Zum Inhalt springen
EN

Octreotid: Wirkung, Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen

Klinische Prüfung ausstehend

Octreotid wird bei Akromegalie sowie gegen Beschwerden des Karzinoidsyndroms und VIPoms eingesetzt. Wie es wirkt, welche Formen in den USA zugelassen sind und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Octreotid hemmt die Ausschüttung bestimmter Hormone. Es wird bei Akromegalie eingesetzt, lindert Hautrötungen und Durchfall beim Karzinoidsyndrom und behandelt den ausgeprägten Durchfall bei einem VIPom. Ob Injektionen, ein Depotpräparat oder Kapseln infrage kommen, hängt von der Erkrankung und davon ab, wie die bisherige Behandlung gewirkt hat.

Was ist Octreotid?

Octreotid ist unter den Handelsnamen Sandostatin und Sandostatin LAR Depot sowie als Kapsel unter dem Namen Mycapssa erhältlich. Der Wirkstoff besteht aus acht Aminosäuren, die einen Ring bilden; chemisch gehört er damit zu den synthetischen zyklischen Oktapeptiden. Er ahmt das körpereigene Hormon Somatostatin nach, das die Ausschüttung verschiedener Hormone bremst.

Natürliches Somatostatin baut der Körper innerhalb weniger Minuten ab. Octreotid wirkt wesentlich länger und lässt sich deshalb als Arzneimittel einsetzen. Es wurde unter der Bezeichnung SMS 201-995 entwickelt und 1988 in den USA zugelassen.

Wie wirkt Octreotid?

Octreotid bindet an Somatostatinrezeptoren, also Bindungsstellen auf hormonabgebenden Zellen, vor allem an den Rezeptorsubtyp 2. Dadurch hemmt es die Ausschüttung von Wachstumshormon und senkt den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 (IGF-1). Außerdem hemmt es die Freisetzung von Botenstoffen des Verdauungssystems, darunter Serotonin, vasoaktives intestinales Peptid (VIP) und Gastrin. Bei Erkrankungen mit einem Hormonüberschuss kann Octreotid so Beschwerden lindern und die veränderten biochemischen Werte beeinflussen.

Welche Wirkung im Vordergrund steht, hängt von der Erkrankung ab:

Erkrankung Wirkung von Octreotid
Akromegalie Octreotid senkt Wachstumshormon und IGF-1, bessert dadurch die Beschwerden und kann Tumoren der Hirnanhangsdrüse verkleinern.
Karzinoidsyndrom Octreotid verringert Serotonin und verwandte Botenstoffe und lindert dadurch anfallsartige Hautrötungen (Flush) und Durchfall.
VIPom Octreotid verringert den schweren sekretorischen Durchfall. Bei dieser Form des Durchfalls gelangt vermehrt Flüssigkeit in den Darm.

Somatostatinanaloga, zu denen Octreotid gehört, können außerdem das Wachstum einiger neuroendokriner Tumoren hemmen. In der PROMID-Studie verlängerte die lang wirksame Depotform bei metastasierten neuroendokrinen Tumoren des Mitteldarms die mediane Zeit bis zum Fortschreiten des Tumors auf 14,3 Monate, verglichen mit 6,0 Monaten unter Placebo. „Median“ bedeutet hier: Bis zu diesem Zeitpunkt war der Tumor bei der Hälfte der jeweiligen Gruppe fortgeschritten. 1

Depotpräparate und Kapseln ermöglichen in ihren jeweiligen Anwendungsgebieten eine gleichmäßige Kontrolle der Erkrankung, ohne dass mehrmals täglich Injektionen nötig sind. Die Kapseln dienen der Erhaltungstherapie bei Akromegalie: Sie kommen infrage, wenn die Behandlung mit injizierbaren Somatostatinanaloga zuvor gewirkt hat und vertragen wurde. Das PROMID-Ergebnis belegt keine entsprechende Wirkung von Kapseln auf das Tumorwachstum.

Ist Octreotid von der FDA zugelassen?

Ja. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ließ Octreotid 1988 als kurz wirksame Sandostatin-Injektion zu. Etwa ein Jahrzehnt später folgte Sandostatin LAR Depot, das monatlich verabreicht wird. Die Mycapssa-Kapsel erhielt 2020 die Zulassung zur Erhaltungstherapie bei Akromegalie. Diese Angaben beziehen sich auf die USA. 2

Wofür wird Octreotid verschrieben?

Octreotid wird zur Behandlung der Akromegalie verschrieben. Beim Karzinoidsyndrom soll es Hautrötungen und Durchfall lindern, bei einem VIPom den sehr starken Durchfall.

Die Kapseln sind für die langfristige Erhaltungstherapie bei Akromegalie vorgesehen. Voraussetzung ist, dass injizierbare Somatostatinanaloga zuvor gewirkt haben und vertragen wurden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Verschreibungsinformation [2] nennt folgende häufige Nebenwirkungen:

  • Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Blähungen
  • Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Gallensteine oder Gallengrieß
  • Erhöhte oder erniedrigte Blutzuckerwerte

Zu den schwerwiegenderen Risiken und weiteren Veränderungen, die während der Behandlung zu beachten sind, zählen:

  • Erkrankungen der Gallenblase bei langfristiger Anwendung
  • Veränderungen des Blutzuckers und der Schilddrüsenfunktion
  • Ein verlangsamter Herzschlag und Veränderungen der elektrischen Erregungsleitung im Herzen