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Die Blutgruppendiät

Klinische Prüfung ausstehend

Die Blutgruppendiät ordnet jeder AB0-Blutgruppe bestimmte Lebensmittel zu. Grundlage ist das Buch *Eat Right 4 Your Type* des Naturheilkundlers Peter D’Adamo. Die angeführten Forschungsarbeiten liefern jedoch [keinen Beleg dafür, dass eine auf die Blutgruppe abgestimmte Ernährung die Gesundheit verbessert](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23697707/). Manche Menschen nehmen mit diesen Plänen ab. Dafür sprechen eher die veränderten Essgewohnheiten als die Blutgruppe.

Illustrierter Teller mit Blick auf eine sonnige Landschaft aus Blattgemüse und Karotten.

Lässt sich an der Blutgruppe ablesen, welche Lebensmittel gut für einen Menschen sind? Die Blutgruppendiät verspricht genau das: Sie ordnet jeder AB0-Blutgruppe bestimmte Lebensmittel zu. Bekannt wurde der Ansatz durch das Buch Eat Right 4 Your Type des Naturheilkundlers Peter D’Adamo. Die angeführten Forschungsarbeiten liefern keinen Beleg dafür, dass eine auf die Blutgruppe abgestimmte Ernährung die Gesundheit verbessert. Manche Menschen nehmen mit diesen Plänen ab. Das lässt sich eher durch veränderte Essgewohnheiten erklären als durch die Blutgruppe.

Was ist die Blutgruppendiät?

Die Blutgruppendiät gibt für die vier AB0-Blutgruppen 0, A, B und AB jeweils eigene Lebensmittellisten vor. Dahinter steht die wissenschaftlich nicht gesicherte Annahme, die Blutgruppe bestimme, welche Lebensmittel ein Mensch gut verdaut.

Eine Blutgruppe beschreibt bestimmte Oberflächenmerkmale der roten Blutkörperchen. Im AB0-System unterscheiden sich die Gruppen durch die Antigene A und B auf den roten Blutkörperchen und die natürlicherweise im Blutplasma vorkommenden Antikörper gegen die jeweils fehlenden Antigene. Diese Zuckerstrukturen und die zugehörigen Antikörper ergeben für sich genommen kein Ernährungsprofil.

Der Ansatz ist auch unter den Namen „Eat Right for Your Type“, „AB0-Diät“ und „Ernährung nach Blutgruppe“ bekannt. Bezeichnungen wie „Blutgruppe-0-Diät“ meinen den Plan für eine einzelne Gruppe innerhalb desselben Konzepts.

Woher die Blutgruppendiät stammt

Den Ursprung bildet das 1996 erschienene Buch Eat Right 4 Your Type. Klinische Forschung war nicht die Grundlage des Plans. Für das Buch werden 7 Millionen verkaufte Exemplare in mehr als 60 Sprachen angegeben; diese Verbreitungsangaben sind hier nicht unabhängig bestätigt. Der Erfolg eines Buches sagt ohnehin nichts darüber aus, ob seine biologische Erklärung zutrifft.

Das Buch führt seine Ernährungsvorgaben auf die menschliche Entwicklungsgeschichte zurück. Jede Blutgruppe soll demnach in einer anderen Epoche entstanden sein und besonders gut mit deren Lebensmitteln zurechtkommen: Jäger sollen wie Jäger essen, Ackerbauern wie Ackerbauern. Aus dieser Vorstellung entstehen die Listen für die einzelnen Blutgruppen.

Die genetischen Unterschiede lassen sich konkreter beschreiben. Die AB0-Allele unterscheiden sich unter anderem durch einzelne Basenveränderungen in einem Gen für eine Glykosyltransferase. Dieses Gen enthält die Bauanleitung für ein Enzym, das eine Zuckergruppe an eine Zelloberflächenstruktur anfügt. Bei der hier beschriebenen 0-Variante verhindert eine Deletion, also der Verlust eines DNA-Abschnitts, dass ein funktionsfähiges Enzym entsteht. Ein Verdauungsprofil legt das Gen damit nicht fest.

Was die einzelnen Blutgruppen essen sollen

Die vier Listen unterscheiden sich vor allem darin, wie viel tierisches Eiweiß, Getreide und Milchprodukte sie erlauben. Die folgenden Angaben beschreiben die Regeln der Diät, keine Ernährungsempfehlungen. Auch die Forschung zur Blutgruppendiät unterscheidet diese vier Ernährungsmuster.

Blutgruppe Behaupteter entwicklungsgeschichtlicher Ursprung Bevorzugte Lebensmittel Eingeschränkte Lebensmittel
0 Jäger Fleisch, Fisch, die meisten Gemüsesorten Getreide, Milchprodukte, Hülsenfrüchte
A Ackerbauer Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte Rotes Fleisch, die meisten Milchprodukte
B Nomade Milchprodukte, verschiedene Fleischsorten, Gemüse, Obst Bestimmte Getreide- und Fleischsorten
AB „Rätsel“ Kombination der Listen für Blutgruppe A und B Rotes Fleisch, bestimmte Getreidesorten

Blutgruppe-0-Diät („Jäger“)

Für Menschen mit Blutgruppe 0 sieht der Ernährungsplan viel tierisches Eiweiß vor. Getreide, Milchprodukte und Hülsenfrüchte werden weitgehend eingeschränkt. Die Begründung lautet, diese Menschen hätten von ihren vermeintlichen Jäger-Vorfahren eine gute Fleischverträglichkeit geerbt, vertrügen Lebensmittel aus der Landwirtschaft dagegen schlecht.

Eine kontrollierte Ernährungsintervention prüfte eine daraus ableitbare Vorhersage: Mit pflanzlicher Kost nahmen Teilnehmende mit Blutgruppe 0 ähnlich viel ab wie die übrigen Teilnehmenden. Beim untersuchten Gewichtsverlust zeigte sich also nicht der vom „Jäger“-Modell erwartete Unterschied.

Blutgruppe-A-Diät („Ackerbauer“)

Der A-Ernährungsplan ist überwiegend vegetarisch. Er setzt auf Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte und schränkt rotes Fleisch ein. Nach der Theorie müssten Menschen mit Blutgruppe A als vermeintliche Nachfahren von Ackerbauern besonders von pflanzlicher Ernährung profitieren.

In einer Studie mit fettarmer veganer Ernährung schnitt Blutgruppe A jedoch nicht besser ab als die übrigen Gruppen. Die mittlere Gewichtsveränderung betrug −5,7 kg bei Blutgruppe A gegenüber −7,0 kg bei allen anderen. Diese Untersuchung stützt die vorhergesagte Sonderstellung der Blutgruppe A nicht.

Blutgruppe-B-Diät („Nomade“)

Die B-Liste schränkt die Lebensmittelauswahl am wenigsten ein. Sie erlaubt Milchprodukte sowie verschiedene tierische und pflanzliche Lebensmittel, begrenzt aber bestimmte Getreidesorten. In der angeführten Untersuchung zeigte dieser Plan zugleich die wenigsten günstigen Zusammenhänge: Wer sich stärker an die B-Liste hielt, hatte bei den gemessenen kardiometabolischen Markern keine statistisch signifikanten Unterschiede. Erfasst wurden unter anderem Körpergewicht, Blutdruck und Insulin. Ein nicht signifikanter Befund allein schließt einen Effekt nicht aus.

Blutgruppe-AB-Diät („Rätsel“)

Für Blutgruppe AB kombiniert der Ernährungsplan die Listen für A und B: überwiegend pflanzliche Lebensmittel, Fisch und Meeresfrüchte, dazu einige Milchprodukte und wenig rotes Fleisch. AB wird häufig als seltenste der vier Gruppen bezeichnet; wie häufig die einzelnen Blutgruppen sind, hängt allerdings von der betrachteten Bevölkerung ab.

Wer sich stärker an den AB-Plan hielt, hatte in der angeführten Untersuchung günstigere Blutdruck-, Blutfett- und Insulinwerte. Der Zusammenhang bestand unabhängig von der tatsächlichen Blutgruppe. Er passt damit eher zum Ernährungsmuster als zur behaupteten Abstimmung auf die Blutgruppe. Als Beobachtung belegt er weder eine Ursache noch einen garantierten Nutzen für jeden Menschen.

Was hinter der Lektin-Theorie steckt

Lektine sind Proteine in pflanzlichen Lebensmitteln, die an Zuckerstrukturen binden und rote Blutkörperchen verklumpen lassen können. Ihre hämagglutinierende, also blutkörperchenverklumpende Aktivität lässt sich in üblichen pflanzlichen Lebensmitteln messen. Die Blutgruppendiät erklärt damit ihren vermeintlichen Wirkmechanismus: Jede Blutgruppe soll ungünstig auf die Lektine jener Lebensmittel reagieren, die anderen Gruppen zugeordnet sind.

Die Behauptung, alltägliche Lebensmittel ließen im Körper die Blutzellen der „falschen“ Blutgruppe verklumpen, geht jedoch über die angeführten Befunde hinaus. Messbare Lektinaktivität findet sich besonders bei Hülsenfrüchten. Einweichen und Kochen verändern den Gehalt an aktiven Lektinen. Wie stark er sinkt und ob die übliche Zubereitung einen großen Teil der Aktivität beseitigt, hängt vom Lebensmittel und vom konkreten Verfahren ab. Einweichen allein ist keine verlässliche Entgiftung.

Ein dokumentierter Vergiftungsfall zeigt, welches Risiko unzureichend gegarte Bohnen bergen können. Ein Ausbruch mit 200 Fällen von Gastroenteritis, einer Erkrankungsrate von 12 % und einer medianen Inkubationszeit von 3,3 Stunden wurde auf Chili con Carne mit nicht ausreichend gegarten roten Kidneybohnen zurückgeführt. Die Erkrankungsrate bezieht sich auf eine Kantinenpopulation von 1.700 Menschen. Im Chili lag die Phytohämagglutinin-Aktivität über 400 HAU/g, einem von den Forschenden als potenziell toxisch bezeichneten Wert. Diese Labormessung beschreibt weder eine allgemein sichere Portionsgröße noch einen blutgruppenspezifischen Schwellenwert.

Es handelte sich um eine akute Vergiftung durch unzureichend gegarte Bohnen. Das Risiko ist nicht auf eine bestimmte Blutgruppe beschränkt. Blutgruppenunabhängig bedeutet dabei nicht, dass alle Menschen nach dem Verzehr erkranken: Es wurden 200 Erkrankungsfälle in der Population von 1.700 Menschen berichtet.

Funktioniert die Blutgruppendiät? Was die Forschung zeigt

Die angeführten Forschungsarbeiten weisen keinen gesundheitlichen Vorteil einer auf die Blutgruppe abgestimmten Ernährung nach. Die systematische Übersichtsarbeit fand für die behaupteten Vorteile keine geeigneten Belege. Untersuchungen mit genetisch bestimmter Blutgruppe, darunter Wang et al. (2014) und Wang et al. (2018), erfassten außerdem, wie eng sich die Ernährung an die einzelnen Pläne hielt. Günstige Zusammenhänge zeigten sich unabhängig davon, ob der Plan zur Blutgruppe passte.

Die Arbeiten beantworten unterschiedliche Teile der Frage:

  • Eine systematische Suche in Cochrane, MEDLINE und Embase prüfte 1.415 Literaturtreffer. Eine Studie erfüllte die Einschlusskriterien, beantwortete aber die eigentliche Fragestellung nicht. Die Übersichtsarbeit fand somit keinen Nachweis für die behaupteten gesundheitlichen Vorteile einer blutgruppengerechten Ernährung. Dieser Befund gilt für ihren damaligen Suchzeitraum und erlaubt keine Aussage darüber, ob „bis heute“ eine entsprechende Studie erschienen ist.
  • Bei 1.455 Erwachsenen wurde die AB0-Blutgruppe durch Genotypisierung bestimmt. Eine stärkere Orientierung an den A-, AB- und 0-Ernährungsmustern ging mit günstigeren kardiometabolischen Markern einher. Ob der Ernährungsplan zur tatsächlichen Blutgruppe passte, machte dabei keinen Unterschied.
  • Eine 6-monatige Ernährungsintervention umfasste 973 übergewichtige Erwachsene mit einem mittleren BMI von 32,5. Zu Beginn war eine stärkere Orientierung am A-Muster mit niedrigerem diastolischem Blutdruck verbunden. Über sechs Monate hing eine stärkere Orientierung an den A-, B- und 0-Mustern mit einer Abnahme von BMI oder Taillenumfang zusammen. Weder zu Beginn noch nach 6 Monaten unterschieden sich diese Zusammenhänge je nach eigenem AB0-Genotyp.
  • Eine Sekundäranalyse einer 16-wöchigen randomisierten Studie zu fettarmer veganer Ernährung bestimmte die AB0-Blutgruppe bei 68 Teilnehmenden. Sie fand keine signifikanten Unterschiede bei Körpergewicht, Fettmasse, viszeralem Fett oder HbA1c. Auch Blutfette und Nüchternglukose unterschieden sich nicht signifikant, weder beim Vergleich von Blutgruppe A mit allen anderen noch beim Vergleich von Blutgruppe 0 mit allen anderen. Diese nicht signifikanten Ergebnisse beweisen für sich genommen keine völlige Gleichheit der Wirkungen.

Die Befunde passen zusammen: Die beobachteten Vorteile waren mit den Ernährungsmustern verbunden, ohne dass eine passende Blutgruppe einen zusätzlichen Vorteil erkennen ließ. Die Forschenden der größten hier genannten Intervention folgerten daraus, dass die Theorie hinter der Blutgruppendiät nicht gestützt wird.

Warum Menschen damit trotzdem abnehmen

Auch mit einer Blutgruppendiät lässt sich Gewicht verlieren. Alle vier Pläne streichen größere Lebensmittelkategorien. Wenn dadurch leicht verfügbare, verarbeitete Lebensmittel wegfallen, von denen sich große Mengen essen lassen, kann die Kalorienzufuhr sinken. Das wäre eine Erklärung unabhängig von der Blutgruppe. Eine Studie zu hochverarbeiteten Lebensmitteln liefert dafür einen Anhaltspunkt, untersuchte aber nicht unmittelbar die vier Blutgruppendiäten.

In dieser stationären Studie wurden sämtliche Mahlzeiten bereitgestellt. Die angebotenen Ernährungsformen waren hinsichtlich ihrer Makronährstoffe aufeinander abgestimmt. Bei hochverarbeiteter Kost nahmen die Teilnehmenden täglich 508 kcal mehr zu sich. Die Gewichtsveränderung hing mit der Energieaufnahme zusammen. Damit ist ein möglicher allgemeiner Mechanismus beschrieben; ob er bei allen vier Blutgruppenplänen greift, wurde damit nicht nachgewiesen.

Gewichtsverlust ist auch bei unterschiedlichen benannten Diätprogrammen zu beobachten. Eine Auswertung von 48 randomisierten Studien mit 7.286 Teilnehmenden ergab nach 6 Monaten bei kohlenhydratarmen Diäten 8,73 kg und bei fettarmen Diäten 7,99 kg zusätzlichen Gewichtsverlust, jeweils gegenüber keiner Diät. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Markenprogrammen waren gering und für die meisten Menschen vermutlich wenig bedeutsam. Wer mit einer Blutgruppendiät abnimmt, hat seine Ernährung verändert. Der Gewichtsverlust allein bestätigt den behaupteten Blutgruppenmechanismus nicht.

Risiken und mögliche Nährstofflücken beim Essen nach Blutgruppe

Die praktischen Risiken entstehen vor allem durch die eingeschränkte Lebensmittelauswahl. Jeder Plan schließt ganze Lebensmittelgruppen aus. Je nach Zusammenstellung können dadurch Nährstofflücken entstehen, die bei der Planung und gegebenenfalls durch Kontrollen berücksichtigt werden sollten.

Die folgenden Befunde zu Nährstoffen und Frakturen stammen aus Untersuchungen vegetarischer oder veganer Ernährung, nicht aus direkten Studien der Blutgruppendiät. Ihre Häufigkeits- und Risikowerte lassen sich weder auf alle Menschen mit diesen Ernährungsweisen noch unverändert auf die Blutgruppenpläne übertragen. Sie geben aber Anlass, bei eingeschränkter Auswahl auf die Versorgung zu achten:

Blutgruppendiät im Vergleich zu evidenzbasierten Ernährungsweisen

Manche Lebensmittellisten der Blutgruppendiät ähneln mediterraner Ernährung oder DASH. Die wissenschaftliche Grundlage unterscheidet sich jedoch: Für mediterrane Ernährung und DASH gibt es randomisierte Studien mit gemessenen gesundheitlichen Ergebnissen. Für einen Vorteil durch die Abstimmung auf die Blutgruppe fand die angeführte systematische Übersichtsarbeit keine tragfähigen Belege.

Ernährungsweise Evidenzbasis Ausmaß der Einschränkungen Nährstoffversorgung
Blutgruppendiät In den angeführten Arbeiten kein Nachweis eines Nutzens durch die Abstimmung der Ernährung auf die Blutgruppe Hoch; je nach Blutgruppe werden ganze Lebensmittelgruppen ausgeschlossen Unterschiedlich; mögliche Lücken hängen von der jeweiligen Liste ab
Mediterrane Ernährung Randomisierte Studie mit kardiovaskulären Endpunkten Gering; überwiegend werden günstige Lebensmittel ergänzt Breite Lebensmittelauswahl, wenige ausgeschlossene Lebensmittelgruppen
DASH Zusammengefasste randomisierte Studien mit Blutdruck als Endpunkt Gering bis mäßig; Natrium wird begrenzt Breite Lebensmittelauswahl, auf eine ausreichende Versorgung im Alltag ausgelegt

Bei Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko ging eine mediterrane Ernährung mit nativem Olivenöl extra mit weniger schweren kardiovaskulären Ereignissen einher; die Hazard Ratio betrug 0,69, gegenüber der Kontrolldiät in der korrigierten PREDIMED-Auswertung. Über 30 randomisierte Studien mit 5.545 Teilnehmenden hinweg senkte DASH den systolischen Blutdruck um 3,2 mmHg und den diastolischen um 2,5 mmHg, jeweils gegenüber Kontrolldiäten.

Auch bei untersuchten Ernährungsprogrammen können Vorteile mit der Zeit nachlassen. In 121 Studien mit 21.942 Patientinnen und Patienten führten kohlenhydratarme und fettarme Programme nach 6 Monaten gegenüber der üblichen Ernährung zu ähnlichen zusätzlichen Gewichtsverlusten: 4,63 kg gegenüber 4,37 kg. Nach 12 Monaten waren die meisten Vorteile deutlich abgeschwächt. Für die Auswahl zählen deshalb sowohl die Qualität der Belege als auch die Frage, ob sich eine Ernährungsweise dauerhaft in den Alltag integrieren lässt.

Was die Blutgruppe tatsächlich über die Gesundheit aussagt

Blutgruppen sind für die medizinische Versorgung wichtig und auf Bevölkerungsebene mit bestimmten Krankheitsrisiken verbunden. Die Forschung beschreibt Zusammenhänge mit verschiedenen gesundheitlichen Ergebnissen, deren Mechanismen nicht durchgehend geklärt sind. Daraus ergeben sich keine blutgruppenspezifischen Ernährungsvorgaben.

Konkrete Anwendungen gibt es bei Transfusionen, in der Schwangerschaft und bei der Versorgung von Neugeborenen:

Bei den Zusammenhängen mit Erkrankungsrisiken lohnt sich ein Blick auf die Größenordnung und die jeweilige Vergleichsgruppe. Eine Thrombosekohorte wertete 1.112.072 Blutspendende mit insgesamt 13,6 Millionen Personenjahren Nachbeobachtung aus; der Titel der Veröffentlichung nennt 1,5 Millionen Blutspendende. Bei Menschen mit einer anderen Blutgruppe als 0 waren venöse Thromboembolien häufiger. Für tiefe Venenthrombosen wird ein Ratenverhältnis von 1,92 angegeben.

Blutgruppe A war mit einem leicht erhöhten Risiko für Magenkrebs verbunden, bei einer gepoolten Odds Ratio von 1,11. In zwei prospektiven Kohorten mit insgesamt 107.503 Teilnehmenden lag die Häufigkeit von Bauchspeicheldrüsenkrebs je nach Blutgruppe zwischen 27 und 46 Fällen pro 100.000 Personenjahre. Registerdaten zu 1,6 Millionen Blutspendenden zeigten außerdem Zusammenhänge zwischen AB0-Blutgruppen und Krebs an 13 anatomischen Lokalisationen.

Eine Metaanalyse zum Infektionsrisiko berichtete eine gepoolte Odds Ratio von 2,13 für SARS-CoV-2 beim Vergleich anderer Blutgruppen mit Blutgruppe 0 in 22 Fall-Kontroll-Studien (95-%-KI 1,49–3,04). Für 15 Kohortenstudien betrug der entsprechende Wert 1,89 (95-%-KI 1,56–2,29). Die Studien unterschieden sich erheblich voneinander. Die Schätzungen beschreiben Zusammenhänge in den untersuchten Populationen, kein festes persönliches Risiko und keine Begründung für blutgruppenspezifische Lebensmittelregeln.

Solche Angaben beschreiben Durchschnittswerte auf Bevölkerungsebene. Die unterschiedlichen relativen Effektmaße lassen sich nicht pauschal als „klein“ oder „moderat“ zusammenfassen. Ihre Bedeutung hängt auch vom absoluten Ausgangsrisiko ab. Sie sagen weder voraus, was einer einzelnen Person widerfahren wird, noch geben sie vor, was diese Person essen sollte.

Was bei der individuellen Ernährungsplanung hilft

Für die Ernährungsplanung sind die familiäre Krankheitsgeschichte, die eigene Gesundheit und gegebenenfalls Laborwerte relevant. Die Familiengeschichte lässt sich zwar nicht verändern, kann aber für die individuelle Einschätzung wichtig sein. Die Blutgruppe ist ebenfalls ein weitgehend festes ererbtes Merkmal, das sich durch eine Ernährungsumstellung nicht ändert. Vereinfacht betrachtet beruhen Unterschiede im AB0-System auf Unterschieden eines Enzyms. Aus dieser genetischen Grundlage lässt sich keine blutgruppenspezifische Lebensmittelliste ableiten.

Eine Personalisierung anhand gemessener Merkmale wurde dagegen in einer Ernährungsintervention untersucht. Eine randomisierte Studie mit 347 Erwachsenen im Alter von 41 bis 70 Jahren verglich ein 18-wöchiges Ernährungsprogramm mit üblichen Ernährungsempfehlungen. Das Programm berücksichtigte individuelle Glukose- und Triglyzeridreaktionen nach Mahlzeiten, das Darmmikrobiom und die Gesundheitsgeschichte. Dabei sanken die Triglyzeride gegenüber der Kontrollgruppe signifikant; beim LDL-Cholesterin zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Auch einige sekundäre Endpunkte, darunter Gewicht, Taillenumfang und HbA1c, verbesserten sich; beim Blutdruck und mehreren anderen Markern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Ergebnisse betreffen dieses konkrete Programm und belegen keinen allgemeinen Vorteil jeder personalisierten Ernährung. Mehrere Autoren hatten finanzielle Beziehungen zum Unternehmen hinter dem Programm. Der ergänzende Hintergrundbeitrag zu Berberin und Darmmikrobiom behandelt ein anderes Thema und belegt die Wirksamkeit dieses Programms nicht.

Als Gesprächsgrundlage kommen je nach Situation Blutfette, HbA1c, Nüchternglukose und Vitamin D infrage. Bei eingeschränkter Lebensmittelauswahl können außerdem Eisen und Vitamin B12 Aufmerksamkeit verdienen. Der Eisenstatus lässt sich unter anderem anhand von Serumferritin beurteilen. Bei fleischarmer oder fleischfreier Ernährung kann eine Kontrolle der Vitamin-B12-Versorgung sinnvoll sein. Dass sich gerade diese beiden Marker bei eingeschränkter Ernährung zuerst verändern, ist mit den angeführten Arbeiten nicht unmittelbar belegt.

Daraus folgt kein pauschales Laborprogramm. Welche Werte vor und nach einer Ernährungsumstellung sinnvoll sind, lässt sich anhand der individuellen Situation im ärztlichen Gespräch klären. Zusammen mit der Gesundheitsgeschichte können ernährungsabhängige Messwerte dabei konkretere Anhaltspunkte liefern als die Blutgruppe.

Häufig gestellte Fragen

Funktioniert die Blutgruppendiät tatsächlich?

Die angeführten Forschungsarbeiten weisen keinen gesundheitlichen Vorteil nach, der durch die Abstimmung der Ernährung auf die Blutgruppe entsteht. Eine systematische Suche in Cochrane, MEDLINE und Embase prüfte 1.415 Literaturtreffer und fand eine geeignete Studie, die die eigentliche Fragestellung jedoch nicht beantwortete. Der Befund gilt für den damaligen Suchzeitraum. In einer 6-monatigen Intervention bei 973 übergewichtigen Erwachsenen ging eine stärkere Orientierung an den A-, B- und 0-Ernährungsmustern mit günstigeren Markern einher. Der AB0-Genotyp der Teilnehmenden machte dabei keinen Unterschied.

Woher stammt die Blutgruppendiät?

Der Naturheilkundler Peter D’Adamo stellte die Blutgruppendiät 1996 in seinem Buch Eat Right 4 Your Type vor. Der Plan entstand nicht aus klinischer Forschung. Für das Buch werden 7 Millionen verkaufte Exemplare in mehr als 60 Sprachen angegeben; diese Angaben sind hier nicht unabhängig bestätigt. Das Konzept nimmt an, jede AB0-Gruppe sei in einer anderen Epoche entstanden und komme deshalb mit den damaligen Lebensmitteln besonders gut zurecht. Die Unterschiede der AB0-Allele beruhen auf Veränderungen in einem Gen für eine Glykosyltransferase, darunter einzelne Basenveränderungen und die beschriebene Deletion bei einer 0-Variante. Daraus lässt sich kein Ernährungsprofil ableiten.

Welche Lebensmittel gehören zur Blutgruppe-0-Diät?

Der 0-Ernährungsplan bevorzugt tierisches Eiweiß und Gemüse und ist damit die fleischbetonteste der vier Listen. Getreide, Milchprodukte und Hülsenfrüchte werden eingeschränkt. Dahinter steht die Behauptung, Blutgruppe 0 bringe eine vom „Jäger“ ererbte besondere Fleischverträglichkeit mit. Beim Gewichtsverlust passten die Ergebnisse einer kontrollierten Intervention nicht zu dieser Vorhersage: Mit pflanzlicher Ernährung nahmen Menschen mit Blutgruppe 0 ähnlich viel ab wie alle anderen.

Ist die Blutgruppe-A-Diät für Menschen mit Blutgruppe A besser?

Die angeführten kontrollierten Studien haben keinen solchen Vorteil gezeigt. Der A-Ernährungsplan ist überwiegend vegetarisch: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte stehen im Vordergrund, rotes Fleisch wird eingeschränkt. In einer 16-wöchigen randomisierten Studie zu fettarmer veganer Ernährung wurde bei 68 Teilnehmenden die Blutgruppe bestimmt. Die Gruppe A reagierte nicht besser als die übrigen Teilnehmenden. Die mittlere Gewichtsveränderung betrug −5,7 kg gegenüber −7,0 kg bei allen anderen.

Sind Lektine abhängig von der Blutgruppe schädlich?

Die angeführten Befunde zeigen keinen nach Blutgruppe selektiven Schaden. Lektine kommen in pflanzlichen Lebensmitteln vor; ihre messbare Aktivität findet sich besonders bei Hülsenfrüchten. Einweichen und Kochen verändern den Gehalt an aktiven Lektinen, wobei das Ausmaß vom Lebensmittel und der Zubereitung abhängt. Einweichen allein ist keine verlässliche Entgiftung.

Der hier dokumentierte Schaden war eine akute Vergiftung durch unzureichend gegarte Bohnen. Ein Ausbruch mit 200 Erkrankungsfällen und einer Erkrankungsrate von 12 % wurde auf Chili con Carne mit nicht ausreichend gegarten roten Kidneybohnen zurückgeführt. Dieses Risiko kann unabhängig von der Blutgruppe bestehen. Die Erkrankungsrate bezieht sich auf 200 Fälle in einer Kantinenpopulation von 1.700 Menschen, nicht auf eine blutgruppenspezifische Reaktion. Sie bedeutet nicht, dass alle Menschen nach dem Verzehr erkrankten.

Warum nehmen Menschen mit der Blutgruppendiät ab?

Alle vier Pläne streichen größere Lebensmittelkategorien. Wenn dadurch weniger Kalorien aufgenommen werden, kann das Gewicht unabhängig von der Blutgruppe sinken. Einen Anhaltspunkt für einen solchen allgemeinen Mechanismus liefert eine stationäre Studie: Sämtliche Mahlzeiten wurden bereitgestellt, die angebotenen Ernährungsformen waren hinsichtlich ihrer Makronährstoffe aufeinander abgestimmt. Bei hochverarbeiteter Kost aßen die Teilnehmenden täglich 508 kcal mehr. Die Studie untersuchte allerdings keine Blutgruppendiäten.

Auch andere Ernährungsprogramme können zu Gewichtsverlust führen. In einer Auswertung von 48 randomisierten Studien mit 7.286 Teilnehmenden betrug der zusätzliche Gewichtsverlust nach 6 Monaten gegenüber keiner Diät bei kohlenhydratarmen Diäten 8,73 kg und bei fettarmen Diäten 7,99 kg. Zwischen den benannten Programmen bestanden nur geringe Unterschiede. Diese Ergebnisse helfen, mögliche allgemeine Mechanismen des Abnehmens zu erklären, bestätigen aber keinen Blutgruppeneffekt.

Welche Risiken hat die Ernährung nach Blutgruppe?

Eine stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl kann Nährstofflücken begünstigen. In Untersuchungen vegetarischer Ernährung wurde etwa bei 62 % der untersuchten Schwangeren ein Vitamin-B12-Mangel berichtet. Bei vegetarisch lebenden Erwachsenen lag das Serumferritin im Mittel um 29,71 µg/L niedriger als bei nicht vegetarisch lebenden Erwachsenen, was allein noch keinen behandlungsbedürftigen Eisenmangel bedeutet.

Eine weitere Studie fand ein erhöhtes Hüftfrakturrisiko bei vegetarisch lebenden Menschen mit einer HR von 1,25 und bei vegan lebenden Menschen mit einer HR von 2,31. Verglichen wurde mit Fleischessenden, nach Bereinigung unter anderem um den BMI. Die Studie belegt für sich genommen nicht, dass bestimmte Nährstofflücken die Unterschiede verursachten. Die Befunde stammen aus unterschiedlichen Untersuchungen und sind keine direkten Risikoschätzungen für Blutgruppendiäten; sie lassen sich auch nicht auf alle vegetarisch oder vegan lebenden Menschen übertragen. Sorgfältige Planung und angemessene Kontrollen helfen, mögliche Versorgungslücken zu berücksichtigen. Weitere Informationen bietet der Beitrag zum Vitamin-B12-Mangel.

Was sagt die Blutgruppe tatsächlich über die Gesundheit aus?

Bei Bluttransfusionen ist die Blutgruppe entscheidend: Eine AB0-Unverträglichkeit kann hämolytische Transfusionsreaktionen verursachen. In der Schwangerschaft spielt außerdem der RhD-Status für die Verträglichkeit zwischen mütterlichem und kindlichem Blut eine Rolle.

Bevölkerungsstudien berichten für andere Blutgruppen als 0 ein Ratenverhältnis von 1,92 für tiefe Venenthrombosen und für Blutgruppe A eine gepoolte Odds Ratio von 1,11 für Magenkrebs. Diese Zusammenhänge auf Bevölkerungsebene liefern keine Ernährungsvorgaben für einzelne Menschen. Ihre Bedeutung hängt auch vom jeweiligen absoluten Ausgangsrisiko ab.

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Ergänzende Hintergrundlinks; keine eigenständigen wissenschaftlichen Belege für die Blutgruppendiät: