Zum Inhalt springen
EN

Rosazea: Ursachen, Erscheinungsformen und mögliche Zusammenhänge

Klinische Prüfung ausstehend

Was Rosazea ausmacht, welche Faktoren Schübe auslösen können und wie Haut, Immunsystem und Darm zusammenhängen. Mit Hinweisen zur Abklärung und den Grenzen der Aussagen über Tests.

Wiederkehrende Rötungen gehören zu den typischen Beschwerden bei Rosazea. Bei dieser chronisch entzündlichen Hauterkrankung reagieren Blutgefäße und Immunabwehr verändert auf Reize; zugleich ist die Schutzbarriere der Haut beeinträchtigt. Alkohol, scharfes Essen oder bestimmte Pflegeprodukte können deshalb Schübe auslösen. Welche Auslöser eine Rolle spielen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Auch hormonelle Veränderungen und Darmerkrankungen werden mit Rosazea in Verbindung gebracht. Solche Zusammenhänge erklären aber noch nicht, warum die Beschwerden im Einzelfall anhalten.

Was Rosazea ist und wo sie beginnt

Bei Rosazea erweitern sich die Blutgefäße in betroffenen Hautbereichen leichter als bei Menschen ohne Rosazea und bleiben länger erweitert. Diese veränderte Gefäßregulation trägt sowohl zu plötzlichen Rötungsanfällen, auch Flush genannt, als auch zu anhaltenden Rötungen bei. Hinzu kommen eine überaktive Immunabwehr und eine geschwächte Hautbarriere. American Academy of Dermatology: Ursachen, Überblick.

Die Immunabwehr der zu Rosazea neigenden Haut bildet mehr Cathelicidin. Dieses kleine Eiweißmolekül gehört zur Abwehr gegen Krankheitserreger. Wird es verändert verarbeitet, kann es jedoch Entzündungen fördern. Auch Mastzellen kommen im betroffenen Gewebe vermehrt vor und reagieren stärker. Sie setzen Histamin und andere Entzündungsbotenstoffe frei.

Die Hautbarriere hält normalerweise reizende Stoffe ab und schützt vor Wasserverlust. Bei Rosazea können weniger Ceramide, eine Gruppe von Hautfetten, und eine veränderte Fettzusammensetzung diesen Schutz schwächen.

Ein falsch gewählter Gesichtsreiniger verursacht keine Rosazea. Die Erkrankung beruht darauf, dass Haut und Immunsystem anders auf Reize reagieren, die bei Menschen ohne diese Veranlagung keine Entzündung auslösen würden.

Die vier Formen der Rosazea und ihre Bedeutung

Rosazea kann vor allem durch Rötungen, entzündliche Erhebungen, Hautverdickungen oder Augenbeschwerden auffallen. Danach werden vier Formen unterschieden: Die erythematoteleangiektatische Rosazea geht mit anhaltender Rötung und sichtbaren Blutgefäßen einher. Bei der papulopustulösen Rosazea entstehen entzündliche, akneähnliche Erhebungen. Die phymatöse Rosazea verursacht Hautverdickungen, meist an der Nase. Die okuläre Rosazea betrifft die Augen, die gereizt, trocken oder entzündet sein können. Das Erscheinungsbild gibt Hinweise darauf, welche Behandlung infrage kommt. Mayo Clinic.

Je nach Form stehen unterschiedliche Vorgänge im Vordergrund:

  • Bei der erythematoteleangiektatischen Rosazea ist vor allem die Gefäßregulation gestört. Die Gefäße verengen sich nicht ausreichend, und die Struktur ihrer Wände verändert sich.
  • Bei der papulopustulösen Rosazea reagiert die angeborene Immunabwehr verstärkt. Die Haut bildet mehr antimikrobielle Peptide, also kleine Eiweißmoleküle der Abwehr. Neutrophile Granulozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen, wandern in das Gewebe ein.
  • Bei der phymatösen Rosazea führen chronische Entzündungen dazu, dass sich Talgdrüsengewebe vermehrt und Bindegewebe umgebaut wird.
  • Bei der okulären Rosazea arbeiten die Meibom-Drüsen an den Augenlidern nicht richtig. Diese talgbildenden Drüsen tragen zu einem stabilen Tränenfilm bei, der ebenfalls beeinträchtigt ist. Augenbeschwerden können schon vor den Hautsymptomen im Gesicht auftreten.

Viele Betroffene haben Merkmale mehrerer Formen. Auch im Verlauf kann sich das Erscheinungsbild verändern, wenn einzelne Entzündungsprozesse stärker oder schwächer werden.

Wie sich Rosazea von Lupus und seborrhoischer Dermatitis unterscheidet

Ein Gesichtsausschlag allein reicht nicht aus, um Rosazea und Lupus sicher zu unterscheiden. Hinweise liefern das Muster der Hautveränderungen, Beschwerden außerhalb der Haut und bestimmte Blutbefunde. Der für Lupus charakteristische Schmetterlingsausschlag über Wangen und Nasenrücken spart typischerweise die Nasolabialfalten zwischen Nase und Mundwinkeln aus. Bei Rosazea kann dieser Bereich mitbetroffen sein. Cleveland Clinic: Schmetterlingsausschlag.

Bei systemischem Lupus können außerdem Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Veränderungen an inneren Organen auftreten. Im Blut können antinukleäre Antikörper, kurz ANA, nachweisbar sein. Rosazea betrifft vor allem die Haut und gegebenenfalls die Augen; Autoantikörper gehören nicht zu ihren definierenden Merkmalen. Keines dieser Merkmale genügt für sich allein, um eine der Erkrankungen festzustellen oder auszuschließen.

Bei seborrhoischer Dermatitis helfen vor allem die Verteilung und das Aussehen der Hautveränderungen bei der Abgrenzung. Typisch sind fettige, gelbliche Schuppen an talgdrüsenreichen Stellen wie Kopfhaut, Augenbrauen, Nasolabialfalten und Brust. Die Erkrankung spricht auf pilzhemmende Behandlungen gegen Malassezia-Hefen an.

Für Rosazea sind entzündliche Knötchen, sogenannte Papeln, Eiterbläschen oder Pusteln und sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße charakteristisch. Letztere heißen Teleangiektasien. Das typische Schuppungsmuster der seborrhoischen Dermatitis fehlt. Pilzhemmende Mittel behandeln die Rosazea selbst nicht; gleichzeitig können andere Hauterkrankungen bestehen.

Wie Rosazea mit Immunfunktion, Darmgesundheit und Entzündungen im Körper zusammenhängt

Entzündungsprozesse in der Haut lassen sich nicht immer von Vorgängen im übrigen Körper trennen. Als mögliche Einflüsse auf Rosazea werden Signale aus dem Darm, hormonelle Veränderungen und Stoffwechselprozesse untersucht. Sie könnten die ohnehin veränderte Immunantwort verstärken. Ein beobachteter Zusammenhang zeigt allerdings noch nicht, welcher dieser Vorgänge die Beschwerden einer bestimmten Person beeinflusst.

Die Darm-Haut-Achse bei Rosazea

Studien haben bei Menschen mit Rosazea häufiger eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms beobachtet als in Kontrollgruppen. Die Abkürzung SIBO steht für „small intestinal bacterial overgrowth“. Einzelne Studien berichten Anteile von über 50 %. Diese Zahl gilt für die jeweils untersuchten Gruppen und lässt sich nicht auf alle Menschen mit Rosazea übertragen. Übersichtsarbeit zur Darm-Haut-Achse.

Ein möglicher Erklärungsansatz betrifft Lipopolysaccharide, kurz LPS. Diese bakteriellen Bestandteile wirken als Endotoxine. Bei einer bakteriellen Überbesiedlung könnten sie dazu beitragen, dass die Darmwand durchlässiger wird, und in den Blutkreislauf gelangen. Dort aktivieren sie den Toll-like-Rezeptor 4, kurz TLR4, auf Immunzellen. In der Folge können diese Zellen mehr entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine, bilden. Das könnte Entzündungen im Körper und in der Haut verstärken. Der beschriebene Mechanismus belegt jedoch nicht, dass SIBO die Rosazea eines bestimmten Menschen verursacht.

Mehrere Studien beschreiben außerdem einen Zusammenhang zwischen Rosazea und einer Infektion mit Helicobacter pylori. Dieser Zusammenhang ist weiterhin umstritten. Als Erklärung wird diskutiert, dass die Infektion das Immunsystem aktiviert und die Bildung von Entzündungsbotenstoffen wie Tumornekrosefaktor alpha, kurz TNF-α, und Interleukinen verstärkt.

Auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms beeinflusst die Entzündungsaktivität im Körper. Darmmikroorganismen bilden unter anderem kurzkettige Fettsäuren, prägen die Aktivität von Immunzellen und tragen zum Erhalt der Darmbarriere bei. Daraus allein lässt sich ihre Rolle bei einer individuellen Rosazea nicht bestimmen.

Hormonelle und stoffwechselbezogene Zusammenhänge

Rosazea-Beschwerden können sich mit hormonellen Veränderungen verstärken oder abschwächen. In der Menopause etwa beeinflussen sinkende Östrogenspiegel die Gefäßspannung und die Hautbarriere. Auch zwischen Rosazea und dem metabolischen Syndrom wurden Zusammenhänge beobachtet. Diskutiert werden gemeinsame Entzündungsprozesse, die Insulinresistenz, veränderte Blutfettwerte und chronische Hautentzündungen verbinden könnten.

Chronischer Stress kann zudem die Cortisolregulation verändern. Das kann die Reparatur der Hautbarriere beeinträchtigen und Mastzellen stärker aktivieren, wodurch Rötungsanfälle zunehmen können. Cleveland Clinic: Rosazea.

Was Rosazea-Schübe auslöst und ihre Stärke beeinflusst

Ein Auslöser kann einen Schub anstoßen, ohne die Rosazea selbst verursacht zu haben. Er trifft auf eine Haut, die bereits empfindlicher reagiert, und aktiviert Entzündungsprozesse. Deshalb kann derselbe Reiz bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedliche Folgen haben.

Auslöser in Ernährung und Lebensstil

Alkohol, insbesondere Rotwein, kann Rötungsanfälle auf mehreren Wegen auslösen. Er erweitert Blutgefäße, fördert die Freisetzung von Histamin und wird zu Acetaldehyd abgebaut, das sich anreichern kann.

Scharfe Speisen enthalten Capsaicin. Dieser Stoff aktiviert bestimmte Reizkanäle, die Transient-Receptor-Potential-Vanilloid-1-Kanäle, kurz TRPV1. Bei Rosazea sind sie in der Haut bereits verstärkt aktiv beziehungsweise vorhanden. Werden sie aktiviert, können Nerven eine Entzündungsreaktion auslösen. Dafür steht der Begriff „neurogene Entzündung“.

Lebensmittel mit hohem glykämischem Index lassen den Blutzucker rasch ansteigen. Sie könnten entzündliche, akneähnliche Hautveränderungen bei Rosazea über Signalwege des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1, kurz IGF-1, verschlimmern. Für Rosazea ist dieser Zusammenhang allerdings weniger gut belegt als für gewöhnliche Akne, die Acne vulgaris.

Hautmikrobiom und Demodex-Milben

Auf Haut mit Rosazea leben mehr Haarbalgmilben der Art Demodex folliculorum als auf gesunder Haut. Welche Rolle sie bei der Erkrankung spielen, ist weiterhin umstritten. Sie könnten die Haut mechanisch reizen oder eine Immunreaktion auf Milbenbestandteile auslösen. Auch Bakterien, die aus dem Darm der Milben in das Hautgewebe gelangen, werden als möglicher Beitrag zur Entzündung diskutiert. DermNet: Demodex.

Daneben unterscheidet sich die Zusammensetzung des Hautmikrobioms von der gesunder Kontrollpersonen. Solche Veränderungen könnten die Hautbarriere schwächen und Immunreaktionen verstärken.

Pflegeprodukte und Umweltfaktoren

Aggressive Reinigungsprodukte, alkoholhaltige Gesichtswasser und stark abdichtende, sogenannte okklusive Produkte können die bereits geschwächte Hautbarriere zusätzlich beeinträchtigen. Duftstoffe, ätherische Öle und bestimmte Konservierungsstoffe können die Haut bei Kontakt reizen.

Nach Kälte und Wind können sich die Hautgefäße als Reaktion auf den Temperaturausgleich erweitern. Partikel aus der Luftverschmutzung können eine geschwächte Hautbarriere durchdringen und Prozesse auslösen, bei denen oxidativer Stress entsteht.

Warum dieselbe Erkrankung bei verschiedenen Menschen anders aussieht

Genetische Faktoren, Immunreaktionen, Hormone und Umwelteinflüsse prägen das Erscheinungsbild einer Rosazea. Sie können beeinflussen, welche Entzündungsprozesse überwiegen. Wie gut sich die Hautveränderungen erkennen lassen, hängt außerdem vom Hauttyp ab.

Hauttyp und Melaningehalt

Rosazea wird am häufigsten bei Menschen mit heller Haut diagnostiziert, besonders bei den Fitzpatrick-Hauttypen I–II. Das muss nicht allein bedeuten, dass die Erkrankung dort tatsächlich häufiger vorkommt. Auf dunklerer Haut sind Rötungen, medizinisch Erytheme, schwerer zu erkennen. Eine Rosazea kann deshalb übersehen werden.

Dafür bleiben bei dunkleren Hauttypen nach einer Entzündung häufiger dunkle Verfärbungen zurück. Sie heißen postinflammatorische Hyperpigmentierungen. Papeln können stärker auffallen, während erweiterte kleine Blutgefäße weniger gut sichtbar sind.

Individuelle Immunreaktionen und frühere Einflüsse

T-Helferzellen können die Immunantwort unterschiedlich ausrichten. Zwei dieser Ausrichtungen werden als Th1 und Th2 bezeichnet. Ihr Verhältnis könnte beeinflussen, welche Entzündungsprozesse überwiegen. Auch frühere Antibiotikabehandlungen können nachwirken, wenn sie das Darm- oder Hautmikrobiom verändert haben und dadurch die heutige Entzündungsaktivität beeinflussen.

Mastzellen reagieren ebenfalls nicht bei allen Menschen gleich stark. Ihre Reaktionsbereitschaft beeinflusst, wie ausgeprägt Rötungsanfälle sind und wie empfindlich die Haut auf Auslöser reagiert.

Bei stressbedingten Schüben könnten der individuelle Cortisolverlauf und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, kurz HPA-Achse, mitbestimmen, wie häufig Beschwerden auftreten. Diese Achse verbindet Gehirn und Nebennieren bei der hormonellen Stressregulation.

Hormonstatus und Lebensphase

Während der Perimenopause, der Übergangsphase vor der Menopause, und in der Menopause kann sich Rosazea verschlimmern. Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen, wie stabil die Gefäße auf Reize reagieren und wie gut die Hautbarriere schützt. In der Schwangerschaft können sich die Beschwerden je nach individueller hormoneller Reaktion bessern oder verschlechtern.

Auch eine gestörte Schilddrüsenfunktion, insbesondere eine Unterfunktion, könnte die Hautbarriere beeinträchtigen und Entzündungsreaktionen verändern.

Wann Hautbeschwerden auf eine Beteiligung anderer Körpersysteme hinweisen

Bei ausgeprägten Augenbeschwerden ist eine augenärztliche Untersuchung wichtig. Unbehandelt kann okuläre Rosazea ernste Komplikationen verursachen, darunter eine Hornhautentzündung, auch Keratitis genannt, und eine Beeinträchtigung des Sehvermögens.

Eine schwere, plötzlich einsetzende Rosazea oder Hautveränderungen zusammen mit weiteren körperlichen Beschwerden können Anlass sein, auch nach einer zugrunde liegenden Autoimmunerkrankung zu suchen. Rosazea selbst gilt jedoch nicht als Autoimmunerkrankung.

Unerklärte Magen-Darm-Beschwerden sollten auch bei gleichzeitig bestehender Rosazea abgeklärt werden. Der beschriebene Zusammenhang mit SIBO kann dabei eine Rolle spielen. Chronische Blähungen, veränderte Stuhlgewohnheiten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten können unter anderem mit einer veränderten Zusammensetzung der Darmflora, einer Dysbiose, zusammenhängen. Diese könnte zu Entzündungen im Körper beitragen. Die Beschwerden allein zeigen aber nicht, ob eine Dysbiose oder eine andere Ursache vorliegt.

Schilddrüsenfunktionsstörungen können ebenfalls Hautveränderungen verursachen, die Rosazea-Beschwerden verschlimmern. Treten zusätzlich Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder eine ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber Wärme oder Kälte auf, kann eine Untersuchung der Schilddrüse angebracht sein.

Was Untersuchungen zeigen können, wenn äußerliche Behandlungen nicht ausreichen

Hält eine Rosazea trotz geeigneter äußerlicher Behandlung an, können zusätzliche Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von den begleitenden Beschwerden und der konkreten Frage ab. Ein Test kann beispielsweise eine Entzündung anzeigen, ohne deren Ursache zu erklären. Aus Zusammenhängen zwischen Rosazea und anderen Erkrankungen folgt deshalb keine allgemeine Empfehlung für ein umfassendes Testprogramm.

Hochsensitives C-reaktives Protein, kurz hs-CRP, und die Blutsenkungsgeschwindigkeit, kurz BSG, sind Entzündungsmarker. Letztere wird auch Erythrozytensedimentationsrate genannt und im Englischen mit ESR abgekürzt. Erhöhte Werte können auf eine Immunaktivierung hinweisen, die über die Haut hinausgeht. Sie zeigen allein jedoch nicht, was die Entzündung verursacht. Die verlinkten Testbeschreibungen erläutern hs-CRP und ESR.

Bei Verdacht auf eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms kann ein Wasserstoff-Methan-Atemtest Hinweise liefern. Ein Antikörpertest auf Helicobacter pylori gehört ebenfalls zu den diskutierten Untersuchungen. Der umstrittene Zusammenhang zwischen dieser Infektion und Rosazea begründet jedoch keine generelle Testempfehlung.

Eine umfassende Analyse des Darmmikrobioms beschreibt dessen Zusammensetzung. Sie kann etwa eine verringerte mikrobielle Vielfalt oder veränderte Anteile von Bakterienarten wie Faecalibacterium prausnitzii und Akkermansia muciniphila erfassen. Diesen Arten werden günstige Funktionen zugeschrieben; Veränderungen ihrer Anteile werden mit der Entzündungsaktivität im Körper in Verbindung gebracht. Damit ist aber nicht belegt, dass ein solcher Befund die Ursache einer Rosazea erklärt oder ihre Behandlung verbessert.

Bei hormonellen Beschwerden richtet sich die Auswahl der Blutwerte danach, welche Störung vermutet wird:

Auch Nährstoffe sind an der Funktion von Hautbarriere und Immunabwehr beteiligt. Vitamin D wirkt an beiden mit. Vitamin B12 und Folat unterstützen Methylierungsprozesse: Dabei werden bestimmte chemische Gruppen übertragen, was unter anderem Entzündungsprozesse beeinflusst. Magnesium wirkt an der Regulation der Gefäßspannung und der Stressreaktion mit. Selen unterstützt antioxidative Schutzmechanismen. Diese Aufgaben im Körper belegen weder, dass bei Rosazea ein Nährstoffmangel vorliegt, noch dass eine zusätzliche Einnahme hilft.

Anhaltende Rosazea als Anlass für eine weitergehende Abklärung

Bei wiederkehrenden Schüben trotz geeigneter Hautpflege lohnt sich der Blick auf begleitende Beschwerden. Sie können Hinweise geben, ob neben der Haut weitere Faktoren untersucht werden sollten. Je nach Situation können dazu Entzündungsmarker wie hs-CRP, die Schilddrüsenfunktion oder Hinweise auf Darmerkrankungen gehören. Ein umfassendes Biomarkerprofil allein kann die Ursache der Entzündung jedoch nicht bestimmen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Rosazea und wodurch entsteht sie?

Rosazea ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, bei der Blutgefäße, Immunabwehr und Hautbarriere verändert reagieren. Die Gefäße erweitern sich übermäßig und bleiben länger erweitert. Die Haut bildet mehr Cathelicidin, ein Eiweißmolekül der Abwehr gegen Krankheitserreger. Wird es verändert verarbeitet, kann es Entzündungen fördern. Zugleich ist die Hautbarriere geschwächt, unter anderem im Zusammenhang mit einem geringeren Gehalt an Ceramiden, also bestimmten Hautfetten.

Ein falsch gewählter Gesichtsreiniger verursacht keine Rosazea. Der Erkrankung liegen Unterschiede darin zugrunde, wie Immunabwehr und Blutgefäße auf Reize reagieren.

Welche vier Formen der Rosazea gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Bei der erythematoteleangiektatischen Form fallen anhaltende Rötungen und sichtbare Blutgefäße auf. Hier steht eine gestörte Gefäßregulation im Vordergrund. Bei der papulopustulösen Form entstehen entzündliche, akneähnliche Erhebungen; die angeborene Immunabwehr ist verstärkt aktiv.

Die phymatöse Form führt zu Hautverdickungen, bei denen sich unter anderem Talgdrüsengewebe anhaltend vermehrt. Die okuläre Form betrifft die Augen. Dabei arbeiten die Meibom-Drüsen an den Augenlidern nicht richtig. Augenbeschwerden können schon vor den Symptomen im Gesicht auftreten. Viele Betroffene haben Merkmale mehrerer Formen zugleich.

Wie unterscheidet sich Rosazea von Lupus oder seborrhoischer Dermatitis?

Bei Lupus kann ein Schmetterlingsausschlag auftreten, der die Nasolabialfalten zwischen Nase und Mundwinkeln typischerweise ausspart. Bei systemischem Lupus sind außerdem Beschwerden wie Gelenkschmerzen und der Nachweis antinukleärer Antikörper, kurz ANA, möglich. Rosazea kann auch die Nasolabialfalten betreffen; Autoantikörper gehören nicht zu ihren definierenden Merkmalen. Diese Unterschiede allein reichen nicht aus, um eine Erkrankung zu diagnostizieren oder auszuschließen.

Seborrhoische Dermatitis verursacht fettige, gelbliche Schuppen an talgdrüsenreichen Stellen und spricht auf pilzhemmende Behandlungen gegen Malassezia-Hefen an. Bei Rosazea fallen vor allem erweiterte kleine Blutgefäße und entzündliche Knötchen, sogenannte Papeln, auf. Das charakteristische Schuppungsmuster fehlt. Antipilzmittel behandeln die Rosazea selbst nicht.

Welche Lebensmittel und Lebensstilfaktoren lösen Rosazea-Schübe aus?

Alkohol, besonders Rotwein, kann Rötungsanfälle auslösen. Er erweitert Blutgefäße, fördert die Freisetzung von Histamin und wird zu Acetaldehyd abgebaut, das sich anreichern kann. Scharfe Speisen aktivieren TRPV1-Kanäle, bestimmte Reizkanäle, die bei Rosazea in der Haut verstärkt aktiv beziehungsweise vorhanden sind. Dadurch können Nerven eine Entzündungsreaktion auslösen.

Stress kann den Cortisolspiegel erhöhen und Mastzellen stärker aktivieren. Auch Kälte, Wind, aggressive Reinigungsmittel und parfümierte Produkte können die bereits geschwächte Hautbarriere zusätzlich beeinträchtigen. Welche dieser Auslöser tatsächlich Schübe hervorruft, ist individuell verschieden.

Wie beeinflusst die Darmgesundheit die Stärke einer Rosazea?

In einzelnen Studien hatten über 50 % der untersuchten Menschen mit Rosazea eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms, kurz SIBO. Insgesamt wurde SIBO bei Rosazea häufiger beobachtet als in gesunden Kontrollgruppen. Die Zahl beschreibt jedoch keine gesicherte Häufigkeit für alle Betroffenen.

Ein möglicher Erklärungsansatz betrifft bakterielle Lipopolysaccharide, kurz LPS. Sie können die Darmwand durchlässiger machen und in den Blutkreislauf gelangen. Dort aktivieren sie TLR4, einen Rezeptor auf Immunzellen. In der Folge können mehr entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine, entstehen und Entzündungen im Körper einschließlich der Haut verstärken. Dieser Mechanismus belegt keine Ursache im Einzelfall.

Auch Infektionen mit Helicobacter pylori wurden mit Rosazea in Verbindung gebracht. Ähnliche Entzündungsprozesse werden als Erklärung diskutiert, doch der Zusammenhang bleibt umstritten.

Warum kann sich Rosazea in den Wechseljahren verschlimmern?

Während der Perimenopause und Menopause sinkt der Östrogenspiegel. Das beeinflusst die Gefäßspannung und die Hautbarriere: Die Blutgefäße können stärker auf Reize reagieren, während die Haut Feuchtigkeit schlechter hält und reizende Stoffe weniger wirksam abwehrt.

Rosazea wurde außerdem mit dem metabolischen Syndrom in Verbindung gebracht. Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren können Insulinresistenz und ungünstige Blutfettwerte verstärken. Diskutiert werden gemeinsame Entzündungsprozesse, die bei beiden Erkrankungen eine Rolle spielen könnten. Diese Zusammenhänge erklären jedoch nicht jede Verschlechterung einer Rosazea.

Welche Biomarker kommen infrage, wenn Rosazea nicht auf äußerliche Behandlung anspricht?

Welche Tests infrage kommen, hängt von weiteren Beschwerden und der konkreten Untersuchungsfrage ab. Zu den diskutierten Untersuchungen gehören die Entzündungsmarker hs-CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit, englisch ESR, sowie ein Wasserstoff-Methan-Atemtest bei Verdacht auf SIBO. Auch Antikörpertests auf Helicobacter pylori und umfassende Analysen des Darmmikrobioms werden genannt. Dass diese Tests unterschiedliche Befunde liefern, belegt noch keinen Nutzen eines solchen Gesamtprogramms bei Rosazea.

Bei einer hormonellen Abklärung können TSH, freies T3, freies T4 und Schilddrüsenantikörper helfen, die Schilddrüsenfunktion zu beurteilen. Weitere diskutierte Werte sind Cortisol, DHEA-S, Estradiol und Testosteron. Ihre Auswahl richtet sich nach der vermuteten Störung.

Untersuchungen von Vitamin D, Vitamin B12, Folat, Magnesium und Selen können einen entsprechenden Mangel aufzeigen. Eine unzureichende Versorgung kann Vorgänge beeinträchtigen, die für die Reparatur der Hautbarriere und die Immunregulation wichtig sind. Daraus folgt jedoch nicht, dass diese Tests bei jeder therapieresistenten Rosazea erforderlich sind oder die Ursache der Beschwerden nachweisen.

Verursachen Demodex-Milben Rosazea?

Auf Haut mit Rosazea kommen Haarbalgmilben der Art Demodex folliculorum in höherer Dichte vor als auf gesunder Haut. Ihre genaue ursächliche Rolle ist dennoch umstritten. Sie könnten durch mechanische Reizung oder eine Immunreaktion auf Milbenbestandteile zur Entzündung beitragen. Als weiterer möglicher Mechanismus wird diskutiert, dass Bakterien aus dem Darm der Milben in das Hautgewebe gelangen.

Auch Veränderungen des Hautmikrobioms könnten die Hautbarriere beeinträchtigen und Immunreaktionen verstärken. Demodex-Milben gelten deshalb als ein möglicher beitragender Faktor. Dass sie Rosazea allein verursachen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Quellen