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Magnesium in der Schwangerschaft: Bedarf, Nutzen und Grenzen

Klinische Prüfung ausstehend

Wie viel Magnesium in der Schwangerschaft benötigt wird, was Studien zu Wadenkrämpfen und Komplikationen zeigen und welche Fragen zu Präparaten, Tests und Sicherheit offenbleiben.

Drei weiße Mineralskulpturen stehen vor unterschiedlich geformten Fenstern.

In der Schwangerschaft steigt der Magnesiumbedarf. Die hier verwendeten US-amerikanischen Referenzwerte liegen je nach Alter bei 350 bis 400 mg täglich aus Nahrung und anderen Quellen zusammen. Daraus folgt jedoch nicht, dass zusätzlich ein Magnesiumpräparat nötig ist. Ob solche Präparate Wadenkrämpfe lindern oder Schwangerschaftskomplikationen verhindern, bleibt unklar. Anders ist die Situation bei intravenösem Magnesiumsulfat im Krankenhaus: Es wird bei schwerer Präeklampsie zum Schutz vor Krampfanfällen und vor einer erwarteten sehr frühen Geburt zum Schutz des kindlichen Gehirns eingesetzt.

Warum der Magnesiumbedarf in der Schwangerschaft steigt

Magnesium gilt in Höhe der empfohlenen täglichen Gesamtzufuhr auch in der Schwangerschaft als sicher. Nach den US-amerikanischen Referenzwerten steigt die empfohlene Menge von 310 bis 320 mg bei nicht schwangeren Frauen auf 350 bis 360 mg während der Schwangerschaft; unter 19 Jahren beträgt sie 400 mg. Magnesium hilft als sogenannter Cofaktor bei mehr als 300 enzymatischen Reaktionen, unter anderem bei der Herstellung von DNA und Proteinen sowie im Energiestoffwechsel. Diese Prozesse laufen in der Schwangerschaft verstärkt ab. Das heranwachsende Kind benötigt fortlaufend Magnesium aus dem mütterlichen Organismus, um Knochen, Muskeln und Nervengewebe aufzubauen. Referenzwerte des NIH

Schwangerschafts-Multivitaminpräparate mit 50 bis 100 mg Magnesium decken nur einen Teil dieser Gesamtmenge ab. Wie viel darüber hinaus benötigt wird, hängt auch davon ab, wie viel Magnesium die Ernährung liefert.

Das mütterliche Blutvolumen nimmt um 40 bis 50 % zu; dadurch wird Magnesium im Blut verdünnt. Zugleich filtern die Nieren mehr Flüssigkeit pro Zeiteinheit. Diese sogenannte glomeruläre Filtrationsrate steigt, und mehr Magnesium geht mit dem Urin verloren. Der höhere Referenzwert berücksichtigt sowohl die Veränderungen im mütterlichen Körper als auch das Wachstum des Kindes.

Reicht die Zufuhr nicht aus, kann der Körper Magnesium aus mütterlichen Knochen und Weichteilen freisetzen, um das Kind zu versorgen. Die Speicher können abnehmen, ohne dass dies zunächst auffällt. Muskelkrämpfe oder Reizbarkeit werden als mögliche Beschwerden beschrieben. Eine zusammenfassende Auswertung von Studien mit afrikanischen Schwangeren fand bei Frauen mit Präeklampsie niedrigere Magnesiumwerte im Serum, dem flüssigen Anteil des Blutes. Daraus lässt sich nicht ableiten, ob ein niedriger Magnesiumstatus zur Entstehung dieser Schwangerschaftskomplikation beiträgt. Systematische Übersicht und Metaanalyse

Magnesium gehört selten zu den üblichen Laboruntersuchungen in der Schwangerschaft. Wenn es gemessen wird, dann meist im Serum. Weniger als 1 % des gesamten Körpermagnesiums befindet sich im Blut. Ein normaler Serumwert schließt deshalb verminderte Gewebespeicher nicht aus.

Was klinische Studien zu Magnesium und Schwangerschaftskomplikationen zeigen

Magnesiumpräparate zum Einnehmen und intravenöses Magnesiumsulfat erfüllen unterschiedliche Zwecke. Bei Präeklampsie mit schweren Merkmalen gehört intravenöses Magnesiumsulfat zur Standardbehandlung. Es senkt das Risiko eklamptischer Krampfanfälle ungefähr um die Hälfte. Erklärt wird dieser Schutz unter anderem mit der Wirkung von Magnesium als Calcium-Gegenspieler: Es stabilisiert die Membranen von Nervenzellen und verringert Gefäßkrämpfe im Gehirn. Die US-Arzneimittelbehörde FDA rät allerdings davon ab, Magnesiumsulfat über längere Zeit zur Entspannung der Gebärmutter bei vorzeitigen Wehen anzuwenden.

Kurz vor einer erwarteten Frühgeburt vor 32 Schwangerschaftswochen wird Magnesiumsulfat zum Schutz des kindlichen Gehirns verabreicht. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigten, dass dadurch bei überlebenden frühgeborenen Kindern das Risiko einer Zerebralparese sinkt. Damit ist eine bleibende Störung von Bewegung und Haltung gemeint. Übersichtsarbeit zur fetalen Neuroprotektion

Auch Magnesium zum Einnehmen wurde zur Vorbeugung von Präeklampsie und vorzeitigen Wehen untersucht. Die Studien schlossen Schwangere mit unterschiedlichem Risiko ein:

  • Eine Übersicht über 10 Studien fand nicht genügend hochwertige Evidenz dafür, dass Magnesiumpräparate Präeklampsie oder eine eingeschränkte fetale Entwicklung verhindern. Eine spätere Metaanalyse von sieben Studien fand dagegen eine mäßige Abnahme des Präeklampsierisikos, vor allem in Studien mit Frauen mit erhöhtem Risiko. Übersicht über 10 Studien, Metaanalyse von sieben Studien
  • Für eine Studie mit täglich 365 mg Magnesiumcitrat während der ersten 18 Schwangerschaftswochen wird ein selteneres Auftreten von Präeklampsie berichtet. Dieser Befund wurde nicht über alle Studien hinweg einheitlich bestätigt. Die genaue Einnahmedauer und die Bedeutung der Mengenangabe bleiben bei dieser Studienbeschreibung offen.
  • Bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft sind die Ergebnisse uneinheitlich, und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering. Ob Magnesium zum Einnehmen die Beschwerden lindert, bleibt deshalb unklar. Cochrane-Übersicht zu Beinkrämpfen

Ein möglicher Ansatzpunkt bei Krämpfen ist die Rolle von Magnesium bei der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln sowie bei der Muskelentspannung. Bei einem Mangel werden Nervenzellen leichter erregbar, und Muskelkontraktionen können zunehmen. Das könnte Krämpfe begünstigen, erklärt aber noch nicht, ob eine zusätzliche Einnahme während der Schwangerschaft hilft.

Wie Magnesium auf Krämpfe, Präeklampsie und vorzeitige Wehen wirken könnte

Wie Magnesium die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln beeinflusst

Magnesium beeinflusst N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren, kurz NMDA-Rezeptoren. Sie sind an der erregenden Signalübertragung zwischen Nervenzellen beteiligt. Bei Magnesiummangel können diese Rezeptoren überaktiv werden. Nervenzellen geben dann häufiger Signale ab, und Muskeln lassen sich leichter erregen. Eine mögliche Folge sind spontane Muskelkontraktionen, also Krämpfe.

Außerdem reguliert Magnesium die Natrium-Kalium-Pumpe. Diese hält die elektrischen Unterschiede zwischen dem Inneren und Äußeren der Muskelzellen aufrecht. Bei zu wenig Magnesium arbeitet sie weniger effizient, was unwillkürliche Kontraktionen zusätzlich begünstigen kann. Ob eine zusätzliche Magnesiumzufuhr Schwangerschaftskrämpfe lindert, lässt sich aus diesen Mechanismen allein nicht ableiten; auch die genannten Studien beantworten die Frage bisher nicht eindeutig.

Magnesium als Calcium-Gegenspieler bei Präeklampsie

Bei Präeklampsie funktioniert die Gefäßinnenhaut nicht normal, die Blutgefäße verengen sich, und der Blutdruck steigt. Magnesium wirkt als Gegenspieler von Calcium: Es blockiert Calciumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur und kann so einer übermäßigen Verengung entgegenwirken. Im Gehirn werden die Verminderung von Gefäßkrämpfen und die Dämpfung übererregbarer Nervenzellen als Erklärungen für den Schutz vor Krampfanfällen herangezogen.

Als weitere mögliche Wirkungen werden eine Stabilisierung der Zellen der Gefäßinnenhaut sowie weniger oxidativer Stress und Entzündung diskutiert. Diese Mechanismen begründen jedoch keine gesicherte Vorbeugung von Präeklampsie durch Nahrungsergänzungsmittel.

Entspannung der Gebärmutter und mögliche Bedeutung bei vorzeitigen Wehen

Die Muskelschicht der Gebärmutter, das Myometrium, zieht sich zusammen, wenn Calcium in ihre Zellen einströmt. Magnesium hemmt diesen Einstrom und kann dadurch Häufigkeit und Stärke der Kontraktionen verringern. Dieser Mechanismus erklärt, weshalb Magnesiumsulfat als wehenhemmendes Mittel, auch Tokolytikum genannt, eingesetzt wurde. Seine Wirksamkeit ist allerdings begrenzt; für eine länger dauernde Wehenhemmung wird es nicht mehr empfohlen.

Eine weitere Annahme lautet, dass ein ausreichender Magnesiumstatus dazu beiträgt, die Gebärmuttermuskulatur während der Schwangerschaft entspannt zu halten. Ein Mangel könnte demnach vorzeitige Kontraktionen begünstigen. Ob Magnesiumpräparate Frühgeburten verhindern können, ist damit noch nicht geklärt.

Dosis, Form und Einnahmezeitpunkt: Was bisher bekannt ist

Form

Magnesiumverbindungen unterscheiden sich darin, wie gut der Körper sie aufnimmt. Magnesiumoxid ist häufig in frei verkäuflichen Präparaten enthalten und hat eine geringe Bioverfügbarkeit. Es hält Wasser im Darm zurück, wirkt also osmotisch, und kann Durchfall verursachen. Glycinat und Citrat gelten als besser aufnehmbar. Ob sie auch besser verträglich sind, insbesondere in der Schwangerschaft, lässt sich hier nicht sicher beurteilen.

Bei Magnesiumglycinat ist Magnesium an die Aminosäure Glycin gebunden. Eine solche Bindung heißt Chelat. Die Annahme, Glycinat könne Schlaf und Muskelentspannung unterstützen, beruht unter anderem auf den Glycin zugeschriebenen beruhigenden Eigenschaften. Ein entsprechender Nutzen in der Schwangerschaft ist damit nicht belegt. Citrat wird ebenfalls gut aufgenommen und wirkt leicht abführend, was bei schwangerschaftsbedingter Verstopfung hilfreich sein kann. Daraus ergibt sich jedoch kein Nachweis, dass es die sicherste Form für Schwangere ist.

Dosis

Die empfohlene tägliche Gesamtzufuhr hängt vom Alter ab. Die folgenden Angaben sind US-amerikanische Referenzwerte. Die Obergrenze für Nahrungsergänzungsmittel ist davon zu unterscheiden: Sie beschreibt nicht den gesamten Tagesbedarf. NIH: Magnesium

Alter während der Schwangerschaft Magnesium pro Tag
14–18 Jahre 400 mg
19–30 Jahre 350 mg
31–50 Jahre 360 mg
Obergrenze aus Nahrungsergänzungsmitteln 350 mg

Enthält ein Schwangerschafts-Multivitaminpräparat 50 bis 100 mg Magnesium, liefert es einen Teil der empfohlenen Gesamtmenge. Den Rest können Lebensmittel und gegebenenfalls zusätzliche Präparate beitragen. Allein aus dem Gehalt des Multivitaminpräparats lässt sich keine Versorgungslücke ableiten.

Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und grünes Blattgemüse liefern Magnesium.

In Studien zu Wadenkrämpfen wurden täglich 300 bis etwa 365 mg Magnesium eingesetzt, verteilt auf zwei oder drei Einnahmen. Für eine Studie zur Vorbeugung von Präeklampsie werden täglich 365 mg Magnesiumcitrat genannt; die genaue Bedeutung dieser Mengenangabe ist noch offen. Die Obergrenze von 350 mg gilt für zusätzliche Quellen außerhalb gewöhnlicher Lebensmittel. Magnesium aus Lebensmitteln zählt dabei nicht mit. Studienmengen können über dieser Grenze liegen und sind keine individuelle Einnahmeempfehlung. Übersicht zu Beinkrämpfen

Einnahmezeitpunkt

Ein Vorteil der Einnahme mit einer Mahlzeit wird damit begründet, dass Magensäure Magnesium besser löslich macht und dadurch seine Aufnahme verbessert. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Regel für alle Präparate ableiten.

Weil Wadenkrämpfe meist nachts auftreten, liegt eine Einnahme am Abend nahe. Auch mögliche entspannende und schlaffördernde Wirkungen werden dafür angeführt. Ob Magnesium am Abend in der Schwangerschaft tatsächlich besser wirkt als zu einer anderen Tageszeit, zeigen die genannten Studien nicht.

Die Empfehlung, Magnesium zeitlich getrennt von Calcium- oder Eisenpräparaten einzunehmen, beruht auf einer möglichen Konkurrenz bei der Aufnahme. Ob ein Abstand nötig ist, bleibt ohne Angaben zu Präparat und Dosis offen.

Kombinationen

Magnesium wird für die Aktivierung von Vitamin D in Leber und Nieren benötigt. Umgekehrt wird Vitamin D eine fördernde Wirkung auf die Magnesiumaufnahme im Darm zugeschrieben. Diese Zusammenhänge erklären, warum beide Stoffe gemeinsam betrachtet werden. Ob eine zusätzliche Magnesiumzufuhr den Nutzen eines Vitamin-D-Präparats verbessert, ist damit noch nicht beantwortet.

Auch Vitamin B6 wird eine Rolle bei der Verwertung von Magnesium zugeschrieben. Es wurde zudem im Zusammenhang mit schwangerschaftsbedingter Übelkeit und Wadenkrämpfen untersucht. Daraus ergibt sich noch keine Empfehlung für ein Kombinationspräparat.

Wer von Magnesiumpräparaten profitieren könnte und wann Vorsicht nötig ist

Ob ein Präparat sinnvoll sein könnte, hängt unter anderem von der Ernährung, möglichen Aufnahmestörungen und Medikamenten ab. Für folgende Situationen wird eine zusätzliche Magnesiumzufuhr diskutiert; ein Nutzen ist damit nicht für jede Gruppe belegt:

  • Ein vermuteter Magnesiummangel aufgrund einer Messung in roten Blutkörperchen. Wie zuverlässig dieser Test einen Mangel erkennt, bleibt allerdings offen.
  • Wadenkrämpfe oder Muskelspasmen.
  • Ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie oder vorzeitige Wehen.
  • Eine unzureichende Zufuhr über die Ernährung oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die die Aufnahme beeinträchtigen, etwa Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
  • Die Einnahme von Medikamenten, die den Magnesiumstatus senken können, darunter Protonenpumpenhemmer und bestimmte Diuretika.
  • Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, chronischer Bluthochdruck oder eine Nierenerkrankung. Gerade bei einer Nierenerkrankung ist jedoch Vorsicht nötig, weil sich Magnesium anreichern kann.
  • Eine Mehrlingsschwangerschaft, bei der ein höherer Bedarf durch die Entwicklung mehrerer Kinder angenommen wird.

Insbesondere bei Wadenkrämpfen und zur Vorbeugung von Präeklampsie oder vorzeitigen Wehen bleibt der Nutzen einer zusätzlichen Einnahme unsicher. Ein Risikofaktor allein begründet daher noch keine Einnahmeempfehlung.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann Magnesium giftige Konzentrationen erreichen, weil der Körper es überwiegend über die Nieren ausscheidet. Mögliche Folgen sind Muskelschwäche, niedriger Blutdruck und Herzrhythmusstörungen. Bei Myasthenia gravis sollte hoch dosiertes Magnesium ebenfalls vermieden werden, da es die Muskelschwäche verstärken kann.

Bei einer intravenösen Behandlung mit Magnesiumsulfat, etwa bei Präeklampsie oder zur Wehenhemmung, überwacht das medizinische Team Reflexe, Atemfrequenz und Urinmenge engmaschig. So lassen sich frühe Anzeichen einer toxischen Wirkung erkennen.

Den Magnesiumstatus messen: Lässt sich die Wirkung einer Ergänzung verfolgen?

Am häufigsten wird Magnesium im Serum gemessen. Der Wert beschreibt die Versorgung des gesamten Körpers jedoch nur eingeschränkt: Weniger als 1 % des Körpermagnesiums befindet sich im Blut. Deshalb kann der Serumwert normal sein, obwohl die Speicher innerhalb der Zellen vermindert sind.

Eine RBC-Magnesium-Messung erfasst den Magnesiumgehalt der roten Blutkörperchen, also der Erythrozyten. Die Idee dahinter ist, dass dieser Wert die Magnesiumspeicher im Gewebe besser widerspiegeln könnte. Ob er tatsächlich aussagekräftiger ist als Serum-Magnesium, bleibt offen.

Bei Magnesiummangel in der Schwangerschaft werden folgende Beschwerden beschrieben:

  • Muskelkrämpfe, besonders in den Waden.
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen.
  • Müdigkeit und Schlafprobleme.
  • Bei stärker ausgeprägtem Mangel Herzrhythmusstörungen.

Wiederholte RBC-Messungen vor und während einer Ergänzung können Veränderungen des Magnesiumgehalts in roten Blutkörperchen erfassen. Ob daraus zuverlässig hervorgeht, dass die Zufuhr ausreicht oder die Einnahme einen gesundheitlichen Nutzen hat, ist damit noch nicht geklärt.

Auch Vitamin D, Calcium und Parathormon werden zur ergänzenden Einordnung betrachtet, weil sie im Stoffwechsel mit Magnesium zusammenhängen. Bei Entzündungsmarkern wie dem hochsensitiven C-reaktiven Protein, hs-CRP, lautet die zugrunde liegende Annahme, dass chronische Entzündung den Magnesiumverbrauch erhöht und die Speicher verringern könnte. Ob solche zusätzlichen Werte die Beurteilung der Magnesiumversorgung verbessern, bleibt offen.

RBC-Magnesium gehört meist nicht zu den üblichen Laboruntersuchungen in der Schwangerschaft. Das allein ist kein Hinweis auf einen übersehenen Mangel und begründet keine regelmäßigen RBC-Kontrollen.

Häufige Fragen

Warum kann es in der Schwangerschaft zu Magnesiummangel kommen?

Der Bedarf steigt, weil das heranwachsende Kind Magnesium für Knochen, Muskeln und Nervengewebe benötigt. Gleichzeitig verändert sich der mütterliche Körper: Das Blutvolumen nimmt um 40–50 % zu, wodurch Magnesium im Blut verdünnt wird. Die Nieren filtern mehr Flüssigkeit pro Zeiteinheit, die glomeruläre Filtrationsrate steigt, und mehr Magnesium wird ausgeschieden.

Reicht die Zufuhr über die Ernährung nicht aus, kann der Körper Magnesium aus mütterlichen Knochen und Weichteilen freisetzen, um das Kind zu versorgen. Die Speicher können zunächst unbemerkt abnehmen, bevor Beschwerden auftreten. Diese Zusammenhänge sagen jedoch nicht aus, wie häufig ein Mangel in der Schwangerschaft vorkommt.

Welche Anzeichen und Beschwerden können bei niedrigem Magnesium in der Schwangerschaft auftreten?

Beschrieben werden nächtliche Beinkrämpfe, vor allem in den Waden, sowie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und schlechter Schlaf. Bei stärkerem Mangel können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Niedrige Magnesiumwerte wurden außerdem bei Präeklampsie beobachtet; das beweist keinen ursächlichen Zusammenhang. Da sich weniger als 1 % des Körpermagnesiums im Blut befindet, können Serumwerte normal sein, obwohl die Gewebespeicher vermindert sind.

Wie hilft Magnesiumsulfat bei Präeklampsie, Krampfanfälle zu verhindern?

Intravenöses Magnesiumsulfat senkt bei Frauen mit Präeklampsie mit schweren Merkmalen das Risiko eklamptischer Krampfanfälle um ungefähr 50 %. Als klinisches Schema werden eine Anfangsdosis von 4–6 g und anschließend eine Infusion mit 1–2 g pro Stunde beschrieben. Diese Behandlung erfordert eine engmaschige medizinische Überwachung; die Angaben sind keine Anleitung zur eigenen Anwendung.

Magnesium wirkt als natürlicher Calcium-Gegenspieler. Es stabilisiert die Membranen von Nervenzellen und vermindert Gefäßkrämpfe im Gehirn, die zur Entstehung von Krampfanfällen beitragen können.

Welche Magnesiumform ist in der Schwangerschaft am sichersten und wird am besten aufgenommen?

Eine sicherste Form lässt sich aus den beschriebenen Vergleichen nicht bestimmen. Glycinat und Citrat gelten als besser aufnehmbar als Magnesiumoxid, das häufig in frei verkäuflichen Präparaten enthalten ist. Eine bessere Aufnahme beantwortet aber noch nicht die Frage nach der Sicherheit in der Schwangerschaft.

Bei Glycinat ist Magnesium an die Aminosäure Glycin gebunden. Weil Glycin beruhigende Eigenschaften zugeschrieben werden, wird auch eine mögliche Unterstützung des Schlafs diskutiert. Ob Schwangere davon profitieren, bleibt offen. Citrat wird ebenfalls gut aufgenommen und wirkt leicht abführend, was bei schwangerschaftsbedingter Verstopfung hilfreich sein kann. Die Annahme, beide Formen verursachten seltener Magen-Darm-Nebenwirkungen als Oxid, ist speziell für Schwangere hier nicht abgesichert.

Was ist RBC-Magnesium, und ist die Messung aussagekräftiger als ein üblicher Serumtest?

RBC-Magnesium ist der Magnesiumgehalt in den roten Blutkörperchen. Die Messung soll die Gewebespeicher besser widerspiegeln als Serum-Magnesium. Ob sie tatsächlich aussagekräftiger ist, bleibt jedoch ungeklärt.

Weniger als 1 % des gesamten Körpermagnesiums befindet sich im Blut. Der Serumwert kann deshalb im Normalbereich liegen, obwohl die Vorräte in Zellen und Geweben deutlich vermindert sind. RBC-Messungen vor und während einer Ergänzung erfassen, ob sich der Magnesiumgehalt der roten Blutkörperchen verändert. Daraus folgt nicht automatisch, dass sie auch eine ausreichende Zufuhr oder den Nutzen der Einnahme zuverlässig nachweisen.

Wie viel Magnesium wird in der Schwangerschaft täglich benötigt?

Die US-amerikanischen Referenzwerte nennen eine tägliche Gesamtzufuhr von 350–360 mg während der Schwangerschaft, gegenüber 310–320 mg bei nicht schwangeren Frauen. Für Schwangere unter 19 Jahren beträgt der Wert 400 mg. Enthält ein Schwangerschafts-Multivitaminpräparat 50–100 mg Magnesium, liefert es nur einen Teil dieser Menge. Den übrigen Bedarf können Lebensmittel und gegebenenfalls zusätzliche Präparate decken. Ob eine Versorgungslücke besteht, hängt also auch von der Ernährung ab. NIH-Referenzwerte

Die grob angegebene Differenz von 250–300 mg zwischen dem Referenzwert und dem Inhalt eines solchen Präparats passt nicht zu allen Kombinationen der genannten Werte. Vor allem berücksichtigt sie nicht das Magnesium aus der Nahrung und beschreibt deshalb keinen zusätzlichen Einnahmebedarf.

In Studien gegen Wadenkrämpfe wurden täglich 300 bis etwa 365 mg Magnesium verwendet, verteilt auf zwei oder drei Einnahmen. Diese Studienmengen sind keine persönliche Dosierungsempfehlung. Sie können über der genannten US-Obergrenze von 350 mg aus zusätzlichen Quellen liegen. Cochrane-Übersicht

Können Magnesiumpräparate Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft beenden?

Das lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen. Studien zu Magnesium zum Einnehmen kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen, und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering.

Ein möglicher Wirkmechanismus betrifft die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Magnesiummangel erhöht die Erregbarkeit von Nervenzellen und beeinträchtigt die Natrium-Kalium-Pumpe, sodass unwillkürliche Muskelkontraktionen wahrscheinlicher werden können. Dieser Zusammenhang allein zeigt noch nicht, dass ein Präparat Schwangerschaftskrämpfe lindert.

Der Abend wird als Einnahmezeit erwogen, weil die Beschwerden meist nachts auftreten. Ein Vorteil gegenüber anderen Tageszeiten ist damit nicht belegt.

Welche Rolle spielt Magnesium bei vorzeitigen Wehen?

Die Gebärmuttermuskulatur, das Myometrium, zieht sich zusammen, wenn Calcium in ihre Zellen einströmt. Magnesium hemmt diesen Einstrom und kann dadurch Häufigkeit und Stärke der Kontraktionen vermindern. Darauf beruht die Annahme, dass ein ausreichender Magnesiumstatus dazu beiträgt, die Gebärmutter während der Schwangerschaft entspannt zu halten.

Magnesiumsulfat wurde deshalb als wehenhemmendes Mittel eingesetzt. Seine Wirksamkeit ist jedoch begrenzt, und eine länger dauernde Anwendung wird nicht empfohlen. Einen anderen Zweck hat die Gabe vor einer erwarteten Frühgeburt vor 32 Schwangerschaftswochen: Sie soll das Risiko einer Zerebralparese bei überlebenden Kindern senken. Dieser Schutz des kindlichen Gehirns bedeutet nicht, dass die Frühgeburt selbst verhindert wird.

Quellen