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Nachtkerzenöl bei Gewichtszunahme in den Wechseljahren: Was ist belegt?

Klinische Prüfung ausstehend

Kann Nachtkerzenöl Gewicht und Hitzewallungen in den Wechseljahren beeinflussen? Was Studien zeigen, welche Fragen offen sind und welche Alternativen es gibt.

Nachtkerzenöl wird bei Wechseljahrsbeschwerden empfohlen, von Hitzewallungen bis zur Gewichtszunahme. Reformhäuser und Wellness-Blogs bewerben es entsprechend. Die Studienlage zu seinem Einfluss auf das Gewicht ist allerdings deutlich weniger überzeugend als die Werbung.

Was enthält Nachtkerzenöl?

Nachtkerzenöl wird aus den Samen von Oenothera biennis gewonnen, einer in Nordamerika beheimateten Pflanze. Das Öl enthält etwa 74 % Linolsäure und 9 % Gamma-Linolensäure (GLA), beides Omega-6-Fettsäuren. Der Körper wandelt GLA in Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA) um. Daraus entsteht Prostaglandin E1, ein Signalmolekül mit entzündungshemmender Wirkung.

Dieser Stoffwechselweg beeinflusst Immunreaktionen und reduziert möglicherweise Entzündungssignale auf zellulärer Ebene. Prostaglandin E1 imitiert jedoch kein Östrogen, reguliert nicht Appetithormone wie Leptin oder Ghrelin und beeinflusst die Insulinsensitivität oder den Glukosestoffwechsel nicht direkt in einer Weise, die das Gewicht signifikant beeinflussen würde.

Wie verändern die Wechseljahre Gewicht und Stoffwechsel?

Der Rückgang des Östrogenspiegels, in den Wechseljahren löst eine Reihe von Stoffwechselveränderungen aus. Östrogen beeinflusst, wo der Körper Fett speichert, und wenn der Spiegel sinkt, verlagert sich die Fettverteilung von den Hüften und Oberschenkeln zum Bauch. Viszerales Fett sammelt sich um die inneren Organe an, ist stoffwechselaktiv und erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko.

Während dieses Übergangs sinkt der Grundumsatz. Bei niedrigerem Östrogenspiegel lässt sich Muskelmasse schwerer erhalten. Da Muskelgewebe in Ruhe mehr Energie verbraucht als Fettgewebe, kann dadurch der tägliche Energiebedarf sinken. Dann ist auch bei unveränderter Ernährung eine Gewichtszunahme möglich. Um das Gewicht zu halten, kann weniger Energiezufuhr oder mehr Bewegung nötig sein als vor der Menopause.

Nachtkerzenöl wirkt diesen Mechanismen nicht entgegen. Es ersetzt kein Östrogen, erhält keine Muskelmasse und erhöht nicht die Stoffwechselrate.

Was die Forschung über Nachtkerzenöl und Gewicht zeigt

Zu Nachtkerzenöl und Gewicht liegen nur wenige, uneinheitliche klinische Daten vor. Eine doppelblinde kontrollierte Studie ergab keinen signifikanten Unterschied im Gewichtsverlust zwischen Personen, die Nachtkerzenöl einnahmen, und Personen, die Placebo einnahmen. Eine ältere Studie untersuchte speziell Nachtkerzenöl bei Menschen mit schwer behandelbarer Adipositas und kam zu dem Schluss, dass ein möglicher Effekt des Öls gegen Adipositas klinisch nicht ins Gewicht fiel. Quelle

Die meisten westlichen Ernährungsweisen enthalten bereits weitaus mehr Omega-6- als Omega-3-Fettsäuren, sodass zusätzliches Omega-6 über Nachtkerzenöl dieses Verhältnis wahrscheinlich nicht verbessern wird. Studien mit moderaten Stoffwechseleffekten verwendeten typischerweise hohe Dosen und untersuchten etwa Leberfettansammlung oder Fettsäureoxidation unter kontrollierten Bedingungen. Die hier zitierte Untersuchung zur Fettsäureoxidation wurde an Ratten durchgeführt. Diese Effekte führen bei Menschen unter Alltagsbedingungen nicht unbedingt zu bedeutenden Veränderungen des Körpergewichts oder der Körperzusammensetzung. Quelle

Nachtkerzenöl und Hitzewallungen

Einige Studien deuten darauf hin, dass Nachtkerzenöl die Intensität von Hitzewallungen reduzieren oder die Lebensqualität bei Frauen in den Wechseljahren verbessern kann, während andere gut konzipierte Studien keine Wirkung fanden. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2024 ergab, dass Nachtkerzenöl bei kurzfristiger Anwendung (unter 6 Monaten) die Schwere von Hitzewallungen leicht reduzieren kann, fand jedoch keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit oder Dauer von Hitzewallungen im Vergleich zu Placebo.

Warum die Gewichtszunahme in den Wechseljahren bei Frauen so unterschiedlich ist

Die Genetik spielt eine wichtige Rolle dabei, wie der Körper auf einen Östrogenrückgang reagiert. Bei manchen Frauen gibt es genetische Varianten, die sich auf die Fettspeicherung, die Empfindlichkeit gegenüber Appetithormonen und die Stoffwechselrate auswirken. Auch die Körperzusammensetzung vor der Menopause ist wichtig. Frauen, die mit mehr Muskelmasse in die Wechseljahre kommen, haben tendenziell einen höheren Grundumsatz.

Auch frühere Diäten können den weiteren Gewichtsverlauf beeinflussen. Wiederholte Zyklen von Gewichtsverlust und Gewichtszunahme können die Stoffwechselrate durch Stoffwechselanpassung reduzieren, was es schwieriger macht, in den Wechseljahren Gewicht zu verlieren oder den Gewichtsverlust beizubehalten. Frauen, die vor der Menopause eine höhere Insulinresistenz aufweisen, neigen dazu, während des Übergangs mehr viszerales Fett aufzubauen. Eine Insulinmessung kann helfen, das individuelle Risikoprofil einzuordnen.

Schlafqualität, Stress und hormonelle Veränderungen wirken zusammen und beeinflussen die Gewichtsentwicklung. Schlechter Schlaf erhöht Cortisol, was die Ansammlung von viszeralem Fett fördert. Chronischer Stress hat ähnliche Auswirkungen. Diese Faktoren wirken über Mechanismen, die durch eine Einnahme von Nachtkerzenöl nicht beeinflusst werden.

Welche Maßnahmen helfen bei Gewichtsveränderungen?

Die wirksamsten Maßnahmen setzen an den Mechanismen an, die zur Gewichtszunahme in den Wechseljahren führen. Durch Krafttraining bleibt die Muskelmasse erhalten, wodurch die Stoffwechselrate aufrechterhalten wird. Die Proteinzufuhr wird immer wichtiger, da sie die Muskelproteinsynthese unterstützt und das Sättigungsgefühl steigert.

Stoffwechselmarker können Veränderungen im Körper sichtbar machen. Hämoglobin A1c spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker über drei Monate wider. Triglyceride geben Hinweise auf die Verarbeitung von Nahrungsfetten und Kohlenhydraten. Hochempfindliches C-reaktives Protein misst systemische Entzündungen, die in den Wechseljahren zunehmen und mit der Ansammlung von viszeralem Fett korrelieren.

Für Frauen mit erheblichen Symptomen ist die Hormonersatztherapie nach wie vor die am besten belegte Behandlung. Niedrig dosiertes Östrogen und Progesteron können Hitzewallungen reduzieren, die Knochendichte erhalten und dazu beitragen, einige der Stoffwechselveränderungen zu verhindern, die zu einer Gewichtszunahme führen.

Stoffwechselgesundheit im Verlauf beobachten

Die Waage allein zeigt nicht, was im Stoffwechsel passiert. Das Gewicht kann gleich bleiben, obwohl Muskelmasse abnimmt und viszerales Fett zunimmt. Eine solche Veränderung der Körperzusammensetzung erhöht das Gesundheitsrisiko.

Nüchternglukose, Insulin und Hämoglobin A1c geben Hinweise auf Veränderungen des Glukosestoffwechsels. Testosteron und sexualhormonbindendes Globulin helfen, den Hormonhaushalt einzuordnen. Auch eine veränderte Schilddrüsenfunktion kann das Gewicht in dieser Lebensphase erheblich beeinflussen. Wiederholte Messungen im Abstand von einigen Monaten machen Verläufe erkennbar und können helfen, Maßnahmen anzupassen.

Häufig gestellte Fragen

Verursacht Nachtkerzenöl eine Gewichtszunahme?

Es gibt keine einheitlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen Nachtkerzenöl und Gewichtszunahme. Klinische Studien zum Vergleich von Nachtkerzenöl mit Placebo haben keine signifikanten Unterschiede bei der Gewichtsveränderung festgestellt. Die Omega-6-Fettsäuren im Nachtkerzenöl sind an Entzündungsprozessen beteiligt, nicht an den hormonellen oder metabolischen Mechanismen, die die Gewichtszunahme in den Wechseljahren vorantreiben.

Kann Nachtkerzenöl beim Abnehmen in den Wechseljahren helfen?

Die bisherigen Studien belegen keinen klinisch relevanten Nutzen von Nachtkerzenöl zur Gewichtsabnahme. Studien, in denen Nachtkerzenöl speziell bei Adipositas untersucht wurde, ergaben, dass mögliche Effekte auf das Gewicht klinisch nicht ins Gewicht fielen. Die Gewichtszunahme in den Wechseljahren wird durch einen Östrogenrückgang und Stoffwechselveränderungen verursacht, die mit Nachtkerzenöl nicht bekämpft werden können.

Ist Nachtkerzenöl besser als eine Hormonersatztherapie bei Wechseljahrsbeschwerden?

Nein. Eine Hormonersatztherapie ist bei der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden deutlich wirksamer als Nachtkerzenöl. Während einige Studien darauf hindeuten, dass Nachtkerzenöl die Intensität von Hitzewallungen leicht reduzieren kann, sind die Ergebnisse uneinheitlich. Die Hormontherapie führt das fehlende Östrogen zu. Für die Linderung von Beschwerden und für Stoffwechseleffekte liegen belastbare Belege vor.

Wie viel Nachtkerzenöl sollte man in den Wechseljahren einnehmen?

In den meisten Studien, in denen Nachtkerzenöl gegen Wechseljahrsbeschwerden untersucht wurde, wurden Dosen zwischen 500 mg und 2.000 mg täglich verwendet. Da die Wirksamkeit jedoch nicht einheitlich belegt ist, gibt es keine etablierte therapeutische Dosis. Vor einer Anwendung sollte die geeignete Dosierung ärztlich besprochen werden.

Enthält Nachtkerzenöl Östrogen?

Nein. Nachtkerzenöl enthält kein Östrogen oder Phytoöstrogene. Es enthält Omega-6-Fettsäuren, hauptsächlich Linolsäure und Gamma-Linolensäure. Diese Fettsäuren werden in entzündungshemmende Verbindungen, sogenannte Prostaglandine, umgewandelt, sie imitieren jedoch weder Östrogen noch ersetzen sie sinkende Östrogenspiegel während der Menopause.

Was sind die besten rezeptfreien Optionen zur Gewichtskontrolle in den Wechseljahren?

Für kein rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel gibt es überzeugende Beweise dafür, dass es einer Gewichtszunahme in den Wechseljahren vorbeugt. Zu den effektivsten Ansätzen gehören Krafttraining zum Erhalt der Muskelmasse, eine ausreichende Proteinzufuhr und die Beobachtung von Stoffwechselmarkern zur Anpassung von Maßnahmen. Einige Frauen profitieren von Magnesium für die Schlafqualität oder Vitamin D für die Stoffwechselgesundheit, dabei geht es jedoch um den Ausgleich bestimmter Mängel, nicht unmittelbar um Gewichtsverlust.

Welche Alternativen gibt es zu Nachtkerzenöl bei Gewichtszunahme?

Krafttraining, ausreichende Proteinzufuhr und an Stoffwechselwerten orientierte Ernährung sind die am besten belegten Strategien zur Gewichtskontrolle in den Wechseljahren. Krafttraining erhält die Muskelmasse und trägt zur Aufrechterhaltung der Stoffwechselrate im Ruhezustand bei. Protein unterstützt die Muskelproteinsynthese und das Sättigungsgefühl. Für Frauen mit erheblichen Symptomen bleibt die HRT die am besten belegte Option – niedrig dosiertes Östrogen und Progesteron können dabei helfen, die Stoffwechselveränderungen, die zu einer Gewichtszunahme führen, zu begrenzen. Die Verfolgung von HbA1c, Triglyceriden und hs-CRP liefert objektive Daten, die als Orientierungshilfe für Ernährungs- und Lebensstilentscheidungen dienen.

Kann Nachtkerzenöl Wechseljahrsbeschwerden lindern, die indirekt zu einer Gewichtszunahme führen?

Die Ergebnisse zu Nachtkerzenöl (EPO) bei Hitzewallungen sind uneinheitlich – eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 ergab, dass es im Vergleich zu Placebo kurzfristig die Schwere von Hitzewallungen leicht reduzieren kann, jedoch nicht die Häufigkeit oder Dauer, was seine indirekte Rolle bei der Gewichtskontrolle unklar macht. Schlechter Schlaf durch Nachtschweiß erhöht den Cortisolspiegel und führt zu einer Fehlregulierung von Hungerhormonen wie Leptin und Ghrelin, was zur Gewichtszunahme beiträgt; falls Nachtkerzenöl den Schlaf etwas verbessert, könnte es einen indirekten Nutzen bringen. Allerdings scheinen die beobachteten Effekte klein und kurzfristig zu sein. Nachtkerzenöl wirkt nicht gegen Östrogenrückgang, Insulinresistenz oder Muskelschwund. Die aktuellen Erkenntnisse reichen nicht aus, um Nachtkerzenöl gezielt gegen Gewichtsveränderungen in den Wechseljahren zu empfehlen.

Quellen und Nachweise

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