Welche Anzeichen können einen Monat vor einem Herzinfarkt auftreten?
Klinische Prüfung ausstehend
Können Beschwerden einen Herzinfarkt schon einen Monat vorher ankündigen? Manche Betroffene berichten rückblickend von ungewöhnlicher Erschöpfung, Brustbeschwerden, Atemnot oder anderen Veränderungen in den Wochen zuvor. Diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und erlauben keine verlässliche Vorhersage. Ein Herzinfarkt kann auch ohne erkennbare Vorzeichen auftreten.
Lässt sich ein Herzinfarkt schon einen Monat vorher an Beschwerden erkennen? Manche Betroffene erinnern sich an ungewöhnliche Erschöpfung, Brustbeschwerden, Atemnot oder andere Veränderungen in den Wochen davor. Solche Beschwerden können aber viele Ursachen haben und erlauben keine verlässliche Vorhersage. Ein Herzinfarkt kann auch ohne erkennbare Vorzeichen auftreten.
Bei plötzlich auftretenden oder starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot oder anderen akuten Warnzeichen sofort den Rettungsdienst rufen: in Deutschland unter 112, in den USA unter 911. Nicht selbst fahren und nicht abwarten, ob die Beschwerden verschwinden.
Sechs mögliche Anzeichen im Monat vor einem Herzinfarkt
Ein Herzinfarkt tritt akut auf. Beschwerden können allerdings schon in den Wochen davor bestehen. Menschen, die einen Infarkt überlebt haben, beschreiben rückblickend Symptome, die sie zunächst auf Stress, schlechten Schlaf oder einen anstrengenden Monat zurückführten. Nachträglich befragte Frauen berichteten von solchen Beschwerden bereits mehr als einen Monat vor dem Ereignis. Wiederholt genannt werden:
- Ungewöhnliche Erschöpfung, die auch nach einer ganzen Nacht Schlaf nicht nachlässt.
- Brustbeschwerden wie leichter Druck, Enge oder ein Schweregefühl, die kommen und gehen.
- Atemnot bei leichter körperlicher Aktivität oder in Ruhe.
- Schlafstörungen mit Schwierigkeiten beim Einschlafen oder wiederholtem nächtlichem Aufwachen.
- Verdauungsbeschwerden oder Übelkeit, etwa Beschwerden im Oberbauch, Sodbrennen oder ein flaues Gefühl.
- Schwindel mit Benommenheit oder Unsicherheit, teilweise beim Aufstehen.
Diese Angaben beruhen auf Erinnerungen. Aus ihnen lässt sich nicht ablesen, ob oder wann ein Infarkt bevorsteht. Veröffentlichte Listen früher Warnzeichen überschneiden sich, enthalten aber unterschiedlich viele Punkte. Die sechs genannten Beschwerden finden sich wiederholt in Beschreibungen möglicher Symptome einer Herzerkrankung beziehungsweise eines Herzinfarkts.
Wann Warnzeichen vor einem Herzinfarkt beginnen können
Untersuchungen beschreiben Warnzeichen in den 4 Wochen vor dem Ereignis; manche Betroffene erinnern sich an Beschwerden bereits mehr als 1 Monat zuvor. Dabei wurden unterschiedliche Ereignisse untersucht: Herzinfarkte bei Frauen und plötzliche Herzstillstände. Ein plötzlicher Herzstillstand ist nicht dasselbe wie ein Herzinfarkt. Ergebnisse zu seinen Vorzeichen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf einen Infarkt übertragen.
Für die ärztliche Beurteilung ist der Verlauf der Beschwerden hilfreicher als ein vermeintlicher Zeitplan. Frühe Symptome können wiederkehren, ohne stetig stärker zu werden. In einer Untersuchung von Menschen mit Warnsymptomen vor einem plötzlichen Herzstillstand traten diese bei 93 % in den letzten 24 Stunden vor dem Ereignis erneut auf.
Viele Menschen bemerken überhaupt keine Vorzeichen. Unter 242 aufeinanderfolgend aufgenommenen Herzinfarktpatientinnen und -patienten berichteten 58,7 % über keine prodromalen Symptome, also keine vorausgehenden Beschwerden. Ein beschwerdefreier Monat belegt daher nicht, dass das Herz gesund ist.
Frühe Warnzeichen bei Frauen und Männern
Alle genannten Beschwerden können bei Frauen und Männern auftreten. Sie unterscheiden sich darin, wie häufig bestimmte Symptome berichtet werden.
Brustschmerzen sind bei beiden Geschlechtern das häufigste Symptom eines Herzinfarkts. Frauen haben bei der medizinischen Aufnahme jedoch häufiger keine Brustschmerzen: In einer Untersuchung waren es 42 % der Frauen gegenüber 30,7 % der Männer. Bei Frauen wurden außerdem Übelkeit, Atemnot und Schmerzen zwischen den Schulterblättern häufiger beobachtet. Bei den Beschwerden, die Frauen für die Zeit vor dem Infarkt beschreiben, wird ungewöhnliche Erschöpfung am häufigsten genannt, gefolgt von Schlafstörungen.
| Warnzeichen | Häufig beschriebenes Auftreten bei Frauen | Häufig beschriebenes Auftreten bei Männern |
|---|---|---|
| Ungewöhnliche Erschöpfung | Häufig die zuerst bemerkte Veränderung | Wird berichtet, steht aber selten im Vordergrund |
| Brustschmerzen oder Brustbeschwerden | Häufig, fehlen jedoch öfter als bei Männern | Häufigstes Symptom bei der medizinischen Aufnahme |
| Atemnot | Wird häufiger berichtet als bei Männern | Häufig, meist zusammen mit Brustschmerzen |
| Schlafstörungen | Werden oft für die vorausgehenden Wochen erinnert | Werden seltener erinnert als Brustbeschwerden |
| Übelkeit oder Erbrechen | Wird häufiger berichtet als bei Männern | Wird seltener berichtet |
| Schmerzen zwischen den Schulterblättern | Werden häufiger berichtet als bei Männern | Werden seltener berichtet |
Aus diesen Häufigkeiten lässt sich weder anhand des Geschlechts noch anhand eines einzelnen Symptoms eine Diagnose stellen.
Warum Beschwerden schon Wochen vor einem Herzinfarkt auftreten können
Beschwerden, die einem Herzereignis vorausgehen, heißen prodromale Symptome. Der Begriff grenzt sie von den Symptomen während des akuten Ereignisses ab.
Verengt sich ein Herzkranzgefäß, kann ein Teil des Herzmuskels zu wenig sauerstoffreiches Blut erhalten. Die dadurch ausgelösten Beschwerden heißen Angina pectoris. Sie können sich als Druck, Zusammenschnüren, Enge oder Brennen äußern und in Schultern, Arme, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen. Mitunter ähneln sie einer Magenverstimmung. Das erklärt, warum manche Betroffene zunächst an Verdauungsprobleme denken.
Ist ein Gefäß verengt, aber nicht vollständig verschlossen, kann der Herzmuskel unter Belastung mehr Sauerstoff benötigen, als ihn erreicht. In Ruhe können Bedarf und Versorgung wieder im Gleichgewicht sein. So lassen sich Beschwerden erklären, die über Wochen auftreten und wieder nachlassen. Dieser Mechanismus erklärt allerdings nicht alle genannten Symptome und lässt für sich genommen nicht darauf schließen, dass ein Infarkt bevorsteht.
Sodbrennen, Angst oder das Herz?
Reflux, also zurückfließende Magensäure, Stress und mehrere schlechte Nächte können Beschwerden verursachen, die Herzbeschwerden ähneln. Verlauf und Begleitumstände helfen bei der medizinischen Einordnung. Wie sich die Beschwerden anfühlen, reicht zur Unterscheidung allein nicht aus. Prodromale Symptome werden häufig zunächst auf Ursachen außerhalb des Herzens zurückgeführt.
Brustbeschwerden sollten ärztlich beurteilt werden. Ihre Ursache lässt sich zu Hause nicht zuverlässig anhand der Art des Schmerzes bestimmen.
| Symptom | Eher mit einer Ursache außerhalb des Herzens vereinbar | Anlass zur medizinischen Abklärung |
|---|---|---|
| Brennen in der Brust oder Verdauungsbeschwerden | Tritt nach großen oder späten Mahlzeiten auf | Säurebindende Mittel, sogenannte Antazida, bringen keine Linderung |
| Atemnot | Nimmt bei Angst zu und lässt bei Beruhigung nach | Tritt unter Belastung auf und lässt in Ruhe nach |
| Erschöpfung | Passt zu einer bekannten Schlaf- oder Stressbelastung | Ist neu, unerklärt und anhaltend |
| Gestörter Schlaf | Seit Langem bestehendes, unverändertes Muster | Neues Muster bei zuvor ungestörtem Schlaf |
| Schwindel | Tritt beim schnellen Aufstehen oder bei Flüssigkeitsmangel auf | Geht mit Druck in der Brust oder Atemnot einher |
Auch bei den Merkmalen in der mittleren Spalte kann die Ursache am Herzen liegen. Eine Besserung durch Antazida schließt Herzbeschwerden ebenfalls nicht zuverlässig aus.
Wann sofort der Notruf nötig ist: 112 in Deutschland, 911 in den USA
Wiederkehrende Beschwerden ohne akute Notfallzeichen sollten zeitnah medizinisch abgeklärt werden. Bei Anzeichen eines laufenden Herzinfarkts ist sofort der Rettungsdienst nötig: in Deutschland unter 112, in den USA unter 911. Nicht selbst fahren und nicht abwarten. Auch anhaltende Brustschmerzen erfordern einen sofortigen Notruf.
Bei folgenden möglichen Herzinfarktsymptomen ist sofortige Hilfe erforderlich:
- Plötzlich auftretende oder starke Brustschmerzen beziehungsweise Druck in der Brust.
- Schmerzen, die in Arm, Kiefer, Hals oder Rücken ausstrahlen.
- Starke Atemnot.
- Ohnmacht oder das Gefühl, unmittelbar ohnmächtig zu werden.
- Kalter Schweiß zusammen mit Übelkeit.
In einer Untersuchung riefen nur 19 % der Menschen mit Warnsymptomen vor einem plötzlichen Herzstillstand den Rettungsdienst. Von denjenigen, die anriefen, überlebten 32,1 %; unter denjenigen ohne Notruf waren es 6 %. Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Notruf und dem Überleben bei plötzlichem Herzstillstand. Die Zahlen erlauben keine individuelle Überlebensprognose. Sie zeigen für sich allein auch nicht, welcher Anteil des Unterschieds auf den Notruf zurückging.
Bei wem frühe Warnzeichen besonders relevant sind
Bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko sind mögliche Warnzeichen besonders ernst zu nehmen. In der INTERHEART-Fall-Kontroll-Studie entfielen statistisch 90 % des Herzinfarktrisikos bei Männern und 94 % bei Frauen auf die gemeinsam untersuchten beeinflussbaren Faktoren. Diese Schätzung bezieht sich auf die Bevölkerung und ist keine persönliche Risikoberechnung. Zu den genannten Faktoren gehören ein erhöhtes Verhältnis von ApoB zu ApoA1, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, bauchbetonte Adipositas, psychosozialer Stress, Bewegungsmangel sowie ein geringer Obst- und Gemüseverzehr. ApoB und ApoA1 sind Eiweiße in Partikeln, die Fette im Blut transportieren. Bauchbetonte Adipositas bedeutet, dass sich bei starkem Übergewicht besonders viel Fett im Bauchbereich ansammelt.
Diese Risikofaktoren sind verbreitet. Erhöhter Blutdruck, hohe Cholesterinwerte und Rauchen gehören zu den wichtigsten. Fast die Hälfte der Erwachsenen in den USA hat mindestens einen dieser Risikofaktoren. Eine Herzerkrankung kann bis zu einem akuten Ereignis ohne erkennbare Beschwerden bleiben. Ein erhöhtes Risiko kann deshalb auch ohne Beschwerden bestehen.
Was bei solchen Anzeichen zu tun ist
Wiederkehrende Beschwerden sollten gezielt abgeklärt werden. Für Brustbeschwerden gibt es festgelegte Verfahren zur Untersuchung und Risikoeinschätzung. Wenn keine akuten Notfallzeichen vorliegen, können fünf Schritte die ärztliche Beurteilung unterstützen:
- Die Beschwerden notieren: Wann beginnen sie, wie lange dauern sie und welche Tätigkeit ging ihnen voraus?
- Bei nicht akuten Beschwerden innerhalb weniger Tage einen Arzttermin vereinbaren, statt auf ein eindeutigeres Muster zu warten. Akute Warnzeichen erfordern sofortige Hilfe.
- Genau beschreiben, ob die Beschwerden mit körperlicher Belastung zusammenhängen. Das kann für die ärztliche Einschätzung wichtig sein.
- Eine grundlegende Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos ansprechen.
- Die oben genannten Notfallzeichen kennen und bei ihrem Auftreten sofort handeln.
Treten Beschwerden innerhalb eines Tages erneut auf, sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden. In der Untersuchung zum plötzlichen Herzstillstand kehrten Warnsymptome in den letzten 24 Stunden vor dem Ereignis häufig wieder. Wie viel Zeit bis zu einem möglichen Herzinfarkt bleibt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Welche Untersuchungen helfen, das Herzinfarktrisiko einzuschätzen
Mehrere gebräuchliche Messungen helfen dabei, das Herz-Kreislauf-Risiko einzuschätzen. Solche Risikomarker können einen Herzinfarkt weder sicher vorhersagen noch ausschließen. Akute Beschwerden müssen unabhängig davon diagnostisch abgeklärt werden.
ApoB blieb auch dann mit dem Herzinfarktrisiko verbunden, wenn Nicht-HDL-Cholesterin und Triglyceride in der Analyse berücksichtigt wurden. ApoB gibt Hinweise auf die Zahl der Lipoproteinpartikel. Diese transportieren Fette im Blut und können zur Bildung von Ablagerungen, sogenannten Plaques, in den Gefäßen beitragen.
Ein dreifach höherer Wert des Entzündungsmarkers hs-CRP war nach Berücksichtigung herkömmlicher Risikofaktoren mit einem 1,37-fachen Risiko für eine koronare Herzkrankheit verbunden, also eine Erkrankung der Herzkranzgefäße. Bei Erwachsenen ohne Diabetes ging ein HbA1c von 6 % bis 6,5 % gegenüber einem Wert zwischen 5 % und 5,5 % mit einem 1,78-fachen koronaren Risiko einher. HbA1c beschreibt den Anteil des verzuckerten roten Blutfarbstoffs und spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Monate wider.
Ein koronarer Kalkscore über 300 war gegenüber einem Score von 0 mit einem 9,67-fachen Risiko für koronare Ereignisse verbunden. Der Kalkscore erfasst verkalkte Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Ein EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und gehört zur üblichen Untersuchung bei Angina pectoris.
Diese Risikoverhältnisse stammen aus unterschiedlichen Untersuchungen. Sie lassen sich nicht zu einer persönlichen Infarktwahrscheinlichkeit addieren.
| Untersuchung | Was sie misst | Bedeutung für die Einschätzung des Herzrisikos |
|---|---|---|
| Blutdruck | Druck des Blutes auf die Arterienwände | Erhöhter Blutdruck ist ein wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor |
| Lipidprofil einschließlich ApoB | Cholesterinwerte und einen Anhaltspunkt für die Zahl atherogener Partikel, die Gefäßablagerungen fördern können | Die Partikelzahl kann über das LDL-Cholesterin hinaus Informationen zum Risiko liefern |
| hs-CRP | Einen Blutmarker für geringgradige Entzündung | Kann die Risikoeinschätzung über Blutfettwerte hinaus ergänzen |
| HbA1c | Den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Monate | Höhere Werte gehen mit einem höheren koronaren Risiko einher |
| EKG | Die elektrische Aktivität des Herzens | Gehört zur üblichen Abklärung einer Angina pectoris |
| Koronarer Kalkscore | Verkalkte Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen | Hilft bei der Risikoeinordnung, auch wenn noch keine koronare Erkrankung bekannt ist |
Häufige Fragen
Welche Symptome können 2 Wochen vor einem Herzinfarkt auftreten?
Es gibt keine bestimmte Symptomkombination, die ausschließlich 2 Wochen vor einem Herzinfarkt auftritt. Berichte über vorausgehende Beschwerden betreffen häufig die 4 Wochen vor dem Ereignis. Die dazu angeführten Untersuchungen behandeln allerdings unterschiedliche Ereignisse: Herzinfarkte und plötzliche Herzstillstände.
Beschrieben werden ungewöhnliche Erschöpfung, Brustbeschwerden, Atemnot, gestörter Schlaf, Verdauungsbeschwerden oder Übelkeit sowie Schwindel. Nachträglich befragte Frauen erinnerten sich an Erschöpfung, Schlafstörungen und Atemnot bereits mehr als einen Monat vor ihrem Herzinfarkt. Aus solchen Erinnerungen lässt sich kein fester zeitlicher Ablauf ableiten.
Was sind die 8 Warnzeichen eines Herzinfarkts?
Eine einheitlich anerkannte Liste mit genau 8 Warnzeichen gibt es nicht. Veröffentlichte Zusammenstellungen umfassen sechs bis zwölf Punkte. Zu den genannten Symptomen eines Herzinfarkts gehören Brustschmerzen oder Brustbeschwerden, Schmerzen im oberen Rücken oder Hals, Sodbrennen, Übelkeit oder Erbrechen, extreme Erschöpfung, Schwindel und Atemnot.
In einer Gruppe von 242 Herzinfarktpatientinnen und -patienten waren unter den Personen mit frühen Beschwerden Brustschmerzen mit 68 % am häufigsten. Es folgten ein Schweregefühl in der Brust mit 44 % und Herzklopfen mit 42 %. Diese Anteile beziehen sich ausschließlich auf die Untergruppe, die vorausgehende Symptome berichtete.
Welche vier Beschwerden können unmittelbar vor oder bei einem Herzinfarkt auftreten?
Bei akuten Infarktsymptomen ist ein anderes Vorgehen nötig als bei unspezifischen Beschwerden in den Wochen zuvor. Sofortige Hilfe ist erforderlich bei:
- Plötzlich auftretenden oder starken Brustschmerzen beziehungsweise Druck in der Brust.
- Schmerzen, die in Arm, Kiefer, Hals oder Rücken ausstrahlen.
- Starker Atemnot.
- Einem Ohnmachtsgefühl oder kaltem Schweiß.
In Deutschland gilt der Notruf 112, in den USA 911. Auch Brustschmerzen, die nicht nachlassen, erfordern einen sofortigen Notruf.
In einer Untersuchung riefen nur 19 % der Menschen mit Warnsymptomen vor einem plötzlichen Herzstillstand den Rettungsdienst. Die Überlebensrate betrug 32,1 % bei den Anrufenden gegenüber 6 % bei denjenigen ohne Notruf. Diese beobachteten Gruppenunterschiede betreffen Herzstillstände. Sie erlauben keine individuelle Prognose für einen Herzinfarkt.
Welche Beschwerden berichten Frauen vor einem Herzinfarkt?
Ungewöhnliche Erschöpfung ist das am häufigsten berichtete prodromale Symptom bei Frauen, gefolgt von Schlafstörungen. Unter 515 Frauen, die nach einem Herzinfarkt befragt wurden, erinnerten sich 70,7 % an ungewöhnliche Erschöpfung und 47,8 % an Schlafstörungen, die bereits mehr als einen Monat zuvor aufgetreten waren. Die Befragung erfasste die Beschwerden rückblickend.
Frauen haben bei der medizinischen Aufnahme zudem häufiger als Männer keine Brustschmerzen. In einer Untersuchung betraf das 42 % der Frauen gegenüber 30,7 % der Männer.
Kann ein Herzinfarkt ganz ohne Warnzeichen auftreten?
Ja. Unter 242 aufeinanderfolgend aufgenommenen Herzinfarktpatientinnen und -patienten berichteten 58,7 % über keine vorausgehenden Symptome. In einer anderen Untersuchung hatten nur 51 % der Menschen mit einem plötzlichen Herzstillstand in den vorausgehenden 4 Wochen irgendein Warnsymptom. Die zweite Zahl betrifft Herzstillstände und beschreibt nicht, wie häufig einem Herzinfarkt Warnzeichen vorausgehen.
Auch nach einem beschwerdefreien Monat kann ein erhöhtes Risiko bestehen. Herzerkrankungen können bis zu einem akuten Ereignis unbemerkt bleiben.
Können Warnzeichen eines Herzinfarkts kommen und gehen?
Ja. Vorausgehende Beschwerden können wiederholt auftreten und nachlassen, ohne stetig stärker zu werden. Bei einem verengten Herzkranzgefäß erhält der Herzmuskel unter Belastung möglicherweise nicht genügend sauerstoffreiches Blut. In Ruhe kann die Versorgung wieder dem Bedarf entsprechen. Dieser Mechanismus kann belastungsabhängige Angina-Beschwerden erklären, die zeitweise, auch über Tage, ausbleiben.
Bei Menschen mit Warnsymptomen vor einem plötzlichen Herzstillstand traten die Beschwerden in 93 % der Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden vor dem Ereignis erneut auf. Dass Beschwerden vorübergehend nachlassen, gibt deshalb keine verlässliche Entwarnung.
Wie lassen sich Herzbeschwerden von Sodbrennen oder Angst unterscheiden?
Das Gefühl allein erlaubt keine zuverlässige Unterscheidung, weil sich die Beschwerden stark ähneln können. Ärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere Symptome, die bei Belastung auftreten und in Ruhe nachlassen, ein neues Beschwerdemuster sowie Brennen in der Brust, das sich durch Antazida nicht bessert. Diese Merkmale geben Hinweise, eignen sich aber nicht als sichere Selbsttests.
Frühe Beschwerden werden häufig zunächst auf Ursachen außerhalb des Herzens zurückgeführt. Brustbeschwerden müssen deshalb medizinisch beurteilt werden. Bei akuten Warnzeichen sofort den Rettungsdienst rufen.
Welche Untersuchungen zeigen ein erhöhtes Herzinfarktrisiko?
Blutdruck, ein Lipidprofil einschließlich ApoB, hs-CRP, HbA1c und der koronare Kalkscore können helfen, das Herz-Kreislauf-Risiko einzuschätzen. Ein EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und gehört zur Abklärung von Herzbeschwerden. Diese Risikomessungen ersetzen keine Untersuchung auf einen akuten Infarkt.
ApoB blieb auch unter Berücksichtigung von Nicht-HDL-Cholesterin und Triglyceriden mit dem Herzinfarktrisiko verbunden. Ein dreifach höherer hs-CRP-Wert ging mit einem 1,37-fachen Risiko für eine koronare Herzkrankheit einher. Bei Erwachsenen ohne Diabetes war ein HbA1c von 6 % bis 6,5 % gegenüber einem Wert zwischen 5 % und 5,5 % mit einem 1,78-fachen koronaren Risiko verbunden. Ein Kalkscore über 300 ging gegenüber einem Score von 0 mit einem 9,67-fachen Risiko für koronare Ereignisse einher. Diese relativen Risiken beschreiben die Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen. Sie geben keine persönliche Wahrscheinlichkeit für einen bevorstehenden Herzinfarkt an.
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