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Fisetin für ein längeres Leben: Was die Forschung bisher zeigt

Klinische Prüfung ausstehend

Fisetin kann in Tiermodellen seneszente Zellen reduzieren und die Lebensspanne verlängern. Beim Menschen fehlen bislang belastbare Belege für ein längeres oder länger gesundes Leben; Bioverfügbarkeit, Dosierung und geeignete Wirksamkeitsmarker bleiben offene Fragen.

Fisetin ist ein Pflanzenstoff, der unter anderem in Erdbeeren vorkommt. Forschende untersuchen ihn als möglichen Wirkstoff gegen zelluläre Alterungsprozesse. Kann er auch Menschen helfen, länger gesund zu leben? Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Die stärksten Ergebnisse stammen aus Tierstudien. Was sie für Menschen bedeuten könnten, hängt unter anderem davon ab, wie Fisetin auf Zellen wirkt, welche Mengen im Körper ankommen und wie sich mögliche Veränderungen überhaupt messen lassen.

Was Fisetin auf Zellebene bewirkt

Fisetin gehört zu den Flavonoiden, einer Gruppe pflanzlicher Polyphenole. In präklinischen Untersuchungen wurde eine senolytische Wirkung beschrieben: Senolytika sind Stoffe, die gezielt den Tod seneszenter Zellen auslösen können. Solche Zellen teilen sich nicht mehr, widersetzen sich aber dem normalen programmierten Zelltod, der Apoptose. Mit zunehmendem Alter sammeln sie sich an. Dabei geben sie entzündungsfördernde Moleküle, Wachstumsfaktoren und proteinabbauende Enzyme ab.

Dieses Sekretionsmuster heißt seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp, kurz SASP. Es kann chronische, niedriggradige Entzündungen und Funktionsstörungen von Geweben fördern und mehrere charakteristische Alterungsprozesse beschleunigen. Den wissenschaftlichen Hintergrund erläutert eine Übersichtsarbeit zu zellulärer Seneszenz und Senolytika.

Ein beschriebener Erklärungsansatz für die Wirkung von Fisetin betrifft die BCL-2-Proteinfamilie. Diese Proteine regulieren den intrinsischen, über die Mitochondrien vermittelten Apoptoseweg. Seneszente Zellen bilden vermehrt apoptosehemmende Proteine wie BCL-2, BCL-XL und BCL-W, um ihrer Beseitigung zu entgehen. Die Proteine verhindern, dass Cytochrom c aus den Mitochondrien freigesetzt wird. Dadurch bleiben Caspasen inaktiv, also Enzyme, die den Zelltod ausführen.

Fisetin soll diesen Schutzmechanismus stören und so die Apoptose seneszenter Zellen ermöglichen. Gesunde, sich teilende Zellen sollen dabei weitgehend unbeeinträchtigt bleiben. Diese Selektivität ist jedoch nicht absolut. Seneszente Zellen können eine niedrigere Schwelle für die Auslösung der Apoptose haben, weil sie stärker von solchen Überlebenswegen abhängen.

Darüber hinaus werden für Fisetin weitere Wirkungen auf Signalwege beschrieben, die für die Zellalterung relevant sind:

  • Es aktiviert Sirtuine, insbesondere SIRT1. Diese Proteine beeinflussen die DNA-Reparatur, die Funktion der Mitochondrien und die Stoffwechselregulation.
  • Über den NRF2-Signalweg kann Fisetin die Bildung antioxidativer Enzyme erhöhen und dadurch oxidativen Stress reduzieren.
  • In Tiermodellen verbessert es Messwerte der mitochondrialen Gesundheit und senkt Marker systemischer, also den gesamten Organismus betreffender Entzündungen.

Diese Vorgänge unterscheiden sich mechanistisch von der senolytischen Wirkung. Sie könnten dennoch die Gesundheitsspanne beeinflussen, also die Lebenszeit, die bei guter Gesundheit verbracht wird. Weitere Hintergründe bietet die allgemeine Übersicht „New Perspectives for Fisetin“. Aus den beschriebenen Mechanismen lässt sich keine nachgewiesene Wirksamkeit oder Sicherheit beim Menschen ableiten.

Wie Fisetin mit den Kennzeichen des Alterns zusammenhängt

Fisetin ist für die Langlebigkeitsforschung vor allem deshalb interessant, weil es in präklinischen Modellen die Belastung durch seneszente Zellen verringern kann. Zelluläre Seneszenz zählt zu den etablierten Kennzeichen des Alterns. Die Ansammlung solcher Zellen kann Alterungsprozesse selbst antreiben: Seneszente Zellen setzen entzündungsfördernde Botenstoffe wie IL-6 und IL-8 frei. Hinzu kommen Matrix-Metalloproteinasen, die Strukturen außerhalb der Zellen abbauen, sowie Wachstumsfaktoren, die Fibrose fördern, eine übermäßige Vermehrung von Bindegewebe. Indem Fisetin seneszente Zellen beseitigt, könnte es diese Wirkungskette abschwächen.

Damit besteht auch ein Zusammenhang mit chronischer altersassoziierter Entzündung, häufig als Inflammaging bezeichnet. Der SASP seneszenter Zellen trägt wesentlich zu einer entzündlichen Grundaktivität bei, die mit dem Alter zunimmt. In Tiermodellen sinken zirkulierende Entzündungsmarker, wenn senolytische Eingriffe die Zahl seneszenter Zellen reduzieren. Das kann nachgelagerte Auswirkungen auf verschiedene altersbedingte Krankheitsprozesse haben, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerative Veränderungen und Stoffwechselstörungen.

Die beschriebenen Effekte auf Mitochondrien betreffen ein weiteres Kennzeichen des Alterns: die mitochondriale Dysfunktion. Seneszente Zellen weisen häufig eine beeinträchtigte mitochondriale Atmung auf und produzieren mehr reaktive Sauerstoffspezies, die Zellbestandteile schädigen können. Indem Fisetin solche Zellen beseitigt und über SIRT1 die Neubildung von Mitochondrien unterstützt, könnte es dazu beitragen, die zelluläre Energieproduktion zu erhalten.

Zudem werden Einflüsse auf die Nährstoff-Signalwege mTOR und AMPK beschrieben. Diese regulieren unter anderem das Zellwachstum, die Anpassung des Stoffwechsels und die Autophagie. Damit ist der zelleigene Abbau und die Wiederverwertung von Bestandteilen gemeint.

Warum sich seneszente Zellen ansammeln und wo Fisetin ansetzt

Verschiedene Vorgänge können das Seneszenzprogramm einer Zelle auslösen: DNA-Schäden durch oxidativen Stress, die Verkürzung der Telomere an den Chromosomenenden, die Aktivierung wachstumsfördernder Onkogene und mitochondriale Funktionsstörungen. Der Körper kann solche Zellen durch die Immunüberwachung entfernen, vor allem mithilfe natürlicher Killerzellen und Makrophagen. Mit zunehmendem Alter lässt die Immunfunktion jedoch nach. Werden seneszente Zellen langsamer entfernt, als neue entstehen, sammeln sie sich an und können die Gewebealterung beschleunigen.

Die beschriebene senolytische Wirkung von Fisetin setzt bei bereits seneszenten Zellen an, indem sie die Schwelle für deren programmierten Zelltod senkt. Dieser Mechanismus verhindert weder, dass Zellen seneszent werden, noch versetzt er sie in ihren vorherigen Zustand zurück. Ziel ist, bestehende seneszente Zellen zu entfernen, die bereits zu Funktionsstörungen im Gewebe beitragen. Senostatische Wirkstoffe wirken anders: Sie unterdrücken den SASP, ohne die Zellen abzutöten. Wieder andere Maßnahmen sollen die Entstehung der Seneszenz verhindern oder verringern.

Wie wirksam Fisetin als Senolytikum ist, hängt vom Zelltyp und vom Auslöser der Seneszenz ab:

  • In-vitro-Studien, also Untersuchungen außerhalb eines lebenden Organismus, zeigen eine stärkere Wirkung auf seneszente menschliche Nabelschnurvenen-Endothelzellen als auf seneszente Fibroblasten. Endothelzellen kleiden Blutgefäße aus; Fibroblasten sind unter anderem für den Aufbau von Bindegewebe zuständig.
  • Diese Unterschiede spiegeln wider, dass Zelltypen verschiedene Mengen an Proteinen der BCL-2-Familie bilden und unterschiedliche weitere Überlebenswege nutzen.
  • In Tiermodellen reduziert Fisetin Seneszenzmarker im Fettgewebe, in den Nieren und im Herzen. Die Stärke des Effekts unterscheidet sich jedoch zwischen den Geweben.
  • Ein einzelnes Senolytikum entfernt seneszente Zellen daher möglicherweise nicht in allen Geweben gleichermaßen. Kombinationen könnten deshalb Gegenstand weiterer Forschung sein.

Zu den beschriebenen Effekten auf Seneszenz und Lebensspanne gehört die präklinische Arbeit „Fisetin is a senotherapeutic that extends health and lifespan“.

Welche Ernährungs- und Umweltfaktoren die Belastung durch seneszente Zellen beeinflussen

Ein chronischer Kalorienüberschuss wird mit einer beschleunigten Ansammlung seneszenter Zellen durch Stoffwechselstress und Insulinresistenz in Verbindung gebracht, insbesondere bei einer Ernährung mit vielen raffinierten Kohlenhydraten und gesättigten Fetten. Umgekehrt verringern Kalorienrestriktion und eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme in Tiermodellen die Belastung durch seneszente Zellen. Vermutlich tragen dazu eine verstärkte Autophagie und eine verbesserte Mitochondrienfunktion bei.

Auch Bewegungsmangel begünstigt ungünstige Bedingungen. Bewegung aktiviert Signalwege, die die Beseitigung seneszenter Zellen unterstützen können, und reduziert systemische Entzündungen.

UV-Strahlung, Luftverschmutzung und Schwermetalle erhöhen DNA-Schäden und oxidativen Stress; beides kann zelluläre Seneszenz auslösen. Rauchen fördert die Ansammlung seneszenter Zellen im Lungengewebe besonders stark. Chronischer psychischer Stress kann den Cortisolspiegel erhöhen. Dies wurde mit einer beschleunigten epigenetischen Alterung und erhöhten Seneszenzmarkern in einigen Geweben in Verbindung gebracht.

Warum dasselbe Senolytikum bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken könnte

Wie Menschen auf Fisetin reagieren, könnte von genetischen Unterschieden, der anfänglichen Belastung mit seneszenten Zellen und dem individuellen Stoffwechselprofil abhängen. Varianten in Genen, die Proteine der BCL-2-Familie codieren, können beeinflussen, wie leicht seneszente Zellen als Reaktion auf Senolytika in die Apoptose eintreten. Daraus ergibt sich die Hypothese, dass bei einer höheren Ausgangsaktivität apoptosehemmender Proteine höhere Dosen oder Kombinationstherapien nötig sein könnten, um eine relevante Zellbeseitigung zu erreichen. Eine etablierte Grundlage für die individuelle Dosierung beim Menschen ist das nicht.

Selbst bei Menschen gleichen kalendarischen Alters kann sich die Belastung durch seneszente Zellen erheblich unterscheiden. Dabei spielen die lebenslange Belastung durch Stressoren, die Immunfunktion und die Leistungsfähigkeit körpereigener Beseitigungsmechanismen eine Rolle. Bei einer hohen Ausgangsbelastung wären stärkere Effekte eines senolytischen Eingriffs denkbar; bei geringer Belastung könnte die Veränderung klein ausfallen. Epigenetische Uhren und seneszenzassoziierte Biomarker wie p16INK4a könnten Hinweise auf die Ausgangssituation liefern. Dafür sind sie jedoch noch keine klinischen Standardinstrumente.

Auch die Stoffwechselgesundheit könnte die Reaktion beeinflussen:

  • Insulinresistenz und chronische Entzündungen schaffen ein Gewebemilieu, das das Überleben seneszenter Zellen begünstigen und den SASP verstärken kann.
  • Menschen mit metabolischem Syndrom könnten einen höheren Anteil seneszenter Zellen im Fettgewebe und in der Leber aufweisen. Diese Zellen könnten außerdem schwerer zu beseitigen sein.
  • Bei besserer Stoffwechselgesundheit könnten weniger seneszente Zellen vorhanden sein und die immunvermittelte Beseitigung effizienter funktionieren. Dadurch könnte der zusätzliche Nutzen von außen zugeführter Senolytika geringer ausfallen.

Diese Überlegungen zu genetischen und metabolischen Unterschieden sind mechanistische Erklärungsansätze, keine klinisch belegten Vorhersagen zur Fisetin-Wirkung.

Darmmikrobiom und Stoffwechsel senolytischer Substanzen

Das Darmmikrobiom beeinflusst den Stoffwechsel und die Bioverfügbarkeit von Flavonoiden, zu denen Fisetin gehört. Bestimmte Bakterienarten können glykosidische Bindungen spalten und die Struktur von Flavonoiden verändern. Dadurch können sich deren Aufnahme und die im Körper verfügbare Menge ändern.

Bei einem veränderten oder aus dem Gleichgewicht geratenen Mikrobiom könnte Fisetin anders verstoffwechselt werden. Das könnte zu unterschiedlichen Konzentrationen im Blutplasma und einer anderen Verteilung in Geweben führen. Dieses Forschungsgebiet befindet sich noch in einem frühen Stadium. Die Zusammensetzung des Mikrobioms bietet damit eine mögliche Erklärung für Unterschiede zwischen Personen; die senolytische Wirksamkeit lässt sich daraus bisher nicht verlässlich vorhersagen.

Was die Forschung tatsächlich stützt – und wo die Belege dünner werden

Die stärksten Belege für die senolytischen Effekte von Fisetin stammen aus Tierstudien. Bei alten Mäusen verlängerte eine intermittierende, also in zeitlichen Abständen verabreichte Behandlung sowohl die mediane als auch die maximale Lebensspanne. Die mediane Lebensspanne bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem die Hälfte einer untersuchten Gruppe noch lebt; die maximale Lebensspanne erfasst die längsten beobachteten Lebenszeiten. Außerdem wurden weniger Seneszenzmarker in mehreren Geweben und eine bessere körperliche Funktion beschrieben. Dazu gehört die Studie von Yousefzadeh und Kollegen aus dem Jahr 2018.

Die beschriebenen Versuchsdosen liegen weit über Mengen, die sich allein über Lebensmittel erreichen lassen. Eine einfache Umrechnung anhand des Körpergewichts liefert jedoch keine validierte Dosis für Menschen. Auch die Mengenangaben zu Erdbeeren sind widersprüchlich und eignen sich deshalb nicht für einen praktischen Vergleich.

Klinische Studien am Menschen sind bislang sowohl in ihrer Zahl als auch in ihrem Umfang begrenzt. Eine beschriebene Pilotuntersuchung bei Frauen mit Adipositas soll Hinweise auf Durchführbarkeit und eine gewisse Abnahme von Entzündungsmarkern geliefert haben. Die Angaben zu dieser Untersuchung lassen sich der Bibliografie jedoch nicht eindeutig zuordnen; auch die Sicherheitsbewertung ist unbestätigt. Eine Verlängerung des Lebens sollte die Untersuchung nicht bewerten.

Weitere Untersuchungen betreffen Fisetin bei Arthrose, chronischer Nierenerkrankung und Gebrechlichkeit. Die dazu beschriebenen Ergebnisse sind vorläufig. Eine zentrale Schwierigkeit besteht darin, dass sich die Belastung durch seneszente Zellen beim Menschen ohne invasive Eingriffe nur schwer messen lässt. Ersatzmarker wie entzündungsfördernde Zytokine im Blut werden durch viele andere Faktoren beeinflusst.

Die Bioverfügbarkeit begrenzt die mögliche Anwendung zusätzlich. Oral aufgenommenes Fisetin wird schlecht resorbiert und rasch verstoffwechselt, sodass nur geringe Konzentrationen im Blutplasma erreicht werden. Neue Formulierungen mit liposomaler Verkapselung oder Nanopartikel-Trägersystemen sollen dieses Problem lösen.

Bei der Deutung der Ergebnisse müssen senolytische und senostatische Effekte auseinandergehalten werden. Manche Vorteile in Tiermodellen könnten auf antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften beruhen, statt auf einer direkten Beseitigung seneszenter Zellen. Um die Mechanismen beim Menschen zu unterscheiden, wären Studien nötig, die Seneszenzmarker direkt in Gewebeproben vor und nach einer Behandlung messen. Solche Biopsien sind invasiv und werden außerhalb der Forschung dafür nur selten vorgenommen.

Welche Messwerte für die Belastung durch seneszente Zellen aussagekräftig sind

Wer die Ansammlung seneszenter Zellen und mögliche Effekte senolytischer Eingriffe verfolgen möchte, braucht Messgrößen, die zelluläre Alterungsprozesse abbilden. Das kalendarische Alter allein reicht dafür nicht aus. Epigenetische Verfahren wie GrimAge und DunedinPACE nutzen DNA-Methylierungsmuster, also chemische Markierungen an der DNA, um Aspekte des biologischen Alterns abzuschätzen. Sie werden mit der Belastung durch seneszente Zellen in Verbindung gebracht, messen Seneszenz jedoch nicht direkt. Wiederholte Messungen können Informationen über altersbezogene Veränderungen im Zeitverlauf liefern.

Entzündungsmarker erfassen einen anderen Aspekt:

  • Hochsensitives C-reaktives Protein, kurz hsCRP, sowie IL-6 und TNF-alpha können bei erhöhter entzündlicher Aktivität und hoher Belastung durch seneszente Zellen erhöht sein.
  • Diese Marker sind nicht spezifisch für Seneszenz. Eine dauerhaft leichte Erhöhung ohne akute Infektion oder Verletzung kann zu einem Bild altersassoziierter Entzündung passen, beweist sie aber nicht.
  • Zusammen mit Stoffwechsel- und Risikomarkern wie Nüchterninsulin, HbA1c und ApoB lässt sich breiter betrachten, wie Stoffwechselgesundheit und Herz-Kreislauf-Risiko mit Alterungsprozessen zusammenhängen. HbA1c beschreibt die längerfristige Blutzuckerbelastung; ApoB hilft, die Zahl potenziell gefäßschädigender Lipoproteinpartikel einzuschätzen.

Auch die Körperzusammensetzung kann ergänzende Informationen liefern. Seneszente Zellen können sich verstärkt im Fettgewebe ansammeln, insbesondere im viszeralen Fett rund um die inneren Organe. DEXA-Untersuchungen erfassen Körperfett und fettfreie Masse und können je nach Verfahren viszerales Fett abschätzen. Veränderungen im Zeitverlauf werden deshalb als mögliche indirekte Hinweise auf die Belastung durch seneszente Zellen diskutiert.

Griffkraft und VO₂max, die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung, sind funktionelle Messgrößen. Sie werden mit dem biologischen Alter und in Tiermodellen mit der seneszenten Zelllast in Zusammenhang gebracht. Als Seneszenz-Biomarker eignen sie sich selbst nicht, können aber körperliche Folgen von Alterungsprozessen und die körperliche Belastbarkeit abbilden.

Ausgangsmessungen vor einer Supplementierung und erneute Messungen nach mehreren Monaten könnten Veränderungen dokumentieren. Für sich genommen belegen solche Veränderungen jedoch weder, dass Fisetin seneszente Zellen entfernt hat, noch dass es die Veränderungen verursacht hat.

Wie sich mit Erkenntnissen der Langlebigkeitsforschung eine Ausgangsbasis schaffen lässt

Ein längerfristiger Blick auf Stoffwechsel, Entzündungsaktivität und gegebenenfalls hormonelle Zusammenhänge kann helfen, die gesundheitliche Entwicklung einzuordnen. Wiederholte Messungen von hsCRP, Insulin, ApoB, Homocystein und IGF-1 können je nach medizinischem Kontext Informationen über Stoffwechsel, Entzündungen und altersbezogene Risiken liefern. IGF-1 ist ein insulinähnlicher Wachstumsfaktor. Homocystein ist ein Stoffwechselzwischenprodukt, dessen Konzentration durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird.

Welche dieser Werte sinnvoll sind, hängt von der konkreten Fragestellung ab. Eine allgemeingültige Prioritätenliste lässt sich daraus nicht ableiten. Auch wenn sich Messwerte nach Veränderungen der Ernährung, mehr Bewegung oder gezielter Supplementierung ändern, belegt das nicht automatisch eine Verschiebung des biologischen Alters.

Für ein längeres gesundes Leben ist es deshalb sinnvoller, über die Zeit ein Gesamtbild der gesundheitlichen Entwicklung aufzubauen, als sich auf einen einzelnen Wirkstoff oder ein einzelnes Einnahmeprotokoll zu konzentrieren. Solche Daten können helfen, begründete Entscheidungen über gesundheitliche Prioritäten zu treffen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Fisetin und wie wirkt es als Senolytikum?

Fisetin ist ein pflanzliches Flavonoid mit präklinisch beschriebener senolytischer Aktivität. Unter bestimmten Untersuchungsbedingungen kann es bevorzugt den Tod seneszenter Zellen auslösen. Ein beschriebener Mechanismus ist die Störung apoptosehemmender Proteine der BCL-2-Familie. Seneszente Zellen bilden diese Proteine verstärkt, um ihrer Beseitigung zu entgehen. Werden solche Überlebensmechanismen gestört, können die Zellen in die Apoptose eintreten. Gesunde, sich teilende Zellen sollen dabei weitgehend unbeeinträchtigt bleiben. Diese Selektivität ist nicht absolut.

Unabhängig davon werden eine Aktivierung von Sirtuinen, eine Verringerung oxidativen Stresses über den NRF2-Signalweg und Einflüsse auf die Mitochondriengesundheit beschrieben. Diese Wirkungen sind nicht gleichbedeutend mit einem nachgewiesenen Nutzen für die menschliche Lebensspanne.

Welche Lebensmittel enthalten Fisetin und in welchen Mengen?

Fisetin kommt in Erdbeeren, Äpfeln, Kakis, Zwiebeln und Gurken vor. Erdbeeren werden als Lebensmittel mit der höchsten Konzentration genannt; die übrigen Lebensmittel enthalten deutlich niedrigere Konzentrationen. Die konkreten Mengenangaben zu Erdbeeren widersprechen sich allerdings und müssen vor einer praktischen Verwendung geprüft werden.

Die in den beschriebenen Tierversuchen verwendeten Mengen lassen sich nicht einfach durch den üblichen Verzehr fisetinhaltiger Lebensmittel nachbilden. Aus einer Hochrechnung der Tierdosis ergibt sich zudem keine Einnahmeempfehlung für Menschen.

Worin unterscheidet sich Fisetin von anderen senolytischen Ansätzen?

Die untersuchte senolytische Wirkung von Fisetin zielt darauf ab, bereits bestehende seneszente Zellen zu entfernen, indem ihre Schwelle für die Apoptose gesenkt wird. Senostatische Ansätze wirken anders. Bei der beschriebenen Wirkung von Rapamycin soll etwa die SASP-Ausschüttung unterdrückt werden, ohne die seneszenten Zellen abzutöten. Maßnahmen wie Kalorienrestriktion setzen dagegen unter anderem bei der Rate an, mit der neue seneszente Zellen entstehen.

Auch die Kombination aus Dasatinib und Quercetin wird zur Beseitigung seneszenter Zellen untersucht, nutzt aber teilweise andere Wirkwege. Quercetin allein wird als schwächer senolytisch wirksam als Fisetin beschrieben. Zusammen mit Dasatinib könnte es synergistisch wirken, die Stoffe könnten sich also in ihrer Wirkung ergänzen. Solche Vergleiche hängen von Zelltyp und Versuchsbedingungen ab und begründen keine Empfehlung zur eigenständigen Kombination.

Was zeigen die Tierstudien zu Fisetin tatsächlich?

Bei alten Mäusen wurden unter intermittierender Fisetin-Behandlung eine Verlängerung der medianen und maximalen Lebensspanne, weniger Seneszenzmarker in Fettgewebe, Nieren und Herz sowie eine verbesserte körperliche Funktion beschrieben. Als typische Dosis werden 100 mg/kg Körpergewicht genannt, verabreicht in zeitlichen Abständen. Eine zentrale bibliografische Quelle ist die Arbeit von Yousefzadeh und Kollegen.

Die Wirkung unterscheidet sich je nach Gewebe und Zelltyp. In-vitro-Untersuchungen zeigen beispielsweise eine stärkere Beseitigung seneszenter Endothelzellen als seneszenter Fibroblasten. Als Erklärung werden unter anderem Unterschiede in der Bildung von Proteinen der BCL-2-Familie herangezogen. In Tiermodellen wurden bei intermittierender Gabe außerdem Verbesserungen der Arterienfunktion beschrieben, unter anderem in der Studie „Intermittent supplementation with fisetin improves arterial function in old mice by decreasing cellular senescence“. Diese Befunde lassen sich nicht unmittelbar auf Menschen übertragen.

Was zeigen klinische Studien mit Fisetin beim Menschen?

Die Humanstudien sind bislang in Zahl und Umfang begrenzt. Eine beschriebene Pilotuntersuchung bei Frauen mit Adipositas soll Hinweise auf Sicherheit und Durchführbarkeit sowie eine gewisse Abnahme von Entzündungsmarkern geliefert haben. Eine Lebensverlängerung wurde dabei nicht untersucht. Für die genaue Beschreibung fehlt jedoch eine passende Zuordnung in der Bibliografie, sodass auch die Sicherheitsbewertung nicht bestätigt ist.

Weitere Untersuchungen betreffen Arthrose, chronische Nierenerkrankung und Gebrechlichkeit. Die beschriebenen Humanstudien liefern vor allem Daten zu Sicherheit und Durchführbarkeit. Ein Nachweis einer längeren Lebensspanne oder Gesundheitsspanne fehlt. Ergebnisse ausreichend großer, statistisch aussagekräftiger Langlebigkeitsstudien liegen in den hier herangezogenen Arbeiten nicht vor.

Warum ist die Bioverfügbarkeit von Fisetin ein Problem für die Anwendung zur Lebensverlängerung?

Oral aufgenommenes Fisetin wird schlecht resorbiert und beim sogenannten First-Pass-Metabolismus rasch verstoffwechselt, bevor größere Mengen den systemischen Kreislauf erreichen. Deshalb entstehen nach üblichen Dosen nur geringe Konzentrationen im Blutplasma. Hinzu kommt der große Mengenunterschied zwischen Fisetin aus Lebensmitteln und den Dosen in Forschungsprotokollen.

Liposomale Verkapselungen und Nanopartikel als Trägersysteme werden entwickelt, um die Bioverfügbarkeit zu verbessern. Auch das Darmmikrobiom beeinflusst den Flavonoidstoffwechsel und könnte dazu beitragen, dass bei gleicher Dosis von Person zu Person unterschiedliche Mengen im Körper verfügbar werden.

Wie hängt Fisetin mit den Kennzeichen des Alterns zusammen?

Die senolytische Wirkung richtet sich unmittelbar gegen zelluläre Seneszenz, eines der zentralen Kennzeichen des Alterns. Wenn die Zahl seneszenter Zellen sinkt, kann auch die durch ihren SASP ausgelöste chronische Entzündung abnehmen. Dieses Inflammaging beeinflusst wiederum mehrere weitere Alterungsprozesse.

Die beschriebene Aktivierung von SIRT1 verbindet Fisetin mit epigenetischer Regulation und der Neubildung von Mitochondrien. Antioxidative Effekte über NRF2 können oxidiven Stress verringern, der seinerseits DNA-Schäden und weitere Seneszenz auslösen kann. Außerdem werden Einflüsse auf mTOR und AMPK beschrieben, also auf Signalwege, die Autophagie und die Reaktion der Zelle auf das Nährstoffangebot regulieren. Diese mechanistischen Zusammenhänge erklären das Forschungsinteresse, belegen aber keine Lebensverlängerung beim Menschen.

Welche Biomarker könnten anzeigen, ob ein Fisetin-Protokoll wirkt?

Keiner der hier genannten Routinewerte kann allein nachweisen, dass Fisetin seneszente Zellen beseitigt. Außerhalb von Gewebeuntersuchungen gibt es keinen einzelnen Biomarker, der diese Beseitigung direkt misst.

Als praktische indirekte Messgrößen werden hsCRP, IL-6 und TNF-alpha für die Entzündungsaktivität sowie Nüchterninsulin und HbA1c für Stoffwechselstörungen diskutiert. ApoB und Homocystein erfassen Aspekte des Herz-Kreislauf-Risikos, die durch chronische Entzündungen mitbeeinflusst werden können. Epigenetische Verfahren wie GrimAge und DunedinPACE können unterschiedliche Aspekte biologischer Alterung im Zeitverlauf abbilden.

Auch DEXA-Messungen der Körperzusammensetzung, insbesondere Veränderungen des viszeralen Fetts, werden als indirekte Hinweise vorgeschlagen. Der Gedanke dahinter: Fettgewebe kann ein wichtiger Ort der Ansammlung seneszenter Zellen sein. Eine Verbesserung dieser Werte ist jedoch kein spezifischer Nachweis einer senolytischen Wirkung. Sie bestätigt weder die Wirksamkeit eines Fisetin-Protokolls noch eine Verlängerung der Gesundheitsspanne.

Literatur

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Ergänzende Biomarker-Informationen des ursprünglichen Anbieters; keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege für Fisetin: