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Kreatin und Blutzucker: Was eine kleine Diabetesstudie zeigen kann

Klinische Prüfung ausstehend

Ein Bogen aus weißem Pulver neben einer kleinen blauen Hantel auf Mintgrün.

Kreatin ist als Sportergänzung bekannt. Für den Blutzucker ist die Forschung deutlich schmaler. Ein interessantes Ergebnis bei Menschen mit Typ-2-Diabetes reicht weder für eine allgemeine Behandlungsempfehlung noch für das Versprechen, bei gesunden Menschen Diabetes vorzubeugen.

In einer häufig zitierten Studie nahmen die Teilnehmenden zugleich an einem Trainingsprogramm teil. Das Ergebnis beschreibt daher den Zusatznutzen von Kreatin unter diesen Bedingungen; seine Wirkung ohne Bewegung wurde damit nicht geprüft.

Die zentrale Studie im richtigen Zusammenhang

In einer randomisierten Untersuchung wurden 25 Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet. Über zwölf Wochen erhielten sie täglich 5 Gramm Kreatin oder Placebo und nahmen an einem Trainingsprogramm teil. Der HbA1c entwickelte sich in der Kreatingruppe günstiger; der geschätzte Unterschied lag bei −1,1 Prozentpunkten, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von −1,9 bis −0,4. Untersuchte Ersatzmaße der Insulinempfindlichkeit unterschieden sich dagegen nicht eindeutig zwischen den Gruppen. Gualano et al., 2011

Das Ergebnis betrifft eine kleine Gruppe, einen begrenzten Zeitraum und eine Ergänzung zum Training. Es beantwortet nicht, wie Kreatin allein wirkt, ob der Nutzen über Jahre anhält oder ob Diabetesfolgeerkrankungen seltener werden. Auch die angegebene Studienmenge ist kein Dosierungsrat für eine einzelne Person.

Warum die Messgröße wichtig ist

Ein einzelner Glukosewert, ein längerfristiger HbA1c-Wert und ein Maß der Insulinempfindlichkeit sind unterschiedliche Ergebnisse. Die pauschale Aussage „verbessert den Stoffwechsel“ lässt offen, welcher dieser Werte sich verändert hat. Für die Einordnung zählt genau das, zusammen mit der Frage, bei wem gemessen wurde.

Auch ein statistisch auffälliges Ergebnis muss sich bei anderen Menschen erst bestätigen. Der nächste sinnvolle Forschungsschritt wäre eine größere, ausreichend lange Untersuchung mit klar definierten Vergleichsgruppen. Eine Wiederholung ist besonders wichtig, wenn eine kleine Studie ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit erhält.

Was das für eine bestehende Diabetesbehandlung bedeutet

Eine Kreatineinnahme ist kein Anlass, Medikamente wegzulassen oder selbst zu verändern. Wenn sie wegen eines sportlichen Ziels erwogen wird, sollte die behandelnde Praxis davon wissen. Hilfreich sind der Produktname, die geplante Menge und Informationen zu weiteren Ergänzungen. So lässt sich die Entscheidung in die bereits bestehende Behandlung einordnen.

Ob eine einzelne Person zusätzlich profitieren könnte, muss zusammen mit den bereits vereinbarten Maßnahmen beurteilt werden. Aus der kleinen Untersuchung allein ergibt sich keine Notwendigkeit, Kreatin einzunehmen.

Und bei Menschen ohne Diabetes?

Die Übertragung ist offen. Wer normale Glukosewerte hat, gehört nicht zu der untersuchten Gruppe. Ein niedrigerer Messwert wäre außerdem nicht automatisch ein sinnvolles persönliches Ziel. Ebenso wenig lässt sich aus der Studie ableiten, Kreatin könne einen ungünstigen Lebensstil ausgleichen oder einen späteren Diabetes verhindern.

Für einen fairen Selbstvergleich sollten nicht gleichzeitig Training, Ernährung und mehrere Ergänzungen geändert werden. Andernfalls lässt sich eine Veränderung keinem einzelnen Faktor sinnvoll zuordnen. Auch eine sorgfältige persönliche Beobachtung ersetzt jedoch keine klinische Studie.

Der interessante Befund betrifft Kreatin als Ergänzung zum Training bei Typ-2-Diabetes. Für eine eigenständige Blutzuckertherapie reicht er nicht aus.