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Healthspan: Wie lange wir gesund leben – und was diese Zeit beeinflusst

Klinische Prüfung ausstehend

Die gesunde Lebensspanne wächst nicht im gleichen Maß wie die Lebensdauer. Bewegung und die frühzeitige Behandlung veränderbarer Risikofaktoren können gesunde Lebensjahre fördern; für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zur gezielten Verlängerung der Healthspan ist die Evidenz beim Menschen bislang begrenzt.

Länger zu leben bedeutet nicht automatisch, länger gesund zu bleiben. Die „Healthspan“, auf Deutsch gesunde Lebensspanne, beschreibt die Jahre, in denen Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität weitgehend erhalten bleiben. Neben der gesamten Lebensdauer zählt deshalb auch, wann chronische Erkrankungen den Alltag einschränken. Bewegung und die frühzeitige Behandlung veränderbarer Risikofaktoren können helfen, diesen Zeitpunkt hinauszuzögern. Für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die gezielt die gesunde Lebensspanne verlängern sollen, sind die Belege beim Menschen bislang begrenzt.

Was Lebensdauer und gesunde Lebensspanne tatsächlich messen

Die Lebensdauer, englisch „Lifespan“, umfasst die gesamte Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn von einer weltweit steigenden Lebenserwartung die Rede ist, geht es um die erwartete Lebensdauer. Diese Zahl sagt noch nichts darüber aus, wie gesund Menschen die gewonnenen Jahre verbringen. Hintergrund zum Altern und zur Gesundheit bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die gesunde Lebensspanne lässt sich weniger eindeutig abgrenzen. Gemeint ist der Lebensabschnitt in guter Gesundheit, ohne chronische Erkrankungen oder Behinderungen, die Funktionsfähigkeit oder Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dazu gehört, sich möglichst schmerzfrei bewegen zu können, klar zu denken, selbstständig zu bleiben und aktiv am Leben teilzunehmen. Nach der hier verwendeten Definition endet die gesunde Lebensspanne, wenn chronische Erkrankungen den Alltag deutlich einschränken oder die Krankheitslast erheblich wird. Eine Einführung in diese Unterscheidung bietet auch Mayo clinic q and a lifespan vs healthspan.

Medizinische Fortschritte haben die Lebensdauer deutlich verlängert, ohne die gesunde Lebensspanne im gleichen Verhältnis zu erhöhen. Medikamente, Operationen und Intensivmedizin ermöglichen es, länger mit Krankheiten zu leben. Weniger erfolgreich gelingt es bislang, jene Zellschäden, Stoffwechselstörungen und chronischen Entzündungsprozesse zu verhindern, die zu altersbedingten Erkrankungen beitragen. Zusätzliche Lebensjahre können deshalb auch Jahre sein, in denen mehrere chronische Erkrankungen behandelt werden müssen. Mit diesem Abstand befasst sich der Beitrag Healthspan versus lifespan: new medicines to close the gap in Nature Aging. Eine historische Einordnung bietet Lifespan and Healthspan: Past, Present, and Promise.

Wie biologische Merkmale des Alterns den Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer vergrößern

In mehreren biologischen Systemen sammeln sich im Laufe der Zeit Schäden an. Sie tragen dazu bei, dass Lebensdauer und gesunde Lebensspanne auseinanderliegen. Forschende beschreiben zentrale Vorgänge als „Hallmarks of Aging“, also charakteristische Merkmale des Alterns. Die Prozesse sind miteinander verbunden. Das hilft zu erklären, warum chronische Erkrankungen im Alter häufiger werden und weshalb ein Eingriff in einen Alterungsprozess oft auch andere beeinflusst.

Zelluläre Seneszenz und chronische Entzündung

Seneszente Zellen teilen sich nicht mehr, bleiben aber im Gewebe bestehen. Sie können entzündungsfördernde Moleküle freisetzen, die das umliegende Gewebe beeinträchtigen. Diese altersassoziierte, chronische Entzündungsaktivität wird als „Inflammaging“ bezeichnet. Sie kann zunehmen, wenn das Immunsystem seneszente Zellen weniger wirksam entfernt. Die entzündlichen Signale begünstigen Insulinresistenz, Arteriosklerose und neurodegenerative Prozesse. So tragen sie dazu bei, dass Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Menschen häufig gemeinsam auftreten.

Mitochondriale Funktionsstörungen und nachlassende Stoffwechselleistung

Mitochondrien erzeugen Energie für die Zelle und steuern Stoffwechselsignale mit. Lässt ihre Funktion im Alter nach, können Zellen weniger ATP, einen zentralen Energieträger, und mehr reaktive Sauerstoffverbindungen bilden. Darunter leiden die Gewebereparatur und die körperliche Belastbarkeit. Die Veränderungen tragen auch zur Sarkopenie bei, dem altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Mitochondriale Funktionsstörungen beeinflussen außerdem Signalwege wie mTOR und AMPK. Über diese Signalwege reagieren Zellen auf die Nährstoffzufuhr und die verfügbare Energie.

Verlust der Proteostase und Proteinablagerungen

Damit Proteine funktionsfähig bleiben, stimmen Zellen deren Herstellung, Faltung und Abbau aufeinander ab. Dieses Gleichgewicht heißt Proteostase. Arbeitet die Qualitätskontrolle nicht mehr ausreichend, können sich falsch gefaltete Proteine ansammeln. Sie bilden Aggregate, die Nervenzellen und andere Zellen schädigen. Solche Prozesse spielen bei Alzheimer, Parkinson und weiteren neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle. Diese Krankheiten können die gesunde Lebensspanne besonders in den letzten Lebensjahren stark beeinträchtigen.

Epigenetische Veränderungen und beschleunigtes biologisches Altern

Epigenetische Markierungen beeinflussen, welche Gene aktiv sind, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Mit zunehmendem Alter verschieben sich diese Muster. Unter anderem können dadurch Gene für Reparaturprozesse weniger aktiv und entzündungsfördernde Signalwege stärker aktiv werden.

Epigenetische Uhren erfassen bestimmte dieser Veränderungen. In Studien können sie Informationen zum Erkrankungsrisiko liefern, die über das kalendarische Alter hinausgehen. Beschleunigtes epigenetisches Altern wird mit einer kürzeren gesunden Lebensspanne in Verbindung gebracht, auch wenn die gesamte Lebensdauer im üblichen Bereich liegt.

Was den Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer beeinflusst

Wie viele Jahre Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringen, unterscheidet sich erheblich. Bestimmte Verhaltensweisen, Stoffwechselveränderungen und Umwelteinflüsse können biologische Alterungsprozesse beschleunigen. An diesen Einflussfaktoren setzen Prävention und Behandlung an. Ihr Ziel ist eine „Kompression der Morbidität“: Krankheiten sollen später auftreten und möglichst weniger Lebensjahre prägen.

Stoffwechselstörungen und Insulinresistenz

Dauerhaft erhöhte Blutzucker- und Insulinspiegel, medizinisch Hyperglykämie und Hyperinsulinämie, fördern die Bildung sogenannter Advanced Glycation End Products, kurz AGEs. Diese entstehen, wenn Zucker mit körpereigenen Molekülen reagieren. Sie können Proteine quervernetzen und dadurch die Gewebefunktion beeinträchtigen.

Bei einer Insulinresistenz reagieren Zellen schlechter auf Insulin. Das stört die Verarbeitung von Nährstoffsignalen, begünstigt Fettablagerungen in Leber und Muskeln und kann die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen. Diese Vorgänge tragen zu Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettlebererkrankungen bei.

Nüchterninsulin, HbA1c und der Triglycerid-Glukose-Index können Hinweise auf Stoffwechselveränderungen liefern, bevor eine manifeste Erkrankung vorliegt. HbA1c bildet die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der vergangenen Wochen bis Monate ab. Der Triglycerid-Glukose-Index kombiniert Nüchternwerte von Blutfetten und Glukose.

Chronische Entzündung aus unterschiedlichen Quellen

Systemische, also den ganzen Körper betreffende Entzündungsprozesse können das Altern auf mehreren Wegen beeinflussen. Viszerales Fett, das Fettgewebe um die inneren Organe, setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Diese begünstigen Insulinresistenz und Arteriosklerose.

Auch der Darm kann beteiligt sein: Verändert sich die Zusammensetzung der Darmmikrobiota und ist zugleich die Darmbarriere beeinträchtigt, können bakterielle Bestandteile in den Kreislauf gelangen. Diese sogenannten Endotoxine aktivieren das Immunsystem.

Chronischer Stress kann wiederum die Cortisolregulation verändern. Cortisol kann bestimmte Immunfunktionen unterdrücken, während anhaltende Stressreaktionen zugleich entzündungsfördernde Prozesse in anderen Geweben begünstigen. Das hochsensitive C-reaktive Protein, hsCRP, und Kennzahlen wie das Verhältnis von neutrophilen Granulozyten zu Lymphozyten können Hinweise auf die systemische Entzündungsbelastung geben.

Bewegungsmangel und Muskelverlust

Körperliche Inaktivität beschleunigt die Sarkopenie, den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Muskeln sind stoffwechselaktives Gewebe: Sie nehmen Glukose auf, bilden unter anderem entzündungshemmende Botenstoffe, sogenannte Myokine, und unterstützen die Neubildung von Mitochondrien. Muskelverlust ist mit Einschränkungen im Alltag, Stürzen und Sterblichkeit verbunden.

Krafttraining regt über mTOR die Proteinsynthese an. Ausdauertraining aktiviert unter anderem PGC-1α, einen Regulator der Bildung neuer Mitochondrien.

Schlafstörungen und eine gestörte innere Uhr

Im Tiefschlaf werden Prozesse unterstützt, durch die das Gehirn Stoffwechselabfälle über das sogenannte glymphatische System abtransportiert. Zugleich erreicht die Ausschüttung von Wachstumshormon wichtige Spitzen, die zur Gewebereparatur beitragen.

Chronischer Schlafmangel wird mit beschleunigtem epigenetischem Altern, einer beeinträchtigten Glukoseregulation und erhöhten Entzündungsmarkern in Verbindung gebracht. Eine gestörte innere Uhr, etwa durch Schichtarbeit oder unregelmäßige Schlafzeiten, kann diese Effekte verstärken. Stoffwechsel- und Immunprozesse sind dann zeitlich schlechter aufeinander abgestimmt.

Belastung durch Umweltschadstoffe

Belastungen durch Schwermetalle, Luftverschmutzung und hormonell wirksame Chemikalien können sich über längere Zeit ansammeln und zum Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer beitragen. Solche Stoffe können oxidativen Stress auslösen, die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen und hormonelle Signalwege stören. Welche Folgen entstehen, hängt unter anderem vom jeweiligen Stoff sowie von Höhe und Dauer der Belastung ab.

Warum der Abstand von Mensch zu Mensch so unterschiedlich ist

Zwei Menschen desselben Geburtsjahrgangs können sehr unterschiedliche gesundheitliche Verläufe haben. Eine Person bleibt möglicherweise bis in ihre Neunziger selbstständig, während eine andere bereits in ihren Sechzigern mehrere chronische Erkrankungen entwickelt. Genetische Voraussetzungen, die Ausgangslage des Stoffwechsels und die im Laufe des Lebens angesammelten Belastungen tragen zu diesen Unterschieden bei.

Die Genvariante APOE4 erhöht das Alzheimer-Risiko und die Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bestimmte FOXO3-Varianten kommen bei Hundertjährigen überdurchschnittlich häufig vor und sind mit einer erhöhten Widerstandsfähigkeit gegenüber zellulärem Stress verbunden. Auch genetische Faktoren, die die Telomerlänge beeinflussen, können zum zellulären Altern beitragen. Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden der Chromosomen. Ihre Länge ist allerdings ein stark schwankender Biomarker mit großen individuellen Unterschieden. Gene bilden einen Teil der Ausgangslage; Lebensweise und Umwelt beeinflussen, wie sich diese Voraussetzungen auswirken.

Epigenetische Verfahren wie GrimAge und DunedinPACE schätzen das biologische Alter beziehungsweise das Alterungstempo. Die Ergebnisse können deutlich vom kalendarischen Alter abweichen. Chronischer Stress, eine ungünstige Stoffwechsellage oder eine Vorgeschichte des Rauchens sind mit schnellerem epigenetischem Altern verbunden. Regelmäßige Bewegung, eine maßvolle Energiezufuhr und eine geringe Entzündungsbelastung werden dagegen mit langsameren Verläufen in Verbindung gebracht. Das epigenetisch gemessene Alterungstempo kann in Studien Erkrankungsbeginn und Sterblichkeit auch unabhängig von traditionellen Risikofaktoren vorhersagen.

Wie der Körper auf Ernährung und Bewegung reagiert, hängt unter anderem von der Insulinempfindlichkeit, der mitochondrialen Effizienz und der Fähigkeit zur Fettverbrennung ab. Manche Menschen haben trotz mäßiger körperlicher Aktivität eine gute Blutzuckerregulation und niedrige Entzündungswerte. Andere entwickeln trotz regelmäßigem Sport eine Insulinresistenz. Solche Stoffwechselunterschiede helfen zu erklären, warum dieselbe Maßnahme bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Auswirkungen auf die gesunde Lebensspanne haben kann.

Für Frauen wird weltweit ein um 2,4 Jahre größerer Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer angegeben als für Männer. Die genaue Quellenzuordnung dieser Zahl ist noch offen.

Die Menopause beschleunigt den Knochenabbau, geht mit einem steigenden Herz-Kreislauf-Risiko einher und begünstigt eine Verlagerung der Fettverteilung hin zu mehr viszeralem Fett. Der Rückgang der schützenden Östrogenwirkungen auf Gefäßfunktion und Stoffwechselregulation kann die Gesundheit in späteren Lebensjahrzehnten beeinflussen. Bei Männern sinkt Testosteron meist allmählicher. Auch das kann Muskelmasse, Knochendichte und die Fähigkeit des Stoffwechsels beeinflussen, Belastungen zu bewältigen.

Belastende Erfahrungen in der Kindheit, chronischer psychischer Stress sowie wiederholte Diskriminierung oder finanzielle Unsicherheit können sich als „allostatische Last“ summieren. Gemeint ist die körperliche Beanspruchung durch wiederholte oder anhaltende Anpassung an Stress. Sie wird mit beschleunigter Telomerverkürzung, einer veränderten Cortisolregulation einschließlich erhöhter Ausgangswerte und stärkerer systemischer Entzündung in Verbindung gebracht. Menschen mit hoher allostatischer Last können mit geringeren körperlichen Reserven ins Alter kommen. Damit wird es schwieriger, trotz Belastungen gesund und selbstständig zu bleiben.

Was die Evidenz tatsächlich über eine Verkleinerung des Abstands zeigt

Die Forschung zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne beim Menschen ist belastbarer als die Forschung zur gezielten Verlängerung der gesamten Lebensdauer. Für bestimmte Maßnahmen gibt es gute Belege, dass sie Erkrankungen hinauszögern und die Zeit mit gesundheitlichen Einschränkungen verkürzen können. Darin besteht die Kompression der Morbidität.

Eine Kalorienrestriktion verlängert in Untersuchungen an Hefen, Würmern, Fliegen und Nagetieren die Lebensdauer. Zu den beteiligten Mechanismen gehören die Aktivierung von AMPK, die Hemmung von mTOR und eine verstärkte Autophagie. Bei der Autophagie baut die Zelle beschädigte Bestandteile ab und verwertet sie wieder.

Die CALERIE-Studie beim Menschen zeigte, dass eine moderate Kalorienrestriktion Stoffwechselmarker verbessern und oxidativen Stress verringern kann. Bestimmte epigenetische Messverfahren deuteten zudem auf langsamere Alterungsprozesse hin. Ob dadurch langfristig die menschliche Lebensdauer steigt, ist unbekannt. Eine dauerhafte Einschränkung der Energiezufuhr ist im Alltag außerdem schwer aufrechtzuerhalten.

Die VO₂max, also die maximale Sauerstoffaufnahme bei körperlicher Belastung, beschreibt die aerobe Leistungsfähigkeit. Sie gehört zu den starken statistischen Prädiktoren der Gesamtsterblichkeit. Als Größenordnung wird ein um ungefähr 13 % niedrigeres Sterberisiko pro zusätzlichem metabolischem Äquivalent, kurz MET, an aerober Leistungsfähigkeit genannt. Die zugehörige Studie ist noch nicht eindeutig zugeordnet. Ein MET entspricht ungefähr dem Energieumsatz in Ruhe; im Zusammenhang mit der Sauerstoffaufnahme werden dafür etwa 3,5 Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht und Minute angesetzt. Die Risikodifferenz beschreibt einen statistischen Zusammenhang und lässt sich nicht als garantierte Wirkung einer bestimmten Trainingssteigerung verstehen.

Krafttraining hilft, Muskelmasse und Knochendichte zu erhalten. Beides ist für die Selbstständigkeit im Alter entscheidend. Insgesamt spricht die Evidenz deutlich für regelmäßige Bewegung als Beitrag zu einer längeren gesunden Lebensspanne. Dazu können die Bildung neuer Mitochondrien, eine bessere Insulinempfindlichkeit und die Freisetzung entzündungshemmender Myokine beitragen.

Metformin aktiviert unter anderem AMPK und verbessert die Insulinempfindlichkeit. Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass es das Krebsrisiko senken und Alterungsprozesse beeinflussen könnte. Die TAME-Studie soll Metformin im Zusammenhang mit gesundem Altern untersuchen; ihr aktueller Status ist hier nicht bestätigt.

Rapamycin hemmt mTOR und verlängert in Mausstudien die Lebensdauer. Die Daten beim Menschen sind dagegen begrenzt und stammen unter anderem aus kleinen Studien in bestimmten Patientengruppen. Für NAD⁺-Vorstufen wie NMN und NR gibt es eine plausible biologische Begründung: NAD⁺ ist ein für Energiehaushalt und Zellfunktionen wichtiges Coenzym. In Tiermodellen verbessern die Vorstufen bestimmte Stoffwechselmarker. Die Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien beim Menschen zu tatsächlichen Langlebigkeitsendpunkten ist bislang vorläufig.

Senolytika wie Dasatinib und Quercetin können in Tiermodellen gezielt seneszente Zellen beseitigen, körperliche Funktionen verbessern und altersbedingte krankhafte Veränderungen verringern. Frühe Humanstudien befassen sich unter anderem mit Arthrose und idiopathischer Lungenfibrose, einer fortschreitenden Vernarbung der Lunge ohne bekannte Ursache. Wie aussagekräftig diese Ergebnisse sind und welche Wirkstoffe in den jeweiligen Studien untersucht wurden, muss noch gesondert geprüft werden.

Ob Senolytika die gesunde Lebensspanne ansonsten gesunder älterer Menschen verlängern, ist nicht belegt. Das Forschungsgebiet entwickelt sich schnell, doch die klinische Anwendung bleibt hinter vielen öffentlichen Erwartungen zurück.

Besonders gut begründet ist es, veränderbare Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und wirksam zu behandeln. Biomarker können dabei helfen. Eine Senkung der Belastung durch ApoB-haltige Lipoproteine kann Herz-Kreislauf-Ereignisse reduzieren. ApoB kennzeichnet die Zahl bestimmter gefäßschädigender Fetttransportpartikel.

Maßnahmen, die Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte verbessern, können das Fortschreiten zu einem Diabetes verhindern oder verzögern. Veränderungen lassen sich unter anderem an Nüchterninsulin und HbA1c erkennen. Gewichtsabnahme, Bewegung oder geeignete entzündungshemmende Behandlungen können die systemische Entzündungsbelastung und dabei auch hsCRP senken. Entscheidend bleibt die Wirkung der jeweiligen Maßnahme auf die Gesundheit; eine günstigere Laborzahl allein garantiert keinen Nutzen. Solche Interventionen können sowohl die Lebensdauer beeinflussen als auch die Zahl der Jahre mit chronischen Erkrankungen verringern.

Welche Messwerte für die gesunde Lebensspanne tatsächlich relevant sind

Neben dem kalendarischen Alter kann die biologische und funktionelle Ausgangslage helfen, den eigenen gesundheitlichen Verlauf einzuordnen. Eine einzelne Messung liefert eine Momentaufnahme. Wiederholte, sinnvoll ausgewählte Messungen zeigen dagegen, wie sich Werte entwickeln und wie schnell sie sich verändern. Diese Verlaufsinformationen sind häufig aussagekräftiger als ein isolierter Wert.

Stoffwechselmarker wie Nüchterninsulin, HbA1c und der Triglycerid-Glukose-Index geben Hinweise auf Insulinempfindlichkeit und Glukoseregulation, auch bevor ein manifester Diabetes entsteht. Herz-Kreislauf-Marker wie ApoB, Lipoprotein(a), kurz Lp(a), und hsCRP können zur Einschätzung des Arterioskleroserisikos beitragen, unter Umständen Jahrzehnte bevor Beschwerden auftreten. Entzündungsmarker wie hsCRP und bestimmte Verhältnisse von Immunzellzahlen geben Hinweise auf systemische Entzündungsprozesse, die mehrere Alterungsmechanismen gleichzeitig beeinflussen können.

Hormonwerte wie IGF-1, DHEA-S und Testosteron sowie Untersuchungen der Schilddrüsenfunktion können im passenden klinischen Zusammenhang Informationen über aufbauende Stoffwechselprozesse und den Energieumsatz liefern. IGF-1 vermittelt unter anderem Wirkungen des Wachstumshormons. DHEA-S ist eine Hormonvorstufe, die vorwiegend in den Nebennieren gebildet wird.

Untersuchungen des Nährstoffstatus, etwa von Vitamin D und Magnesium, können bei entsprechender Fragestellung helfen, Mangelzustände zu erkennen. Ein Mangel kann Zell- und Organfunktionen beeinträchtigen.

Eine Messung der Körperzusammensetzung mittels DXA beziehungsweise DEXA, einer Röntgenabsorptiometrie mit zwei Energieniveaus, erfasst fettfreie Masse und Fettmasse. Je nach Verfahren kann sie auch viszerales Fett abschätzen. Die Muskelmasse ist ein wichtiger Anhaltspunkt für langfristige körperliche und metabolische Belastbarkeit. Ergänzend gibt die Griffkraft Auskunft über körperliche Reserven. Sie ist ein funktioneller Marker, kein Blutwert, und hängt mit dem Risiko späterer Einschränkungen und der Sterblichkeit zusammen.

Das biologische Alter im Verlauf beobachten

Informationen aus Stoffwechsel, Entzündungsstatus und gegebenenfalls Hormonsystem können helfen, die Entwicklung der eigenen Gesundheit zu beurteilen. Welche Werte zu einer Routineuntersuchung gehören und welche zusätzlichen Untersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Versorgungssystem und der individuellen Fragestellung ab.

HbA1c, ApoB und hsCRP können zusammen mit ausgewählten Nährstoff- und Hormonwerten relevante Gesundheitsrisiken abbilden. Weitere in diesem Zusammenhang genannte Werte sind Lp(a) und Homocystein. Homocystein ist eine Aminosäure, deren Konzentration unter anderem vom Vitaminstatus und der Nierenfunktion beeinflusst wird.

Solche Laborwerte zeigen allerdings nicht unmittelbar, ob der gesamte Körper schneller oder langsamer altert, als es dem kalendarischen Alter entspricht. Im Verlauf betrachtet können sie Entscheidungen über Maßnahmen unterstützen, die gesunde Lebensjahre erhalten sollen. Wiederholte Messungen allein verlängern die gesunde Lebensspanne jedoch nicht nachweislich.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer?

Die Lebensdauer umfasst alle Jahre von der Geburt bis zum Tod. Die gesunde Lebensspanne bezeichnet die Jahre in guter Gesundheit, ohne chronische Erkrankungen oder Behinderungen, die Funktionsfähigkeit oder Lebensqualität erheblich einschränken.

Medizinische Fortschritte wie Medikamente und Intensivmedizin haben die Lebensdauer verlängert. Weniger erfolgreich gelingt es bislang, jene Zellschäden, Stoffwechselstörungen und Entzündungsprozesse zu verhindern, die zu altersbedingten Erkrankungen beitragen. Zusätzliche Lebensjahre können deshalb auch mehr Jahre mit chronischen Krankheiten bedeuten.

Wie groß ist der weltweite Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer?

Für 2019 wird ein weltweiter Abstand von 9,6 Jahren angegeben. Für die USA werden 12,4 Jahre genannt, also deutlich mehr als im globalen Durchschnitt. Über 183 Länder hinweg soll der Abstand bei Frauen um 2,4 Jahre größer sein als bei Männern. Die Originalstudie zu diesen Angaben ist noch nicht eindeutig zugeordnet.

Diese Zahlen beschreiben einen bevölkerungsbezogenen Abstand zwischen Lebenserwartung und gesunder Lebenserwartung. Sie bedeuten nicht, dass jeder Mensch seine letzten 9,6 beziehungsweise 12,4 Lebensjahre durchgehend krank verbringt. Wie weit die Folgen der Menopause für Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit den größeren Abstand bei Frauen erklären, bleibt anhand der zugeordneten Belege offen.

Welche biologischen Prozesse vergrößern den Abstand zwischen langem und gesundem Leben?

Dazu trägt bei, dass sich in mehreren biologischen Systemen fortschreitend Schäden ansammeln. Solche Vorgänge werden in den „Hallmarks of Aging“ beschrieben. Seneszente Zellen setzen entzündungsfördernde Moleküle frei, die Arteriosklerose und Insulinresistenz begünstigen. Mitochondriale Funktionsstörungen verringern die ATP-Produktion und erhöhen den oxidativen Stress.

Geht die Proteostase verloren, können sich falsch gefaltete Proteine ansammeln und Nervenzellen schädigen. Epigenetische Veränderungen können dazu führen, dass Reparaturgene weniger aktiv und entzündungsfördernde Signalwege stärker aktiv werden. Diese miteinander verbundenen Vorgänge begünstigen chronische Erkrankungen, während die gesamte Lebensdauer weiter steigen kann.

Wie trägt Insulinresistenz zu einer kürzeren gesunden Lebensspanne bei?

Insulinresistenz beeinträchtigt die Verarbeitung von Nährstoffen und begünstigt mehrere chronische Erkrankungen. Dauerhaft erhöhte Blutzucker- und Insulinspiegel fördern die Bildung von Advanced Glycation End Products. Diese können Proteine quervernetzen und die Funktion von Geweben im ganzen Körper beeinträchtigen. Gleichzeitig werden zelluläre Nährstoffsignale gestört, Fettablagerungen in Leber und Muskeln begünstigt und Mitochondrien beeinträchtigt.

Die Vorgänge tragen zu Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettlebererkrankungen bei. Nüchterninsulin und HbA1c können Hinweise auf Stoffwechselstörungen liefern, teils Jahre bevor eine manifeste Erkrankung auftritt. Dadurch kann sich ein Zeitfenster für wirksame Gegenmaßnahmen eröffnen.

Warum ist der Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer bei Frauen größer als bei Männern?

Für Frauen wird weltweit ein um 2,4 Jahre größerer Abstand angegeben; die genaue Quellenzuordnung dieser Zahl ist noch offen. Die Menopause kann zu dem Unterschied beitragen. Sie beschleunigt den Knochenabbau, geht mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher und begünstigt mehr viszerales Fett. Der Verlust bestimmter schützender Östrogenwirkungen auf Gefäße und Stoffwechsel kann dadurch die Gesundheit in späteren Lebensjahrzehnten beeinflussen.

Bei Männern verändert sich die Hormonlage meist allmählicher. Testosteron kann über Jahrzehnte zurückgehen, statt einen vergleichbar abrupten Übergang zu durchlaufen. Das wirkt sich anders auf Muskelmasse, Knochendichte und die metabolische Belastbarkeit aus. Welchen Anteil diese hormonellen Veränderungen am globalen Unterschied haben, lässt sich anhand der vorliegenden Quellenangaben nicht bestimmen.

Welche Maßnahmen können nach der bisherigen Evidenz die gesunde Lebensspanne verlängern?

Besonders gut gestützt sind körperliche Aktivität sowie die frühzeitige Erkennung und wirksame Behandlung veränderbarer Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken. Biomarkermessungen können die Behandlung unterstützen; für sich allein sind sie keine lebensverlängernde Maßnahme.

Pro zusätzlichem MET an aerober Leistungsfähigkeit wird ein um ungefähr 13 % niedrigeres Sterberisiko angegeben. Die zugehörige Studie ist noch nicht eindeutig zugeordnet. Die Angabe beschreibt einen statistischen Zusammenhang und keine garantierte individuelle Wirkung.

Die CALERIE-Studie zeigte, dass eine moderate Kalorienrestriktion Stoffwechselmarker verbessern und nach bestimmten epigenetischen Messverfahren das biologische Altern verlangsamen kann. Eine Senkung der Belastung durch ApoB-haltige Lipoproteine reduziert Herz-Kreislauf-Ereignisse. Maßnahmen zur Verbesserung von Insulinresistenz und erhöhtem Blutzucker können das Fortschreiten zu Diabetes verhindern oder verzögern; Veränderungen lassen sich unter anderem an Nüchterninsulin und HbA1c erkennen. Solche Maßnahmen können die Zeit mit chronischen Erkrankungen verkürzen und damit die gesunde Lebensspanne fördern.

Wie messen epigenetische Uhren das biologische Alterungstempo?

Epigenetische Uhren untersuchen Muster der DNA-Methylierung, häufig anhand von Blutproben. Methylierungen sind chemische Markierungen an der DNA. Aus ihren Mustern wird je nach Verfahren das biologische Alter oder das Alterungstempo geschätzt.

GrimAge berücksichtigt Methylierungssignaturen, die unter anderem mit Rauchen, Entzündung und Stoffwechselstörungen zusammenhängen. Damit lassen sich Erkrankungsrisiken und Sterblichkeit statistisch vorhersagen. DunedinPACE schätzt das Alterungstempo, ausgedrückt als biologische Alterung pro Kalenderjahr.

Schnelleres epigenetisches Altern wird unter anderem im Zusammenhang mit chronischem Stress, ungünstiger Stoffwechselgesundheit und Rauchen beobachtet. Es ist mit früher auftretenden chronischen Erkrankungen und einer kürzeren gesunden Lebensspanne verbunden, auch bei Menschen desselben kalendarischen Alters. Eine solche Schätzung liefert jedoch keine sichere Vorhersage des individuellen Lebensverlaufs.

Welche Biomarker zeigen am besten, ob sich die gesunde Lebensspanne günstig entwickelt?

Welche Werte hilfreich sind, hängt von Beschwerden, Vorerkrankungen und der konkreten medizinischen Frage ab. Für die Stoffwechselgesundheit kommen Nüchterninsulin, HbA1c und der Triglycerid-Glukose-Index infrage. ApoB, Lp(a) und hsCRP liefern Hinweise auf Herz-Kreislauf- und Entzündungsrisiken. Testosteron, IGF-1 und DHEA-S betreffen bestimmte aufbauende und metabolische Funktionen; Vitamin D und Magnesium dienen der Beurteilung ausgewählter Aspekte des Nährstoffstatus und der Zellfunktion.

Der Umfang von Routineuntersuchungen variiert. Nicht jeder genannte Marker eignet sich zur allgemeinen Vorsorge oder zur individuellen Vorhersage der gesunden Lebensspanne.

Redaktionelle Prüfhinweise

Eine unabhängige klinische Prüfung dieser adaptierten Fassung steht noch aus. Folgende Unklarheiten und nicht ausreichend belegte Zuspitzungen sind redaktionell zu klären:

  • Zahlen zur gesunden Lebenserwartung: Für die Angaben von 9,6 Jahren weltweit, 12,4 Jahren in den USA und dem Geschlechterunterschied von 2,4 Jahren über 183 Länder fehlt eine eindeutig zugeordnete Originalstudie. Die Bibliografie verweist allgemein auf die Global Burden of Disease (GBD) und einen lediglich als Lancet bezeichneten Beitrag. Ob diese Links die konkreten Zahlen stützen, wurde nicht geprüft. Der Abstand zwischen Lebenserwartung und gesunder Lebenserwartung darf zudem nicht ohne Weiteres als zusammenhängende Krankheitsphase am Lebensende interpretiert werden.
  • Geschlechterunterschiede und Stressbelastung: Dass die Menopause den größeren Abstand bei Frauen überwiegend erklärt, ist mit den gelieferten Belegen nicht nachgewiesen. Die Aussage des Originals, hohe allostatische Last „verenge“ den Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebensdauer, ist außerdem missverständlich. Gemeint scheint eine geringere gesundheitliche Reserve zu sein, nicht zwingend ein kleinerer zahlenmäßiger Abstand.
  • Bewegung und Kalorienrestriktion: Für die Risikozahl von 13 % pro MET sowie die konkreten CALERIE-Ergebnisse fehlen zugeordnete Studienlinks. Ein statistischer Zusammenhang ist keine garantierte ursächliche Wirkung. Ergebnisse zu einzelnen epigenetischen Messverfahren dürfen nicht ohne Weiteres auf alle biologischen Altersmaße oder die tatsächliche Lebensdauer übertragen werden.
  • Experimentelle Wirkstoffe: Der als laufend bezeichnete Status von TAME, die Aussagen zu Senolytika bei Arthrose und idiopathischer Lungenfibrose sowie die Zuordnung zu Dasatinib und Quercetin benötigen eine gesonderte Prüfung. Die beschriebenen Forschungsansätze begründen keine Empfehlung zur eigenständigen Einnahme zur Lebensverlängerung.
  • Biomarker und Screening: Die verlinkten Superpower-Biomarkerseiten sind Anbieterinformationen und keine als solche ausgewiesenen wissenschaftlichen Primärbelege. Die Links wurden bei den entsprechenden Aussagen erhalten. Pauschale Aussagen zur Überlegenheit von Muskelmasse gegenüber Blutmarkern, zur Aussagekraft umfangreicher Hormon- und Nährstoffmessungen sowie zur direkten Bestimmung des Alterungstempos durch Routinewerte sind nicht hinreichend belegt. Ein veränderter Messwert bedeutet nicht automatisch, dass sich auch das Erkrankungsrisiko verändert hat.
  • Bibliografische Zuordnung: Der Eintrag About NIA verweist auf eine Forschungszielseite des National Institute on Aging; Titel und Zieladresse sind nicht eindeutig aufeinander abgestimmt. Auch der Titel Lancet ist bibliografisch unvollständig. Die gelieferten Titel und Namen bleiben unten unverändert erhalten.

Literatur und verlinkte Quellen

Literaturverzeichnis des Ausgangstextes

Im Ausgangstext verlinkte Biomarkerinformationen

Diese Anbieterinformationen sind keine eigenständigen wissenschaftlichen Studienbelege.