Wie lässt sich ein Vitaminmangel feststellen?
Klinische Prüfung ausstehend
Ein Vitaminmangel lässt sich mit gezielten Bluttests in der Arztpraxis, über eine Online-Laborbestellung oder mit einem Heimtest untersuchen. Welche Werte sinnvoll sind, hängt von Beschwerden und Risikofaktoren ab; auffällige Ergebnisse müssen ärztlich eingeordnet werden. Für routinemäßige Vitamin-D-Tests bei beschwerdefreien Erwachsenen ist der Nutzen nicht ausreichend belegt.
Bei Verdacht auf einen Vitaminmangel können gezielte Blutuntersuchungen helfen. Möglich sind sie über die Hausarztpraxis, einen online bestellten Labortest oder ein Testkit für zu Hause. Welche Werte sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden, der Ernährung und möglichen Erkrankungen ab. Auch die Ergebnisse müssen in diesem Zusammenhang beurteilt werden.
Drei Möglichkeiten, sich auf einen Vitaminmangel testen zu lassen
Bei allen drei Wegen untersucht ein Labor die Blutprobe auf bestimmte Nährstoffe oder geeignete Marker, also Messgrößen, die Auskunft über die Versorgung geben. Die Unterschiede liegen vor allem darin, wer den Test veranlasst, wo die Probe entnommen wird und wer die Ergebnisse erklärt.
In nationalen Erhebungsdaten aus den USA zeigten fast 80 % der Bevölkerung ab sechs Jahren bei sieben untersuchten Vitaminen kein Mangelrisiko. Bei ungefähr jeder fünften Person bestand dagegen ein Risiko für mindestens einen dieser Vitaminmängel. Die Zahlen gelten für die untersuchten Vitamine und die US-Bevölkerung; sie lassen sich nicht auf sämtliche Nährstoffe übertragen. Pfeiffer et al., 2013
Der geläufigste Weg beginnt in der Hausarztpraxis.
| Merkmal | Hausarztpraxis | Online bestellter Labortest | Heimtest-Kit |
|---|---|---|---|
| Wer veranlasst den Test? | Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt | Eine ärztliche Fachperson, die mit dem Anbieter zusammenarbeitet | Die testende Person durch den Kauf des Kits |
| Wo wird die Probe entnommen? | In einer Praxis oder einem angeschlossenen Labor | In einer Blutentnahmestelle des Labors | Zu Hause; anschließend wird die Probe an ein Labor geschickt |
| Welche Probe wird verwendet? | Blut aus einer Armvene | Blut aus einer Armvene | Einige Blutstropfen aus der Fingerkuppe |
| Wie wird üblicherweise bezahlt? | Über die Krankenversicherung oder als Selbstzahlerleistung | Als Selbstzahlerleistung | Mit dem Kaufpreis des Kits |
| Wer erklärt die Ergebnisse? | Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt | Eine ärztliche Fachperson des Anbieters oder ein Online-Befund | Ein Online-Befund |
Informationen zu Probenentnahme und Heimtests: MedlinePlus: Vitamin B test und MedlinePlus: At-home medical tests.
Die beschriebenen Abläufe beziehen sich überwiegend auf die USA. Die Angaben zur Bestellung, ärztlichen Beauftragung und Bezahlung der Tests lassen sich nicht unverändert auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz übertragen.
Untersuchung über die Hausarztpraxis
Eine Hausärztin oder ein Hausarzt kann Vitamin-Bluttests veranlassen, wenn Beschwerden, Risikofaktoren oder eine Erkrankung dafür sprechen. Der Ablauf lässt sich im Gespräch klären:
- Einen Termin in der Hausarztpraxis vereinbaren.
- Beschwerden und Risikofaktoren schildern. Dazu können eine vegetarische oder vegane Ernährung, eine Erkrankung des Verdauungstrakts oder eine Magenoperation gehören. Auch die langfristige Einnahme von Metformin oder säurehemmenden Medikamenten sowie wenig Sonnenlicht oder eine dunklere Hautfarbe können relevant sein. Welche Faktoren eine Rolle spielen, hängt vom jeweiligen Vitamin ab: Bei Vitamin B12 sind es etwa Ernährungsweise, Aufnahmeprobleme und bestimmte Medikamente, bei Vitamin D Sonnenexposition und Hautpigmentierung.
- Gezielt nach passenden Tests fragen und sie beim Namen nennen.
- Blut aus einer Armvene entnehmen lassen. Das ist beispielsweise die übliche Probenentnahme für einen Vitamin-B-Bluttest.
- Die Ergebnisse gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.
Zur Routinevorsorge gehören normalerweise keine Vitaminbestimmungen. Für ein allgemeines Screening auf Vitamin-D-Mangel bei Erwachsenen ohne Beschwerden reicht die wissenschaftliche Evidenz nicht aus, um Nutzen und Nachteile abschließend zu beurteilen. US Preventive Services Task Force, 2021 Auch eine weitere Leitlinie spricht sich gegen routinemäßige Vitamin-D-Tests aus. Demay et al., 2024
Vor einem Test sollte deshalb geklärt werden, ob die Krankenversicherung die Kosten übernimmt. Je nach örtlichem Angebot lässt sich ein Test auch selbst bezahlen und bestellen.
Einen Vitamin-Bluttest online selbst bestellen
Je nach Anbieter und regionalen Regelungen lässt sich ein Vitamin-Bluttest online bestellen, ohne zuvor einen Termin in einer Arztpraxis wahrzunehmen.
Bei dem hier beschriebenen US-Modell wird der Test online bezahlt. Üblicherweise unterzeichnet eine ärztliche Fachperson, die mit dem Anbieter zusammenarbeitet, die Laboranforderung. Anschließend wird in einer Blutentnahmestelle des Labors Blut aus einer Armvene entnommen. Die Kosten trägt die bestellende Person selbst.
In den USA kann es sinnvoll sein, nach einer Bezahlung aus einem HSA oder FSA zu fragen. Das sind steuerlich begünstigte Konten für Gesundheitsausgaben. Eine eigenständige Bestellung ist nicht in jedem US-Bundesstaat möglich; die örtlichen Regeln müssen daher vorab geprüft werden.
Auch bei einem selbst bestellten Test muss ein niedriger Messwert fachlich eingeordnet werden. Manche Anbieter schicken ein Set zur Probenentnahme nach Hause, sodass der Besuch einer Blutentnahmestelle entfällt.
Zu Hause mit einem Fingerstich-Testkit testen
Mit einem Heimtest lassen sich bestimmte Vitaminwerte untersuchen. Dafür werden einige Tropfen Blut aus der Fingerkuppe entnommen und an ein Labor geschickt. Das Ergebnis lässt sich anschließend online abrufen. MedlinePlus: At-home medical tests
Selbst entnommene Kapillarblutproben, etwa aus der Fingerkuppe, stimmen bei den meisten untersuchten Biomarkern gut mit Blutproben aus einer Armvene überein. Das gilt allerdings nicht für alle Marker. Schröder et al., 2025
Bei einer Vitamin-D-Messung aus Trockenblutproben, also auf einer Karte getrockneten Blutstropfen, lagen nach einer Korrektur 90 % der Ergebnisse innerhalb einer Abweichung von 20 % gegenüber dem Ergebnis aus venösem Blut. Neun von zehn Ergebnissen wichen nach dieser Korrektur also um höchstens ein Fünftel vom Vergleichswert ab. Identische Messwerte bedeutet das nicht zwangsläufig. Heughebaert et al., 2026
Haaranalysen haben sich zur Beurteilung des Ernährungsstatus als unzuverlässig erwiesen. In einer Untersuchung wurde eine Probe an sechs Labore geschickt. Bei zwölf Mineralstoffen unterschieden sich die Ergebnisse zwischen den Laboren um mehr als das Zehnfache. Seidel et al., 2001
Liegt ein Ergebnis außerhalb des Referenzbereichs, muss es auch nach einem Heimtest ärztlich abgeklärt werden. Ein Testkit erfasst zudem nur die ausdrücklich aufgeführten Nährstoffe oder Marker. Vor der Anwendung lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die enthaltenen Untersuchungen. MedlinePlus: At-home medical tests
Vitamin- und Mineralstofftests, nach denen gezielt gefragt werden kann
Kein einzelner Bluttest erfasst sämtliche Vitamine. Bei einem vermuteten Mangel werden die betreffenden Nährstoffe deshalb gezielt untersucht. Welche Messung dafür geeignet ist, hängt vom Nährstoff und der medizinischen Fragestellung ab.
- Bei Vitamin D wird 25-Hydroxyvitamin D bestimmt, der wichtigste Marker zur Beurteilung des Vitamin-D-Status. Gemeint ist nicht das „aktive“ 1,25-Dihydroxyvitamin D. NIH: Vitamin D
- Für Vitamin B12 wird zunächst Vitamin B12 im Serum gemessen. Bei einem B12-Wert von 150 bis 399 pg/ml kann eine zusätzliche Bestimmung von Methylmalonsäure, kurz MMA, helfen. Diese Substanz reichert sich bei einer unzureichenden B12-Versorgung an. Die Einheit pg/ml bedeutet Pikogramm pro Milliliter. NIH: Vitamin B12
- Bei Folat geben unterschiedliche Messungen Auskunft über unterschiedliche Zeiträume: Folat im Serum weist auf die kürzlich erfolgte Zufuhr hin, während Folat in den roten Blutkörperchen den längerfristigen Versorgungsstatus abbildet. NIH: Folate
- Die Eisenspeicher lassen sich anhand von Ferritin einschätzen. Entzündungen können den Ferritinwert allerdings erhöhen und dadurch niedrige Eisenspeicher verdecken. NIH: Iron
- Eine Bestimmung von Magnesium muss gesondert angefordert werden, da sie bei routinemäßigen Elektrolytbestimmungen nicht automatisch enthalten ist. Weniger als 1 % des gesamten Magnesiums im Körper befindet sich im Serum. Der Serumwert bildet die Magnesiumversorgung des Körpers daher nur eingeschränkt ab. NIH: Magnesium
Ein umfassendes Mikronährstoffprofil, teils als „vollständiger Vitaminmangel-Test“ angeboten, bündelt mehrere dieser Untersuchungen in einer Blutentnahme. Vorab sollte geklärt werden, welche Tests enthalten sind und ob für einzelne davon Nüchternheit erforderlich ist.
Vorbereitung auf den Test und Umgang mit den Ergebnissen
Vor dem Test sollte geklärt sein, ob die Blutentnahme nüchtern erfolgen muss. Zur Vorbereitung gehört auch eine vollständige Aufstellung der eingenommenen Nahrungsergänzungsmittel. Zeigt sich ein niedriger Messwert, sollte er ärztlich beurteilt und ein vermuteter Mangel gegebenenfalls bestätigt werden, bevor daraus Maßnahmen abgeleitet werden.
Für manche Vitamin-B-Bluttests kann es erforderlich sein, mehrere Stunden nüchtern zu bleiben. Ein Vitamin-D-Test benötigt dagegen keine besondere Vorbereitung. Maßgeblich sind die konkreten Vorbereitungsanweisungen für die Laboruntersuchung.
Alle eingenommenen Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel sollten angegeben werden. Das gilt besonders für Biotin: In hohen Dosen kann es bestimmte Laborergebnisse verfälschen. Bowen et al., 2019
Bei einem niedrigen Wert geht es auch darum, die Ursache zu finden. Sie kann in der Ernährung liegen, in einer gestörten Aufnahme im Verdauungstrakt oder in der Wirkung eines Medikaments. Werden mehrere medizinisch sinnvolle Marker bei derselben Blutentnahme bestimmt, lassen sich zusätzliche Wege ins Labor vermeiden.
Literatur und Quellen
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Pfeiffer CM, Sternberg MR, Schleicher RL, Haynes BM, Rybak ME, Pirkle JL (2013). The CDC’s second national report on biochemical indicators of diet and nutrition in the U.S. population is a valuable tool for researchers and policy makers. The Journal of Nutrition, 143(6), 938S–947S. https://doi.org/10.3945/jn.112.172858. PubMed
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