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Calprotectin im Stuhl: Was erhöhte Werte über Darmkrebs aussagen

Klinische Prüfung ausstehend

Kann ein Calprotectinwert im Stuhl auf Krebs hinweisen? Ein erhöhter Wert zeigt eine Entzündung im Darm an, kann deren Ursache aber nicht bestimmen. Auch bei Darmkrebs kann Calprotectin erhöht sein. Es gibt jedoch keinen Grenzwert, mit dem sich Krebs diagnostizieren oder sicher ausschließen lässt. Ein Wert über 50 μg/g kann auf eine Entzündung hindeuten, etwa durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Infektion. Ob eine Krebserkrankung vorliegt, muss durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden.

Calprotectin im Stuhl kann auch bei Darmkrebs erhöht sein. Der Wert zeigt jedoch zunächst eine Entzündung im Darm an und lässt deren Ursache offen. Es gibt keinen Grenzwert, mit dem sich Krebs diagnostizieren oder sicher ausschließen lässt. Ein Wert über 50 μg/g kann etwa auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Infektion hindeuten. Ob Krebs vorliegt, müssen weitere Untersuchungen klären.

Was Calprotectin im Stuhl misst

Calprotectin ist ein Eiweiß, das Kalzium bindet. Es kommt in neutrophilen Granulozyten vor, einer Art weißer Blutkörperchen, die zur Infektionsabwehr beitragen. Bei einer Darmentzündung wandern diese Zellen in das betroffene Gewebe ein und setzen dort unter anderem Calprotectin frei. Der Stuhltest misst, wie viel davon im Stuhl vorhanden ist. Ross et al., 2022

Auch die Entwicklung eines Tumors kann mit Entzündungen einhergehen, insbesondere bei kolorektalem Krebs, also Krebs des Dick- oder Enddarms. Im Zuge der Immunreaktion gelangen neutrophile Granulozyten in das betroffene Gewebe. Das freigesetzte Calprotectin kann die Konzentration im Stuhl deutlich erhöhen. Das geschieht allerdings nicht bei jedem Tumor. Ross et al., 2022

Im Unterschied zu Tumormarkern, die im Blut gemessen werden, erfasst Calprotectin vor allem die Entzündungsaktivität im Darm. Dort können bereits entzündliche Veränderungen bestehen, während die Blutwerte noch unauffällig sind. Eine generelle Überlegenheit bei der Krebsfrüherkennung ergibt sich daraus nicht: Der Test misst eine lokale Immunreaktion, die auch ohne Krebs auftreten kann.

Das Labor gibt die Konzentration in Mikrogramm pro Gramm Stuhl an, abgekürzt μg/g. Wiederholte Messungen können zeigen, wie sich die Entzündungsaktivität verändert. Sie können sowohl bei der Abklärung einer möglichen Entzündung helfen als auch dabei, das Ansprechen auf eine Behandlung zu beurteilen.

Welche Calprotectinwerte als normal oder optimal gelten

Labore verwenden unterschiedliche Referenzbereiche, also Bereiche, in denen sie einen Messwert als unauffällig einordnen. Die Bezeichnungen „normal“ und „optimal“ sind dabei nicht gleichbedeutend. Aus keiner der beiden lässt sich ein verlässlicher Grenzwert für das Krebsrisiko ableiten.

Ergebnis Übliche Einordnung Möglicher nächster Schritt
Unter 50 μg/g Bei Erwachsenen häufig als normal eingeordnet. Unter 25 μg/g wird teilweise als „optimal“ bei geringer Darmentzündung bezeichnet; 25 bis 50 μg/g gilt teilweise als Graubereich. Diese zusätzliche Unterteilung ist kein gesicherter Maßstab für das Krebsrisiko. Unter 25 μg/g ergibt sich aus dem Wert allein meist kein weiterer Untersuchungsbedarf; bei 25 bis 50 μg/g kann eine Verlaufskontrolle erwogen werden. Beschwerden und Gründe für eine Krebsfrüherkennung bleiben unabhängig davon relevant.
50 bis 250 μg/g Graubereich, den manche Labore bereits bei 150 μg/g enden lassen. Mäßig erhöhte Werte können bei Infektionen, Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika, Zöliakie, behandelter chronisch-entzündlicher Darmerkrankung oder kolorektalem Krebs auftreten. Beschwerden und Medikamente ärztlich besprechen. Je nach Situation kann es sinnvoll sein, den Test innerhalb etwa eines Monats vor einer Darmspiegelung zu wiederholen. Der Messbereich allein rechtfertigt es nicht, notwendige Untersuchungen aufzuschieben.
Über 250 μg/g Deutliche Darmentzündung, häufig bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder bakteriellen Lebensmittelinfektionen. Auch bei kolorektalem Krebs können Werte deutlich über 50 μg/g liegen. Darmspiegelung oder eine andere endoskopische Untersuchung, bei der das Innere des Verdauungstrakts betrachtet wird, insbesondere bei anhaltenden Beschwerden.

Quellen zur Einordnung: Sandberg-Janzon und Karling, 2025, Kapel et al., 2023, MedlinePlus: Calprotectin stool test.

Zusätzliche Hinweise kann der persönliche Verlauf geben. Steigt ein bislang wiederholt bei 15 μg/g liegender Wert auf 45 μg/g, hat er sich verändert, obwohl 45 μg/g noch innerhalb vieler Normalbereiche liegt. Ob der Anstieg medizinisch bedeutsam ist, lässt sich aus den beiden Zahlen allein nicht beurteilen. Insbesondere begründet er für sich genommen keinen Krebsverdacht.

Auch das Alter spielt bei der Einordnung eine Rolle. Ältere Erwachsene können etwas höhere Ausgangswerte haben. Das kann unter anderem mit einer veränderten Darmdurchlässigkeit und chronischen, geringgradigen Entzündungen zusammenhängen. Neben dem Referenzbereich des Labors berücksichtigt die ärztliche Beurteilung deshalb auch Alter, Beschwerden und Krankengeschichte.

Was ein hoher Calprotectinwert bedeuten kann

Bei Menschen mit kolorektalem Krebs wurden im Vergleich zu Kontrollgruppen statistisch signifikant höhere Calprotectinwerte gemessen. Die Werte können den häufig verwendeten Grenzwert von 50 μg/g deutlich überschreiten und eine ausgeprägte lokale Entzündung im Bereich des Tumors widerspiegeln. Aus dem Unterschied zwischen den Gruppen lässt sich jedoch keine Diagnose für eine einzelne Person ableiten. Ross et al., 2022

Mehrere Vorgänge könnten zum Anstieg beitragen. Tumorzellen verändern die normale Gewebestruktur und lösen dadurch Immunreaktionen aus. Bakterien, die mit Krebs in Verbindung stehen, können sich im Tumorbereich ansiedeln und die Entzündung verstärken. Entzündungssignale des Tumors können zudem neutrophile Granulozyten anlocken. Ross et al., 2022

Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch Krebs. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa führen häufig zu höheren Werten als viele Krebserkrankungen. Auch bakterielle Infektionen und eine durch Medikamente ausgelöste Dickdarmentzündung können Calprotectin erhöhen. Bei funktionellen Darmbeschwerden wie einem Reizdarmsyndrom kommen ebenfalls erhöhte Messwerte vor, etwa im Zusammenhang mit Medikamenten. Eine deutliche Erhöhung sollte deshalb nicht ohne weitere Abklärung einem „schweren Reizdarm“ zugeschrieben werden. Die Beobachtungsstudie von Sandberg-Janzon und Karling untersuchte den Zusammenhang mit nichtsteroidalen Antirheumatika, also entzündungshemmenden Schmerzmitteln, und Protonenpumpenhemmern, die die Magensäure verringern. Die Arbeit von Yoshimura und Kollegen betrifft dagegen entzündliche Darmerkrankungen mit Beginn im Kindesalter. Sandberg-Janzon und Karling, 2025; Yoshimura et al., 2025

Für die weitere Abklärung kommt es auf das Gesamtbild an. Treten zusammen mit einem erhöhten Wert Blut im Stuhl, unerklärlicher Gewichtsverlust oder anhaltende Bauchschmerzen auf, ist der Untersuchungsbedarf größer als bei einem erhöhten Messwert allein. Das Behandlungsteam berücksichtigt, welche Beschwerden bestehen und wie sie sich entwickeln. Auch die familiäre Vorgeschichte und weitere Laborwerte fließen in die Entscheidung ein, welche Untersuchung folgt.

Was ein niedriger Calprotectinwert bedeuten kann

Ein niedriger Wert kann eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung weniger wahrscheinlich machen. Er kann auch die Einschätzung einer möglichen kolorektalen Krebserkrankung beeinflussen, schließt Krebs aber nicht aus. Die Untersuchung von Yoshimura und Kollegen betrifft entzündliche Darmerkrankungen mit Beginn im Kindesalter. Sie belegt für sich genommen nicht, dass ein niedriger Wert Darmkrebs bei Erwachsenen ausschließt. Yoshimura et al., 2025

Frühe kolorektale Tumoren können zu wenig Entzündung auslösen, um Calprotectin deutlich zu erhöhen. Das gilt auch für kleine Polypen, die nicht mit Krebs gleichzusetzen sind. Wie stark die Entzündungsreaktion ausfällt, kann sich außerdem je nach Tumorart unterscheiden. Dadurch können die Werte länger im Normalbereich bleiben.

Auch der Ort der Erkrankung kann das Ergebnis beeinflussen. Tumoren im oberen Verdauungstrakt, etwa im Magen oder Dünndarm, müssen den Calprotectinwert im Stuhl nicht im gleichen Maß verändern wie kolorektale Tumoren. Eine mögliche Erklärung ist, dass das Eiweiß auf dem Weg durch den Verdauungstrakt abgebaut wird. Daraus lässt sich jedoch weder die Lage eines Tumors verlässlich bestimmen noch ein Tumor ausschließen.

Wiederholt niedrige Werte können hinsichtlich einer ausgeprägten Darmentzündung beruhigend sein. Sie ersetzen aber keine reguläre Krebsfrüherkennung. Calprotectin misst Entzündungsaktivität; der fäkale immunchemische Test, kurz FIT, weist dagegen mithilfe von Antikörpern Blut im Stuhl nach. Ein normaler Calprotectinwert sagt deshalb nichts darüber aus, ob verborgenes Blut vorhanden ist. Die Darmspiegelung ist eine zentrale Untersuchung zur Erkennung kolorektaler Tumoren. Sie kann auch Krebsvorstufen und frühe Tumoren sichtbar machen, die noch keine deutliche Entzündung auslösen. Niedrige Calprotectinwerte allein belegen daher keine umfassende Darmgesundheit und ersetzen kein geeignetes Früherkennungsverfahren. Ross et al., 2022; CDC: Screening for colorectal cancer

Wie Calprotectin im Stuhl untersucht wird

Für den Test wird zu Hause eine Stuhlprobe in einem dafür vorgesehenen Behälter gesammelt. In der Regel sind keine besonderen Ernährungsvorgaben zu beachten, und es ist nicht nötig, nüchtern zu bleiben. Die Vorbereitung ist dadurch einfacher als bei manchen anderen diagnostischen Verfahren.

Wie die Probe entnommen und transportiert wird, beeinflusst die Verlässlichkeit des Ergebnisses. Als Orientierungsmenge gelten etwa 5 bis 10 Gramm Stuhl, ungefähr eine walnussgroße Menge, in einem sterilen Behälter. Üblicherweise sollte die Probe innerhalb von 24 bis 48 Stunden das Labor erreichen. Manche Testsets enthalten Konservierungsmittel, die diesen Zeitraum auf mehrere Tage verlängern. Entscheidend sind die Anweisungen des jeweiligen Labors oder Testsets.

Bestimmte Medikamente können das Ergebnis beeinflussen. Dazu zählen nichtsteroidale Antirheumatika, Protonenpumpenhemmer und möglicherweise Antibiotika. Das Behandlungsteam entscheidet, ob ein Medikament vorübergehend pausiert werden sollte oder ob sich sein Einfluss bei der Auswertung berücksichtigen lässt. Medikamente sollten vor dem Test nicht eigenständig abgesetzt werden. Sandberg-Janzon und Karling, 2025

Wie häufig gemessen wird, hängt von der medizinischen Fragestellung ab. Für eine erste Abklärung kann eine einzelne Messung ausreichen. Um den Verlauf einer entzündlichen Erkrankung oder den Behandlungserfolg zu beurteilen, kommen wiederholte Tests infrage, beispielsweise alle 3 bis 6 Monate. Das ist kein allgemeines Intervall zur Krebsfrüherkennung. Ergebnisse liegen häufig innerhalb von 2 bis 5 Werktagen vor.

Was Calprotectinwerte verändern kann

Nichtsteroidale Antirheumatika, abgekürzt NSAR, wie Ibuprofen und Naproxen können den Darm reizen und die Calprotectinwerte erhöhen. Protonenpumpenhemmer können die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern und mit erhöhten Werten einhergehen. Auch Antibiotika verändern das Darmmikrobiom, also die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm. Vorübergehende Veränderungen der Calprotectinwerte sind dabei möglich. Die Beobachtungsstudie von Sandberg-Janzon und Karling bezieht sich jedoch auf NSAR und Protonenpumpenhemmer; einen häufigen Anstieg durch Antibiotika belegt sie nicht. Sandberg-Janzon und Karling, 2025

Die Ernährung kann über entzündliche Vorgänge Einfluss nehmen. Eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln wird mit erhöhter Darmdurchlässigkeit in Verbindung gebracht und könnte die Ausgangswerte beeinflussen. Alkohol kann Entzündungen im Darm auslösen und Calprotectin vorübergehend erhöhen. Ballaststoffe verändern die Zusammensetzung der Darmbakterien und können dadurch indirekt auf Entzündungsreaktionen wirken. Wie stark ein bestimmtes Lebensmittel einen einzelnen Messwert verändert, lässt sich aus diesen Zusammenhängen nicht ableiten.

Infektionen können die Werte vorübergehend stark ansteigen lassen. Bakterielle Magen-Darm-Infektionen, Parasiten und virale Erkrankungen können Calprotectin deutlich erhöhen. Die Werte können noch Wochen nach dem Abklingen der Beschwerden verändert sein. Bei unerwartet hohen Ergebnissen ist deshalb auch eine kürzlich durchgemachte Erkrankung zu berücksichtigen.

Stress und körperliche Belastung wirken über verschiedene Vorgänge auf den Körper. Chronischer Stress kann Entzündungsprozesse im gesamten Körper verstärken und möglicherweise auch die Calprotectin-Ausgangswerte beeinflussen. Intensive körperliche Belastung kann die Darmdurchlässigkeit vorübergehend erhöhen. Regelmäßige moderate Bewegung ist dagegen langfristig häufig mit niedrigeren Entzündungsmarkern verbunden. Auch altersbedingte Veränderungen der Darmbarriere können über die Jahrzehnte zu höheren Ausgangswerten beitragen. Die Studie von Axelrod und Kollegen untersuchte allerdings die Ergänzung mit UCC118, die belastungsbedingte Darmdurchlässigkeit und das Mikrobiom bei gesunden Menschen. Sie liefert damit keinen umfassenden Beleg für die Aussagen zu Stress, Alter und Calprotectin. Axelrod et al., 2019

Calprotectin zusammen mit anderen Biomarkern betrachten

Biomarker sind messbare Merkmale, die Hinweise auf Vorgänge im Körper geben. Ein hoher Calprotectinwert bei unauffälligen Blutwerten kann auf eine Entzündung hindeuten, die vorwiegend im Darm stattfindet. Das gilt etwa bei normalem C-reaktivem Protein, kurz CRP, einem Entzündungsmarker im Blut. Sind sowohl CRP als auch Calprotectin erhöht, kann zusätzlich eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper bestehen. Auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit, abgekürzt BSG und im Englischen ESR, gibt Hinweise auf solche systemischen, also den gesamten Körper betreffenden Entzündungsvorgänge. Aus diesen Kombinationen lässt sich der Ort der Entzündung jedoch nicht sicher bestimmen.

Ein vollständiges Blutbild, das auch die verschiedenen Arten weißer Blutkörperchen erfasst, kann weitere Hinweise geben. Eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen, insbesondere neutrophiler Granulozyten, stützt die Einordnung eines hohen Calprotectinwerts als Entzündungszeichen. Eine Anämie, also Blutarmut, kann unter anderem auf chronische Blutverluste bei einer Darmentzündung oder einer bösartigen Erkrankung hinweisen.

Das karzinoembryonale Antigen, abgekürzt CEA, ist ein ergänzender Tumormarker, der nicht spezifisch für kolorektalen Krebs ist. Sind CEA und Calprotectin gleichzeitig erhöht, kann dies zusammen mit passenden Beschwerden oder Befunden den Verdacht auf eine bösartige Erkrankung verstärken und eine dringliche Abklärung begründen. Cendra und Kollegen behandeln Biomarker zur Vorhersage von Rückfällen und zur Einschätzung der Prognose bei lokoregionalem kolorektalem Krebs, also einer Erkrankung im Darm und seiner unmittelbaren Umgebung. Ein eigenständiger Früherkennungstest aus der Kombination beider Marker lässt sich daraus nicht ableiten. Cendra et al., 2025

Lactoferrin ist ein weiteres Eiweiß aus neutrophilen Granulozyten, das sich im Stuhl messen lässt. Seine Konzentration kann eng mit den Calprotectinwerten zusammenhängen. Manche Labore bieten beide Marker an. Übereinstimmende Ergebnisse können den Hinweis auf eine Entzündung im Darm stützen. Widersprechen sich die Befunde, kann das Anlass sein, auch technische Messprobleme zu prüfen. Die gemeinsame Messung schließt solche Probleme allerdings nicht sicher aus. Die Untersuchung von Yoshimura und Kollegen betrifft entzündliche Darmerkrankungen mit Beginn im Kindesalter. Yoshimura et al., 2025

Calprotectinergebnisse richtig einordnen

Calprotectin kann eine Darmentzündung anzeigen, bevor starke Beschwerden auftreten. Weil der Test ohne Eingriff auskommt, eignet er sich möglicherweise für Verlaufskontrollen. Bei Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung helfen wiederholte Messungen dabei, das Ansprechen auf die Behandlung zu beurteilen und eine mögliche erneute Krankheitsaktivität zu erkennen. Steigende Werte können Anlass für eine frühere Abklärung sein.

Bei familiärer Belastung mit kolorektalem Krebs oder früheren Polypen kann sich die Frage stellen, ob zwischen Darmspiegelungen weitere Kontrollen sinnvoll sind. Eine allgemein belegte Empfehlung, Calprotectin dafür zur zusätzlichen Krebsüberwachung einzusetzen, gibt es daraus jedoch nicht. Ein Anstieg ist auch kein spezifisches Zeichen für einen Krebsrückfall.

Weitere Blutmarker können bei der Einordnung helfen. Dazu gehört hochsensitiv gemessenes CRP, kurz hs-CRP, das Hinweise auf eine Entzündung im gesamten Körper liefert. Zusammen mit Calprotectin kann es das Gesamtbild ergänzen. Ob eine Entzündung ausschließlich auf den Darm begrenzt ist, lässt sich damit aber nicht sicher entscheiden. Welche Kontrollen geeignet sind, hängt von der Erkrankung, dem persönlichen Risiko und den bisherigen Befunden ab. Die Überwachung sollte deshalb gemeinsam mit dem Behandlungsteam festgelegt werden.

Häufige Fragen

Welcher Calprotectinwert weist auf Krebs hin?

Es gibt keinen einzelnen Grenzwert, mit dem sich Krebs diagnostizieren lässt. Bei Menschen mit kolorektalem Krebs sind Calprotectinwerte in Studien zwar statistisch signifikant höher als in Kontrollgruppen. Der Test hat aber eine geringe Spezifität: Er unterscheidet Krebs nur unzureichend von anderen Erkrankungen, die ebenfalls erhöhte Werte verursachen. Ein hoher Wert zeigt daher zunächst eine Entzündung an. Deren Ursache muss gegebenenfalls durch eine Darmspiegelung oder andere diagnostische Verfahren geklärt werden. Ross et al., 2022

Was sind frühe Anzeichen von Darmkrebs?

Mögliche Anzeichen sind Blut im Stuhl, unerklärlicher Gewichtsverlust, anhaltende Bauchschmerzen, über mehr als einige Wochen veränderte Stuhlgewohnheiten und Müdigkeit. Im frühen Stadium verursacht Darmkrebs allerdings häufig keine Beschwerden. Deshalb sind etablierte Früherkennungsverfahren auch ohne Symptome relevant. Calprotectin kann bei der Abklärung einer Darmentzündung helfen, ersetzt aber keine Darmkrebsfrüherkennung. Die Veröffentlichung von Cendra und Kollegen behandelt vor allem Rückfallmarker bei bereits bestehendem kolorektalem Krebs und ist damit kein unmittelbarer Beleg für frühe Krankheitszeichen. Cendra et al., 2025

Kann Calprotectin ohne Krebs erhöht sein?

Ja. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, bakterielle Infektionen und medikamentenbedingte Dickdarmentzündungen können die Werte erhöhen. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen häufig sogar höhere Werte als viele Krebserkrankungen. Auch bei funktionellen Darmbeschwerden kommen erhöhte Werte vor, beispielsweise bei Einnahme bestimmter Medikamente. Eine deutliche Erhöhung sollte deshalb nicht allein mit einem schweren Reizdarmsyndrom erklärt werden. Bei der Ursachensuche helfen die Beschwerden, die familiäre Vorgeschichte und weitere Biomarker. Die Studien betreffen einerseits Medikamente bei funktionellen Darmbeschwerden, andererseits entzündliche Darmerkrankungen mit Beginn im Kindesalter. Sandberg-Janzon und Karling, 2025; Yoshimura et al., 2025

Wie häufig sollte Calprotectin im Stuhl getestet werden?

Das hängt vom Anlass ab. Für eine erste Abklärung kann eine einzelne Messung ausreichen. Bei entzündlichen Erkrankungen oder bestimmten Risikokonstellationen kommen Verlaufskontrollen infrage, beispielsweise alle 3 bis 6 Monate. Dieses Intervall ist keine allgemeine Empfehlung für Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko. Das Behandlungsteam legt den Abstand anhand der Beschwerden, Risikofaktoren und früheren Ergebnisse fest.

Schließt ein normaler Calprotectinwert Darmkrebs aus?

Nein. Ein normaler Wert kann eine ausgeprägte Darmentzündung weniger wahrscheinlich machen und bei der Abklärung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen helfen. Darmkrebs lässt sich damit nicht sicher ausschließen. Frühe Tumoren und kleine Polypen können zu wenig Entzündung auslösen, um Calprotectin zu erhöhen. Wie stark ein normaler Wert die Einschätzung der Krebswahrscheinlichkeit verändert, hängt von der untersuchten Personengruppe und der medizinischen Situation ab. Die Darmspiegelung bleibt eine zentrale Untersuchung zur Erkennung von Darmkrebs und seinen Vorstufen. Ross et al., 2022

Wie läuft der Calprotectintest ab?

Die Stuhlprobe wird zu Hause entnommen. In der Regel sind keine besonderen Ernährungsvorgaben zu beachten, und es ist nicht nötig, nüchtern zu bleiben. Als Orientierungsmenge gelten etwa 5 bis 10 Gramm Stuhl in einem sterilen Behälter. Üblicherweise sollte die Probe innerhalb von 24 bis 48 Stunden das Labor erreichen. Konservierungsmittel in manchen Testsets verlängern diesen Zeitraum. Maßgeblich sind die jeweiligen Anweisungen des Labors. Ergebnisse liegen häufig innerhalb von 2 bis 5 Werktagen vor.

Welche Medikamente können Calprotectinergebnisse beeinflussen?

NSAR wie Ibuprofen und Naproxen können den Darm reizen und die Calprotectinwerte erhöhen. Protonenpumpenhemmer können die Darmbakterien verändern und ebenfalls mit erhöhten Werten zusammenhängen. Antibiotika verändern das Darmmikrobiom erheblich und können die Interpretation vorübergehend beeinflussen; die Werte steigen dabei nicht zwangsläufig an. Vor dem Test sollten die aktuell eingenommenen Medikamente mit dem Behandlungsteam besprochen werden. Ob eine Einnahmepause sinnvoll ist, sollte ärztlich entschieden werden.

Wie hängt Calprotectin mit anderen Entzündungsmarkern zusammen?

Weitere Laborwerte können helfen, einen Calprotectinbefund einzuordnen. CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit geben Hinweise auf Entzündungen im gesamten Körper. Ein Blutbild, das die verschiedenen Arten weißer Blutkörperchen erfasst, kann beispielsweise eine erhöhte Zahl neutrophiler Granulozyten zeigen. CEA ist ein ergänzender Tumormarker. Sind CEA und Calprotectin gleichzeitig erhöht, kann das zusammen mit passenden Beschwerden oder Befunden den Verdacht auf eine bösartige Erkrankung verstärken und weitere Untersuchungen begründen. Auch diese Kombination erlaubt keine Krebsdiagnose.

Literatur

  • Ross FA, Park JH, Mansouri D, Combet E, Horgan PG, McMillan DC, Roxburgh CSD (2022). The role of faecal calprotectin in diagnosis and staging of colorectal neoplasia: a systematic review and meta-analysis. BMC gastroenterology, 22(1), 176. https://doi.org/10.1186/s12876-022-02220-1. PubMed

  • Sandberg-Janzon A, Karling P (2025). Prescription of NSAIDs and proton pump inhibitors are associated with increased faecal calprotectin levels in patients with functional bowel disorder: an observational study. Scandinavian journal of gastroenterology, 60(7), 635-642. https://doi.org/10.1080/00365521.2025.2512368. PubMed

  • Yoshimura R, Kudo T, Toda M, Kashiwagi K, Nagata M, Aoki K, Ito N, Tokita K, Arai N, Kyodo R, Sato M, Miyata E, Jimbo K, Ohtsuka Y, Shimizu T, Shoji H (2025). Fecal surrogate markers strongly correlate with endoscopic findings in pediatric onset inflammatory bowel disease: a retrospective study in Japan. Intestinal research. https://doi.org/10.5217/ir.2025.00103. PubMed

  • Axelrod CL, Brennan CJ, Cresci G, Paul D, Hull M, Fealy CE, Kirwan JP (2019). UCC118 supplementation reduces exercise-induced gastrointestinal permeability and remodels the gut microbiome in healthy humans. Physiological reports, 7(22), e14276. https://doi.org/10.14814/phy2.14276. PubMed

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  • MedlinePlus. (n.d.). Calprotectin stool test. https://medlineplus.gov/lab-tests/calprotectin-stool-test/