Krebsfrüherkennung: Welche Untersuchungen sind sinnvoll und wann?
Klinische Prüfung ausstehend
Welche Früherkennungsuntersuchungen helfen, Krebs rechtzeitig zu erkennen? Für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs gibt es etablierte Untersuchungen für Menschen in bestimmten Altersgruppen. Bei Lungenkrebs richtet sich die Früherkennung an Menschen mit erhöhtem Risiko durch ihre Rauchvorgeschichte. Der mögliche Nutzen muss jeweils gegen Fehlalarme, übersehene Tumoren und unnötige Diagnosen oder Behandlungen abgewogen werden.

Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von der Krebsart, dem Alter und dem persönlichen Risiko ab. Für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs gibt es etablierte Früherkennungsuntersuchungen für bestimmte Altersgruppen. Bei Lungenkrebs richten sich die Empfehlungen an Menschen, deren Rauchvorgeschichte das Risiko erhöht. Bei jeder Untersuchung stehen dem möglichen Nutzen auch Nachteile gegenüber: Fehlalarme, übersehene Tumoren sowie Diagnosen und Behandlungen, die nicht nötig gewesen wären.
Die hier genannten Altersgrenzen und Untersuchungsabstände stammen aus US-amerikanischen Leitlinien. Für deutsche Früherkennungsprogramme gelten andere Vorgaben.
Was ist Krebsfrüherkennung?
Bei der Krebsfrüherkennung, auch Screening genannt, werden Menschen untersucht, die keine Symptome der gesuchten Krebserkrankung haben. Ziel ist, Krebs in einem Stadium zu entdecken, in dem eine Behandlung häufig besser wirkt. Manche Untersuchungen finden auch Veränderungen, aus denen später Krebs entstehen könnte. Solche Angebote werden unter anderem als Krebs-Check, Screeninguntersuchung oder Krebsbluttest bezeichnet. Der Name allein sagt jedoch nichts darüber aus, ob sich der jeweilige Test zur Früherkennung eignet. [1]
Für die USA wurden für 2024 etwa 2.001.140 neue Krebsfälle und 611.720 Krebstodesfälle erwartet. Die Krebssterblichkeit sinkt dort seit 1991. Zu diesem Rückgang tragen weniger Rauchen, die frühere Erkennung bestimmter Krebsarten und bessere Behandlungen bei. Früherkennung ist damit eine von mehreren Ursachen dieser Entwicklung. [17]
Früherkennung und diagnostische Untersuchung: Was ist der Unterschied?
Eine Früherkennungsuntersuchung sucht nach Krebs, bevor Beschwerden auftreten. Ihr Ergebnis allein kann Krebs weder sicher bestätigen noch ausschließen. Eine diagnostische Untersuchung soll dagegen klären, was hinter einem Symptom oder einem auffälligen Screeningbefund steckt. [1]
| Früherkennungsuntersuchung | Diagnostische Untersuchung | |
|---|---|---|
| Zweck | Nach Krebs suchen, bevor Symptome auftreten | Die Ursache eines Symptoms oder eines auffälligen Screeningbefunds klären |
| Wer wird untersucht? | Menschen ohne Anzeichen oder Symptome der gesuchten Krebserkrankung | Menschen mit Beschwerden, einem auffälligen Untersuchungsbefund oder einem auffälligen Screeningbefund |
| Was bedeutet das Ergebnis? | Ein Hinweis darauf, ob weitere Untersuchungen nötig sind oder zunächst keine Abklärung erforderlich erscheint; noch keine Diagnose | Eine diagnostische Einordnung: eine Krebsdiagnose, eine andere Erklärung oder kein Nachweis der vermuteten Krebserkrankung |
Quelle: National Cancer Institute. [1]
Welche Untersuchungen werden empfohlen und wann?
Für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs gibt es Früherkennungsuntersuchungen mit nachgewiesenem Nutzen in den jeweils untersuchten Zielgruppen. Bei Lungenkrebs gilt das ausdrücklich für Menschen, deren Rauchvorgeschichte das Risiko erhöht, nicht für Erwachsene mit durchschnittlichem Risiko. Andere Untersuchungen kommen nur für bestimmte Risikogruppen infrage oder sind für ein routinemäßiges Screening nicht etabliert. [2]
Fachgesellschaften und Leitliniengremien empfehlen teilweise unterschiedliche Anfangsalter und Untersuchungsabstände. Bei der Entscheidung sollten diese Unterschiede ebenso berücksichtigt werden wie persönliche Präferenzen.
USPSTF steht für US Preventive Services Task Force, ACS für American Cancer Society.
| Krebsart | Für wen wird die Früherkennung empfohlen? | Untersuchung | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Brustkrebs | Frauen von 40 bis 74 Jahren nach USPSTF; Frauen ab 45 Jahren mit der Möglichkeit, bereits mit 40 zu beginnen, nach ACS | Mammografie zur Früherkennung | Alle zwei Jahre nach USPSTF; jährlich von 45 bis 54 Jahren, danach jährlich oder alle zwei Jahre nach ACS |
| Gebärmutterhalskrebs | Menschen mit Gebärmutterhals: 21 bis 65 Jahre nach USPSTF; 25 bis 65 Jahre nach ACS, mit ausreichend dokumentierter Früherkennung vor dem Ende | Zelluntersuchung, Test auf Hochrisiko-HPV oder Kombination beider Tests | Zelluntersuchung alle 3 Jahre; ärztlich entnommener HPV-Test oder kombinierter Test alle 5 Jahre, abhängig von Alter und Leitlinie; selbst entnommener HPV-Test nach ACS bei negativem Befund alle 3 Jahre |
| Darmkrebs | Erwachsene mit durchschnittlichem Risiko von 45 bis 75 Jahren; von 76 bis 85 Jahren nach individueller Abwägung | Stuhltests oder Untersuchungen des Darms | Jährlicher immunologischer Stuhltest (FIT) oder Darmspiegelung alle 10 Jahre |
| Lungenkrebs | Erwachsene von 50 bis 80 Jahren mit einer Rauchvorgeschichte von mindestens 20 Packungsjahren, die aktuell rauchen oder innerhalb der vergangenen 15 Jahre aufgehört haben, nach USPSTF; die ACS verzichtet auf das Kriterium der Zeit seit dem Rauchstopp | Niedrigdosis-Computertomografie | Jährlich |
| Prostatakrebs | Männer von 55 bis 69 Jahren nach individueller Abwägung von Nutzen und Schäden; ab 70 Jahren nicht empfohlen | Bluttest auf prostataspezifisches Antigen (PSA) | Kein festes Intervall; wird im ärztlichen Gespräch festgelegt |
Die Empfehlungen stammen aus den Leitlinien zu Brustkrebs [4, 5], Gebärmutterhalskrebs [6, 18, 28], Darmkrebs [3, 19], Lungenkrebs [7, 8] und Prostatakrebs [20]. Den Laborwert PSA erläutert der Artikel über Gesamt-PSA.
Brustkrebsfrüherkennung
Bei der Mammografie, einer Röntgenuntersuchung der Brust, unterscheiden sich die Leitlinien vor allem darin, wann und wie häufig untersucht werden soll. Die USPSTF empfiehlt Frauen von 40 bis 74 Jahren eine Mammografie alle zwei Jahre. Nach der ACS beginnen regelmäßige Untersuchungen mit 45 Jahren: jährlich von 45 bis 54 und ab 55 jährlich oder alle zwei Jahre. Wer früher beginnen möchte, kann nach dieser Empfehlung bereits ab 40 teilnehmen. Die USPSTF bewertete die Evidenz für ergänzende Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen bei dichtem Brustgewebe sowie für das Screening von Frauen ab 75 Jahren als unzureichend. Das schließt eine MRT bei hohem individuellem Risiko oder zur Abklärung eines Befunds nicht aus. MRT steht für Magnetresonanztomografie. [4, 5]
Die klinische Brustuntersuchung umfasst die Untersuchung und das Abtasten durch medizinisches Fachpersonal. Die genannte ACS-Leitlinie empfiehlt sie Frauen mit durchschnittlichem Risiko in keiner Altersgruppe als Screening. [5]
Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung
Bei der Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung unterscheiden sich die Empfehlungen sowohl beim Anfangsalter als auch bei der Wahl des Tests. Die USPSTF empfiehlt zwischen 21 und 29 Jahren alle drei Jahre eine Zytologie: Dabei werden Zellen aus einem Abstrich untersucht. Von 30 bis 65 Jahren nennt sie drei Möglichkeiten: eine Zytologie alle drei Jahre, einen alleinigen Test auf Hochrisiko-Typen des humanen Papillomvirus (HPV) alle fünf Jahre oder einen kombinierten HPV- und Zelltest, das sogenannte Cotesting, alle fünf Jahre. Die ACS-Empfehlung von 2020 sieht den Beginn mit 25 Jahren vor. Die Ende 2025 online veröffentlichte Aktualisierung bevorzugt weiterhin ärztlich entnommene HPV-Proben mit einem Abstand von fünf Jahren nach negativem Befund. Sie akzeptiert auch selbst entnommene Vaginalproben mit zugelassenen Kombinationen aus Entnahmegerät und HPV-Test; bei negativem Ergebnis wird nach drei Jahren erneut getestet. Ein Ende der Früherkennung mit 65 setzt ausreichend dokumentierte negative Voruntersuchungen voraus, nicht allein das Erreichen dieses Alters. Bei früheren auffälligen Befunden oder erhöhtem Risiko können andere Regeln gelten. [6, 18, 28]
Diese Früherkennung kann auch das Risiko senken, überhaupt zu erkranken. Sie entdeckt Krebsvorstufen, die behandelt werden können, bevor ein invasiver Tumor entsteht, der in umliegendes Gewebe wächst. In den USA sank die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs zwischen 2000 und 2015 von 2,8 auf 2,3 je 100.000 Frauen. Dieser Rückgang lässt sich allerdings nicht vollständig einer einzelnen Maßnahme zuschreiben. [18] Mehr zur Erkrankung steht im Artikel über Gebärmutterhalskrebs.
Darmkrebsfrüherkennung
Die genannten US-Leitlinien empfehlen die Darmkrebsfrüherkennung für alle Erwachsenen von 50 bis 75 Jahren sowie für Erwachsene von 45 bis 49 Jahren. Dass die Untersuchung inzwischen früher beginnen soll, hängt mit der veränderten Erkrankungshäufigkeit zusammen. Schätzungsweise 10,5 % der neuen Darmkrebsfälle betreffen Menschen unter 50 Jahren. Bei Erwachsenen von 40 bis 49 Jahren stieg die Häufigkeit zwischen den Zeiträumen 2000 bis 2002 und 2014 bis 2016 um fast 15 %. Diese Zahlen gehören zum dokumentierten Anstieg früh auftretender Darmkrebserkrankungen. Die ACS empfahl den Beginn mit 45 Jahren 2018; die USPSTF folgte 2021. Von 76 bis 85 Jahren hängt die Entscheidung von Gesundheit, bisheriger Früherkennung und persönlichen Präferenzen ab. [3, 19, 21]
Zur Früherkennung stehen Stuhltests und Untersuchungen des Darms zur Verfügung. Dazu zählen der jährliche FIT, ein immunologischer Test auf Blut im Stuhl, und die Koloskopie, also eine Darmspiegelung, alle 10 Jahre. Eine Studie mit 84.585 Erwachsenen untersuchte den Nutzen einer Einladung zur Darmspiegelung. Über 10 Jahre sank das Darmkrebsrisiko von 1,20 % auf 0,98 %, eine relative Verringerung um 18 %. Bei den Todesfällen durch Darmkrebs zeigte sich in diesem Zeitraum kein statistisch signifikanter Unterschied. Nur 42 % der eingeladenen Personen ließen sich tatsächlich untersuchen. Das Ergebnis beschreibt daher die Wirkung einer Einladung; die Wirkung einer durchgeführten Darmspiegelung lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen. [19, 22] Weitere Erläuterungen bieten die Artikel zu Darmkrebs und zur Koloskopie.
Lungenkrebsfrüherkennung
Ob eine Lungenkrebsfrüherkennung infrage kommt, hängt wesentlich von der Rauchvorgeschichte ab. Die USPSTF empfiehlt eine jährliche Niedrigdosis-Computertomografie (Niedrigdosis-CT) für Erwachsene von 50 bis 80 Jahren mit einer Rauchvorgeschichte von mindestens 20 Packungsjahren, die aktuell rauchen oder in den vergangenen 15 Jahren aufgehört haben. Packungsjahre beschreiben die über die Zeit angesammelte Rauchbelastung: Berücksichtigt werden die täglich gerauchten Packungen und die Zahl der Jahre. Die ACS verwendet dieselben Altersgrenzen und Packungsjahre, setzt aber keine Grenze für die Zeit seit dem Rauchstopp. Nach ihrer Empfehlung kommen somit auch Menschen infrage, die vor Jahrzehnten aufgehört haben. Vor der Untersuchung sieht sie ein Gespräch vor, in dem die Entscheidung gemeinsam getroffen wird. Gesundheitszustand und Bereitschaft zu einer möglichen Behandlung mit Heilungsabsicht sind ebenfalls wichtig; bei schwerer Erkrankung, die eine solche Behandlung ausschließt, ist Screening nicht sinnvoll. [7, 8]
Zwei randomisierte Studien, bei denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip den Vergleichsgruppen zugeteilt wurden, fanden eine geringere Lungenkrebssterblichkeit. In einer Studie sank sie mit der Niedrigdosis-CT gegenüber einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs um 20,0 %. Eine zweite Studie fand bei Männern eine relative Verringerung um 24 %; 2,1 % wurden wegen verdächtiger Lungenknoten zur weiteren Abklärung überwiesen. [9, 10] Mehr zur Erkrankung steht im Artikel über Lungenkrebs einschließlich Bronchus und Luftröhre.
Prostatakrebsfrüherkennung
Männer von 55 bis 69 Jahren sollen nach der genannten USPSTF-Empfehlung individuell über die PSA-Früherkennung entscheiden, nachdem sie Nutzen und mögliche Schäden ärztlich besprochen haben. Für Männer ab 70 Jahren wird sie nicht empfohlen. Bei durchschnittlichem Risiko raten Fachgremien im Allgemeinen von einem routinemäßigen PSA-Screening ohne persönliche Abwägung ab. Ausschlaggebend sind vor allem Überdiagnosen und falsch-positive Ergebnisse. [2, 20]
Pro 1.000 untersuchten Männern ist das Screening über ungefähr 13 Jahre mit etwa 1,3 weniger Todesfällen durch Prostatakrebs und etwa 3 weniger Fällen mit Metastasen verbunden. Metastasen sind Absiedlungen des Tumors. Dem möglichen Nutzen stehen unter anderem Behandlungsfolgen gegenüber: Nach einer radikalen Prostatektomie, der vollständigen Entfernung der Prostata, entwickelt etwa 1 von 5 Männern eine langfristige Harninkontinenz, also einen unfreiwilligen Urinverlust. Etwa 2 von 3 entwickeln eine langfristige erektile Dysfunktion, eine Störung der Erektionsfähigkeit. Diese Zahlen zu Nebenwirkungen beziehen sich auf operierte Männer und nicht auf alle Teilnehmer am Screening. [20]
Wann das persönliche Risiko die Früherkennung bestimmt
Bei manchen Untersuchungen entscheidet vor allem das persönliche Risikoprofil darüber, ob sie empfohlen werden. Bestimmte Tests kommen nur für Menschen mit einem hohen Risiko für die jeweilige Krebsart infrage. [1]
Auch ein verfügbarer Test eignet sich nicht zwangsläufig zur Früherkennung. Mehrere bekannte Untersuchungen werden Erwachsenen mit durchschnittlichem Risiko nicht empfohlen: Entweder lässt die Evidenz keine klare Bewertung zu, oder die möglichen Schäden überwiegen den Nutzen. [2]
Familiengeschichte und erbliches Risiko
Für Frauen mit Brust-, Eierstock-, Eileiter- oder Bauchfellkrebs in der eigenen Krankengeschichte oder in der Familie wird eine kurze standardisierte Beurteilung des familiären Risikos empfohlen. Das gilt auch bei einer Abstammung, die mit BRCA1/2-Mutationen verbunden ist. Bestimmte Veränderungen der Gene BRCA1 und BRCA2 können das Krebsrisiko erhöhen. Spricht die Risikobeurteilung dafür, folgen eine genetische Beratung und gegebenenfalls ein Gentest. Für Frauen ohne solche Hinweise werden eine routinemäßige BRCA-Risikobeurteilung und Testung nicht empfohlen. [23]
BRCA1/2-Mutationen kommen bei ungefähr 1 von 300 bis 500 Frauen vor. Sie erklären etwa 5 bis 10 % der Brustkrebsfälle und 15 % der Eierstockkrebsfälle. [23]
Früherkennung von Haut-, Leber- und Eierstockkrebs
Bei Erwachsenen ohne Symptome reicht die Evidenz nicht aus, um Nutzen und mögliche Schäden einer ärztlichen Sichtuntersuchung der Haut gegeneinander abzuwägen. Ob sie als Screening nützt, bleibt damit offen; daraus folgt keine Empfehlung gegen Hautuntersuchungen. Melanome machen etwa 1 % der Hautkrebsfälle aus, verursachen aber die meisten Todesfälle durch Hautkrebs. Bei Menschen mit dunklerer Haut werden sie häufiger erst in späteren Stadien diagnostiziert. [24] Mehr dazu steht im Artikel über Melanome.
Bei Menschen mit Leberzirrhose ging eine regelmäßige Überwachung auf Leberkrebs mit mehr Diagnosen im Frühstadium, mehr Behandlungen mit Heilungsabsicht und einem besseren Überleben einher. Diese beobachteten Zusammenhänge belegen für sich genommen keine ursächliche Wirkung. Vier Studien berichteten bei 8,8 bis 27,5 % körperliche Schäden durch Folgeuntersuchungen nach falsch-positiven oder unklaren Überwachungsbefunden. Die meisten waren leicht; finanzielle und psychische Belastungen wurden in diesen Studien nicht untersucht. [25]
Für Frauen ohne bekanntes erbliches Hochrisikosyndrom wird ein Screening auf Eierstockkrebs nicht empfohlen. Es senkt die Zahl der Todesfälle durch Eierstockkrebs nicht und kann unnötige Operationen nach sich ziehen. Weder der Blutmarker CA-125 noch der transvaginale Ultraschall, eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide, gehören deshalb zu den empfohlenen Routinetests zur Früherkennung. [26] Weitere Informationen bieten die Artikel zu Eierstockkrebs und Leberzirrhose.
Was ist von Bluttests zur Erkennung mehrerer Krebsarten zu halten?
Diese Tests suchen in einer einzigen Blutprobe nach Signalen verschiedener Krebsarten. Laut der zitierten NCI-Information von 2024 hatte zu diesem Zeitpunkt keiner dieser Tests eine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA. Das Feld entwickelt sich weiter: Im September 2026 beriet ein FDA-Fachgremium über Galleri und stimmte mehrheitlich für dessen Nutzen-Risiko-Verhältnis. Eine solche Empfehlung ist noch keine endgültige FDA-Zulassung. Zulassungsstatus und der Nachweis weniger Krebstodesfälle sind zudem verschiedene Fragen. [2, 30]
Das NCI beschreibt weiterhin offene Fragen zum Verhältnis von Nutzen und Schäden. Diese Tests ersetzen die leitliniengerechte Früherkennung nicht. Auch ein zusätzlicher Einsatz belegt für sich genommen keinen Zusatznutzen. [29]
Welche Folgen ein Krebssignal haben kann, untersuchte eine Studie an Menschen ohne Krebsanzeichen oder -symptome. Unter 6.621 Erwachsenen ab 50 Jahren erkannte der Test bei 92 Personen ein solches Signal, entsprechend 1,4 %. Davon waren 35 Ergebnisse richtig positiv und 57 falsch positiv. Bis zur diagnostischen Klärung vergingen im Median 79 Tage: 57 Tage bei richtig-positiven und 162 Tage bei falsch-positiven Befunden. Der Median bezeichnet den mittleren Wert, wenn alle Wartezeiten der Größe nach geordnet werden. Ein positives Signal konnte also monatelange Folgeuntersuchungen auslösen, bevor feststand, ob tatsächlich Krebs vorlag. [15]
Eine andere Studie untersuchte Menschen, die wegen möglicher Krebssymptome dringend zur Abklärung überwiesen worden waren. Ihre Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf ein Screening beschwerdefreier Menschen übertragen. In dieser Gruppe erreichte der Test eine Sensitivität von 66,3 % und eine Spezifität von 98,4 %. Die Sensitivität gibt an, welcher Anteil der tatsächlich Erkrankten erkannt wird. Die Spezifität beschreibt, welcher Anteil der Menschen ohne die gesuchte Erkrankung korrekt ein negatives Ergebnis erhält. Die Sensitivität stieg von 24,2 % im Stadium I auf 95,3 % im Stadium IV. Frühe Erkrankungen erkannte der Test in dieser Untersuchung somit am seltensten, obwohl gerade sie bei einem Screening gefunden werden sollen. [16]
Was bedeuten unauffällige und auffällige Ergebnisse?
Ein auffälliger oder positiver Screeningbefund ist noch keine Krebsdiagnose. Weitere Untersuchungen müssen klären, wodurch er entstanden ist. Häufig findet sich eine andere Erklärung als Krebs. Wie oft das vorkommt, hängt vom Test und von der untersuchten Gruppe ab. [1]
Der weitere Ablauf richtet sich nach dem Befund und dem Verfahren:
- Das Screening ergibt einen unauffälligen oder auffälligen Befund.
- Es folgt die zum Befund passende diagnostische Abklärung, beispielsweise zusätzliche Mammografieaufnahmen. Nach einem positiven FIT oder anderen Stuhl-Screeningtest ist eine Koloskopie nötig; ein erneuter Stuhltest ersetzt sie nicht. [3]
- Wenn der Befund es erfordert, folgen diagnostische Bildgebung oder eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe.
- Die Abklärung ergibt eine Krebsdiagnose, eine andere Erklärung oder keinen Nachweis der vermuteten Krebserkrankung. [1]
Die Wartezeit bis zur Klärung kann belasten. In einer Studie waren falsch-positive Mammografieergebnisse kurz nach dem Screening mit stärkerer Angst verbunden. Nach 12 Monaten ließ sich dieser Unterschied nicht mehr nachweisen. Auch der erfasste gesundheitsbezogene Nutzwert, ein Maß für den Gesundheitszustand und die Lebensqualität, ging nicht messbar zurück. Frauen mit einem falsch-positiven Befund äußerten häufiger die Absicht, erneut am Screening teilzunehmen. [11]
Grenzen der Früherkennung: Fehlbefunde und Überdiagnosen
Früherkennung kann auch Schäden verursachen. Vier Begriffe beschreiben die wichtigsten möglichen Nachteile. [1]
- Ein falsch-positiver Befund weist auf Krebs hin, obwohl keiner vorliegt. In einer Studie zur Lungenkrebsfrüherkennung waren 24,2 % der Niedrigdosis-CT-Untersuchungen positiv. Von diesen positiven Befunden waren 96,4 % falsch positiv. Die Zahlen gelten für diese Studie und lassen sich nicht als allgemeine Rate auf jedes CT-Screening übertragen. [9]
- Bei einem falsch-negativen Befund bleibt eine vorhandene Krebserkrankung unentdeckt. Ein unauffälliges Ergebnis garantiert daher nicht, dass kein Krebs vorliegt. [1]
- Eine Überdiagnose bedeutet, dass ein Krebs entdeckt wird, der im Laufe des Lebens weder Symptome noch Schäden verursacht hätte. Für eine Brustkrebsfrüherkennung alle zwei Jahre im Alter von 50 bis 74 Jahren wurde geschätzt, dass 15,4 % der durch Screening entdeckten Brustkrebsfälle Überdiagnosen sind, also etwa 1 von 7. [14]
- Wird eine solche überdiagnostizierte Erkrankung behandelt, spricht man von Übertherapie. Die Behandlung kann Nebenwirkungen verursachen, ohne der betroffenen Person zu nützen. [1]
Je häufiger untersucht wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal einen Fehlalarm zu erleben. Eine Untersuchung mit 903.495 Frauen erfasste diese kumulative, also über die Zeit angesammelte Wahrscheinlichkeit über 10 Jahre. Bei jährlichem Screening mit Tomosynthese wurden 49,6 % mindestens einmal wegen eines falsch-positiven Befunds erneut einbestellt, bei digitaler Mammografie waren es 56,3 %. Die Tomosynthese ist ein Röntgenverfahren, das Schichtbilder der Brust erzeugt. Bei Untersuchungen alle zwei Jahre lagen die Werte bei 35,7 % beziehungsweise 38,1 %. Untersuchungsabstand und Alter beeinflussten die Wahrscheinlichkeit stärker als die Gerätetechnik. [12]
Auch für die Häufigkeit von Überdiagnosen gibt es keine einheitliche Schätzung. Über verschiedene Studien hinweg reichten die Werte von 0 % bis 54 %, innerhalb randomisierter Studien von 11 % bis 22 %. [13]
Eine frühere Diagnose muss nicht bedeuten, dass Menschen länger leben. Eine Studie zur Eierstockkrebsfrüherkennung begleitete 202.562 Frauen nach der Menopause über einen medianen Zeitraum von 16,3 Jahren. Ein jährliches, auf CA-125 basierendes Screening führte dazu, dass Erkrankungen häufiger in früheren Stadien erkannt wurden: Im Stadium I wurden 47,2 % mehr Erkrankungen diagnostiziert. Die Zahl der Todesfälle durch Eierstock- oder Eileiterkrebs verringerte sich jedoch nicht statistisch signifikant. [27]
Wird derselbe Krebs früher diagnostiziert, lebt eine Person allein dadurch länger mit der bekannten Diagnose. Die gemessene Überlebenszeit ab Diagnose kann also zunehmen, ohne dass sich die tatsächliche Lebenszeit verlängert. Das heißt Vorlaufzeitverzerrung oder Lead-time-Bias. Überlebensstatistiken allein reichen deshalb nicht aus, um den Nutzen eines Screeningtests zu beurteilen. [1]
Wie lässt sich entscheiden, welche Früherkennung passt?
Welche Untersuchung infrage kommt, lässt sich im Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abwägen. Entscheidend sind das individuelle Risiko sowie der konkrete Nutzen und die möglichen Schäden des Tests. Mehrere Leitlinien sehen ausdrücklich vor, die Entscheidung in einem solchen Gespräch gemeinsam zu treffen. [1, 8]
Fünf Fragen helfen dabei:
- Was kann der Test erkennen und was kann er übersehen?
- Welche Untersuchungen folgen bei einem auffälligen Befund?
- Wie wahrscheinlich ist ein falsch-positives Ergebnis bei meinem Alter und Risikoprofil?
- Ändert meine persönliche Krankengeschichte oder die meiner Familie die Empfehlung?
- Wann sollte die Untersuchung wiederholt werden?
Häufige Fragen
Was ist das Ziel der Krebsfrüherkennung?
Früherkennung soll bei Menschen ohne Symptome Krebs früh entdecken oder Veränderungen finden, aus denen später Krebs entstehen könnte. Für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs ist der Nutzen bestimmter Untersuchungen für festgelegte Altersgruppen mit durchschnittlichem Risiko nachgewiesen. Bei Lungenkrebs gilt das für ausgewählte Menschen, deren Rauchvorgeschichte das Risiko erhöht. Andere Tests kommen nur für bestimmte Hochrisikogruppen infrage oder sind für ein routinemäßiges Screening nicht etabliert. [1, 2]
Was unterscheidet einen Screeningtest von einer diagnostischen Untersuchung?
Ein Screeningtest sucht nach Krebs, bevor Symptome auftreten. Sein Ergebnis allein kann Krebs weder sicher bestätigen noch ausschließen und stellt keine Krebsdiagnose dar. Eine diagnostische Untersuchung klärt dagegen, was hinter einem Symptom oder einem auffälligen Screeningbefund steckt. [1]
Ab welchem Alter sollte die Krebsfrüherkennung beginnen?
Das Anfangsalter hängt von der Krebsart und der Leitlinie ab. Die hier beschriebenen US-Leitlinien empfehlen die Darmkrebsfrüherkennung für alle Erwachsenen von 45 bis 75 Jahren. Für Brustkrebs sieht die USPSTF bei Frauen von 40 bis 74 Jahren eine Untersuchung alle zwei Jahre vor. Nach der ACS beginnen regelmäßige Untersuchungen mit 45 Jahren; ein Beginn mit 40 ist möglich. Die Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung beginnt nach einer Empfehlung mit 21, nach der anderen mit 25 Jahren. Für die deutschen Früherkennungsangebote gelten andere Vorgaben. [3, 4, 5, 6, 18]
Für wen kommt die Lungenkrebsfrüherkennung infrage?
Die USPSTF empfiehlt eine jährliche Niedrigdosis-CT für Erwachsene von 50 bis 80 Jahren mit einer Rauchvorgeschichte von mindestens 20 Packungsjahren, die derzeit rauchen oder in den vergangenen 15 Jahren aufgehört haben. Die ACS verwendet dieselben Kriterien für Alter und Packungsjahre, begrenzt aber die Zeit seit dem Rauchstopp nicht. Nach ihrer Empfehlung kommen daher auch Menschen infrage, die vor längerer Zeit aufgehört haben. In einer randomisierten Studie verringerte die Niedrigdosis-CT die Lungenkrebssterblichkeit gegenüber einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs um 20,0 %. Eine zweite Studie fand bei Männern eine relative Verringerung um 24 %. [7, 8, 9, 10] Mehr dazu steht im Artikel über Lungenkrebs.
Bedeutet ein auffälliger Früherkennungsbefund, dass Krebs vorliegt?
Nein. Ein auffälliger oder positiver Befund muss weiter abgeklärt werden; häufig findet sich eine andere Ursache als Krebs. In einer Studie zur Lungenkrebsfrüherkennung waren 96,4 % der positiven Niedrigdosis-CT-Befunde falsch positiv. Eine Untersuchung zu falsch-positiven Mammografien fand kurzfristig mehr Angst. Nach 12 Monaten ließ sich dieser Unterschied nicht mehr nachweisen. [1, 9, 11]
Wie häufig sind falsch-positive Ergebnisse bei der Krebsfrüherkennung?
Das hängt vom Verfahren und von der Häufigkeit der Untersuchungen ab. Eine Untersuchung mit 903.495 Frauen erfasste die Wahrscheinlichkeit, über 10 Jahre jährlicher Mammografie mindestens einmal wegen eines falsch-positiven Befunds erneut einbestellt zu werden. Sie betrug 49,6 % bei Tomosynthese und 56,3 % bei digitaler Mammografie. Bei Untersuchungen alle zwei Jahre lagen die Werte bei 35,7 % und 38,1 %. Untersuchungsintervall und Alter beeinflussten die Wahrscheinlichkeit stärker als die Gerätetechnik. Die über mehrere Untersuchungen angesammelten Raten falsch-positiver Befunde sind außerdem bei Frauen von 40 bis 49 Jahren und bei Frauen mit dichtem Brustgewebe höher. [12, 13]
Was bedeutet Überdiagnose bei der Krebsfrüherkennung?
Eine Überdiagnose liegt vor, wenn ein Krebs entdeckt wird, der im Leben der betroffenen Person nie Symptome oder Schäden verursacht hätte. Wird er behandelt, können Nebenwirkungen entstehen, ohne dass die Behandlung einen gesundheitlichen Nutzen bringt. Für die Brustkrebsfrüherkennung alle zwei Jahre im Alter von 50 bis 74 Jahren wurde der Anteil der Überdiagnosen an den durch Screening entdeckten Brustkrebsfällen auf 15,4 % geschätzt, ungefähr 1 von 7. Die Schätzungen unterscheiden sich deutlich; in randomisierten Studien lagen sie zwischen 11 % und 22 %. [1, 13, 14]
Können Bluttests auf mehrere Krebsarten die übliche Früherkennung ersetzen?
Nein. Laut der zitierten NCI-Information von 2024 hatte zu diesem Zeitpunkt kein solcher Test eine FDA-Zulassung. Im September 2026 beriet ein FDA-Fachgremium über Galleri; diese Beratung ist von einer endgültigen Zulassung und vom Nachweis weniger Krebstodesfälle zu unterscheiden. Die Tests ersetzen leitliniengerechte Untersuchungen nicht. Ihr zusätzlicher Einsatz allein belegt keinen Zusatznutzen. [29, 30] Unter 6.621 Erwachsenen ab 50 Jahren ohne Symptome erkannte ein Test bei 92 Personen ein Krebssignal; bei 57 davon war der Befund falsch positiv. Eine andere Untersuchung umfasste Menschen, die wegen Symptomen zur Abklärung überwiesen worden waren. Dort reichte die Sensitivität von 24,2 % im Stadium I bis 95,3 % im Stadium IV. Diese Ergebnisse stammen also nicht aus einer Screeningpopulation ohne Beschwerden. [2, 15, 16]
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