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IGF-1 LR3: Wirkweise, Forschung und Risiken

Klinische Prüfung ausstehend

Was über IGF-1 LR3 bekannt ist: Wirkweise, präklinische Befunde zu Muskeln und Tumorwachstum sowie der US-Zulassungsstatus. Ein Nutzen beim Menschen ist nicht belegt.

Ob IGF-1 LR3 den Muskelaufbau oder die sportliche Leistung verbessert, ist beim Menschen nicht klinisch belegt. Die beschriebenen Ergebnisse stammen aus Zell- und Tierversuchen. In einer Mausstudie (2) verringerte die Substanz den krebsbedingten Muskelverlust, beschleunigte aber zugleich das Tumorwachstum.

Was ist IGF-1 LR3?

IGF-1 LR3 (Long R3 IGF-1) ist eine chemisch veränderte Form des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1. Im Vergleich zum ursprünglichen Molekül ist eine Aminosäure ausgetauscht. Außerdem wurde die Aminosäurekette an einem Ende, dem sogenannten N-Terminus, verlängert. Dadurch bindet die Substanz weniger stark an Transportproteine und bleibt länger aktiv.

IGF-1 LR3 wird weithin als Zusatz für Zellkulturen im Labor verkauft. Es wird auch zum Muskelaufbau und zur Leistungssteigerung eingesetzt, obwohl ein Nutzen beim Menschen nicht belegt ist. Ein zugelassenes Arzneimittel ist es nicht.

Weiterführend: Insulin.

Wie wirkt IGF-1 LR3?

IGF-1 LR3 aktiviert den IGF-1-Rezeptor (1). Dadurch löst es Wachstumssignale aus, die in Zell- und Tiermodellen den Aufbau von Muskelproteinen fördern. Dieser Vorgang heißt Muskelproteinsynthese. Die Veränderungen am Molekül sollen dafür sorgen, dass es im Körper länger aktiv bleibt.

In Laborversuchen förderte IGF-1 LR3 die Entwicklung von Muskelzellen zu spezialisierten Zellen, die sogenannte Differenzierung. In einem Mausmodell für krebsbedingten Muskelschwund begrenzte es den Muskelverlust. Gleichzeitig wuchsen die Tumoren schneller. Starke IGF-Signale können also auch unerwünschtes Zellwachstum fördern; diese wachstumsfördernde Eigenschaft wird als mitogene Wirkung bezeichnet. Die Zell- und Tierversuche liefern Hinweise auf die Wirkweise, belegen aber keine entsprechenden Wirkungen beim Menschen.

Ist IGF-1 LR3 von der FDA zugelassen?

Nein. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat IGF-1 LR3 nicht zugelassen. Die Substanz wird als Forschungschemikalie angeboten und auch zur Leistungssteigerung eingesetzt. Auch für individuell hergestellte Arzneimittelzubereitungen mit IGF-1 LR3 besteht kein zugelassener Status. Diese Art der Herstellung heißt in den USA „Compounding“.

Im Sport verbietet die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA IGF-1 und seine Analoga, also verwandte Varianten wie IGF-1 LR3, jederzeit: innerhalb und außerhalb von Wettkämpfen.

Was zeigt die Forschung?

Die bisherigen Befunde stammen aus präklinischen Untersuchungen, also aus Zell- und Tierversuchen vor einer klinischen Erprobung am Menschen. In einer Mausstudie (2) begrenzte IGF-1 LR3 den Muskelverlust bei Krebskachexie. Damit ist eine durch Krebs bedingte körperliche Auszehrung gemeint, zu der auch Muskelschwund gehört. Zugleich beschleunigte die Substanz das Tumorwachstum. Laboruntersuchungen zeigen außerdem, dass IGF-1 LR3 das Wachstum von Muskelzellen anregt.

Klinische Studien am Menschen, die den Einsatz zum Muskelaufbau oder zur Leistungssteigerung stützen, fehlen. Das schnellere Tumorwachstum im Mausmodell ist ein konkretes Warnsignal aus der präklinischen Forschung. Aus den beobachteten Effekten auf Muskelzellen und Muskelverlust lässt sich deshalb kein belegter Nutzen für Menschen ableiten.