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Freier Androgenindex: Berechnung, SHBG und Grenzen

Klinische Prüfung ausstehend

Der FAI setzt Gesamt-Testosteron zu SHBG ins Verhältnis. Wie er berechnet wird, wann er helfen kann und weshalb er freies Testosteron nicht direkt misst.

Der freie Androgenindex, kurz FAI, ist ein berechneter Laborwert aus Gesamt-Testosteron und dem Sexualhormon-bindenden Globulin SHBG. Er wird vor allem bei bestimmten Fragen zum Androgenüberschuss bei Frauen verwendet. Er ist weder eine direkte Messung von freiem Testosteron noch eine verlässliche Zahl für die gesamte Androgenwirkung im Gewebe.

SHBG kann den Index stark verändern. Deshalb sollte ein hoher oder niedriger FAI nie ohne seine beiden Ausgangswerte, die Messmethode und die klinische Situation beurteilt werden. Für Männer ist er zur Beurteilung eines Testosteronmangels im Allgemeinen nicht das bevorzugte Verfahren.

Was der freie Androgenindex beschreibt

Ein großer Teil des Testosterons im Blut ist an Proteine gebunden, vor allem SHBG und Albumin. Nur ein kleiner Anteil liegt frei vor. SHBG bindet Testosteron stärker als Albumin. In der klinischen Terminologie wird „bioverfügbar“ häufig für freies und locker an Albumin gebundenes Testosteron zusammen verwendet.

Der FAI berücksichtigt dagegen nur Gesamt-Testosteron und SHBG in einer einfachen Verhältnisrechnung. Er bildet weder alle Bindungsvorgänge noch die Aufnahme und Umwandlung im Gewebe vollständig ab. Die Bezeichnung „frei“ darf deshalb nicht mit einer direkten Messung verwechselt werden.

Warum SHBG bei der Interpretation wichtig ist

Zwei Menschen können dasselbe Gesamt-Testosteron und unterschiedliche SHBG-Werte haben. Dann kann sich auch das freie Testosteron unterscheiden. Ein Gesamtwert allein erklärt daher nicht jede hormonelle Konstellation.

SHBG wird in der Leber gebildet. Östrogene, Schilddrüsenfunktion, Stoffwechsellage, Körperzusammensetzung und Medikamente können seine Konzentration beeinflussen. Unter kombinierter hormoneller Verhütung steigt SHBG häufig an, während Testosteron sinken kann. Eine systematische Übersicht zu kombinierten Kontrazeptiva behandelt diese Veränderungen.

Niedriges SHBG ist unter anderem mit bestimmten metabolischen Konstellationen verbunden. Daraus folgt aber nicht, dass jeder hohe FAI eine Insulinresistenz beweist. Auch ein niedriger FAI unter hormoneller Verhütung ist nicht automatisch ein krankhafter Androgenmangel.

So wird der FAI berechnet

Die Formel lautet:

FAI = Gesamt-Testosteron in nmol/l ÷ SHBG in nmol/l × 100.

Beide Konzentrationen müssen in denselben molaren Einheiten vorliegen. Testosteron in ng/dl lässt sich näherungsweise durch Multiplikation mit 0,0347 in nmol/l umrechnen. Ohne diese Umrechnung führt die Rechnung zu einem falschen Ergebnis.

Der Index ist dimensionslos und wird teils mit einem Prozentzeichen angegeben. Er ist aber nicht der gemessene prozentuale Anteil freien Testosterons. Ein FAI von 8 bedeutet daher nicht, dass genau 8 Prozent des Testosterons frei vorliegen.

Ein Rechenbeispiel

Bei Gesamt-Testosteron von 1,2 nmol/l und SHBG von 90 nmol/l ergibt sich:

1,2 ÷ 90 × 100 = etwa 1,3.

Bei demselben Testosteronwert und SHBG von 15 nmol/l ergibt sich:

1,2 ÷ 15 × 100 = 8,0.

Das Beispiel zeigt die starke Wirkung des Nenners. Es beweist weder im ersten Fall einen Androgenmangel noch im zweiten Fall PCOS oder eine Insulinresistenz. Gerade bei niedrigem SHBG kann die einfache Verhältnisrechnung ihre Grenzen erreichen.

Testosteron wird häufig unter standardisierten morgendlichen Bedingungen bestimmt. Ob Nüchternheit und eine bestimmte Zyklusphase erforderlich sind, richtet sich nach der Fragestellung. Die Tage 19–22 eignen sich nicht pauschal für jede FAI-Untersuchung; bei Androgenabklärung werden häufig andere, etwa frühfollikuläre Bedingungen gewählt.

Den Index nach Lebensphase einordnen

Es gibt keinen universellen FAI-Grenzwert für alle Labore und Menschen. Die Genauigkeit der beiden Ausgangsmessungen ist entscheidend. Besonders niedrige Testosteronkonzentrationen bei Frauen stellen manche Immunoassays vor Probleme; geeignete LC-MS/MS-Verfahren können zuverlässiger sein.

FAI wird unter anderem bei Verdacht auf biochemischen Hyperandrogenismus im Zusammenhang mit PCOS eingesetzt. Die internationale PCOS-Leitlinie ordnet Laborwerte in die gesamte Diagnostik ein. Ein Index allein stellt keine PCOS-Diagnose.

Im Internet finden sich Einteilungen wie unter 3, 3–7, 7–10 oder über 10–12. Solche Kategorien sind keine allgemein anerkannten Diagnoseklassen. Insbesondere bedeutet ein Wert unter 3 nicht automatisch einen klinischen Androgenmangel; auch ein Wert über 7 ist nicht ohne Weiteres krankhaft. Maßgeblich sind Methode, geeignete Referenzpopulation und Beschwerden.

Bei Männern wird je nach Situation freies Testosteron mit einer geeigneten Methode gemessen oder anhand von Gesamt-Testosteron, SHBG und gegebenenfalls Albumin berechnet. Gleichgewichtsdialyse ist eine Messmethode, keine Rechenformel. Eine Bewertung von Berechnungsverfahren und eine spätere methodische Untersuchung behandeln deren Grenzen.

Was SHBG und damit den FAI verändert

Stoffwechsellage und SHBG-Produktion

Niedriges SHBG kommt unter anderem im Zusammenhang mit Insulinresistenz und Leberfett vor. Die Regulation ist komplexer als die Vorstellung, Insulin senke den Wert bei jedem Menschen unmittelbar. Eine Untersuchung zu SHBG und metabolischen Zusammenhängen gehört zur entsprechenden Literatur.

Ernährung und Bewegung können die metabolische Gesundheit unterstützen. Eine Verbesserung des FAI allein ist jedoch kein vollständiger Beleg für eine erfolgreiche Behandlung. Beschwerden, Zyklus und andere relevante Endpunkte zählen ebenfalls. SHBG als möglicher früher Marker oder therapeutischer Ansatz bei PCOS wird wissenschaftlich diskutiert; daraus folgt noch kein universelles persönliches Ziel.

Schilddrüsenfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann SHBG erhöhen, eine Unterfunktion kann mit niedrigeren Werten einhergehen. Unerwartete Ergebnisse können deshalb Anlass sein, die Schilddrüse mitzubeurteilen. Die Richtung und Stärke hängen von der konkreten Situation ab.

Jodpräparate sind keine allgemeine Methode zur Korrektur eines FAI. Eine vermutete Schilddrüsenerkrankung muss passend diagnostiziert und behandelt werden; zusätzliche Jodzufuhr ist nicht für jede Ursache geeignet.

Östrogene und hormonelle Verhütung

Östrogene können die hepatische SHBG-Produktion erhöhen, besonders bei oraler Anwendung. Schwangerschaft und hormonelle Präparate verändern deshalb die Interpretation. Ein unter Verhütung gemessener FAI ist nicht unmittelbar mit einem Wert im unbehandelten Zyklus vergleichbar.

Nach Absetzen eines Präparats können sich Werte über eine längere Zeit verändern. Ob und wann eine Unterbrechung für diagnostische Zwecke nötig ist, entscheidet die behandelnde Stelle. Eine sichere alternative Verhütung muss gegebenenfalls berücksichtigt werden; das Präparat nicht selbstständig nur für einen Labortest absetzen.

Energieverfügbarkeit, Erkrankungen und Medikamente

Ausgeprägter Energiemangel, akute Erkrankungen oder bestimmte Medikamente können die Androgenproduktion beeinflussen. Glukokortikoide und Opioide gehören zu möglichen Einflussfaktoren. Alkohol, Lebererkrankungen und weitere Umstände können SHBG verändern.

Nährstoffmängel können verschiedene hormonelle oder metabolische Prozesse beeinträchtigen. Ein FAI allein diagnostiziert jedoch weder Zink- noch Eisenmangel. Die Frage nach solchen Mechanismen ist von einer Empfehlung hoch dosierter Präparate zu trennen. Hoch dosiertes Biotin kann außerdem manche Laborverfahren stören und sollte vor der Untersuchung angegeben werden.

Welche Begleitwerte sinnvoll sein können

Gesamt-Testosteron und SHBG sollten immer zusammen mit dem berechneten Index betrachtet werden. Bei widersprüchlichen Befunden kann freies Testosteron weiterhelfen, wenn es mit einem geeigneten Verfahren bestimmt wird.

DHEA-S kann Hinweise auf die Androgenproduktion der Nebennieren geben. Erhöhtes DHEA-S zusammen mit hohem FAI beweist aber nicht, dass ausschließlich die Nebenniere und nicht auch der Eierstock beteiligt ist. TSH, LH, FSH, Prolaktin oder 17-Hydroxyprogesteron beantworten je nach Situation weitere Fragen.

Nicht jedes dieser Verfahren ist für jede Person nötig. Auswahl und Reihenfolge richten sich nach Beschwerden, körperlichen Zeichen, Zyklus, Medikamenten und den Ausgangswerten.

Wann eine Wiederholung sinnvoll ist

Es gibt kein allgemeines Mindestintervall von sechs Monaten. Ebenso ist eine Kontrolle nach 6–12 Wochen nicht grundsätzlich zu früh. Die zeitliche Entwicklung hängt davon ab, welcher Einfluss untersucht oder welche Behandlung verändert wurde.

Angaben wie 4–6 Wochen für Testosteron, 4–8 Wochen für allgemeine Veränderungen oder 3–6 Monate nach hormoneller Verhütung sind keine austauschbaren Regeln. Bei rasch zunehmenden Androgenzeichen darf notwendige Abklärung nicht durch einen langen routinemäßigen Kontrollabstand verzögert werden.

Für Vergleichbarkeit helfen dieselbe Methode, dokumentierte Medikamente und ein zur Fragestellung passender, möglichst vergleichbarer Entnahmezeitpunkt. Der Verlauf muss mit den Beschwerden zusammengeführt werden.

Wann endokrinologische Abklärung wichtig ist

Anhaltend auffällige Werte mit unregelmäßigen Blutungen, Akne oder vermehrter Körperbehaarung können eine gezielte Abklärung begründen. Rasche Virilisierung, etwa eine tiefere Stimme, benötigt eine zeitnahe Beurteilung. PCOS, andere hormonelle Störungen und selten Tumoren sind je nach Konstellation zu unterscheiden.

Ein niedriger Index bei geringer Libido oder Müdigkeit erklärt diese Beschwerden nicht automatisch. Bei Männern folgt die Hypogonadismusdiagnostik eigenen Kriterien, wie in der Leitlinie zu Testosteronmangel beschrieben.

Grenzen bei ungewöhnlichem SHBG

Sehr niedriges oder hohes SHBG kann die Aussage des FAI begrenzen. Zahlen wie unter 5 oder über 200 nmol/l markieren dabei keine universelle Grenze der Zuverlässigkeit; Probleme können auch außerhalb solcher extremen Beispiele auftreten. Die Wahl einer besseren Mess- oder Berechnungsmethode muss zur Situation passen.

Einen Verlauf sinnvoll nutzen

Dokumentierte Änderungen von Beschwerden, Zyklus und Medikamenten können Laborwerte verständlicher machen. Der Zweck ist, eine konkrete Frage zu klären, nicht fortlaufend eine einzelne Zahl zu optimieren. Ein Panel allein beweist weder Ursache noch Behandlungserfolg.

Häufige Fragen

Was ist der FAI?

Ein Verhältnis aus Gesamt-Testosteron und SHBG. Es kann bei ausgewählten Fragen zum Androgenüberschuss helfen, misst aber keine Gewebewirkung direkt.

Wie lautet die Formel?

Gesamt-Testosteron geteilt durch SHBG, jeweils in nmol/l, multipliziert mit 100. Das Ergebnis ist ein Index, kein gemessener Anteil freien Testosterons.

Welcher Bereich gilt bei Frauen?

Der passende Laborbereich ist entscheidend. Allgemeine Internetgrenzen wie 7 oder 10–12 reichen nicht für eine Diagnose. Lebensphase, Methode und hormonelle Medikamente müssen berücksichtigt werden.

Was bedeutet ein hoher Wert?

Er kann durch höheres Testosteron, niedrigeres SHBG oder beides entstehen. Er unterstützt unter passenden Bedingungen eine diagnostische Frage, beweist aber weder PCOS noch die Ursache des Befunds.

Was erklärt einen niedrigen Wert?

Niedriges Testosteron oder erhöhtes SHBG, beispielsweise unter bestimmten Östrogenpräparaten. Ein niedriger FAI allein definiert keinen behandlungsbedürftigen Androgenmangel bei Frauen.

Welche weiteren Hormone werden untersucht?

Je nach Anlass unter anderem freies Testosteron, DHEA-S, LH, FSH, TSH, Prolaktin oder 17-Hydroxyprogesteron. Ein vollständiges Paket ist nicht bei allen Menschen erforderlich.

Wie beeinflusst SHBG die Rechnung?

Es steht im Nenner. Bei gleichem Testosteron senkt höheres SHBG den Index und niedrigeres SHBG erhöht ihn. Das erklärt die Rechnung, aber noch nicht die biologische Ursache.

Wann sollte erneut getestet werden?

Nach einem zur Fragestellung passenden Plan. Ein fester Mindestabstand von sechs Monaten oder eine allgemeine Jahreskontrolle ist nicht begründet. Dringliche Beschwerden brauchen zeitnahe Abklärung.

Quellen und redaktioneller Stand

Die folgenden Quellen stammen aus dem dokumentierten Ausgangstext. Ihre klinische Einordnung und die Zuordnung einzelner Aussagen sind noch unabhängig zu prüfen. Dieser Text ist ein redaktioneller Entwurf.