Blutgerinnungstests: Welche Werte liegen im Normalbereich?
Klinische Prüfung ausstehend
Welche Werte gelten bei Blutgerinnungstests als normal? Für Erwachsene ohne gerinnungshemmende Behandlung werden häufig eine Prothrombinzeit (PT) von 11 bis 13,5 Sekunden, eine aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) von 25 bis 35 Sekunden und eine INR von 0,8 bis 1,1 angegeben. Maßgeblich ist jedoch der Referenzbereich des jeweiligen Labors. Die Werte beschreiben die Gerinnung einer Blutprobe unter Laborbedingungen; sie zeigen für sich allein weder das persönliche Blutungsrisiko noch das Vorliegen eines Blutgerinnsels.

Für Erwachsene ohne gerinnungshemmende Behandlung gelten häufig folgende Orientierungswerte: eine Prothrombinzeit (PT) von 11 bis 13,5 Sekunden, eine aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) von 25 bis 35 Sekunden und eine INR von 0,8 bis 1,1. Entscheidend ist der Referenzbereich auf dem jeweiligen Laborbefund. Die Tests messen, wie eine Blutprobe unter Laborbedingungen gerinnt. Aus den Werten allein lässt sich weder das persönliche Blutungsrisiko ablesen noch erkennen, ob ein Blutgerinnsel vorliegt. Referenzbereiche für PT und INR, Referenzbereich für aPTT
Was Blutgerinnungstests messen
Blutgerinnungstests messen, wie lange Blutplasma, der flüssige Anteil des Blutes, unter standardisierten Laborbedingungen braucht, um ein Gerinnsel zu bilden. Bei einer Verletzung aktiviert der Körper nacheinander verschiedene Gerinnungsfaktoren. Diese Proteine lösen eine Reaktionskette aus, an deren Ende aus Fibrinogen Fibrinfäden entstehen. Die Fäden bilden ein Netz, das Blutzellen festhält und das Gerinnsel stabilisiert. Quelle
Die Prothrombinzeit, kurz PT, erfasst den sogenannten extrinsischen und den gemeinsamen Gerinnungsweg. Der Test untersucht dabei die Faktoren VII, X, V und II sowie Fibrinogen. Die aktivierte partielle Thromboplastinzeit, kurz aPTT, erfasst den intrinsischen und den gemeinsamen Weg mit den Faktoren XII, XI, IX, VIII, X, V und II sowie Fibrinogen. Die Begriffe bezeichnen unterschiedliche Abschnitte dieser Reaktionskette, die auch Gerinnungskaskade heißt. Die International Normalized Ratio (INR) ist ein berechneter Wert, der PT-Ergebnisse insbesondere für die Überwachung von Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin standardisiert. Sie vereinheitlicht nicht die Wirkung aller Gerinnungshemmer. Quellen: PT, aPTT, INR
Die Tests zeigen, ob die untersuchte Reaktionskette innerhalb der erwarteten Zeit abläuft. Das Blutungsrisiko im Körper erfassen sie jedoch nur zum Teil, denn sie prüfen die Plasmagerinnung unter künstlichen Bedingungen. An der Blutstillung sind außerdem Blutplättchen, die Blutgefäße und weitere Faktoren beteiligt. Quelle
Referenzbereich und persönlicher Zielwert
Laborreferenzbereiche umfassen ungefähr 95 % der Werte augenscheinlich gesunder Erwachsener. Ob ein Wert für eine bestimmte Person medizinisch angemessen ist, hängt auch von ihrer Erkrankung und Behandlung ab. Häufig genannte Bereiche sind 11 bis 13,5 Sekunden für die PT, 25 bis 35 Sekunden für die aPTT und 0,8 bis 1,1 für die INR. Frühere eigene Messwerte helfen, Veränderungen zu erkennen. Für die Beurteilung bleiben aber auch der Referenzbereich des Labors und die klinische Situation maßgeblich.
Steigt eine bisher bei 12 Sekunden liegende PT auf 14 Sekunden, kann das Anlass sein, die Veränderung abzuklären. 14 Sekunden liegen außerhalb des hier genannten Bereichs von 11 bis 13,5 Sekunden; andere Labore können abweichende Grenzen verwenden. Sinkt eine aPTT von den bisherigen 30 Sekunden auf 26 Sekunden, liegen beide Werte weiterhin im genannten Referenzbereich. Diese Veränderung allein belegt keine erhöhte Gerinnungsneigung; biologische Schwankungen, das Analyseverfahren und die Probenbedingungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Welche Werte angestrebt werden, richtet sich nach Erkrankungen, Risiken und einer möglichen Behandlung. Bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann eine gezielte Gerinnungshemmung das Thromboserisiko senken und dabei die Gerinnungszeiten verlängern. Längere Gerinnungszeiten sind deshalb kein allgemeines Behandlungsziel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Blutungsstörungen geht es darum, eine ausreichende Hämostase, also Blutstillung, zu erreichen. Das Behandlungsteam beurteilt die Werte zusammen mit den übrigen Befunden.
Was erhöhte Gerinnungswerte bedeuten können
Erhöhte PT-, aPTT- oder INR-Werte bedeuten, dass sich im jeweiligen Labortest langsamer ein Gerinnsel bildet. Das kann daran liegen, dass der Körper weniger Gerinnungsfaktoren bildet, mehr davon verbraucht oder dass Hemmstoffe in die Gerinnungskaskade eingreifen. Quelle
Eine mögliche Ursache sind Leberfunktionsstörungen, denn die Leber bildet die meisten Gerinnungsfaktoren. Auch ein Vitamin-K-Mangel kann die Gerinnungszeiten verlängern: Vitamin K wird benötigt, um die Faktoren II, VII, IX und X zu aktivieren. Medikamente wie Warfarin erhöhen die INR gezielt, um das Risiko gefährlicher Gerinnsel zu senken. Andere Medikamente, darunter Antibiotika und Acetylsalicylsäure (Aspirin), können die Blutgerinnung ebenfalls beeinflussen. Solche Wirkungen auf die Blutstillung sind allerdings nicht immer an PT oder aPTT erkennbar; Aspirin beeinflusst vor allem die Funktion der Blutplättchen. Quellen: Lebererkrankungen, Medikamenteneinflüsse, PT, Vitamin K
Bestimmte Antiphospholipid-Antikörper, insbesondere Lupus-Antikoagulanzien, können die aPTT im Labor verlängern, obwohl gleichzeitig das Thromboserisiko erhöht ist. Bei einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) wird die Gerinnung weiträumig innerhalb der Blutgefäße aktiviert. Dabei werden Gerinnungsfaktoren schneller verbraucht, als der Körper sie nachbildet. Dadurch können sich die Gerinnungszeiten verlängern. Unter einer gerinnungshemmenden Behandlung können erhöhte Werte dagegen beabsichtigt sein. Ob sie im gewünschten Bereich liegen, hängt vom Medikament und vom festgelegten Zielbereich ab. Ist eine Verlängerung ungeklärt, muss nach der Ursache gesucht werden. Quellen: Antiphospholipid-Antikörper, DIC
Was niedrige Gerinnungswerte bedeuten können
Eine verkürzte aPTT kann gelegentlich mit einer erhöhten Gerinnungsneigung einhergehen, auch Hyperkoagulabilität genannt. PT und aPTT sind jedoch keine allgemeinen Screeningtests auf eine solche Veranlagung. Eine Veranlagung zu Thrombosen heißt Thrombophilie; um sie abzuklären, sind je nach Fragestellung spezielle Untersuchungen nötig. Eine erhöhte Gerinnungsneigung kann je nach zugrunde liegendem Zustand arterielle oder venöse Ereignisse begünstigen, darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Lungenembolien. Die verschiedenen Störungen beeinflussen diese Risiken jedoch unterschiedlich. Eine verkürzte Gerinnungszeit allein weist diese Risiken jedoch nicht nach. Quelle
Blutentnahme und Probenverarbeitung können Ergebnisse beeinflussen. Ein unerwartet kurzer Wert muss daher gegebenenfalls bestätigt werden, sollte aber nicht automatisch als Entnahmefehler gelten. Eine Laborstudie von 2024 fand bei vielen Proben mit verkürzter aPTT eine erhöhte Faktor-VIII-Aktivität. Der Flüssigkeitshaushalt kann Plasmakonzentrationen verändern; mehr Wasser zu trinken ersetzt aber weder die Einordnung noch die Behandlung eines auffälligen Gerinnungswerts.
In der Schwangerschaft nimmt die Gerinnungsbereitschaft natürlicherweise zu. Das hilft, den Blutverlust bei der Geburt zu begrenzen. Bei Komplikationen wie einer Präeklampsie zählen das klinische Bild und passende Untersuchungen; eine verkürzte PT oder aPTT allein ist kein Diagnosekriterium. Bestimmte erbliche Thrombophilien, etwa Faktor-V-Leiden, die Prothrombinmutation G20210A oder ein Protein-C- beziehungsweise Protein-S-Mangel, erhöhen die Gerinnungsneigung. PT und aPTT sind dabei häufig unauffällig. Für den Nachweis sind spezielle Tests erforderlich. Quellen: Schwangerschaft, Hyperkoagulabilität
Auf Infektionen oder Entzündungen reagiert der Körper unter anderem mit einer sogenannten Akutphasereaktion. Dabei können die Konzentrationen von Faktor VIII und Fibrinogen steigen und die Gerinnselbildung beschleunigen. Auch östrogenhaltige Verhütungsmittel und eine Hormonersatztherapie können die Gerinnungsneigung erhöhen. Bei niedrigen Messwerten ist deshalb auch wichtig, ob sie neu aufgetreten sind oder dem bisherigen Verlauf entsprechen. Ein solcher Wert allein begründet noch keine Behandlung. Quellen: kombinierte orale Kontrazeptiva, Akutphasereaktion
Wie Blutgerinnungstests ablaufen
Für Gerinnungstests wird Blut aus einer Vene in Röhrchen mit Natriumcitrat abgenommen. Citrat bindet Kalzium und hemmt so die Gerinnung während des Transports. Eine korrekte Füllung des Röhrchens und eine zeitgerechte Verarbeitung tragen zu zuverlässigen Ergebnissen bei. Vor der Messung trennt das Labor das Plasma von den Blutzellen. Für Gerinnungstests allein muss die Blutentnahme normalerweise nicht nüchtern erfolgen; gleichzeitig angeordnete andere Tests können abweichende Vorgaben haben. Wichtig sein kann dagegen, wie viel Zeit seit der letzten Medikamenteneinnahme vergangen ist. Quelle
Bei Warfarin oder anderen Gerinnungshemmern gelten die Vorgaben der Praxis zum Untersuchungstermin und zur Medikamenteneinnahme. Eine INR-Messung muss nicht allgemein genau 24 Stunden nach der letzten Warfarindosis erfolgen. Ohne Anweisung des Behandlungsteams sollte für die Blutabnahme keine Dosis ausgelassen oder verändert werden. Alkoholkonsum und Veränderungen der Trinkgewohnheiten sollten angegeben werden, da sie die Warfarineinstellung beeinflussen können; eine pauschale 24-stündige Alkoholkarenz ersetzt keinen individuellen Plan. Pflanzliche Präparate mit Ginkgo, Knoblauch oder Ginseng können ebenfalls Wechselwirkungen oder ein verändertes Blutungsrisiko verursachen. Die Praxis sollte sämtliche Medikamente und Präparate kennen. Quellen: Leber und Gerinnung, Medikamenteneinflüsse, PT
Bei beschwerdefreien Erwachsenen wird ein routinemäßiges Gerinnungsscreening, also eine Untersuchung ohne konkreten Verdacht, nicht empfohlen. Gründe für einen Test können aktive Blutungen, bestimmte geplante Operationen, die Kontrolle einer gerinnungshemmenden Behandlung oder Gerinnungsstörungen in der eigenen beziehungsweise familiären Vorgeschichte sein. Eine geplante Operation erfordert also nicht automatisch PT und aPTT: Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine gezielte Auswahl statt routinemäßiger Gerinnungstests bei allen Operationspatienten.
Die Kontrollhäufigkeit hängt vom Medikament, der Behandlungsphase und der Stabilität ab. Unter Warfarin können anfangs tägliche oder zweitägliche Messungen, später wöchentliche und schließlich monatliche oder bei ausgewählten stabilen Personen längere Abstände sinnvoll sein. Die NHS Specialist Pharmacy Service-Empfehlung erlaubt bei stabilen Personen bis zu zwölf Wochen, bei Bedarf mit häufigeren Kontrollen. Das beschreibt einen betreuten Kontrollplan und ist keine Erlaubnis, Termine selbst zu verschieben. Direkte orale Gerinnungshemmer wie Apixaban und Rivaroxaban werden nicht anhand routinemäßiger INR-Messungen dosiert, benötigen aber passende klinische und laborbezogene Verlaufskontrollen.
Schwangere mit Thrombophilie, Komplikationen oder gerinnungshemmender Behandlung können eine auf ihre Situation abgestimmte Überwachung benötigen, weil sich die Gerinnung während der Schwangerschaft verändert. Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft gehören PT und aPTT nicht zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Eine ärztlich angeordnete Wiederholungsmessung in kurzem Abstand kann zeigen, ob eine Abweichung anhält oder nur vorübergehend auftritt. Quelle
Was Gerinnungswerte verändern kann
Gerinnungswerte können sich verändern, wenn der Körper Gerinnungsfaktoren in anderer Menge bildet oder verbraucht oder wenn sich deren Aktivität verändert. Die Leber bildet unter anderem die Faktoren II, VII, IX und X. Kann sie weniger Eiweiß herstellen, kann sich die Gerinnungszeit verlängern und damit PT und INR verändern.
Wie viel Vitamin K über die Ernährung aufgenommen wird, beeinflusst die Aktivierung dieser Faktoren. Ernährungsumstellungen sind besonders unter Warfarin relevant. Manche Antibiotika beeinflussen die Vitamin-K-Verfügbarkeit oder wirken über andere Mechanismen mit Warfarin zusammen; der Effekt hängt vom Präparat und der Situation ab. Alkohol kann die Leberfunktion und die Gerinnungshemmung beeinflussen. Der Flüssigkeitshaushalt verändert ebenfalls die Konzentration von Plasmabestandteilen, erklärt eine auffällige PT oder aPTT aber nicht zuverlässig allein.
Hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft oder unter einer Hormontherapie beeinflussen mehrere Gerinnungsfaktoren. Bei akuten Erkrankungen oder Stress können Faktor VIII und Fibrinogen ansteigen und die Gerinnselbildung beschleunigen. Auch Körpergewicht und Stoffwechselgesundheit können das Gleichgewicht von Gerinnung und Gerinnselabbau beeinflussen. Regelmäßige Bewegung unterstützt die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Längere Immobilität erhöht dagegen das venöse Thromboserisiko, selbst wenn die üblichen Gerinnungszeiten normal sind. Daraus ergibt sich kein PT- oder aPTT-Zielwert, der durch Lebensstilmaßnahmen optimiert werden sollte. Quellen: Thromboserisikofaktoren, Bewegung, Menstruationszyklus, Adipositas, Akutphasereaktion
Welche weiteren Blutwerte bei der Einordnung helfen
Weitere Befunde zur Blutstillung können helfen, Gerinnungstests zu beurteilen. Anzahl und Funktion der Blutplättchen bestimmen die primäre Hämostase: An der verletzten Gefäßstelle entsteht zunächst ein Pfropf. Die Gerinnungskaskade, die PT und aPTT untersuchen, trägt anschließend dazu bei, diesen Verschluss zu stabilisieren. Quelle
Die Fibrinogenkonzentration beeinflusst sowohl PT als auch aPTT, denn am Ende der Gerinnselbildung wird Fibrinogen in Fibrin umgewandelt. Bei ausreichend stark erniedrigtem Fibrinogen können beide Gerinnungszeiten verlängert sein, auch wenn die übrigen Gerinnungsfaktoren unauffällig sind. D-Dimere entstehen beim Abbau von quervernetztem Fibrin. Sie können in einem passenden diagnostischen Ablauf helfen, den Verdacht auf eine venöse Thrombose oder DIC abzuklären; ein erhöhter Wert allein beweist keine dieser Erkrankungen. Quelle zu Fibrinogen
Leberwerte wie ALT, AST und Bilirubin helfen dabei, verlängerte Gerinnungszeiten im Zusammenhang mit einer Lebererkrankung zu beurteilen. Sie messen jedoch nicht alle unmittelbar, wie gut die Leber Gerinnungsfaktoren bilden kann. Vitamin B12 und Folat beeinflussen vor allem die Bildung roter Blutkörperchen und nicht unmittelbar die Gerinnung. Der allgemeine Ernährungszustand ist dennoch für Zellfunktion und Blutbildung relevant. C-reaktives Protein und andere Entzündungsmarker können darauf hinweisen, dass eine Akutphasereaktion das Gerinnungsgleichgewicht beeinflusst. Entzündungen können die Gerinnungsneigung erhöhen. Quelle
Wann eine Untersuchung der Blutgerinnung sinnvoll ist
Bei einer konkreten medizinischen Fragestellung können Gerinnungstests Auffälligkeiten zeigen, die Beschwerden allein nicht erklären. Manche Gerinnungsstörungen fallen erst bei einer Operation, nach einer Verletzung oder während einer Schwangerschaft auf. Wird eine relevante Störung vorher erkannt, lässt sich die Behandlung rechtzeitig anpassen. Normale PT- und aPTT-Werte schließen allerdings nicht alle Gerinnungsstörungen aus; auch als Screening auf Thrombophilien sind diese Tests nicht zuverlässig. Quelle
Wenn bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung eine gerinnungshemmende Therapie angezeigt ist, können die dazugehörigen Kontrollen helfen, Blutungs- und Thromboserisiken abzuwägen. Vor einer Hormontherapie kann die persönliche und familiäre Vorgeschichte auf eine erhöhte Gerinnungsneigung hinweisen, die gegen die Anwendung von Östrogen sprechen könnte. Eine familiäre Belastung kann auch ohne Beschwerden Anlass für eine gezielte Abklärung sein. Ein allgemeines PT-/aPTT-Screening erfasst solche Veranlagungen jedoch nicht zuverlässig: Viele erbliche Thrombophilien lassen sich nur mit speziellen Untersuchungen nachweisen. Diese Untersuchungsanlässe begründen daher keine pauschale Screeningempfehlung für alle beschwerdefreien Personen.
Besteht ein medizinischer Grund für Kontrollen, können wiederholte Messungen Veränderungen sichtbar machen, die eine Einzelmessung nicht zeigt. Ein unerwartet kurzer Wert kann Anlass sein, Probenqualität, Analyseverfahren und Faktoren wie eine erhöhte Faktor-VIII-Aktivität zu prüfen. Ein zunehmender Unterschied innerhalb des Referenzbereichs sagt ein späteres Gerinnsel nicht zuverlässig voraus. Zunehmend längere Zeiten können unter anderem auf Leberfunktionsstörungen, Medikamenteneffekte oder Hemmstoffe hinweisen. Wie nützlich solche Verlaufsmessungen sind, hängt davon ab, welche Erkrankung oder Behandlung überwacht wird.
Die Blutgerinnung im Gesamtzusammenhang beurteilen
Angaben zur Leberfunktion, zu Entzündungen und zur allgemeinen Stoffwechselsituation können helfen, PT, aPTT und INR einzuordnen. Ein einzelner PT- oder INR-Wert zeigt nur einen Ausschnitt der Blutgerinnung. Für die Beurteilung zählen auch Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente.
Je nach Fragestellung können zusätzliche Leberwerte, Entzündungsmarker und Stoffwechseluntersuchungen erklären helfen, warum die Gerinnungswerte auffällig sind und welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Dafür ist nicht automatisch ein umfangreiches Biomarkerpanel, also eine größere Zusammenstellung verschiedener Messwerte, nötig. Der medizinische Anlass bestimmt, welche Untersuchungen gebraucht werden.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler Blutgerinnungswert?
Bei Erwachsenen ohne gerinnungshemmende Behandlung werden häufig eine PT von 11 bis 13,5 Sekunden, eine aPTT von 25 bis 35 Sekunden und eine INR von 0,8 bis 1,1 angegeben. Die Blutprobe gerinnt dann im jeweiligen Test innerhalb der erwarteten Zeit. Entscheidend ist der Referenzbereich des untersuchenden Labors.
Was bedeutet eine INR von 1,5?
Eine INR von 1,5 liegt über dem hier genannten Referenzbereich für Menschen ohne gerinnungshemmende Behandlung. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine beginnende Leberfunktionsstörung, ein Vitamin-K-Mangel oder der Einfluss von Medikamenten. Daraus lässt sich nicht pauschal schließen, dass das Blut ungefähr 50 % länger zur Gerinnung braucht: Die INR ist ein standardisierter, berechneter Wert und beschreibt keine allgemein gültige prozentuale Verlängerung der tatsächlichen Gerinnungszeit. Bei einer gerinnungshemmenden Therapie richtet sich die Beurteilung nach dem jeweiligen Zielbereich. Quelle
Welche Blutwerte können auf Blutgerinnsel hinweisen?
Ein D-Dimer-Test misst Abbauprodukte von Fibrin. Erhöhte Werte können auf Gerinnselbildung und -abbau hinweisen, treten aber auch aus anderen Gründen auf. Sie weisen ein vorhandenes Gerinnsel nicht allein nach. PT und aPTT messen die Gerinnungszeit unter Laborbedingungen und zeigen keine bereits bestehenden Gerinnsel an. Quelle
Wann liegen Gerinnungswerte außerhalb des Normalbereichs?
Eine PT oberhalb des jeweiligen Laborreferenzbereichs gilt als verlängert. Bezogen auf die hier genannten Orientierungswerte liegen auch eine aPTT über 35 Sekunden oder eine INR über 1,1 oberhalb des Normalbereichs. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Gerinnung im Test länger dauert. Werte unterhalb der Referenzgrenze können eine kürzere Gerinnungszeit anzeigen. Für die Beurteilung zählen der Laborbereich, frühere eigene Werte, Medikamente und die klinische Situation.
Was verursacht verlängerte Gerinnungszeiten?
Leberfunktionsstörungen können die Gerinnungszeiten verlängern, da die Leber die meisten Gerinnungsfaktoren bildet. Ein Vitamin-K-Mangel beeinträchtigt die Aktivierung der Faktoren II, VII, IX und X und kann die Gerinnung ebenfalls verzögern. Weitere mögliche Ursachen sind Autoimmunerkrankungen, eine disseminierte intravasale Gerinnung und bestimmte Medikamente. Quellen: Lebererkrankungen, Vitamin K
Wie beeinflusst Vitamin K Gerinnungstests?
Vitamin K wird benötigt, um die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X zu aktivieren. Ein Mangel kann die PT verlängern und die INR erhöhen. Die Gerinnungswerte können sich deutlich verändern, wenn sich die Ernährung deutlich ändert, manche Antibiotika die Vitamin-K-Verfügbarkeit oder die Behandlung beeinflussen oder Medikamente wie Warfarin die Wiederverwertung von Vitamin K hemmen. Unter Warfarin ist eine möglichst gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr wichtig; vitamin-K-reiche Lebensmittel müssen nicht vollständig gemieden werden. Quelle
Was ist der Unterschied zwischen PT und aPTT?
Die Prothrombinzeit (PT) erfasst den extrinsischen und gemeinsamen Gerinnungsweg mit den Faktoren VII, X, V und II sowie Fibrinogen. Die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) untersucht den intrinsischen und gemeinsamen Weg. Zu den im intrinsischen Weg untersuchten Faktoren gehören XII, XI, IX und VIII. Die Tests erfassen damit unterschiedliche Abschnitte der Gerinnungskaskade und ergänzen einander. aPTT, PT
Beeinflussen Medikamente die Ergebnisse von Gerinnungstests?
Ja. Warfarin erhöht die INR gezielt, um das Risiko gefährlicher Gerinnsel zu verringern. Auch Antibiotika und Acetylsalicylsäure können die Blutstillung beeinflussen. Diese Wirkungen sind nicht zwangsläufig an PT oder aPTT erkennbar. Östrogenhaltige Verhütungsmittel und eine Hormonersatztherapie können die Gerinnungsneigung erhöhen. Verändern sich die Werte unerwartet, sollte deshalb gemeinsam mit dem Behandlungsteam geprüft werden, welche Medikamente eingenommen werden und welchen Einfluss sie haben könnten. Quellen, weitere Quelle
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