LTX-315: Was ist über die experimentelle Krebstherapie bekannt?
Klinische Prüfung ausstehend
LTX-315 wird direkt in Tumoren injiziert und soll Tumorzellen zerstören sowie eine Immunantwort auslösen. Frühe Studien liefern Hinweise auf eine Wirkung; ein klinischer Nutzen ist bislang nicht belegt. Der Wirkstoff ist nicht zugelassen.
Ob LTX-315 Menschen mit Krebs einen klinischen Nutzen bringt, ist bisher nicht belegt. Frühe Studien zeigen Veränderungen im Tumorgewebe und Hinweise auf eine Immunantwort. Die Untersuchungen am Menschen haben jedoch keine Kontrollgruppe, mit der sich die Ergebnisse vergleichen ließen. LTX-315 ist ein experimenteller Wirkstoff und nicht zugelassen.
Was ist LTX-315?
LTX-315, auch Oncopore und Ruxotemitide genannt, ist ein experimentelles Peptid, also eine Kette aus neun Aminosäuren. Es wird direkt in einen Tumor injiziert und soll dort Tumorzellen zerstören sowie eine Immunantwort auslösen. Lytix Biopharma entwickelt den Wirkstoff für die Behandlung solider Tumoren, etwa beim Melanom. In klinischen Studien wird LTX-315 sowohl allein als auch zusammen mit einer Immuntherapie untersucht.
Wie wirkt LTX-315?
LTX-315 lagert sich in Zellmembranen ein und zerstört deren Struktur. Dadurch brechen Tumorzellen auf und setzen Tumorantigene sowie „Gefahrensignale“ frei. Tumorantigene sind Strukturen, an denen das Immunsystem Tumorzellen erkennen kann. 1
Diese Form des Zelltods soll eine Immunantwort auslösen und T-Zellen anlocken, die Krebszellen bekämpfen. Die Hoffnung ist, dass die Immunantwort auch Tumoren erreicht, in die der Wirkstoff nicht injiziert wurde. Eine solche Wirkung außerhalb des behandelten Tumors wird als „abskopaler Effekt“ bezeichnet. Ob LTX-315 auf diesem Weg einen klinischen Nutzen bringt, ist noch offen.
LTX-315 wird auch zusammen mit Immuncheckpoint-Hemmern untersucht, einer Form der Immuntherapie. Dahinter steht die Annahme, dass die freigesetzten Tumorantigene die Immunantwort verstärken. Aus diesem möglichen Wirkmechanismus allein lässt sich noch nicht ableiten, wie wirksam die Behandlung bei Menschen ist.
Ist LTX-315 von der FDA zugelassen?
Nein. LTX-315 wird noch klinisch erprobt und ist nicht zugelassen. Die beiden Entwicklungsprogramme sind unterschiedlich weit fortgeschritten:
| Programm | Entwickler | Anwendungsgebiet | Regulatorischer Entwicklungsstand |
|---|---|---|---|
| LTX-315 | Lytix Biopharma | Operativ entfernbares Melanom mit hohem Risiko | Nach Angaben des Unternehmens unterstützt die Rückmeldung der FDA den Weg zu einer Phase-3-Studie, deren Ergebnisse für eine Zulassung herangezogen werden könnten. Eine solche Studie wurde jedoch noch nicht abgeschlossen. |
| VP-315 (lizenziertes LTX-315) | Verrica Pharmaceuticals | Basalzellkarzinom | Die FDA akzeptierte 2021 den Antrag zur klinischen Prüfung eines neuen Arzneimittels (Investigational New Drug Application, IND) für dieses Programm 2. Damit durfte eine klinische Phase-2-Studie beginnen. Eine Marktzulassung erteilte die FDA damit nicht. |
Was zeigt die Forschung?
Die bisherigen Daten am Menschen stammen aus frühen Studien ohne Kontrollgruppe. In einer Phase-1-Studie mit Menschen mit fortgeschrittenen soliden Tumoren untersuchten Forschende verschiedene Dosierungen. Sie berichteten über folgende Beobachtungen: 1
- Tumornekrosen, also abgestorbenes Tumorgewebe;
- T-Zellen, die Krebszellen bekämpfen und in das Tumorgewebe einwanderten;
- eine Verkleinerung der injizierten Tumoren um mindestens 30 % bei einigen Patienten;
- Anzeichen einer Immunantwort im gesamten Körper.
Die Verkleinerung einzelner injizierter Tumoren bedeutet allerdings nicht, dass die Behandlung insgesamt die üblichen Kriterien für ein objektives Ansprechen erfüllte. Ein solches Ansprechen wurde bei der alleinigen Behandlung mit LTX-315 nicht beobachtet.
Spätere Ergebnisse aus Phase-2-Studien und aus Untersuchungen zur Kombination mit anderen Therapien wurden überwiegend in Unternehmensmitteilungen veröffentlicht. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit liegen bislang nicht vor. Die beobachteten Veränderungen im Tumorgewebe und die Hinweise auf eine Immunantwort lassen deshalb noch keinen verlässlichen Schluss auf einen klinischen Nutzen zu.