Monozyten-HDL-Verhältnis (MHR): Was sagt der Wert aus?
Klinische Prüfung ausstehend
Was lässt sich aus dem Verhältnis von Monozyten zu HDL-Cholesterin über Entzündungen und Herz-Kreislauf-Risiken ablesen? Das Monozyten-HDL-Verhältnis, kurz MHR, verbindet zwei Blutwerte: die Zahl bestimmter Immunzellen und die Konzentration von HDL-Cholesterin. Höhere Werte stehen in Studien häufig mit ungünstigeren kardiometabolischen Befunden in Zusammenhang. Einen allgemeingültigen Normalbereich gibt es jedoch nicht. Für die Einordnung zählen die verwendeten Einheiten, die beiden Einzelwerte und der gesundheitliche Zusammenhang.
Kann das Verhältnis von Monozyten zu HDL-Cholesterin Hinweise auf Entzündungen und Herz-Kreislauf-Risiken geben? Das Monozyten-HDL-Verhältnis, kurz MHR, kombiniert die Zahl bestimmter Immunzellen mit der Konzentration von HDL-Cholesterin im Blut. Höhere Werte gehen in Studien häufig mit ungünstigeren Befunden für Herz, Gefäße und Stoffwechsel einher. Einen allgemeingültigen Normalbereich gibt es jedoch nicht. Um den Wert einzuordnen, braucht es die verwendeten Einheiten, die beiden Einzelwerte und den gesundheitlichen Zusammenhang.
Was Monozyten und HDL über unterschiedliche Vorgänge im Körper aussagen
Monozyten sind weiße Blutkörperchen, die an Entzündungen und der Reparatur von Gewebe beteiligt sind. Das MHR setzt ihre Zahl ins Verhältnis zu HDL-Cholesterin. HDL-Partikel helfen, Cholesterin abzutransportieren, und können entzündliche Signalwege dämpfen. Ein höheres MHR kann darauf hindeuten, dass die entzündliche Aktivität im Verhältnis zu diesen Schutzfunktionen stärker ausgeprägt ist. Ein niedrigeres MHR kann zu einem günstigeren Verhältnis passen. Allerdings lässt sich an der HDL-Cholesterinkonzentration nicht unmittelbar ablesen, wie gut die HDL-Partikel ihre Aufgaben erfüllen.
Für die Berechnung sind zwei Untersuchungen nötig: Ein Differenzialblutbild liefert die Monozytenzahl, ein Lipidprofil die Konzentration von HDL-Cholesterin, abgekürzt HDL-C. Das Lipidprofil umfasst verschiedene Blutfettwerte.
Warum Monozyten und HDL gemeinsam betrachtet werden
Monozyten zirkulieren im Blut und reagieren auf Gewebeschäden, Infektionen oder Cholesterinablagerungen in Gefäßwänden. Auf entsprechende Signale hin wandern sie ins Gewebe und entwickeln sich zu Makrophagen. Diese Fresszellen nehmen Zellreste und andere Materialien auf und setzen entzündliche Botenstoffe frei. HDL kann dem entgegenwirken, indem es Cholesterin aus Makrophagen abtransportiert und die Entzündungsreaktion dämpft.
Bei chronischen Entzündungen können die Monozytenzahl steigen und der HDL-Wert sinken. Das kann etwa bei einer beeinträchtigten Stoffwechselgesundheit, oxidativem Stress oder belastenden Lebensgewohnheiten vorkommen. Oxidativer Stress bezeichnet eine Belastung durch reaktive Moleküle, die körpereigene Schutzmechanismen nicht ausreichend ausgleichen können. Die Monozytenzahl allein sagt nichts über HDL-vermittelte Funktionen aus; HDL-C wiederum gibt wenig Aufschluss darüber, wie stark Immunzellen aktiviert sind. Das MHR fasst beide Größen zusammen. In der Forschung wird es deshalb als gemeinsamer Kennwert für Fettstoffwechsel und Immunaktivierung untersucht, insbesondere bei Herz-Kreislauf-, Hormon- und Autoimmunerkrankungen.
Wie das MHR aus Blutbild und Lipidprofil berechnet wird
Die Formel lautet:
MHR = absolute Monozytenzahl (Zellen/µL oder ×10³/µL) ÷ HDL-Cholesterin (mg/dL)
Die meisten Labore berechnen das MHR nicht automatisch. Es lässt sich anhand der Werte aus dem Differenzialblutbild und dem Lipidprofil ermitteln. Bei Verlaufskontrollen müssen die Einheiten gleich bleiben: Eine Monozytenzahl in Zellen/µL ergibt einen anders skalierten MHR-Wert als eine Angabe in ×10³/µL. Solche Ergebnisse dürfen nicht unmittelbar miteinander verglichen werden. Ein standardisiertes MHR-Verfahren mit einheitlicher Auswertung fehlt. Das schränkt auch Vergleiche zwischen Laboren ein.
Für die Blutentnahme gelten unterschiedliche Voraussetzungen. Die Monozytenzahl lässt sich auch bestimmen, wenn zuvor etwas gegessen wurde. Für die hier beschriebene Verlaufskontrolle stammt der HDL-Wert dagegen aus einem nüchtern abgenommenen Lipidprofil. Möglichst beide Werte beim selben Termin unter nüchternen Bedingungen zu erheben, sorgt für eine gemeinsame Untersuchungssituation. Eine allgemeine Pflicht zur Nüchternabnahme bei jeder HDL-Bestimmung lässt sich daraus nicht ableiten.
Rechenbeispiele
- Beispiel A: Monozytenzahl 0,5 ×10³/µL, HDL 45 mg/dL. MHR = 0,5 ÷ 45 = 0,011.
- Beispiel B: Monozytenzahl 0,8 ×10³/µL, HDL 35 mg/dL. MHR = 0,8 ÷ 35 = 0,023.
In Beispiel B ist die Monozytenzahl höher und HDL-C niedriger. Beide Veränderungen lassen das Verhältnis steigen. Dieses Muster kann zu einer stärkeren entzündlichen Belastung passen, reicht aber allein nicht aus, um sie nachzuweisen. Die Beispiele zeigen die Richtung der Veränderung; allgemeingültige, standardisierte Grenzwerte gibt es nicht. Bei Grenzwerten aus einzelnen MHR-Studien kommt es darauf an, welche Einheiten verwendet wurden und welche Personengruppe untersucht wurde. Diese Angaben müssen aus der jeweiligen Originalpublikation hervorgehen.
Wie sich hohe und niedrige MHR-Werte einordnen lassen
Das MHR ist ein berechnetes Verhältnis ohne allgemeingültigen Referenzbereich. Seine Aussage hängt von den Laboreinheiten und den Forschungsdaten zur jeweiligen Bevölkerungsgruppe ab. In vielen Studien gehen niedrigere Werte mit günstigeren Gefäß- und Stoffwechselprofilen einher. Höhere Werte werden im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Atherosklerose, metabolischem Syndrom und nichtalkoholischer Fettlebererkrankung beobachtet. Atherosklerose bezeichnet Ablagerungen und Veränderungen in den Arterienwänden. Beim metabolischen Syndrom treten mehrere ungünstige Stoffwechsel- und Kreislaufbefunde gemeinsam auf. Die beobachteten Zusammenhänge zeigen für sich genommen nicht, was Ursache und was Folge ist.
Das MHR kann sich im Laufe der Zeit verändern. Bei der Beurteilung helfen die folgenden Unterschiede:
- Ein erhöhtes MHR entsteht meist durch mehr Monozyten, weniger HDL-Cholesterin oder beides. Es kann auf eine systemische, also den gesamten Körper betreffende Entzündung oder einen gestörten Fettstoffwechsel hindeuten. Ein solches Muster kann beim metabolischen Syndrom, bei chronischen Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder akutem Stress auftreten. In der Herz-Kreislauf-Forschung wurden bei höherem MHR auch instabilere Gefäßablagerungen und eine beeinträchtigte Funktion der Gefäßinnenwand beobachtet. Letztere wird als endotheliale Dysfunktion bezeichnet. Wiederholt erhöhte Werte sind aussagekräftiger als ein einzelner hoher Befund.
- Ein niedriges MHR kann zu einer ausgeglichenen Immunaktivität und günstigen HDL-vermittelten Funktionen passen. Es fällt aber auch dann niedrig aus, wenn ungewöhnlich wenige Monozyten vorhanden sind, unabhängig vom HDL-Wert. Das kann unter bestimmten Medikamenten, bei Virusinfektionen oder bei unterdrückter Blutbildung im Knochenmark vorkommen. Deshalb müssen die absolute Monozytenzahl und HDL-C auch einzeln beurteilt werden. Wenige Monozyten sind nicht automatisch ein Zeichen guter Stoffwechselgesundheit.
Welche Mechanismen das MHR steigen lassen können
Aktivierung von Monozyten und oxidativer Stress
Bei Adipositas, Insulinresistenz und Rauchen werden erhöhte Monozytenzahlen im Blut beobachtet. Insulinresistenz bedeutet, dass Körperzellen vermindert auf Insulin reagieren. Als ein beteiligter Mechanismus gilt eine verstärkte Signalübertragung über NF-κB. Dieser Signalweg steuert die Aktivität von Genen und fördert die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe, der sogenannten Zytokine. Er trägt außerdem dazu bei, dass Monozyten aus dem Knochenmark freigesetzt werden.
Oxidativer Stress kann diesen Prozess verstärken. Dabei entstehen oxidierte LDL-Partikel, also chemisch veränderte Partikel, die Cholesterin transportieren. Sie können Monozyten aktivieren und deren anschließende Entwicklung zu Makrophagen in der Gefäßwand fördern. Hält diese Aktivierung an, kann das MHR steigen. Welcher Mechanismus im Einzelfall beteiligt ist, lässt sich am Verhältnis allein nicht erkennen.
Bildung und Umbau von HDL
Apolipoprotein A-I, kurz apoA-I, ist ein struktureller Hauptbestandteil von HDL-Partikeln. Bildet der Körper weniger davon, kann HDL-C sinken. Dieses Muster wird mit Bewegungsmangel, einem hohen Verzehr raffinierter Kohlenhydrate und anhaltenden niedriggradigen Entzündungen in Verbindung gebracht. Mit niedriggradig sind schwach ausgeprägte Entzündungsprozesse gemeint. Sinkt durch die geringere apoA-I-Produktion auch HDL-C, wird der Nenner des MHR kleiner.
Eine erhöhte Triglyzeridkonzentration im Blut, die sogenannte Hypertriglyzeridämie, fördert außerdem den Umbau von HDL. Dabei entstehen kleinere, dichtere Partikel, die schneller aus dem Kreislauf entfernt werden. So kann HDL-C weiter sinken und das MHR steigen, selbst wenn die Monozytenzahl gleich bleibt.
Wie Cortisol und Katecholamine beide Werte beeinflussen können
Chronischer psychischer Stress und gestörter Schlaf können dazu führen, dass der Körper mehr Cortisol und Katecholamine ausschüttet. Diese Stresshormone können sowohl die Monozytenzahl als auch HDL beeinflussen. Als mögliche Mechanismen werden beschrieben, dass Monozyten aus Zellbeständen am Rand der Blutgefäße in den zirkulierenden Blutstrom gelangen und dass Cortisol die Aktivität des apoA-I-Gens verringert. Eine geringere Genaktivität könnte die HDL-Bildung vermindern.
Diese doppelte Wirkung könnte erklären, warum das MHR bei Stress auch ohne offensichtliche Stoffwechselerkrankung steigen kann. Steigt die Monozytenzahl, während HDL-C sinkt, verändert sich das Verhältnis stärker, als es der Blick auf einen Einzelwert vermuten lässt. Die zugrunde liegenden hormonellen Vorgänge kann das MHR jedoch nicht direkt nachweisen.
Stoffwechselerkrankungen, bei denen das MHR erhöht bleiben kann
Bei Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung, kurz NAFLD, werden anhaltend erhöhte MHR-Werte beobachtet. Eine mögliche Erklärung ist, dass chronische niedriggradige Entzündungen fortlaufend Monozyten mobilisieren.
Bei Diabetes können fortgeschrittene Glykierungsendprodukte, also durch Zucker veränderte Moleküle, die Aktivierung von Monozyten aufrechterhalten. Dazu kann auch oxidativer Stress beitragen, den hohe Blutzuckerwerte auslösen. Bei NAFLD ruft die Fettansammlung in der Leber Reaktionen von Kupffer-Zellen und zirkulierenden Monozyten hervor. Kupffer-Zellen sind die in der Leber ansässigen Makrophagen. Diese Reaktionen können dazu beitragen, dass die Monozytenzahl als Zähler des MHR erhöht bleibt. Solange der Entzündungsreiz fortbesteht, bleibt das Verhältnis bei diesen Erkrankungen häufig hoch.
Welche weiteren Laborwerte das MHR ergänzen
- Das Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis (NLR) setzt zwei weitere Gruppen weißer Blutkörperchen ins Verhältnis. Zusammen können NLR und MHR Hinweise auf unterschiedliche Entzündungsprozesse geben: Neutrophile sind häufig an akuten Reaktionen beteiligt, Monozyten auch an chronischen Prozessen. Sind beide Verhältnisse erhöht, kann das den Hinweis auf eine systemische Entzündung verstärken. Akute und chronische Entzündungen lassen sich damit aber nicht eindeutig voneinander trennen.
- HDL-Cholesterin ist der Nenner des MHR. Zusammen mit der Monozytenzahl zeigt der Einzelwert, ob ein hohes Verhältnis vor allem auf niedriges HDL-C oder erhöhte Monozyten zurückgeht. Je nachdem ergeben sich andere Fragen für die klinische Einordnung.
- Monozyten bilden den Zähler. An ihrer absoluten Zahl lässt sich unter Berücksichtigung möglicher Messschwankungen beurteilen, ob tatsächlich eine Erhöhung vorliegt. Diese wird als Monozytose bezeichnet. Der Einzelwert hilft außerdem zu erkennen, ob ein gestiegenes MHR überwiegend auf die Monozyten oder auf den HDL-Wert zurückgeht.
- Hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP) ergänzt die Beurteilung. CRP ist ein in der Leber gebildetes Akutphaseprotein, dessen Konzentration bei Entzündungsreaktionen steigen kann; die hochsensitive Messung erfasst auch niedrige Konzentrationen. Ein hohes MHR zusammen mit erhöhtem hs-CRP kann den Hinweis auf eine systemische Entzündung verstärken. Allein beweist diese Kombination keine Entzündung der Gefäße.
- Apolipoprotein B (ApoB) gibt ergänzend Auskunft über die Belastung durch atherogene Partikel. Damit sind Partikel gemeint, die Gefäßablagerungen begünstigen. Erhöhtes ApoB bei zugleich hohem MHR kann darauf hindeuten, dass sowohl eine ungünstige Partikelzahl als auch entzündliche beziehungsweise immunologische Risikosignale vorliegen.
Wann eine MHR-Kontrolle Veränderungen des HDL erfassen kann
HDL verändert sich langsamer als die Monozytenzahl. Damit Veränderungen von HDL-C durch regelmäßiges Ausdauertraining oder eine auf den Fettstoffwechsel gerichtete Therapie zuverlässig erkennbar werden, wird häufig ein Zeitraum von 8 bis 12 Wochen angesetzt. Die Monozytenzahl kann schon innerhalb von Tagen bis Wochen reagieren. Einzelmessungen werden allerdings leichter durch vorübergehende Umstände beeinflusst, etwa eine kürzlich durchgemachte Infektion oder akuten Stress.
Als frühestes Zeitfenster für eine Kontrolle nach einer anhaltenden Änderung des Lebensstils oder der Therapie werden deshalb 8 bis 12 Wochen genannt. Ein allgemein etablierter Standard für MHR-Kontrollen ist das nicht. Ob eine erneute Messung sinnvoll ist und wann sie erfolgen sollte, hängt vom klinischen Anlass ab.
Für möglichst vergleichbare Bedingungen bei wiederholten Blutentnahmen sind folgende Punkte relevant:
- HDL jeweils aus einem nüchtern abgenommenen Lipidprofil bestimmen, sofern dieses Vorgehen für die Verlaufskontrolle gewählt wurde.
- Das Blutbild bei den Kontrollen möglichst zur gleichen Tageszeit abnehmen.
- Dasselbe Labor verwenden. Da das MHR nicht einheitlich standardisiert ist, sind Vergleiche zwischen Laboren nur eingeschränkt verlässlich.
- Akute Erkrankungen, neue Medikamente und erhebliche Stressbelastungen seit der letzten Messung dokumentieren. Sie können einen oder beide Werte vorübergehend verändern, ohne den längerfristigen Verlauf widerzuspiegeln.
Wann ein erhöhtes MHR ärztlich besprochen werden sollte
Ein einzelner erhöhter MHR-Wert lässt sich nur im Zusammenhang mit den übrigen Befunden und der aktuellen gesundheitlichen Situation beurteilen. Während einer akuten Erkrankung, bei schlechtem Schlaf oder starker Belastung muss ein hoher Wert keine anhaltende Entzündung anzeigen. Wiederholt erhöhte Werte bei zwei oder mehr Blutentnahmen im Abstand von 8 bis 12 Wochen bieten eine stärkere Grundlage für ein ärztliches Gespräch, insbesondere wenn auch hs-CRP, NLR oder ApoB auffällig sind.
Das MHR lässt sich mit geringem zusätzlichem Aufwand aus routinemäßig erhobenen Laborwerten berechnen und kann Hinweise darauf geben, wie entzündliche Aktivität und Fettstoffwechsel zusammenhängen. Im Verlauf lässt sich beobachten, wie sich Monozytenzahl und HDL-C unter Änderungen des Lebensstils, Medikamenten oder Maßnahmen zum Umgang mit Stress entwickeln: Verändern sie sich günstig oder bewegen sie sich in entgegengesetzte Richtungen? Aus dem Verhältnis allein ergibt sich weder eine Diagnose noch ein gesicherter klinischer Nutzen solcher Verlaufskontrollen.
In manchen Situationen ist das MHR nur eingeschränkt aussagekräftig oder für die jeweilige Fragestellung ungeeignet. Medikamente oder eine unterdrückte Knochenmarkfunktion können die Monozytenzahl senken. Das niedrige Verhältnis spiegelt dann möglicherweise nicht den tatsächlichen Entzündungszustand wider. Auch eine genetisch bedingte Hyperalphalipoproteinämie kann das MHR niedrig ausfallen lassen. Dabei sind die HDL-Werte sehr hoch, ohne dass damit ein entsprechend großer Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein muss. Die Annahme, dass die Schutzwirkung proportional zum HDL-Wert zunimmt, trifft hier nicht zu.
Niedrigere und stabilere MHR-Werte werden häufig bei Menschen beschrieben, die Ernährungsmustern mit geringer entzündlicher Wirkung folgen, sich regelmäßig bewegen und chronische Stressbelastungen bewältigen. Biologisch ließe sich das durch eine geringere Mobilisierung von Monozyten und eine aufrechterhaltene apoA-I-Produktion erklären. Die Beobachtung allein zeigt jedoch nicht, ob diese Gewohnheiten die Unterschiede verursachen. Werden MHR und ergänzende Marker gemeinsam betrachtet, können sich Hinweise auf Veränderungen von Entzündungs- und Reparaturprozessen ergeben, die ein einzelner Biomarker nur teilweise erfasst.
Häufige Fragen
Was ist das Monozyten-HDL-Verhältnis (MHR), und was misst es?
Das MHR ergibt sich, indem die Monozytenzahl aus einem Differenzialblutbild durch die HDL-Cholesterinkonzentration aus einem üblichen Lipidprofil geteilt wird. Es kombiniert zwei biologische Signale: Monozyten sind an der entzündlichen Immunaktivität beteiligt; HDL wirkt an entzündungshemmenden Vorgängen und am Rücktransport von Cholesterin aus Geweben mit.
Ein höheres MHR kann darauf hindeuten, dass die entzündliche Aktivität im Verhältnis zu HDL-vermittelten Funktionen stärker ausgeprägt ist. In Studien geht dieses Muster mit einem erhöhten kardiometabolischen Risiko einher, also mit Risiken für Herz, Gefäße und Stoffwechsel. Wie gut HDL seine Schutzfunktionen erfüllt, lässt sich an der HDL-C-Konzentration allerdings nur indirekt ablesen.
Wie wird das MHR aus Blutwerten berechnet?
Die absolute Monozytenzahl wird durch HDL-Cholesterin in mg/dL geteilt. Benötigt werden dafür ein Blutbild, das die weißen Blutkörperchen nach Zellgruppen unterscheidet, und ein Lipidprofil. Die Monozytenzahl kann in Zellen pro Mikroliter oder in ×10³/µL angegeben sein. Für einen Vergleich müssen die Werte in derselben Einheit vorliegen.
Die meisten Labore berechnen das MHR nicht automatisch. Es kann anhand der Laborbefunde oder im ärztlichen Gespräch errechnet werden.
Der prozentuale Anteil der Monozyten an den weißen Blutkörperchen ist keine absolute Zellzahl. Er darf in dieser Formel nicht unverändert an die Stelle der absoluten Monozytenzahl treten.
Welches MHR gilt als normal oder erhöht?
Für das MHR gibt es keinen allgemein anerkannten Referenzbereich, wie er für einzelne Laborwerte wie Cholesterin oder Glukose existiert. Studien verwenden unterschiedliche Grenzwerte. Höhere MHR-Werte gehen dabei meist mit ungünstigeren Befunden für Herz, Gefäße und Stoffwechsel sowie mit stärkeren Entzündungszeichen einher.
Ohne einheitlichen Standard lässt sich vor allem beurteilen, in welche Richtung sich das Verhältnis im Verlauf verändert. Ein niedrigerer Wert kann günstig sein, sofern er nicht etwa auf ungewöhnlich wenige Monozyten oder sehr hohe HDL-Werte ohne entsprechend große Schutzwirkung zurückgeht. Verlaufsmessungen liefern häufig mehr Kontext als ein einzelner Befund. Für die ärztliche Einordnung zählt das gesamte klinische Bild.
Welche Ursachen hat ein hohes MHR?
Ein hohes MHR kann durch mehr Monozyten, weniger HDL-Cholesterin oder beide Veränderungen gleichzeitig entstehen. Erhöhte Monozytenzahlen können bei chronischen niedriggradigen Entzündungen, Adipositas, metabolischem Syndrom, Rauchen und schlechtem Schlaf auftreten.
HDL-C ist bei Bewegungsmangel, einem hohen Verzehr raffinierter Kohlenhydrate, Rauchen und Insulinresistenz häufig niedriger. Bei Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Entzündungszuständen werden anhaltend erhöhte MHR-Werte beobachtet.
Welche Anzeichen sprechen dafür, dass eine Entzündung hinter einem hohen MHR stehen könnte?
Zusammen mit einem hohen MHR können weitere auffällige Laborwerte vorliegen: erhöhtes hs-CRP, erhöhter Nüchternblutzucker oder erhöhtes Nüchterninsulin, erhöhte Triglyzeride oder niedriges HDL-Cholesterin. Sie geben jeweils unterschiedliche Hinweise auf Entzündungs- und Stoffwechselprozesse.
Bei chronischen niedriggradigen Entzündungen können anhaltende Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, eine erschwerte Erholung nach körperlicher Belastung und unregelmäßiger Schlaf vorkommen. Diese Beschwerden sind unspezifisch und erklären einen erhöhten MHR-Wert nicht eindeutig. Häufig bestehen erhöhte Werte auch ohne offensichtliche Beschwerden. Laborverläufe können solche subklinischen Muster erfassen, also Veränderungen, die noch keine deutlichen Symptome verursachen. Daraus allein lässt sich kein Nutzen regelmäßiger Tests bei beschwerdefreien Menschen ableiten.
Können Bewegung oder Ernährung das MHR senken?
Lebensgewohnheiten können beide Werte beeinflussen. Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining kann HDL-Cholesterin erhöhen und chronische entzündliche Signale verringern. Im Verlauf kann damit auch die Aktivierung von Monozyten abnehmen. Wie stark sich das MHR verändert, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Eine Ernährung mit reichlich ungesättigten Fetten, Ballaststoffen und Polyphenolen geht mit höheren HDL-Werten und einer geringeren entzündlichen Belastung einher, wenn sie zugleich weniger hochverarbeitete Lebensmittel und weniger überschüssige raffinierte Kohlenhydrate enthält. Polyphenole sind bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe. Veränderungen zeigen sich typischerweise über Wochen bis Monate, wenn die neuen Gewohnheiten beibehalten werden. Eine Senkung des MHR lässt sich dadurch nicht garantieren.
Wie unterscheidet sich das MHR von anderen Herz-Kreislauf-Risikomarkern wie CRP?
Die hochsensitive CRP-Messung erfasst ein Entzündungsprotein im Blut, das die Leber als Reaktion auf eine Aktivierung des Immunsystems bildet. Das MHR setzt die Zahl einer Immunzellgruppe ins Verhältnis zu HDL-Cholesterin.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das MHR zusätzliche Informationen zum kardiometabolischen Risiko liefern könnte, die teilweise unabhängig von CRP sind. Die Aktivität der Monozyten und die Funktionen von HDL betreffen andere biologische Vorgänge als die CRP-Bildung. Deshalb können sich die Marker bei der Risikobeurteilung ergänzen. Welchen Zusatznutzen sie jeweils haben, hängt von der untersuchten Personengruppe und der klinischen Frage ab.
Wie häufig sollte das MHR kontrolliert werden?
Das MHR lässt sich berechnen, sobald ein Differenzialblutbild und ein Lipidprofil vorliegen. Beide Untersuchungen können zu einer umfassenden Beurteilung der Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit gehören.
Für die meisten Erwachsenen, die Veränderungen unter einer angepassten Ernährung, mehr Bewegung oder anderen neuen Verhaltensweisen verfolgen möchten, wird ein Abstand von drei bis sechs Monaten vorgeschlagen. Ein allgemein etablierter Kontrollrhythmus speziell für das MHR ist damit nicht belegt. Ob wiederholte Untersuchungen überhaupt sinnvoll sind und in welchen Abständen sie erfolgen sollten, richtet sich nach dem gesundheitlichen Anlass und der ärztlichen Einschätzung.
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