Rollen die Augen im Schlaf nach hinten?
Klinische Prüfung ausstehend
Augenbewegungen im Schlaf: Was in den Schlafphasen passiert und welche Beobachtungen ärztlich eingeordnet werden sollten.

Die Augen können sich beim Einschlafen nach oben drehen. Ihre Bewegungen verändern sich jedoch im Laufe der Nacht: Beim Einschlafen rollen sie langsam, im Tiefschlaf bleiben sie weitgehend ruhig, und im REM-Schlaf bewegen sie sich rasch in verschiedene Richtungen. Zur Aufwärtsdrehung beim Lidschluss gehört auch das schützende Bell-Phänomen. Auffällige Bewegungen oder Beschwerden an den Augen können dagegen Anlass für eine ärztliche Abklärung sein.
Rollen die Augen im Schlaf nach hinten?
Ja – aber es passiert mehr als eine einfache Rollbewegung
Beim Einschlafen können sich die Augen langsam nach oben und leicht nach außen drehen. Beim Schließen der Lider gibt es außerdem einen unwillkürlichen Reflex, das Bell-Phänomen: Durch die Aufwärtsdrehung liegt die Hornhaut hinter dem Oberlid. Das schützt die empfindliche Oberfläche während des Schlafs, wenn das Blinzeln ausbleibt. Wie sich dieser Reflex zu den langsamen Augenbewegungen beim Einschlafen verhält, muss genauer unterschieden werden.
Besonders beim Einschlafen und in leichteren Schlafstadien können sich die Augen also nach oben drehen. Mit zunehmender Schlaftiefe verändert sich ihr Bewegungsmuster jedoch deutlich. Die Aufwärtsdrehung ist nur ein Teil dessen, was die Augen während der Nacht tun.
Der Unterschied zwischen Rollen und anderen Bewegungen
„Nach hinten rollen“ meint hier die anfängliche Aufwärtsdrehung beim Einschlafen. Der Begriff „Augenbewegungen“ umfasst dagegen alle Muster der verschiedenen Schlafstadien: langsames seitliches Gleiten, weitgehende Bewegungslosigkeit und schnelle Bewegungsserien in mehrere Richtungen.
Diese Muster treten zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf und lassen sich bei einer Schlafuntersuchung mittels Elektrookulografie (EOG) erfassen. Die aufgezeichneten Augenbewegungen liefern Hinweise darauf, in welchem Schlafstadium sich eine Person befindet.
Was mit deinen Augen in den einzelnen Schlafstadien passiert
Stadium 1: Langsame, rollende Bewegungen
Beim Übergang vom Wachsein zum Schlafen, dem Stadium N1, machen die Augen langsame, pendelnde Rollbewegungen. Manchmal lassen sie sich bei einer schlafenden Person beobachten, deren Lider noch nicht vollständig geschlossen sind. Die Bewegungen sind sanft und meist seitlich oder leicht nach oben gerichtet. Sie zeigen an, dass sich das Gehirn zunehmend von der äußeren Umgebung löst.
Dieses Stadium dauert etwa 5 bis 10 Minuten. Die Muskelspannung beginnt abzunehmen. Wer jetzt beim Namen gerufen wird, antwortet vielleicht etwas orientierungslos: „Ich habe gar nicht geschlafen.“ Die Augenbewegungen können bereits auf den beginnenden Schlaf hinweisen.
Stadium 2: Die Bewegungen werden seltener und kommen weitgehend zum Stillstand
Im Stadium N2 bewegen sich die Augen nur noch wenig. Das Gehirn erzeugt Schlafspindeln und K-Komplexe. Diese elektrischen Aktivitätsmuster hängen unter anderem damit zusammen, dass der Schlaf gegenüber äußeren Störungen abgeschirmt wird. Hinter den geschlossenen Lidern bleiben die Augen relativ ruhig. Gelegentlich gleiten sie noch etwas, doch die typischen Rollbewegungen aus Stadium 1 treten nicht mehr auf.
Tiefschlaf: Die Augen kommen zur Ruhe
Im Stadium N3, dem Tiefschlaf oder Slow-Wave-Schlaf, sind die Augen weitgehend bewegungslos. Das Gehirn erzeugt große, langsame Deltawellen. Diese Phase trägt wesentlich zur körperlichen Erholung bei: Die Ausschüttung von Wachstumshormon erreicht einen Höhepunkt, Reparaturprozesse im Gewebe werden unterstützt, und das Immunsystem ist aktiv.
Aus der Ruhe der Augen lässt sich allerdings nicht schließen, dass das Gehirn keinerlei visuelle Informationen verarbeitet. Fehlende bewusste Wahrnehmung bedeutet nicht, dass jede Verarbeitung von Reizen ausbleibt. Die Qualität des Tiefschlafs ist für die körperliche Erholung dennoch wichtig.
REM-Schlaf: Jetzt werden die Augen aktiv
Im REM-Schlaf bewegen sich die Augen rasch und ruckartig in verschiedene Richtungen. Daher stammt auch der Name: REM steht für „Rapid Eye Movement“, also schnelle Augenbewegungen. Sie können horizontal, vertikal oder diagonal verlaufen und treten in Gruppen auf, zwischen denen kurze Pausen liegen.
Die elektrische Aktivität des Gehirns ähnelt in dieser Phase der Aktivität im Wachzustand. Gleichzeitig ist die Spannung großer Teile der willkürlich steuerbaren Muskulatur vorübergehend stark herabgesetzt. Dieser Zustand heißt Muskelatonie.
Warum sich deine Augen im REM-Schlaf bewegen
Die Scanning-Hypothese
Eine verbreitete Theorie verbindet die Augenbewegungen im REM-Schlaf mit den visuellen Szenen unserer Träume. Wer im Traum nach links schaut, könnte demnach auch die Augen nach links bewegen. Nach dieser Vorstellung „betrachtet“ das träumende Gehirn den Traum teilweise über dieselben visuellen Schaltkreise, die es im Wachzustand nutzt.
Dazu wird eine in Nature Communications veröffentlichte Studie angeführt. Ob sie tatsächlich zeigt, dass die Richtung der Augenbewegungen mit der nach dem Aufwachen berichteten Blickrichtung im Traum übereinstimmt, ist anhand der vorliegenden Quellenangaben jedoch nicht belegt. Dieser konkrete Abgleich kann daher vorerst nicht als bestätigtes Studienergebnis gelten.
Das Modell der Gehirnaktivierung
Eine andere Erklärung setzt am Hirnstamm an. Während des REM-Schlafs senden Nervenzellgruppen in der Brücke, die sogenannten pontinen Kerne, Aktivitätsschübe durch das System zur Steuerung der Augenbewegungen. Diese ponto-genikulo-okzipitalen Wellen, kurz PGO-Wellen, könnten die Bewegungen als Begleiterscheinung der Gehirnaktivierung auslösen, unabhängig vom Trauminhalt. Nach diesem Modell folgen die Augen keiner bestimmten Traumszene; ihre Bewegungen entstehen durch umfassende neuronale Aktivität.
Wahrscheinlich tragen beide Mechanismen bei. Visuell komplexere Träume scheinen tendenziell mit intensiveren Augenbewegungen einherzugehen. Augenbewegungen treten aber auch in REM-Phasen auf, an deren Träume man sich kaum erinnert. Die Frage, ob Träumen auf guten Schlaf hindeutet, lässt sich deshalb nicht einfach beantworten. Der Zusammenhang wird als komplex, grundsätzlich jedoch eher positiv beschrieben.
Das Bell-Phänomen: Eine schützende Aufwärtsdrehung
Ein Reflex, der laut Vorlage von Geburt an besteht
Das Bell-Phänomen bezeichnet die unwillkürliche Aufwärtsdrehung des Augapfels beim Schließen der Lider. Seine Häufigkeit wird mit etwa 75 % der Bevölkerung angegeben; diese Angabe ist noch fachlich zu prüfen. Der Reflex erfüllt eine Schutzfunktion: Dreht sich die Hornhaut nach oben unter das Oberlid, bleibt sie besser befeuchtet und wird während des Schlafs vor Licht und Berührung geschützt. Hierzu wird die Arbeit „Bell’s phenomenon. A study of 508 patients.“ genannt.
Der Reflex soll sich mitunter vor einem Spiegel beobachten lassen: Wer die Augen langsam schließt und versucht, durch einen kleinen Spalt zu schauen, könne dabei eine Aufwärtsbewegung bemerken. Wie aussagekräftig dieser Selbstbeobachtungsversuch ist, bleibt zu prüfen.
Augenärztinnen und Augenärzte berücksichtigen das Bell-Phänomen bei der Untersuchung. Sein Fehlen wird als möglicher Hinweis auf bestimmte neurologische Erkrankungen mit Beteiligung des Gesichtsnervs beschrieben. Aus einem nicht beobachtbaren Reflex allein lässt sich jedoch keine neurologische Diagnose ableiten.
Warum man bei manchen Schlafenden das Weiße der Augen sieht
Schließen sich die Lider im Schlaf nicht vollständig, spricht man von nächtlichem Lagophthalmus. Als Häufigkeit wird bis zu 20 % der Menschen angegeben; diese Zahl ist noch fachlich zu prüfen. Drehen sich die Augen dabei nach oben, kann vor allem das Weiße des Auges sichtbar werden. Das mag beunruhigend aussehen, lässt sich aber durch die Kombination aus Bell-Phänomen und unvollständigem Lidschluss erklären: Die Lider bedecken den Augapfel nicht vollständig und geben den Blick auf seine Stellung frei. Eine dazu genannte Übersicht behandelt nächtlichen Lagophthalmus und seine Einteilung.
Andere Erscheinungen im Zusammenhang mit der Entspannung der Gesichtsmuskulatur im Schlaf werden ebenfalls als meist harmlos beschrieben. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ein unvollständiger Lidschluss unbedenklich ist. Er kann Beschwerden an der Augenoberfläche verursachen und sollte bei anhaltenden Symptomen abgeklärt werden.
Kannst du sehen, wenn deine Augen nach oben gerollt sind?
Die bewusste visuelle Wahrnehmung tritt in den Hintergrund
Im Schlaf tritt die bewusste Wahrnehmung der Umgebung in den Hintergrund. Auch wenn die Augen nach oben gedreht und die Lider teilweise geöffnet sind, bedeutet einfallendes Licht nicht automatisch bewusstes Sehen. Im REM-Schlaf beschäftigt sich das Gehirn mit innerlich erzeugten Bildern. Die Sehrinde im Non-REM-Schlaf als vollständig „abgeschaltet“ zu beschreiben, wäre dagegen zu absolut.
Dahinter steht die umfassendere Frage nach dem Bewusstsein im Schlaf. Licht kann physisch auf die Augen treffen, ohne bewusst wahrgenommen zu werden. Als Erklärung wird die Rolle des Thalamus angeführt, einer Umschaltstelle für Sinnesinformationen. Die Aussage, er blockiere während des etablierten Schlafs sämtliche eingehenden visuellen Signale, bedarf jedoch einer differenzierten Einordnung.
Wie ist es mit Lichtempfindlichkeit?
Licht, das durch teilweise geöffnete Lider auf die Netzhaut fällt, kann die Schlafqualität beeinflussen, auch wenn es nicht bewusst wahrgenommen wird. Licht auf der Netzhaut kann die Produktion von Melatonin unterdrücken. Das wird auch für Licht beschrieben, das durch geschlossene oder teilweise geöffnete Lider dringt. Die Wirkung ist jedoch nicht bei jeder Lichtexposition gleich; Lichtintensität, Dauer und Durchlässigkeit der Lider müssen dabei berücksichtigt werden.
Deshalb können Lichtfarbe und Dunkelheit für die Schlafqualität eine Rolle spielen, selbst wenn das Licht nicht bewusst wahrgenommen wird.
Augenbewegungen und Schlafstörungen
REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Normalerweise ist die Aktivität großer Teile der Skelettmuskulatur im REM-Schlaf stark gehemmt. Das verhindert, dass Bewegungen aus Träumen tatsächlich ausgeführt werden. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung, kurz RBD, fällt diese Hemmung teilweise oder vollständig aus. Betroffene können während lebhafter Träume schlagen, treten oder aus dem Bett springen.
Die REM-Augenbewegungen bleiben dabei meist unauffällig. Die potenziell gefährlichen Körperbewegungen entstehen durch den Verlust der Muskelatonie. RBD tritt häufiger bei Erwachsenen über 50 Jahren auf und ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, später an Parkinson zu erkranken. Diesen Zusammenhang behandelt eine Übersichtsarbeit über RBD und Parkinson.
Nächtlicher Nystagmus
Rhythmische, unwillkürliche Pendelbewegungen der Augen heißen Nystagmus. Solche Bewegungen im Schlaf werden als möglicher Hinweis auf neurologische Erkrankungen beschrieben, die das Kleinhirn oder den Hirnstamm betreffen. Diese diagnostische Einordnung ist durch die hier angeführten Quellen allerdings nicht gesondert belegt.
Wenn Angehörige wiederholt gleichmäßiges Hin- und Herpendeln der Augen im Schlaf bemerken, sollte die Beobachtung ärztlich angesprochen werden. Dieses regelmäßige Muster unterscheidet sich in der Beschreibung von den unregelmäßigen, schnellen und wechselnden Augenbewegungen des normalen REM-Schlafs. Durch bloßes Beobachten lässt sich der Unterschied jedoch nicht zuverlässig feststellen oder eine Diagnose ableiten.
Schlafbedingte trockene Augen
Wer mit teilweise geöffneten Augen schläft, kann morgens Trockenheit, Rötungen oder ein sandiges Fremdkörpergefühl bemerken. Bei diesem nächtlichen Lagophthalmus verliert die freiliegende Hornhaut über Nacht Feuchtigkeit. Eine Publikation zu nächtlichem Lagophthalmus und Schlafqualität bei Menschen mit trockenen Augen befasst sich mit diesem Zusammenhang.
Befeuchtende Augentropfen vor dem Schlafengehen und ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer können helfen. Halten die Beschwerden an, kann eine Augenärztin oder ein Augenarzt prüfen, ob eine spezielle Augenmaske sinnvoll ist, die nachts einen feuchten Raum um die Augen erhält.
Wann du Augenbewegungen im Schlaf ärztlich abklären lassen solltest
Anzeichen, die untersucht werden sollten
Normale Augenbewegungen im Schlaf benötigen keine ärztliche Behandlung. Eine Untersuchung ist jedoch sinnvoll, wenn Betroffene oder Angehörige Folgendes bemerken:
- Die Augen bleiben während des gesamten Schlafs weit geöffnet, nicht nur einen Spalt.
- Die Augen bewegen sich rhythmisch und gleichmäßig wie ein Uhrwerk, statt die unregelmäßigen Bewegungen des REM-Schlafs zu zeigen.
- Morgens treten starke Augenschmerzen, anhaltende Trockenheit oder verschwommenes Sehen auf.
- Träume werden körperlich ausgelebt, etwa durch Schlagen, Treten oder Herausfallen aus dem Bett.
- Augenbewegungen gehen im Schlaf mit Gesichtszuckungen oder anderen unwillkürlichen Muskelbewegungen einher.
Eine Schlafuntersuchung kann Augenbewegungen objektiv erfassen, Schlafstadien bestimmen und Störungen erkennen, die durch bloßes Beobachten möglicherweise nicht auffallen.
Deinen Schlaf und seine körperlichen Grundlagen verstehen
Eine Aufwärtsdrehung kann zum normalen Verhalten der Augen im Schlaf gehören. Für sich allein belegt diese Beobachtung jedoch weder eine uneingeschränkt normale Gehirnfunktion noch eine gute Schlafqualität. Wie erholsam der Schlaf vom Tiefschlaf bis zu lebhaften REM-Phasen ist, hängt von verschiedenen körperlichen Faktoren ab. Einige davon lassen sich messen.
Magnesium, Cortisol, Vitamin D und Schilddrüsenhormone werden als Einflussfaktoren darauf genannt, wie gut das Gehirn zwischen den Schlafstadien wechselt. Dass alle diese Werte unmittelbar bestimmen, wie gut solche Übergänge funktionieren, ist durch die angeführte Literatur jedoch nicht belegt.
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, dass die Augen beim Schlafen nach hinten rollen?
Eine Aufwärtsdrehung der Augen beim Schließen der Lider kann normal sein und wird als Bell-Phänomen bezeichnet. Sie trägt dazu bei, die Hornhaut unter dem Oberlid zu schützen, während im Schlaf das Blinzeln ausbleibt. Der Anteil der Menschen mit diesem Reflex wird mit etwa 75 % angegeben; er soll bereits von Geburt an bestehen. Beide Angaben sind noch fachlich zu prüfen. Auch lässt sich der Reflex nicht ohne Weiteres mit den langsamen Rollbewegungen beim Einschlafen gleichsetzen. Allein bestätigt er keine insgesamt normale neurologische Funktion.
Warum sehen die Augen meiner Partnerin oder meines Partners im Schlaf weiß aus?
Möglicherweise schließen sich die Lider im Schlaf nicht vollständig. Das wird als nächtlicher Lagophthalmus bezeichnet. Drehen sich die Augen gleichzeitig durch das Bell-Phänomen nach oben, wird die weiße Lederhaut, die Sklera, sichtbar. Der unvollständige Lidschluss wird mit einer Häufigkeit von bis zu 20 % der Bevölkerung beschrieben und als meist harmlos eingeordnet. Diese Angaben sind noch fachlich zu prüfen. Er kann morgens trockene Augen verursachen; anhaltende Beschwerden sollten augenärztlich abgeklärt werden.
Bewegen sich die Augen im Tiefschlaf?
Im Tiefschlaf, dem Stadium N3, sind die Augen weitgehend bewegungslos. Am deutlichsten sind Augenbewegungen im Stadium 1 mit seinem langsamen Rollen und im REM-Schlaf mit seinen schnellen, ruckartigen Bewegungen. Die Ruhe der Augen im Tiefschlaf fällt mit den großen, langsamen Deltawellen zusammen, die das Gehirn in dieser für die körperliche Erholung wichtigen Phase erzeugt.
Was verursacht schnelle Augenbewegungen im Schlaf?
REM-Augenbewegungen entstehen durch Aktivität im Hirnstamm. Insbesondere die pontinen Kerne aktivieren das System zur Steuerung der Augenbewegungen. Die Bewegungen könnten einem visuellen Abtasten von Traumszenen entsprechen oder eine Begleiterscheinung der umfassenden neuronalen Aktivierung während des REM-Schlafs sein. Beide Mechanismen könnten beitragen; ein entsprechender Mehrheitskonsens in der Schlafforschung ist durch die angeführten Quellen jedoch nicht ausdrücklich belegt.
Kann die Augenstellung im Schlaf auf eine Schlafstörung hinweisen?
Normale Rollbewegungen und REM-Augenbewegungen sind für sich genommen keine Hinweise auf eine Störung. Bleiben die Augen jedoch während des gesamten Schlafs weit geöffnet, pendeln sie rhythmisch und nystagmusartig oder gehen Augenbewegungen mit dem körperlichen Ausleben von Träumen einher, kann eine Untersuchung sinnvoll sein. Eine Schlafuntersuchung kann solche Muster objektiv messen und einordnen.
Rollen auch bei Babys die Augen im Schlaf nach hinten?
Das Bell-Phänomen wird bei Babys ebenso wie bei Erwachsenen beschrieben. Säuglinge verbringen außerdem etwa 50 % ihrer Schlafzeit im REM-Schlaf, verglichen mit 20–25 % bei Erwachsenen. Deshalb können unter ihren geschlossenen Lidern häufiger schnelle Augenbewegungen zu sehen sein. Der hohe REM-Anteil wird mit seiner Bedeutung für die rasche Gehirnentwicklung im Säuglingsalter erklärt. Diese Angaben benötigen allerdings eine altersbezogene fachliche Prüfung.
Ist es schädlich, mit teilweise geöffneten Augen zu schlafen?
Schlafen mit teilweise geöffneten Augen, also nächtlicher Lagophthalmus, kann morgens Trockenheit, Rötungen oder ein sandiges Fremdkörpergefühl verursachen. Die pauschale Beschreibung als meist harmlos muss noch geprüft werden. Bleibt die Hornhaut langfristig regelmäßig über Nacht ungeschützt, wird auch ein möglicherweise erhöhtes Infektionsrisiko beschrieben.
Als mögliche Schutzmaßnahmen werden befeuchtende Augentropfen vor dem Schlafengehen, ein Luftbefeuchter und eine passend geformte Schlafmaske genannt. Ob eine gewöhnliche, konturierte Schlafmaske die Hornhaut ausreichend schützt, ist jedoch zu prüfen. Bei anhaltenden Beschwerden sollte augenärztlich geklärt werden, welcher Schutz tatsächlich geeignet ist.
Was ist das Bell-Phänomen, und warum tritt es im Schlaf auf?
Das Bell-Phänomen ist die unwillkürliche Aufwärtsdrehung des Augapfels beim Schließen der Lider. Seine Häufigkeit wird mit etwa 75 % der Bevölkerung angegeben; diese Zahl ist noch fachlich zu prüfen. Der Reflex erfüllt eine Schutzfunktion: Die Hornhaut dreht sich nach oben unter das Oberlid und wird dadurch während des Schlafs, wenn das Blinzeln ausbleibt, besser befeuchtet und abgeschirmt.
Augenärztinnen und Augenärzte berücksichtigen den Reflex bei der Untersuchung. Sein Fehlen wird als möglicher Hinweis auf neurologische Erkrankungen mit Beteiligung des Gesichtsnervs beschrieben. Ein fehlendes oder nicht erkennbares Bell-Phänomen allein reicht jedoch nicht aus, um eine Erkrankung des Gesichtsnervs festzustellen.
Literatur und Quellen
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- Takahashi A, Negishi K, Ayaki M, Uchino M, Tsubota K (2020). Nocturnal lagophthalmos and sleep quality in patients with dry eye disease. Life, 10(7), 105. https://doi.org/10.3390/life10070105. PubMed
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