Gutartige Hautwucherungen: Formen, Warnzeichen und Behandlung
Klinische Prüfung ausstehend
Welche gutartigen Hautwucherungen häufig sind, wie sie untersucht werden und wann Veränderungen ärztlich abgeklärt werden sollten. Mit Behandlungsmöglichkeiten und Grenzen der Selbstkontrolle.

Viele Knoten und Flecken auf der Haut sind gutartig und brauchen keine Behandlung. Am Aussehen allein lässt sich allerdings nicht sicher erkennen, ob eine Veränderung harmlos ist. Neue, sich verändernde, blutende oder schmerzhafte Stellen sollten deshalb ärztlich untersucht werden.
Was sind gutartige Hautwucherungen?
Eine gutartige Hautwucherung ist ein nicht krebsartiger Knoten, eine Erhebung oder ein verfärbter Hautbereich. Sie entsteht, wenn sich bestimmte Hautzellen an einer Stelle vermehren. Die Veränderung bleibt auf ihren Entstehungsort begrenzt: Sie dringt weder in benachbartes Gewebe ein noch breitet sie sich an anderen Stellen im Körper aus. Medizinisch heißen solche Veränderungen auch gutartige Hautläsionen oder nicht maligne Hauttumoren. „Läsion“ bedeutet umschriebene Gewebeveränderung, „nicht maligne“ bedeutet nicht bösartig.
Viele dieser Veränderungen entstehen im Laufe der Hautalterung. Seborrhoische Keratosen etwa sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Oberhaut in der dermatologischen Praxis. Die meisten gutartigen Hautwucherungen brauchen keine Behandlung. Ob eine konkrete Veränderung gutartig ist, muss jedoch ärztlich geklärt werden. Barthelmann et al., 2023, Moscarella et al., 2021.
Gutartige Wucherung oder Hautkrebs: Was die Begriffe bedeuten
„Gutartig“ beschreibt, wie sich eine Veränderung verhält. Ihr Aussehen allein sagt darüber wenig aus. Eine gutartige Wucherung bleibt an ihrem Entstehungsort. Eine bösartige Veränderung dringt dagegen in das umliegende Gewebe ein und kann sich in andere Körperregionen ausbreiten.
Dabei sind Verwechslungen in beide Richtungen möglich. Seborrhoische Keratosen können einem Melanom, einem Plattenepithelkarzinom oder einem Basalzellkarzinom ähneln. Umgekehrt kann ein Melanom wie eine seborrhoische Keratose aussehen, sodass selbst ein geübter Blick nicht ausreicht. Typische Merkmale helfen bei der Orientierung, ersetzen aber keine Untersuchung. Moscarella et al., 2021.
Wie entstehen gutartige Hautwucherungen?
Welche Form eine Hautwucherung annimmt, hängt davon ab, welche Zellen sich örtlich vermehren. Sie kann von pigmentbildenden Zellen ausgehen, von Zellen der Oberhaut, den Keratinozyten, oder von Gefäß-, Fett- und Bindegewebe. Dabei wirken sowohl Einflüsse aus dem Körper als auch äußere Einflüsse mit.
Alter, Veranlagung und Hormone
Mit dem Alter werden viele Hautwucherungen häufiger. In einer Untersuchung mit 100 australischen Erwachsenen hatten 12 % der 15- bis 25-Jährigen seborrhoische Keratosen, bei den Erwachsenen über 50 Jahren waren es 100 %. Auch die Zahl der Veränderungen nahm zu: Bei Personen mit solchen Wucherungen lag der Median in der jüngsten Gruppe bei 6 pro Person und bei den über 75-Jährigen bei 69. Der Median ist der mittlere Wert einer geordneten Reihe; jeweils die Hälfte der Werte liegt darunter beziehungsweise darüber. Die Zahlen gelten für die untersuchte Bevölkerung und lassen sich nicht auf jeden Menschen übertragen. Alter und genetische Veranlagung gelten als Einflüsse auf die Entstehung. Yeatman et al., 1997, Barthelmann et al., 2023.
Auch Hormone können das Zellwachstum beeinflussen. Ein erhöhter Insulinspiegel, medizinisch Hyperinsulinämie, kann über Rezeptoren für den insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 die Vermehrung von Keratinozyten und Bindegewebszellen, den Fibroblasten, fördern. Dieser vorgeschlagene Mechanismus kann erklären, warum bestimmte Hautwucherungen zusammen mit Stoffwechselveränderungen auftreten; er belegt nicht die Ursache einer einzelnen Wucherung. González-Saldivar et al., 2017.
Sonnenlicht, Reibung und Hautverletzungen
Sonnenlicht, Reibung und Wundheilung können ebenfalls eine Rolle spielen. In der australischen Untersuchung traten, bezogen auf die Hautfläche, seborrhoische Keratosen an Stellen, die der Sonne ausgesetzt sind, häufiger auf. Yeatman et al., 1997.
Stielwarzen entstehen bevorzugt am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leiste. Dort reibt Haut an Haut oder an Kleidung. Acrochordon, StatPearls.
Bei der Wundheilung kann sich übermäßig viel Bindegewebe bilden. Entsteht daraus eine gutartige Narbenwucherung, spricht man von einem Keloid. Keloide kommen bei Menschen mit stärker pigmentierter Haut häufiger vor. James et al., 2024.
Die häufigsten Formen gutartiger Hautwucherungen
Gutartige Hautwucherungen können sehr unterschiedlich aussehen: als flacher Fleck, weiche Hautausstülpung oder fester Knoten unter der Haut. Auch die Frage, ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Form ab.
| Hautveränderung | Medizinischer Name | Typisches Aussehen | Typische Körperstelle | Meist behandlungsbedürftig? |
|---|---|---|---|---|
| Muttermal | Melanozytärer Nävus | Meist unter 5 mm, rund oder oval, gleichmäßig gefärbt | Überall am Körper | Nein |
| Seborrhoische Keratose | Seborrhoische Keratose | Wachsartige, wie aufgeklebt wirkende Hautverdickung (Plaque) | Überall außer an Handflächen und Fußsohlen, besonders im Gesicht und am oberen Rumpf | Nein, Entfernung aus kosmetischen Gründen |
| Stielwarze | Akrochordon | Kleine, weiche Hautausstülpung an einem schmalen Stiel | Hals, Achselhöhlen und Leiste | Nein, Entfernung nach individuellem Wunsch |
| Kirschangiom | Kirschangiom | Kleine, leuchtend rote Erhebung | Am häufigsten an der Vorderseite des Rumpfes, danach am Rücken | Nein |
| Lipom | Lipom | Weicher, schmerzloser, verschieblicher Knoten unter der Haut | Meist am Rumpf | Nein |
| Talgdrüsenhyperplasie | Talgdrüsenhyperplasie | Gelbliche Erhebung mit einer zentralen Delle | Gesicht | Nein, vor allem kosmetische Behandlung |
| Epidermoidzyste | Epidermoidzyste | 0,5 cm bis mehrere Zentimeter groß, mit einer dunklen zentralen Öffnung | Gesicht, Hals und Rumpf | Manchmal, bei Beschwerden, Entzündung, unklarer Diagnose oder individuellem Wunsch |
| Milie | Milium | Winzige, mit dem Hornprotein Keratin gefüllte Zyste | Gesicht | Meist nicht; Milien Neugeborener bilden sich meist zurück, später auftretende können bestehen bleiben |
| Dermatofibrom | Dermatofibrom | Fester Knoten, meist höchstens 1 cm groß | Arme und Beine | Nein |
| Keloid | Keloid | Erhabene Wucherung von Narbengewebe | An jeder verheilten Wunde oder Piercingstelle | Manchmal, gegen Beschwerden oder um die Ausdehnung zu begrenzen |
Quellen zur Übersicht: Muttermale, seborrhoische Keratosen, Stielwarzen, Kirschangiome, Lipome, Talgdrüsenhyperplasie, Epidermoidzysten, Milien, Dermatofibrome: Übersicht und StatPearls.
Muttermale (melanozytäre Nävi)
Ein Muttermal, medizinisch melanozytärer Nävus, besteht aus einer Ansammlung pigmentbildender Zellen. Ein gewöhnliches Muttermal misst meist weniger als etwa 5 mm im Durchmesser. Es ist rund oder oval, hat eine glatte Oberfläche und einen klar erkennbaren Rand. Häufig ist es kuppelförmig und gleichmäßig rosa, hellbraun oder braun gefärbt. Aus einem gewöhnlichen Muttermal entwickelt sich nur selten ein Melanom. National Cancer Institute.
Für das Melanomrisiko spielt auch die Anzahl der Muttermale eine Rolle. Viele Muttermale sind ein Risikomerkmal, bedeuten aber keine Krebsdiagnose. Einer Schätzung zufolge ließen sich 42 % der Melanome statistisch dem Vorliegen von mindestens 25 gewöhnlichen Muttermalen zurechnen; mit jedem zusätzlichen Muttermal stieg das relative Risiko um etwa 1,7 %, wobei die Schätzungen zwischen den Studien deutlich schwankten. Die 42 % beschreiben einen geschätzten Anteil auf Bevölkerungsebene, nicht das persönliche Erkrankungsrisiko und nicht den Anteil der Muttermale, die bösartig werden. Muttermale werden nicht routinemäßig entfernt. Wenn sich eines verändert, sollte es ärztlich beurteilt werden. Olsen et al., 2010.
Seborrhoische Keratosen
Seborrhoische Keratosen sind wachsartige, scharf begrenzte Wucherungen, die wie aufgeklebt wirken. Sie sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Oberhaut in der dermatologischen Praxis und können überall außer an Handflächen und Fußsohlen auftreten. Besonders häufig finden sie sich im Gesicht und am oberen Rumpf. Wie verbreitet sie im höheren Alter sein können, zeigt die australische Untersuchung: Dort hatten 100 % der Erwachsenen über 50 Jahren mindestens eine seborrhoische Keratose. Dieser Wert gilt für die untersuchte Gruppe. Entfernt werden die Veränderungen meist aus kosmetischen Gründen; medizinisch ist das in der Regel nicht nötig. Barthelmann et al., 2023, Yeatman et al., 1997.
Stielwarzen (Akrochordone)
Eine Stielwarze, auch Akrochordon genannt, ist eine kleine, weiche Hautausstülpung an einem schmalen Stiel. Stielwarzen kommen bei ungefähr 46 % der Allgemeinbevölkerung vor und werden mit zunehmendem Alter häufiger. Meist sitzen sie am Hals, in den Achselhöhlen oder in der Leiste. Dort können sie jucken oder an Kragen und Trägern hängen bleiben. Acrochordon, StatPearls.
Bei mehreren Stielwarzen wurde ein Zusammenhang mit dem Stoffwechsel beobachtet. Eine Querschnittsstudie verglich 98 Erwachsene mit mehr als fünf Stielwarzen am Hals und/oder in den Achselhöhlen mit 103 Kontrollpersonen. Die Insulinresistenz wurde anhand des HOMA-IR geschätzt. Für den Zusammenhang zwischen mehreren Stielwarzen und einem HOMA-IR über 3,8 wurde eine Odds Ratio von 7,5 berichtet; weitere Risikofaktoren wurden in der Analyse berücksichtigt. Das beschreibt einen Zusammenhang zwischen Gruppen, keine Vorhersage einer Erkrankung im Einzelfall. Eine einzelne Stielwarze am Augenlid erlaubt keinen solchen Schluss auf den Stoffwechsel. Entfernt werden Stielwarzen nach persönlichem Wunsch, meist weil sie reizen oder ihr Aussehen stört. Tamega et al., 2010.
Kirschangiome
Kirschangiome sind die häufigsten Gefäßtumoren der Haut. Die kleinen, leuchtend roten Erhebungen erinnern an Farbtropfen. Mit dem Alter nehmen ihre Anzahl und Größe zu. In einer Untersuchung hatten Männer mehr Kirschangiome als Frauen: Der Median, also der mittlere Wert, lag bei 16 gegenüber 12. Am häufigsten fanden sich die Veränderungen an der Vorderseite des Rumpfes, danach am Rücken. Betz-Stablein et al., 2022, Pastor-Tomás et al., 2023.
Schon bei ihrer ersten Beschreibung im späten 19. Jahrhundert wurde ein Zusammenhang mit Krebs vermutet. Daraus ergibt sich kein Nachweis, dass gewöhnliche Kirschangiome auf Krebs hinweisen. Kirschangiome müssen nicht behandelt werden. Pastor-Tomás et al., 2023.
Lipome
Ein Lipom ist ein gutartiger Tumor aus Fettzellen unmittelbar unter der Haut. Typisch ist ein weicher, schmerzloser Knoten, der sich unter den Fingerspitzen verschieben lässt. Lipome treten am häufigsten am Rumpf auf und werden meist im Alter von etwa 40 bis 60 Jahren erstmals bemerkt. Die meisten brauchen keine Behandlung. Bildgebende Untersuchungen kommen vor allem dann infrage, wenn ein Lipom an einer ungewöhnlichen Stelle liegt oder Zweifel an der Diagnose bestehen. Lipoma, StatPearls.
Talgdrüsenhyperplasie
Bei einer Talgdrüsenhyperplasie vergrößert sich eine Talgdrüse. Auf der Haut erscheint eine kleine, gelbliche Erhebung mit einer Delle in der Mitte, meist im Gesicht. Vor dem Erwachsenenalter ist diese Veränderung ungewöhnlich. Bei Menschen, die langfristig mit Ciclosporin A behandelt werden, liegt ihre Häufigkeit bei 10 % bis 16 %.
Eine Behandlung ist möglich, aber nicht grundsätzlich nötig. Kein Verfahren eignet sich für alle gleichermaßen. Bei der Wahl zählen die Zahl der Veränderungen, die Kosten, der Hauttyp und das Alter sowie die Frage, wie störend die Stellen empfunden werden. Hussein und Perrett, 2021, Sebaceous hyperplasia, StatPearls.
Epidermoidzysten und Milien
Eine Epidermoidzyste ist ein langsam wachsender, zusammendrückbarer Knoten unter der Haut. Sie enthält Keratin, ein Hornprotein, und kann 0,5 cm bis mehrere Zentimeter groß werden. Oft ist in der Mitte eine dunkle Öffnung zu sehen, das sogenannte Punctum. Epidermoidzysten kommen am häufigsten im Gesicht, am Hals und am Rumpf vor. Milien sind deutlich kleinere, ebenfalls mit Keratin gefüllte Zysten, die meist im Gesicht auftreten. Ungefähr die Hälfte aller reif geborenen Neugeborenen hat Milien; bei ihnen bilden sie sich gewöhnlich von selbst zurück. Epidermoid cyst, StatPearls, Milia, StatPearls.
Eine Epidermoidzyste auszudrücken kann Beschwerden verursachen und ihre spätere Entfernung erschweren. Reißt die Zyste ein, können Druckschmerz, Rötung und Schwellung auftreten, sodass sie einem Furunkel ähnelt. Für eine vollständige Behandlung muss die Zyste mit intakter Zystenwand entfernt werden. Ist die Wand bereits beschädigt, wird dieser Eingriff schwieriger. Epidermoid cyst, StatPearls.
Dermatofibrome und Keloide
Ein Dermatofibrom ist ein fester Knoten, der meist höchstens 1 cm groß wird. Er tritt überwiegend an Armen und Beinen auf, besonders bei Frauen und am häufigsten im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. In etwa 10 % der Fälle gibt es mehrere Dermatofibrome. Wird die Haut von beiden Seiten zusammengedrückt, zieht sich die Mitte nach innen, weil die Veränderung mit dem darunterliegenden Gewebe verbunden ist. Dermatofibroma, StatPearls.
Ein Keloid entsteht, wenn sich in einer Narbe übermäßig viel Bindegewebe bildet. Diese gutartige Narbenwucherung kommt bei Menschen mit stärker pigmentierter Haut häufiger vor. Beschrieben wurden Zusammenhänge mit genetischen Varianten von HLA, NEDD4 und VDR. Ein etablierter Routinetest zur genetischen Vorhersage des individuellen Keloidrisikos steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung soll die Ausdehnung der Narbe und Beschwerden begrenzen. Wie Keloide entstehen, ist noch nicht vollständig verstanden. James et al., 2024.
Angeborene Hautmale und Gefäßwucherungen
Angeborene Hautmale sind schon bei der Geburt vorhanden oder werden in den ersten Lebenswochen sichtbar. Meist gehen sie von Pigmentzellen oder Gefäßen aus. Sie können anders verlaufen und eine andere Betreuung erfordern als Hautwucherungen, die erst im Erwachsenenalter entstehen.
Ein Beispiel ist das infantile Hämangiom, eine Gefäßwucherung im Säuglingsalter. Die meisten lassen sich ohne Eingriff beobachten. Wenn eine Behandlung nötig werden könnte, sollte möglichst vor einem Alter von 5 Wochen eine fachärztliche Beurteilung erfolgen. Als systemische Standardtherapie gilt Propranolol; „systemisch“ bedeutet, dass das Medikament im ganzen Körper wirkt. Bei kleinen, oberflächlichen Veränderungen kommen örtlich angewendetes Timolol oder ein gepulster Farbstofflaser zum Einsatz. Sebaratnam et al., 2021, Übersicht zu Hämangiomen.
Wächst ein Hautmal bei einem Säugling oder wird es offen und wund, sollte es deshalb zeitnah ärztlich beurteilt werden. Längeres Abwarten kann das frühe Zeitfenster für die Beurteilung verstreichen lassen.
Welche Merkmale für Gutartigkeit sprechen und welche verdächtig sind
Symmetrie, Farbe und Veränderungen im Verlauf helfen Ärztinnen und Ärzten, einen Hautbefund einzuordnen. Kein einzelnes Merkmal bestätigt jedoch, dass eine Wucherung gutartig ist. Auffälligkeiten sind ein Anlass zur Untersuchung.
| Merkmal | Eher gutartig wirkend | Auffällig |
|---|---|---|
| Symmetrie | Rund oder oval, symmetrisch | Eine Hälfte unterscheidet sich von der anderen |
| Begrenzung | Glatte Oberfläche mit deutlich erkennbarem Rand | Unregelmäßiger, eingebuchteter oder unscharfer Rand |
| Farbe | Gleichmäßig rosa, hellbraun oder braun | Unterschiedliche Farben innerhalb derselben Veränderung |
| Größe | Meist kleiner als etwa 5 mm | Bei der Diagnose meist größer als 6 mm, manchmal jedoch kleiner |
| Veränderung im Verlauf | Größe, Form und Farbe bleiben über Monate gleich | Größe, Form oder Farbe verändern sich |
| Blutung oder Krustenbildung | Ohne Verletzung nicht vorhanden | Blutet oder verkrustet ohne Verletzung oder heilt nicht ab |
| Vergleich mit anderen Veränderungen | Ähnelt den übrigen Hautveränderungen | Sieht anders aus als die übrigen |
Die Angaben zu Form, Farbe und Größe beziehen sich vor allem auf gewöhnliche Muttermale und die Erkennung von Melanomen. Weder 5 mm noch 6 mm sind allgemeine Grenzen, anhand derer sich gutartige von bösartigen Hautwucherungen unterscheiden lassen. National Cancer Institute, American Academy of Dermatology.
Merkmale, die eher für eine gutartige Veränderung sprechen
Ein gewöhnliches Muttermal ist typischerweise symmetrisch und gleichmäßig gefärbt. Seine Größe und sein Aussehen bleiben über Monate stabil; es blutet und verkrustet nicht. Solche Merkmale sprechen eher für einen gutartigen Befund und kommen bei vielen selbst entdeckten Veränderungen vor.
Es gibt aber Ausnahmen, die sich auch mit Erfahrung nicht zuverlässig am Aussehen erkennen lassen. Ein Melanom kann einer seborrhoischen Keratose ähneln und Merkmale beider Formen aufweisen. Auch Hautärztinnen und Hautärzte können dann zusätzliche Untersuchungen benötigen. Janowska et al., 2021.
Auch andere gutartig wirkende Veränderungen haben bösartige Doppelgänger. Bei einer vermuteten Talgdrüsenhyperplasie muss unter anderem ein Basalzellkarzinom in Betracht gezogen werden. Das Fibroepitheliom vom Pinkus, eine Unterform des Basalzellkarzinoms, kann wie eine Stielwarze aussehen. Ein vertrautes Erscheinungsbild reicht daher nicht aus, um Gutartigkeit zu bestätigen. Sebaceous hyperplasia, StatPearls, Acrochordon, StatPearls.
Die ABCDE-Warnzeichen und weitere Auffälligkeiten
Die ABCDE-Regel fasst fünf Warnzeichen bei pigmentierten Hautveränderungen zusammen. Ihre Buchstaben stehen für englische Begriffe. American Academy of Dermatology.
- A für Asymmetry, Asymmetrie: Eine Hälfte der Veränderung passt nicht zur anderen.
- B für Border, Begrenzung: Der Rand ist unregelmäßig, eingebuchtet oder unscharf.
- C für Color, Farbe: Innerhalb der Veränderung sind unterschiedliche Farben zu sehen.
- D für Diameter, Durchmesser: Melanome sind bei der Diagnose meist größer als 6 mm, können aber auch kleiner sein.
- E für Evolving, Veränderung: Die Stelle sieht anders aus als die übrigen oder verändert ihre Größe, Form oder Farbe.
Auch nicht pigmentierte Wucherungen sollten untersucht werden, wenn sie ohne vorausgegangene Verletzung bluten oder verkrusten, nicht abheilen oder ihre Größe, Form oder Farbe verändern.
Die Merkhilfe kann Aufmerksamkeit auf verdächtige Stellen lenken, hat aber Grenzen. Eine rückblickende Untersuchung mit 144 bereits diagnostizierten Melanomen schätzte die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person ohne dermatologische Spezialisierung den ersten Verdacht äußerte: Sie stieg von 8 % ohne ABCDE-Zeichen auf 32 % bei allen fünf Zeichen. Das ist keine Sensitivitätsangabe für einen Selbsttest. Mehr Zeichen gingen nicht damit einher, dass Melanome schon im In-situ-Stadium erkannt wurden, solange sie noch auf ihre Ursprungsschicht begrenzt waren. Wer sich allein auf ABCDE verlässt, kann frühe Melanome übersehen. Fehlende Warnzeichen geben deshalb keine sichere Entwarnung. Duarte et al., 2021.
Wie Hautärztinnen und Hautärzte eine Hautwucherung untersuchen
Zunächst untersuchen Hautärztinnen und Hautärzte die Veränderung und die umgebende Haut. Bei den meisten gutartigen Wucherungen reicht das zur Einordnung aus. Bleiben Zweifel, können eine Dermatoskopie oder eine feingewebliche Untersuchung folgen. Barthelmann et al., 2023.
Bei der Dermatoskopie macht ein handgehaltenes Vergrößerungsgerät häufig mit polarisiertem Licht Strukturen sichtbar, die das bloße Auge nicht erkennt. Dadurch lässt sich ein größerer Anteil der tatsächlich vorhandenen Hautkrebserkrankungen erkennen; die Sensitivität steigt. Zugleich müssen pro gefundenem bösartigem Tumor weniger gutartige Veränderungen durch eine Gewebeprobe untersucht werden. Melanome können zudem bei geringerer Tumordicke diagnostiziert werden. Wolner et al., 2017.
Bestimmte Strukturen geben unter dem Dermatoskop zusätzliche Hinweise. Für glänzend weiße Strukturen und für Pseudopodien, fingerartige Ausläufer am Rand, wurden Odds Ratios von ungefähr 6,7 für ein Melanom berichtet. Diese statistischen Vergleichswerte beschreiben den Zusammenhang der Merkmale mit der Diagnose, nicht die Wahrscheinlichkeit eines Melanoms im Einzelfall. Pseudopodien hatten eine Spezifität von 97,3 %: Bei 97,3 % der Veränderungen ohne Melanom fehlte dieses Merkmal. Die Sensitivität einzelner Merkmale war allerdings nur mäßig. Ein Melanom lässt sich daher nicht ausschließen, nur weil solche Strukturen fehlen. Williams et al., 2021.
Wenn die Diagnose unklar bleibt, lässt sich durch eine Biopsie Gewebe für eine feingewebliche Untersuchung entnehmen. Fotos können helfen, die Dringlichkeit einzuschätzen, können eine persönliche Untersuchung aber nicht immer ersetzen. In einer systematischen Übersicht schnitt die Untersuchung vor Ort genauer ab als die Fernbeurteilung: Mit dem als Maßstab verwendeten Referenzbefund stimmten 67 % bis 85 % der Beurteilungen vor Ort überein, gegenüber 51 % bis 85 % der Fernbeurteilungen. Die Fernbeurteilung verkürzte in den ausgewerteten Untersuchungen allerdings durchgehend die Wartezeiten. Finnane et al., 2017.
Behandlung und Entfernung gutartiger Hautwucherungen
Die meisten gutartigen Hautwucherungen brauchen keine Behandlung. Eine Entfernung kommt häufig dann infrage, wenn eine Stelle Beschwerden verursacht oder ihr Aussehen belastet. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Moscarella et al., 2021.
- Bei der Kryotherapie wird die Veränderung mit flüssigem Stickstoff vereist.
- Die Elektrodesikkation zerstört das Gewebe durch elektrischen Strom.
- Ein CO2-Laser verdampft oberflächliche Veränderungen mit gebündeltem Licht.
- Ein Er:YAG-Laser trägt Gewebe ab und hat eine geringere Eindringtiefe. Er wird für oberflächliche Wucherungen eingesetzt.
- Bei der Shave-Exzision wird eine erhabene Veränderung flach auf Höhe der Hautoberfläche abgetragen.
- Bei der Snip-Exzision werden gestielte Veränderungen, beispielsweise Stielwarzen, an ihrer Basis abgetrennt.
- Die chirurgische Exzision entfernt die gesamte Veränderung. Bei Epidermoidzysten wird die Zystenwand möglichst unversehrt mit entfernt. Liegt eine aktive Infektion vor, wird der Eingriff aufgeschoben. Epidermoid cyst, StatPearls.
Nur wenige Studien vergleichen die Verfahren direkt. In einer randomisierten Studie mit 30 Patientinnen und Patienten behandelten die Forschenden bei jeder Person vier ähnliche seborrhoische Keratosen im Gesicht mit jeweils einem anderen Verfahren. Mit CO2-Laser, Er:YAG-Laser und Elektrodesikkation war die Gesamtverbesserung der Veränderungen nach acht Wochen statistisch signifikant größer als mit Kryotherapie. Nach Kryotherapie fiel auch die Zufriedenheit signifikant geringer aus. Bei Pigmentierung und Hauttextur nach der Behandlung fanden sich dagegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Nach Er:YAG-Laser hielt die Rötung länger an. Die Ergebnisse beziehen sich auf seborrhoische Keratosen im Gesicht. Zaresharifi et al., 2021.
Bei Talgdrüsenhyperplasie hängt die Wahl der Behandlung unter anderem davon ab, wie viele Veränderungen vorliegen, welche Kosten entstehen und wie stark die Stellen belasten. Auch Hauttyp und Alter spielen eine Rolle. Hussein und Perrett, 2021.
Vor jeder Entfernung sollte die Veränderung ärztlich untersucht werden; auch die Entfernung selbst gehört in ärztliche Hände. Wer eine Wucherung zu Hause entfernt, kann Gewebe zerstören, das für eine sichere Diagnose gebraucht wird.
Wann eine Hautwucherung ärztlich abgeklärt werden sollte
Neue, sich verändernde, blutende oder schmerzhafte Hautwucherungen sollten ärztlich untersucht werden. Das gilt ebenso für eine Stelle, die anders aussieht als die übrigen, oder wenn unklar ist, um welche Art von Veränderung es sich handelt.
Dabei lohnt sich der genaue Blick auf den Verlauf: Ändern sich Größe, Form oder Farbe? Entstehen ohne Verletzung Blutungen oder Krusten? Heilt eine Stelle nicht ab? Auch ABCDE-Merkmale bei pigmentierten Veränderungen sind ein Anlass zur Untersuchung. Eine Selbstkontrolle vor dem Spiegel kann solche Auffälligkeiten nicht abschließend klären. Duarte et al., 2021.
Menschen mit vielen Muttermalen sollten Auffälligkeiten besonders früh abklären lassen, denn das Melanomrisiko steigt mit der Anzahl der Muttermale. Schätzungsweise 42 % der Melanome wurden auf Bevölkerungsebene dem Vorliegen von mindestens 25 gewöhnlichen Muttermalen zugerechnet. Bei niedriger Muttermalzahl war dieser zurechenbare Anteil kleiner. Die Schätzung beschreibt keine persönliche Erkrankungswahrscheinlichkeit. Olsen et al., 2010.
Bei Säuglingen sollte ein wachsendes oder offenes, wundes Hautmal ebenfalls früh ärztlich beurteilt werden. Könnte ein infantiles Hämangiom behandlungsbedürftig sein, sollte die fachärztliche Beurteilung möglichst vor einem Alter von 5 Wochen erfolgen. Ob eine konkrete Wucherung gutartig ist, lässt sich anhand der beschriebenen Muster allein nicht feststellen.
Wie sich die Haut zu Hause beobachten lässt
Selbstkontrollen können helfen, Veränderungen zu bemerken, erkennen aber nicht jede auffällige Stelle zuverlässig. Für die Hautselbstuntersuchung reicht die berichtete Sensitivität von 25 % bis 93 %; damit schwankt stark, wie viele der tatsächlich relevanten Befunde erkannt werden. Die Spezifität liegt mit 83 % bis 97 % höher und beschreibt, wie oft ein unauffälliger Befund richtig als solcher eingeordnet wird. Schulungen können das Erkennen früher Melanomzeichen verbessern. Auch eine unverändert wirkende Stelle ist durch die Selbstkontrolle jedoch nicht als gutartig bestätigt. Hamidi et al., 2010.
Bei der regelmäßigen Beobachtung helfen folgende Schritte:
- Die gesamte Haut bei gutem Licht ansehen, auch Rücken, Kopfhaut und schwer einsehbare Stellen. Ein Spiegel oder eine andere Person kann dabei helfen.
- Beobachtete Veränderungen fotografieren und ein Lineal oder eine Münze als Größenvergleich mit aufnehmen.
- Die Stelle in einem ärztlich abgestimmten Abstand mit demselben Ausgangsfoto vergleichen. So lässt sich der Verlauf besser nachvollziehen als aus der Erinnerung; eine allgemeine Drei-Monats-Regel für alle gibt es nicht.
- Neue, sich verändernde, blutende oder asymmetrische Stellen notieren.
- Solche Auffälligkeiten ärztlich beurteilen lassen, ohne auf weitere Veränderungen oder den nächsten Fototermin zu warten. American Academy of Dermatology.
Hautwucherungen und Stoffwechselmarker
Bestimmte Hautwucherungen können zusammen mit messbaren Stoffwechselveränderungen auftreten. Eine Studie verglich 113 Menschen mit Stielwarzen mit 31 gesunden Kontrollpersonen. Die Gruppe mit Stielwarzen hatte signifikant höhere Werte für HOMA-IR, Nüchternglukose und Nüchterninsulin, HbA1c, hsCRP, Harnsäure, Gesamtcholesterin, LDL und Triglyzeride als Kontrollpersonen. Erfasst wurden damit unter anderem die Insulinresistenz, Blutzuckerwerte, der Langzeitblutzucker HbA1c, der Entzündungsmarker hsCRP und Blutfette. Unter den Teilnehmenden mit Stielwarzen hatten 53,9 % Übergewicht und 33,6 % Adipositas. Diese Anteile beziehen sich auf die ausgewählte Studiengruppe. Sari et al., 2010, González-Saldivar et al., 2017.
Stielwarzen können deshalb ein Anlass sein, im ärztlichen Gespräch auch den Stoffwechsel zu betrachten. Für sich allein erlauben sie keine Stoffwechseldiagnose und begründen nicht automatisch ein breites Blutpanel. Die Hautveränderung selbst muss weiterhin dermatologisch beurteilt werden.
Häufige Fragen
Welche gutartigen Hautwucherungen kommen am häufigsten vor?
Häufige Formen sind Muttermale, seborrhoische Keratosen, Stielwarzen, Kirschangiome, Lipome, Talgdrüsenhyperplasie, Epidermoidzysten, Milien, Dermatofibrome und Keloide. Seborrhoische Keratosen sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Oberhaut in der dermatologischen Praxis. Stielwarzen kommen bei ungefähr 46 % der Allgemeinbevölkerung vor; Kirschangiome sind die häufigsten Gefäßtumoren der Haut. Welche Form im Einzelfall vorliegt, muss eine ärztliche Untersuchung klären. Barthelmann et al., 2023, Acrochordon, StatPearls, Pastor-Tomás et al., 2023.
Sind gutartige Hautwucherungen gefährlich?
Gutartige Wucherungen dringen nicht in das umgebende Gewebe ein und streuen nicht in andere Körperregionen. Die Gefahr, die von einem solchen Wachstum bösartiger Tumoren ausgeht, besteht bei ihnen daher nicht. Sie können aber Beschwerden verursachen, etwa wenn sie gereizt werden.
Problematisch ist vor allem, eine Hautveränderung allein wegen ihres Aussehens für gutartig zu halten. Seborrhoische Keratosen können einem Melanom, einem Plattenepithelkarzinom oder einem Basalzellkarzinom ähneln. Ebenso kann ein Melanom wie eine seborrhoische Keratose aussehen. Auch erfahrene Hautärztinnen und Hautärzte können zusätzliche Untersuchungen benötigen. Deshalb muss die Diagnose ärztlich bestätigt werden. Moscarella et al., 2021, Janowska et al., 2021.
Warum entstehen gutartige Hautwucherungen?
Sie entstehen, wenn sich bestimmte Zellen an einer Stelle vermehren. Dazu können Alter, genetische Veranlagung und Hormone beitragen, aber auch Sonnenlicht, Reibung und Wundheilung. Besonders deutlich ist der Zusammenhang mit dem Alter: In einer australischen Untersuchung hatten 12 % der 15- bis 25-Jährigen seborrhoische Keratosen, gegenüber 100 % der Erwachsenen über 50 Jahren. Diese Werte gelten für die untersuchte Bevölkerung. Auch der Stoffwechsel kann eine Rolle spielen. Ein erhöhter Insulinspiegel kann über Rezeptoren für den insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 die Vermehrung von Keratinozyten, den Zellen der Oberhaut, und Fibroblasten, den Bindegewebszellen, fördern. Das ist eine vorgeschlagene Erklärung, kein gesicherter Ursachebeleg im Einzelfall. Bei der Wundheilung kann übermäßig viel Bindegewebe entstehen und ein Keloid bilden. Yeatman et al., 1997, González-Saldivar et al., 2017, James et al., 2024.
Woran lässt sich erkennen, ob eine Hautwucherung gutartig oder krebsartig ist?
Das lässt sich am Aussehen allein nicht sicher entscheiden. Symmetrie, gleichmäßige Farbe und ein über Monate stabiles Aussehen sprechen eher für eine gutartige Veränderung. Bei pigmentierten Hautveränderungen gelten dagegen Asymmetrie, ein unregelmäßiger Rand, unterschiedliche Farben, ein Durchmesser über 6 mm oder Veränderungen im Verlauf als auffällig. Auch kleinere Melanome sind möglich. American Academy of Dermatology.
Die ABCDE-Merkhilfe kann auf verdächtige Stellen aufmerksam machen, gibt aber keine sichere Entwarnung. In einer rückblickenden Untersuchung mit 144 diagnostizierten Melanomen stieg die geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass eine Person ohne dermatologische Spezialisierung den ersten Verdacht äußerte, von 8 % ohne Zeichen auf 32 % bei allen fünf Zeichen. Das misst nicht die Genauigkeit eines Selbsttests. Mehr Zeichen gingen nicht mit einer Diagnose im In-situ-Stadium einher, in dem der Tumor noch auf seine Ursprungsschicht begrenzt ist. Auch ein gutartig wirkendes Muster schließt Hautkrebs deshalb nicht aus. Duarte et al., 2021.
Müssen gutartige Hautwucherungen entfernt werden?
Meistens ist keine Entfernung nötig. Häufig entscheiden sich Menschen dafür, weil eine Veränderung Beschwerden verursacht oder ihr Aussehen stört. Bei seborrhoischen Keratosen erfolgt die Entfernung meist aus kosmetischen Gründen, ohne medizinische Notwendigkeit. Beschwerdefreie Lipome brauchen keine Behandlung. Milien Neugeborener bilden sich meist von selbst zurück; später auftretende Milien können bestehen bleiben. Moscarella et al., 2021, Barthelmann et al., 2023, Lipoma, StatPearls, Milia, StatPearls.
Vor der Entfernung muss die Veränderung untersucht werden. Auch die Entfernung selbst sollte ärztlich erfolgen. Zu Hause kann dabei Gewebe zerstört werden, das sonst für die Diagnose zur Verfügung stünde.
Welche Methode eignet sich am besten zur Entfernung einer gutartigen Hautwucherung?
Ein Verfahren, das für alle Hautwucherungen und alle Menschen am besten geeignet ist, gibt es nicht. Bei Talgdrüsenhyperplasie zählen neben dem Verfahren auch die Zahl der Veränderungen, die Kosten, der Hauttyp und das Alter. Hussein und Perrett, 2021.
Für seborrhoische Keratosen im Gesicht liegt ein direkter Vergleich vor: In einer randomisierten Studie mit 30 Patientinnen und Patienten behandelten die Forschenden bei jeder Person vier ähnliche Veränderungen mit unterschiedlichen Verfahren. Mit CO2-Laser, Er:YAG-Laser und Elektrodesikkation war die Gesamtverbesserung nach acht Wochen signifikant größer als mit Kryotherapie. Nach Kryotherapie war auch die Zufriedenheit geringer. Das Ergebnis lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Arten von Hautwucherungen übertragen. Zaresharifi et al., 2021.
Bei Epidermoidzysten muss für eine vollständige Behandlung die Zystenwand unversehrt entfernt werden. Welche Methode passt, hängt somit von der Art der Veränderung und der persönlichen Situation ab. Das lässt sich nach der Untersuchung im ärztlichen Gespräch klären. Epidermoid cyst, StatPearls.
Bedeutet eine Stielwarze, dass ein gesundheitliches Problem vorliegt?
Eine einzelne Stielwarze sagt wenig über die allgemeine Gesundheit aus. Bei mehreren Stielwarzen an Reibungsstellen wurden Zusammenhänge mit Stoffwechselveränderungen beobachtet. Eine Querschnittsstudie verglich 98 Personen mit mehr als fünf Stielwarzen am Hals und/oder in den Achselhöhlen mit 103 Kontrollpersonen. Mehrere Stielwarzen waren mit einer anhand des HOMA-IR geschätzten Insulinresistenz verbunden. Für den Zusammenhang mit HOMA-IR über 3,8 wurde eine Odds Ratio von 7,5 berichtet; weitere Risikofaktoren wurden berücksichtigt. Dieser statistische Zusammenhang sagt kein individuelles Erkrankungsrisiko voraus. Tamega et al., 2010.
Menschen mit Stielwarzen hatten außerdem signifikant höhere Werte für Nüchternglukose und Nüchterninsulin, den Langzeitblutzucker HbA1c, den Entzündungsmarker hsCRP, Harnsäure und Blutfette als Kontrollpersonen. Stielwarzen können deshalb Anlass sein, den Stoffwechsel ärztlich mit zu betrachten. Für sich allein erlauben sie keine Diagnose. Sari et al., 2010.
Wann sollte eine Hautwucherung ärztlich untersucht werden?
Eine Untersuchung ist angebracht, wenn eine Stelle neu ist, sich verändert, blutet, schmerzt, nicht abheilt oder anders aussieht als die übrigen Hautveränderungen. Menschen mit vielen Muttermalen sollten Auffälligkeiten besonders früh abklären lassen. Schätzungsweise 42 % der Melanome wurden auf Bevölkerungsebene dem Vorliegen von mindestens 25 gewöhnlichen Muttermalen zugerechnet. Das ist keine Angabe zum individuellen Erkrankungsrisiko. Olsen et al., 2010.
Bei Säuglingen ist eine frühe Beurteilung ebenfalls wichtig. Möglicherweise behandlungsbedürftige Hämangiome sollten möglichst vor einem Alter von 5 Wochen fachärztlich beurteilt werden. Sebaratnam et al., 2021, Übersicht zu Hämangiomen.
Selbstkontrollen können helfen, Veränderungen zu bemerken, übersehen aber auch Befunde. Ihre berichtete Sensitivität, also der Anteil erkannter relevanter Befunde, liegt zwischen 25 % und 93 %. Eine stabil wirkende Hautwucherung ist durch die Selbstkontrolle daher nicht als gutartig bestätigt. Hamidi et al., 2010.
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