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Kreatin bei Depression: Interessante Forschung, unsicherer Nutzen

Klinische Prüfung ausstehend

Ein Bogen aus weißem Pulver neben einer kleinen blauen Hantel auf Mintgrün.

Kreatin wird als mögliche Ergänzung einer Depressionsbehandlung untersucht. Daraus folgt bisher keine verlässliche Empfehlung zur Selbstbehandlung. Einzelne positive Studien verdienen Aufmerksamkeit; ebenso wichtig sind ihre Grenzen und die Frage, ob der durchschnittliche Unterschied für Betroffene spürbar relevant ist.

Für eine Person mit Depression ist vor allem entscheidend, ob eine zusätzliche Maßnahme die bestehende Behandlung sinnvoll ergänzt. Ein plausibler biologischer Mechanismus oder ein Sportprodukt mit vielen Erfahrungsberichten beantwortet diese Frage nicht.

Ein positives Ergebnis mit engem Anwendungsbereich

In einer achtwöchigen Studie erhielten 52 Frauen mit einer Major Depression Escitalopram und zusätzlich entweder täglich 5 Gramm Kreatin oder Placebo. Die depressive Symptomatik verbesserte sich in der Kreatingruppe stärker; ein Unterschied zeigte sich bereits nach zwei Wochen. Das war eine Untersuchung einer Kombinationstherapie. Sie prüfte weder Kreatin als alleinige Behandlung noch seine Wirkung bei Männern oder bei gesunden Menschen mit vorübergehend gedrückter Stimmung. Lyoo et al., 2012

Eine in einem Versuch verwendete Menge ist nicht automatisch eine empfohlene therapeutische Dosis. Auch ein früher Gruppenunterschied bedeutet nicht, dass jede einzelne Person innerhalb derselben Zeit profitiert.

Die Gesamtschau fällt vorsichtiger aus

Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse fasste elf randomisierte Studien mit 1.093 Teilnehmenden zusammen. Der durchschnittliche Effekt entsprach etwa 2,2 Punkten auf der 17-teiligen Hamilton-Depressionsskala und lag unter der dort angesetzten Schwelle von 3 Punkten für einen klinisch wichtigen Unterschied. Die Autoren bewerteten die Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig; die Ergebnisse waren uneinheitlich und anfällig für Verzerrungen. Ein kleiner oder fehlender tatsächlicher Nutzen blieb möglich. Eckert et al., 2025

Die positiven Einzelstudien bleiben Teil dieses Bildes. Zusammen mit den übrigen Versuchen ergeben sie jedoch eine weniger verlässliche Grundlage, als ein ausgewähltes Ergebnis vermuten lässt.

Ein Zusammenhang in Ernährungsdaten ist keine Therapieprüfung

Eine Auswertung von US-Bevölkerungsdaten fand einen Zusammenhang zwischen der geschätzten Kreatinaufnahme aus Lebensmitteln und depressiven Symptomen. Solche Querschnittsdaten können jedoch nicht zeigen, dass Kreatin eine Depression verhindert oder behandelt. Ernährung, Lebensumstände und Erkrankung können sich gegenseitig beeinflussen. Bakian et al., 2020

Die Beobachtung der üblichen Ernährung beantwortet also eine andere Frage als ein Versuch mit einer gezielten zusätzlichen Gabe und Placebovergleich. Nur wenn diese Unterschiede sichtbar bleiben, lässt sich die Aussagekraft der Ergebnisse beurteilen.

Was vor einem ergänzenden Versuch geklärt werden müsste

Wer eine Einnahme erwägt, sollte die behandelnde Fachperson einbeziehen. Dabei sind die Diagnose, die laufende Therapie, weitere Medikamente und die körperliche Gesundheit wichtiger als die Frage, welches Produkt online am besten bewertet ist. Eine bestehende Behandlung sollte nicht eigenständig ersetzt oder verändert werden.

Ein Gespräch kann auch klären, woran ein möglicher Nutzen überhaupt erkannt würde. Sinnvoll wären vorher vereinbarte Ziele und ein Zeitpunkt zur gemeinsamen Beurteilung. Sonst kann eine wechselhafte Symptomatik leicht als Erfolg oder Misserfolg eines Produkts fehlgedeutet werden.

Weitere gute Studien könnten klären, ob und für wen Kreatin eine nützliche Ergänzung ist. Derzeit lässt es sich nicht verlässlich als wirksames Antidepressivum bezeichnen. Gerade Menschen, die bereits mehrere enttäuschende Behandlungsversuche erlebt haben, sollten diese Unsicherheit kennen, bevor sie neue Erwartungen an ein Präparat knüpfen.