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Eisen im Blut: Was der Eisenwert aussagt

Klinische Prüfung ausstehend

Wie sich Serumeisen einordnen lässt, welche Rolle Ferritin und Entzündungen spielen und warum Tageszeit, Ernährung und Medikamente die Ergebnisse beeinflussen können.

Der Eisenwert zeigt, wie viel Eisen zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Blutserum zirkuliert. Ob die Eisenspeicher leer sind oder sich zu viel Eisen im Körper angesammelt hat, lässt sich daran allein nicht zuverlässig erkennen. Dazu braucht es weitere Blutwerte und Angaben zur gesundheitlichen Situation. Auch die Tageszeit, Mahlzeiten und Medikamente können den Messwert beeinflussen.

Was der Eisentest misst

Beim Eisentest bestimmt das Labor die Eisenmenge im Blutserum. Der Wert erfasst damit eine Momentaufnahme des Eisens, das der Körper transportiert, etwa vom Verdauungssystem zum Knochenmark, zu den Muskeln und zu anderen Geweben.

Der Körper nimmt nur etwa 10 % des Eisens aus der Nahrung auf. Überschüssiges Eisen kann er nicht über einen gezielt regulierten Ausscheidungsweg abgeben. Deshalb muss er den Eisenhaushalt im Gleichgewicht halten: Fehlt Eisen, können Zellen ihre Aufgaben nicht richtig erfüllen. Ein Überschuss kann dagegen oxidativen Stress auslösen und Gewebe schädigen, weil Eisen chemisch sehr reaktionsfähig ist. 1

Als typische Bereiche für Serumeisen gelten 60–170 Mikrogramm pro Deziliter (mcg/dL) bei Männern und 60–140 mcg/dL bei Frauen. Für den einzelnen Befund zählt jedoch der Referenzbereich des untersuchenden Labors; die genannten Spannen sind keine allgemeingültigen Grenzwerte. Serumeisen kann im Tagesverlauf stark schwanken, mitunter um 50 % oder mehr. Häufig liegen die Werte morgens höher und abends niedriger. Zur Einordnung gehört deshalb auch die Uhrzeit der Blutentnahme. 1

Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel. Frauen sind wegen der Eisenverluste durch die Menstruation häufiger betroffen als Männer. Eine Eisenüberladung kommt seltener vor, kann aber ebenfalls schwere Folgen haben. Bei der erblichen Hämochromatose etwa sammelt sich zunehmend Eisen im Körper an. Über Jahrzehnte kann es Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse schädigen. 4 1

Wie sich die Ergebnisse eines Eisentests einordnen lassen

Ein niedriger Serumeisenwert kann auf eine Eisenmangelanämie hinweisen, also eine Blutarmut durch Eisenmangel. Er kann aber auch durch eine Entzündung entstehen: Als Teil der Immunreaktion hält der Körper Eisen in den Zellen zurück, sodass weniger davon im Blut zirkuliert. Weitere Laborwerte helfen, diese Ursachen zu unterscheiden. 2

Bei der ärztlichen Beurteilung sind vor allem folgende Kombinationen aufschlussreich:

Liegt das Serumeisen unter 60 mcg/dL und ist zugleich das Ferritin niedrig und die TIBC hoch, spricht das für einen Eisenmangel. Ferritin gibt Hinweise auf die Eisenspeicher. TIBC steht für die gesamte Eisenbindungskapazität; ein hoher Wert bedeutet in diesem Zusammenhang, dass viel Kapazität zur Bindung von Eisen verfügbar ist. Häufige Beschwerden bei Eisenmangel sind Müdigkeit, Schwäche, blasse Haut sowie kalte Hände oder Füße. 5

Niedriges Serumeisen bei normalem oder hohem Ferritin kann dagegen auf eine Entzündung oder chronische Erkrankung hinweisen. Dabei kann Eisen in den Speichern vorhanden sein, ohne ausreichend in den Blutkreislauf zu gelangen. Ein solches Muster kommt etwa bei rheumatoider Arthritis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder chronischen Infektionen vor. Ein zusätzlicher Eisenmangel lässt sich damit allein nicht ausschließen. 2

Serumeisen über 170 mcg/dL bei Männern beziehungsweise über 140 mcg/dL bei Frauen kann zusammen mit hohem Ferritin und niedriger TIBC auf eine Eisenüberladung hinweisen. Als Ursachen kommen eine erbliche Hämochromatose, eine chronische Lebererkrankung oder die übermäßige Einnahme von Eisenpräparaten infrage. Frühe Stadien verursachen oft keine Beschwerden. Ein solches Befundmuster sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden; bei entsprechendem Verdacht sind geplante Verlaufskontrollen wichtig. 4

Auch die Umstände der Blutentnahme zählen. Ein niedrigerer Wert am Abend bedeutet nicht zwangsläufig Eisenmangel. Ebenso macht es einen Unterschied, ob die Untersuchung nüchtern erfolgt: Eine Mahlzeit kurz vor der Blutentnahme kann das Serumeisen vorübergehend erhöhen.

Was die Ergebnisse eines Eisentests beeinflussen kann

Wie viel Eisen im Blut zirkuliert, hängt von mehreren Vorgängen ab: Wie viel liefert die Nahrung, wie viel nimmt der Darm davon auf, und wie viel Eisen geht verloren? Hinzu kommt die körpereigene Regulation. Diese Zusammenhänge helfen, einen auffälligen Befund im ärztlichen Gespräch zu klären.

Bei der Ernährung spielt die Form des Eisens eine Rolle. Von Hämeisen aus Fleisch, Geflügel und Fisch nimmt der Körper etwa 15–35 % auf, von Nicht-Hämeisen aus pflanzlichen Lebensmitteln etwa 2–10 %. Vitamin C kann die Aufnahme von Nicht-Hämeisen verdreifachen, wenn beides zusammen verzehrt wird. Kalzium, Kaffee und Tee können die Aufnahme dagegen um 40 % oder mehr vermindern. Wie stark diese Einflüsse ausfallen, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab; die Zahlen lassen sich nicht als feste Faktoren auf jede Mahlzeit übertragen. 1 6 3

Durch die Menstruation geht Eisen verloren. Starke Menstruationsblutungen gehören zu den häufigsten Ursachen eines Eisenmangels bei Frauen vor der Menopause. Bei Männern betragen die üblichen täglichen Eisenverluste dagegen nur 1–2 mg. Die Antibabypille verringert häufig die menstruationsbedingten Verluste; Kupferspiralen können sie erhöhen. 1

Entzündungen und Infektionen verändern den Eisenstoffwechsel. Bei einer Entzündung bildet der Körper das Hormon Hepcidin. Es hemmt die Eisenaufnahme im Darm und hält Eisen in Zellen zurück. So steht Bakterien weniger Eisen zur Verfügung. Gleichzeitig lässt sich der Eisenstatus während einer Erkrankung dadurch schwerer beurteilen. 2

Auch Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können den Befund verändern. Nach der Einnahme von Eisenpräparaten kann das Serumeisen für 4–6 Stunden erhöht sein. Protonenpumpenhemmer verringern die Bildung von Magensäure und können dadurch die Eisenaufnahme vermindern. 7 Gerinnungshemmende Medikamente können innere Blutungen begünstigen. Die damit verbundenen Eisenverluste bleiben unter Umständen zunächst unbemerkt.

Welche weiteren Befunde die Einordnung verändern

Andere Laborwerte ergänzen die Momentaufnahme des Serumeisens: Sie geben Hinweise darauf, wie viel Eisen gespeichert ist, ob eine Entzündung vorliegt und ob sich bereits Veränderungen im Blutbild zeigen.

Ferritin hilft, die Eisenspeicher zu beurteilen, und ist häufig aussagekräftiger als Serumeisen allein. Niedriges Ferritin, im Allgemeinen unter 15 ng/mL, weist auf geleerte Speicher hin, auch wenn das Serumeisen noch normal erscheint. Ein hoher Ferritinwert kann für eine Eisenüberladung sprechen. Er kann aber auch bei Entzündungen steigen, etwa während einer Infektion, bei Lebererkrankungen oder bei bestimmten Krebserkrankungen. 1 5

Die Transferrinsättigung beschreibt, welcher Anteil des Transportproteins Transferrin mit Eisen beladen ist. Eine niedrige Sättigung spricht für Eisenmangel; eine dauerhaft erhöhte Sättigung kann auf eine Eisenüberladung hinweisen. 4 1

Das Blutbild liefert mit Hämoglobin, Hämatokrit und den Erythrozytenindizes weitere Hinweise. Die Erythrozytenindizes beschreiben Eigenschaften der roten Blutkörperchen. Bei einer Eisenmangelanämie sind diese typischerweise klein und blass, medizinisch „mikrozytär“ und „hypochrom“. Ist das Blutbild bei niedrigem Eisenwert noch normal, kann das auf einen beginnenden Eisenmangel hinweisen, bevor sich eine Anämie entwickelt. 5

Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein, kurz CRP, helfen, Eisenmangel und entzündungsbedingte Veränderungen auseinanderzuhalten. Erhöhtes CRP zusammen mit niedrigem Serumeisen und normalem Ferritin kann bedeuten, dass der Körper Eisen vorübergehend umverteilt hat. Ein gleichzeitig bestehender Eisenmangel lässt sich aus diesem Muster allein jedoch nicht ausschließen. 2

Die Werte beantworten also unterschiedliche Fragen. Serumeisen erfasst das zirkulierende Eisen; zusammen mit Ferritin, Entzündungswerten und Blutbild lässt sich besser beurteilen, was hinter einem auffälligen Ergebnis steckt.

Den eigenen Eisenstatus verstehen

Bei einem auffälligen Eisenwert kommt es darauf an, wie er zu den übrigen Befunden und zur gesundheitlichen Situation passt. Daraus ergibt sich auch, ob weitere Untersuchungen nötig sind und welche Frage sie beantworten sollen. Ein einzelner Marker erfasst den Eisenstoffwechsel nicht vollständig.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Eisenwert im Blut ist normal?

Typische Bereiche für Serumeisen sind 60–170 mcg/dL bei Männern und 60–140 mcg/dL bei Frauen. Maßgeblich ist der Referenzbereich des jeweiligen Labors. Zudem kann der Wert im Tagesverlauf deutlich schwanken: Häufig liegt er morgens höher und abends niedriger. Deshalb gehört die Uhrzeit der Blutentnahme zur Beurteilung des Ergebnisses. 1

Was verursacht niedrige Eisenwerte?

Ein niedriger Eisenwert kann entstehen, wenn die Nahrung zu wenig Eisen liefert oder der Darm es wegen Verdauungsproblemen schlecht aufnimmt. Weitere mögliche Ursachen sind Blutverluste durch starke Menstruationsblutungen oder innere Blutungen. Bei Entzündungen hält der Körper Eisen in den Zellen zurück, sodass der Wert im Blut sinken kann. Auch ein erhöhter Bedarf während der Schwangerschaft oder in Wachstumsphasen kommt als Ursache infrage. 2

Kann zu viel Eisen im Körper vorhanden sein?

Ja. Bei erblicher Hämochromatose, übermäßiger Einnahme von Eisenpräparaten oder Lebererkrankungen kann sich zu viel Eisen im Körper ansammeln. Serumeisenwerte über 170 mcg/dL bei Männern beziehungsweise über 140 mcg/dL bei Frauen können zusammen mit erhöhtem Ferritin darauf hinweisen. Eine Eisenüberladung kann Organe schädigen. Ob sie tatsächlich vorliegt, muss ärztlich geklärt werden. 4

Wie bereitet man sich auf einen Eisentest vor?

Welche Vorbereitung nötig ist, sollte vorab mit der behandelnden Praxis oder dem Labor geklärt werden. Zu den möglichen Vorgaben gehören 12 Stunden Nüchternheit und eine Blutentnahme am Morgen, wenn die Eisenwerte häufig höher liegen. Eisenpräparate können den Messwert nach der Einnahme für mehrere Stunden erhöhen. Auch eine Einnahmepause von mindestens 24 Stunden kommt als Vorgabe infrage. Ob diese Bedingungen für die geplante Untersuchung gelten und ob ein verordnetes Präparat pausiert werden soll, muss die Praxis oder das Labor bestätigen.

Was unterscheidet einen Eisentest von einem Ferritintest?

Der Eisentest misst das Eisen, das zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Blut zirkuliert. Ferritin gibt Hinweise auf die gespeicherte Eisenmenge. Häufig hilft Ferritin mehr bei der Beurteilung des Eisenstatus, weil Serumeisen im Tagesverlauf stark schwankt und sich durch kürzlich eingenommene Mahlzeiten oder Entzündungen verändern kann. Allerdings kann auch Ferritin bei Entzündungen erhöht sein. 5

Wie beeinflussen Entzündungen den Eisentest?

Bei Entzündungen bildet der Körper das Hormon Hepcidin. Es hemmt die Eisenaufnahme im Darm und hält Eisen in den Zellen zurück. Dadurch kann das Serumeisen sinken, obwohl die Eisenspeicher normal gefüllt sind. Während einer Erkrankung lässt sich aus einem niedrigen Serumeisenwert allein deshalb nicht zuverlässig auf einen Eisenmangel schließen. 2

Welche weiteren Untersuchungen sind neben einem Eisentest sinnvoll?

Serumeisen, Ferritin, Transferrinsättigung und TIBC, die gesamte Eisenbindungskapazität, ergänzen sich bei der Beurteilung des Eisenstatus. Das Blutbild liefert mit Hämoglobin und den Erythrozytenindizes, also Kennwerten der roten Blutkörperchen, weitere Hinweise. Entzündungsmarker wie CRP helfen, Eisenmangel von entzündungsbedingten Veränderungen zu unterscheiden. Welche Werte tatsächlich benötigt werden, hängt von der konkreten Fragestellung ab. 2

Warum werden Eisenwerte bei Frauen anders eingeordnet?

Frauen mit Menstruationsblutungen verlieren regelmäßig Eisen und sind deshalb anfälliger für Eisenmangel. Starke Blutungen gehören zu den häufigsten Ursachen niedriger Eisenwerte vor der Menopause. Als typischer Referenzbereich für Frauen wird hier 60–140 mcg/dL genannt; für den einzelnen Befund gilt der Bereich des untersuchenden Labors. Auch hormonelle Verhütung und die Menopause beeinflussen den Eisenstatus. Bei der Beurteilung spielen damit andere Einflüsse eine Rolle als bei Männern.

Quellen