Magnesium bei Verstopfung: Wirkung hängt von der Anwendung ab
Klinische Prüfung ausstehend
Was Studien zu Magnesiumoxid belegen und warum ein Nahrungsergänzungsmittel kein beliebig austauschbares Abführmittel ist.

Bestimmte Magnesiumverbindungen werden als osmotische Abführmittel eingesetzt. Dabei ist der gewünschte Effekt im Darm ein anderer als bei einer Ergänzung zur Nährstoffversorgung. Für chronische Verstopfung liegen unter anderem kontrollierte Studien zu Magnesiumoxid vor. Daraus ergibt sich keine allgemeine Rangliste sämtlicher Magnesiumformen.
Zwei kurze Studien liefern einen begrenzten Wirksamkeitsnachweis
In einer japanischen Untersuchung wurden 34 Frauen mit leichter bis mittelschwerer chronischer Verstopfung zufällig den Behandlungsgruppen zugeteilt. Nach vier Wochen war die allgemeine Verbesserung unter Magnesiumoxid häufiger als unter Placebo; auch spontane Stuhlgänge und Stuhlbeschaffenheit verbesserten sich. Nicht jeder Endpunkt unterschied sich: Für die Ansprechrate vollständiger spontaner Entleerungen zeigte dieser kleine Versuch keinen signifikanten Vorteil. [1]
Eine zweite Studie mit 90 Teilnehmenden verglich Magnesiumoxid, Senna und Placebo über vier Wochen. Beide aktiven Behandlungen verbesserten mehrere Beschwerden. [2] Beide Versuche geben damit Hinweise auf einen Nutzen bei chronischer Verstopfung. Wie sicher eine langfristige Einnahme ist und welche Magnesiumform für die einzelne Person am besten passt, bleibt offen.
Die US-Fachgesellschaften AGA und ACG nahmen Magnesiumoxid 2023 in ihre gemeinsame Leitlinie zur chronischen idiopathischen Verstopfung auf. [3] Das ersetzt keine Prüfung eines in Deutschland erhältlichen Arzneimittels und seiner Gebrauchsinformation.
Warum die Mengen auf der Packung leicht verwirren
Die Studienmengen wurden als Masse der Verbindung Magnesiumoxid angegeben. Das ist nicht dieselbe Zahl wie elementares Magnesium. Wer beide Angaben gleichsetzt, kann sich bei der Dosierung erheblich irren. Aus den Studienmengen lässt sich deshalb kein persönlicher Einnahmeplan ableiten.
Auch der Produktzweck zählt. Ein Nahrungsergänzungsmittel für die Nährstoffzufuhr, ein zugelassenes Abführmittel und eine Lösung für eine Darmvorbereitung sind keine austauschbaren Produkte. Eine ähnliche Zutat reicht für diesen Austausch nicht aus.
Citrat, Oxid oder Bisglycinat?
Die oben genannten Versuche rechtfertigen keinen Satz wie „Citrat wirkt immer am besten“ oder „Glycinat kann nie Durchfall verursachen“. Geprüft wurde jeweils ein bestimmtes Präparat unter festgelegten Bedingungen. Angaben zur Aufnahme aus Formenvergleichsstudien beantworten zudem nicht automatisch, wie zuverlässig eine Verstopfung behandelt wird.
Für eine Auswahl sind deshalb Beschwerdedauer, bisherige Maßnahmen, Begleitmedikamente und konkrete Produktinformation wichtiger als eine pauschale Bestenliste. Bei Nierenerkrankungen kann sich zusätzliches Magnesium problematisch anreichern; eine Selbstbehandlung ist dann besonders ungeeignet. [4]
Eine brauchbare Frage für die Beratung
Statt nur nach der „besten Magnesiumform“ zu fragen, hilft eine Beschreibung: Wie häufig gelingt eine Entleerung, wie verändert ist der Stuhl, und seit wann besteht das Problem? Welche Mittel wurden bereits probiert? Diese Angaben helfen zu beurteilen, ob ein magnesiumhaltiges Mittel überhaupt infrage kommt.
Die Studien zeigen eine mögliche Behandlung, keinen Grund, jede Verstopfung als Magnesiummangel zu deuten. Wiederholtes Erhöhen einer Supplementmenge ersetzt die Klärung des Problems nicht.
Quellen
- Mori et al., 2019: Magnesiumoxid versus Placebo — Originalstudie; Abstract geprüft.
- Morishita et al.: Senna versus Magnesiumoxid versus Placebo — Originalstudie; Abstract geprüft.
- AGA/ACG: Veröffentlichung der Leitlinie, 2023 — offizielle Mitteilung; US-Geltungsbereich.
- NIH ODS: Magnesium, Risiken — Nierenfunktion und Hypermagnesiämie.