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Haarausfall bei Schilddrüsenunterfunktion

Klinische Prüfung ausstehend

Wie eine Schilddrüsenunterfunktion Haarausfall verursachen kann, welche Blutwerte bei der Abklärung helfen und warum das Nachwachsen trotz Behandlung Zeit braucht.

Ein gefalteter Papierschmetterling balanciert auf einer gebogenen blauen Linie.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann dazu führen, dass Haare am gesamten Kopf vermehrt ausfallen und dünner werden. Stabilisieren sich die Hormonwerte durch die Behandlung, lässt der Haarausfall meist nach. Bis Haare nachwachsen, braucht es jedoch Zeit. Hält der Haarverlust an, können neben der Schilddrüsenunterfunktion weitere Ursachen beteiligt sein.

Wie eine Schilddrüsenunterfunktion Haare und Kopfhaut beeinflusst

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion fehlt es an Schilddrüsenhormonen. Vermutlich wechseln dadurch Haarfollikel, in denen die Haare wachsen, vorzeitig von der Wachstumsphase in die Ruhephase, auch Telogenphase genannt. Die Haare fallen dann über den Kopf verteilt aus. Typisch ist deshalb eine gleichmäßige Ausdünnung statt einzelner kahler Stellen. Übersichtsarbeit zu Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haarerkrankungen

Zu den häufigsten Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion gehören Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und trockene Haut. Kommt Haarausfall hinzu, kann die Schilddrüse daran beteiligt sein. Auch Veränderungen der Haarstruktur können einen Hinweis geben. Übersichtsarbeit zur Hypothyreose

Wie Haarausfall bei einer Schilddrüsenunterfunktion aussieht

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion können mehr Haare ausfallen und die verbleibenden Haare ihre Beschaffenheit verändern. Mitunter werden auch die Augenbrauen dünner.

Eine retrospektive Studie wertete Daten von 500 Frauen mit diffusem, also über den Kopf verteiltem Haarausfall aus. Bei Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion war der Haarverlust stärker als bei Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion. Schilddrüsenhormone sind am Haarwachstum beteiligt; wie der beobachtete Unterschied zustande kam, lässt sich aus dieser rückblickenden Untersuchung allein jedoch nicht erklären. Retrospektive Studie

Warum ein Mangel an Schilddrüsenhormonen Haare ausfallen lässt

Haarfollikel brauchen Schilddrüsenhormone für ihr Wachstum. Fehlen diese, kann Haarausfall entstehen. Einen möglichen Mechanismus untersuchte eine Laborstudie an menschlichen Haarfollikeln der Kopfhaut: T4 verlängerte die Wachstumsphase, die sogenannte Anagenphase, und förderte die Vermehrung der haarbildenden Matrixzellen. T3 und T4 verminderten zudem deren programmierten Zelltod. Die Ergebnisse stammen aus im Labor kultivierten Follikeln. Laborstudie an menschlichen Haarfollikeln

Bei einem Hormonmangel können viele Follikel gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Der folgende Haarverlust heißt telogenes Effluvium und ist eine häufige Ursache für diffusen Haarausfall. Er beginnt typischerweise erst 3 bis 4 Monate nach dem Auslöser. Zwischen dem Absinken der Schilddrüsenhormonwerte und sichtbar dünner werdendem Haar kann deshalb einige Zeit vergehen. Dieses Muster ist allerdings nicht auf die Schilddrüse beschränkt; andere Ursachen können ähnlich aussehen. Übersichtsarbeit zum telogenen Effluvium

Schilddrüsenbedingter Haarausfall im Vergleich zu anderen häufigen Ursachen

Wenn die Schilddrüse den Haarausfall verursacht, dünnt das Haar meist gleichmäßig über die Kopfhaut aus. Auch andere Ursachen können zu diffusem Haarverlust führen. Das Verteilungsmuster und begleitende Beschwerden helfen bei der Einordnung.

Ursache Typisches Muster Weitere Hinweise
Schilddrüsenunterfunktion Diffuse Ausdünnung und vermehrter Haarausfall am gesamten Kopf Trockenes, brüchiges Haar; Müdigkeit; Kälteempfindlichkeit
Alopecia areata (autoimmun bedingter Haarausfall) Kleine, runde kahle Stellen Kurze, abgebrochene Haare am Rand der Stellen; kann auch Augenbrauen, Wimpern oder Bart betreffen
Eisenmangel Diffuse Ausdünnung, überwiegend bei Frauen untersucht In Beobachtungsstudien durchschnittlich niedrigere Ferritinwerte als bei Frauen ohne vernarbungsfreien Haarausfall; kein individueller Kausalnachweis
Haarausfall nach weiblichem Muster Ausdünnung am Oberkopf und im Scheitelbereich, häufig mit breiter werdendem Mittelscheitel Allmählicher Verlauf bei erhaltener vorderer Haarlinie
Haarausfall nach Stress oder Krankheit Diffuser Haarausfall einige Monate nach dem Ereignis Vorausgegangene Krankheit, Operation, Geburt oder Crashdiät

Quellen zur Tabelle: NIAMS zu Alopecia areata, systematischer Review und Metaanalyse zu Eisenmangel und Haarausfall bei Frauen, MedlinePlus zu Haarausfall nach weiblichem Muster, Übersichtsarbeit zum telogenen Effluvium.

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und in den USA die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Dünner werdendes Haar gehört zu den möglichen Beschwerden. NIDDK zu Hashimoto-Thyreoiditis

Bei Menschen mit Alopecia areata lassen sich häufiger Autoantikörper gegen die Schilddrüse nachweisen. Alopecia areata und eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse können gemeinsam auftreten. Blutuntersuchungen helfen zu klären, ob die Schilddrüse beteiligt ist. Um sämtliche Ursachen des Haarausfalls zu unterscheiden, reichen Blutwerte allein jedoch nicht aus. Systematischer Review und Metaanalyse

Welche Blutuntersuchungen eine Schilddrüsenursache abklären

Das Muster des Haarausfalls liefert erste Hinweise. Blutuntersuchungen zeigen, ob eine Schilddrüsenfunktionsstörung vorliegt. Ob sie auch den Haarverlust erklärt, lässt sich erst zusammen mit den übrigen Befunden beurteilen.

  • Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH): Meist wird zunächst dieser Wert bestimmt. Ein erhöhtes TSH zusammen mit einem niedrigen freien T4 spricht für eine manifeste primäre Schilddrüsenunterfunktion. Übersichtsarbeit, Erläuterung zu TSH
  • Freies oder gesamtes T4: Die Schilddrüse setzt das Hormon T4 frei. Freies T4 erfasst den ungebundenen Anteil; Gesamt-T4 umfasst auch an Transportproteine gebundenes Hormon. Bei der Abklärung einer primären Unterfunktion wird meist freies T4 zusammen mit TSH eingeordnet. Beim Gesamt-T4 müssen Veränderungen der Bindungsproteine berücksichtigt werden. Erläuterung zu Gesamt-T4
  • Antikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO): Diese Antikörper sind bei den meisten Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis nachweisbar. NIDDK zu Hashimoto-Thyreoiditis
  • Ferritin und weitere Werte des Eisenstoffwechsels: Diese Werte helfen zu klären, ob Eisenmangel zum Haarausfall beitragen könnte. Sie erfassen jedoch nicht alle ernährungsbedingten Ursachen. Übersichtsarbeit zum telogenen Effluvium, Erläuterung zu Ferritin

Biotinpräparate können die Ergebnisse von TSH- und T4-Tests verfälschen. Die Synthroid-Fachinformation empfiehlt, Biotin mindestens 2 Tage vor der Schilddrüsenuntersuchung zu pausieren. Informieren Sie Praxis und Labor über Ihre Präparate und befolgen Sie deren Vorbereitungshinweise; der nötige Abstand kann von Dosis und Testverfahren abhängen. Arzneimittelinformation bei DailyMed, Übersichtsarbeit zu Störeinflüssen auf Schilddrüsentests

Wie Haare unter der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion nachwachsen

Stabilisiert die Behandlung die Hormonwerte, lässt schilddrüsenbedingter Haarausfall meist nach. Die Haare wachsen allerdings nur allmählich nach. Zur Behandlung wird in der Regel zunächst Levothyroxin eingesetzt. Bei Erwachsenen mit primärer Unterfunktion wird TSH im Allgemeinen 6 bis 8 Wochen nach Behandlungsbeginn oder Dosisänderung erneut kontrolliert. Schwangerschaft und andere besondere Umstände können andere Kontrollabstände erfordern. Übersichtsarbeit zur Hypothyreose

Der Ersatz der fehlenden Hormone kann den verstärkten Haarverlust häufig stoppen. Normale Laborwerte bedeuten aber nicht, dass die frühere Haardichte sofort zurückkehrt. Die zitierte Übersicht beschreibt mehrere überlappende Ursachen. Anhaltender Verlust sollte daher nicht automatisch als dauerhafter Follikelschaden durch eine frühere Schilddrüsenunterfunktion eingeordnet werden. Übersichtsarbeit zu Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haarerkrankungen

Selten kommt es in den ersten Monaten der Behandlung mit Levothyroxin zu einem teilweisen Haarausfall, der meist wieder vorübergeht. Bevor die Medikation verändert wird, sollte das ärztlich besprochen werden. Fallen die Haare trotz normalisierter Werte weiter aus, kommen zusätzliche Ursachen infrage. Arzneimittelinformation bei DailyMed

Warum Haarausfall trotz normaler Schilddrüsenwerte anhalten kann

Haare können noch eine Zeit lang ausfallen, nachdem sich die Schilddrüsenwerte normalisiert haben. Auch eine zweite Ursache ist möglich. Für die Einordnung zählt außerdem, welche Werte im Normalbereich liegen: Ein normales freies T4 allein bedeutet noch nicht, dass alle Schilddrüsenwerte unauffällig sind.

  • Subklinische Schilddrüsenunterfunktion: TSH ist erhöht, während freies T4 im Normalbereich liegt. Diese Konstellation wird bei bis zu 10 % der Erwachsenen beschrieben; die Häufigkeit hängt unter anderem von Alter und Referenzbereich ab. Der Befund allein beweist nicht die Ursache des Haarausfalls. Von vollständig normalen Schilddrüsenwerten kann dabei also nicht gesprochen werden. Übersichtsarbeit, Erläuterung zu freiem T4, Erläuterung zur subklinischen Hypothyreose
  • Positive TPO-Antikörper: Sie gehen mit einem höheren Risiko einher, später eine Schilddrüsenunterfunktion zu entwickeln. Für sich genommen erklären sie jedoch keinen aktuellen Haarausfall. Studie zur Entwicklung einer Hypothyreose, Erläuterung zu TPO-Antikörpern
  • Zu hohe Dosis: Eine Überdosierung kann Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen, darunter Haarausfall. Ob dies als Ursache infrage kommt, muss anhand der Behandlung und der Blutwerte geprüft werden. Arzneimittelinformation bei DailyMed
  • Verzögerter Haarverlust: Haare, die bereits in die Ruhephase gewechselt sind, können noch Monate nach dem ursprünglichen Auslöser ausfallen. Übersichtsarbeit zum telogenen Effluvium
  • Eisenmangel oder Haarausfall nach weiblichem Muster: Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen. Bei dünner werdendem Haar gehört deshalb auch die Abklärung einer Schilddrüsenerkrankung und eines Eisenmangels dazu. MedlinePlus zu Haarausfall nach weiblichem Muster

Schilddrüsen- und Eisenwerte helfen, mögliche Ursachen einzugrenzen. Ebenso wichtig für die Einordnung ist, wie sich der Haarverlust verteilt und wie er sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Quellen

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