Hormonersatztherapie zum Abnehmen: Was die Forschung zeigt
Klinische Prüfung ausstehend
Eine Hormonersatztherapie kann die Zunahme von Bauchfett begrenzen und Stoffwechselwerte beeinflussen, führt allein aber meist kaum zu Gewichtsverlust. Der Artikel erläutert die Studienlage, Unterschiede zwischen Behandlungsformen und offene Fragen.
Eine Hormonersatztherapie führt allein meist nur zu wenig Gewichtsverlust. Die angeführten Studien zeigen vor allem Veränderungen der Fettverteilung und einzelner Stoffwechselwerte. Das hilft, widersprüchliche Aussagen über Hormone und Gewicht einzuordnen: Während manche Darstellungen eine Gewichtsabnahme versprechen und andere vor einer Zunahme warnen, kann sich etwa das Bauchfett verändern, ohne dass sich auf der Waage viel bewegt.
Was eine Hormonersatztherapie im Körper bewirkt
Eine Hormonersatztherapie, kurz HRT, führt dem Körper Östrogen und je nach Behandlung weitere Hormone zu. Ziel ist dabei eine Annäherung an die Hormonspiegel vor der Menopause; in diesem Zusammenhang werden auch Progesteron und Testosteron genannt. Östrogen beeinflusst, wie und wo der Körper Fett speichert. Sinkt der Östrogenspiegel während der Wechseljahre, verlagert sich die Fettspeicherung häufig von Hüften und Oberschenkeln in Richtung Bauchraum. Das dort liegende viszerale Fett umgibt die inneren Organe. Es ist stoffwechselaktiv und steht mit Entzündungsprozessen, Insulinresistenz und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Zusammenhang. Die veränderte Fettverteilung betrifft daher auch die Gesundheit.
Eine HRT kann diese Verlagerung abschwächen. Studien zufolge lagern Frauen unter einer östrogenbasierten Therapie weniger viszerales Fett ein als Frauen ohne HRT, selbst wenn ihr Gesamtgewicht ähnlich bleibt. Eine Metaanalyse berichtete eine Verringerung des Bauchfetts um etwa 6,8 % sowie eine Verbesserung von Markern der Insulinresistenz. Auch die Verlagerung von Fett in die Rumpfregion wurde abgeschwächt (Salpeter et al., 2006). Als Erklärung gelten unter anderem Östrogenrezeptoren im Fettgewebe: Sie beeinflussen die Entwicklung von Fettzellen, den Fettabbau und den Energieverbrauch.
Eine HRT bewirkt keinen unmittelbaren Gewichtsverlust wie ein Kaloriendefizit, bei dem weniger Energie aufgenommen als verbraucht wird. Sie kann beeinflussen, wo Fett gespeichert wird und wie der Körper Energie nutzt. Deshalb kann der Taillenumfang abnehmen, ohne dass die Waage eine deutliche Veränderung zeigt. Als weitere mögliche Erklärung wird der Erhalt oder eine leichte Zunahme fettfreier Körpermasse angeführt, insbesondere bei zusätzlichem Testosteron. Welche Bedeutung Testosteron dabei hat, ist klinisch gesondert einzuordnen.
Wie HRT Stoffwechsel, Insulinempfindlichkeit und Fettspeicherung beeinflusst
Grundumsatz und Energieverbrauch
Östrogen unterstützt den Energieverbrauch in Ruhe unter anderem über die Mitochondrien, die energieumwandelnden Strukturen in den Zellen, und über die Wärmebildung. Nach der Menopause kann der tägliche Energieverbrauch um etwa 100 Kilokalorien oder mehr sinken, vor allem durch den Verlust fettfreier Körpermasse. Mit den umgangssprachlich als „Kalorien“ bezeichneten Mengen sind hier Kilokalorien gemeint (Untersuchung zum Energieverbrauch).
Eine HRT könnte diesen Rückgang teilweise ausgleichen. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Östrogentherapie den Ruheenergieverbrauch günstig beeinflussen kann. Wie groß dieser Effekt ist, unterscheidet sich jedoch zwischen Studien und bleibt Gegenstand der Forschung (Weidlinger et al., 2023). Für einen erheblichen Gewichtsverlust reicht ein solcher Effekt allein nicht aus. Möglicherweise kann er aber eine Gewichtszunahme im Zeitverlauf bremsen.
Insulinempfindlichkeit und Glukosestoffwechsel
Wie eine HRT die Insulinempfindlichkeit beeinflusst, hängt unter anderem vom Verabreichungsweg ab. Insulinempfindlichkeit beschreibt, wie gut Zellen auf Insulin reagieren und dadurch Glukose aus dem Blut aufnehmen. Über die Haut verabreichtes, also transdermales Östrogen könnte die Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettgewebe verbessern und die Glukoseproduktion der Leber verringern.
Orales Östrogen, das beispielsweise als Tablette eingenommen wird, passiert dagegen zunächst die Leber. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt kann die Stoffwechselwirkung verändern und bei manchen Frauen möglicherweise die Insulinresistenz erhöhen. Zur Beurteilung wird unter anderem der HOMA-IR herangezogen, ein aus Nüchterninsulin und Nüchternglukose berechneter Schätzwert für Insulinresistenz. Die hierzu angeführte Untersuchung wird mit einem niedrigeren Nüchterninsulin und einer besseren Insulinempfindlichkeit unter transdermaler HRT in Verbindung gebracht, während orale Präparate neutrale oder leicht ungünstige Effekte haben könnten (O’Sullivan und Ho, 1995). Ob sich diese Gegenüberstellung allgemein auf die verschiedenen Behandlungen übertragen lässt, ist nicht geklärt.
Zusätzlichem Testosteron in physiologischen Dosen, also in einem Bereich, der natürlichen Hormonspiegeln entspricht, wird eine Förderung der Bildung von Insulinrezeptoren und der Insulinsignalübertragung im Muskel zugeschrieben. Dadurch könnte sich die Glukoseaufnahme verbessern. Überphysiologische Dosen, die über diesen Bereich hinausgehen, können die Insulinresistenz dagegen verschlechtern. Die Rolle von Testosteron in diesem Zusammenhang bedarf einer gesonderten klinischen Einordnung.
Fettspeicherung und Fettabbau
Als Erklärung für die Wirkung von Östrogen auf die Fettverteilung werden verschiedene Enzyme angeführt. Östrogen soll die hormonsensitive Lipase aktivieren, die gespeicherte Triglyceride in freie Fettsäuren zerlegt. Zugleich soll es die Lipoproteinlipase im viszeralen Fettgewebe hemmen und dadurch die Einlagerung von Fett im Bauchraum verringern. Diese Kombination könnte erklären, weshalb HRT viszerales Fett reduzieren kann, obwohl die gesamte Körperfettmenge stabil bleibt.
Bei der gestagenen Komponente könnte es auf den Wirkstoff ankommen. Synthetische Gestagene könnten die Fettspeicherung fördern, während mikronisiertes Progesteron, das für die Aufnahme fein aufbereitet wird, eher neutral erscheint. Aus diesen mechanistischen Überlegungen lässt sich noch keine verlässliche Grundlage für die Wahl eines Präparats ableiten.
Was die Forschung über HRT und die Ursachen von Gewichtsveränderungen sagt
Eine Gewichtszunahme während der Wechseljahre hat mehrere Ursachen. Neben den hormonellen Veränderungen spielen altersbedingte Entwicklungen eine Rolle: Die Muskelmasse nimmt ab, der Energieverbrauch sinkt und die Appetitregulation verändert sich. Wenn Nachtschweiß den Schlaf stört, kann das zudem Cortisol und das Hungerhormon Ghrelin beeinflussen und möglicherweise zu mehr Hunger und verstärkter Fettspeicherung beitragen. Stimmungsschwankungen und Erschöpfung können körperliche Aktivität erschweren. Eine HRT kann einige dieser Faktoren beeinflussen, aber nicht alle.
Frauen berichten nach Beginn einer HRT häufig über besseren Schlaf, weniger Hitzewallungen und eine bessere Stimmung. Das kann die Gewichtskontrolle indirekt unterstützen, weil regelmäßige Bewegung und ausgewogenes Essen leichter fallen. Wer nachts durchschläft, hat am nächsten Tag möglicherweise mehr Energie für Sport und weniger Verlangen nach energiereichen Lebensmitteln. Die grundlegende Energiebilanz setzt eine HRT jedoch nicht außer Kraft.
Auch die Art der HRT spielt eine Rolle. Eine reine Östrogentherapie wird bei Frauen ohne Gebärmutter eingesetzt. Bei erhaltener Gebärmutter braucht eine systemische Östrogentherapie eine geeignete gestagene Komponente zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Bei Behandlungen mit zusätzlichem Testosteron werden eine höhere fettfreie Masse und ein höherer Energieverbrauch als mögliche Wirkungen beschrieben; zugleich könnte der Appetit steigen. Der Verabreichungsweg beeinflusst außerdem, wie Hormone verstoffwechselt werden und wie sie auf Insulinempfindlichkeit und Blutfettwerte wirken.
Warum HRT bei Frauen unterschiedlich wirkt
Wie eine Frau auf die Behandlung reagiert, hängt unter anderem von ihrer Körperzusammensetzung zu Beginn, genetischen Varianten der Hormonrezeptoren und ihrer bisherigen Stoffwechselgesundheit ab.
Zeitpunkt des Behandlungsbeginns
Ein zeitnaher Beginn zur Menopause könnte größere Stoffwechselvorteile bieten als ein späterer Beginn. Genannt wird dabei insbesondere ein Zeitraum innerhalb der ersten fünf Jahre. Diese Überlegung gehört zur sogenannten Timing-Hypothese: Ein früher Beginn könnte die Insulinempfindlichkeit erhalten und Stoffwechselanpassungen bei längerem Östrogenmangel verhindern. Für die konkrete Zeitgrenze und die angenommene vorbeugende Wirkung fehlt in diesem Abschnitt allerdings ein direkter Beleg.
Bei bereits bestehender Insulinresistenz oder einer ausgeprägten Ansammlung von viszeralem Fett könnten Verbesserungen geringer ausfallen. Auch dann wird eine HRT als Möglichkeit beschrieben, eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Daraus lässt sich jedoch keine gesicherte Empfehlung ableiten, die Behandlung zur Vorbeugung von Gewichtszunahme oder Stoffwechselstörungen zu beginnen.
Genetische Unterschiede
Genetische Varianten der Östrogenrezeptoren Alpha und Beta beeinflussen, wie Gewebe auf Östrogen reagiert. Bestimmte Varianten könnten das Fettgewebe mehr oder weniger empfindlich für die fettabbauenden Wirkungen von Östrogen machen. Das ist eine mögliche Erklärung dafür, weshalb sich Fettverteilung und Stoffwechselwerte bei Frauen unter derselben HRT unterschiedlich entwickeln.
Muskelmasse zu Beginn der Behandlung
Mehr fettfreie Körpermasse zu Beginn einer HRT könnte es erleichtern, Muskulatur zu erhalten oder aufzubauen. Das unterstützt den Energieverbrauch in Ruhe. Der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion heißt Sarkopenie; dieser Prozess wird für die Wechseljahre als beschleunigt beschrieben.
Eine HRT könnte den Verlust verlangsamen, ihn ohne Krafttraining jedoch nicht ausreichend auffangen. Der Kombination aus HRT und Krafttraining werden die größten Verbesserungen der Körperzusammensetzung zugeschrieben (Sites et al., 2005). Ein passender Beleg für die Überlegenheit dieser Kombination gegenüber HRT allein geht aus den angeführten Literaturangaben allerdings nicht hervor.
Was die Forschung zum Einsatz von HRT bei der Gewichtskontrolle sagt
HRT ist von der US-Arzneimittelbehörde FDA nicht zur Gewichtsabnahme oder Gewichtskontrolle zugelassen. Zu den genannten zugelassenen Anwendungsgebieten gehören die Behandlung mittelstarker bis schwerer vasomotorischer Beschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß, die Vorbeugung postmenopausaler Osteoporose sowie die Behandlung des genitourinären Menopausensyndroms. Damit sind hormonbedingt auftretende Beschwerden im Genital- und Harnwegsbereich gemeint. Eine Verordnung ausschließlich zum Abnehmen wäre demnach off-label, also außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete, und wird nicht von klinischen Leitlinien gestützt. Diese Zulassungsangaben beziehen sich auf die USA.
Wird HRT wegen eines vorgesehenen Anwendungsgebiets eingesetzt, kann eine günstigere Gewichtsentwicklung ein zusätzlicher Nutzen sein. Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass Frauen unter HRT in Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegung moderat abnehmen können. Das dürfte jedoch wesentlich die Wirkung der begleitenden Lebensstiländerungen widerspiegeln. Die angeführten Studien betreffen vor allem Veränderungen der Fettverteilung und Körperzusammensetzung, weniger eine deutliche Abnahme des Gesamtgewichts (Sites et al., 2005; Papadakis et al., 2018).
Randomisierte Studien zeigen entsprechend eher begrenzte Effekte auf das Gewicht. Eine Metaanalyse von 107 Studien fand bei postmenopausalen Frauen ohne Diabetes eine Verringerung des Bauchfetts um 6,8 % und der anhand von HOMA-IR geschätzten Insulinresistenz um 12,9 % (Salpeter et al., 2006). Die Prozentwerte beziehen sich auf Bauchfett beziehungsweise einen Stoffwechselindex. Sie bedeuten keinen entsprechend großen Verlust des gesamten Körpergewichts. Frauen unter HRT nahmen im Zeitverlauf weniger zu als Frauen unter Placebo; der tatsächliche Gewichtsverlust war aber gering. Der Vorteil lag vor allem in der Fettverteilung.
Neuere Forschung untersucht auch die Kombination von HRT mit GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Arzneimittelgruppe wird unter anderem zur Behandlung von Diabetes und Adipositas eingesetzt. Berichtet wird über eine retrospektive Kohortenstudie mit 120 postmenopausalen Frauen: Teilnehmerinnen, die sowohl eine menopausale Hormontherapie als auch einen GLP-1-Rezeptoragonisten erhielten, hätten mehr Körpergewicht verloren als Teilnehmerinnen unter einem GLP-1-Rezeptoragonisten allein (als Castaneda et al., Lancet Obstet Gynaecol Women’s Health, 2026, angeführte Studie). Die Zuordnung der Studie und die berichteten Ergebnisse sind noch nicht bestätigt.
Als mögliche Erklärung werden eine bessere Insulinempfindlichkeit und der Erhalt fettfreier Masse genannt. Eine retrospektive Studie wertet jedoch bereits vorhandene Behandlungsdaten aus. Aus einem solchen Zusammenhang allein lässt sich daher nicht ableiten, dass die Hormontherapie die Medikamentenwirkung ursächlich verstärkt. Ob das der Fall ist, muss weitere Forschung klären.
Veränderungen von Stoffwechsel und Körperzusammensetzung im Zeitverlauf erfassen
Wer eine HRT erwägt oder bereits anwendet, kann durch die Betrachtung von Stoffwechselwerten und Körperzusammensetzung mehr erfahren als durch das Gewicht allein. Die folgenden Messgrößen erfassen unterschiedliche Aspekte:
- Hämoglobin A1c, kurz HbA1c, beschreibt die längerfristige Blutzuckerlage, Nüchternglukose den Blutzucker nach einer Nahrungspause. Beide geben Hinweise auf die Glukosekontrolle, messen die Insulinempfindlichkeit jedoch nicht unmittelbar.
- Triglyceride und das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin helfen, die Stoffwechselgesundheit einzuordnen. Unter HRT werden häufig Verbesserungen dieser Blutfettwerte beschrieben.
- Ferritin und hochsensitives C-reaktives Protein, kurz hs-CRP, werden zur Beobachtung von Entzündungsprozessen angeführt, die eng mit viszeralem Fett zusammenhängen. Ferritin ist zugleich ein Marker der Eisenspeicher und muss im entsprechenden Kontext interpretiert werden. Es ist kein spezifischer Marker für durch Bauchfett bedingte Entzündungen.
- Eine Analyse der Körperzusammensetzung unterscheidet Fettmasse von fettfreier Masse. Je nach Messverfahren kann sie Veränderungen sichtbar machen, die das Körpergewicht allein nicht abbildet. So lassen sich die vor allem auf die Fettverteilung bezogenen Effekte einer HRT besser einordnen.
Als möglicher Abstand für Verlaufskontrollen werden drei bis sechs Monate genannt. Ein pauschales Kontrollintervall ist dafür jedoch nicht durch eine Leitlinienquelle belegt. Steigen Insulinwerte oder viszerales Fett trotz Behandlung, könnte das Anlass sein, die Behandlung und weitere Einflussfaktoren wie Ernährung, Schlaf und Stress zu betrachten. Welche Untersuchungen sinnvoll sind und ob eine Anpassung nötig ist, lässt sich nicht allein aus dieser Aufzählung ableiten.
Häufig gestellte Fragen
Kann HRT gezielt zum Abnehmen verschrieben werden?
Eine HRT ist nicht von der FDA zur Gewichtsabnahme oder Gewichtskontrolle zugelassen und wird dafür allein nicht empfohlen. Zu den genannten Anwendungsgebieten gehören die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und die Vorbeugung von Osteoporose.
Obwohl HRT viszerales Fett verringern und einzelne Stoffwechselwerte verbessern kann, wäre eine Verordnung ausschließlich zur Gewichtsabnahme off-label und wird nicht durch klinische Leitlinien gestützt. Das bedeutet keine allgemeine rechtliche Unmöglichkeit: Eine Off-Label-Verordnung ist grundsätzlich von der Frage zu unterscheiden, ob eine Behandlung für diesen Zweck zugelassen oder empfohlen ist.
Wie viel Gewicht lässt sich mit HRT verlieren?
In den meisten angeführten randomisierten Studien sind die Auswirkungen auf das Körpergewicht gering; der tatsächliche Gewichtsverlust wird meist als minimal beschrieben. Daneben findet sich die Angabe, HRT verringere das gesamte Körperfett innerhalb von sechs Monaten um etwa 5 bis 6 % und verhindere die Ansammlung viszeralen Fetts. Für diese konkrete Größenordnung fehlt an dieser Stelle jedoch ein eindeutig passender Beleg. Sie lässt sich daher nicht als verlässliche Erwartung an die Behandlung verwenden.
Größere Veränderungen werden bei einer Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegung berichtet. Für solche Lebensstilmaßnahmen bei postmenopausalen Frauen wird unter Verweis auf eine Metaanalyse ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von etwa 14 Pfund, entsprechend rund 6,4 Kilogramm, genannt. Dieser Wert betrifft kombinierte Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen, nicht die Wirkung einer HRT allein (Cheng et al., 2018).
Erhöht oder verringert HRT die Insulinempfindlichkeit?
Die Wirkung kann unter anderem vom Verabreichungsweg abhängen. Transdermalem Östrogen wird eine Verbesserung der Insulinempfindlichkeit zugeschrieben, weil es die Glukoseaufnahme fördern und die Glukoseproduktion der Leber verringern könnte. Orales Östrogen wird zunächst in der Leber verstoffwechselt und könnte bei manchen Frauen die Insulinresistenz erhöhen.
Auch Testosteron in physiologischen Dosen wird mit einer verbesserten Insulinempfindlichkeit in Verbindung gebracht, während überphysiologische Dosen diese verschlechtern könnten. Diese Angaben erlauben keine verlässliche Vorhersage für die einzelne Patientin. Insbesondere die pauschale Einordnung nach Verabreichungsweg und die Rolle von Testosteron sind klinisch noch zu prüfen.
Warum nehmen manche Frauen unter HRT zu?
Eine Gewichtszunahme während einer HRT kann mehrere Ursachen haben. Dazu zählen ein gesteigerter Appetit, Flüssigkeitseinlagerungen unter bestimmten Gestagenen und Veränderungen des Lebensstils. Gerade zu Beginn kann eingelagertes Wasser mit einer Fettzunahme verwechselt werden.
Hält die Gewichtszunahme an, könnten eine Anpassung der HRT oder die Abklärung anderer Stoffwechselprobleme erforderlich sein. Die Ursache lässt sich jedoch nicht allein daraus ableiten, dass die Zunahme während der Behandlung auftritt.
Ist transdermale oder orale HRT für die Gewichtskontrolle besser?
Für transdermales Östrogen werden günstigere Auswirkungen auf Insulinempfindlichkeit und Blutfettwerte angeführt, weil es den ersten Durchgang durch die Leber umgeht. Orales Östrogen erhöht dagegen die Bildung von Gerinnungsfaktoren in der Leber und könnte bei manchen Frauen die Insulinresistenz verschlechtern.
Eine allgemeine Überlegenheit transdermaler Präparate beim Abnehmen lässt sich aus diesen Angaben jedoch nicht feststellen. Sie reichen auch nicht aus, um die Wahl einer HRT allein am Gewicht auszurichten.
Kann HRT gezielt gegen Bauchfett helfen?
Ja, HRT kann die Ansammlung von viszeralem Fett abschwächen, indem sie der nach der Menopause auftretenden Verlagerung der Fettverteilung entgegenwirkt. Die angeführten Studien berichten bei Frauen unter HRT weniger Bauchfett als bei Frauen ohne HRT, auch bei ähnlichem Gesamtgewicht.
Dieser Effekt wird als einer der konsistentesten Stoffwechselvorteile der Behandlung beschrieben. Gemeint ist vor allem das Fett im Bauchraum. Ein Rückgang des Taillenumfangs oder ein deutlicher Gewichtsverlust ist damit nicht für jede Frau garantiert.
Wirkt transdermale HRT bei der Gewichtskontrolle besser als orale HRT?
Transdermales Östrogen wird mit günstigeren Ergebnissen bei der Insulinempfindlichkeit in Verbindung gebracht, weil es den First-Pass-Stoffwechsel in der Leber umgeht. Bei oralem Östrogen könnte dieser erste Leberdurchgang bei manchen Frauen die Insulinresistenz erhöhen. Für transdermale HRT werden dagegen ein niedrigeres Nüchterninsulin und ein verbesserter HOMA-IR beschrieben.
Zusätzliches Testosteron in physiologischer Dosierung könnte die Bildung von Insulinrezeptoren und die Glukoseaufnahme im Muskel fördern; überphysiologische Dosen könnten die Insulinresistenz verschlechtern. Die individuelle Reaktion hängt von Präparat, Verabreichungsweg und Stoffwechselgesundheit zu Behandlungsbeginn ab. Bessere Werte der Insulinempfindlichkeit sind zudem nicht gleichbedeutend mit einem nachgewiesenen größeren Gewichtsverlust.
Welche Messwerte zeigen am besten, ob HRT die Stoffwechselgesundheit verbessert?
HOMA-IR, Nüchterninsulin, das Taille-Hüft-Verhältnis und Triglyceride geben Hinweise auf unterschiedliche Aspekte der Stoffwechselgesundheit. HOMA-IR wird aus Nüchterninsulin und Nüchternglukose berechnet und dient als Schätzwert für Insulinresistenz. Er wird als Forschungsmaß zur Beurteilung der Wirkung transdermaler HRT beschrieben. Triglyceride und HDL-Cholesterin helfen dabei, Veränderungen des Fettstoffwechsels einzuordnen.
Das Taille-Hüft-Verhältnis kann Veränderungen der Körperfettverteilung erfassen, die auf der Waage unsichtbar bleiben. Es misst viszerales und unter der Haut liegendes Fett allerdings nicht direkt und kann die beiden Fettdepots nicht exakt unterscheiden. Messungen vor und während der Behandlung können objektive Anhaltspunkte für die Stoffwechselentwicklung liefern. Welche Werte dafür geeignet sind und wie sie zu verstehen sind, hängt vom individuellen Kontext ab.
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Zusätzlich im Ausgangstext zum Energieverbrauch verlinkte Quelle, ohne vollständige bibliografische Angaben: PubMed, PMID 12190745.