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Desirudin: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Klinische Prüfung ausstehend

Desirudin hemmt die Blutgerinnung und wurde zur Vorbeugung tiefer Venenthrombosen nach geplantem Hüftgelenkersatz eingesetzt. Ein Überblick über Wirkung, US-Zulassung und Risiken.

Desirudin hemmt die Blutgerinnung und wurde eingesetzt, um nach einem geplanten Hüftgelenkersatz Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen zu verhindern. Solche Gerinnsel heißen tiefe Venenthrombosen. Das wichtigste Risiko der Behandlung sind Blutungen. Bei rückenmarksnahen Betäubungsverfahren ist besondere Vorsicht nötig: Blutungen in diesem Bereich können zu Lähmungen führen.

Was ist Desirudin?

Desirudin ist eine gentechnisch hergestellte Variante von Hirudin und wurde früher unter dem Handelsnamen Iprivask vertrieben. Hirudin ist ein gerinnungshemmendes Protein aus medizinischen Blutegeln. Es hält das Blut flüssig, während die Tiere Blut aufnehmen. Desirudin selbst wird in Hefezellen hergestellt.

Der Wirkstoff hemmt gezielt das Enzym Thrombin, das an der Blutgerinnung beteiligt ist. Er wurde zur Vorbeugung von Blutgerinnseln in den Beinen nach orthopädischen Eingriffen eingesetzt; die hier beschriebene US-Zulassung betrifft den geplanten Hüftgelenkersatz. Während der Entwicklung trug Desirudin den Code CGP 39393. In den USA wurde es 2003 zugelassen.

Wie wirkt Desirudin?

Desirudin hemmt Thrombin direkt. Dieses Enzym wirkt am Ende der sogenannten Gerinnungskaskade: einer Abfolge von Reaktionen, durch die das Blut gerinnt. Thrombin wandelt Fibrinogen in Fibrin um, aus dem sich ein Blutgerinnsel bildet. Außerdem aktiviert es die Blutplättchen.

Desirudin bindet gleichzeitig an zwei Stellen des Thrombins: an das aktive Zentrum und an die Stelle, an der Fibrinogen bindet. So blockiert es das Enzym. Anders als Heparin braucht Desirudin dafür kein körpereigenes Antithrombin. Es hemmt auch Thrombin, das bereits in einem Blutgerinnsel gebunden ist.

Nach einem Hüftgelenkersatz begünstigen die eingeschränkte Beweglichkeit und die Gewebeverletzung durch die Operation venöse Blutgerinnsel. In einer Studie zu diesem Eingriff traten unter Desirudin weniger bestätigte tiefe Venenthrombosen auf als unter unfraktioniertem Heparin. Blutungen nahmen in dieser Studie nicht zu. 1

Desirudin wird im zeitlichen Zusammenhang mit der Operation unter die Haut gespritzt. Der medizinische Begriff dafür ist „subkutan“.

Ist Desirudin von der FDA zugelassen?

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ließ Desirudin 2003 zur Vorbeugung tiefer Venenthrombosen bei Menschen zu, die einen geplanten Hüftgelenkersatz erhalten. Laut der verlinkten Arzneimittelinformation wurde der Vertrieb des einzigen Markenpräparats Iprivask in den USA eingestellt; dort wird auch kein Generikum verkauft. Ob diese Angaben noch aktuell sind, bleibt offen. 2

Wofür wird Desirudin verschrieben?

Desirudin wurde verschrieben, um tiefen Venenthrombosen nach einem geplanten Hüftgelenkersatz vorzubeugen. Bei einer Spinal- oder Epiduralanästhesie ist dabei besondere Vorsicht nötig. Diese Betäubungsverfahren wirken in der Nähe des Rückenmarks. Wie bei anderen gerinnungshemmenden Arzneimitteln können dort Blutungen auftreten.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Blutungen
  • Reaktionen an der Einstichstelle
  • Blutarmut (Anämie) und Übelkeit

Darüber hinaus sind folgende Risiken und Vorsichtsmaßnahmen wichtig:

  • Schwere Blutungen sind das Hauptrisiko der Behandlung.
  • Bei einer Spinal- oder Epiduralanästhesie können Blutungen im Bereich des Rückenmarks zu Lähmungen führen. Dieser Warnhinweis gilt auch für andere gerinnungshemmende Arzneimittel.
  • Eine eingeschränkte Nierenfunktion erfordert besondere Vorsicht. Außerdem können sich Antikörper gegen Hirudin bilden.