Verursacht Schlafen auf dem Rücken eine Schlafparalyse?
Klinische Prüfung ausstehend
Schlafparalyse in Rückenlage: Wie Schlafzustand und Körperposition zusammenhängen können und welche Hinweise bei wiederkehrenden Episoden wichtig sind.

Kann ein Wechsel auf die Seite helfen, wenn beim Aufwachen das Bewusstsein schon zurückkehrt, der Körper sich aber noch nicht bewegen lässt? Die Rückenlage wird mit solchen Schlafparalysen in Verbindung gebracht. Sie verursacht jedoch nicht zwangsläufig eine Episode. Auch Schlafmangel, Stress und unregelmäßige Schlafzeiten können eine Rolle spielen.
Ein Blick auf die Schlafposition kann deshalb sinnvoll sein. Wie viel ein Positionswechsel bewirkt, ist allerdings ebenso offen wie manche Erklärung dafür, warum Episoden gerade in Rückenlage auftreten. Auch bei Melatonin lohnt es sich, zwischen möglichen Einflüssen auf den Schlaf und einem nachgewiesenen Schlafparalyse-Risiko zu unterscheiden. Dieser Artikel erklärt die Zusammenhänge und die Möglichkeiten bei wiederkehrenden Episoden, einschließlich ihrer Grenzen.
Der Zusammenhang zwischen Rückenlage und Schlafparalyse
Was die Forschung zeigt
Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Rückenlage und Schlafparalysen beschrieben. Wie häufig die Episoden in dieser Position auftreten und wie gut sich die Beobachtungen auf unterschiedliche Menschen übertragen lassen, bleibt anhand der hier angeführten Belege offen.
Für die Aussage, eine deutliche Mehrheit der Episoden trete in Rückenlage auf, fehlt hier ein eindeutig zuordenbarer Nachweis. Auch die Behauptung, das Muster zeige sich in verschiedenen Bevölkerungsgruppen und bei unterschiedlichen Studiendesigns, lässt sich mit dem dazu angeführten PubMed-Eintrag nicht verlässlich beurteilen.
Eine weitere Veröffentlichung untersucht Position und Zeitpunkt von Schlafparalysen. Ob die Rückenlage damit als einer der beständigsten positionsabhängigen Risikofaktoren für isolierte Schlafparalyse gelten kann, ist noch zu klären. Ein Wechsel der Schlafposition wird bei wiederkehrenden Episoden als möglicher Ansatz genannt. Dass viele schlafmedizinische Fachpersonen ihn als erste Maßnahme empfehlen, ist hier jedoch nicht ausreichend belegt.
Zusammenhang ist nicht gleich Ursache
Viele Menschen schlafen jede Nacht auf dem Rücken, ohne jemals eine Schlafparalyse zu erleben. Die Position scheint die Anfälligkeit zu erhöhen, vor allem wenn Schlafmangel, Stress oder gestörte REM-Zyklen hinzukommen. Sie könnte damit Bedingungen begünstigen, unter denen eine Episode entsteht, ohne sie allein auszulösen. Ein beobachteter Zusammenhang erklärt noch nicht, was im Einzelfall die Ursache ist.
Wie die Schlafposition Übergänge aus dem REM-Schlaf beeinflusst
Die Atemwege in Rückenlage
In Rückenlage zieht die Schwerkraft Zunge und weichen Gaumen in Richtung Rachenhinterwand. Dadurch kann die Luft schwerer durch die oberen Atemwege strömen. Während des REM-Schlafs kann das leichte Atemstörungen begünstigen, die nicht unbedingt das Ausmaß einer Schlafapnoe erreichen. Eine mögliche Erklärung für Schlafparalysen ist, dass solche Störungen den Schlaf dennoch unterbrechen und den Übergang aus dem REM-Schlaf beeinträchtigen.
Dabei kommt es auf das zeitliche Zusammenspiel an: Im REM-Schlaf ist die Muskelaktivität vorübergehend weitgehend gehemmt. Diese sogenannte REM-Atonie verhindert, dass der Körper Traumbewegungen ausführt. Kehrt nach einer Schlafunterbrechung das Bewusstsein zurück, bevor die Muskelhemmung endet, kann eine Schlafparalyse entstehen.
REM-Schlaf und Körperposition
Eine weitere Hypothese betrifft die Dauer und Intensität der REM-Phasen. Sollten diese in Rückenlage länger und intensiver sein, würde der Körper auch länger in der Phase gehemmter Muskelaktivität bleiben. Damit könnte sich das Zeitfenster für einen gestörten Übergang zum Wachzustand vergrößern.
Der Seitenlage werden umgekehrt stabilere REM-Zyklen und weniger atembedingte Unterbrechungen zugeschrieben. Diese Unterschiede zwischen den Positionen und der daraus abgeleitete Ablauf sind hier jedoch nicht gesichert. Sie beschreiben eine mögliche Erklärung dafür, wie die Schlafposition mit Schlafparalysen zusammenhängen könnte.
Warum sich Druck auf der Brust bemerkbar machen kann
Viele Menschen berichten bei einer Schlafparalyse in Rückenlage von starkem Druck auf der Brust. Als mögliche Erklärungen werden ein mechanischer Einfluss der Schwerkraft auf den Brustkorb und eine halluzinatorische Deutung der Empfindung durch das Gehirn diskutiert. Das körperliche Unbehagen könnte zu dem Eindruck beitragen, eine bedrohliche Gestalt oder ein sogenannter „Schlafparalyse-Dämon“ sei anwesend.
Ob die Schwerkraft den Brustdruck tatsächlich auf diese Weise erklärt, bleibt offen. Neu auftretender oder anhaltender Brustdruck sollte deshalb nicht allein als Schlafparalyse eingeordnet werden.
Kann Melatonin eine Schlafparalyse auslösen?
Was die Belege sagen
Starke direkte Belege dafür, dass Melatonin eine Schlafparalyse auslöst, fehlen. Melatonin beeinflusst den zeitlichen Ablauf des Schlafs. Ein möglicher Einfluss auf Zeitpunkt und Intensität des REM-Schlafs ist davon zu unterscheiden: Falls sich dessen Struktur verändert, könnte theoretisch auch der Übergang zwischen Schlafstadien störanfälliger werden. Daraus lässt sich aber kein nachgewiesenes Schlafparalyse-Risiko ableiten.
Der Melatonin-Ratgeber bietet weiterführende Informationen zum Hormon. Er ersetzt keinen eigenständigen Studiennachweis für einen Zusammenhang mit Schlafparalysen.
Wie Melatonin den REM-Schlaf beeinflusst
Zwei randomisierte kontrollierte Studien untersuchten Melatonin bei Menschen mit verkürzter REM-Schlafdauer. Im Zusammenhang mit diesen Studien steht die Annahme, eingenommenes Melatonin könne die REM-Schlafdauer verlängern und Träume lebhafter machen, besonders bei höheren Dosierungen. Ob die Ergebnisse all diese Aussagen tragen und ob sie auch für Menschen ohne verkürzte REM-Schlafdauer gelten, ist noch offen.
Die Überlegung zum Schlafparalyse-Risiko baut darauf auf: Falls Melatonin den Eintritt in den REM-Schlaf beschleunigt oder dessen Dauer verlängert, könnte die Wahrscheinlichkeit eines gestörten Übergangs zum Wachzustand theoretisch etwas steigen. Weder dieser Zusammenhang noch die dabei vermutete Dosisabhängigkeit ist hier nachgewiesen.
Welche Rolle könnte die Dosis spielen?
Als Dosierungen in den meisten Untersuchungen zu Melatonin und Schlaf werden 0,5 bis 3 mg genannt, für viele frei verkäufliche Präparate 5 bis 10 mg. Auch die Einordnung, diese Mengen lägen deutlich über der körpereigenen Produktion, steht im Raum. Für diese Angaben und den Vergleich fehlen hier jedoch geeignete Belege; sie sind keine gesicherten Orientierungswerte für eine Einnahme.
Hinter dem vermuteten Zusammenhang mit Schlafparalysen steht die Annahme, dass höhere Dosierungen die REM-Schlafstruktur stärker verändern könnten. Bei anfälligen Menschen könnte das theoretisch Episoden begünstigen. Eine Dosisreduktion bei häufigeren Episoden unter Melatonin ist daher ein vorgeschlagener Ansatz, aber keine geprüfte Behandlung dieser Beschwerden. Eine mögliche Änderung sollte mit einer ärztlichen oder pharmazeutischen Fachperson besprochen werden.
Individuelle Unterschiede
Manche Menschen berichten unter Melatonin von lebhafteren oder ungewöhnlichen Träumen, andere bemerken keine Veränderung. Die Reaktion kann unter anderem vom körpereigenen Melatoninspiegel, vom Einnahmezeitpunkt im Verhältnis zum Tag-Nacht-Rhythmus und von der individuellen Empfindlichkeit abhängen.
Bei bereits erlebten Schlafparalysen wird als vorsichtiger Ansatz vorgeschlagen, eine gegebenenfalls geeignete Einnahme mit der niedrigsten wirksamen Dosis zu beginnen und Veränderungen zu beobachten. Welche Anwendung infrage kommt, muss individuell geklärt werden. Daraus folgt nicht, dass eine bestimmte Dosis Schlafparalysen verhindert.
Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen können
Schlafmangel
Zu wenig Schlaf kann unabhängig von der Schlafposition eine Rolle spielen. Eine mögliche Erklärung ist, dass das Gehirn nach Schlafmangel schneller und intensiver in den REM-Schlaf eintritt. Dieser Nachholeffekt wird als REM-Rebound bezeichnet. Er könnte einen gestörten Übergang zum Wachzustand wahrscheinlicher machen.
Das würde auch erklären, warum Episoden gerade beim Nachholen von Schlaf auftreten können: Das Gehirn gleicht den Mangel aus, während sich zugleich der Ablauf des REM-Schlafs verändert. Ob Schlafmangel darüber hinaus der stärkste einzelne Prädiktor einer Schlafparalyse ist, also der Faktor mit der größten Vorhersagekraft, lässt sich hier nicht belegen.
Unregelmäßige Schlafzeiten
Schichtarbeit, Jetlag und wechselnde Schlafenszeiten können den zirkadianen Rhythmus stören, also den inneren Tag-Nacht-Rhythmus. Das Gehirn nutzt verlässliche zeitliche Signale, um die Abfolge der Schlafstadien zu steuern. Werden diese Signale unregelmäßig, können auch die Übergänge zwischen den Stadien instabiler werden. Das ist eine mögliche Erklärung dafür, warum unregelmäßige Schlafzeiten solche Übergangsstörungen begünstigen könnten.
Stress und Angst
Ein erhöhter Cortisolspiegel wird mit häufiger unterbrochenem Schlaf und einer anhaltend erhöhten Aktivierung des Nervensystems in Verbindung gebracht. Auch die Angst vor dem Schlafen kann einen belastenden Kreislauf in Gang setzen: Die Sorge vor einer weiteren Episode erhöht die Anspannung beim Zubettgehen. Diese stört den Schlaf, und häufigere Schlafunterbrechungen können wiederum weitere Episoden begünstigen.
Alkohol, Nikotin und Medikamente
Alkohol unterdrückt den REM-Schlaf zunächst zu Beginn der Nacht und kann später einen REM-Rebound auslösen. In der zweiten Nachthälfte können dadurch Bedingungen entstehen, die Schlafparalysen begünstigen. Nikotin wirkt anregend und kann den Schlaf unterbrechen. Auch bestimmte Medikamente, darunter selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Betablocker, können verändern, wann REM-Schlaf auftritt und wie er ausgeprägt ist.
Genetik und familiäre Vorbelastung
Zwillingsstudien deuten auf eine genetische Komponente bei der Anfälligkeit für Schlafparalysen hin. Erleben nahe Familienangehörige solche Episoden, kann auch das eigene Risiko erhöht sein. Genetische Faktoren könnten mitbestimmen, wie stabil der Übergang vom REM-Schlaf zum Wachzustand verläuft und wie empfindlich jemand auf Störungen der Schlafstadien reagiert.
Wie sich die Schlafposition verändern lässt
Die Tennisball-Methode
Bei dieser Methode wird ein Tennisball mit einer Tasche oder Klebeband an der Rückseite des Schlafshirts befestigt. Beim Drehen auf den Rücken entsteht unangenehmer Druck, der einen Wechsel zurück auf die Seite auslösen soll, möglichst ohne vollständig aufzuwachen. Die Methode ist einfach und kostengünstig. Sie wird als ein seit Jahrzehnten in der Schlafmedizin eingesetzter Ansatz bei positionsabhängigen Schlafproblemen beschrieben.
Unterstützung durch ein Seitenschläferkissen
Ein langes Seitenschläferkissen kann den Körper stützen und die Seitenlage bequemer machen. Es liegt vor dem Körper oder wird in Seitenlage umarmt. Die zusätzliche Stütze kann das Zurückrollen auf den Rücken erschweren und helfen, die Position über die Nacht hinweg beizubehalten.
Hilfsmittel für die Schlafposition
Auch Gurte mit Schaumstoffpolstern oder Geräte, die beim Drehen auf den Rücken vibrieren, sollen die Rückenlage verhindern. Solche Hilfsmittel werden typischerweise für eine positionsabhängige Schlafapnoe angeboten. Sie können die Zeit in Rückenlage reduzieren. Ob sie auch Schlafparalysen vorbeugen und wie groß ein möglicher Nutzen wäre, ist damit noch nicht geklärt.
Kissen gezielt anordnen
Kissen hinter dem Rücken können den Körper wie ein Keil in Seitenlage stützen und das Zurückrollen erschweren. Manche Menschen empfinden auch einen leicht erhöht gelagerten Kopf als hilfreich. Dadurch könnte der Atemwegswiderstand sinken, der in Rückenlage zu Unterbrechungen des REM-Schlafs beitragen kann. Ob sich auf diesem Weg auch Schlafparalysen verringern lassen, bleibt offen.
Was während einer Episode helfen könnte
Ruhig bleiben und auf die Atmung achten
Während einer Schlafparalyse kann es helfen, die Aufmerksamkeit auf eine ruhige, langsame Atmung zu richten. Eine typische Episode klingt von selbst ab; als übliche Dauer werden weniger als zwei Minuten angegeben. Anhaltende Atemnot oder andere ungewöhnliche Beschwerden sollten jedoch nicht ungeprüft einer Schlafparalyse zugeschrieben werden.
Für Atemübungen wird auch eine körperliche Erklärung vorgeschlagen: Das Zwerchfell könnte während der REM-Atonie zu den wenigen Muskeln gehören, die noch teilweise willentlich kontrollierbar sind. Tiefes Atmen soll zudem das parasympathische Nervensystem aktivieren und dadurch die Episode verkürzen können. Ob die angenommene Kontrolle des Zwerchfells und diese verkürzende Wirkung zutreffen, ist hier nicht geklärt.
Kleine Bewegungen versuchen
Ein weiterer Ansatz ist, die Aufmerksamkeit zunächst auf einen einzelnen Finger oder Zeh zu richten. Kleine Bewegungen an Händen oder Füßen könnten helfen, die Muskelhemmung zu überwinden und schrittweise wieder Kontrolle über die Bewegung zu gewinnen. Wie das funktionieren könnte, ist allerdings ungeklärt.
Der Versuch, den gesamten Körper auf einmal zu bewegen, kann zusätzliche Anstrengung und Panik auslösen, wenn zunächst keine Bewegung gelingt. Deshalb wird vorgeschlagen, mit einer möglichst kleinen Bewegung zu beginnen.
Die Situation bewusst neu einordnen
Bei einer erkennbar typischen Episode kann ein innerer Satz helfen: „Das ist eine Schlafparalyse. Sie geht vorüber. Ich bin in Sicherheit.“ Zu verstehen, was gerade geschieht, kann es leichter machen, ruhig zu bleiben.
Dunkle Gestalten oder das Gefühl einer bedrohlichen Anwesenheit können während einer Schlafparalyse als Halluzinationen auftreten. Solche Wahrnehmungen bedeuten nicht, dass tatsächlich jemand im Raum ist. Als mögliche Erklärung wird das Bedrohungserkennungssystem des Gehirns angeführt; auch das Brustdruckgefühl wird in diese Deutung einbezogen. Neu auftretender oder anhaltender Brustdruck lässt sich damit jedoch nicht ohne Weiteres erklären.
Wann schlafmedizinischer Rat sinnvoll ist
Häufigkeit und Belastung
Gelegentliche Schlafparalysen sind verbreitet und brauchen häufig keine medizinische Behandlung. Eine fachliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Episoden mehrmals pro Monat auftreten, stark belasten oder Angst vor dem Schlafen auslösen. Das gilt auch bei zusätzlicher ausgeprägter Tagesschläfrigkeit.
Zugrunde liegende Erkrankungen abklären
Eine Schlafuntersuchung kann helfen festzustellen, ob Schlafapnoe, Narkolepsie oder eine periodische Bewegungsstörung der Gliedmaßen zu den Beschwerden beitragen. Diese Erkrankungen kommen als mögliche Störfaktoren für die Übergänge aus dem REM-Schlaf infrage; ihre genaue Rolle bei Schlafparalysen muss im Einzelfall beurteilt werden. Ein Wechsel der Schlafposition allein würde solche Ursachen nicht beheben.
Bei einer entsprechenden Fragestellung können Blutuntersuchungen außerdem Nährstoffmängel oder hormonelle Störungen aufzeigen, die den Schlaf beeinflussen. Ob und welche Tests sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden und dem jeweiligen Verdacht ab. Schlafparalysen allein begründen keine allgemeine Notwendigkeit solcher Untersuchungen.
Behandlungsmöglichkeiten
Bei anhaltenden Schlafparalysen kommen als mögliche Ansätze günstigere Schlafgewohnheiten, eine andere Schlafposition und ein besserer Umgang mit Stress infrage. In schwereren Fällen können ärztlich verordnete, niedrig dosierte SSRI oder trizyklische Antidepressiva den REM-Schlaf unterdrücken und möglicherweise die Häufigkeit der Episoden verringern. Für diese Behandlungsaussagen sind hier allerdings keine konkreten Belege angegeben.
Ein weiterer beschriebener Ansatz ist eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I beziehungsweise CBT-I). Sie soll Ängste und Verhaltensmuster aufgreifen, die wiederkehrende Episoden begleiten können. Welche Möglichkeiten im Einzelfall geeignet sind, erfordert eine fachliche Beurteilung. Aus den hier genannten Angaben lässt sich weder eine bestimmte Medikation noch die Eignung einer KVT-I für die jeweilige Person ableiten.
Die Schlafposition ist ein Teil des Gesamtbildes
Die Rückenlage wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Schlafparalysen in Verbindung gebracht, besonders wenn Schlafmangel, Stress oder ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus hinzukommen. Ein Wechsel in die Seitenlage kann deshalb ein einfacher erster Schritt sein, auch wenn sich sein Nutzen gegen Episoden hier nicht zuverlässig beziffern lässt. Ebenso aufschlussreich kann der Blick darauf sein, wie regelmäßig der Schlaf ist, wie hoch die Belastung durch Stress ausfällt und ob körperliche Faktoren mitwirken könnten.
Bei Laborwerten braucht es eine genauere Unterscheidung. Cortisol, Eisen, Schilddrüsenhormone und Magnesium werden als mögliche Einflussfaktoren auf die Stabilität der Schlafstadienübergänge und die Anfälligkeit für REM-Störungen genannt. Dazu gehören auch Informationen zum Thyreoidea-stimulierenden Hormon (TSH). Die angeführten Verweise zeigen jedoch keinen spezifischen Zusammenhang dieser Werte mit Schlafparalysen. Daraus ergibt sich keine allgemeine Empfehlung für Biomarker-Tests.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht Schlafen auf dem Rücken eine Schlafparalyse?
Die Rückenlage wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Schlafparalysen in Verbindung gebracht. Daraus folgt nicht, dass sie eine Episode unmittelbar verursacht; auch die Einordnung des Anstiegs als deutlich ist hier nicht abgesichert. Als mögliche Erklärung gelten ein höherer Widerstand in den oberen Atemwegen und veränderte Abläufe des REM-Schlafs. Beides könnte den Übergang zum Wachzustand stören. Ein Wechsel auf die Seite könnte Episoden seltener machen. Wie groß dieser Effekt ist, ob er viele Menschen betrifft und ob die vorgeschlagenen Mechanismen ihn erklären, bleibt offen.
Kann Melatonin eine Schlafparalyse auslösen?
Dafür gibt es keine starken direkten Belege. Die Annahme, Melatonin könne Zeitpunkt und Intensität des REM-Schlafs verändern, besonders bei höheren Dosierungen, wird mit einer Übersichtsarbeit im British Journal of Pharmacology verknüpft. Ein erhöhtes Schlafparalyse-Risiko folgt daraus nicht. Auch der Vorschlag, bei häufigeren Episoden unter der Einnahme auf 0,5 bis 1 mg zu reduzieren, ist für diese Beschwerden nicht abgesichert. Da Menschen unterschiedlich reagieren, sind Veränderungen der Episoden wichtig für das Gespräch mit einer medizinischen Fachperson über Beschwerden und eine mögliche Dosisanpassung.
Welche Schlafposition eignet sich am besten, um Schlafparalysen zu vermeiden?
Die Seitenlage wird mit weniger Episoden in Verbindung gebracht als die Rückenlage. Grundsätzlich kommen beide Seiten infrage. Zusätzliche mögliche Vorteile der linken Seite für Verdauung und Kreislauf sind hier nicht konkret belegt. Ein Seitenschläferkissen kann die seitliche Position stützen und helfen, das Zurückrollen auf den Rücken zu vermeiden.
Warum treten Schlafparalysen nur in Rückenlage auf?
Eine mögliche Erklärung betrifft die Atmung: In Rückenlage kann der Widerstand in den oberen Atemwegen steigen und leichte Atemstörungen während des REM-Schlafs begünstigen. Diese könnten den Schlaf unterbrechen, sodass das Bewusstsein zurückkehrt, bevor die REM-Atonie vollständig abgeklungen ist. Die Seitenlage kann die Atemwege offener halten. Ob sie dadurch auch die REM-Zyklen stabilisiert oder ob dieser Mechanismus die Episoden im Einzelfall erklärt, lässt sich daraus nicht feststellen. Beides bedarf einer klinischen Prüfung.
Kann ein Kissen eine Schlafparalyse verhindern?
Kissen können möglicherweise helfen, eine günstigere Schlafposition beizubehalten. Hinter dem Rücken erschweren sie das Zurückrollen in die Rückenlage; ein Seitenschläferkissen stützt die Seitenlage. Ein leicht erhöht gelagerter Kopf könnte außerdem den Atemwegswiderstand verringern. Ob dadurch auch Episoden seltener werden, ist hier nicht direkt belegt. Bestehen weitere Risikofaktoren, ist es unwahrscheinlich, dass Kissen allein alle Episoden verhindern.
Kommen Schlafparalysen in bestimmten Schlafpositionen häufiger vor?
Die Rückenlage wird mit häufigeren Episoden in Verbindung gebracht. Ob sie im Vergleich aller Positionen den stärksten Zusammenhang zeigt und sowohl in Bauchlage als auch in Seitenlage weniger Episoden auftreten, ist anhand der hier genannten Belege noch zu klären. Als mögliche Erklärungen werden die Mechanik der Atemwege, die Wirkung der Schwerkraft auf den weichen Gaumen und Einflüsse der Körperposition auf Intensität und Dauer des REM-Schlafs angeführt. Auch diese Mechanismen sind nicht gesichert.
Tritt beim Schlafen auf dem Rücken jedes Mal eine Schlafparalyse auf?
Nein. Viele Menschen schlafen regelmäßig auf dem Rücken und erleben nie eine Schlafparalyse. Selbst wenn die Position das Risiko erhöht, macht sie eine Episode nicht unvermeidlich. Häufig wird ein Zusammenspiel mit weiteren Faktoren wie Schlafmangel, Stress oder einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus angenommen. Die dazu angeführte Übersichtsarbeit in Translational Psychiatry befasst sich mit Störungen des zirkadianen Rhythmus und psychischer Gesundheit. Ob sie das konkrete Zusammenwirken bei Schlafparalyse belegt, bleibt offen.
Ist Melatonin bei Schlafparalysen sinnvoll?
Aus den hier genannten Angaben ergibt sich keine pauschale Einnahmeempfehlung bei Schlafparalyse. Niedrig dosiertes Melatonin mit 0,5 bis 1 mg wird als im Allgemeinen sicher und möglicherweise hilfreich beschrieben, um den Einschlafzeitpunkt zu beeinflussen. Diese Einordnung wird mit der bereits genannten Übersichtsarbeit im British Journal of Pharmacology begründet, ist hier aber nicht abschließend geprüft. Sie bedeutet keinen nachgewiesenen Nutzen gegen Schlafparalysen.
Falls eine Einnahme infrage kommt und bereits Episoden aufgetreten sind, wird als vorsichtiger Ansatz vorgeschlagen, mit der niedrigsten Dosis zu beginnen und Veränderungen von Häufigkeit oder Intensität zu beobachten. Die Empfehlung, hoch dosierte Präparate mit 5 bis 10 mg zu meiden, beruht auf der Vermutung, dass sie die REM-Schlafstruktur eher verändern könnten. Beide Empfehlungen müssen für die jeweilige Person fachlich eingeordnet werden. Ob die Dosis das Schlafparalyse-Risiko beeinflusst, ist weiterhin offen.
Literatur und Quellen
- Tassi P, Muzet A (2000). Sleep inertia. Sleep medicine reviews, 4(4), 341-353. https://doi.org/10.1053/smrv.2000.0098 — PubMed
- Cheyne JA (2002). Situational factors affecting sleep paralysis and associated hallucinations: position and timing effects. Journal of sleep research, 11(2), 169-77. https://doi.org/10.1046/j.1365-2869.2002.00297.x — PubMed
- Kunz D, Mahlberg R, Müller C, Tilmann A, Bes F (2004). Melatonin in patients with reduced REM sleep duration: two randomized controlled trials. The Journal of clinical endocrinology and metabolism, 89(1), 128-34. https://doi.org/10.1210/jc.2002-021057 — PubMed
- Denis D, French CC, Rowe R, Zavos HM, Nolan PM, Parsons MJ, Gregory AM (2015). A twin and molecular genetics study of sleep paralysis and associated factors. Journal of sleep research, 24(4), 438-46. https://doi.org/10.1111/jsr.12282 — PubMed
- Zisapel N (2018). New perspectives on the role of melatonin in human sleep, circadian rhythms and their regulation. British journal of pharmacology, 175(16), 3190-3199. https://doi.org/10.1111/bph.14116 — PubMed
- Walker WH, Walton JC, DeVries AC, Nelson RJ (2020). Circadian rhythm disruption and mental health. Translational psychiatry, 10(1), 28. https://doi.org/10.1038/s41398-020-0694-0 — PubMed
Weiterführende Informationsseiten. Sie sind keine eigenständigen wissenschaftlichen Nachweise für die jeweiligen Aussagen:
- Melatonin
- Cortisol
- Stressresilienz und Gleichgewicht des Nervensystems
- Nährstoffstatus und Mangelzustände
- Magnesium
- Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)
Quellen
- Tassi P, Muzet A (2000). Sleep inertia. Sleep medicine reviews, 4(4), 341-353. https://doi.org/10.1053/smrv.2000.0098 PubMed
- Cheyne JA (2002). Situational factors affecting sleep paralysis and associated hallucinations: position and timing effects. Journal of sleep research, 11(2), 169-77. https://doi.org/10.1046/j.1365-2869.2002.00297.x PubMed
- Kunz D, Mahlberg R, Müller C, Tilmann A, Bes F (2004). Melatonin in patients with reduced REM sleep duration: two randomized controlled trials. The Journal of clinical endocrinology and metabolism, 89(1), 128-34. https://doi.org/10.1210/jc.2002-021057 PubMed
- Denis D, French CC, Rowe R, Zavos HM, Nolan PM, Parsons MJ, Gregory AM (2015). A twin and molecular genetics study of sleep paralysis and associated factors. Journal of sleep research, 24(4), 438-46. https://doi.org/10.1111/jsr.12282 PubMed
- Zisapel N (2018). New perspectives on the role of melatonin in human sleep, circadian rhythms and their regulation. British journal of pharmacology, 175(16), 3190-3199. https://doi.org/10.1111/bph.14116 PubMed
- Walker WH, Walton JC, DeVries AC, Nelson RJ (2020). Circadian rhythm disruption and mental health. Translational psychiatry, 10(1), 28. https://doi.org/10.1038/s41398-020-0694-0 PubMed