Phytosom und Dihydroberberin: Mehr Aufnahme bedeutet noch keinen größeren Nutzen
Klinische Prüfung ausstehend

Neue Berberin-Formulierungen werden mit einer besseren Aufnahme beworben. Dafür gibt es kleine pharmakokinetische Untersuchungen. Sie messen, wie viel eines Stoffes im Blut ankommt und wie sich diese Konzentration verändert. Das ist eine andere Frage als eine verlässliche Verbesserung von Diabetes, Gewicht oder Beschwerden.
Berberin-Phytosom
Eine Untersuchung mit zwölf gesunden Freiwilligen verglich eine Phytosom-Formulierung mit unformuliertem Berberin. Mit der Formulierung war der Körper einer höheren gemessenen Berberinmenge ausgesetzt. Ob dies langfristig einen klinischen Vorteil bringt, wurde damit nicht gezeigt. Mehrere Autoren waren Mitarbeiter des Herstellers; diese Verbindung gehört zur Einordnung. [1]
Dihydroberberin
Eine kleine Crossover-Studie mit fünf gesunden Männern fand nach Dihydroberberin höhere Berberin-Blutspiegel als nach der geprüften Berberin-Vergleichsdosis. Bei den kurzfristig gemessenen Glukose- und Insulinwerten zeigte sich kein entsprechender Unterschied. [2] Bei so wenigen Teilnehmern und einer so kurzen Beobachtung lässt sich nicht verlässlich beurteilen, wie eine längerfristige Behandlung wirkt.
Drei Fragen vor dem Kauf
Wurde genau die angebotene Formulierung untersucht? Ein Handelsname, ein Extrakt und eine chemisch veränderte Verbindung sind nicht beliebig austauschbar. Beim Ergebnis lohnt sich dann der Blick auf die Messgröße: Ging es um die Blutkonzentration oder um einen Nutzen, der für Patientinnen und Patienten zählt? Auch die Dauer ist wichtig, denn Verträglichkeit und Wechselwirkungen müssen über einen ausreichend langen Zeitraum geprüft werden.
Aus einem höheren Blutspiegel lässt sich kein verlässlicher Umrechnungsfaktor für eine eigene Dosierung ableiten. Ebenso wenig kann man voraussetzen, dass eine besser aufgenommene Form weniger Risiken hat. Für einen klinischen Mehrwert wären direkte vergleichende Studien mit passenden Endpunkten nötig.
Quellen
[1] Petrangolini et al., 2021, kleine Pharmakokinetikstudie mit Herstellerbeteiligung: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34904017/
[2] Moon et al., 2021, Crossover-Studie mit fünf Teilnehmern: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35010998/