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Wenig sexuelles Verlangen bei Männern: Ursachen und Abklärung

Klinische Prüfung ausstehend

Wie Hormone, Medikamente, Stimmung und Beziehungen die Libido beeinflussen und welche Untersuchungen bei anhaltenden Veränderungen helfen können.

Eine Hand hält ein aufgeschlagenes unbeschriebenes Buch mit drei farbigen Fenstern.

Was bedeutet geringe Libido bei Männern?

Libido beschreibt das sexuelle Verlangen: Interesse an Sex, sexuelle Gedanken und Fantasien. Eine Abnahme ist etwas anderes als eine Erektionsstörung, bei der die körperliche Erektionsfähigkeit betroffen ist. Beides kann jedoch zusammen auftreten und sich gegenseitig beeinflussen.

Menschen unterscheiden sich darin, wie häufig sie sexuelles Verlangen empfinden. Wenig Lust ist für sich keine Erkrankung. Für die klinische Einordnung zählen eine anhaltende oder wiederkehrende Veränderung, der persönliche Leidensdruck und mögliche andere Erklärungen. Ein unterschiedliches Bedürfnis innerhalb einer Beziehung bedeutet nicht automatisch, dass bei einer Person eine Störung vorliegt.

In einer britischen Untersuchung berichteten 15 % der sexuell aktiven Männer zwischen 16 und 74 Jahren, im vergangenen Jahr mindestens 3 Monate lang kein Interesse an Sex gehabt zu haben. Die Zahl gibt die Antworten der Befragten wieder; sie sagt nicht, wie viele Männer eine behandlungsbedürftige Störung hatten. Sie zeigt aber, dass solche Veränderungen keineswegs selten sind. Quelle

Häufige Ursachen für weniger sexuelles Verlangen

Oft wirken mehrere Einflüsse zusammen:

  • Hormone: Ein Testosteronmangel kann das Verlangen mindern. Alter allein erklärt eine Veränderung jedoch nicht ausreichend.
  • Chronische Erkrankungen: Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können über körperliche Belastung, Medikamente oder hormonelle Veränderungen beitragen.
  • Medikamente: Manche Antidepressiva, bestimmte Blutdruckmittel und Behandlungen bei Prostatakrebs können Sexualfunktion und Verlangen beeinflussen.
  • Psychische Belastung: Depression, Angst, anhaltender Stress und Erschöpfung können das Interesse an Sex verringern.
  • Beziehung und Lebenssituation: Konflikte, fehlende Nähe oder belastende Veränderungen spielen mitunter eine Rolle.
  • Alltag und Substanzen: Alkohol, Rauchen, Drogen, Bewegungsmangel oder starke körperliche Überlastung können die Situation mitprägen.

Die Aufzählung ersetzt keine persönliche Ursachensuche. Besonders hilfreich ist häufig die Frage, was sich kurz vor Beginn der Beschwerden verändert hat.

Wie die ärztliche Abklärung abläuft

Zunächst geht es um den Verlauf: Seit wann besteht die Veränderung, betrifft sie jede Situation, und wie belastend ist sie? Auch Erektionen, Schlaf, Stimmung, Partnerschaft und Kinderwunsch können relevant sein. Das Gespräch darf sich an den Fragen orientieren, die für dich tatsächlich wichtig sind.

Es folgen je nach Situation eine körperliche Untersuchung und die Durchsicht aller Medikamente, frei verkäuflichen Präparate und Hormone. Wenn ein Testosteronmangel infrage kommt, wird Gesamt-Testosteron üblicherweise morgens und nüchtern gemessen. Ein niedriger Wert muss an einem anderen Morgen bestätigt und zusammen mit passenden Symptomen beurteilt werden. Eine akute Erkrankung oder ungeeignete Messbedingungen können das Ergebnis beeinflussen. Quelle

Nicht jede Person benötigt sofort ein großes Hormonpanel. Weitere Untersuchungen richten sich nach den Hinweisen aus Gespräch, Untersuchung und ersten Befunden.

Welche Blutwerte helfen können

Wert Was er abbildet Mögliche Bedeutung bei geringer Libido
Gesamt-Testosteron Freies und gebundenes Testosteron im Blut Ein bestätigter Mangel kann mit vermindertem Verlangen zusammenhängen.
SHBG Ein Bindungsprotein für Sexualhormone Veränderte Werte können die Interpretation des Gesamt-Testosterons erschweren.
Freies Testosteron Der ungebundene Anteil Kann bei grenzwertigem Gesamtwert oder verändertem SHBG ergänzen; zuverlässiges Verfahren nötig.
Estradiol Ein Östrogen, das bei Männern unter anderem aus Testosteron entsteht Auch ein Östrogenmangel kann Sexualfunktion beeinflussen; die Messung ist nicht in jeder Situation erforderlich.
Prolaktin Ein Hormon der Hypophyse Erhöhte Werte können Verlangen und hormonelle Steuerung beeinträchtigen; Untersuchung nach klinischem Verdacht.
LH und FSH Signale der Hypophyse an die Hoden Helfen bei bestätigtem Mangel, eine Störung der Hoden von einer übergeordneten Ursache zu unterscheiden.
TSH Ein Steuerhormon der Schilddrüse Kann bei Verdacht auf eine Schilddrüsenstörung sinnvoll sein.
HbA1c Die längerfristige Blutzuckerlage Unterstützt die Beurteilung eines möglichen Diabetes oder seiner Einstellung.

Kein einzelner Wert erklärt sexuelles Verlangen vollständig. Auch ein unauffälliger Hormonbefund entwertet die Beschwerden nicht.

Warum die Libido trotz normalem Testosteron niedrig sein kann

Bei hohem SHBG kann der Gesamtwert unauffällig sein, während freies Testosteron niedrig liegt. In einer Untersuchung von 3.334 europäischen Männern im Alter von 40 bis 79 Jahren war diese Konstellation mit mehr sexuellen Beschwerden verbunden. Das ist ein Zusammenhang, der eine gezielte weitere Abklärung unterstützen kann; er beweist nicht bei jedem Betroffenen eine hormonelle Ursache. Quelle

Individuelle Reaktionen auf Sexualhormone unterscheiden sich. Daraus lässt sich aber kein persönlicher Zielwert ableiten, der ohne weitere Diagnostik durch Hormongaben erreicht werden sollte. Auch bei unauffälligen Hormonwerten können Depression, Medikamente, Schmerzen, Schlafprobleme oder Beziehungskonflikte das Verlangen mindern.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache

Bestätigte Ursache oder wesentlicher Einfluss Möglicher Ansatz
Testosteronmangel mit passenden Beschwerden und bestätigten niedrigen Werten Ursache klären und gegebenenfalls ärztlich begleitete Behandlung nach Nutzen-Risiko-Abwägung
Erhöhtes Prolaktin Auslöser abklären und gezielt behandeln
Schilddrüsenfunktionsstörung Die Funktionsstörung behandeln und Beschwerden im Verlauf beurteilen
Medikamentennebenwirkung Mit der verordnenden Praxis über Dosis oder Alternativen sprechen
Depression, Angst oder anhaltender Stress Passende psychotherapeutische oder andere medizinische Unterstützung
Belastungen in der Beziehung Bei Bedarf Paar- oder Sexualtherapie
Belastende Lebensgewohnheiten Alkohol reduzieren, Rauchstopp unterstützen und Bewegung an die Belastbarkeit anpassen

In einer einjährigen Studie mit 470 Männern ab 65 Jahren verbesserten sich unter Testosteron sexuelles Verlangen und Aktivität im Vergleich zu Placebo. Die Teilnehmer hatten bereits geringe Libido und bestätigte niedrige Testosteronwerte. Das Ergebnis gilt daher nicht automatisch für jüngere Männer oder Menschen mit normalen Werten. Quelle

Testosteron von außen kann die Spermienbildung stark vermindern oder unterdrücken. Ein aktueller oder baldiger Kinderwunsch muss deshalb vor einer Behandlung besprochen werden. Auch bei vermuteten Nebenwirkungen sollten verordnete Medikamente nicht eigenständig abgesetzt werden.

Wann ärztliche Unterstützung sinnvoll ist

Wenn die Veränderung anhält, dich belastet oder die Beziehung beeinträchtigt, ist ein Gespräch in der Praxis sinnvoll. Zusätzliche Hinweise sind weniger morgendliche Erektionen, neue Erektionsprobleme, bemerkbare Veränderungen der Hodengröße oder ein enger zeitlicher Zusammenhang mit einem neuen Medikament.

Kopfschmerzen und Sehstörungen können zusammen mit hormonellen Beschwerden eine Abklärung der Hypophyse erforderlich machen. Plötzlich starke Kopfschmerzen oder akute Sehstörungen gehören dringend untersucht. Anhaltende Niedergeschlagenheit oder der Verlust von Interesse an vielen Lebensbereichen sollten ebenfalls angesprochen werden.

Hilfreich für den Termin sind ein kurzer zeitlicher Verlauf, eine vollständige Medikamentenliste und vorhandene Befunde. Die Abklärung soll helfen, belastende Ursachen zu erkennen und eine passende Unterstützung zu finden. Was sich verbessern soll, richtet sich nach deinen Beschwerden und Bedürfnissen.

Quellen