgaben, für die das Gehirn aktiv bleiben muss. Dazu gehört der beschriebene Abtransport von Stoffwechselabfällen durch das glymphatische System im Tiefschlaf, darunter Beta-Amyloid, das mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung steht. Als Beleg wird die Arbeit Sleep drives metabolite clearance from the adult brain angeführt. Wie weit ihre Ergebnisse auf den menschlichen Tiefschlaf übertragbar sind, muss noch eingeordnet werden. Xie et al., 2013

Während des NREM- und REM-Schlafs werden neuronale Muster koordiniert erneut aktiviert. Dieser Vorgang ist mit der Festigung von Erinnerungen verbunden. Auch die Hormonregulation umfasst aktive Signalprozesse im Schlaf. Dazu zählen die Ausschüttung von Wachstumshormon, der zeitliche Verlauf der Cortisolausschüttung und die Schilddrüsenfunktion.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass solche biologischen Erhaltungsprozesse bei jeder Form von Bewusstlosigkeit vollständig ausbleiben.

Schlafstörungen, die die Grenze verwischen

Schlafwandeln und Parasomnien

Beim Schlafwandeln wird deutlich, wie schwer sich Schlaf und Bewusstsein mitunter voneinander abgrenzen lassen. Während einer Episode können Betroffene komplexe Bewegungsabläufe ausführen: gehen, sprechen und in beschriebenen Fällen sogar Auto fahren. Gleichzeitig kann das EEG Muster zeigen, die mit Tiefschlaf vereinbar sind.

Vereinfacht gesagt sind manche Hirnbereiche bereits „wach“, während andere weiter schlafen. Dieser gemischte Zustand entspricht weder einem vollständig wachen Bewusstsein noch einem einheitlichen Schlafzustand des gesamten Gehirns.

Schlafparalyse

Eine Schlafparalyse entsteht, wenn die bewusste Wahrnehmung zurückkehrt, während die Muskelhemmung des REM-Schlafs noch anhält. Betroffene sind wach und nehmen ihre Umgebung wahr, können sich aber vorübergehend nicht bewegen. Das kann beängstigend sein.

Einzelne Episoden sind häufig vorübergehend und für sich genommen meist ungefährlich. Eine uneingeschränkte Einordnung als harmlos geht jedoch zu weit. Schlafparalyse veranschaulicht, wie sich Merkmale von Schlafen und Wachsein überlagern können: Der Übergang verläuft gelegentlich nicht in allen beteiligten Systemen gleichzeitig.

Sprechen im Schlaf und andere Phänomene

Sprechen im Schlaf, Weinen im Schlaf und Stöhnen im Schlaf zeigen, dass das schlafende Gehirn komplexe Äußerungen und Verhaltensweisen hervorbringen kann, ohne dass ein vollständiges Wachbewusstsein besteht.

Als gemeinsame Erklärung werden teilweise Weckreaktionen angeführt, bei denen einige Hirnregionen aktiv werden, während andere im Schlafzustand bleiben. Ob diese Erklärung auf alle genannten Phänomene gleichermaßen zutrifft, ist noch zu prüfen.

Was das für deine Gesundheit bedeutet

Schlafqualität und nicht nur Schlafdauer

Für die Erholung zählt auch, wie zusammenhängend der Schlaf ist. Eine Nacht mit häufigen Unterbrechungen kann die geordnete Abfolge der Schlafstadien stören und unterscheidet sich damit von einer Nacht ohne solche Unterbrechungen, selbst bei gleicher Gesamtschlafdauer. Möglichst ungestörte Schlafzyklen unterstützen die Erholungs- und Verarbeitungsprozesse des Gehirns.

Das erklärt, weshalb Erkrankungen wie Schlafapnoe den Schlaf erheblich beeinträchtigen können. Wiederholte kurze Weckreaktionen unterbrechen die Schlafarchitektur, ohne dass jedes Mal ein bewusstes Aufwachen bemerkt wird. Dadurch können Tiefschlaf- und REM-Phasen gestört werden. Auch nach 8 Stunden im Bett ist deshalb nicht unbedingt ausreichend Erholung erreicht. Art und Ausmaß der Beeinträchtigung unterscheiden sich zwischen den Betroffenen.

Die Signale hinter deinem Schlaf verstehen

Wie das Gehirn die verschiedenen Schlafstadien durchläuft, hängt mit dem Zusammenspiel von Botenstoffen, Hormonen und weiteren körperlichen Faktoren zusammen. Als Einflussgrößen werden Cortisol, Melatonin, Magnesium, Schilddrüsenhormone und die Blutzuckerregulation genannt. Sie werden damit in Zusammenhang gebracht, ob die Schlafstadien regelgerecht ablaufen oder gestört werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist man im Schlaf bewusstlos?

Normaler Schlaf ist nicht mit medizinischer Bewusstlosigkeit gleichzusetzen. Die bewusste Wahrnehmung ist verändert und häufig deutlich vermindert. Das Gehirn bleibt aktiv, durchläuft geordnete Stadien, verarbeitet ausgewählte äußere Reize und kann bei bedeutsamen Signalen eine Weckreaktion auslösen.

Die Unterschiede zu Narkose oder Koma lassen sich allerdings nicht pauschal auf Struktur, Umkehrbarkeit und selektive Wahrnehmung reduzieren. Insbesondere ist die Verarbeitung von Reizen nicht gleichbedeutend mit bewusstem Erleben.

Was ist der Unterschied zwischen Schlaf und Bewusstlosigkeit?

Normaler Schlaf zeichnet sich durch eine geordnete Abfolge von Hirnaktivitätsmustern, die selektive Verarbeitung von Umgebungsreizen und Weckbarkeit durch gewöhnliche Reize aus. Hinzu kommt die homöostatische Regulation: Nach Schlafmangel steigt der körperliche Schlafdruck.

Medizinische Bewusstlosigkeit lässt sich durch übliche Weckreize typischerweise nicht beenden und unterliegt keinem vergleichbaren Schlafdruck. Aussagen über unterdrückte oder ungeordnete Hirnaktivität und eine vollständig fehlende Reizfilterung müssen dagegen je nach Ursache und Tiefe des Zustands differenziert werden.

Ist das Gehirn im Schlaf aktiv?

Ja. Während des REM-Schlafs ähnelt die Hirnaktivität in vieler Hinsicht der im Wachzustand. Auch im Tiefschlaf erzeugt das Gehirn geordnete Deltawellen. Diese Phase ist außerdem mit Hormonausschüttung, dem Abtransport von Stoffwechselprodukten und einer fortbestehenden Verarbeitung bestimmter Umgebungsreize verbunden.

Schlaf ist ein aktiver Zustand mit wichtigen Erhaltungsfunktionen. Aus der Verarbeitung von Umgebungsreizen lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres auf bewusstes Wahrnehmen schließen.

Kann man im Schlaf etwas hören?

Ja. Das schlafende Gehirn verarbeitet Geräusche und kann der angeführten Forschung zufolge auch auf die Bedeutung gesprochener Wörter reagieren, ohne dass die Person aufwacht. Es bewertet, wie relevant Geräusche sind. Das kann erklären, warum der eigene Name eher eine Reaktion auslöst als ein beliebiges Hintergrundgeräusch. Ein Aufwachen ist dadurch jedoch nicht garantiert.

Diese Verarbeitung wird als besonders ausgeprägt in leichteren Schlafstadien beschrieben, bleibt aber in gewissem Umfang auch im Tiefschlaf erhalten. Bei der Untersuchung zur Einordnung gesprochener Wörter ist noch zu klären, ob während des Schlafs Antworten tatsächlich ausgeführt oder lediglich im Gehirn vorbereitet wurden.

Was passiert im Tiefschlaf mit dem Bewusstsein?

Im Tiefschlaf, dem NREM-Stadium 3, ist die subjektive Wahrnehmung innerhalb des Schlafzyklus besonders stark vermindert. Traumberichte aus diesem Stadium werden als selten und im Vergleich zum REM-Schlaf fragmentarisch beschrieben. Dennoch kann das Gehirn bedeutsame Reize weiterhin verarbeiten und ein Aufwachen auslösen.

Diese erhaltene Reizverarbeitung allein belegt kein bewusstes Erleben. Sie reicht daher nicht aus, um zu folgern, das Bewusstsein sei im Tiefschlaf lediglich minimiert und niemals abwesend.

Ist Schlafparalyse eine Form von Bewusstsein während des Schlafs?

Ja, in dem Sinn, dass sich Merkmale von Schlaf und Wachsein überlagern. Bei einer Schlafparalyse kehrt das Wachbewusstsein zurück, während die Muskelhemmung des REM-Schlafs noch anhält. Betroffene nehmen ihre Umgebung bewusst wahr, können sich aber vorübergehend nicht bewegen.

Der Übergang zwischen Schlaf und Wachsein erfolgt also nicht immer gleichzeitig in allen beteiligten Systemen. Bewusste Wahrnehmung kann bereits vorhanden sein, während die für den REM-Schlaf typische Muskelhemmung fortbesteht.

Träumt man in allen Schlafstadien?

Träume können in jedem Schlafstadium auftreten, unterscheiden sich aber in ihrer Art. REM-Schlaf ist häufig mit lebhaften, erzählerischen und emotional intensiven Träumen verbunden. In NREM-Stadien sind die berichteten Erlebnisse oft kürzer, bruchstückhafter und gedankenähnlicher.

Ob sich die meisten Menschen ausschließlich an REM-Träume erinnern und ob sich dies mit der Gedächtniskonsolidierung während des REM-Schlafs erklären lässt, ist hier nicht gesichert.

Warum erinnern sich manche Menschen überhaupt nicht an ihren Schlaf?

Keine Erinnerung an den eigenen Schlaf zu haben, ist häufig. Daraus folgt für sich genommen nicht, dass medizinische Bewusstlosigkeit vorlag. Die Bildung neuer Erinnerungen wird während der meisten Schlafstadien, besonders im Tiefschlaf, als eingeschränkt beschrieben. Erinnerungen an Erlebnisse im Schlaf sind demnach am ehesten vorhanden, wenn jemand unmittelbar aus dem REM-Schlaf aufwacht.

Menschen, die sehr tief schlafen oder sedierende Medikamente einnehmen, können sich noch weniger an die Nacht erinnern. Die fehlende Erinnerung allein erlaubt jedoch keine sichere Aussage darüber, ob und in welcher Form während des Schlafs bewusstes Erleben vorhanden war.

Literaturverzeichnis