Berberin bei Fettleber: Warum zwei Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen
Klinische Prüfung ausstehend

Die Studien zu Berberin bei metabolischer Fettleber kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Für ihre Einordnung zählt, wer teilnahm, welche Begleitbehandlung die Menschen erhielten und was gemessen wurde.
Ein positives Signal aus einer älteren Studie
Eine offene randomisierte Untersuchung von 2015 verglich bei 184 Teilnehmenden über 16 Wochen eine Lebensstilintervention allein mit zusätzlichen Behandlungen. In der Berberin-Gruppe sank der gemessene Leberfettgehalt stärker als unter der Lebensstilintervention allein. Die fehlende Verblindung und die kurze Dauer begrenzen, was sich daraus ableiten lässt. [1]
Ein neuerer Versuch ohne Vorteil beim Leberfett
In einer größeren, doppelblinden Studie von 2026 bei Menschen ohne Diabetes mit Adipositas und metabolischer Fettleber zeigte Berberin nach sechs Monaten keinen signifikanten Vorteil beim Leberfett gegenüber Placebo. [2] Für die untersuchte Gruppe zeigte sich damit kein gesicherter Vorteil bei diesem Messwert. Eine allgemeine Erfolgsgarantie ist ebenso wenig gerechtfertigt wie eine Aussage über alle denkbaren Wirkungen in anderen Patientengruppen.
Die richtige Frage für die Behandlung
Leberfett ist nicht dasselbe wie Entzündung, Vernarbung oder das spätere Risiko einer Zirrhose. Die genannten Ergebnisse belegen keine Verhinderung solcher Langzeitfolgen. Wer bereits erhöhte Leberwerte oder eine entsprechende Diagnose hat, braucht eine Einordnung der Ursache und des Krankheitsstadiums. Ein Supplementversuch ersetzt diese Abklärung nicht.
Beide Studien gehören zur Einordnung: Die ältere Arbeit fand einen Vorteil, die neuere bestätigte ihn unter ihren Bedingungen nicht. Wer nur die positive Arbeit betrachtet, verpasst diesen Widerspruch. Umgekehrt gilt der neuere Befund nicht automatisch für sämtliche Berberin-Präparate und alle möglichen Anwendungsgebiete.
Quellen
[1] Yan et al., 2015, offene randomisierte Untersuchung: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26252777/
[2] Lei et al., 2026, doppelblinde placebokontrollierte Untersuchung: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41543854/