DSIP: Was ist über das Delta-Schlaf-induzierende Peptid bekannt?
Klinische Prüfung ausstehend
DSIP wird für Schlaf und Stress angeboten, doch ein Nutzen beim Menschen ist nicht belastbar belegt. Ein Überblick über Geschichte, vermutete Wirkweisen und die begrenzte Forschung.

Für DSIP als Mittel gegen Schlafprobleme oder Stress gibt es bislang keine belastbaren Belege beim Menschen. Zwar wird das Peptid dafür angeboten, doch die wenigen älteren Humanstudien lieferten uneinheitliche Ergebnisse. Ein Nutzen, der sich in weiteren Studien zuverlässig bestätigen ließ, ist nicht nachgewiesen. Auch die Rolle von DSIP im Körper bleibt unklar.
Was ist DSIP?
DSIP steht für „delta sleep-inducing peptide“, auf Deutsch etwa „Delta-Schlaf-induzierendes Peptid“. Ein Peptid ist eine Kette aus Aminosäuren; bei DSIP sind es neun. Forschende isolierten es erstmals vor Jahrzehnten aus dem Blut schlafender Kaninchen. Im Wellnessbereich und bei Anbietern sogenannter „Forschungspeptide“ wird DSIP für Schlaf und Stress verkauft. Seine Funktion im Körper ist jedoch kaum verstanden, und es ist kein zugelassenes Arzneimittel.
Wie wurde DSIP entdeckt?
Die Entdeckung von DSIP in den 1970er-Jahren ging auf eine Frage der Schlafforschung zurück: Gibt es im Blut eine Substanz, die Schlaf auslöst? Der in der Schweiz tätige Physiologe Marcel Monnier und seine Kollegen verbanden dafür die Blutkreisläufe von Kaninchen. Bei einem Tier stimulierten sie elektrisch eine Gehirnregion, die am Schlaf beteiligt ist, und leiteten sein Blut zu einem zweiten Tier. Dessen Gehirn zeigte daraufhin langsame Wellen mit hoher Amplitude. Diese sogenannten Delta-Wellen sind typisch für den Tiefschlaf. Der Versuch deutete darauf hin, dass eine schlaffördernde Substanz mit dem Blut zum zweiten Tier gelangt war.
1977 isolierten Guido Schoenenberger, Monnier und ihre Mitarbeitenden diese Substanz und stellten sie synthetisch her (1). Das Peptid bestand aus neun Aminosäuren. Weil die Forschenden es mit dem Delta-Wellen-Schlaf in Verbindung brachten, nannten sie es „delta sleep-inducing peptide“. Durch die synthetische Herstellung konnten sie es anschließend weiter untersuchen.
In den folgenden Jahrzehnten erforschten Wissenschaftler auch, ob DSIP bei Stress, der Körpertemperatur, Schmerzen und antioxidativen Prozessen eine Rolle spielt. Trotz nahezu fünfzig Jahren Forschung ist weder ein Wirkmechanismus bestätigt noch eine zugelassene Therapie daraus entstanden. DSIP bleibt eine experimentelle Substanz.
Wie wirkt DSIP?
Wie DSIP wirkt, ist bislang nicht geklärt. Untersucht werden mehrere mögliche Funktionen:
- DSIP könnte an der Regulation des Schlafs beteiligt sein.
- Es könnte die körperliche Stressreaktion über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse beeinflussen. Diese kurz HPA-Achse genannte Verbindung zwischen Gehirn und Nebennieren steuert die hormonelle Stressreaktion.
- Diskutiert wird außerdem eine antioxidative Wirkung, also eine Wirkung gegen oxidative Prozesse.
Ein Rezeptor, an den DSIP bindet und über den es seine Wirkung ausübt, ist nicht bestätigt. Auch der Zusammenhang mit Schlaf, dem das Peptid seinen Namen verdankt, geht auf frühe Tierversuche zurück. Wie oder ob DSIP den menschlichen Schlaf beeinflusst, lässt sich daraus nicht verlässlich erklären. Die vermuteten Funktionen belegen keinen gesundheitlichen Nutzen.
Ist DSIP von der FDA zugelassen?
Nein. DSIP ist nicht von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Dass es als „Forschungspeptid“ erhältlich ist, sagt nichts über eine Zulassung als Medikament aus.
Was zeigt die Forschung?
Nur wenige ältere Studien haben DSIP am Menschen untersucht. Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren befassten sich mit Schlaflosigkeit (2), chronischen Schmerzen (3) und Entzugszuständen (4). Ihre Ergebnisse waren uneinheitlich. Die meisten Studien waren klein und hatten keine Kontrollgruppe. Ohne eine solche Vergleichsgruppe lässt sich schwer beurteilen, ob beobachtete Veränderungen tatsächlich auf DSIP zurückgehen.
Ein Nutzen, der sich in modernen, methodisch gut durchgeführten Studien wiederholt bestätigen ließ, ist nicht nachgewiesen. Damit fehlt eine belastbare Grundlage, um DSIP zur Verbesserung des Schlafs oder zur Linderung von Stress einzusetzen.