Senkt Magnesium den Blutdruck?
Klinische Prüfung ausstehend
Magnesium kann den Blutdruck im Mittel um etwa 2 bis 5 mmHg systolisch und 1,5 bis 3 mmHg diastolisch senken, insbesondere bei Bluthochdruck oder Magnesiummangel. Die Wirkung ist begrenzt und ersetzt keine notwendige medikamentöse Behandlung.

Ja, Magnesium kann den Blutdruck etwas senken. Am ehesten profitieren Menschen mit einem Magnesiummangel oder bereits erhöhten Blutdruckwerten. Wie groß der Nutzen ausfällt, hängt unter anderem von der Versorgung, der eingenommenen Menge und der gesundheitlichen Situation ab. Die Studien sprechen dafür, Magnesium ergänzend einzusetzen. Notwendige Blutdruckmedikamente kann es nicht ersetzen.
Was Magnesium im Körper bewirkt und warum es den Blutdruck beeinflusst
Magnesium ist das vierthäufigste Mineral im Körper. Als sogenannter Cofaktor hilft es Enzymen, mehr als 300 Reaktionen zu ermöglichen. Dazu gehören Vorgänge bei der Muskelkontraktion, Nervenreizleitung, Energiegewinnung und Proteinsynthese. Im Herz-Kreislauf-System beeinflusst Magnesium den Gefäßtonus. Damit ist die Spannung der Gefäßmuskulatur gemeint, die bestimmt, wie eng oder weit die Blutgefäße sind.
Auf Zellebene wirkt Magnesium als Gegenspieler von Calcium. Während Calcium die Muskeln in den Gefäßwänden dazu bringt, sich zusammenzuziehen, unterstützt Magnesium ihre Entspannung. Bei ausreichender Magnesiumversorgung können die Blutgefäße ihre Spannung angemessen anpassen. Fehlt Magnesium, kann die durch Calcium vermittelte Verengung überwiegen. Das Blut muss dann gegen einen größeren Widerstand durch die Gefäße strömen, und der Blutdruck kann steigen.
Was klinische Studien zu Magnesium und Blutdruck tatsächlich zeigen
Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien zeigen, dass eine Magnesiumergänzung den systolischen Blutdruck um etwa 2 bis 5 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 1,5 bis 3 mmHg senken kann. Der systolische Wert ist der obere Messwert beim Zusammenziehen des Herzens; der diastolische Wert beschreibt den Druck während seiner Entspannungsphase. Die Einheit mmHg bedeutet Millimeter Quecksilbersäule.
Am deutlichsten fällt der Effekt bei Menschen mit bestehendem Bluthochdruck oder nachgewiesenem Magnesiummangel aus. Als besonders beständig werden Ergebnisse aus Studien mit täglich 300 bis 400 mg über mindestens 8 Wochen beschrieben. Zu den einschlägigen Arbeiten gehört die Metaanalyse von 2016.
Verglichen mit verschreibungspflichtigen Blutdrucksenkern ist die Wirkung gering. In großen Bevölkerungsgruppen können jedoch auch kleine Blutdruckunterschiede relevant sein. Für eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg werden eine um ungefähr 10 % niedrigere Schlaganfallsterblichkeit und eine um 7 % niedrigere Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit angeführt. Gemeint sind relative Unterschiede beim Risiko, an diesen Erkrankungen zu sterben. Diese Angaben belegen nicht, dass Magnesiumpräparate selbst die Sterblichkeit entsprechend senken.
Bei Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck, häufig als „Prähypertonie“ oder „Hypertonie Stadium 1“ bezeichnet, könnte eine zusätzliche Senkung mit dazu beitragen, dass Lebensstilmaßnahmen ausreichen. Die Bedeutung dieser Kategorien hängt allerdings vom verwendeten Leitliniensystem ab. Ob eine einzelne Person Medikamente benötigt, lässt sich aus solchen Durchschnittswerten nicht ableiten.
Die Studien unterscheiden sich in ihrer Qualität. Viele sind klein, dauern nur kurz und untersuchen verschiedene Magnesiumverbindungen, was direkte Vergleiche erschwert. Insgesamt stützen die Ergebnisse eine ergänzende Rolle von Magnesium bei der Blutdruckkontrolle. Für eine alleinige Behandlung eines bestehenden Bluthochdrucks reichen sie nicht aus.
Wie Magnesium die Gefäßspannung und die Funktion von Calciumkanälen reguliert
Weil Magnesium auf physiologischer Ebene als Gegenspieler von Calcium wirkt, wird es auch als natürlicher Calciumkanalblocker beschrieben. Calciumkanäle in den glatten Muskelzellen der Gefäßwände lassen Calciumionen in die Zellen einströmen. Daraufhin ziehen sich die Zellen zusammen, und die Gefäßspannung steigt. Magnesium kann diesen Einstrom beeinflussen, unter anderem durch Konkurrenz an Bindungsstellen, und so die Entspannung der Gefäße fördern. Dadurch kann der periphere Gefäßwiderstand sinken. Das ist der Widerstand in den Blutgefäßen des Körperkreislaufs, der den Blutdruck wesentlich mitbestimmt.
Dieser Vorgang ist nicht mit der pharmakologischen Blockade durch verschreibungspflichtige Calciumkanalblocker gleichzusetzen. Die Wirkung von Magnesium hängt von seiner Konzentration ab und ist umkehrbar: Sinkt die Magnesiumkonzentration, kann der Calciumeinstrom zunehmen und die Gefäßspannung steigen. Das trägt zur Erklärung bei, warum chronischer Magnesiummangel mit anhaltendem Bluthochdruck in Verbindung gebracht wird. Mit der Rolle von Magnesium für die Herz-Kreislauf-Gesundheit befasst sich eine Veröffentlichung von 2024.
Magnesium beeinflusst außerdem das Endothel, die innere Zellschicht der Blutgefäße. Diese Schicht bildet Stickstoffmonoxid, einen stark gefäßerweiternden Botenstoff. Magnesium unterstützt dessen Bildung und trägt dazu bei, das Endothel vor oxidativem Stress zu schützen. Bei einem Mangel kann die Endothelfunktion leiden und weniger Stickstoffmonoxid verfügbar sein. Beides kann einen Blutdruckanstieg begünstigen. Den Einfluss einer Magnesiumergänzung auf das Endothel untersucht eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zur Endothelfunktion.
Dosis, Verbindung und Einnahmezeitpunkt: Was die Evidenz stützt
Dosis
Klinische Studien, in denen der Blutdruck sank, verwendeten typischerweise täglich 300 bis 400 mg elementares Magnesium. „Elementar“ bezeichnet die tatsächliche Magnesiummenge. Sie ist vom Gesamtgewicht einer Verbindung wie Magnesiumcitrat zu unterscheiden. Bei Mengen unter 200 mg sind die Ergebnisse uneinheitlich. Höhere Mengen bringen nicht zwangsläufig einen entsprechend größeren Nutzen.
Für zusätzlich eingenommenes Magnesium gilt eine tolerierbare obere Zufuhrmenge. Sie bezieht sich nicht auf Magnesium aus der üblichen Ernährung. Diese Obergrenze und eine in Studien untersuchte Dosis erfüllen unterschiedliche Zwecke: Aus einer Studiendosis lässt sich keine allgemein geeignete oder sichere Menge zur Selbstmedikation ableiten. Auch die Aussage, höhere Mengen seien kurzfristig unter Überwachung „im Allgemeinen sicher“, ist keine Grundlage für eine eigenständige Einnahme. Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Sicherheit ärztlich beurteilt werden.
Magnesiumverbindung
Magnesiumpräparate enthalten unterschiedliche Verbindungen, deren Bioverfügbarkeit variieren kann. Der Begriff beschreibt, welcher Anteil der eingenommenen Menge vom Körper aufgenommen und verfügbar gemacht wird. Magnesiumglycinat, -citrat, -malat und -taurat werden als besser aufnehmbar beschrieben als anorganische Verbindungen wie Magnesiumoxid. Eine bessere Aufnahme allein belegt allerdings keine stärkere Blutdrucksenkung.
Magnesiumglycinat wird eine gute Verträglichkeit mit vergleichsweise wenigen Verdauungsbeschwerden zugeschrieben. Magnesiumcitrat gilt als gut aufnehmbar und könnte auch zur Vorbeugung bestimmter Nierensteine beitragen. Für Magnesiumoxid wird eine geringe Bioverfügbarkeit von etwa 4 % angegeben; außerdem wird häufiger Durchfall beschrieben. Wegen seiner abführenden Wirkung kommt es auch als Abführmittel zum Einsatz. Magnesiumtaurat verbindet Magnesium mit Taurin, einer aminosäureähnlichen Verbindung, der ebenfalls eine unterstützende Rolle für die Herz-Kreislauf-Funktion zugeschrieben wird. Die genaue Aufnahme und die Rangfolge der Verträglichkeit sind durch die hier angeführten Belege jedoch nicht ausreichend abgesichert.
Einnahmezeitpunkt
Der Einnahmezeitpunkt scheint die Wirkung auf den Blutdruck nicht wesentlich zu beeinflussen. Manche Menschen bevorzugen den Abend, weil Magnesium leicht muskelentspannend und beruhigend wirken und dadurch möglicherweise den Schlaf unterstützen kann. Eine Aufteilung, beispielsweise in 200 mg morgens und 200 mg abends, kann Magen-Darm-Beschwerden verringern und soll Magnesium über den Tag gleichmäßiger verfügbar machen. Das Beispiel veranschaulicht die Aufteilung einer Tagesmenge; es ist keine allgemeine Dosierungsempfehlung.
Kombinationen
Magnesium und Kalium können sich in ihrer Wirkung ergänzen. Beide Mineralstoffe unterstützen die Gefäßerweiterung und die Ausscheidung von Natrium. Ein Mangel an einem der beiden könnte deshalb den blutdruckbezogenen Nutzen des jeweils anderen begrenzen.
Auch die Calciumzufuhr spielt eine Rolle. Eine hohe Calciumzufuhr könnte bei gleichzeitig unzureichender Magnesiumversorgung den Magnesiumstatus verschlechtern und die blutdrucksenkende Wirkung abschwächen. Wie relevant diese Zusammenhänge sind, hängt von der Dosis und der Versorgungslage ab. Daraus allein ergibt sich keine Empfehlung, zusätzlich Kalium einzunehmen oder die Calciumzufuhr zu reduzieren.
Wer am ehesten von Magnesium profitiert und wer vorsichtig sein sollte
Wer am meisten profitiert
Die größten Blutdrucksenkungen sind bei Menschen mit nachgewiesenem Magnesiummangel zu erwarten. Ein Mangel kann bei Diabetes sowie bei Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie häufiger vorkommen. Auch bestimmte Medikamente können eine Rolle spielen, darunter Protonenpumpenhemmer, Diuretika und einige Antibiotika. Ältere Menschen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, weil sowohl die Zufuhr über die Ernährung als auch die Aufnahme im Darm abnehmen können.
Bei chronischen Nierenerkrankungen ist die Situation komplexer. Sie werden zwar ebenfalls als mögliche Begleiter eines Magnesiummangels genannt, können aber je nach Situation die Ausscheidung einschränken. Dann kann sich Magnesium im Körper anreichern.
Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck oder einer als Stadium 1 bezeichneten Hypertonie kommen besonders für eine Magnesiumergänzung im Rahmen umfassender Lebensstilmaßnahmen infrage. Bei normalem Blutdruck und ausreichender Magnesiumversorgung sind dagegen kaum relevante Veränderungen zu erwarten.
Für Schwangere mit Schwangerschaftshypertonie oder Präeklampsie wird ebenfalls ein möglicher Nutzen einer Magnesiumgabe diskutiert. Dabei ist ärztliche Betreuung notwendig, und die Art der Anwendung ist entscheidend: Bei schwerer Präeklampsie wird im Krankenhaus Magnesiumsulfat intravenös gegeben, um Krampfanfälle zu verhindern. Eine orale Magnesiumergänzung bei leichteren Fällen ist deutlich weniger gut untersucht. Der Nutzen der intravenösen Behandlung zur Krampfprävention lässt sich daher nicht auf eine orale Behandlung des Schwangerschaftsbluthochdrucks übertragen.
Wer vorsichtig sein sollte
Bei chronischer Nierenerkrankung oder deutlich eingeschränkter Nierenfunktion sollte Magnesium nicht ohne ärztliche Begleitung ergänzt werden. Die Nieren regulieren seine Ausscheidung. Arbeiten sie nur eingeschränkt, kann sich Magnesium im Körper anreichern und eine Hypermagnesiämie verursachen, also einen zu hohen Magnesiumspiegel im Blut. Dieser potenziell gefährliche Zustand kann Muskelschwäche, niedrigen Blutdruck und Herzrhythmusstörungen auslösen.
Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind zu beachten. Magnesium kann die Aufnahme von Bisphosphonaten zur Osteoporosebehandlung, Tetracyclin-Antibiotika und manchen Schilddrüsenmedikamenten vermindern. Als Mindestabstand werden häufig zwei Stunden genannt; dieser Abstand reicht jedoch nicht verlässlich für alle genannten Arzneimittel aus. Maßgeblich sind das konkrete Präparat und seine Einnahmehinweise. Der passende Abstand sollte ärztlich oder in der Apotheke geklärt werden.
Magnesium kann außerdem die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente verstärken. Das muss nicht grundsätzlich nachteilig sein, kann aber eine ärztliche Anpassung der Dosierung erforderlich machen.
Bei früheren Nierensteinen, insbesondere Calciumoxalatsteinen, sollte die Wahl eines Magnesiumpräparats ärztlich besprochen werden. Magnesiumcitrat könnte die Steinbildung vermindern, indem Magnesium Oxalat im Darm bindet. Für Magnesiumoxid wird dagegen beschrieben, dass es den pH-Wert des Urins erhöhen, den Urin also weniger sauer machen und dadurch möglicherweise bestimmte Steinarten begünstigen kann. Diese Gegenüberstellung ist nicht unmittelbar belegt; ihre Bedeutung hängt unter anderem von der Steinart und der individuellen Stoffwechselsituation ab.
Den Magnesiumstatus untersuchen: Woran sich der Nutzen einer Ergänzung erkennen lässt
Am häufigsten wird Magnesium im Blutserum bestimmt. Dieser Wert bildet den gesamten Magnesiumbestand des Körpers jedoch nur eingeschränkt ab. Der Körper hält die Serumkonzentration in engen Grenzen, auch wenn die Vorräte innerhalb der Zellen bereits abgenommen haben. Ein normaler Serumwert schließt einen Magnesiummangel daher nicht in jeder Situation aus.
Eine weitere Untersuchung misst Magnesium in den roten Blutkörperchen, auch Erythrozytenmagnesium oder RBC-Magnesium genannt. Der Messung wird zugeschrieben, die längerfristige Magnesiumverfügbarkeit widerzuspiegeln und besser mit den Gewebespeichern übereinzustimmen. Sie gehört nicht zu den üblichen Standarduntersuchungen, ist aber als spezielle Laboranalyse verfügbar. Ob sie tatsächlich genauer zeigt, wie gut die Zellen versorgt sind und ob eine Ergänzung einen Mangel ausgleicht, ist durch die hier genannten Belege nicht ausreichend abgesichert. Sie ist deshalb weder als gesicherter Referenzstandard noch als alleiniger Nachweis eines behandlungsbedürftigen Mangels zu verstehen.
Für die Blutdruckkontrolle bleibt der Blutdruck selbst der unmittelbarste Zielwert. Wird Magnesium zu diesem Zweck eingenommen, sind Messungen zu Hause mit einem auf Messgenauigkeit geprüften Gerät sinnvoll. Aussagekräftig ist die Entwicklung über Wochen. Weil der Blutdruck natürlicherweise schwankt, lässt sich der Behandlungseffekt aus einzelnen Tageswerten nicht zuverlässig beurteilen.
Weitere Messwerte, die mit umfassenderen Magnesiumwirkungen zusammenhängen könnten, sind Nüchternglucose, Insulin und hs-CRP. Nüchternglucose bezeichnet den Blutzucker nach einer Nahrungspause, Insulin ein zentrales Hormon der Blutzuckerregulation und hs-CRP einen empfindlich gemessenen Entzündungsmarker. Magnesium kann unter bestimmten Bedingungen die Insulinempfindlichkeit verbessern und Entzündungsprozesse beeinflussen. Verbesserte Werte können daher Hinweise auf Wirkungen im gesamten Körper liefern, beweisen für sich genommen aber keinen Magnesiumeffekt. Auch Calciumwerte können bei der Einordnung berücksichtigt werden, da Calcium und Magnesium bei der Gefäß- und Knochengesundheit eng zusammenwirken.
Messungen vor und nach Beginn einer Ergänzung können helfen, deren Wirkung objektiver einzuschätzen. Eine subjektive Besserung allein reicht dafür nicht aus. Bluthochdruck verursacht häufig lange keine Beschwerden, selbst wenn die Werte bereits gefährlich hoch sind. Mehr Energie oder weniger Muskelkrämpfe bedeuten daher nicht zwangsläufig, dass auch das Herz-Kreislauf-Risiko sinkt.
Ein aussagekräftiges Bild der Magnesiumversorgung gewinnen
Wer Magnesium zur Blutdrucksenkung einnimmt, kennt die eigene Versorgungslage nicht immer. Serummagnesium bildet den Gesamtbestand des Körpers nur eingeschränkt ab; Erythrozytenmagnesium ist in üblichen Blutuntersuchungen in der Regel nicht enthalten. Für die Einordnung können weitere gesundheitliche Faktoren relevant sein, etwa die Versorgung mit Vitamin D, Entzündungsprozesse und hormonelle Einflüsse auf die Aufnahme und Verwertung von Nährstoffen.
Der Blutdruck reagiert nicht bei allen Menschen gleich auf Magnesium. Eine medizinisch begründete Einschätzung der Versorgung und eine Verlaufskontrolle des Blutdrucks helfen deshalb, den möglichen Nutzen einer Ergänzung gezielter zu beurteilen. Ein einzelner Laborwert gibt nicht automatisch Gewissheit darüber, ob ein Mangel vorliegt oder die Einnahme wirkt.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Magnesium ist täglich nötig, um den Blutdruck zu senken?
Studien mit einer nachweisbaren Blutdrucksenkung verwenden häufig 300 bis 400 mg elementares Magnesium pro Tag. Bei Mengen unter 200 mg sind die Ergebnisse uneinheitlich; höhere Mengen bringen keinen proportional größeren Nutzen.
Als tolerierbare Obergrenze für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln werden 350 mg täglich genannt. Ohne den zugehörigen Richtlinienkontext lässt sich diese Angabe jedoch nicht als allgemeingültige Dosierungsempfehlung verwenden. Bei einer Nierenerkrankung sollte Magnesium nur nach ärztlicher Rücksprache und gegebenenfalls mit Kontrolle der Werte dosiert werden.
Welche Magnesiumverbindung eignet sich am besten für den Blutdruck?
Eine eindeutig beste Verbindung für die Blutdrucksenkung lässt sich anhand der genannten Belege nicht bestimmen. Magnesiumglycinat, -citrat, -malat und -taurat werden als wesentlich besser aufnehmbar beschrieben als Magnesiumoxid. Für Letzteres wird eine Bioverfügbarkeit von ungefähr 4 % angegeben, die sich jedoch nicht ohne Weiteres verallgemeinern lässt.
Ein möglicher Zusatznutzen von Magnesiumtaurat wird damit begründet, dass Taurin auch unabhängig von Magnesium die Herz-Kreislauf-Funktion und die Gefäßspannung unterstützt. Klinisch nachgewiesen ist ein solcher Zusatznutzen für den Blutdruck anhand der hier angeführten Belege nicht. Magnesiumglycinat wird als besonders gut verträgliche Alternative beschrieben, wenn andere, auf Herz-Kreislauf-Effekte ausgerichtete Verbindungen nicht verfügbar sind. Eine gesicherte Spitzenstellung bei der Verträglichkeit lässt sich daraus ebenfalls nicht ableiten.
Wie lange dauert es, bis Magnesium den Blutdruck senkt?
Ein möglicher Effekt entwickelt sich üblicherweise allmählich. Die meisten als gut konzipiert beschriebenen Studien laufen über 8 bis 12 Wochen und zeigen eine schrittweise Blutdrucksenkung. Als Erklärung wird die Zeit angeführt, die benötigt wird, um die Magnesiumspeicher innerhalb der Zellen aufzufüllen.
Bei Messungen zu Hause sind Verläufe über Wochen aussagekräftiger als der Vergleich einzelner Werte. Der Blutdruck verändert sich natürlicherweise von Tag zu Tag. Eine regelmäßige Auswertung der Messungen pro Woche hilft, einen längerfristigen Trend zu erkennen.
Kann Magnesium Blutdruckmedikamente ersetzen?
Nein. Die durchschnittliche Senkung des systolischen Blutdrucks um 2 bis 5 mmHg ist bei den meisten Menschen mit bestehendem Bluthochdruck zu gering, um verschreibungspflichtige Medikamente zu ersetzen.
Magnesium kommt am ehesten als Ergänzung zu Lebensstilmaßnahmen infrage, insbesondere bei einem Mangel oder leicht erhöhtem Blutdruck. Verordnete Blutdruckmedikamente sollten niemals ohne vorherige ärztliche Rücksprache abgesetzt oder niedriger dosiert werden.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen Magnesium und Blutdruckmedikamenten?
Ja. Magnesium kann die blutdrucksenkende Wirkung von Medikamenten verstärken. Deshalb kann eine ärztliche Anpassung der Dosis notwendig werden.
Darüber hinaus kann Magnesium die Aufnahme bestimmter anderer Arzneimittel vermindern, darunter Tetracyclin-Antibiotika, Bisphosphonate und manche Schilddrüsenmedikamente. Ein dafür genannter Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden reicht nicht zwangsläufig aus; der notwendige Abstand muss für das jeweilige Medikament geprüft werden. Wer verschreibungspflichtige Arzneimittel einnimmt, sollte mögliche Wechselwirkungen vor Beginn einer Magnesiumergänzung in der Apotheke oder ärztlich klären lassen.
Wer sollte Magnesium nicht eigenständig zur Blutdrucksenkung einnehmen?
Menschen mit chronischer Nierenerkrankung oder einer eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² sollten Magnesium nicht ohne ärztliche Überwachung ergänzen. Die eGFR ist die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Sie beschreibt die Filterleistung der Nieren, bezogen auf eine standardisierte Körperoberfläche von 1,73 m². Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann überschüssiges Magnesium schlechter ausgeschieden werden.
Eine dadurch entstehende Hypermagnesiämie kann Muskelschwäche, gefährlich niedrigen Blutdruck und Herzrhythmusstörungen verursachen. Auch nach bestimmten Nierensteinen sollte vor der Auswahl eines Magnesiumpräparats ärztlicher Rat eingeholt werden.
Warum senkt Magnesium den Blutdruck nicht bei allen Menschen?
Magnesium kann den Blutdruck vor allem dadurch beeinflussen, dass es als Calciumgegenspieler die glatte Gefäßmuskulatur entspannt und die Bildung von Stickstoffmonoxid im Endothel unterstützt.
Diese Mechanismen sind besonders relevant, wenn tatsächlich zu wenig Magnesium verfügbar ist. Bei ausreichender Versorgung ist der zusätzliche gefäßerweiternde Nutzen voraussichtlich gering. Als Erklärung wird angeführt, dass die beteiligten Kanäle dann bereits angemessen reguliert sind.
Woran lässt sich erkennen, ob zu wenig Magnesium zum Bluthochdruck beiträgt?
Ein einzelner Test kann diesen Zusammenhang nicht sicher feststellen. Nur ungefähr 1 % des körpereigenen Magnesiums befindet sich im Blut, was zur begrenzten Aussagekraft des Serumtests beiträgt. Die weitergehende Aussage, übliche Serumtests übersähen die meisten Mangelzustände und Erythrozytenmagnesium sei wesentlich zuverlässiger, ist durch die hier genannten Belege jedoch nicht konkret abgesichert.
Für Erythrozytenmagnesium wird ein Wert unter 4,5 mg/dl als Hinweis auf eine unzureichende Versorgung genannt. Ein allgemeingültiger Grenzwert ist damit nicht belegt; Laborwerte müssen im Zusammenhang mit der verwendeten Methode und ihren Referenzbereichen beurteilt werden. Muskelkrämpfe, Müdigkeit oder schlechter Schlaf zusammen mit erhöhtem Blutdruck könnten ebenfalls Anlass geben, einen möglichen Mangel abzuklären. Diese Beschwerden sind unspezifisch und beweisen keinen Magnesiummangel.
Literatur und weiterführende Quellen
- Zhang X, Del Gobbo LC, Hruby A, Rosanoff A, He K, Dai Q, Costello RB, Zhang W, Song Y (2016). The Circulating Concentration and 24-h Urine Excretion of Magnesium Dose- and Time-Dependently Respond to Oral Magnesium Supplementation in a Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. The Journal of nutrition, 146(3), 595-602. https://doi.org/10.3945/jn.115.223453. PubMed
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