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Erythem: Was Hautrötungen bedeuten und welche Ursachen dahinterstecken

Klinische Prüfung ausstehend

Was ein Erythem ist, wie sich Erythema multiforme und Erythema nodosum unterscheiden und wann wiederkehrende Hautveränderungen eine weitergehende Abklärung erfordern.

Eine Hautrötung allein verrät noch nicht, was sie verursacht. Ein Erythem entsteht, wenn die feinen Blutgefäße nahe der Hautoberfläche stärker durchblutet werden. Der Begriff beschreibt einen Befund, keine eigenständige Diagnose. Dahinter können etwa Infektionen, Immunreaktionen oder Medikamente stecken. Form und Verteilung der Hautveränderungen sowie begleitende Beschwerden helfen, die Ursache einzugrenzen.

Zwei wichtige Krankheitsbilder sind das Erythema multiforme mit zielscheibenförmigen Hautveränderungen und das Erythema nodosum mit schmerzhaften Knoten, meist an den Schienbeinen. Kehren die Beschwerden wieder, sind die Schleimhäute stark betroffen oder kommen Symptome wie Fieber hinzu, kann eine weitergehende ärztliche Abklärung nötig sein.

Was ein Erythem ist und wo es entsteht

Bei einem Erythem werden die oberflächennahen Kapillaren, die feinsten Blutgefäße, stärker durchblutet. Die Haut rötet sich als Reaktion auf einen anderen Vorgang: etwa eine Infektion, eine Immunreaktion, ein Medikament oder eine Entzündung an anderer Stelle im Körper. Druck lässt die Rötung vorübergehend verblassen, weil er das Blut aus den Kapillaren verdrängt. Bei Hautblutungen wie Purpura oder Petechien bleibt die Verfärbung dagegen bestehen. Hier ist Blut aus den Gefäßen ins Gewebe ausgetreten.

Die Rötung kann auf eine Stelle begrenzt sein oder größere Körperbereiche betreffen, plötzlich auftreten oder sich allmählich entwickeln. Für die Ursachenklärung zählt deshalb neben dem Aussehen auch, wo und wann sie auftritt und welche Beschwerden hinzukommen. Beim Erythema multiforme und beim Erythema nodosum vermitteln Immunreaktionen die Hautveränderungen. Infektionen oder Medikamente können beide auslösen. Die sichtbaren Veränderungen können somit auch auf Vorgänge im übrigen Körper hinweisen.

Erythema multiforme: Eine Immunreaktion, die häufig mit einem Virus beginnt

Das Erythema multiforme ist eine akute Überempfindlichkeitsreaktion. Typisch sind Hautveränderungen, die an eine Zielscheibe erinnern: Ein blasser und ein äußerer roter Ring umgeben einen dunklen Fleck. Der Ausschlag zeigt sich meist an Händen, Füßen und im Gesicht; auch die Schleimhäute können betroffen sein. Häufigster Auslöser ist das Herpes-simplex-Virus, insbesondere HSV-1. Sichtbare Lippenbläschen müssen dabei nicht auftreten. Fragmente der viralen DNA können in Hautzellen verbleiben und noch Wochen nach der ursprünglichen Infektion eine Immunreaktion auslösen. DermNet, Cleveland Clinic.

Daran sind CD8+-T-Zellen beteiligt. Diese Immunzellen erkennen Strukturen des Virus, sogenannte virale Antigene, in der Haut und lösen eine Entzündung aus. Die Hautveränderungen entstehen durch die überschießende Antwort auf Virusbestandteile; sie sind keine direkte Virusinfektion der Haut. Als weitere mögliche Auslöser gelten:

  • Mycoplasma pneumoniae, ein Erreger atypischer Lungenentzündungen. Eine solche Infektion geht dem Ausschlag häufig um ein bis zwei Wochen voraus.
  • Medikamente wie Sulfonamide und Antikonvulsiva, also Mittel gegen Krampfanfälle. Die Reaktion tritt typischerweise ein bis drei Wochen nach Beginn der Einnahme auf.
  • Impfungen, die seltener als Infektionen oder Medikamente als Auslöser genannt werden.

Manchmal bleibt der Auslöser unbekannt. Bei den meisten Betroffenen klingt die Erkrankung innerhalb von zwei bis vier Wochen von selbst ab. Sie kann jedoch wiederkehren. Solche Rückfälle werden mit erneuten Aktivierungen des Herpes-simplex-Virus in Verbindung gebracht.

Wie Erythema multiforme mit der Immunreaktion auf HSV zusammenhängt

Herpes-simplex-Viren verbleiben lebenslang in einem Ruhezustand in Nervenzellen und können zeitweise wieder aktiv werden. Bei manchen Menschen löst diese Reaktivierung eine überschießende Immunantwort mit den typischen Hautveränderungen des Erythema multiforme aus. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, wie hoch die Viruslast ist, also welche Virusmenge vorliegt, oder ob sie mit dem Schweregrad der Hautveränderungen zusammenhängt.

Bei wiederkehrendem Erythema multiforme werden veränderte T-Zell-Antworten auf HSV-Antigene beschrieben. Als mögliche Einflüsse auf diese Reaktionen kommen Stress, andere Infektionen und eine genetische Anfälligkeit infrage. Wie viel sie jeweils zum Krankheitsverlauf beitragen, bleibt hier offen. Die Erkrankung tritt häufiger bei jungen Erwachsenen auf. Bei wiederholten Episoden kann die ärztliche Abklärung neben dem unmittelbaren Auslöser auch die individuelle Immunreaktion berücksichtigen.

Was Schübe und den Schweregrad des Erythema multiforme beeinflusst

Wenn eine HSV-Reaktivierung das Erythema multiforme auslöst, können auch Faktoren eine Rolle spielen, die das Virus erneut aktivieren. Dazu zählen:

  • UV-Strahlung, die eine Reaktivierung latenter, also ruhender Viren begünstigen kann.
  • Fieber.
  • Stress.
  • Die Menstruation; als mögliche Erklärung gelten hormonelle Einflüsse auf die Immunfunktion.
  • Eine Unterdrückung des Immunsystems durch Erkrankungen oder Medikamente.

Auch Medikamente werden mit Erythema multiforme in Verbindung gebracht. Dazu gehören Sulfonamid-Antibiotika, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Antikonvulsiva und Allopurinol. Die Reaktion tritt meist ein bis drei Wochen nach Beginn der Einnahme auf. Bei erneuter Einnahme kann sie früher einsetzen.

Mycoplasma pneumoniae wird besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen als Auslöser beschrieben. Auch nach Infektionen mit Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus und bestimmten Pilzen wurden Fälle berichtet. Manchmal lässt sich trotz gründlicher Untersuchung keine eindeutige Ursache finden. Dafür steht der Begriff „idiopathisch“.

Warum dieselbe Erkrankung bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aussieht

Beim Erythema multiforme minor sind die Schleimhäute kaum oder gar nicht betroffen. Beim Erythema multiforme major entstehen dagegen ausgedehnte oberflächliche Schleimhautdefekte, besonders im Mund und an den Augen. Sie können erhebliche Beschwerden verursachen. Die Unterscheidung beruht auf dem sichtbaren Krankheitsbild, nicht auf unterschiedlichen Befunden bei der mikroskopischen Gewebeuntersuchung. Der zugrunde liegende Immunmechanismus ist derselbe; Stärke und Verteilung der Reaktion unterscheiden sich.

Die individuelle Immunantwort kann zu dieser Bandbreite beitragen. Bei manchen Menschen bleibt die Reaktion auf virale Antigene örtlich begrenzt, bei anderen breitet sich die Entzündung aus. Auch genetische Merkmale wie der HLA-Typ kommen als Einfluss infrage. HLA-Moleküle helfen dem Immunsystem, Antigene zu erkennen.

Als weitere mögliche Einflüsse werden frühere Kontakte mit dem Auslöser, Alter, Geschlecht und die grundlegende Immunfunktion diskutiert. Wie stark diese Faktoren den Verlauf bestimmen, lässt sich daraus noch nicht sagen. Auch die Annahmen, dass erste Episoden schwerer verlaufen und Frauen häufiger Rückfälle erleben, bleiben ohne konkrete Belege unsicher.

Wann Hautsymptome auf einen Vorgang im ganzen Körper hinweisen

Ein Erythema multiforme klingt meist von selbst ab. Wiederkehrende oder schwere Verläufe und zusätzliche Allgemeinsymptome geben jedoch Anlass, nach dem Auslöser zu suchen. Wenn HSV dahintersteckt, kann eine vorbeugende antivirale Behandlung mit Aciclovir oder Valaciclovir Rückfälle verhindern. Steht ein Medikament im Verdacht, gehört dessen Absetzen zur ärztlichen Behandlung.

Stark betroffene Schleimhäute erfordern besondere Aufmerksamkeit. An den Augen können Komplikationen bis hin zu Narbenbildung und Sehverlust auftreten; dann sind eine intensive Behandlung und eine dringliche augenärztliche Beurteilung nötig. Fieber, Krankheitsgefühl oder Gelenkschmerzen können auf eine Entzündung hinweisen, die über die Haut hinausgeht. Je nach Beschwerden kommen Untersuchungen auf zugrunde liegende Infektionen sowie auf Autoimmun- und Entzündungsmarker infrage. Bei schweren Haut- und Schleimhautreaktionen muss auch ein Stevens-Johnson-Syndrom in Betracht gezogen werden, das eine stationäre Behandlung erfordert. NCBI: Erythema Multiforme.

Erythema nodosum: Entzündung der Fettschicht unter der Haut

Wie Erythema nodosum aussieht und wer betroffen ist

Beim Erythema nodosum entzündet sich das Unterhautfettgewebe. Der Fachbegriff dafür lautet Pannikulitis. Typisch sind gerötete, erhabene Knoten an den Schienbeinen. Sie fühlen sich warm an, schmerzen und reagieren empfindlich auf Druck. Offene Geschwüre entstehen dabei nicht, und die Knoten sondern keine Flüssigkeit ab. Über mehrere Wochen wechselt ihre Farbe von Rot über Violett zu Gelbbraun, ähnlich wie bei einem Bluterguss. Betroffen sind vor allem Erwachsene im jungen bis mittleren Lebensalter, Frauen häufiger als Männer. Cleveland Clinic.

Häufige Auslöser und begleitende Erkrankungen

Das Erythema nodosum entsteht als Überempfindlichkeitsreaktion auf einen zugrunde liegenden Auslöser. Häufig sind das Streptokokkeninfektionen, Sarkoidose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Tuberkulose oder bestimmte Medikamente, darunter orale Verhütungsmittel und Antibiotika. Oft bleibt die Ursache unbekannt.

Meist klingt die Erkrankung innerhalb von sechs Wochen von selbst ab. Sie kann aber wiederkehren. Bei wiederholten Episoden sollte ärztlich geklärt werden, ob eine chronische Infektion, eine Autoimmunerkrankung oder eine bösartige Erkrankung dahintersteckt.

Wie Erythema nodosum mit Immun- und Entzündungsprozessen zusammenhängt

Beim Erythema nodosum kann eine Entzündung im Körper die Knoten unter der Haut auslösen. Immunzellen wandern in die Fettschicht ein und setzen entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Dadurch schwillt das Gewebe an, schmerzt und rötet sich. Vor allem die bindegewebigen Trennwände zwischen den Fettläppchen entzünden sich, weniger die Fettzellen selbst. Diese Form heißt septale Pannikulitis.

Ein enger Zusammenhang besteht mit der Sarkoidose. Bei dieser systemischen, also mehrere Körperbereiche betreffenden Erkrankung bilden sich entzündliche Zellansammlungen in verschiedenen Organen, sogenannte Granulome. Erythema nodosum gehört zu den charakteristischen Merkmalen des Löfgren-Syndroms, einer akuten Form der Sarkoidose. Dazu kommen Gelenkentzündungen und beidseitig vergrößerte Lymphknoten an den Lungenwurzeln. DermNet: Löfgren syndrome.

Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, besonders Morbus Crohn, tritt Erythema nodosum auf. Die Knoten erscheinen oft während eines Krankheitsschubs. Das könnte auf gemeinsame Entzündungswege hindeuten. Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist eine durch Streptokokken verursachte Rachenentzündung ein häufiger Auslöser. Die Hautveränderungen treten dann typischerweise zwei bis drei Wochen nach der Infektion auf.

Was Schübe und den Schweregrad des Erythema nodosum beeinflusst

Infektionen, Medikamente und systemische Entzündungserkrankungen gehören zu den wichtigsten Auslösern:

  • Streptokokkeninfektionen sind die häufigsten infektiösen Auslöser, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen.
  • Tuberkulose muss vor allem in Regionen berücksichtigt werden, in denen sie häufig vorkommt.
  • Auch Infektionen mit Yersinien, Salmonellen und Campylobacter wurden als Auslöser beschrieben.
  • Unter den Medikamenten werden häufig orale Verhütungsmittel, Sulfonamide und Penicilline genannt.
  • Sarkoidose und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind die häufigsten begleitenden systemischen Erkrankungen.

Löst ein Medikament die Reaktion aus, tritt sie typischerweise innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Einnahme auf. Bei Sarkoidose und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann das Erythema nodosum zur Grunderkrankung gehören. Weitere Zusammenhänge bestehen mit Morbus Behçet, Lupus und bösartigen Erkrankungen, insbesondere Lymphomen. Auch eine Schwangerschaft kann die Erkrankung auslösen; als mögliche Erklärung gelten hormonelle und immunologische Veränderungen.

In bis zu 50 % der Fälle findet sich trotz gründlicher Untersuchung kein bestimmter Auslöser. Solche idiopathischen Fälle klingen tendenziell von selbst ab und haben eine gute Prognose.

Warum Erythema nodosum unterschiedlich verläuft

Frauen sind ungefähr im Verhältnis 3:1 häufiger betroffen als Männer. Hormonelle Einflüsse auf die Immunantwort gelten als mögliche Erklärung. Östrogen beeinflusst die Immunfunktion; Veränderungen des Östrogenspiegels im Zusammenhang mit oralen Verhütungsmitteln oder einer Schwangerschaft können eine Rolle spielen. Auch die genetische Veranlagung trägt zur Anfälligkeit bei. Bestimmte HLA-Typen sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, besonders im Zusammenhang mit Sarkoidose.

Wie schwer und wie lange die Erkrankung verläuft, unterscheidet sich deutlich. Wenige Knoten können innerhalb von Wochen abheilen, ausgedehnte und schmerzhafte Veränderungen dagegen über Monate bestehen bleiben. Häufig hängt das vom Auslöser ab. Infektionsbedingte Fälle klingen meist ab, sobald die Infektion behandelt ist. Bei Sarkoidose können die Beschwerden anhalten oder wiederkehren und auf eine fortbestehende Entzündung im Körper hinweisen. Idiopathische Fälle haben im Allgemeinen die beste Prognose: Die meisten heilen innerhalb von sechs Wochen ab und treten nicht erneut auf.

Wann Hautsymptome auf eine systemische Erkrankung hinweisen

Ärztinnen und Ärzte erkennen ein Erythema nodosum am klinischen Erscheinungsbild und suchen anschließend nach dem Auslöser. Dazu fragen sie nach kürzlich durchgemachten Infektionen, eingenommenen Medikamenten und Beschwerden, die über die Haut hinausgehen. Häufig folgt eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, um nach Hinweisen auf Sarkoidose oder Tuberkulose zu suchen.

Blutuntersuchungen können Hinweise auf Infektionen oder Entzündungen liefern. Dazu zählen die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG; englisch ESR), das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) und der Antistreptolysin-O-Titer. Letzterer erfasst Antikörper gegen ein Protein, das Streptokokken bilden. Merck Manual.

Bei Verdacht auf Sarkoidose können weitere Untersuchungen folgen, etwa eine Messung des Angiotensin-konvertierenden Enzyms im Blutserum und Lungenfunktionstests. Deuten die Beschwerden auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hin, kommen eine Darmspiegelung und bildgebende Untersuchungen infrage.

Kehrt ein Erythema nodosum ohne offensichtlichen Auslöser wieder, sollten auch chronische Infektionen, Autoimmunerkrankungen und bösartige Erkrankungen als mögliche Ursachen abgeklärt werden. Die Hautveränderungen selbst sind gutartig. Wie die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln ist, hängt von der Diagnose ab.

Was Laborwerte bei anhaltenden Hautveränderungen zeigen können

Bei anhaltendem oder wiederkehrendem Erythem sowie bei zusätzlichen Allgemeinsymptomen können Laboruntersuchungen helfen, die Ursache einzugrenzen. Welche Werte sinnvoll sind, richtet sich nach den Beschwerden und der ärztlichen Fragestellung:

  • Entzündungsmarker wie hsCRP und BSG können bei Erythema nodosum erhöht sein und Hinweise auf die Krankheitsaktivität geben.
  • Antinukleäre Antikörper (ANA) und der Rheumafaktor sind immunologische Marker. Bei entsprechendem Verdacht können sie zur Abklärung einer Autoimmunerkrankung beitragen.
  • Streptokokken-Antikörpertiter, Tuberkulosetests und virale Antikörperuntersuchungen können helfen, infektiöse Auslöser zu erkennen.
  • Untersuchungen der Schilddrüsenfunktion, von Vitamin D und Ferritin liefern Informationen über die Schilddrüsenfunktion beziehungsweise den Vitamin-D- und Eisenstatus. Ein möglicher Einfluss auf die Immunfunktion erklärt für sich genommen noch nicht das konkrete Erythem.

Bei wiederkehrendem Erythema multiforme kann untersucht werden, ob eine dauerhaft bestehende Herpes-simplex-Infektion mit den Schüben zusammenhängt. Beim Erythema nodosum können Aufnahmen des Brustkorbs und Entzündungsmarker zur Ursachenklärung und Behandlungsplanung beitragen. Wiederholte Messungen können zusätzliche Hinweise zum Verlauf liefern; ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von der Fragestellung ab.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Erythem, und wodurch unterscheidet es sich von anderen Hautveränderungen?

Ein Erythem ist eine Hautrötung, die entsteht, wenn die oberflächennahen Kapillaren stärker durchblutet werden. Auslöser können Infektionen, Immunreaktionen, Medikamente oder Entzündungen an anderer Stelle im Körper sein. Unter Druck verblasst die Rötung, weil das Blut aus den Kapillaren verdrängt wird. Bei Hautblutungen wie Purpura oder Petechien bleibt die Verfärbung dagegen bestehen: Hier ist Blut aus den Gefäßen ins Gewebe ausgetreten. „Erythem“ beschreibt einen Befund, keine eigenständige Diagnose. Das Muster der Rötung, ihre Verteilung und begleitende Beschwerden helfen, die Ursache einzugrenzen.

Was ist ein Erythem, und wie unterscheidet es sich von anderen Formen der Hautrötung?

Bei einem Erythem werden die feinen Blutgefäße nahe der Hautoberfläche stärker durchblutet. Das kann etwa als Reaktion auf eine Infektion, eine Immunreaktion oder eine Entzündung an anderer Stelle im Körper geschehen. Ein wichtiges Merkmal: Die Rötung verblasst unter Druck, weil sich das Blut aus den Kapillaren verdrängen lässt. Bei Purpura oder Petechien ist Blut aus den Gefäßen ausgetreten. Diese Verfärbungen verschwinden deshalb unter Druck nicht. Der Begriff Erythem beschreibt die Hautveränderung, sagt aber allein noch nichts über ihre Ursache aus.

Was verursacht Erythema multiforme, und warum kehrt es immer wieder zurück?

Das Erythema multiforme ist eine akute Überempfindlichkeitsreaktion mit zielscheibenförmigen Hautveränderungen. Häufigster Auslöser ist das Herpes-simplex-Virus, insbesondere HSV-1. Dafür müssen keine aktiven Lippenbläschen sichtbar sein: Fragmente viraler DNA können in Hautzellen verbleiben und noch Wochen nach der ursprünglichen Infektion eine Immunreaktion auslösen. Wiederkehrende Episoden werden mit erneuten Aktivierungen von HSV in Verbindung gebracht. Das Virus kann also auch dann eine Rolle spielen, wenn zum Zeitpunkt des Ausschlags keine sichtbaren Herpesbläschen bestehen.

Wie hängt Erythema multiforme mit Immunfunktion und Viruslast zusammen?

Bei HSV-assoziiertem Erythema multiforme reagiert das Immunsystem auf Bestandteile des Virus. HSV verbleibt lebenslang in Nervenzellen und kann zeitweise wieder aktiv werden. Als Antwort auf HSV-Antigene in der Haut können CD8+-T-Zellen eine überschießende Entzündung auslösen. So entstehen die charakteristischen Hautveränderungen. Bei wiederkehrenden Verläufen werden veränderte T-Zell-Antworten beschrieben. Stress, andere Infektionen und genetische Faktoren kommen als mögliche Einflüsse infrage; ihr jeweiliger Beitrag bleibt offen. Über eine bestimmte Viruslast, also die vorhandene Virusmenge, sagt diese Immunreaktion nichts aus.

Was ist Erythema nodosum, und wie unterscheidet es sich von Erythema multiforme?

Beim Erythema nodosum entzündet sich das Unterhautfettgewebe; diese Entzündung heißt Pannikulitis. Es entstehen druckempfindliche, erhabene, rote Knoten, meist an den Schienbeinen. Beim Erythema multiforme sind dagegen zielscheibenförmige Hautveränderungen typisch. Erythema nodosum ist eine Überempfindlichkeitsreaktion, etwa auf eine Streptokokkeninfektion, Sarkoidose oder chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Die Knoten wechseln über mehrere Wochen ihre Farbe von Rot über Violett zu Gelbbraun. Sie bilden keine offenen Geschwüre und sondern keine Flüssigkeit ab.

Welche Erkrankungen stehen häufig mit Erythema nodosum in Zusammenhang?

Häufig tritt Erythema nodosum im Zusammenhang mit Streptokokkeninfektionen auf, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen. Weitere begleitende Erkrankungen sind Sarkoidose und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Bei Morbus Crohn erscheinen die Knoten oft während eines Krankheitsschubs. Auch Tuberkulose sowie Medikamente wie orale Verhütungsmittel, Sulfonamide und Penicilline werden häufig als Auslöser genannt. Erythema nodosum gehört zudem zu den charakteristischen Merkmalen des Löfgren-Syndroms, einer akuten Form der Sarkoidose. In bis zu 50 % der Fälle lässt sich kein bestimmter Auslöser feststellen.

Wann weisen Hautsymptome bei einem Erythem auf eine systemische Ursache hin, die abgeklärt werden sollte?

Kehrt ein Erythema multiforme wieder, sollte der Auslöser der Immunreaktion abgeklärt werden. Besonders relevant ist eine dauerhaft bestehende HSV-Infektion; eine vorbeugende antivirale Behandlung kann die Reaktivierung unterdrücken. Sind die Schleimhäute stark betroffen, vor allem an den Augen, drohen Komplikationen wie Narbenbildung und Sehverlust. Das erfordert eine dringliche augenärztliche Beurteilung. Bei wiederkehrendem Erythema nodosum ohne offensichtlichen Auslöser sollten chronische Infektionen, Autoimmunerkrankungen und bösartige Erkrankungen, einschließlich Lymphomen, als mögliche Ursachen abgeklärt werden.

Welche Biomarker helfen, die Ursachen eines anhaltenden Erythems zu erkennen?

Das hängt davon ab, welche Ursache vermutet wird. Die Entzündungsmarker hsCRP und BSG können bei Erythema nodosum erhöht sein und Hinweise auf die Krankheitsaktivität geben. ANA und Rheumafaktor können bei entsprechendem Verdacht helfen, autoimmune Ursachen abzuklären. Streptokokken-Antikörpertiter, Tuberkulosetests und virale Antikörperuntersuchungen kommen bei der Suche nach infektiösen Auslösern infrage.

Schilddrüsenwerte, Vitamin D und Ferritin geben Auskunft über die Schilddrüsenfunktion beziehungsweise den Vitamin-D- und Eisenstatus. Solche Befunde können im Zusammenhang mit der Immunregulation betrachtet werden; ihre Bedeutung für das konkrete Erythem ist damit aber noch nicht geklärt. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach der klinischen Fragestellung. Bei wiederkehrendem Erythema multiforme gehört dazu auch ein möglicher Zusammenhang mit einer dauerhaft bestehenden HSV-Infektion.

Quellen