Intertrigo: Ursachen, Behandlung und wiederkehrende Beschwerden
Klinische Prüfung ausstehend
Intertrigo entsteht durch Reibung und Feuchtigkeit in Hautfalten. Was den Ausschlag begünstigt, wann Infektionen hinzukommen und wie Behandlung und Abklärung aussehen.
Wenn Hautfalten wund werden und sich entzünden, hilft zunächst, Feuchtigkeit und Reibung zu verringern. Bei einer Intertrigo kann zusätzlich eine Pilz- oder bakterielle Infektion entstehen. Dann muss die Behandlung auch den jeweiligen Erreger erfassen. Kehrt der Ausschlag immer wieder zurück, lohnt es sich, begünstigende Faktoren wie Diabetes, Adipositas oder Inkontinenz abzuklären.
Was Intertrigo ist und wo sie entsteht
Intertrigo ist eine entzündliche Hauterkrankung an Stellen, an denen Haut auf Haut reibt. Der Name stammt von den lateinischen Wörtern „inter“ für „zwischen“ und „terere“ für „reiben“. Betroffen sind Körperfalten: unter den Brüsten, in den Leisten, zwischen den Gesäßhälften, in den Achselhöhlen, unter Bauchfalten und zwischen den Zehen. Durch die Reibung nimmt die äußerste Schicht der Oberhaut Schaden. Diese Hornschicht, auch Stratum corneum genannt, schützt die Haut normalerweise wie eine Barriere.
In den Hautfalten kann Schweiß schlecht verdunsten; Feuchtigkeit staut sich. Das warme, feuchte Milieu erleichtert es Bakterien und Pilzen, sich zu vermehren, die sonst nur in geringer Zahl auf der Haut leben. Auf die geschädigte Haut reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung. Die Stellen röten sich, schwellen an und können nässen oder verkrusten. Eine Intertrigo beginnt als Reaktion auf die körperliche Reizung, ohne dass zunächst eine Infektion vorliegen muss.
Bakterien oder Pilze?
Durch die geschädigte Hautbarriere kann eine zusätzliche Infektion entstehen, medizinisch eine sekundäre Infektion. Besonders häufig ist der Hefepilz Candida albicans beteiligt. Auch Bakterien können sich übermäßig vermehren, vor allem Staphylococcus aureus oder Arten der Gattung Streptococcus. Der Ausschlag kann dann über die ursprüngliche Hautfalte hinausreichen. Bei Candida können am Rand kleine Eiterbläschen auftreten, die vom übrigen Ausschlag abgesetzt sind. Sie heißen Satellitenpusteln. Auch ein auffälliger Geruch ist möglich, erlaubt allein aber keine sichere Zuordnung zu Candida. Bei bakteriellen Infektionen kann die Haut stärker entzündet sein und mehr Sekret abgeben. Übersichtsarbeit zu wiederkehrender Candida-Intertrigo
Ist Intertrigo ansteckend?
Intertrigo selbst ist nicht ansteckend. Der Ausschlag entsteht durch Reibung, Feuchtigkeit und Wärme in den eigenen Hautfalten. Kommt eine bakterielle Infektion oder eine Pilzinfektion hinzu, können die beteiligten Erreger allerdings durch direkten Hautkontakt oder über gemeinsam benutzte Handtücher und Kleidung weitergegeben werden. Bei solchen zusätzlichen Infektionen ist deshalb Hygiene wichtig; persönliche Gegenstände sollten nicht gemeinsam benutzt werden.
Wie Intertrigo mit Immunfunktion, Stoffwechsel und Hautmikrobiom zusammenhängt
Die Haut gehört zur Immunabwehr. Ihre Barriere hält Krankheitserreger ab und trägt dazu bei, das Gleichgewicht der auf ihr lebenden Mikroorganismen zu erhalten. Bei Intertrigo ist dieser Schutz gestört: Auf der geschädigten Haut können sich Bakterien und Hefepilze stärker vermehren. Ob der Ausschlag abheilt oder immer wiederkehrt, hängt auch von der Gesundheit des übrigen Körpers ab.
Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 oder Prädiabetes werden als Gruppen mit erhöhtem Risiko beschrieben. Erhöhter Blutzucker begünstigt das Wachstum von Candida. Eine mögliche Erklärung ist, dass mehr Glukose im Schweiß und in der Flüssigkeit zwischen den Zellen den Hefepilzen als Nahrung dient. Zusätzliche Pilzinfektionen könnten so leichter entstehen und schlechter abheilen. Wie viel dieser Mechanismus speziell bei Intertrigo erklärt, ist jedoch unklar. Auch eine beeinträchtigte Funktion neutrophiler Granulozyten wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Diese Immunzellen wehren Bakterien und Pilze ab; ihre Funktionsstörung lässt sich hier nicht sicher der Insulinresistenz zuordnen. Intertrigo: medizinischer Überblick
Auch die Regulation der Immunabwehr könnte beeinflussen, wie stark die Haut auf Reibung reagiert. Chronische, geringgradige Entzündungen können sich unter anderem in einem erhöhten hochsensitiven C-reaktiven Protein (hs-CRP) zeigen. Sie werden mit einer stärkeren Hautreaktion auf Reize in Verbindung gebracht; ihre konkrete Bedeutung für Intertrigo bleibt unklar. Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch Medikamente, chronische Erkrankungen oder altersbedingte Veränderungen, macht anfälliger für Hautschäden und nachfolgende Infektionen.
Die Gemeinschaft der Mikroorganismen auf der Haut heißt Hautmikrobiom. Unter normalen Bedingungen kann eine vielfältige Mischung aus Bakterien und Pilzen dazu beitragen, dass sich keine einzelne Art übermäßig ausbreitet. Im warmen, feuchten Milieu einer Hautfalte können Candida und Staphylokokken stärker wachsen. Ob dabei bei Intertrigo regelmäßig die mikrobielle Vielfalt abnimmt, ist nicht belegt.
Ein möglicher Einfluss des Darms auf die Haut wird unter dem Begriff Darm-Haut-Achse untersucht. Antibiotika, eine ungünstige Ernährung oder chronischer Stress können ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms begünstigen, eine sogenannte Dysbiose. Als Erklärung für einen Zusammenhang mit Hautbeschwerden wird diskutiert, dass sich dadurch die Immunregulation im Körper verändert und entzündliche Hautschübe leichter auftreten. Für Intertrigo lässt sich daraus bislang keine gesicherte Ursache ableiten.
Was Intertrigo-Schübe auslöst und warum nicht alle Menschen gleich betroffen sind
Reibung, Feuchtigkeit und Wärme wirken bei Intertrigo zusammen. Wo Hautflächen bei jeder Bewegung aneinanderreiben, kann die Schutzbarriere Schaden nehmen. Schweiß, Urin oder Wundsekret weichen die Haut zusätzlich auf. Diese sogenannte Mazeration macht sie anfälliger für weitere Schäden und erleichtert Mikroorganismen das Eindringen.
Hohe Umgebungstemperaturen oder Fieber verstärken das Schwitzen. Enge Kleidung und wenig luftdurchlässige Stoffe halten die Feuchtigkeit auf der Haut. Bei Adipositas können Hautfalten zahlreicher und tiefer sein, sodass größere Hautflächen aneinanderliegen und feucht bleiben. Eine Gewichtszunahme verändert außerdem, wie sich die Hautflächen gegeneinander bewegen. In den Leisten oder unter den Brüsten können dadurch stärkere Scherkräfte entstehen: Kräfte, die Gewebeschichten gegeneinander verschieben.
Auch folgende Umstände können einen Schub begünstigen:
- Bei Harn- oder Stuhlinkontinenz belasten dauernde Feuchtigkeit und chemische Reize die Hautbarriere.
- Wer sich nur eingeschränkt bewegen kann, wechselt seltener die Lage und kann Druck und Reibung schlechter ausgleichen. Das betrifft besonders bettlägerige Menschen.
- Während einer Schwangerschaft können Gewichtszunahme und hormonelle Veränderungen tiefere Hautfalten und stärkeres Schwitzen begünstigen.
- In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Die Haut kann dadurch dünner werden und weniger gut schützen.
- Kortikosteroide können die Haut verdünnen und die örtliche Immunabwehr unterdrücken. Das gilt sowohl für Präparate zum Auftragen als auch für solche, die im ganzen Körper wirken.
- Antibiotika verändern das Haut- und Darmmikrobiom. Das kann Mikroorganismen wie Candida die Vermehrung erleichtern. Sie gelten als opportunistisch, weil sie vor allem unter für sie günstigen Bedingungen Beschwerden verursachen.
- Immunsuppressiva unterdrücken die Immunabwehr, etwa bei Autoimmunerkrankungen oder nach einer Organtransplantation. Sie erhöhen die Anfälligkeit für Hautschäden und zusätzliche Infektionen.
Warum Intertrigo unterschiedlich verläuft und auf die Behandlung anspricht
Bei manchen Menschen heilt der Ausschlag mit Hautpflege und einer Schutzcreme ab. Bei anderen bleibt dieselbe Körperstelle lange entzündet oder wird immer wieder wund. Kommt ein Pilz hinzu, kann ein Antipilzmittel nötig sein. Bei wiederkehrenden Beschwerden müssen oft auch begünstigende Erkrankungen oder andere Belastungen berücksichtigt werden. Die Unterschiede lassen sich nicht allein am Aussehen der Haut erklären.
Eine mögliche Rolle spielt die genetisch bedingte Beschaffenheit der Hautbarriere. Filaggrin ist ein Protein, das die Hornschicht erhält. Varianten in den dafür zuständigen Genen können die Haut durchlässiger und reizempfindlicher machen und werden mit entzündlichen Hauterkrankungen in Verbindung gebracht. Ob solche Varianten auch das Intertrigo-Risiko erhöhen oder erklären, warum örtliche Behandlungen schlechter wirken, ist hier nicht belegt.
Auch das Hautmikrobiom unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Bei manchen finden sich mehr Candida-Hefen oder Staphylokokken. Bei anderen ist die Gemeinschaft vielfältiger, was einer übermäßigen Vermehrung einzelner Arten entgegenwirken kann. Frühere Antibiotikabehandlungen, Hygienegewohnheiten und Ernährung können diese Zusammensetzung beeinflussen. Daraus lässt sich jedoch nicht sicher ableiten, wie schnell bei einer Intertrigo eine zusätzliche Infektion entsteht.
Wie deutlich sich eine Entzündung zeigt, hängt auch von der Immunreaktion ab. Schon geringe Reize können bei manchen Menschen eine starke Rötung, Schwellung und Beschwerden auslösen. Bei anderen fällt die Reaktion schwächer aus. Eine Infektion kann dann weniger deutliche Warnzeichen verursachen. Chronischer Stress, schlechter Schlaf und Nährstoffmängel können die Immunregulation und die Reaktion auf eine geschädigte Hautbarriere beeinflussen.
Hinzu kommt der Glukosestoffwechsel. Gut eingestellte Blutzuckerwerte können günstigere Bedingungen für das Abheilen einer Candida-Infektion schaffen. Ob normale Insulinwerte gegenüber einer Insulinresistenz eigenständig eine schnellere Heilung erwarten lassen, bleibt unklar. Ein erhöhtes Hämoglobin A1c (HbA1c) zeigt eine höhere längerfristige Blutzuckerbelastung an. Chronische Entzündungen, die sich unter anderem in hs-CRP widerspiegeln können, werden ebenfalls mit reizempfindlicherer Haut und langsamerer Heilung in Verbindung gebracht. Keiner dieser Werte erlaubt für sich allein eine sichere Vorhersage, wie lange eine Intertrigo dauert.
Intertrigo behandeln: Cremes und Hautpflege
Die Haut braucht zunächst weniger Feuchtigkeit und Reibung. Dafür sollte die betroffene Falte sauber, trocken und kühl bleiben. Nach dem Waschen lässt sie sich vorsichtig trocken tupfen; Reiben belastet sie zusätzlich. Feuchtigkeitsaufnehmende Puder helfen gegen Nässe, Schutzcremes verringern die Reibung. Leichte, lockere und saugfähige Kleidung unterstützt diese Maßnahmen. Intertrigo und häufige sekundäre Hautinfektionen
Welche Creme oder welches Medikament infrage kommt, hängt davon ab, ob zusätzlich eine Infektion besteht:
- Ohne Infektion kann eine Schutzcreme mit Zinkoxid oder Vaseline die Reibung verringern. Cleveland Clinic: Intertrigo
- Bei einer Candida-Infektion richtet sich ein örtliches Antipilzmittel wie Clotrimazol oder Miconazol gegen den Hefepilz.
- Bei einer bakteriellen Infektion kommen je nach Erreger Antibiotika zum Auftragen oder Einnehmen infrage.
Kehrt der Ausschlag zurück, sollten auch begünstigende Faktoren wie Adipositas, Diabetes oder Inkontinenz behandelt werden. Solange diese Belastungen fortbestehen, reicht eine Creme allein möglicherweise nicht aus.
Wann wiederkehrende Hautbeschwerden weiter abgeklärt werden sollten
Eine anhaltende oder wiederkehrende Intertrigo kann Anlass sein, nach Störungen des Stoffwechsels oder der Immunfunktion zu suchen. Das gilt besonders, wenn die übliche Behandlung nicht ausreichend hilft. Welche Laboruntersuchungen sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden und der Vorgeschichte ab. Aus einer Intertrigo ergibt sich kein pauschaler Bedarf für alle nachfolgend genannten Tests.
- Wiederkehrende Candida-Infektionen kommen bei unerkanntem oder unzureichend eingestelltem Diabetes häufig vor. Nüchternglukose, HbA1c und Insulin geben unterschiedliche Auskunft über den Glukosestoffwechsel und werden bei der Abklärung von Diabetes, Prädiabetes oder Insulinresistenz herangezogen. Sie haben dabei nicht dieselbe diagnostische Aussagekraft. Der Triglycerid-Glukose-Index (TyG-Index) kombiniert Triglyceride und Glukose, um die Insulinempfindlichkeit einzuschätzen.
- hs-CRP und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG; englisch ESR) können auf Entzündungen im Körper hinweisen. Diese können etwa mit Adipositas, dem metabolischen Syndrom oder Autoimmunerkrankungen zusammenhängen und die Hautheilung beeinträchtigen. Die Werte allein erklären jedoch nicht, was die Entzündung verursacht.
- Ein großes Blutbild einschließlich Differenzialblutbild erfasst die verschiedenen weißen Blutkörperchen. Niedrige Lymphozytenwerte oder erhöhte Neutrophilenwerte können Anlass für weitere Abklärung sein. Sie belegen allein keine bestimmte Störung der Immunregulation.
- Ein Mangel an Vitamin D, Zink oder Vitamin B12 kommt als möglicher Einfluss auf Hautheilung und Infektanfälligkeit infrage. Besonders bei eingeschränkter Lebensmittelauswahl, gestörter Nährstoffaufnahme oder chronischen Erkrankungen kann die Frage nach einem Mangel relevant sein. Welche Rolle die einzelnen Nährstoffe speziell bei Intertrigo spielen, ist damit nicht geklärt.
- Eine Darmmikrobiom-Analyse soll Veränderungen wie eine übermäßige Candida-Besiedlung oder einen Rückgang von Bakterien wie Faecalibacterium prausnitzii und Akkermansia muciniphila erfassen. Nicht belegt ist damit, dass solche Befunde eine behandlungsbedürftige Dysbiose nachweisen oder die Ursache einer Intertrigo erklären.
Bei einer langfristigen Behandlung mit Kortikosteroiden, Chemotherapie oder Immunsuppressiva verdienen Anzeichen einer zusätzlichen Infektion besondere Aufmerksamkeit. Lassen sich begünstigende Faktoren erkennen, kann die Behandlung gezielter daran ansetzen.
Häufige Fragen
Was ist Intertrigo und wie sieht sie aus?
Intertrigo ist eine Entzündung in Hautfalten, in denen Haut auf Haut reibt. Häufig betroffene Stellen sind unter den Brüsten, in den Leisten, zwischen den Gesäßhälften, in den Achselhöhlen, unter Bauchfalten und zwischen den Zehen. Die Haut ist gerötet und wund. Manchmal nässt sie oder bildet Krusten.
Ist Intertrigo ansteckend?
Intertrigo selbst ist nicht ansteckend. Der Ausschlag entsteht durch Reibung, Feuchtigkeit und Wärme in den eigenen Hautfalten. Kommt eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen wie Candida hinzu, können die beteiligten Erreger jedoch weitergegeben werden: durch direkten Hautkontakt oder über gemeinsam benutzte Handtücher und Kleidung. Übertragen werden in diesem Fall die Erreger der zusätzlichen Infektion.
Warum entsteht Intertrigo in Hautfalten?
In Hautfalten treffen Reibung und Feuchtigkeit aufeinander. Wenn Haut auf Haut reibt, nimmt die schützende Hornschicht Schaden. Zugleich kann Schweiß schlecht verdunsten und sich in der Falte stauen. In diesem warmen, feuchten Milieu vermehren sich Bakterien und Pilze leichter, die sonst nur in geringer Zahl auf der Haut leben. Candida albicans ist der häufigste Erreger einer zusätzlichen Infektion. Bei Adipositas können Hautfalten zahlreicher und tiefer sein. Auch Inkontinenz, eingeschränkte Beweglichkeit, wenig luftdurchlässige Kleidung und immunsuppressive Medikamente begünstigen Schäden an der Hautbarriere und nachfolgende Infektionen.
Wie wird Intertrigo behandelt?
Zuerst gilt es, Feuchtigkeit und Reibung zu verringern. Kommt eine Infektion hinzu, richtet sich die Behandlung mit einem Antipilzmittel oder Antibiotikum gegen den jeweiligen Erreger. Der Abschnitt zur Behandlung erläutert die Hautpflege und nennt geeignete Wirkstoffe.
Warum kehrt Intertrigo immer wieder zurück?
Meist bleiben Faktoren bestehen, die die Haut erneut belasten. Bei Adipositas können tiefe Hautfalten dauerhaft feucht bleiben und aneinanderreiben. Unzureichend eingestellter Diabetes kann durch die erhöhte Glukosebelastung das Wachstum von Candida fördern. Als mögliche Erklärung wird diskutiert, dass Glukose im Schweiß und in der Flüssigkeit zwischen den Zellen den Hefepilzen als Nahrung dient. Wie wichtig dieser Mechanismus bei Intertrigo ist und inwieweit er sich auf Insulinresistenz übertragen lässt, bleibt unklar.
Chronische Entzündungen im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom könnten die Haut reizempfindlicher machen und die Heilung verlangsamen. Auch Antibiotika und eine Dysbiose des Darms werden als mögliche Einflüsse auf das Hautmikrobiom und die wiederholte Vermehrung opportunistischer Erreger diskutiert. Dass eine Darmdysbiose wiederkehrende Intertrigo verursacht, ist hier nicht belegt.
Was unterscheidet Intertrigo von einer Hefepilzinfektion?
Intertrigo beginnt als entzündlicher Ausschlag in einer Hautfalte durch Reibung und Feuchtigkeit. Eine Infektion muss dabei zunächst nicht vorliegen. Vermehrt sich Candida auf der geschädigten, feuchten Haut übermäßig, kann eine Hefepilzinfektion hinzukommen. Dann spricht man von Candida-Intertrigo. Dabei können kleine Eiterbläschen außerhalb des Hauptausschlags auftreten, sogenannte Satellitenpusteln. Auch ein auffälliger Geruch ist möglich, weist allein aber nicht zuverlässig auf Candida hin. Ein Antipilzmittel behandelt den Hefepilz. Zugleich müssen Feuchtigkeit und Reibung verringert und gegebenenfalls begünstigende Stoffwechselfaktoren berücksichtigt werden.
Welche Erkrankungen des gesamten Körpers stehen mit wiederkehrender Intertrigo in Zusammenhang?
Diabetes mellitus und Insulinresistenz werden als häufige Zusammenhänge genannt. Erhöhter Blutzucker begünstigt das Wachstum von Candida. Eine beeinträchtigte Funktion neutrophiler Granulozyten, also bestimmter Abwehrzellen, kann zusätzlich die Bekämpfung von Infektionen erschweren. Beide Mechanismen lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres der Insulinresistenz zuordnen.
Bei Adipositas können tiefere Hautfalten und stärkere Scherkräfte die Haut belasten. Chronische, geringgradige Entzündungen beim metabolischen Syndrom können die Hautheilung verlangsamen. Kortikosteroide, Chemotherapie oder Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen können die Immunabwehr unterdrücken und dadurch zusätzliche Infektionen begünstigen. Auch ein Mangel an Vitamin D, Zink oder B12 wird mit beeinträchtigter Wundheilung und Immunantwort in Verbindung gebracht. Welche Bedeutung die einzelnen Nährstoffe für wiederkehrende Intertrigo haben, bleibt offen.
Welche Biomarker sollten bei anhaltender oder wiederkehrender Intertrigo untersucht werden?
Es gibt aus dieser Aufzählung keine allgemeine Empfehlung, sämtliche Werte untersuchen zu lassen. Entscheidend sind der klinische Verdacht und die Vorgeschichte. Nüchternglukose, HbA1c und Insulin liefern unterschiedliche Informationen zum Glukosestoffwechsel und können bei der Abklärung von Insulinresistenz oder unerkanntem Diabetes eine Rolle spielen. Solche Störungen können wiederkehrende Candida-Infektionen begünstigen. Der Triglycerid-Glukose-Index kombiniert Triglyceride und Glukose, um die Insulinempfindlichkeit einzuschätzen.
hs-CRP und BSG können Entzündungen im Körper anzeigen, die auch die Hautgesundheit beeinträchtigen können. Ein großes Blutbild mit Differenzialblutbild erfasst die verschiedenen Immunzellen. Auffällige Ergebnisse müssen weiter eingeordnet werden; sie erklären für sich genommen nicht die Ursache der Hautbeschwerden.
Die Bestimmung von Vitamin D, Zink und Vitamin B12 kann der Frage nach möglichen Nährstoffmängeln dienen, die die Heilung beeinträchtigen könnten. Eine Darmmikrobiom-Analyse soll eine Candida-Vermehrung oder Dysbiose erfassen. Ob solche Befunde die Hautbeschwerden erklären und ob die Untersuchung bei Intertrigo klinisch nützt, ist hier nicht belegt. Daraus lässt sich keine routinemäßige Untersuchung dieser Werte bei jeder anhaltenden oder wiederkehrenden Intertrigo ableiten.
Quellen
- Cleveland Clinic. (n.d.). Intertrigo: What Is It, Causes, Symptoms & Treatment. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/21693-intertrigo
- Metin A, Dilek N, Bilgili SG (2018). Recurrent candidal intertrigo: challenges and solutions. Clinical, cosmetic and investigational dermatology, 11, 175-185. https://doi.org/10.2147/CCID.S127841 PubMed
- National Center for Biotechnology Information. (2024). Intertrigo. https://ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK531489
- Shahabudin S, Azmi NS, Lani MN, Mukhtar M, Hossain MS (2024). Candida albicans skin infection in diabetic patients: An updated review of pathogenesis and management. Mycoses, 67(6), e13753. https://doi.org/10.1111/myc.13753 PubMed
- Janniger CK, Schwartz RA, Szepietowski JC, Reich A (2005). Intertrigo and common secondary skin infections. American Family Physician, 72(5), 833-838. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16156342/