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Proteinbedarf in den Wechseljahren berechnen: Wie viel ist sinnvoll?

Klinische Prüfung ausstehend

In den Wechseljahren kann eine höhere Proteinzufuhr helfen, Muskelmasse zu erhalten, die Sättigung zu verbessern und das Gewichtsmanagement zu unterstützen. Der Artikel erläutert Orientierungswerte von 1,0 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, die Berechnung des Tagesbedarfs und die Bedeutung von Training, Ernährung und individuellen Voraussetzungen.

Bunte geometrische Blöcke bilden einen Bogen über einer gesprenkelten Bohne.

Wie viel Protein ist in den Wechseljahren sinnvoll? Ein täglicher Orientierungswert lässt sich aus dem Körpergewicht berechnen. Welcher Wert passt, hängt unter anderem von Bewegung, Trainingszielen und individuellen Voraussetzungen ab.

Auch bei einer seit Jahren unveränderten Ernährung kann sich in dieser Lebensphase die Körperzusammensetzung verschieben: Das Gewicht steigt leichter, der Muskelerhalt fällt schwerer, und bisher bewährte Strategien wirken weniger gut. Hormonelle Veränderungen und das Älterwerden können dazu beitragen. Eine ausreichende Proteinzufuhr wird deshalb besonders wichtig.

Warum sich der Proteinbedarf in den Wechseljahren verändert

Östrogen beeinflusst neben dem Menstruationszyklus auch Prozesse, die Muskelgewebe aufbauen und erhalten. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, kann der Körper aus aufgenommenen Aminosäuren weniger effizient neues Muskelprotein bilden. Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen. Reagiert der Muskelaufbau schwächer auf Nahrung und andere Reize, spricht man von anaboler Resistenz. Die Proteinmenge, die mit 35 Jahren zum Muskelerhalt ausgereicht hat, kann deshalb mit 55 Jahren zu niedrig sein.

Für Frauen nach der Menopause wird ein beschleunigter Muskelverlust von ungefähr 0,6 Prozent der Muskelmasse pro Jahr beschrieben, wenn keine Gegenmaßnahmen erfolgen. Dazu wird eine Übersichtsarbeit zu Sarkopenie bei Frauen in der Menopause angeführt. Muskelverlust betrifft auch den Stoffwechsel: Muskelgewebe verbraucht selbst in Ruhe Energie. Geht es verloren, kann der Ruheenergieverbrauch sinken und die Gewichtskontrolle schwerer fallen. Ausreichend Protein kann zusammen mit geeigneten Trainingsreizen helfen, Muskelgewebe trotz hormoneller Veränderungen zu erhalten und aufzubauen. Allein weniger zu essen, berücksichtigt diesen Zusammenhang nicht ausreichend.

Als übliche Proteinempfehlung werden 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich genannt. Dem stehen höhere Orientierungswerte für ältere Menschen gegenüber: 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm täglich zum Erhalt und bis zu 1,4 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm, wenn gezielt Gewicht reduziert oder Muskulatur aufgebaut werden soll. Als Grundlage wird das Positionspapier der PROT-AGE Study Group angeführt. Diese Bereiche dienen der Orientierung; sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Frauen in den Wechseljahren übertragen.

So lässt sich der Proteinbedarf in den Wechseljahren berechnen

Ein Proteinrechner nutzt Körpergewicht und Aktivitätsniveau, um einen täglichen Zielwert zu ermitteln. Die Rechnung lautet:

Körpergewicht in Kilogramm × Faktor zwischen 1,0 und 1,6 = tägliche Proteinmenge in Gramm.

Welcher Faktor passt, hängt von den Zielen und Bewegungsgewohnheiten ab. Bei 70 Kilogramm Körpergewicht und mäßiger Aktivität ergibt sich als grundlegender Orientierungsbereich eine Zufuhr von 70 bis 84 Gramm Protein täglich.

Zur Auswahl des Faktors lassen sich folgende Situationen unterscheiden:

  • Bei wenig Bewegung und dem Ziel, das Gewicht zu halten, werden 1,0 Gramm pro Kilogramm als unterer Orientierungswert angesetzt.
  • Für regelmäßiges Kraft- oder Ausdauertraining wird ein Bereich von 1,2 bis 1,4 Gramm pro Kilogramm genannt.
  • Für gezielten Fettabbau bei möglichst gutem Erhalt der fettfreien Masse werden 1,4 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm vorgeschlagen. Eine höhere Proteinzufuhr kann bei verringerter Kalorienaufnahme helfen, Muskelverluste zu begrenzen. Zur fettfreien Masse gehören neben Muskeln auch andere Gewebe und Körperwasser.

Wer das Gewicht in englischen Pfund kennt, teilt es zur Umrechnung in Kilogramm durch 2,2. Eine Frau mit 154 Pfund wiegt damit ungefähr 70 Kilogramm. Bei 1,2 Gramm pro Kilogramm liegt ihr Tagesziel bei 84 Gramm Protein. Das entspricht ungefähr 25 bis 30 Gramm je Mahlzeit bei drei Mahlzeiten oder 20 bis 25 Gramm bei vier Mahlzeiten. Diese Portionsbereiche sind Näherungswerte und müssen zum persönlichen Tagesziel passen.

Neben der Gesamtmenge spielt die Verteilung eine Rolle. Eine einzelne Mahlzeit kann die Muskelproteinbildung nur begrenzt steigern. Wer Protein über den Tag verteilt, schafft daher mehrere Gelegenheiten, den Muskelaufbau anzuregen. Daraus folgt jedoch keine feste Grenze dafür, wie viel Protein der Körper insgesamt aufnehmen oder verwerten kann.

Anpassung bei dem Ziel, Gewicht abzunehmen

Bei einem Kaloriendefizit nimmt der Körper weniger Energie auf, als er verbraucht. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er auch Muskelgewebe zur Energiegewinnung abbaut. Eine höhere Proteinzufuhr kann dem entgegenwirken: Sie liefert Aminosäuren für den Muskelerhalt und fördert die Sättigung. Dadurch kann es leichter fallen, ein Energiedefizit ohne übermäßigen Hunger einzuhalten.

Eine Studie zur Proteinzufuhr während einer Kalorienrestriktion beschreibt einen Zusammenhang zwischen höherer Proteinzufuhr und besserem Erhalt der fettfreien Masse während der Gewichtsabnahme. Ob sich der angeführte Vorteil ausdrücklich auf Frauen und auf einen Vergleich bei identischer Gesamtkalorienzufuhr bezieht, ist anhand der bibliografischen Angaben allein nicht gesichert.

Trainingsintensität berücksichtigen

Krafttraining erhöht den Proteinbedarf über die eigentliche Trainingseinheit hinaus. Die Muskelproteinbildung kann nach einer Krafteinheit noch 24 bis 48 Stunden erhöht sein. In dieser Zeit laufen Reparatur- und Anpassungsprozesse ab.

Für Frauen, die zwei- bis viermal pro Woche mit Gewichten trainieren, wird deshalb eine regelmäßige Proteinzufuhr am oberen Ende des genannten Bereichs vorgeschlagen, um Erholung und Trainingsanpassung zu unterstützen. Auch Ausdauertraining erhöht den Proteinbedarf; dieser Anstieg wird geringer eingeordnet als beim Krafttraining.

Wie Protein Stoffwechsel und Körperzusammensetzung in den Wechseljahren beeinflusst

Thermischer Effekt und Energieverbrauch

Protein zu verdauen und zu verarbeiten, benötigt mehr Energie als die Verarbeitung von Kohlenhydraten oder Fett. Fachleute sprechen vom thermischen Effekt der Nahrung. Für Protein werden ungefähr 25 bis 30 Prozent der aufgenommenen Energie genannt, für Kohlenhydrate 5 bis 10 Prozent und für Fett 0 bis 3 Prozent. Bei 100 Kilokalorien aus Protein würden demnach etwa 25 bis 30 Kilokalorien für Verdauung, Aufnahme und weitere Verarbeitung aufgewendet.

Dieser Unterschied kann eine Rolle spielen, wenn der Energieverbrauch mit dem Älterwerden und den Veränderungen rund um die Menopause sinkt. Mehr Protein kann den täglichen Energieverbrauch über diesen Effekt etwas erhöhen und einen Rückgang teilweise ausgleichen. Wie groß der Beitrag ausfällt, hängt von der gesamten Ernährung und den individuellen Voraussetzungen ab.

Erhalt der fettfreien Masse

Bei einer Gewichtsabnahme soll möglichst viel Fettmasse und möglichst wenig Muskelmasse verloren gehen. Ohne ausreichende Proteinzufuhr kann der Körper jedoch auch Muskelgewebe abbauen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zu älteren Erwachsenen beschreibt, dass eine höhere Proteinzufuhr während der Gewichtsabnahme dazu beitragen kann, mehr fettfreie Masse zu erhalten und einen größeren Anteil des Gewichtsverlusts über Fettmasse zu erreichen. Die Arbeit bezieht sich auf ältere Erwachsene; ein ausschließlich für postmenopausale Frauen geltender Befund ist damit nicht gesichert.

Muskelgewebe unterstützt den Energieverbrauch, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Regulation des Blutzuckers. Deshalb lohnt sich bei einer Gewichtsabnahme der Blick darauf, welche Gewebe verloren gehen.

Als Näherungswerte werden für Muskelgewebe in Ruhe etwa 6 Kilokalorien pro englischem Pfund und Tag genannt, für Fettgewebe dagegen ungefähr 2 Kilokalorien pro Pfund und Tag. Ein englisches Pfund entspricht rund 454 Gramm. Der Verlust von 10 Pfund Muskelmasse, also ungefähr 4,5 Kilogramm, könnte den Ruheenergieverbrauch demnach um 40 bis 60 Kilokalorien täglich vermindern. Ein solcher Unterschied kann sich langfristig bemerkbar machen. Ausreichend Protein in Verbindung mit Krafttraining kann helfen, die Muskelmasse während der Wechseljahre zu erhalten oder aufzubauen.

Appetitregulation

Protein beeinflusst den Appetit über mehrere Mechanismen. Es kann die Ausschüttung von Sättigungshormonen wie Peptid YY und GLP-1 fördern und das Hungersignal Ghrelin verringern. Eine höhere Proteinzufuhr kann dadurch dazu beitragen, sich auch bei geringerer Kalorienaufnahme länger satt zu fühlen. Das kann eine dauerhafte Gewichtskontrolle erleichtern.

Auch ein proteinreiches Frühstück könnte die Sättigung und damit die Nahrungsaufnahme im weiteren Tagesverlauf beeinflussen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, ist individuell unterschiedlich.

Knochendichte und Strukturproteine

Knochen sind lebendes Gewebe. Neben Mineralstoffen besitzen sie ein Proteingerüst, das zu ihrer Stabilität beiträgt. Kollagen, das mengenmäßig wichtigste Protein im Knochen, benötigt für Aufbau und Erhalt eine ausreichende Versorgung mit Proteinbausteinen.

Eine Studie zu Proteinzufuhr und Knochenmineraldichte bei älteren Erwachsenen wird für einen Zusammenhang zwischen höherer Proteinzufuhr und größerer Knochenmineraldichte bei Frauen nach der Menopause angeführt, insbesondere bei ausreichender Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Ein solcher Zusammenhang beweist keine ursächliche Wirkung. Auch die genaue Übertragbarkeit der Ergebnisse auf postmenopausale Frauen ist noch ungeklärt.

Welche Faktoren den Proteinbedarf in den Wechseljahren erhöhen können

Altersbedingte anabole Resistenz

Neben sinkenden Östrogenspiegeln kann auch das Älterwerden die Reaktion der Muskeln auf Protein abschwächen. Ältere Menschen benötigen unter Umständen mehr Protein pro Mahlzeit, um eine ähnlich starke Muskelaufbaureaktion wie jüngere Menschen auszulösen. Treffen altersbedingte anabole Resistenz und hormonelle Veränderungen zusammen, kann die zum Muskelerhalt erforderliche Proteinmenge steigen.

Anabole Resistenz und Sarkopenie bezeichnen dabei unterschiedliche Dinge. Sarkopenie ist ein Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse beziehungsweise Muskelqualität. Die abgeschwächte Reaktion auf muskelaufbauende Reize ist ein möglicher daran beteiligter Mechanismus.

Chronische Entzündungen

Chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse können während der Wechseljahre zunehmen und den Proteinstoffwechsel beeinflussen. Entzündungsbotenstoffe, sogenannte Zytokine, können den Abbau von Muskelprotein fördern und Signale für den Muskelaufbau beeinträchtigen.

Daraus ergibt sich die Überlegung, dass Frauen mit erhöhtem hs-CRP oder anderen Hinweisen auf systemische Entzündungen von einer Proteinzufuhr am oberen Ende des genannten Bereichs profitieren könnten. hs-CRP steht für hochsensitiv gemessenes C-reaktives Protein und ist ein Entzündungsmarker. Ein erhöhter Wert allein erlaubt jedoch keine Aussage über den konkreten Proteinbedarf; eine entsprechende Empfehlung braucht eine klinische Einordnung.

Abnehmende Insulinempfindlichkeit

Rund um die Menopause kann die Empfindlichkeit gegenüber Insulin abnehmen. Das kann auch beeinflussen, wie der Körper Aminosäuren für den Muskelstoffwechsel nutzt. Insulin ist unter anderem an der Regulation der Aminosäureaufnahme in Muskelzellen und des Proteinumsatzes beteiligt.

Eine vereinfachte Erklärung lautet, dass bei geringerer Insulinempfindlichkeit ein stärkerer Proteinreiz erforderlich sein könnte, um dieselbe muskelaufbauende Wirkung zu erzielen. Daraus wird ein möglicher Vorteil höherer Proteinmengen für Frauen mit metabolischem Syndrom oder Prädiabetes abgeleitet. Prädiabetes bezeichnet eine Vorstufe von Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten. Diese Überlegung begründet keine pauschale Ernährungsempfehlung für alle Betroffenen.

Qualität der Proteinquellen

Proteinquellen unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte liefern alle neun essenziellen Aminosäuren. Das sind jene Aminosäuren, die der Körper nicht selbst in ausreichender Menge herstellen kann. Ihre Mengenverhältnisse in diesen Lebensmitteln sind für den menschlichen Proteinbedarf günstig.

Pflanzliche Proteinquellen enthalten je nach Lebensmittel geringere Anteile einzelner essenzieller Aminosäuren. Soja und Quinoa werden dabei als Ausnahmen genannt. Diese Einteilung ist allerdings vereinfacht: Entscheidend sind die konkrete Proteinquelle, ihre Verdaulichkeit und die Kombination verschiedener Lebensmittel. Besondere Bedeutung hat Leucin, das ein wichtiges Signal für die Muskelproteinbildung liefert. Bei überwiegend pflanzlicher Ernährung kann eine etwas höhere Gesamtproteinzufuhr sinnvoll sein, um eine vergleichbare Versorgung und Muskelaufbaureaktion zu erreichen.

Warum der individuelle Proteinbedarf unterschiedlich ist

Zwei Frauen gleichen Alters und Gewichts können einen deutlich unterschiedlichen Proteinbedarf haben. Das hängt unter anderem von der Körperzusammensetzung, dem Aktivitätsniveau und der Stoffwechselgesundheit ab. Wer mehr fettfreie Masse besitzt, benötigt mehr Protein, um dieses Gewebe zu erhalten. Vier Krafttrainingseinheiten pro Woche stellen andere Anforderungen als tägliche Spaziergänge. Auch Insulinresistenz oder erhöhte Entzündungswerte können den Muskelstoffwechsel beeinflussen. Ob daraus ein höherer Bedarf entsteht, muss individuell beurteilt werden.

Genetische Unterschiede können ebenfalls eine Rolle spielen. Varianten in Genen, die an Muskelproteinbildung, Aminosäurestoffwechsel und der Empfindlichkeit von Hormonrezeptoren beteiligt sind, können beeinflussen, wie effizient Nahrungsprotein genutzt wird. Die genetischen Voraussetzungen lassen sich nicht ändern, die Ernährung jedoch an die beobachtete Entwicklung anpassen.

Bei weiterem Muskelverlust oder unzureichender Sättigung trotz vermeintlich ausreichender Zufuhr wird versuchsweise eine Erhöhung um 10 bis 20 Gramm mehr Protein täglich vorgeschlagen. Die Reaktion darauf kann Hinweise für eine Ernährungsanpassung liefern. Über die genetische Effizienz der Proteinverwertung sagt sie jedoch nichts aus.

Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen

Wie gut der Körper Protein nutzen kann, hängt auch von der Verdauungsgesundheit ab. Zu wenig Magensäure, eine eingeschränkte Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse oder eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms können die Proteinverdauung und die Aufnahme von Aminosäuren beeinträchtigen.

Eine höhere Proteinzufuhr wird als mögliche Kompensation einer verminderten Bioverfügbarkeit genannt, Verdauungsenzyme als mögliche Unterstützung der Proteinspaltung. Ob solche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Insbesondere eine Enzymbehandlung sollte sich nach einer entsprechenden Diagnose richten; Verdauungsbeschwerden allein rechtfertigen sie nicht.

Hormonelle Faktoren jenseits von Östrogen

Auch Schilddrüsenfunktion, Cortisol und Wachstumshormon beeinflussen den Proteinstoffwechsel. Eine Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt den Proteinumsatz. Chronischer Stress und erhöhte Cortisolspiegel können den Muskelabbau fördern.

Ob Frauen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen oder chronischem Stress deshalb mehr Protein zum Muskelerhalt benötigen, ist eine daraus abgeleitete Vermutung. Zur Beurteilung möglicher hormoneller Einflüsse werden TSH, Cortisol und IGF-1 genannt. TSH ist ein Steuerhormon der Schilddrüse; IGF-1 vermittelt einen Teil der Wirkungen des Wachstumshormons. Diese Laborwerte messen den Proteinbedarf jedoch nicht direkt. Ob ihre Bestimmung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden und der medizinischen Fragestellung ab.

Kalorienzufuhr und Energiebilanz

Bei eingeschränkter Energiezufuhr kann der Proteinbedarf steigen, weil der Körper eher Muskelprotein zur Energiegewinnung abbaut. Je größer das Kaloriendefizit, desto wichtiger wird eine ausreichende Proteinzufuhr zum Schutz der fettfreien Masse.

Wer ungefähr so viel Energie aufnimmt wie verbraucht oder sich in einem Kalorienüberschuss befindet, kann den Bedarf häufig am unteren Ende des genannten Bereichs decken. Bei einem ausgeprägten Defizit werden Werte näher an 1,6 Gramm pro Kilogramm oder darüber genannt. Daraus lässt sich keine unbegrenzte Steigerung ableiten. Ein starkes Defizit und die dazu passende Ernährung sollten individuell beurteilt werden.

Proteinziele in dauerhafte Gewohnheiten übersetzen

Ein errechneter Zielwert wird im Alltag erst dann hilfreich, wenn sich einschätzen lässt, wie viel Protein die üblichen Mahlzeiten liefern. Ein Ernährungstagebuch oder eine App über eine Woche kann zeigen, wie viel tatsächlich aufgenommen wird und ob das Ziel erreicht wird. Danach lässt sich gezielter überlegen, welche Mahlzeiten angepasst werden könnten und welche Proteinquellen zu den eigenen Vorlieben und zum Alltag passen.

Hilfreich ist es, jede Mahlzeit um eine Proteinquelle herum zu planen. Ein Ausgangspunkt sind 25 bis 30 Gramm Protein, ergänzt durch Gemüse, geeignete Fettquellen und Kohlenhydrate nach Bedarf. Zur groben Orientierung dienen folgende Portionsbeispiele:

  • Eine handtellergroße Portion Hähnchen, Fisch oder Tofu liefert ungefähr 25 Gramm Protein.
  • Drei Eier liefern etwa 18 Gramm Protein.
  • Eine Tasse griechischer Joghurt liefert ungefähr 20 Gramm Protein.

Diese Angaben hängen erheblich von Portionsgröße, Produkt und Zubereitung ab, insbesondere bei Tofu und Joghurt. Wer die üblichen Portionsmengen kennt, kann Mahlzeiten leichter planen und muss weniger rechnen.

Der Zeitpunkt der Proteinzufuhr spielt für die Muskelproteinbildung eine Rolle, muss aber nicht starr geplant werden. Sinnvoll ist Protein zu jeder Mahlzeit, statt fast die gesamte Tagesmenge erst zum Abendessen aufzunehmen. Nach einem morgendlichen Training kann eine proteinreiche Mahlzeit innerhalb der folgenden Stunden die Erholung unterstützen. Bei Training am Abend sollten Abendessen und gegebenenfalls ein anschließender Snack ausreichend Protein für die nächtlichen Erholungsprozesse liefern.

Wenn die Ernährung den Bedarf nicht deckt, können Proteinpräparate Lücken schließen. Molkenprotein, auch Whey genannt, enthält viel Leucin und wird rasch aufgenommen. Dadurch eignet es sich gut, die Muskelproteinbildung anzuregen. Pflanzliche Proteinpulver können ebenfalls beitragen. Je nach Zusammensetzung kann eine etwas größere Portion erforderlich sein, um eine vergleichbare Aminosäureversorgung zu erreichen. Kollagenpeptide werden als Unterstützung für Bindegewebe und Knochen beschrieben. Sie besitzen jedoch kein vollständiges Profil essenzieller Aminosäuren und sollten andere Proteinquellen nicht vollständig ersetzen.

Verlaufsmessungen können helfen, die Entwicklung der Körperzusammensetzung und des Stoffwechsels zu beurteilen. Die fettfreie Masse lässt sich beispielsweise mit DEXA, einer Röntgenmessung der Körperzusammensetzung, oder mit bioelektrischer Impedanzanalyse abschätzen. Bei ausreichender Ernährung und geeignetem Training ist ihr Erhalt oder eine Zunahme ein mögliches Ziel, aber kein garantiertes Ergebnis.

HbA1c, ein Maß für die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der vergangenen Wochen, und Nüchterninsulin können Informationen zur Glukoseregulation liefern. Veränderungen beweisen allerdings nicht, dass die Proteinzufuhr ihre Ursache ist.

Ferritin und Albumin können für sich allein keine ausreichende Proteinzufuhr bestätigen. Ferritin dient vor allem der Beurteilung der Eisenspeicher und wird auch durch Entzündungen beeinflusst. Albumin hängt von verschiedenen Erkrankungen und physiologischen Faktoren ab.

Häufig gestellte Fragen

Wie lässt sich der tägliche Proteinbedarf in den Wechseljahren berechnen?

Als Orientierung wird das Körpergewicht in Kilogramm mit 1,0 bis 1,2 multipliziert, wenn es um den Erhalt geht. Für Gewichtsabnahme oder regelmäßiges Krafttraining wird hier ein Bereich von 1,4 bis 1,6 angesetzt. Bei 70 Kilogramm ergibt das zunächst 70 bis 84 Gramm täglich beziehungsweise bis zu 112 Gramm während einer gezielten Gewichtsabnahme. Ein Gewicht in englischen Pfund wird durch 2,2 geteilt, um den Wert in Kilogramm zu erhalten.

Für Krafttraining gibt es innerhalb dieser Angaben unterschiedliche Bereiche: Im Haupttext stehen 1,2 bis 1,4 Gramm pro Kilogramm, hier 1,4 bis 1,6 Gramm. Sie sind deshalb als Orientierung mit individuellem Anpassungsbedarf zu verstehen.

Warum können Frauen in den Wechseljahren mehr Protein benötigen als jüngere Frauen?

Hormonelle Veränderungen und das Älterwerden können die Muskelaufbaureaktion auf eine Proteinmahlzeit abschwächen. Bei dieser anabolen Resistenz ist unter Umständen ein stärkerer Proteinreiz erforderlich, um Muskelmasse zu erhalten. Altersbedingter Muskelverlust und Entzündungsprozesse können zusätzlich eine Rolle spielen.

Eine höhere Zufuhr kann daher den Erhalt der fettfreien Masse und des damit verbundenen Energieverbrauchs unterstützen. Der Bedarf steigt jedoch nicht bei jeder Frau im gleichen Ausmaß.

Kann mehr Protein gegen eine Gewichtszunahme in den Wechseljahren helfen?

Ja, eine höhere Proteinzufuhr kann das Gewichtsmanagement unterstützen. Protein fördert die Sättigung, benötigt bei seiner Verarbeitung vergleichsweise viel Energie und kann während einer Gewichtsabnahme zum Muskelerhalt beitragen.

Während einer Kalorienrestriktion wird ein Bereich von 1,4 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm genannt. Damit wird gegenüber einer geringeren Proteinzufuhr ein möglicher Vorteil bei Fettverlust und Muskelerhalt verbunden. Ob er sich zeigt, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab; ein bestimmtes Ergebnis ist für keine Frau garantiert. Die gesamte Energiebilanz und das Training bleiben entscheidend.

Sollte die Proteinzufuhr über den Tag verteilt werden?

Ja, eine Verteilung auf mehrere Mahlzeiten kann sinnvoll sein. Als Orientierung werden 25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit bei drei bis vier Mahlzeiten täglich empfohlen, um die Muskelproteinbildung wiederholt anzuregen. Die tatsächlichen Portionen sollten zum errechneten Tagesziel passen.

Es gibt jedoch keine für alle Menschen geltende Portionsgrenze, ab der Protein keinen Nutzen mehr hat. Körpergröße, Alter, Proteinquelle und Trainingssituation beeinflussen die Reaktion. Auch lässt sich nicht pauschal sagen, dass die gesamte Tagesmenge in nur ein oder zwei Mahlzeiten keinen zusätzlichen Nutzen bringt oder für den Muskelerhalt ungünstiger ist.

Welche Proteinquellen eignen sich für Frauen in den Wechseljahren?

Hähnchen, Fisch, Eier und griechischer Joghurt liefern alle essenziellen Aminosäuren und können zur Leucinversorgung beitragen. Leucin ist ein wichtiger Auslöser der Muskelproteinbildung.

Auch Tofu, Tempeh und Hülsenfrüchte können den Bedarf decken. Bei überwiegend pflanzlicher Ernährung können eine abwechslungsreiche Auswahl und gegebenenfalls eine etwas höhere Gesamtmenge helfen, eine vergleichbare Aminosäureversorgung und Muskelaufbaureaktion zu erreichen.

Sind Proteinpräparate in den Wechseljahren notwendig?

Nein. Wenn sich das Proteinziel über Lebensmittel erreichen lässt, sind Präparate nicht erforderlich. Sie können jedoch praktisch sein, wenn die tägliche Zufuhr sonst zu niedrig bleibt.

Molkenprotein eignet sich aufgrund seines Leucingehalts und seiner raschen Aufnahme gut zur Unterstützung der Muskelproteinbildung. Pflanzliche Proteinpulver können ebenfalls eingesetzt werden. Abhängig vom Aminosäureprofil kann dafür eine etwas größere Portion sinnvoll sein.

Wie beeinflusst die Proteinzufuhr die Knochengesundheit in den Wechseljahren?

Knochen besitzen ein Proteingerüst, das überwiegend aus Kollagen besteht. Für dessen Erhalt werden Aminosäuren aus der Nahrung benötigt. Beschrieben wird ein Zusammenhang zwischen höherer Proteinzufuhr und höherer Knochenmineraldichte nach der Menopause, besonders bei ausreichender Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung.

Protein trägt damit zur Versorgung der Knochenstruktur bei. Ob es beim Rückgang des Östrogenspiegels auch das Frakturrisiko senkt, lässt sich aus den angeführten Angaben nicht ausreichend belegen.

Kann zu viel Protein in den Wechseljahren schädlich sein?

Für gesunde Frauen mit normaler Nierenfunktion werden Mengen von bis zu 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich als im Allgemeinen sicher und gut verträglich beschrieben. Diese Einordnung ist jedoch keine individuelle Sicherheitsgarantie. Die konkrete Obergrenze und die Dauer einer solchen Ernährung sind hier nicht durch einen gesonderten Beleg abgesichert.

Auch die Aussage, eine hohe Proteinzufuhr verursache bei Menschen ohne vorbestehende Nierenerkrankung keine durch die Evidenz gestützten Nierenschäden, ist in dieser pauschalen Form nicht ausreichend belegt. Eine unabhängige klinische Prüfung steht aus. Bei bekannten Nierenproblemen sollte eine deutliche Erhöhung der Proteinzufuhr zuvor ärztlich besprochen werden.

Redaktionelle Prüfhinweise

Eine unabhängige klinische Prüfung dieser Adaption steht aus. Folgende Unstimmigkeiten und nicht ausreichend belegte Verallgemeinerungen der Vorlage sind noch zu klären:

  • Bedarfswerte und PROT-AGE: Zu prüfen ist, ob das angeführte Positionspapier sämtliche genannten Bereiche einschließlich 1,4 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm speziell für Gewichtsabnahme oder Muskelaufbau stützt. Empfehlungen für ältere Menschen gelten nicht automatisch für alle Frauen in den Wechseljahren. Die Aussage, 0,8 Gramm pro Kilogramm seien ausschließlich für jüngere Erwachsene festgelegt worden, ist ebenfalls zu pauschal.
  • Studienpopulationen: Die Titel der Arbeiten von Kim und Groenendijk beziehen sich auf ältere Erwachsene, während die Vorlage die Ergebnisse ausdrücklich postmenopausalen Frauen zuschreibt. Bei Ogilvie sind die Beschränkung auf Frauen und die Aussage einer identischen Kalorienzufuhr anhand der bereitgestellten Angaben nicht gesichert.
  • Begriffe und Mechanismen: Sarkopenie und anabole Resistenz sind keine Synonyme. Auch die Einordnung des Östrogenrückgangs als hauptsächliche Ursache sowie die Ableitung konkreter Proteinmengen aus Insulinresistenz, Entzündungswerten oder anderen Hormonwerten benötigen eine differenzierte Prüfung.
  • Portionen und Ernährungstagebuch: Eine handtellergroße Portion Hähnchen, Fisch und Tofu liefert nicht verlässlich dieselbe Proteinmenge. Für die Behauptung, die meisten Frauen unterschätzten ihre Zufuhr um 20 bis 30 Gramm täglich, fehlt ein Beleg. Zudem würde eine Unterschätzung der tatsächlichen Aufnahme nicht bedeuten, dass weniger Protein gegessen wird als angenommen.
  • Verteilung und Knochen: Die Behauptung eines allgemeingültigen Maximums der Muskelproteinbildung bei 25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit ist zu absolut. Aus einem Zusammenhang mit der Knochenmineraldichte lässt sich außerdem nicht unmittelbar eine Verringerung des Frakturrisikos ableiten.
  • Verdauungsenzyme und Laborwerte: Der in der Vorlage enthaltene Link zu Verdauungsenzymen führte zu einem Produktangebot und wurde als Werbung entfernt; er war kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsbeleg. Ferritin und Albumin sind keine eigenständigen Nachweise einer ausreichenden Proteinzufuhr. Eine pauschale Bestimmung von TSH, Cortisol oder IGF-1 zur Berechnung des Proteinbedarfs ist durch die angeführten Quellen nicht belegt.
  • Sicherheitsaussagen: Die Einordnung von bis zu 2,0 Gramm pro Kilogramm täglich als allgemein sicher sowie die Aussage zur fehlenden Nierenschädigung benötigen eine Prüfung unter Berücksichtigung von Gesundheitszustand, Menge und Dauer der Zufuhr.

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