Biomarker bei Eierstockkrebs: CA-125, HE4, BRCA und HRD
Klinische Prüfung ausstehend
Wie Blut- und Gewebemarker bei Eierstockkrebs Risiken einordnen und die Behandlung unterstützen – mit Grenzen der Früherkennung und einem Blick auf neue Forschungsansätze.
Redaktioneller Entwurf. Medizinische Aussagen und Quellenzuordnungen sind noch nicht unabhängig geprüft; die klinische Freigabe steht aus.
Biomarker sind messbare Hinweise aus Blut, Urin oder Tumorgewebe. Bei Eierstockkrebs können sie helfen, Risiken einzuschätzen, eine Diagnose zusammen mit anderen Befunden zu stellen, die Behandlung zu planen und das Ansprechen zu verfolgen. Ein einzelner Marker liefert keine sichere Antwort. Erst im Zusammenhang entsteht ein aussagekräftiges klinisches Bild. Quelle
Warum sind Biomarker bei Eierstockkrebs wichtig?
Die meisten Eierstockkrebserkrankungen werden erst erkannt, wenn sie sich über den Eierstock hinaus ausgebreitet haben. Das trägt dazu bei, dass die Überlebensaussichten stark variieren: Früh erkannt sind die Behandlungsergebnisse günstiger als bei später Diagnose. Biomarker können bei einer Raumforderung den Krebsverdacht verstärken oder abschwächen, die Überweisung an ein spezialisiertes Operationsteam unterstützen, die Therapie an die Tumorbiologie anpassen helfen und das Ansprechen verfolgen.
Ebenso wichtig sind ihre Grenzen. Bei beschwerdefreien Menschen mit durchschnittlichem Risiko raten Fachgremien wie die US Preventive Services Task Force von einer Früherkennung mit CA-125 oder Ultraschall ab. Große Studien zeigten keinen Rückgang der Sterblichkeit, während falsch positive Ergebnisse häufig waren. Der Nutzen eines Biomarkers hängt daher entscheidend von der klinischen Fragestellung ab.
Nicht jeder Eierstocktumor ist gleich
Am häufigsten ist das hochgradig seröse Karzinom. Daneben gibt es endometrioide, klarzellige, muzinöse und niedriggradig seröse Tumoren sowie Keimstrang-Stromatumoren und Keimzelltumoren. Sie unterscheiden sich in ihrem Verhalten und in den geeigneten Markern. Welcher Test sinnvoll ist, hängt deshalb von Lebensphase, Befunden und vermuteter oder bestätigter Tumorart ab.
Blutmarker: Was wird gemessen und wofür?
CA-125
CA-125 ist ein Protein auf Zelloberflächen im Bereich der Eierstöcke und des Bauchfells, das ins Blut gelangen kann. Viele epitheliale Eierstocktumoren geben es ab.
Es hilft zusammen mit Bildgebung und klinischen Merkmalen, die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Raumforderung im Becken einzuschätzen. Nach gesicherter Diagnose wird es zur Kontrolle von Therapieansprechen und möglichen Rückfällen genutzt. Quelle
Bei vielen hochgradig serösen und endometrioiden Karzinomen ist CA-125 erhöht. Seine Entwicklung unter Chemotherapie verläuft häufig parallel zur Tumorlast. Auch Menstruation, Endometriose, Myome, Beckeninfektionen, Lebererkrankungen oder eine kürzliche Bauchoperation können den Wert jedoch erhöhen. Bei muzinösen Tumoren kann er trotz Krebs normal sein. Unterschiedliche Messverfahren können leicht abweichende Zahlen liefern; Verlaufsmessungen sind daher meist hilfreicher als Einzelwerte. Quelle
Ein wichtiger Studienbefund: Eine Behandlung des Rückfalls allein aufgrund eines steigenden CA-125 vor Auftreten von Beschwerden verbesserte das Gesamtüberleben nicht gegenüber dem Abwarten klinischer Hinweise. Ein isolierter Anstieg ist deshalb kein ausreichender alleiniger Auslöser einer Therapie. Quelle
HE4 und der ROMA-Algorithmus
Human Epididymis Protein 4, kurz HE4, ist ein weiteres tumorassoziiertes Protein, das bei epithelialen Eierstocktumoren erhöht sein kann. Endometriose beeinflusst es weniger als CA-125.
ROMA, der Risk of Ovarian Malignancy Algorithm, kombiniert HE4, CA-125 und Menopausenstatus. Er schätzt damit das Risiko ein, dass eine Raumforderung im Bereich der Eierstöcke oder Eileiter, eine Adnexraumforderung, bösartig ist. Quelle
In Studien wurde für HE4 eine höhere Spezifität als für CA-125 bei der Unterscheidung gutartiger und bösartiger Raumforderungen beschrieben, besonders vor der Menopause. Allerdings steigt HE4 mit dem Alter und kann bei Rauchen oder eingeschränkter Nierenfunktion erhöht sein. Messsysteme und Referenzbereiche sind nicht einheitlich. Quelle Quelle
Kombinierte Bluttests für die Operationsplanung
In den USA von der FDA freigegebene multivariate Index-Assays verbinden mehrere Proteine zu einem Risikowert. Beispiele sind OVA1 und weiterentwickelte Versionen. Sie sollen bei einer Raumforderung helfen zu entscheiden, ob die Operation durch gynäkologische Onkologie erfolgen sollte.
Ihr Einsatzgebiet ist die präoperative Risikoeinschätzung und Überweisung, besonders bei unklarer Bildgebung. Sie sind weder für eine definitive Krebsdiagnose noch für ein Screening der Allgemeinbevölkerung bestimmt.
Sie können auch bei normalem CA-125 auf ein erhöhtes Risiko hinweisen, ersetzen aber die Bildgebung nicht. Die Algorithmen sind proprietär; die Gewichtung einzelner Marker ist nicht offengelegt. Ergebnisse sind verfahrensabhängig. Bei erneuter Messung sollte möglichst dasselbe System verwendet werden.
CEA und CA 19-9 bei muzinösen Tumoren
Das karzinoembryonale Antigen CEA und das Kohlenhydratantigen CA 19-9 werden häufiger bei Tumoren des Verdauungstrakts eingesetzt. Sie können sowohl bei primären muzinösen Eierstocktumoren als auch bei muzinösen Metastasen aus dem Magen-Darm-Trakt erhöht sein.
Bei entsprechender Frage aus Pathologie und Bildgebung unterstützen sie die Abgrenzung eines primären Eierstocktumors von einer Metastase. Ein erhöhtes CEA kann bei untypischen Eierstockbefunden Anlass geben, auch Dickdarm, Wurmfortsatz oder Bauchspeicheldrüse genauer zu untersuchen.
Die Marker sind unspezifisch. Rauchen, Entzündung und gutartige Erkrankungen des Verdauungstrakts können die Werte beeinflussen. Sie ergänzen die Diagnostik, entscheiden aber nicht allein über den Ursprung eines Tumors.
Marker nicht epithelialer Eierstocktumoren
Tumoren aus Keimzellen oder Stromazellen haben andere Markerprofile:
-
Bei Keimzelltumoren sind Alpha-Fetoprotein, kurz AFP, Beta-humanes Choriongonadotropin, kurz β-hCG, und Laktatdehydrogenase, kurz LDH, wichtig. AFP passt insbesondere zum Dottersacktumor, β-hCG zum Chorionkarzinom und LDH zum Dysgerminom.
-
Bei Keimstrang-Stromatumoren wie dem adulten Granulosazelltumor können Inhibin B und Anti-Müller-Hormon, kurz AMH, erhöht sein und für Verlaufskontrollen genutzt werden.
Diese Marker sind besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen relevant. Keimzelltumoren sind in dieser Gruppe häufiger, und fruchtbarkeitserhaltende Verfahren haben hohen Stellenwert.
Was ergänzen Untersuchungen am Tumorgewebe?
Immunhistochemie zur Bestimmung von Ursprung und Subtyp
Die Pathologie verwendet Kombinationen von Färbungen, um Herkunft und Subtyp einzuordnen. PAX8 und WT1 unterstützen einen Müllerschen Ursprung, also aus Eierstock, Eileiter oder primär aus dem Bauchfell, insbesondere beim hochgradig serösen Karzinom. Östrogen- und Progesteronrezeptoren, ER und PR, helfen bei der Einordnung endometrioider und niedriggradig seröser Tumoren. Auffällige p53-Färbung ist charakteristisch für hochgradig seröse Karzinome und spiegelt TP53-Veränderungen wider. Diese Gewebeuntersuchungen sind eine Grundlage der Diagnose und keine Bluttests.
Genveränderungen mit möglicher therapeutischer Bedeutung
Die Sequenzierung des Tumors sucht nach Veränderungen, die Empfindlichkeit oder Resistenz gegenüber Medikamenten vorhersagen. Bei Eierstockkrebs sind besonders Defekte der DNA-Schadensreparatur relevant. Quelle Quelle
-
BRCA1 und BRCA2, erblich oder nur im Tumor verändert: Bei Verlust der BRCA-Funktion sprechen Tumoren häufig besser auf platinhaltige Chemotherapie an und können von PARP-Inhibitoren profitieren. Fachgesellschaften empfehlen eine Keimbahntestung bei allen epithelialen Eierstock-, Eileiter- und primären Bauchfellkarzinomen, weil die Ergebnisse Therapie und familiäres Risiko beeinflussen. Quelle Quelle Quelle
-
Homologe Rekombinationsdefizienz, kurz HRD: Tests auf genomische „Narben“ erfassen unter anderem den Verlust der Heterozygotie und weitere Muster gestörter DNA-Reparatur. HRD-positive Tumoren sind tendenziell empfindlicher gegenüber Platin und PARP-Hemmung. Quelle
-
Defekte der Fehlpaarungsreparatur, dMMR, und hohe Mikrosatelliteninstabilität, MSI-H: Insgesamt sind sie bei Eierstockkrebs selten, kommen aber häufiger bei endometrioiden und klarzelligen Subtypen vor. Sie können Tumoren kennzeichnen, die auf Immuncheckpoint-Blockade ansprechen. Quelle Quelle
-
HER2-Amplifikation: Sie kommt bei einem Teil muzinöser Karzinome und selten bei anderen Subtypen vor und kann in ausgewählten Fällen eine gezielte Therapie unterstützen.
-
Folat-Rezeptor alpha, FOLR1: Viele hochgradig seröse Karzinome überexprimieren diesen Rezeptor. Der Befund kann zur Auswahl einer entsprechenden zielgerichteten Behandlung dienen.
Die Tumormutationslast, kurz TMB, ist bei hochgradig serösen Karzinomen meist niedrig. Das trägt dazu bei, dass Immuntherapie hier keine universelle Lösung ist. Ausnahmen mit MSI-H oder hoher TMB kommen jedoch vor.
Wo passen die Marker in den Behandlungsablauf?
Risiko bei einer neu entdeckten Raumforderung einschätzen
Nach dem Ultraschall bestimmen vor allem drei Faktoren die Risikoeinschätzung: Bildmerkmale, Menopausenstatus und Blutmarker. Der Risk of Malignancy Index, kurz RMI, kombiniert CA-125, Menopausenstatus und Ultraschallbewertung. ROMA nutzt HE4, CA-125 und Menopausenstatus. Ziel ist zu erkennen, wer für eine Operation an ein gynäkoonkologisches Team überwiesen werden sollte. Vollständige Stadieneinteilung und eine fachgerecht durchgeführte Tumorreduktion können die Ergebnisse verbessern. Quelle Quelle
Diese Instrumente ersetzen keine erfahrene Ultraschallbeurteilung. Modelle der International Ovarian Tumor Analysis, kurz IOTA, verwenden detaillierte sonografische Muster und schneiden häufig besser ab als ein einzelner Blutmarker. In der Praxis werden die Informationen kombiniert.
Die Behandlung an der Tumorbiologie ausrichten
Nach der Gewebediagnose beeinflussen molekulare Befunde die Planung. BRCA und HRD helfen, die erwartete Platinempfindlichkeit und die Eignung für PARP-Inhibitoren einzuschätzen. dMMR/MSI-H kann in passender Situation eine Immuntherapie ermöglichen. HER2-Amplifikation bei muzinösem Karzinom kann einen gezielten Ansatz nahelegen. Die Vorlage fasst diese Entscheidungen als evidenzgestützt zusammen; Art und Stärke der Evidenz sowie die aktuelle Indikation müssen für den jeweiligen Ansatz gesondert geprüft werden. Quelle Quelle
Therapieansprechen und Nachsorge
War CA-125 bei einem epithelialen Eierstockkarzinom anfangs erhöht, geht ein Absinken unter Chemotherapie häufig mit einer Tumorverkleinerung in der Bildgebung einher. Der niedrigste erreichte Wert, der Nadir, hatte in manchen Studien prognostische Bedeutung. Auch HE4 kann unter Therapie fallen. Forschungsdaten deuten darauf hin, dass es bei einem Rückfall früher als CA-125 steigen könnte; die Anwendung unterscheidet sich zwischen Zentren. Quelle
Nach einer Remission wird CA-125 häufig regelmäßig kontrolliert, wenn es bei Diagnose erhöht war. Ein allein durch den Anstieg ausgelöster früher Behandlungsbeginn hat jedoch keinen nachgewiesenen Überlebensvorteil. Beschwerden, Bildgebung und Gesamtbefund bestimmen das weitere Vorgehen. Quelle
Lebensphasen und besondere Situationen
Vor und nach der Menopause
Vor der Menopause sind gutartige Ursachen wie Endometriose und Myome häufiger. Sie können CA-125 erhöhen und seine Spezifität für Krebs vermindern. ROMA berücksichtigt dies mit unterschiedlichen Grenzwerten nach Menopausenstatus. Nach der Menopause ist eine neue komplexe Eierstockraumforderung zusammen mit hohem CA-125 stärker verdächtig und führt häufig zur spezialisierten Abklärung. Quelle
Schwangerschaft
In der Schwangerschaft können sich mehrere Marker verändern. CA-125 kann im ersten Trimester und um die Geburt erhöht sein. β-hCG steigt natürlicherweise an, was seine Beurteilung bei Keimzelltumorverdacht erschwert. Bei einer Adnexraumforderung während der Schwangerschaft erhalten Bildmuster, interdisziplinäre Einschätzung und die Auswahl in dieser Situation interpretierbarer Marker deshalb besonderes Gewicht.
Jugendliche und junge Erwachsene
Hier sind Keimzelltumoren häufiger; AFP, β-hCG und LDH sind zentrale Marker. Viele dieser Tumoren sprechen stark auf Chemotherapie an. Die Werte können unter Behandlung deutlich fallen und liefern dann zeitnahe Hinweise auf das Ansprechen.
Warum verändern sich diese Marker?
CA-125 ist ein Glykoprotein, das gereizte oder bösartig veränderte Bauchfelloberflächen abgeben. Entzündungen im Becken können es deshalb erhöhen. HE4 wird im Fortpflanzungstrakt und von manchen Tumoren gebildet; es wird teilweise über die Nieren ausgeschieden, sodass die Nierenfunktion den Wert beeinflusst. BRCA-Veränderungen beeinträchtigen die DNA-Reparatur. Die dadurch entstehende Abhängigkeit von anderen Reparaturwegen lässt sich durch Platin und PARP-Hemmung therapeutisch nutzen. Defekte der Fehlpaarungsreparatur hinterlassen zahlreiche genetische Fehler, die eine Immunantwort gegen den Tumor erleichtern können.
Was können Biomarker nicht beantworten?
Allein können sie Eierstockkrebs weder sicher feststellen noch ausschließen. Ohne Bildgebung und Untersuchung zeigen sie auch nicht, ob eine Raumforderung operativ entfernt werden kann. Eine sichere Vorhersage des Verlaufs ist ebenfalls nicht möglich. Beschwerden, Bildgebung, Operationsbefund und Pathologie gehören immer zur Einordnung.
Wie werden Messergebnisse verlässlich vergleichbar?
-
Messverfahren: CA-125 und HE4 werden mit unterschiedlichen Systemen und Kalibratoren bestimmt. Dasselbe Labor verbessert die Vergleichbarkeit von Verläufen.
-
Biologische Einflüsse: Menstruation, Endometriose, Beckeninfektion, Lebererkrankung und kürzliche Operation können CA-125 erhöhen. Alter, Rauchen und verminderte Nierenfunktion können HE4 erhöhen.
-
Störungen: Hoch dosiertes Biotin kann bestimmte Immunoassays mit Biotin-Streptavidin-Technik verfälschen. Selten verursachen heterophile Antikörper falsche Ergebnisse. Passen Werte nicht zum klinischen Bild, kann das Labor Blockierungsreagenzien oder alternative Methoden einsetzen.
-
Referenzbereiche: Grenzwerte unterscheiden sich nach Labor und Menopausenstatus. Eine geringe Überschreitung kann je nach Situation wenig oder deutlich mehr Bedeutung haben.
Keimbahntests: Bedeutung für Behandlung und Familie
Etwa jede fünfte Person mit epithelialem Eierstockkrebs trägt laut Vorlage eine krankheitsverursachende Keimbahnvariante. Häufig sind BRCA1 und BRCA2 betroffen, aber auch RAD51C, RAD51D, BRIP1 und mit Lynch-Syndrom verbundene Reparaturgene kommen vor. NCCN und ASCO empfehlen deshalb, allen Betroffenen mit epithelialem Eierstock-, Eileiter- oder primärem Bauchfellkarzinom eine Keimbahntestung anzubieten. Die Ergebnisse beeinflussen Therapieoptionen und ermöglichen Angehörigen eine gezielte Prävention. Ohne eigene Erkrankung kann bei starker familiärer Belastung oder bestimmten Abstammungshintergründen, etwa aschkenasisch-jüdischer Herkunft, eine Risikoeinschätzung mit validierten Instrumenten und genetischer Beratung sinnvoll sein. Quelle Quelle Quelle
Bildgebung und Biomarker ergänzen sich
Bei einer Adnexraumforderung ist transvaginaler Ultraschall die erste Bildgebung; CT oder MRT dienen der Stadieneinteilung oder Klärung spezieller Fragen. Biomarker ergänzen die Risiko- und Verlaufsbeurteilung. Eine mehrkammerige Raumforderung mit soliden Anteilen, papillären Vorsprüngen und Aszites zusammen mit erhöhtem CA-125 ist eher verdächtig. Eine einfache Zyste ohne Beschwerden und mit unauffälligen Markern ist eher gutartig. Entscheidend ist die Kombination.
Welche neuen Biomarker werden erforscht?
Mehrere Ansätze liefern vielversprechende Ergebnisse, gehören überwiegend aber noch nicht zur Standardversorgung.
-
Zirkulierende Tumor-DNA, ctDNA: Tumorspezifische DNA-Fragmente im Blut können etwa BRCA-Veränderungen zeigen und über die Zeit verfolgt werden. Ein Anstieg nach Therapie könnte einen molekularen Rückfall früher als Bildgebung anzeigen. Studien prüfen noch, ob und wie darauf gestützte Maßnahmen die Behandlungsergebnisse verbessern. Quelle Quelle
-
DNA-Methylierung und Multi-Omics-Panels: Blutbasierte Muster tumorspezifischer epigenetischer Veränderungen werden für die Erkennung untersucht. Große Kohorten werden beobachtet; vor einem Routineeinsatz ist weitere Forschung erforderlich.
-
Exosomen und microRNAs: Vom Tumor abgegebene Vesikel und kleine RNA-Moleküle zirkulieren im Blut und könnten empfindliche Signale liefern. Die Messverfahren entwickeln sich weiter; ihr klinischer Nutzen muss noch nachgewiesen werden.
-
Resistenzmarker: Unter Therapie können Reversionsmutationen die BRCA-Funktion wiederherstellen. Ihr Nachweis im Tumor oder in ctDNA kann einen Verlust der Medikamentenempfindlichkeit erklären und die nächste Therapiewahl unterstützen.
Drei Beispiele zur Einordnung
Beispiel 1: Eine 62-jährige Person mit Blähgefühl und Adnexraumforderung hat CA-125 von 480 U/mL, erhöhtes HE4 und stark krebsverdächtige Ultraschallmerkmale. ROMA und RMI zeigen ein hohes Risiko. Eine Überweisung in die gynäkologische Onkologie ist angezeigt. Die spätere Tumorsequenzierung zeigt BRCA1-Verlust und HRD-Positivität; das beeinflusst Chemotherapie und Erhaltungstherapie.
Beispiel 2: Eine 32-jährige Person mit Endometriose hat eine 6 cm große Eierstockzyste und CA-125 von 90 U/mL. HE4 ist normal; der Ultraschall zeigt typische Merkmale eines Endometrioms. Die CA-125-Erhöhung ist wahrscheinlich durch gutartige Entzündung erklärbar. Das Vorgehen richtet sich nach Bildkontrollen und Beschwerden, nicht allein nach dem Wert.
Beispiel 3: Eine 24-jährige Person mit rasch wachsender Raumforderung hat AFP von 2.500 ng/mL und erhöhte LDH. Die Bildgebung spricht für einen Keimzelltumor. Nach fruchtbarkeitserhaltender Operation und Chemotherapie fällt AFP in den Referenzbereich. Es wird zum aussagekräftigsten Marker für die Nachsorge.
Fragen für das Behandlungsgespräch
-
Welche Marker passen zu meinem Tumortyp und meiner Lebensphase, und warum?
-
Wie werden die Werte zusammen mit Bildgebung und Beschwerden für Entscheidungen genutzt?
-
Wird bei jeder Kontrolle dasselbe Messsystem verwendet?
-
Beeinflussen Nierenfunktion, Zyklus oder Nahrungsergänzungsmittel meine Ergebnisse?
-
Ist eine Keimbahntestung sinnvoll, und was würde der Befund für meine Familie bedeuten?
Was für die Interpretation zählt
Biomarker stellen die Diagnose Eierstockkrebs nicht allein. Zusammen mit qualifizierter Bildgebung, Pathologie und ärztlicher Beurteilung können sie das Bild präzisieren. CA-125 und HE4 helfen bei Risikoeinschätzung und Verlaufskontrolle, kombinierte Panels bei der Überweisung zur Operation. BRCA und HRD beeinflussen die Therapie; Keimbahntests haben zusätzlich Bedeutung für Angehörige. Weil Messverfahren und Begleitumstände die Werte beeinflussen, zählen Muster und Entwicklungen mehr als einzelne Zahlen. Liquid Biopsy und Methylierungsprofile werden weiter untersucht; ihr Stellenwert ist von den etablierten Anwendungen zu unterscheiden. Quelle Quelle
Der Nutzen entsteht aus der passenden Frage zum passenden Test und einer Einordnung, die seine Möglichkeiten und Grenzen berücksichtigt.
Häufige Fragen
Warum wird CA-125 nicht zur Früherkennung bei durchschnittlichem Risiko empfohlen?
Große randomisierte Studien zeigten bei beschwerdefreien Frauen mit durchschnittlichem Risiko keinen Rückgang der Sterblichkeit. Falsch positive Befunde führten dagegen häufig zu unnötiger invasiver Abklärung. Menstruation, Endometriose, Myome, Beckeninfektion, Lebererkrankung und kürzliche Bauchoperation können CA-125 erhöhen. Die USPSTF rät in dieser Gruppe von Screening mit CA-125 oder Ultraschall ab. Der Marker ist vor allem zur Verlaufskontrolle einer bekannten Erkrankung nützlich.
Was schätzt ROMA?
ROMA kombiniert CA-125, HE4 und Menopausenstatus zu einem Risikowert für die Bösartigkeit einer Adnexraumforderung. Das unterstützt die Entscheidung über eine Überweisung zur gynäkoonkologischen Operation. Human Epididymis Protein 4, kurz HE4, wird weniger durch Endometriose beeinflusst als CA-125 und kann insbesondere vor der Menopause bei der Abgrenzung gutartiger von bösartigen Befunden besser abschneiden. Alter, Rauchen und eingeschränkte Nierenfunktion können HE4 erhöhen. Messsysteme und Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren.
Was bedeutet eine BRCA1/2-Untersuchung?
Die Vorlage nennt BRCA1/2-Veränderungen bei ungefähr 15–20 % der hochgradig serösen Eierstockkarzinome. Sie können eine homologe Rekombinationsdefizienz verursachen und damit Empfindlichkeit gegenüber Platin und PARP-Inhibitoren vorhersagen. Bei einer Keimbahnveränderung besteht zusätzlich ein erbliches Krebsrisiko mit Bedeutung für Angehörige. Eine Keimbahntestung wird bei neu diagnostizierten epithelialen Eierstockkarzinomen empfohlen. Auch rein somatische BRCA-Veränderungen können einen PARP-Nutzen erwarten lassen. HRD-Tests finden darüber hinaus Reparaturdefekte ohne BRCA-Mutation. Bei Keimbahn-BRCA-Veränderungen ist auch das Brustkrebsrisiko erhöht; risikosenkende Maßnahmen sollten genetisch beraten werden.
Was untersucht ein HRD-Test?
Der Test sucht nach genomischen Spuren gestörter homologer Rekombination, auch über BRCA-Veränderungen hinaus. Dazu zählen Verlust der Heterozygotie, telomerisches allelisches Ungleichgewicht und großräumige genomische Zustandswechsel. Die Untersuchung kann Tumoren erkennen, bei denen trotz BRCA-Wildtyp ein Nutzen von PARP-Inhibitoren zu erwarten ist. Studien zeigen einen Nutzen der PARP-Erhaltungstherapie auch in dieser HRD-positiven Gruppe. Gemessen wird im Tumorgewebe mit kommerziellen Genomtests.
Welche Marker gehören zu nicht epithelialen Tumoren?
Bei Keimzelltumoren werden AFP, β-hCG und LDH genutzt. AFP spricht insbesondere für Dottersacktumor, β-hCG für Chorionkarzinom und LDH für Dysgerminom. Bei Keimstrang-Stromatumoren wie dem adulten Granulosazelltumor stehen Inhibin B und AMH im Vordergrund, besonders für Verlaufskontrollen. Diese Marker sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit häufigerem Auftreten von Keimzelltumoren und dem Ziel eines Fruchtbarkeitserhalts besonders wichtig.
Muss ein steigendes CA-125 nach Remission sofort behandelt werden?
Ein Anstieg kann einen Rückfall anzeigen und sollte genauer beurteilt werden. Eine Behandlung allein aufgrund steigender CA-125-Werte vor Beschwerden hat jedoch gegenüber dem Abwarten klinischer Hinweise keinen Vorteil beim Gesamtüberleben gezeigt. Zeitpunkt und Geschwindigkeit des Anstiegs werden zusammen mit Bildgebung und Symptomen beurteilt. Der Wert allein sollte deshalb keine unmittelbare Therapie auslösen. Quelle
Wie unterstützen kombinierte Tests wie OVA1 die Operationsplanung?
In den USA FDA-freigegebene multivariate Index-Assays kombinieren mehrere Proteine zu einem Risikowert. Bei einer Adnexraumforderung helfen sie einzuschätzen, ob eine Operation durch gynäkologische Onkologie angezeigt ist. Auch bei normalem CA-125 können sie Risikosignale erfassen. Sie dienen der präoperativen Einordnung unklarer Bildbefunde, nicht dem Bevölkerungsscreening oder einer endgültigen Krebsdiagnose. Die proprietären Algorithmen legen die Gewichtung einzelner Marker nicht offen. Bei erneuter Messung ist dasselbe System wichtig, da Ergebnisse verfahrensspezifisch sind.
Wie helfen CEA und CA 19-9 bei der Frage nach dem Tumorursprung?
Bei einer muzinösen Raumforderung am Eierstock können erhöhtes CEA und CA 19-9 den Verdacht auf eine Metastase aus Dickdarm, Wurmfortsatz oder Bauchspeicheldrüse verstärken und die weitere Abklärung lenken. Auch ein primärer muzinöser Eierstocktumor kann diese Marker erhöhen. Bildgebung und Gewebefärbungen wie CK7/CK20, CDX2 und PAX8 sind deshalb zur Herkunftsbestimmung nötig. CEA kann außerdem durch Rauchen, Entzündung und gutartige Erkrankungen des Verdauungstrakts erhöht sein. Die Marker liefern zusätzliche Hinweise, keine alleinige Diagnose.
Literatur
-
Potenza E, Parpinel G, Laudani ME, Macchi C, Fuso L, Zola P (2020). Prognostic and predictive value of combined HE-4 and CA-125 biomarkers during chemotherapy in patients with epithelial ovarian cancer. Int J Biol Markers, 35(4), 20–27. Quelle
-
Sölétormos G, Duffy MJ, Othman Abu Hassan S, et al (2016). Clinical Use of Cancer Biomarkers in Epithelial Ovarian Cancer: Updated Guidelines From the European Group on Tumor Markers. Int J Gynecol Cancer, 26(1), 43–51. Quelle
-
Fabbro M, Lamy PJ, Touraine C, Floquet A, Ray-Coquard I, Mollevi C (2023). HE4 and CA-125 kinetics to predict outcome in patients with recurrent epithelial ovarian carcinoma: the META4 clinical trial. Front Oncol, 13, 1308630. Quelle
-
Moore RG, McMeekin DS, Brown AK, et al (2009). A novel multiple marker bioassay utilizing HE4 and CA125 for the prediction of ovarian cancer in patients with a pelvic mass. Gynecol Oncol, 112(1), 40–6. Quelle
-
Arcieri M, Tius V, Andreetta C, et al (2024). How BRCA and homologous recombination deficiency change therapeutic strategies in ovarian cancer: a review of literature. Front Oncol, 14, 1335196. Quelle
-
Konstantinopoulos PA, Norquist B, Lacchetti C, et al (2020). Germline and Somatic Tumor Testing in Epithelial Ovarian Cancer: ASCO Guideline. J Clin Oncol, 38(11), 1222–1245. Quelle
-
Vergote I, González-Martín A, Ray-Coquard I, et al (2022). European experts consensus: BRCA/homologous recombination deficiency testing in first-line ovarian cancer. Ann Oncol, 33(3), 276–287. Quelle
-
Pal T, Permuth-Wey J, Kumar A, Sellers TA (2008). Systematic review and meta-analysis of ovarian cancers: estimation of microsatellite-high frequency and characterization of mismatch repair deficient tumor histology. Clin Cancer Res, 14(21), 6847–54. Quelle
-
Mitric C, Salman L, Abrahamyan L, et al (2023). Mismatch-repair deficiency, microsatellite instability, and lynch syndrome in ovarian cancer: A systematic review and meta-analysis. Gynecol Oncol, 170, 133–142. Quelle
-
Ngu SF, Chai YK, Choi KM, et al (2022). Diagnostic Performance of Risk of Malignancy Algorithm (ROMA), Risk of Malignancy Index (RMI) and Expert Ultrasound Assessment in a Pelvic Mass Classified as Inconclusive by International Ovarian Tumour Analysis (IOTA) Simple Rules. Cancers (Basel), 14(3). Quelle
-
Norquist BM, Harrell MI, Brady MF, et al (2016). Inherited Mutations in Women With Ovarian Carcinoma. JAMA Oncol, 2(4), 482–90. Quelle
-
Lin KK, Harrell MI, Oza AM, et al (2019). BRCA Reversion Mutations in Circulating Tumor DNA Predict Primary and Acquired Resistance to the PARP Inhibitor Rucaparib in High-Grade Ovarian Carcinoma. Cancer Discov, 9(2), 210–219. Quelle
-
Rios-Doria E, Reichel JB, Radke MR, et al (2025). Dynamic Monitoring of Recurrent Ovarian Cancer Using Serial ctDNA: A Real-World Case Series. Curr Oncol, 32(10). Quelle
-
Konstantinopoulos PA, Norquist B, Lacchetti C, et al (2020). Germline and Somatic Tumor Testing in Epithelial Ovarian Cancer: ASCO Guideline. J Clin Oncol, 38(11), 1222–1245. Quelle
Herkunft und redaktioneller Prüfstatus
Übertragen und für Nutrient Desk aufbereitet aus dem Ausgangsartikel. Werbliche Angebote wurden entfernt. Bibliografische Angaben bleiben zur eindeutigen Identifikation im Original. Klinische Prüfung und Publikationsfreigabe stehen aus.