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Serumfolat verstehen: Was dein Blutwert aussagt

Klinische Prüfung ausstehend

Serumfolat ist ein Blutwert zur Folatversorgung. Was der Wert erkennen lässt, welche Grenzen er hat und weshalb Befunde im gesundheitlichen Zusammenhang beurteilt werden.

Zeigt ein Folatwert im Referenzbereich, dass der Körper gut versorgt ist? Serumfolat sagt zunächst, wie viel Folat gerade im Blut zirkuliert. Schon die Mahlzeiten vor der Blutentnahme können den Wert beeinflussen. Um die längerfristige Versorgung und mögliche Folgen eines Mangels einzuschätzen, helfen weitere Laborwerte sowie Angaben zu Ernährung, Medikamenten und Beschwerden.

Folat ist Vitamin B9. Der Körper braucht es unter anderem für die Zellteilung, die Blutbildung und die Regulation der Genaktivität. Seine Aufgaben im Stoffwechsel erklären, weshalb ein einzelner Blutwert die Versorgung nur teilweise abbildet.

Was ist Folat?

Folat, auch Vitamin B9 genannt, umfasst eine Gruppe von Coenzymen. Diese Hilfsstoffe brauchen Zellen, um DNA aufzubauen und die Genaktivität durch Methylierung zu regulieren. Folat steckt beispielsweise in grünem Blattgemüse und Hülsenfrüchten. Angereicherte Getreideprodukte und Nahrungsergänzungsmittel enthalten es als Folsäure.

Serumfolat bezeichnet die Menge an Folat, die zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Blut zirkuliert. Schon die Mahlzeiten des Vortags können den Messwert verändern. Erythrozytenfolat, auch RBC-Folat genannt, bleibt dagegen über die gesamte Lebensdauer der roten Blutkörperchen in diesen Zellen. Es gibt deshalb Auskunft über die längerfristige Versorgung.

Niedrige Werte können darauf hindeuten, dass den Zellen Folat für die DNA-Synthese und die Methylierung fehlt. Höhere Werte sprechen im Allgemeinen für eine ausreichende Zufuhr und Aufnahme.

Wie Folat die DNA-Synthese und die Methylierung unterstützt

Folat transportiert Ein-Kohlenstoff-Einheiten. Der Körper benötigt sie für den Aufbau von Nukleotiden, den Bausteinen von DNA und RNA. Sie helfen außerdem, Homocystein wieder in Methionin umzuwandeln. Aus Methionin entsteht S-Adenosylmethionin, kurz SAM. Dieser Stoff überträgt Methylgruppen auf viele andere Moleküle und beeinflusst damit unter anderem den Stoffwechsel der Neurotransmitter und die Signale, die die Genaktivität steuern.

Wo sich Zellen häufig erneuern, macht sich ein Folatmangel zuerst bemerkbar. Das betrifft das Knochenmark, in dem neue rote Blutkörperchen entstehen, ebenso wie die Darmschleimhaut und frühe Embryonen während der Bildung des Neuralrohrs. Fehlt Folat, wird die DNA nicht schnell genug vervielfältigt. Es entstehen weniger und zugleich größere rote Blutkörperchen. Diese Vergrößerung heißt Makrozytose; außerdem kann sich eine Anämie entwickeln.

An diesen Stoffwechselwegen sind weitere Vitamine beteiligt. Vitamin B12 ermöglicht die Übertragung der Methylgruppe bei der Umwandlung von Homocystein zu Methionin. Bei einem B12-Mangel kann sich Folat im Serum anreichern, während die Methylierung ins Stocken gerät. Der Serumfolatwert kann dann normal oder sogar erhöht sein, obwohl diese Prozesse beeinträchtigt sind.

Riboflavin, also Vitamin B2, unterstützt als Cofaktor das Enzym MTHFR. Dieses wandelt Folat in seine aktive Methylform um. Bei Menschen mit häufigen MTHFR-Varianten beeinflusst die Riboflavinversorgung, wie effizient die Umwandlung abläuft (Moat et al., 2003, PubMed; DOI). Vitamin B6 unterstützt einen anderen Weg zum Abbau von Homocystein: die Transsulfurierung.

In Beobachtungsstudien gehen erhöhte Homocysteinwerte mit höheren kardiovaskulären und kognitiven Risiken einher. Folsäure senkt Homocystein zuverlässig. Ob dadurch auch klinische Ereignisse wie Schlaganfälle seltener werden, zeigen die Studien jedoch nicht einheitlich. Ein verringertes Schlaganfallrisiko wird vor allem für Bevölkerungsgruppen mit Folatmangel beschrieben (Wang et al., 2007, PubMed; DOI; Lonn et al., 2006, PubMed; DOI).

Serumfolat misst keine langfristigen Gewebespeicher. Als Zeiträume werden für Serumfolat vor allem die Zufuhr der vergangenen 24–48 Stunden und für Erythrozytenfolat die Versorgung der vergangenen 3–4 Monate angegeben. Diese Zeitangaben sind nicht unabhängig geprüft. Erythrozytenfolat erlaubt damit einen längerfristigen Einblick. Mehr dazu steht im Ratgeber zu Erythrozytenfolat der Originalquelle.

Wie lässt sich der Serumfolatwert einordnen?

Der Referenzbereich auf dem Laborbefund hilft bei der ersten Einordnung. Er wird aus Bevölkerungsdaten abgeleitet und liefert allein keine Diagnose. Ein normaler Serumfolatwert am Morgen nach einer folatreichen Mahlzeit kann beispielsweise wenig über die tatsächlichen Gewebespeicher aussagen. Erythrozytenfolat bildet die Versorgung über einen längeren Zeitraum ab.

Auch die Lebensphase und die Aufnahme im Darm spielen eine Rolle. In der Schwangerschaft steigt der Folatbedarf, weil der Körper deutlich mehr DNA aufbaut. Bei älteren Menschen können Veränderungen im Magen oder mehrere gleichzeitig eingenommene Medikamente die Aufnahme beeinflussen. Bei einer Malabsorption nimmt der Darm Nährstoffe nur eingeschränkt auf. Dann können die Werte trotz ausreichender Ernährung niedrig sein.

Hinzu kommt das Messverfahren: Labore arbeiten mit unterschiedlichen Methoden und deshalb auch mit unterschiedlichen Grenzwerten. Serumfolat schwankt stärker als Erythrozytenfolat. Ein einzelner Messwert kann daher ein irreführendes Bild vermitteln, wenn diese Einflüsse unberücksichtigt bleiben.

Normales Serumfolat

Die meisten Labore setzen die untere Grenze für Serumfolat bei ungefähr 2–4 ng/mL an. Welcher Grenzwert gilt, hängt vom Labor und seinem Messverfahren ab. Ein Ergebnis im Referenzbereich spricht dafür, dass bei der Blutentnahme ausreichend Folat im Blut zirkulierte.

Ein individuell optimaler Wert für den Stoffwechsel lässt sich aus bevölkerungsbasierten Grenzwerten allerdings nicht ableiten. Nach einer folatreichen Mahlzeit oder einer kürzlich eingenommenen Ergänzung kann das Ergebnis unauffällig sein, ohne die tatsächlichen Gewebespeicher abzubilden. Für die längerfristige Versorgung gilt Erythrozytenfolat als verlässlicherer Hinweis.

Hohes Serumfolat

Hohe Serumfolatwerte lassen sich meist durch die Ernährung und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erklären. Die Anreicherung von Lebensmitteln erhöht die Folatzufuhr in der Bevölkerung. Nach einer folatreichen Mahlzeit oder einem Multivitaminpräparat kann der Serumwert vorübergehend stark ansteigen. Das zeigt zunächst, dass kürzlich Folat in den Blutkreislauf gelangt ist. Es bedeutet nicht automatisch, dass die Zellen übermäßig viel Folat enthalten.

Für die Einordnung sind die übrigen Befunde wichtig. Hohes Folat zusammen mit niedrigem Vitamin B12 und einem erhöhten mittleren Erythrozytenvolumen, kurz MCV, kann auf einen B12-Mangel hinweisen. Diese Kombination allein zeigt jedoch nicht, dass der Mangel durch Folat verdeckt oder „maskiert“ wird; wie aussagekräftig sie diagnostisch ist, bleibt zu klären. Folat behebt den durch B12-Mangel verursachten Engpass bei der Methylierung nicht. Neurologische Schäden können unbemerkt fortschreiten.

Einige Untersuchungen haben bei hoher Folsäurezufuhr durch Ergänzungsmittel nicht verstoffwechselte Folsäure im Blut nachgewiesen, insbesondere in Ländern mit Lebensmittelanreicherung. Welche klinische Bedeutung das hat, bleibt unklar (Morris et al., 2010, PubMed; DOI). Die angeführte Arbeit untersucht Zusammenhänge bei älteren Menschen; ob sie auch Aussagen zu hohen Ergänzungsdosen oder zur Maskierung eines B12-Mangels stützt, ist offen. Bleibt ein Wert unerwartet hoch, können B12, Homocystein und ein vollständiges Blutbild helfen, den Befund zu verstehen.

Niedriges Serumfolat

Bei niedrigem Folat kommen vor allem eine geringe Zufuhr, eine eingeschränkte Aufnahme oder ein erhöhter Bedarf infrage. Hoher Alkoholkonsum erschwert die Aufnahme und erhöht die Verluste. Auch Medikamente können den Wert senken, wenn sie in den Folatstoffwechsel eingreifen. Dazu gehören bestimmte Antikonvulsiva wie Phenytoin sowie Methotrexat, Trimethoprim und Sulfasalazin.

Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und eine vorausgegangene bariatrische Operation können dazu führen, dass der Darm weniger Folat aufnimmt. In Schwangerschaft und Stillzeit steigt dagegen der Bedarf erheblich.

Die Folgen einer niedrigen Versorgung können sich im Blutbild und an Beschwerden zeigen. Sinkendes Folat zusammen mit steigendem MCV, niedrigem Hämoglobin und einer schmerzenden Zunge kann auf eine megaloblastäre Anämie hindeuten. Bei dieser Form der Anämie wird die DNA nicht schnell genug vervielfältigt. Es entstehen weniger, dafür größere rote Blutkörperchen.

Ein Wert knapp unter dem Laborreferenzbereich kann weniger bedenklich sein, wenn Homocystein und Blutbild unauffällig sind. Auch Unterschiede zwischen Messverfahren gehören zur Einordnung. Ärztlich lässt sich beurteilen, wie der Folatwert zu den übrigen Befunden und Beschwerden passt.

Was den Serumfolatwert zwischen zwei Blutentnahmen verändert

Unterscheiden sich die Serumfolatwerte zweier Blutentnahmen, müssen sich die Gewebespeicher nicht im gleichen Maß verändert haben. Ernährung, Medikamente und die Bedingungen der Blutentnahme beeinflussen den Messwert.

Alkohol erschwert die Folataufnahme im Darm und erhöht die Verluste über den Urin. Hoher oder chronischer Alkoholkonsum gehört deshalb zu den beständigen Ursachen einer niedrigen Folatversorgung.

Bei Medikamenten hängt der Einfluss vom Wirkstoff ab. Antikonvulsiva, Methotrexat, Trimethoprim und Sulfasalazin greifen auf unterschiedliche Weise in den Folatstoffwechsel ein. Manche hemmen das Enzym Dihydrofolatreduktase, andere beeinträchtigen die Aufnahme oder beschleunigen die Ausscheidung. Solche Arzneimittelwirkungen lassen sich nicht allein mit der Ernährung erklären.

Bei Zöliakie und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann die Folataufnahme eingeschränkt sein. Nach bariatrischen Eingriffen kann die veränderte Anatomie zudem die verfügbare Darmfläche oder deren Funktion beeinträchtigen. Die Serumwerte können dann auch sinken, wenn die Ernährung ausreichend Folat liefert.

Schwangerschaft und Stillzeit erhöhen den Bedarf deutlich: Für das Wachstum von Fötus und Säugling wird mehr DNA aufgebaut. Steigt die Zufuhr nicht entsprechend, können die Folatwerte im Blut abnehmen.

Wie viel Folat den Blutkreislauf erreicht, hängt außerdem von seiner Form im Lebensmittel und von der Zubereitung ab. Natürliche Nahrungsfolate reagieren empfindlich auf Hitze und Licht. Langes Kochen in Wasser kann erhebliche Verluste verursachen. Folsäure in angereicherten Lebensmitteln wird als hitzestabil beschrieben. Sie wird anders verarbeitet und ist besser bioverfügbar: Der Körper kann einen größeren Anteil davon nutzen. Bei manchen Menschen ist die Fähigkeit zur Umwandlung jedoch begrenzt. Bei hoher Zufuhr können deshalb geringe Mengen nicht verstoffwechselter Folsäure im Blut auftreten.

MTHFR-Varianten beeinflussen, wie effizient Folat umgewandelt wird; die Aufnahme selbst beeinträchtigen sie nicht. Die Variante C677T verringert die MTHFR-Aktivität. Wie stark sich das auswirkt, hängt auch von der Riboflavinversorgung ab (Moat et al., 2003, PubMed; DOI). Die Versorgung mit B12 und B6 beeinflusst ebenfalls, wie gut die an der Methylierung beteiligten Stoffwechselwege funktionieren. Davon hängt mit ab, was ein bestimmter Serumfolatwert über deren Funktion aussagt.

Beim Vergleich von Blutwerten zählt auch die letzte Mahlzeit. Eine einzelne Portion angereicherter Frühstückscerealien soll den Serumfolatwert vorübergehend verdoppeln können; für diese Größenordnung fehlt ein unmittelbarer Beleg. Eine Blutentnahme kurz nach einer stark angereicherten Mahlzeit kann die übliche Versorgung zu günstig erscheinen lassen. Wegen solcher Schwankungen können auch Erythrozytenfolat und Homocystein bei der Beurteilung hilfreich sein.

Welche Werte neben Folat helfen können

Weitere Blutwerte können Hinweise darauf geben, ob ein auffälliger Folatbefund zu einer längerfristig niedrigen Versorgung oder zu einer Störung verwandter Stoffwechselwege passt:

  • Erythrozytenfolat gibt Auskunft über den längerfristigen Folatstatus und gilt als Hinweis auf die Gewebespeicher. Während Serumfolat vor allem die aktuelle Zufuhr widerspiegelt, wird für Erythrozytenfolat ein Zeitraum von 3–4 Monaten angegeben. Um eine dauerhaft ausreichende Versorgung einzuschätzen, kann die gemeinsame Betrachtung beider Werte helfen. Dass dafür grundsätzlich beide Messungen nötig sind, ist nicht geklärt.
  • Vitamin B12 wird gebraucht, um bei der Umwandlung von Homocystein zu Methionin die Methylgruppe zu übertragen. Eine hohe Folatzufuhr kann bei niedrigem B12 Anämiezeichen abschwächen, während neurologische Schäden durch den B12-Mangel fortschreiten. Deshalb ist es wichtig, beide Befunde gemeinsam zu beurteilen. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Pflicht ableiten, beide Werte immer zu bestimmen.
  • Homocystein kann Hinweise auf Störungen im Methylierungsstoffwechsel geben. Ein erhöhter Wert zusammen mit niedrigem Folat kann für einen Folatmangel sprechen. Ist Folat normal und zugleich die Methylmalonsäure erhöht, deutet erhöhtes Homocystein eher auf einen B12-Mangel hin.
  • Methylmalonsäure, kurz MMA, wird als B12-spezifischer funktioneller Marker beschrieben. Bei erhöhtem Homocystein und grenzwertigen Folat- und B12-Werten kann sie helfen, einen B12-Mangel von einem Folatmangel zu unterscheiden. Wie eindeutig diese Zuordnung im jeweiligen klinischen Zusammenhang ist, bleibt offen.
  • Ein erhöhtes mittleres Erythrozytenvolumen, kurz MCV, kann zusammen mit niedrigem Hämoglobin zum Blutbild einer megaloblastären Anämie durch Folat- oder B12-Mangel passen. Bei einer Eisenmangelanämie sinkt das MCV dagegen typischerweise. Solche Muster geben Hinweise, reichen allein aber nicht für eine sichere Unterscheidung aus.

Welche Untersuchungen im Einzelfall erforderlich sind und wie eindeutig sie auf eine Ursache hinweisen, hängt vom klinischen Zusammenhang ab. Eine pauschale Empfehlung für Kombinationstests ist damit nicht begründet.

Wann nach Beginn einer Ergänzung erneut gemessen werden kann

Serumfolat reagiert vergleichsweise schnell auf eine veränderte Ernährung oder die Einnahme von Ergänzungsmitteln. Ändert sich die Zufuhr deutlich, können sich die Blutwerte innerhalb weniger Tage verschieben. Für eine Verlaufskontrolle nach einer Ergänzung oder Ernährungsumstellung wird dennoch ein Zeitfenster von 8–12 Wochen genannt. Es soll genügend Zeit lassen, um einen belastbaren Trend zu erkennen und weitere Schritte abzuleiten. Ob dieses Intervall für den jeweiligen Untersuchungsanlass geeignet ist, ist nicht abgesichert.

Für die Serumfolatbestimmung wird normalerweise keine Nüchternheit vorausgesetzt; diese Angabe ist jedoch ungeprüft, und die konkreten Vorgaben des Labors sind zu klären. Eine Blutentnahme unmittelbar nach einer stark mit Folat beziehungsweise Folsäure angereicherten Mahlzeit kann die übliche Versorgung zu günstig erscheinen lassen. Die dafür angeführte vorübergehende Verdopplung nach einer einzelnen Portion angereicherter Frühstückscerealien ist als Größenordnung nicht abgesichert.

Vergleichbare Bedingungen erleichtern es, Veränderungen zwischen Blutentnahmen zu beurteilen. Dazu gehören beispielsweise eine ähnliche Tageszeit und eine ähnliche Ernährung in den Tagen davor.

Um den Verlauf zu verstehen, sind auch Angaben zu Ernährung, Ergänzungsmitteln und Alkoholkonsum hilfreich. Ein einzelner Serumfolatwert kann ohne diesen Zusammenhang irreführend sein. Erythrozytenfolat und Homocystein zusätzlich zu betrachten, soll eine umfassendere Einschätzung ermöglichen, ob sich die Funktion des Methylierungsstoffwechsels verbessert. Ob diese zusätzlichen Messungen dafür im jeweiligen Fall geeignet und erforderlich sind, bleibt offen; als allgemeine Empfehlung ist dieses Vorgehen nicht abgesichert.

Wann ein Folatbefund ärztlich eingeordnet werden sollte

Ein einzelner Test erfasst einen Zeitpunkt. Mehrere Messungen können zeigen, wie sich die Versorgung entwickelt. Im Verlauf von Folat, B12, Homocystein und Blutbild können sich Veränderungen der Ernährung, der Medikamente oder der Lebensphase widerspiegeln.

In Ländern mit Lebensmittelanreicherung ist ein ausgeprägter Mangel seltener. Eine grenzwertige Versorgung kommt dennoch vor, besonders bei Malabsorption, erhöhtem Bedarf oder unter bestimmten Medikamenten. Eine niedrige Versorgung früh zu erkennen und anzugehen, ist meist einfacher, als eine bereits entstandene Anämie oder neurologische Beschwerden zu behandeln.

Folgende Befunde sollten zeitnah ärztlich beurteilt werden:

  • Serumfolat liegt unter dem Laborreferenzbereich, zugleich ist das MCV erhöht oder das Hämoglobin niedrig. Diese Kombination kann auf eine megaloblastäre Anämie hinweisen.
  • Serumfolat ist hoch, B12 niedrig und das MCV erhöht. Das kann auf einen B12-Mangel hindeuten. Eine Maskierung des Mangels durch Folat ist damit allein jedoch nicht nachgewiesen.
  • Homocystein ist erhöht, während Folat und B12 im Grenzbereich liegen. Das kann auf eine beeinträchtigte Funktion des Methylierungsstoffwechsels hinweisen.
  • Der Folatwert ist während einer Schwangerschaft oder bei geplantem Kinderwunsch unerwartet niedrig. Hier zählt der Zeitpunkt besonders, weil sich das Neuralrohr früh entwickelt. Die Folsäureversorgung ist für die Vorbeugung von Neuralrohrdefekten relevant (Viswanathan et al., 2023, PubMed; DOI).

Verlaufsmessungen können helfen, vorübergehende Ernährungseinflüsse einzuordnen. Unterschiede zwischen Laboren und Messverfahren bleiben dabei zu berücksichtigen. Ob weitere Schritte nötig sind oder Entwarnung möglich ist, lässt sich ärztlich zusammen mit den Beschwerden, Medikamenten, der Lebensphase und dem persönlichen Befinden beurteilen. So können die Messwerte zu einer individuell passenden Entscheidung beitragen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Folat, und welche Aufgaben hat es im Körper?

Folat ist Vitamin B9 und umfasst eine Gruppe von Coenzymen. Die Zellen brauchen sie für den Aufbau von DNA, die Bildung roter Blutkörperchen und die Methylierung. Dieser chemische Prozess reguliert unter anderem die Genaktivität. Besonders wichtig ist Folat in Geweben, deren Zellen sich schnell erneuern, etwa im Knochenmark, in der Darmschleimhaut und in sich entwickelnden Embryonen. Bei unzureichender Versorgung verlangsamt sich die Zellteilung. Dadurch können die roten Blutkörperchen größer werden und ihre Zahl kann abnehmen.

Wie wird Folat bei einer Blutuntersuchung gemessen?

Üblicherweise wird Serum- oder Plasmafolat bestimmt. Der Wert spiegelt die jüngste Zufuhr wider und kann sich schon durch die Mahlzeiten des Vortags verändern. Erythrozytenfolat, auch RBC-Folat genannt, wird dagegen in den roten Blutkörperchen gemessen. Es bildet die längerfristige Versorgung über deren Lebensdauer ab.

Weil Serumfolat stärker schwankt, gilt Erythrozytenfolat häufig als besserer Hinweis auf die längerfristige Grundversorgung. Beide Werte gemeinsam zu betrachten, kann bei der Einordnung helfen.

Welcher Folatwert ist normal?

Viele Labore setzen die untere Grenze für Serumfolat bei ungefähr 2–4 ng/mL an. Der jeweilige Referenzbereich hängt jedoch vom Labor und vom Messverfahren ab. Bevölkerungsbezogene Normwerte geben außerdem nicht vor, welcher Wert für den Stoffwechsel eines einzelnen Menschen optimal ist. Zur ärztlichen Einordnung gehören deshalb auch Beschwerden, Ernährung, Medikamente und ergänzende Marker wie Homocystein und B12.

Was verursacht niedrige Folatwerte?

Am häufigsten liegen eine geringe Zufuhr über die Ernährung, eine eingeschränkte Aufnahme oder ein erhöhter Bedarf zugrunde. Hoher Alkoholkonsum erschwert die Aufnahme und erhöht die Verluste. Bestimmte Medikamente, darunter Antikonvulsiva, Methotrexat und Trimethoprim, greifen ebenfalls in den Folatstoffwechsel ein.

Bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach einer bariatrischen Operation kann der Darm weniger Folat aufnehmen, etwa weil weniger Aufnahmefläche verfügbar ist. Während einer Schwangerschaft steigt der Folatbedarf deutlich.

Woran kann man einen Folatmangel erkennen?

Eine niedrige Versorgung bleibt oft unbemerkt, bis die Speicher über Wochen oder Monate abgenommen haben. Frühe mögliche Anzeichen sind Müdigkeit und Schwäche. Bei fortschreitendem Mangel kann eine megaloblastäre Anämie entstehen. Dabei sind die roten Blutkörperchen groß und abnormal, das Hämoglobin ist niedrig. Mögliche Beschwerden sind eine schmerzende Zunge, Kurzatmigkeit und Konzentrationsprobleme.

In der Schwangerschaft ist eine niedrige Folatversorgung mit einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte beim sich entwickelnden Fötus verbunden. Die dazu angeführte Arbeit untersucht die Folsäureergänzung zur Vorbeugung solcher Fehlbildungen (Viswanathan et al., 2023, PubMed; DOI).

Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Folat?

Gute Quellen sind dunkelgrünes Blattgemüse wie Spinat, Spargel, Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen sowie Zitrusfrüchte und Leber. Natürliche Folatformen reagieren empfindlich auf Hitze und Licht. Bei schonender Zubereitung bleibt deshalb mehr Folat erhalten als bei langem Kochen in Wasser.

Angereicherte Getreideprodukte liefern Folsäure. Diese synthetische Form wandelt der Körper in aktive Folatformen um. Sowohl natürliche Nahrungsfolate als auch Folsäure tragen zur gesamten Versorgung bei.

Wie häufig ist eine Folatmessung sinnvoll?

Für Erwachsene ohne Beschwerden gibt es keine allgemeingültige Empfehlung, wie häufig Folat gemessen werden sollte. Als mögliche Untersuchungsanlässe werden ungeklärte Müdigkeit, eine makrozytäre Anämie, die Zeit vor und während einer Schwangerschaft sowie Medikamente genannt, die den Folatstoffwechsel beeinflussen. Ob ein Test sinnvoll ist, muss individuell beurteilt werden. Daraus folgt keine geprüfte Empfehlung für routinemäßige Folattests vor und während jeder Schwangerschaft. Die angeführte Arbeit von Viswanathan et al. behandelt die Folsäureergänzung zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten, nicht den Nutzen routinemäßiger Folatmessungen.

Bei einem bekannten Mangel oder einer medizinisch begründeten Verlaufskontrolle des Methylierungsstoffwechsels wird eine erneute Messung 8–12 Wochen nach einer Ernährungsumstellung oder einer Änderung der Ergänzung genannt. Ob dieser Kontrollabstand für den jeweiligen Anlass geeignet ist, ist nicht abgesichert.

Kann hohes Folat einen Vitamin-B12-Mangel verdecken?

Ja. Eine hohe Folatzufuhr kann Anämiezeichen bei einem Vitamin-B12-Mangel teilweise korrigieren. Dadurch wird ein möglicher Hinweis auf den Mangel abgeschwächt, während neurologische Schäden durch die unzureichende B12-Versorgung unentdeckt fortschreiten können. Ein hoher Serumfolatwert allein beweist allerdings keine solche Maskierung.

Diese Wechselwirkung spricht dafür, B12 bei der Einordnung eines Folatbefunds zu berücksichtigen. Das betrifft besonders ältere Menschen, vegan lebende Personen und Menschen, die säurehemmende Medikamente einnehmen. Diese Medikamente können die B12-Aufnahme vermindern. Ob in jedem Fall beide Werte gemeinsam untersucht werden müssen, ist jedoch nicht geklärt.

Literatur

Die Literaturangaben wurden unverändert übernommen. DOI- und PubMed-Zuordnung sowie die Belege für einzelne Aussagen sind nicht unabhängig geprüft; für die behauptete Verdopplung nach angereicherten Cerealien fehlt ein unmittelbarer Beleg.

  • Viswanathan M, Urrutia RP, Hudson KN, Middleton JC, Kahwati LC (2023). Folic Acid Supplementation to Prevent Neural Tube Defects: Updated Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA, 330(5), 460-466. https://doi.org/10.1001/jama.2023.9864. PubMed
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  • Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ, Sheridan P, Pogue J, Micks M, McQueen MJ, Probstfield J, Fodor G, Held C, Genest J, Jr., Heart Outcomes Prevention Evaluation (HOPE) 2 Investigators (2006). Homocysteine lowering with folic acid and B vitamins in vascular disease. The New England journal of medicine, 354(15), 1567-77. https://doi.org/10.1056/NEJMoa060900. PubMed
  • Moat SJ, Ashfield-Watt PA, Powers HJ, Newcombe RG, McDowell IF (2003). Effect of riboflavin status on the homocysteine-lowering effect of folate in relation to the MTHFR (C677T) genotype. Clinical chemistry, 49(2), 295-302. https://doi.org/10.1373/49.2.295. PubMed
  • Morris MS, Jacques PF, Rosenberg IH, Selhub J (2010). Circulating unmetabolized folic acid and 5-methyltetrahydrofolate in relation to anemia, macrocytosis, and cognitive test performance in American seniors. The American journal of clinical nutrition, 91(6), 1733-44. https://doi.org/10.3945/ajcn.2009.28671. PubMed