Warum Vitamin D allein bei Magnesiummangel möglicherweise nicht ausreicht
Klinische Prüfung ausstehend
Wie Magnesium mit dem Vitamin-D-Stoffwechsel zusammenhängt, welche Studienergebnisse beschrieben werden und welche Fragen zu Dosierung, Bluttests und zusätzlichen Cofaktoren offenbleiben.

Wenn der Vitamin-D-Blutwert trotz eines Präparats niedrig bleibt, kommt Magnesium als einer von mehreren Einflussfaktoren infrage. Es ist an Vorgängen beteiligt, die für den Vitamin-D-Stoffwechsel wichtig sind. Ein ausbleibender Anstieg beweist aber keinen Magnesiummangel. Ebenso wenig folgt daraus, dass alle Menschen zu Vitamin D zusätzlich Magnesium brauchen.
Warum Vitamin D Magnesium für seine Funktion braucht
Der Körper muss Vitamin D zunächst umwandeln, bevor er es als aktives Hormon nutzen kann. Das gilt sowohl für Vitamin D, das die Haut mithilfe von Sonnenlicht bildet, als auch für Vitamin D aus Präparaten. In der Leber wird eine Hydroxylgruppe angehängt. Bei dieser sogenannten Hydroxylierung entsteht 25-Hydroxyvitamin D (25-OH D), die Form, die übliche Bluttests messen. In den Nieren folgt eine zweite Hydroxylierung zu 1,25-Dihydroxyvitamin D. Dieses aktive Hormon reguliert unter anderem die Calciumaufnahme, Immunfunktionen und die Genexpression, also das Ablesen genetischer Informationen.
Magnesium wird dabei eine Rolle als Cofaktor zugeschrieben: So heißen Stoffe, die Enzyme bei ihrer Arbeit unterstützen. Ein unzureichender Magnesiumstatus könnte deshalb die Aktivierung von Vitamin D beeinträchtigen, selbst wenn genügend Vitamin D zugeführt wird. Nach dieser Vorstellung gewährleistet vorhandenes 25-OH D allein noch nicht, dass ausreichend aktives Hormon entsteht. Welche Schritte unmittelbar von Magnesium abhängen, muss dabei von seiner allgemeinen Bedeutung für den Stoffwechsel unterschieden werden.
Was klinische Studien zum Magnesium- und Vitamin-D-Status zeigen
Klinische Berichte deuten darauf hin, dass Magnesium den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen könnte, ohne den Blutwert grundsätzlich zu erhöhen. Beschrieben sind Anstiege von 25-OH D nach Magnesiumgabe bei Menschen mit niedriger Magnesiumzufuhr. Daneben stehen Berichte über sinkende, zuvor erhöhte Vitamin-D-Werte. Ob diese unterschiedlichen Reaktionen vom anfänglichen Magnesiumstatus oder vom Vitamin-D-Ausgangswert abhingen, bleibt zu klären. Aus einer Veränderung des Blutwerts allein lässt sich jedenfalls nicht ableiten, dass Magnesium einen „optimalen Bereich“ herstellt.
Auch Fälle, in denen 25-OH D trotz Vitamin-D-Einnahme bei fortbestehendem Magnesiummangel kaum anstieg, werden beschrieben. Nach zusätzlicher Magnesiumgabe sollen die Werte stärker zugenommen haben. Das könnte dafür sprechen, dass der Magnesiumstatus unter bestimmten Bedingungen den Vitamin-D-Stoffwechsel begrenzt. Ohne Angaben zum Ausmaß der Veränderung, zu den untersuchten Personen und zur Vergleichsbehandlung lässt sich jedoch nicht beurteilen, wie groß der Nutzen war und für wen er gelten könnte.
Bei Nierenerkrankungen, Diabetes und entzündlichen Erkrankungen können niedrige Vitamin-D- und Magnesiumwerte gemeinsam auftreten. Daraus ergibt sich eine Behandlungsfrage: Muss ein bestehender Magnesiummangel ausgeglichen werden, damit Vitamin D ausreichend wirken kann? Falls Magnesium einen notwendigen Stoffwechselschritt begrenzt, wären die Wirkungen beider Nährstoffe voneinander abhängig. Wie häufig das eine Behandlung tatsächlich beeinflusst, lässt sich jedoch nur für die jeweilige Erkrankung beurteilen. Gemeinsam auftretende niedrige Werte beantworten diese Frage noch nicht.
Warum übliche Tests das Problem übersehen können
Üblicherweise wird Magnesium im Blutserum gemessen. Dort befindet sich nur etwa 1 % des gesamten Körpermagnesiums; der größte Teil liegt in Zellen, Knochen und Muskeln. Ein unauffälliger Serumwert kann daher mit verminderten Gewebespeichern einhergehen.
Ein anderer Test erfasst Magnesium in den roten Blutkörperchen: das Erythrozytenmagnesium, auch RBC-Magnesium genannt. Er könnte zusätzliche Informationen zum Magnesiumstatus liefern, gehört aber selten zu Standardlaborprofilen. Ob er den langfristigen Versorgungszustand oder die für Stoffwechselvorgänge verfügbare Magnesiummenge grundsätzlich besser abbildet, lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie Magnesium die Bildung, den Transport und die Aktivierung von Vitamin D beeinflusst
Welche Rolle Magnesium bei der Bildung und beim Transport von Vitamin D spielt, ist eine eigene Frage. Die Haut bildet Vitamin D nach UV-Einwirkung. Anschließend bindet es für den Transport im Blut an das Vitamin-D-bindende Protein, kurz DBP. Ein möglicher Einfluss von Magnesium auf die Bindungsstärke dieses Proteins könnte verändern, wie viel Vitamin D die Zielgewebe erreicht. Dieser Zusammenhang ist bislang eine zu prüfende Erklärung und kein gesicherter Mechanismus.
Bei den Umwandlungsschritten sind die Aufgaben der beteiligten Enzyme genauer benannt: CYP2R1 fügt Vitamin D in der Leber eine Hydroxylgruppe hinzu, sodass 25-OH D entsteht. CYP27B1 übernimmt in den Nieren den zweiten Schritt zum aktiven Hormon. CYP24A1 ist am Abbau von Vitamin-D-Verbindungen beteiligt. Die Hypothese zur Rolle von Magnesium umfasst somit Aktivierung und Abbau. Das würde erklären, weshalb Werte je nach Ausgangslage steigen oder sinken könnten. Aus den bekannten Aufgaben dieser Enzyme folgt allerdings noch nicht, dass jedes unmittelbar Magnesium als Cofaktor benötigt.
Ein weiterer Erklärungsansatz betrifft die Wirkung von Vitamin D in der Zelle. Aktives Vitamin D bindet an den Vitamin-D-Rezeptor, kurz VDR. Dieser bildet mit dem Retinoid-X-Rezeptor, kurz RXR, einen Komplex, der im Zellkern das Ablesen von Genen beeinflusst. Nach der Magnesiumhypothese könnte eine unzureichende Versorgung die Arbeit dieses Komplexes beeinträchtigen. Vitamin D würde dann möglicherweise weniger Wirkung entfalten, obwohl der gemessene Blutwert ausreichend erscheint. Ob Magnesium diesen Vorgang tatsächlich auf diese Weise beeinflusst und welche Beschwerden daraus entstehen könnten, ist damit noch nicht geklärt.
Dosis, Form und Einnahmezeit: Worauf es bei beiden ankommt
Magnesium: Dosis und Form
Die US-amerikanische empfohlene tägliche Zufuhr, kurz RDA, beträgt für Männer 400 bis 420 mg Magnesium und für Frauen 310 bis 320 mg. Diese Werte beziehen sich auf die tägliche Zufuhr insgesamt und sind keine pauschalen Dosierungen für Präparate. Ob die Referenzwerte den Bedarf unter heutigen Bedingungen ausreichend abbilden, diskutiert der Beitrag zu US-amerikanischen Magnesium-Zufuhrwerten.
Viele Menschen erreichen die empfohlene Zufuhr nicht. Lebensumstände und Erkrankungen können außerdem den Bedarf oder die Magnesiumverluste beeinflussen. Bei Präparaten unterscheiden sich die Formen: Magnesiumglycinat und Magnesiumcitrat gelten als gut aufnehmbar. Für Magnesiumoxid, das häufig in Multivitaminpräparaten vorkommt, wird eine geringere Bioverfügbarkeit beschrieben; es kann zudem abführend wirken. Ob es deshalb generell weniger geeignet ist, die Speicher aufzufüllen, lässt sich ohne einen passenden Vergleich nicht entscheiden.
Bei einem niedrigen RBC-Magnesiumwert stellt sich die Frage, ob eine längerfristige Ergänzung die Gewebespeicher auffüllen könnte. Die erforderliche Menge würde vom Ausmaß eines tatsächlich bestehenden Mangels abhängen. Ein einzelner RBC-Wert reicht deshalb nicht aus, um daraus eine persönliche Dosis oder Einnahmedauer abzuleiten.
Vitamin D: Dosis
Für Vitamin-D-Präparate wird ein Bereich von 1.000 bis 4.000 IU pro Tag genannt, je nach Ausgangswert und individuellen Faktoren. IU steht für internationale Einheiten. Zur Behandlung eines Mangels kommen teilweise höhere Dosen zum Einsatz. Der genannte Bereich ist hier jedoch keine belegte allgemeine Einnahmeempfehlung.
Falls Magnesium die Aktivierung begrenzt, könnte eine höhere Vitamin-D-Zufuhr das aktive Hormon nicht im gleichen Maß ansteigen lassen. Auch der angeführte Zielbereich von 40 bis 60 ng/mL für 25-OH D ist kein hier belegtes allgemeingültiges Behandlungsziel. Welche Bedeutung ein Messwert hat, hängt von der individuellen und klinischen Situation ab.
Einnahmezeit und Cofaktoren
Vitamin D ist fettlöslich. Eine fetthaltige Mahlzeit soll seine Aufnahme unterstützen. Magnesium kann zu unterschiedlichen Tageszeiten eingenommen werden. Für Magnesiumglycinat vor dem Schlafengehen wird eine beruhigende Wirkung angeführt; ein verlässlicher Schlafnutzen lässt sich daraus nicht ableiten.
Vitamin K2 kommt als weiterer Cofaktor ins Gespräch, weil es an Prozessen beteiligt ist, die Calcium im Knochen nutzen und Ablagerungen in Weichteilen beeinflussen könnten. Daraus entsteht die Frage, ob zusätzliches K2 das Risiko für Gefäßverkalkungen senken kann, wenn Vitamin D die Calciumaufnahme erhöht. Ein solcher klinischer Nutzen ist durch die angeführten Angaben nicht belegt. Die Kombination von Vitamin D, K2 und ausreichender Magnesiumversorgung ist damit ein Ansatz, dessen Bedeutung für Knochen und Herz-Kreislauf-System untersucht werden müsste. Sie gewährleistet keine sichere Vitamin-D-Einnahme.
Für wen der Magnesiumstatus besonders relevant sein kann
Einer Schätzung zufolge nimmt nahezu die Hälfte der US-Bevölkerung weniger Magnesium als die RDA auf. Unter dem Referenzwert zu liegen, bedeutet allerdings noch keinen nachgewiesenen Mangel. Bei einigen Gruppen können zusätzlich eine schlechtere Aufnahme oder größere Verluste die Versorgung erschweren:
- Ältere Erwachsene können Magnesium weniger effizient aufnehmen. Außerdem nehmen sie häufiger Medikamente ein, die den Magnesiumstatus beeinflussen können, darunter Protonenpumpenhemmer, Diuretika und bestimmte Antibiotika.
- Bei Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, Zöliakie oder chronischem Durchfall können eine gestörte Aufnahme und zusätzliche Verluste die Magnesiumversorgung verschlechtern.
- Menschen mit Diabetes können bei erhöhtem Blutzucker mehr Magnesium über den Urin verlieren.
- Bei Sporttreibenden und Menschen unter chronischem Stress kommen ein höherer Bedarf, Verluste über den Schweiß und ein durch Stresshormone veränderter Magnesiumumsatz als mögliche Einflussfaktoren infrage. Wie stark diese Faktoren die Versorgung beeinflussen, bleibt offen.
- Auch ein hoher Alkohol- oder Koffeinkonsum und eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln werden als mögliche Belastungen für die Magnesiumversorgung genannt. Diese unterschiedlichen Einflüsse lassen sich nicht pauschal gleich bewerten.
Wenn der Vitamin-D-Wert trotz hoher Dosierung nicht ansteigt, kann der Magnesiumstatus bei der Abklärung mitberücksichtigt werden. Muskelkrämpfe, Müdigkeit oder Herzrhythmusstörungen kommen als Hinweise infrage, beweisen aber keinen Magnesiummangel. RBC-Magnesium und 25-OH D gemeinsam zu messen, liefert Werte zu beiden Nährstoffen. Ob die Aktivierung von Vitamin D insgesamt funktioniert, lässt sich daran allein nicht erkennen.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Bestimmte Medikamente können die Magnesiumaufnahme beeinträchtigen oder die Ausscheidung über den Urin erhöhen. Protonenpumpenhemmer verringern die Magensäureproduktion; bei ihrer Einnahme wird auch eine schlechtere Magnesiumaufnahme aus Lebensmitteln beschrieben. Ob sich dieser Zusammenhang allein durch die geringere Magensäure erklären lässt, bleibt offen. Schleifen- und Thiaziddiuretika können die Magnesiumverluste über die Nieren erhöhen.
Bei Bisphosphonaten zur Behandlung von Osteoporose sind mögliche Wechselwirkungen bei der Aufnahme im Darm zu beachten. Welche Substanz dabei die Aufnahme der anderen beeinflusst, muss genau unterschieden werden. Bei einer Behandlung mit diesen Medikamenten und Vitamin D kann es sinnvoll sein, den Magnesiumstatus mit zu berücksichtigen.
Den Versorgungsstatus untersuchen: Was Biomarker tatsächlich aussagen
Ein üblicher Vitamin-D-Test bestimmt die Konzentration von 25-OH D im Blut. Diese Verbindung wird häufig als Speicherform bezeichnet. Der Wert zeigt jedoch nicht unmittelbar, wie viel davon zum aktiven Hormon umgewandelt wird oder wie gut die Signalübertragung über den Vitamin-D-Rezeptor funktioniert. RBC-Magnesium ergänzt eine Messung in den roten Blutkörperchen. Auch zusammen ergeben beide Werte keinen direkten Funktionstest der beteiligten Enzyme.
Sind sowohl RBC-Magnesium als auch 25-OH D trotz Vitamin-D-Ergänzung niedrig, könnte der Magnesiumstatus zur Erklärung beitragen. Damit steht aber noch nicht fest, dass er einen Enzymschritt begrenzt. Umgekehrt beweisen anhaltende Knochenschmerzen, häufige Infektionen oder Stimmungsschwankungen bei ausreichendem 25-OH D keine Störung des Vitamin-D-Rezeptors. Eine Beeinträchtigung auf Rezeptorebene ist ein möglicher mechanistischer Erklärungsansatz, der sich aus diesen Beschwerden und Laborwerten allein nicht ableiten lässt.
Weitere Werte können bei der klinischen Einordnung helfen. Dazu gehört Parathormon, kurz PTH, das bei unzureichender Vitamin-D-Versorgung ansteigen kann. Auch die Calciumkonzentration kann im Zusammenhang mit einem Mangel verändert sein. Sowohl niedrige als auch erhöhte Werte werden angeführt; sie lassen sich ohne den jeweiligen klinischen Zusammenhang nicht deuten.
Das hochsensitive C-reaktive Protein, kurz hs-CRP, erfasst Entzündungsaktivität. Seine mögliche Bedeutung beruht hier auf der Überlegung, dass chronische Entzündungen den Magnesiumumsatz erhöhen und den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen könnten. Welchen zusätzlichen Nutzen eine hs-CRP-Messung für diese konkrete Frage hätte, bleibt offen.
Ein genaueres Bild des Vitamin-D- und Magnesiumstatus gewinnen
Wer Vitamin D einnimmt, hat damit noch keine Auskunft über den eigenen Magnesiumstatus. Weder Serum-Magnesium noch RBC-Magnesium werden automatisch bei jeder Blutuntersuchung bestimmt. Ob zusätzliche Stoffwechsel- oder Entzündungswerte neben 25-OH D hilfreich sind, hängt von der klinischen Frage ab.
Bleibt der Vitamin-D-Wert trotz Ergänzung niedrig, gehört deshalb auch die Frage nach möglichen Ursachen zur Abklärung. Magnesium kann dabei eine Rolle spielen. Welche Bedeutung es im Einzelfall hat und ob eine andere Vitamin-D-Dosis sinnvoll ist, lässt sich aus einem einzelnen Blutwert nicht entscheiden.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigt der Vitamin-D-Blutwert manchmal selbst bei hoher Dosierung nicht an?
Ein unzureichender Magnesiumstatus kommt als möglicher Einflussfaktor infrage, erklärt aber nicht jeden ausbleibenden Anstieg. Vitamin D durchläuft zunächst in der Leber und anschließend in den Nieren zwei Hydroxylierungsschritte. Erst dabei entsteht das aktive Hormon 1,25-Dihydroxyvitamin D. Magnesium wird eine Rolle bei diesen Stoffwechselvorgängen zugeschrieben; eine unzureichende Versorgung könnte die Verarbeitung von Vitamin D beeinträchtigen.
Für die Deutung eines Bluttests muss deshalb klar sein, welche Form er misst. Der übliche Wert 25-OH D beschreibt eine Zwischen- beziehungsweise Speicherform. Das aktive 1,25-Dihydroxyvitamin D reguliert dagegen unter anderem die Calciumaufnahme, Immunfunktionen und Genexpression. Eine ausreichende Menge der einen Form belegt nicht automatisch eine ausreichende Wirkung der anderen. Wenn die weitere Aktivierung gestört ist, könnte Vitamin D in einer inaktiven Form verbleiben. Diese Überlegung erklärt für sich genommen jedoch nicht, weshalb bereits der übliche 25-OH-D-Wert nicht steigt.
Welche Enzyme des Vitamin-D-Stoffwechsels benötigen Magnesium als Cofaktor?
Für die genannten Enzyme lässt sich eine direkte, notwendige Cofaktorrolle von Magnesium anhand der zugeordneten Angaben nicht sicher bestätigen. Ihre Aufgaben im Vitamin-D-Stoffwechsel sind davon zu unterscheiden: CYP2R1 wandelt Vitamin D in der Leber in 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25-OH D, um. Diese Form erfassen übliche Bluttests. CYP27B1 ermöglicht in den Nieren die weitere Umwandlung zu 1,25-Dihydroxyvitamin D, dem aktiven Hormon. CYP24A1 ist am Abbau von Vitamin-D-Verbindungen einschließlich des aktiven Hormons beteiligt.
Die Magnesiumhypothese umfasst somit sowohl die Aktivierung als auch den Abbau von Vitamin D. Ob Magnesium bei jedem dieser Schritte unmittelbar als Cofaktor gebraucht wird, ist eine gesonderte Frage. Die Funktion eines Enzyms allein beantwortet sie nicht.
Wie könnte Magnesium den Vitamin-D-Rezeptor beeinflussen, über die Umwandlung von Vitamin D hinaus?
Die Hypothese betrifft die Wirkung von Vitamin D auf das Ablesen bestimmter Gene. Aktives Vitamin D bindet an den Vitamin-D-Rezeptor, kurz VDR. Dieser bildet mit dem Retinoid-X-Rezeptor, kurz RXR, einen Komplex, der im Zellkern die Genexpression beeinflusst. Über diese Genregulation entfaltet Vitamin D biologische Wirkungen.
Zu wenig Magnesium könnte nach diesem Erklärungsansatz die Arbeit des Rezeptorkomplexes beeinträchtigen. Dadurch wären möglicherweise Wirkungen auf Immunfunktionen, den Calciumhaushalt und die Genexpression vermindert, obwohl der gemessene 25-OH-D-Wert ausreichend erscheint. Ob der Komplex tatsächlich unmittelbar von Magnesium abhängt und ob dies Beschwerden erklären kann, ist jedoch ungeklärt.
Bei welchen Gruppen ist ein niedriger Magnesiumstatus besonders wahrscheinlich und könnte die Vitamin-D-Aktivierung beeinträchtigen?
Eine schlechtere Aufnahme oder größere Verluste können die Magnesiumversorgung erschweren. Das betrifft etwa ältere Erwachsene, Menschen mit bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen und Menschen mit Diabetes. Ob eine unzureichende Versorgung im Einzelfall auch die Vitamin-D-Aktivierung beeinträchtigt, lässt sich aus der Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppe nicht erkennen.
Ältere Erwachsene nehmen Magnesium möglicherweise weniger effizient auf und verwenden häufiger Protonenpumpenhemmer oder Diuretika, die den Magnesiumstatus beeinflussen können. Bei Morbus Crohn oder Zöliakie kann die Aufnahme im Darm gestört sein. Menschen mit Diabetes können bei erhöhtem Blutzucker mehr Magnesium über den Urin verlieren. Für Sporttreibende und chronisch gestresste Menschen werden außerdem Verluste über den Schweiß sowie eine durch Stresshormone erhöhte Ausscheidung über die Nieren als mögliche Mechanismen genannt; wie stark diese die Versorgung beeinträchtigen, bleibt offen.
Nach der angeführten Schätzung nimmt nahezu die Hälfte der US-Bevölkerung weniger Magnesium als die RDA auf. Eine Zufuhr unter diesem Referenzwert weist aber weder einen Mangel noch eine blockierte Vitamin-D-Aktivierung nach.
Welche klinischen Daten sprechen dafür, dass Magnesium den Vitamin-D-Stoffwechsel begrenzen kann?
Hinweise liefern Berichte über steigende 25-OH-D-Werte nach Magnesiumgabe bei Menschen mit niedrigem Magnesiumstatus. Daneben stehen Fälle, in denen die Werte unter Vitamin D bei fortbestehendem Magnesiummangel zunächst kaum zunahmen und nach zusätzlicher Magnesiumgabe stärker stiegen. Solche Befunde könnten darauf hindeuten, dass Magnesium unter bestimmten Bedingungen den Stoffwechsel begrenzt. Wie groß die Veränderungen waren und auf welche Gruppen sie sich übertragen lassen, bleibt ohne die genauen Studiendaten offen.
Auch sinkende, zuvor erhöhte Vitamin-D-Werte nach Magnesiumgabe werden beschrieben. Daraus ergibt sich die Hypothese einer regulierenden Wirkung: Magnesium könnte sowohl die Aktivierung als auch den Abbau beeinflussen. Ungeklärt ist allerdings, ob die unterschiedlichen Reaktionen vom anfänglichen Magnesiumwert oder vom Vitamin-D-Wert abhingen. Ein „optimaler“ Vitamin-D-Bereich lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.
Verschlechtert hoch dosiertes Vitamin D ohne zusätzliches Magnesium tatsächlich den Magnesiumstatus?
Das lässt sich anhand der angeführten Angaben nicht sicher beantworten. Die Frage bleibt, ob eine hohe Vitamin-D-Zufuhr den Magnesiumbedarf erhöht und bei bereits knapper Versorgung einen funktionellen Mangel verstärken könnte.
Die Begründung, Magnesium werde bei jedem Durchlauf eines Vitamin-D-umwandelnden Enzyms verbraucht, reicht dafür nicht aus. Ein Cofaktor wird nicht zwangsläufig bei jeder Reaktion aufgebraucht. Daraus lässt sich daher auch keine Kettenreaktion ableiten, bei der jede höhere Vitamin-D-Dosis mehr Magnesium aufzehrt, dadurch die Aktivierung verlangsamt und den ursprünglichen Engpass weiter verschärft. Um einen solchen Einfluss zu beurteilen, müsste der Magnesiumstatus unter hoher Vitamin-D-Zufuhr tatsächlich gemessen werden.
Wie lässt sich untersuchen, ob die Aktivierung von Vitamin D funktioniert?
Der übliche 25-OH-D-Test beantwortet diese Frage nicht direkt. Er misst die Konzentration der als Speicherform bezeichneten Verbindung im Blut. Eine zusätzliche RBC-Magnesiummessung erfasst Magnesium in roten Blutkörperchen. Keiner der beiden Werte zeigt unmittelbar, wie gut die beteiligten Enzyme arbeiten.
Sind beide Werte niedrig, kann Magnesium bei der Suche nach einer Erklärung berücksichtigt werden. Ein magnesiumbedingter Engpass ist damit noch nicht nachgewiesen. Ebenso wenig belegen Knochenschmerzen, häufige Infektionen oder Stimmungsschwankungen bei ausreichendem 25-OH D eine Störung des Vitamin-D-Rezeptors. Eine solche Störung ist ein mechanistischer Erklärungsansatz, keine Diagnose, die sich aus diesen Befunden ableiten lässt. Parathormon und Calcium können zusätzliche Informationen für die klinische Einordnung liefern.
Welche weiteren Cofaktoren werden neben Vitamin D und Magnesium für Knochen und Herz-Kreislauf-Gesundheit diskutiert?
Vor allem Vitamin K2 wird genannt, weil es an Prozessen beteiligt ist, die Calcium im Knochen nutzen und Ablagerungen in Weichteilen beeinflussen. Daraus ergibt sich die Frage, ob zusätzliches K2 das Risiko für Gefäßverkalkungen verringern könnte, wenn Vitamin D die Calciumaufnahme erhöht. Ein gesicherter Nutzen oder eine dadurch gewährleistete Herz-Kreislauf-Sicherheit lässt sich aus den angeführten Angaben nicht ableiten.
Auch die Aufnahme der Präparate spielt eine Rolle. Vitamin D ist fettlöslich; eine Mahlzeit mit Fett soll seine Aufnahme unterstützen. Magnesiumglycinat und Magnesiumcitrat werden als gut aufnehmbare Formen genannt, die zur Magnesiumversorgung beitragen können. Ausreichend Magnesium, Vitamin K2 und die Einnahme von Vitamin D mit Fett werden zusammen als Ansatz für Knochengesundheit und Calciumstoffwechsel betrachtet. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle Bestandteile zusätzlich eingenommen werden sollten.
Quellen
- Rosanoff A (2021). Perspective: US Adult Magnesium Requirements Need Updating: Impacts of Rising Body Weights and Data-Derived Variance. Advances in nutrition (Bethesda, Md.), 12(2), 298-304. https://doi.org/10.1093/advances/nmaa140 PubMed
- Dai Q, Zhu X, Manson JE, Song Y, Li X, Franke AA, Costello RB, Rosanoff A, Nian H, Fan L, Murff H, Ness RM, Seidner DL, Yu C, Shrubsole MJ (2018). Magnesium status and supplementation influence vitamin D status and metabolism: results from a randomized trial. The American journal of clinical nutrition, 108(6), 1249-1258. https://doi.org/10.1093/ajcn/nqy274 PubMed
- Rothen JP, Rutishauser J, Arnet I, Allemann SS (2023). Renal insufficiency and magnesium deficiency correlate with a decreased formation of biologically active cholecalciferol: A retrospective observational study. International Journal of Clinical Pharmacy, 45(1), 240-244. https://doi.org/10.1007/s11096-022-01485-6 PubMed
- Matias P, Ávila G, Ferreira AC, Laranjinha I, Ferreira A (2023). Hypomagnesemia: A potential underlooked cause of persistent vitamin D deficiency in chronic kidney disease. Clinical Kidney Journal, 16(11), 1776-1785. https://doi.org/10.1093/ckj/sfad123 PubMed
- Schleck ML, Souberbielle JC, Jandrain B, Da Silva S, De Niet S, Vanderbist F, Scheen A, Cavalier E (2015). A randomized, double-blind, parallel study to evaluate the dose-response of three different vitamin D treatment schemes on the 25-hydroxyvitamin D serum concentration in patients with vitamin D deficiency. Nutrients, 7(7), 5413-5422. https://doi.org/10.3390/nu7075227 PubMed