Berberin: Wirkung auf Blutzucker, Cholesterin und Gewicht
Klinische Prüfung ausstehend
Was Studien zu Berberin zeigen, wie groß die Effekte ausfallen und weshalb Wechselwirkungen, Produktqualität und der Vergleich mit Ozempic besondere Aufmerksamkeit verdienen.

In Studien hat Berberin den Blutzucker und bestimmte Blutfette gesenkt. Die durchschnittlichen Effekte sind meist moderat, die Studienqualität ist unterschiedlich, und für eine deutliche Gewichtsabnahme gibt es wesentlich weniger überzeugende Ergebnisse. Wer bereits Medikamente einnimmt, sollte Berberin wegen möglicher Wechselwirkungen nicht einfach ergänzen. Als Ersatz für eine verordnete Diabetes- oder Adipositasbehandlung eignet es sich nicht.
Was ist Berberin?
Berberin ist ein pflanzliches Isochinolin-Alkaloid, das unter anderem in Berberitzen vorkommt. Untersucht werden vor allem Wirkungen auf Glukose, Insulin, Blutfette und Leberstoffwechsel. Es handelt sich um einen biologisch aktiven Stoff; die Herkunft aus einer Pflanze sagt weder etwas über seine Verträglichkeit noch über die passende Anwendung aus. Klinische Übersicht
Nach oraler Einnahme gelangt nur wenig unverändertes Berberin in den Kreislauf. Pharmakokinetische Übersichten nennen eine Bioverfügbarkeit unter 1 Prozent und berichten, dass 11 bis 23 Prozent mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Diese Angaben stammen aus unterschiedlichen Untersuchungsbedingungen und sind kein fester Wert für jedes Präparat oder jeden Menschen. Die geringe Aufnahme erklärt einen Teil des Interesses an veränderten Formulierungen. Pharmakokinetische Übersicht
In den USA werden entsprechende Nahrungsergänzungsmittel nicht vor dem Verkauf von der FDA wie Arzneimittel auf Wirksamkeit und Sicherheit zugelassen. Diese US-Regel ist keine Aussage über die Frage, ob ein bestimmtes Produkt in Deutschland verkauft werden darf. Entscheidend für eine medizinische Behandlung bleibt, ob ein Präparat für den jeweiligen Zweck geprüft und zugelassen ist. FDA zu Nahrungsergänzungsmitteln
Aus welchen Pflanzen stammt Berberin?
Berberin kommt unter anderem in Wurzeln, Rhizomen und Rinde verschiedener Pflanzen vor. Zu den verwendeten Quellen zählen:
- Berberitze (Berberis vulgaris)
- Kanadische Gelbwurz, auch Goldenseal genannt (Hydrastis canadensis)
- Gewöhnliche Mahonie (Mahonia aquifolium)
- Indische Berberitze (Berberis aristata)
Ein Pflanzenextrakt ist nicht mit isoliertem Berberin gleichzusetzen. Er enthält weitere Substanzen, und die Aufnahme kann anders ausfallen. Das NCCIH betont diese Einschränkung insbesondere für Goldenseal: Ergebnisse aus Berberinstudien lassen sich nicht automatisch auf Gelbwurzpräparate übertragen. NCCIH: Goldenseal
Wie wirkt Berberin im Körper?
Berberin greift offenbar an mehreren Stellen in die Stoffwechselregulation ein. In Studien bei Typ-2-Diabetes verändern sich teilweise Blutzucker, Insulinresistenz und Blutfette gemeinsam. Das spricht für mehrere beteiligte Prozesse, beweist aber noch keinen einzelnen Wirkmechanismus. Metaanalyse zu Stoffwechselwerten
Ein wichtiger Ansatzpunkt könnte der Darm sein. In der PREMOTE-Studie wurden 409 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes an 20 Zentren auf verschiedene Behandlungen verteilt. Die berberinhaltigen Gruppen zeigten Veränderungen des HbA1c und des Mikrobioms, unter anderem im Gallensäurestoffwechsel. Das liefert Hinweise darauf, wie ein schlecht aufgenommener Stoff dennoch Wirkungen im übrigen Körper entfalten könnte. PREMOTE-Studie
Formulierungen mit besserer Aufnahme sind gesondert zu betrachten. Eine Crossover-Pilotstudie mit fünf gesunden Männern fand für Dihydroberberin eine höhere Berberinexposition im Blut: Die Fläche unter der Konzentrationskurve über 120 Minuten lag bei 284,4 gegenüber 42,3 ng/ml × 120 min im Vergleich zu 500 mg Berberin. Die höhere Zahl bezog sich auf die untersuchte 100-mg-Dihydroberberin-Bedingung. Unterschiede bei Glukose oder Insulin wurden in diesem kurzen Versuch nicht gefunden. Ein Vorteil bei der Aufnahme ist damit noch kein belegter Behandlungsvorteil. Pilotstudie zur Aufnahme
Welche Rolle spielt AMPK?
AMPK ist ein Enzymkomplex, der den Energiezustand einer Zelle erfasst und Stoffwechselwege daran anpasst. Er wird häufig als Erklärung für Berberinwirkungen genannt. Vieles dazu stammt aus Labor- und Tierexperimenten.
Klinische Studien messen meist Ergebnisse wie Nüchterninsulin oder HOMA-IR, einen rechnerischen Schätzwert für Insulinresistenz. Niedrigere Werte können zu einer verbesserten Insulinwirkung passen, zeigen aber nicht unmittelbar, welcher Signalweg dafür verantwortlich war. Metaanalyse zu Insulin und Glukose
Welche Vorteile werden durch Studien gestützt?
Eine übergeordnete Übersicht bewertete elf Metaanalysen randomisierter Studien. Sie fand Hinweise auf Veränderungen von Glukose, Insulinresistenz, Blutfetten, Körpermaßen und Entzündungsmarkern. Zugleich bemängelte sie die methodische Qualität. Kleine Studien, unterschiedliche Vergleichsgruppen und unzureichend beschriebene Verblindung begrenzen die Sicherheit der Schlussfolgerungen. Umbrella-Review, Übersicht zu Blutfetten
Blutzucker und Insulinresistenz
Eine Metaanalyse von 37 randomisierten Studien mit 3.048 Menschen mit Typ-2-Diabetes berichtete im Mittel einen um 0,63 Prozentpunkte niedrigeren HbA1c. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall lag zwischen −0,72 und −0,53 Prozentpunkten. Nüchternplasmaglukose sank um 0,82 mmol/l, der Wert zwei Stunden nach einer Mahlzeit um 1,16 mmol/l. Höhere Ausgangswerte gingen mit größeren Veränderungen einher. Xie und Kollegen, 2022
Eine andere Auswertung beschränkte sich auf 20 placebokontrollierte Studien mit 1.761 Personen. Hier lagen die mittleren Unterschiede bei −0,52 mmol/l Nüchternglukose, −2,36 mU/l Nüchterninsulin und −0,85 HOMA-IR-Einheiten. Diese Ergebnisse stammen nicht aus derselben Studienauswahl wie die vorherigen Zahlen. Zhao und Kollegen, 2023
In der ersten Auswertung nahmen berichtete unerwünschte Ereignisse insgesamt nicht zu; das gepoolte relative Risiko betrug 0,73. Auch für Unterzuckerungen wurde kein Anstieg gefunden. Kurze Studien mit begrenzter Teilnehmerzahl schließen seltene Risiken oder Probleme bei Medikamentenkombinationen jedoch nicht aus.
Cholesterin und Herz-Kreislauf-Marker
In 18 placebokontrollierten Studien mit 1.788 Teilnehmenden wurden meist 900 bis 1.500 mg Berberin pro Tag über 4 bis 24 Wochen eingesetzt. Im Mittel sank LDL-Cholesterin um 0,46 mmol/l, entsprechend ungefähr 18 mg/dl. Gesamtcholesterin verringerte sich um 0,48 mmol/l und Triglyzeride um 0,34 mmol/l, also ungefähr 30 mg/dl. HDL stieg geringfügig um 0,06 mmol/l. Blais und Kollegen, 2023
Eine frühere Auswertung von 16 Studien mit 2.147 Teilnehmenden fand ähnliche Veränderungen von Gesamtcholesterin, LDL und Triglyzeriden. In einer Auswertung von 2025 zeigten sich dagegen keine statistisch gesicherten Effekte auf HDL oder den systolischen beziehungsweise diastolischen Blutdruck. Unterschiedliche Studienauswahlen können solche Unterschiede erklären. Ju und Kollegen, 2018, Liu und Kollegen, 2025
Verbesserte Laborwerte sind außerdem nicht gleichbedeutend mit nachgewiesen weniger Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Eine verschriebene lipidsenkende Behandlung sollte deshalb nicht durch Berberin ersetzt werden.
Gewicht und Körperzusammensetzung
Eine Dosis-Wirkungs-Metaanalyse von zehn Studien fand keine statistisch gesicherte Veränderung des Körpergewichts: Der mittlere Unterschied betrug −0,11 kg, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von −0,99 bis +0,76 kg. Gleichzeitig sanken BMI und Taillenumfang im Mittel um 0,29 kg/m² beziehungsweise 2,75 cm. Xiong und Kollegen, 2020
Die Auswertung von 2025 berichtete −3,27 cm Taillenumfang und −0,435 kg/m² BMI. Das sind Ergebnisse verschiedener Datensätze, keine persönliche Prognose von 2,75 bis 3,27 cm weniger Bauchumfang. Sie rechtfertigen insbesondere nicht die Erwartung einer ausgeprägten Gewichtsabnahme. Liu und Kollegen, 2025
Fettleber und MASLD
Bei metabolisch bedingter Fettleber, heute häufig MASLD genannt und in älteren Studien als NAFLD bezeichnet, wurden auch Leberwerte untersucht. Eine Metaanalyse von zehn Studien mit 811 Patientinnen und Patienten berichtete standardisierte mittlere Unterschiede von −0,72 für ALT, −0,79 für AST und −0,62 für GGT; für HOMA-IR lag der Wert bei −1,56. Standardisierte Unterschiede sind keine absoluten Veränderungen in U/l und lassen sich nicht direkt als erwarteter persönlicher Laborwert lesen. Nie und Kollegen, 2024
Davon getrennt ist eine 18-wöchige Phase-2-Studie zu Berberin-Ursodeoxycholat zu betrachten. Dieses experimentelle Salz verbindet Berberin mit Ursodeoxycholsäure. Bei 1.000 mg zweimal täglich sank der im MRT gemessene Leberfettanteil absolut um 4,8 Prozentpunkte gegenüber 2,0 unter Placebo. Das Ergebnis gilt für dieses Prüfpräparat und nicht für beliebige Berberinkapseln. Harrison und Kollegen, 2021
PCOS und hormoneller Stoffwechsel
Bei polyzystischem Ovarialsyndrom mit Insulinresistenz ist die Datenlage unsicher. Eine Metaanalyse von neun Studien fand keine eindeutigen Unterschiede zwischen Berberin und Metformin bei Insulinresistenz, Glukose- und Fettstoffwechsel sowie reproduktionsmedizinischen Hormonwerten. Ein zusätzlicher Nutzen von Berberin zusammen mit Metformin gegenüber Metformin allein wurde ebenfalls nicht gesichert. Li und Kollegen, 2018
„Kein signifikanter Unterschied“ bedeutet hier nicht, dass beide Behandlungen gleichwertig bewiesen sind. Die Autoren hielten die Daten für unzureichend. Aus einem möglichen Effekt auf Insulinresistenz folgt auch kein nachgewiesener Vorteil für Fruchtbarkeit oder Schwangerschaft.
Darmmikrobiom
Die PREMOTE-Studie verglich über zwölf Wochen Berberin, Probiotika plus Berberin, Probiotika allein und Placebo. Veränderungen von HbA1c und Mikrobiom traten in den berberinhaltigen Gruppen zusammen auf. Welche bakteriellen Veränderungen tatsächlich ursächlich und langfristig nützlich sind, bleibt eine weitergehende Frage. PREMOTE
Der Umbrella-Review enthielt außerdem Befunde zu Helicobacter pylori und kolorektalen Adenomen. Solche eng umrissenen Untersuchungen begründen keine allgemeine Anwendung zur „Darmsanierung“ oder zur Selbstbehandlung einer Infektion. Übersicht
Ist Berberin mit Ozempic oder anderen GLP-1-Medikamenten vergleichbar?
Berberin und Semaglutid sind unterschiedliche Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Evidenzgrundlagen. Die Bezeichnung „natürliches Ozempic“ ist daher irreführend.
In einer großen Adipositasstudie führte einmal wöchentliches Semaglutid in einer Dosis von 2,4 mg über 68 Wochen zu einer mittleren Gewichtsänderung von −14,9 Prozent, gegenüber −2,4 Prozent unter Placebo. Die oben genannte Berberin-Metaanalyse zeigte dagegen keinen gesicherten Gewichtseffekt. Dies ist kein direkter Vergleich im selben Versuch; außerdem beschreibt die 2,4-mg-Studie eine Adipositasbehandlung und nicht jede Anwendung eines Semaglutidpräparats. STEP-1-Studie
Berberin und Metformin im Vergleich
Eine kleine Pilotstudie verglich bei 36 Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes über drei Monate Berberin und Metformin, jeweils mit 0,5 g dreimal täglich. In der Berberingruppe sank HbA1c von 9,5 auf 7,5 Prozent. In einem weiteren Studienteil erhielten 48 Menschen mit unzureichender Glukosekontrolle zusätzlich Berberin: HbA1c sank von 8,1 auf 7,3 Prozent, Nüchterninsulin um 28,1 Prozent und HOMA-IR um 44,7 Prozent. Vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden wurden bei 34,5 Prozent berichtet. Diese kleinen, kurzen Untersuchungen belegen keine langfristige Gleichwertigkeit mit Metformin. Yin und Kollegen, 2008
| Merkmal | Berberin | Metformin | GLP-1-Behandlung am Beispiel Semaglutid |
|---|---|---|---|
| Anwendung in den genannten Studien | Oral, Tagesmenge aufgeteilt | Oral, im Pilotversuch 0,5 g dreimal täglich | Im genannten Versuch wöchentlich unter die Haut |
| Einordnung | Nahrungsergänzungsmittel sind keine zugelassene Ersatztherapie | Verschreibungspflichtiges Arzneimittel | Verschreibungspflichtiges Arzneimittel |
| HbA1c-Ergebnis | Im Mittel −0,63 Prozentpunkte in 37 Studien | Ähnlicher Effekt in einem dreimonatigen Pilotvergleich | Hier wird eine Gewichts- und keine HbA1c-Studie verglichen |
| Gewicht | In einer Metaanalyse keine gesicherte Änderung | Im genannten Pilotvergleich nicht quantifiziert | −14,9 Prozent über 68 Wochen gegenüber −2,4 Prozent unter Placebo |
| Aussagekraft | Viele kleine, unterschiedliche Studien | Breite klinische Erfahrung; direkter Berberinvergleich klein | Große randomisierte Studie bei Übergewicht oder Adipositas |
Die Tabelle vergleicht verschiedene Studien und ist keine Rangliste austauschbarer Behandlungen. Für Kombinationen kommt es zudem auf Wechselwirkungen an: Bei gesunden Erwachsenen verringerte Goldenseal-Extrakt die Metforminexposition um etwa 25 Prozent. Das ist ein Befund zum Pflanzenextrakt, nicht dieselbe Untersuchung wie die Einnahme von reinem Berberin. NCCIH zur Interaktion
Welche Mengen und Einnahmezeiten wurden untersucht?
In vielen Studien lagen die Tagesmengen bei 900 bis 1.500 mg über 4 bis 24 Wochen. Der Pilotvergleich mit Metformin verwendete 0,5 g dreimal täglich. Diese Angaben beschreiben Forschungsprotokolle und ergeben keine allgemein empfohlene Selbstmedikationsdosis. Lipid-Metaanalyse, Pilotstudie
Die Protokolle unterscheiden sich unter anderem in folgenden Punkten:
- Die Tagesmenge wird häufig auf zwei oder drei Einnahmen verteilt.
- Manche Studien koppeln die Einnahme an Mahlzeiten, unter anderem wegen der Magen-Darm-Verträglichkeit.
- Bei Beschwerden wurden Mengen teilweise angepasst; eine pauschale Steigerungsanleitung lässt sich daraus nicht ableiten.
- Veränderungen wurden über Wochen gemessen, nicht nach einzelnen Kapseln.
Ob eine Einnahme überhaupt vertretbar ist, hängt besonders von Erkrankungen und anderen Medikamenten ab.
Welche Nebenwirkungen kann Berberin haben?
Am häufigsten werden Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen und andere Magen-Darm-Beschwerden berichtet. In den placebokontrollierten Lipidstudien lagen entsprechende Ereignisse bei 2 bis 23 Prozent unter Berberin und bei 2 bis 15 Prozent unter Placebo. Dort wurden keine schweren unerwünschten Ereignisse berichtet; die begrenzte Studiendauer erlaubt trotzdem keine umfassende Aussage zur Langzeitsicherheit. Blais und Kollegen
Die 34,5 Prozent vorübergehenden Magen-Darm-Beschwerden aus der kleinen Diabetesstudie zeigen, dass die Verträglichkeit je nach Untersuchung unterschiedlich ausfallen kann. Auch das experimentelle Berberin-Ursodeoxycholat verursachte vor allem Durchfall und Bauchbeschwerden; seine Nebenwirkungsdaten gehören nicht ungeprüft zu gewöhnlichem Berberin. Diabetesstudie, Phase-2-Studie
Gelbe Haut oder Augen, starke Beschwerden oder Symptome einer Unterzuckerung sollten zeitnah medizinisch abgeklärt werden. Bei neuen Beschwerden nach Beginn eines Präparats sind Name, Inhaltsstoffe und alle gleichzeitig eingenommenen Medikamente wichtige Informationen.
Wer sollte Berberin meiden, und welche Wechselwirkungen sind wichtig?
In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Säuglingen sollte Berberin vermieden werden. Eine Sorge betrifft die Verdrängung von Bilirubin aus seiner Bindung an Albumin. Eine ältere Labor- und Tieruntersuchung fand dabei eine etwa zehnfach stärkere Verdrängung als durch Phenylbutazon. Das ist keine gemessene Risikozahl für schwangere Menschen, erklärt aber einen Teil der besonderen Vorsicht bei Neugeborenen. Bilirubin-Untersuchung
Vor der Kombination mit Arzneimitteln ist eine ärztliche oder pharmazeutische Prüfung erforderlich. Beschriebene Interaktionsfelder betreffen unter anderem Ciclosporin A, Digoxin und die Glukoseregulation. Für Metformin ist der oben erläuterte Befund mit Goldenseal zu unterscheiden. Pharmakokinetische Übersicht
Berberin beeinflusst in Untersuchungen verschiedene CYP-Enzyme, darunter CYP3A4/5, CYP2D6, CYP2C9, CYP2E1, CYP1A1/2 und mehrere CYP2B-Formen. Die Bedeutung hängt von Präparat, Dosis und Medikament ab. Besonders relevant sind mögliche Veränderungen bei Arzneimitteln mit engem therapeutischem Bereich, bei denen bereits kleinere Konzentrationsverschiebungen gefährlich werden können. Übersicht zu CYP-Interaktionen
Woran lässt sich die Qualität eines Präparats erkennen?
Ein Produktetikett sollte die genaue Substanz, die Menge pro Portion, weitere Inhaltsstoffe und Herstellerangaben klar nennen. Unabhängige Prüfungen können die Identität und Reinheit besser nachvollziehbar machen, belegen aber keinen medizinischen Nutzen.
Bei der Einordnung helfen vier Fragen:
- Bezieht sich die Milligrammangabe auf Berberin selbst oder auf einen Pflanzenextrakt?
- Handelt es sich um Berberin-HCl, Dihydroberberin oder eine andere Formulierung?
- Sind zusätzliche Wirkstoffe enthalten, die eigene Wechselwirkungen haben können?
- Was hat eine angegebene externe Prüfung tatsächlich untersucht?
Eine stärkere Aufnahme ist kein automatischer Qualitätsvorteil für die Behandlung. Auch lässt sich eine Studienmenge nicht einfach auf ein anders zusammengesetztes Produkt übertragen. Für einige Goldensealprodukte wurden nicht deklarierte Inhaltsstoffe gefunden; das unterstreicht die Bedeutung einer nachvollziehbaren Zusammensetzung. NCCIH
Welche Blutwerte können Veränderungen zeigen?
Wenn eine Einnahme medizinisch begleitet wird, sollten vorher die konkrete Fragestellung und passende Verlaufskontrollen feststehen. HbA1c, Nüchternglukose und Blutfette beantworten unterschiedliche Fragen. Leberwerte allein messen weder den Leberfettgehalt noch die gesamte Lebergesundheit.
| Messwert | Was er beschreibt | Mittlere Veränderungen in den genannten Studien |
|---|---|---|
| HbA1c | Blutzuckerbelastung der vergangenen etwa drei Monate | −0,63 Prozentpunkte |
| Nüchternglukose | Glukosewert im nüchternen Zustand | −0,82 mmol/l in einer Diabetes-Metaanalyse |
| Nüchterninsulin und HOMA-IR | Indirekte Informationen zur Insulinregulation | −2,36 mU/l beziehungsweise −0,85 in placebokontrollierten Studien |
| LDL und Triglyzeride | Bestandteile des Blutfettprofils | −0,46 beziehungsweise −0,34 mmol/l |
| ALT und AST | Enzyme, die unter anderem bei Leberschädigung ansteigen können | Veränderungen als standardisierte mittlere Unterschiede, nicht als feste U/l-Abnahme |
Die Tabellenwerte stammen aus den verlinkten Glukose-, Insulin-, Lipid- und Leber-Metaanalysen. Sie sind Gruppenmittel. Ernährung, Gewicht, Medikamente und Erkrankungen können dieselben Werte verändern; ein besserer Folgewert beweist deshalb nicht allein, dass Berberin die Ursache war.
Häufige Fragen
Ist Berberin wirklich „natürliches Ozempic“?
Nein. Es wirkt anders und hat keine vergleichbare Evidenz für eine ausgeprägte Gewichtsabnahme. In der genannten Semaglutidstudie betrug die mittlere Gewichtsänderung über 68 Wochen −14,9 Prozent, in der Berberin-Metaanalyse −0,11 kg ohne statistisch gesicherten Effekt. Unterschiedliche Studien und Einheiten dürfen dabei nicht als direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich verstanden werden.
Wie stark kann Berberin den Blutzucker senken?
Bei Typ-2-Diabetes ergab eine Metaanalyse im Mittel −0,63 Prozentpunkte HbA1c, −0,82 mmol/l Nüchternglukose und −1,16 mmol/l Glukose zwei Stunden nach einer Mahlzeit. In einer anderen Auswertung sanken Nüchterninsulin um 2,36 mU/l und HOMA-IR um 0,85. Der persönliche Effekt lässt sich daraus nicht vorhersagen.
Wie viel Berberin sollte man täglich einnehmen?
Eine allgemeine Empfehlung lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Häufig untersucht wurden 900 bis 1.500 mg täglich, auf mehrere Einnahmen verteilt. Ob ein Präparat im Einzelfall infrage kommt, muss vor allem wegen Wechselwirkungen geklärt werden.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Vor allem Durchfall, Verstopfung und Bauchbeschwerden. In Studien schwankte ihre Häufigkeit erheblich. Neue oder stärkere Beschwerden sollten Anlass sein, die Einnahme und mögliche Wechselwirkungen zu überprüfen.
Wirkt Berberin genauso gut wie Metformin?
Eine kleine, dreimonatige Pilotstudie fand ähnliche Blutzuckereffekte. Das genügt nicht, um Gleichwertigkeit, Langzeitsicherheit oder denselben Schutz vor Folgeerkrankungen zu belegen. Metformin darf deshalb nicht auf dieser Grundlage eigenständig ersetzt werden.
Wer sollte Berberin nicht einnehmen?
Schwangere, Stillende und Säuglinge sollten es meiden. Wer Arzneimittel verwendet, braucht vor einer Einnahme eine konkrete Interaktionsprüfung. Die pflanzliche Herkunft schützt nicht vor Veränderungen von Arzneimittelspiegeln.
Führt Berberin zu Gewichtsverlust?
Eine relevante Gewichtsabnahme lässt sich mit diesen Ergebnissen nicht versprechen. Manche Auswertungen zeigen kleinere Veränderungen von BMI oder Bauchumfang, während der Gewichtseffekt nicht eindeutig ist. Diese Messgrößen sind nicht untereinander austauschbar.
Ist Dihydroberberin besser als gewöhnliches Berberin?
In einer sehr kleinen Studie wurde es besser aufgenommen. Ein besserer Effekt auf Glukose oder Insulin wurde dort nicht gezeigt. Für eine klinische Überlegenheit wären größere und längere Untersuchungen nötig; dasselbe Prinzip gilt für Phytosom-Formulierungen.
Quellen
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