Dehnungsstreifen: Ursachen, Unterschiede und Behandlungsmöglichkeiten
Klinische Prüfung ausstehend
Wie Dehnungsstreifen entstehen, wodurch sie sich von Cellulite unterscheiden, wann eine Abklärung sinnvoll sein kann und welche Möglichkeiten und Grenzen Behandlungen haben.
Dehnungsstreifen entstehen häufig während der Schwangerschaft, im Wachstum oder bei raschen Gewichtsveränderungen. Es sind narbige Veränderungen in der mittleren Hautschicht. Mit der Zeit können sie verblassen, und Behandlungen können ihr Erscheinungsbild verbessern. Vollständig entfernen lässt sich die veränderte Hautstruktur mit keinem der hier beschriebenen Verfahren. Treten die Streifen rasch und ohne erkennbaren Anlass auf, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Was Dehnungsstreifen sind und wo sie entstehen
Dehnungsstreifen, medizinisch Striae distensae, sind Narben in der Lederhaut. Diese mittlere Hautschicht heißt auch Dermis. Kollagen- und Elastinfasern geben ihr Festigkeit und Elastizität. Wird die Haut schneller gedehnt, als sie sich anpassen kann, können diese Fasern reißen. Auch ein rasches Schrumpfen der Haut wird als Auslöser beschrieben. Bei der anschließenden Reparatur entsteht Narbengewebe, das an der Oberfläche als Linien oder Streifen sichtbar bleibt.
Frühe Dehnungsstreifen heißen Striae rubrae. Sie erscheinen rot oder violett, weil Blutgefäße durch die dünner gewordene Haut hindurchscheinen. Mit abklingender Entzündung und enger werdenden Blutgefäßen verblassen sie zu weißen oder silbrigen Striae albae. Die Farbe verändert sich, während das Narbengewebe reift. Die ursprüngliche Hautstruktur kehrt dadurch jedoch nicht zurück: Die betroffenen Stellen bleiben dünner, weniger elastisch und an der Oberfläche anders beschaffen als die umliegende Haut. Striae Distensae, NCBI
Häufig entstehen die Streifen an Bauch, Brüsten, Hüften, Oberschenkeln, Gesäß und Oberarmen. Dort gerät die Haut bei raschem Wachstum oder Gewichtsveränderungen besonders unter Spannung. Mangelnde Hygiene oder zu wenig Trinken sind keine Ursachen. Die Veränderungen reichen in die Lederhaut hinein und betreffen sowohl die mechanische Belastbarkeit als auch biochemische Vorgänge im Gewebe.
Wie Hormone, mechanische Belastung und Hautstruktur Dehnungsstreifen begünstigen
Wie gut die Haut Dehnung verträgt, hängt auch von Hormonen ab. Cortisol, das wichtigste Stresshormon des Körpers, kann das stützende Gewebe der Haut schwächen. Bei erhöhten Cortisolspiegeln kann die Haut unter Spannung leichter einreißen. Ein Zusammenhang wird bei chronischem Stress, in der Schwangerschaft und beim Cushing-Syndrom diskutiert. Daraus folgt jedoch nicht, dass diese sehr unterschiedlichen Situationen das Risiko auf dieselbe Weise erhöhen.
In der Schwangerschaft steigen die Östrogen- und Progesteronspiegel stark an. Die Hormone verändern die Kollagenbildung und die Elastizität der Haut. Das kann die Lederhaut anfälliger machen, während sich der Bauch ausdehnt. Auch in der Pubertät verändert sich der Hormonhaushalt; insbesondere Wachstumshormon und Sexualhormone nehmen zu. Der Körper wächst dann mitunter schneller, als sich die Haut anpassen kann.
Bei rascher Dehnung bleibt der Dermis wenig Zeit, genügend neues Kollagen und Elastin zu bilden, um ihre Struktur zu erhalten. Fasern können reißen. Diese mechanische Belastung erklärt, weshalb Dehnungsstreifen häufig in der Schwangerschaft, während der Pubertät und bei rascher Gewichtszunahme entstehen. Auch Gewichtsabnahme wird als möglicher Auslöser beschrieben; ihre eigenständige Rolle ist weniger klar.
Kortikosteroide können das Risiko ebenfalls erhöhen. Das gilt sowohl für Präparate, die auf die Haut aufgetragen werden, als auch für Medikamente, die im ganzen Körper wirken. Sie hemmen die Kollagenbildung und können die Haut mit der Zeit dünner und weniger widerstandsfähig machen. Bei langfristiger Anwendung stark wirksamer kortisonhaltiger Hautpräparate oder bei Einnahme von Kortikosteroiden, etwa gegen Asthma oder Autoimmunerkrankungen, können deshalb auch ohne deutliche Gewichtsveränderung Dehnungsstreifen entstehen.
Was Dehnungsstreifen auslöst und warum nicht alle Menschen gleich betroffen sind
Häufig entstehen Dehnungsstreifen, wenn sich der Körperumfang rasch verändert. Je nach Lebensphase kommen unterschiedliche Auslöser infrage:
- Bis zu 90 % der Frauen entwickeln während der Schwangerschaft Dehnungsstreifen. Besonders häufig entstehen sie im dritten Trimester, wenn der Bauch schneller wächst. Cleveland Clinic
- In der Pubertät steigt das Risiko vor allem bei ausgeprägten Wachstumsschüben.
- Bei rascher Gewichtszunahme dehnt sich die Haut, ob nun Muskelmasse oder Fettgewebe zunimmt.
- Auch Gewichtsabnahme wird als möglicher Auslöser beschrieben. Als Erklärung gilt, dass sich die Haut schneller zusammenzieht, als sich die Lederhaut umbauen kann; wie groß dieser eigenständige Einfluss ist, bleibt offen.
- Hormonelle Erkrankungen können eine Rolle spielen, etwa das Cushing-Syndrom. Auch Schilddrüsenfunktionsstörungen und das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) werden mit veränderter Hautstruktur in Verbindung gebracht. Ob sie unabhängig von anderen Faktoren das Risiko für Dehnungsstreifen erhöhen, ist jedoch nicht geklärt.
Möglicherweise beeinflusst auch die Nährstoffversorgung, wie gut die Haut Dehnung verträgt. Ein Vitamin-D-Mangel wurde mit häufiger auftretenden Dehnungsstreifen in Verbindung gebracht. Das allein zeigt noch nicht, dass der Mangel die Streifen verursacht. Als Erklärung wird diskutiert, dass Vitamin D Vorgänge in der Haut und die Kollagenbildung reguliert. Zink, Vitamin C und Eiweiß werden für Kollagenbildung und Hautreparatur benötigt. Eine geringe Versorgung könnte daher die Widerstandsfähigkeit der Haut verringern.
Dehnungsstreifen können jucken, besonders während ihrer Entstehung. Als Erklärung gelten eine Reizung von Nerven beim Einreißen der Lederhaut und die begleitende Entzündung. Die betroffenen Stellen sind dünner und empfindlicher. Trockenheit kann den Juckreiz verstärken, erklärt ihn aber nicht vollständig: Auch Veränderungen in tieferen Hautschichten können beteiligt sein.
Warum Dehnungsstreifen unterschiedlich aussehen und unterschiedlich auf Behandlungen reagieren
Genetische Faktoren
Ob bei einer Schwangerschaft oder Gewichtszunahme Dehnungsstreifen entstehen, hängt auch von der genetischen Veranlagung ab. Wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, selbst welche zu entwickeln. Genvarianten beeinflussen unter anderem die Bildung von Kollagen und Elastin, die Hautdicke und die Reaktion auf Zugbelastung. Veränderungen im Filaggrin-Gen, die auch mit Ekzemen zusammenhängen, können die Hautbarriere beeinträchtigen. Ob sie dadurch auch Dehnungsstreifen begünstigen, ist offen.
Hauteigenschaften und hormonelle Ausgangslage
Auch Hauttyp und Kollagendichte beeinflussen, wie die Haut auf Dehnung reagiert. Von Natur aus dickere und elastischere Haut gilt als weniger anfällig. Der Hautphototyp, also die durch Pigmentierung geprägten Hauteigenschaften, beeinflusst zudem das Aussehen der Streifen. Bei höherem Melaningehalt können sie dunkler oder stärker pigmentiert erscheinen, besonders in der frühen roten Phase. Dazu kann eine stärkere Pigmentierung nach einer Entzündung beitragen, die sogenannte postinflammatorische Hyperpigmentierung.
Der Hormonhaushalt unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Manche bilden bei Stress mehr Cortisol oder haben höhere Ausgangswerte. Das könnte die Anfälligkeit ihrer Haut beeinflussen. Auch die Östrogen- und Progesteronspiegel sind während der Schwangerschaft nicht bei allen Frauen gleich. Solche Unterschiede könnten mit erklären, weshalb bei ähnlicher Gewichtszunahme unterschiedlich ausgeprägte Dehnungsstreifen entstehen.
Hinzu kommt das Alter: Jüngere Haut enthält mehr Kollagen und Elastin und gilt im Allgemeinen als widerstandsfähiger. Zugleich wird sie während des Wachstums oft rasch gedehnt. Aus der Hautbeschaffenheit allein lässt sich deshalb nicht ableiten, ob jemand Dehnungsstreifen bekommt.
Dehnungsstreifen und Cellulite: Worin sie sich unterscheiden
Dehnungsstreifen zeigen sich als längliche Linien oder Bänder, Cellulite als Dellen. Hinter dem unterschiedlichen Aussehen stehen Veränderungen in verschiedenen Gewebeschichten. Dehnungsstreifen sind Narben in der Lederhaut, bei denen Kollagen- und Elastinfasern geschädigt sind. Bei Cellulite bestimmen die Verteilung des Fettgewebes und der Aufbau des Bindegewebes, wie Fettzellen gegen die Haut drücken. Die unebene Oberfläche erinnert an eine Orangenschale; auch der Vergleich mit Hüttenkäse ist gebräuchlich.
An Cellulite sind das Unterhautfettgewebe und faserige Bindegewebsstränge beteiligt, die die Haut mit der darunterliegenden Muskulatur verbinden. Vergrößern sich Fettzellen oder werden die Stränge straffer, entsteht gegenläufiger Druck: Die Stränge ziehen die Haut nach unten, das Fettgewebe drückt nach oben. So bilden sich Dellen. Bei Dehnungsstreifen liegt die Veränderung dagegen in der Lederhaut. Fettgewebe ist daran nicht unmittelbar beteiligt, auch wenn eine rasche Zu- oder Abnahme von Fettgewebe als Auslöser beschrieben wird.
Cellulite tritt bei Frauen häufiger auf. Dazu tragen die Fettverteilung, die Struktur des Bindegewebes und hormonelle Einflüsse bei. Östrogen beeinflusst die Fettspeicherung und die Elastizität des Bindegewebes. Cellulite tritt daher nach der Pubertät und bei hormonellen Veränderungen häufiger auf. Dehnungsstreifen betreffen beide Geschlechter, kommen wegen Schwangerschaften und hormoneller Schwankungen aber ebenfalls häufiger bei Frauen vor.
Die Verfahren zur Behandlung setzen entsprechend an unterschiedlichen Stellen an. Bei Cellulite zielen Radiofrequenz, akustische Wellentherapie oder Subzision auf Fett- und Bindegewebe. Bei der Subzision werden straffe Bindegewebsstränge gelöst. Bei Dehnungsstreifen sollen Lasertherapie, Microneedling oder aufgetragene Retinoide den Kollagenumbau in der Lederhaut anregen.
Wann Dehnungsstreifen auf eine Erkrankung des Körpers hinweisen können
Die meisten Dehnungsstreifen sind harmlos und entstehen bei normalen körperlichen Veränderungen. Treten sie jedoch rasch und ohne erkennbare Erklärung auf, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, insbesondere wenn weder eine deutliche Gewichtsveränderung noch eine Schwangerschaft vorliegt. Ein möglicher Grund sind erhöhte Cortisolspiegel. Beim Cushing-Syndrom ist der Körper über längere Zeit zu viel Cortisol ausgesetzt. Dabei können breite, violette Streifen entstehen, häufig an Bauch, Oberschenkeln und Oberarmen. Sie sind meist ausgeprägter als gewöhnliche Dehnungsstreifen und können ohne die üblichen Auslöser auftreten.
Bei Jugendlichen ohne Wachstumsschub oder Gewichtsveränderung kann es sinnvoll sein, nach hormonellen Störungen zu suchen. Beim PCOS können Dehnungsstreifen zusammen mit unregelmäßigen Monatsblutungen, Akne und Gewichtszunahme vorkommen. Die Erkrankung kann mit erhöhten Androgenspiegeln und Insulinresistenz einhergehen. Schilddrüsenfunktionsstörungen, insbesondere eine Unterfunktion, können die Hautbeschaffenheit und Kollagenbildung verändern. Ob sie dadurch indirekt das Risiko für Dehnungsstreifen erhöhen, bleibt unklar.
Eine bekannte Ursache ist die langfristige Anwendung von Kortikosteroiden. Dazu gehören stark wirksame kortisonhaltige Hautpräparate gegen Ekzeme oder Psoriasis ebenso wie Tabletten gegen Asthma, Autoimmunerkrankungen oder andere Beschwerden. Dehnungsstreifen können dabei auch ohne Gewichtsveränderung auftreten. Dosierung und Anwendungsdauer sollten dann mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Eine unzureichende Versorgung mit Eiweiß, Vitamin C, Vitamin D und Zink kommt außerdem als möglicher Faktor für eine beeinträchtigte Kollagenbildung und Hautreparatur infrage; daraus lässt sich noch keine Ursache für die Streifen ableiten.
Was Biomarker bei immer wieder neu auftretenden Dehnungsstreifen zeigen können
Bei ungewöhnlich ausgeprägten Dehnungsstreifen oder fehlendem Auslöser können gezielte Untersuchungen helfen, eine zugrunde liegende Erkrankung zu erkennen. Welche Messwerte dafür infrage kommen, hängt von den Begleitbeschwerden und dem ärztlichen Verdacht ab. Dehnungsstreifen allein sind kein Grund, sämtliche folgenden Werte bestimmen zu lassen.
- Für Cortisol kommen Messungen im Serum oder in über 24 Stunden gesammeltem Urin vor. Bei Verdacht auf ein Cushing-Syndrom oder eine stressbedingte Erhöhung ist entscheidend, ob die gewählte Messung die konkrete Frage beantworten kann. Die Verfahren sind dafür nicht ohne Weiteres austauschbar.
- Insulin und HbA1c betreffen den Zuckerstoffwechsel. HbA1c beschreibt den längerfristigen Blutzucker. Die Werte können im Zusammenhang mit PCOS, Insulinresistenz und Stoffwechselveränderungen betrachtet werden, die sich auch auf die Haut auswirken können. Sie sind jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Nachweis von Insulinresistenz.
- Die Schilddrüsenwerte TSH, freies T3 und freies T4 können helfen, eine Unter- oder Überfunktion abzuklären. Beide Störungen können die Erneuerung von Hautzellen und die Kollagenbildung verändern.
- Antikörper gegen Thyreoperoxidase, kurz TPO-Antikörper, können auf eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung hinweisen.
- Werte für Vitamin D, Zink und Vitamin C betreffen die Frage nach Nährstoffmängeln, die mit beeinträchtigter Kollagenbildung zusammenhängen können.
- Ferritin und der Eisenstatus können zur Abklärung einer Blutarmut beitragen. Blutarmut kann die Gewebereparatur beeinträchtigen; diese Werte allein reichen für einen umfassenden Anämienachweis jedoch nicht aus.
- Hochsensitives C-reaktives Protein, kurz hs-CRP, kann auf Entzündungen im Körper hinweisen. Solche Vorgänge könnten die Hautheilung und den Kollagenumbau beeinträchtigen.
Bei Frauen mit Verdacht auf PCOS kommen außerdem Gesamttestosteron, freies Testosteron, das sexualhormonbindende Globulin SHBG sowie das Verhältnis von LH zu FSH als mögliche Messgrößen zur Sprache. LH und FSH steuern unter anderem die Funktion der Eierstöcke. Gemeinsam betrachtete Hormonwerte können helfen, Auffälligkeiten einzuordnen; welche Rolle das LH/FSH-Verhältnis dabei spielt, ist gesondert zu beurteilen.
Wiederholte Messungen sollen mögliche Zusammenhänge zwischen Hautveränderungen und Veränderungen des Gewichts oder Hormonhaushalts erfassen. Ob sie dafür im Einzelfall einen Nutzen haben, hängt von der konkreten diagnostischen Frage ab. Neu auftretende Dehnungsstreifen allein begründen keine regelmäßigen Laborkontrollen.
Welche Behandlungen helfen können und was die Evidenz zeigt
Auf die Haut aufgetragene Behandlungen
Tretinoin ist ein verschreibungspflichtiges Retinoid, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Vitamin-A-Abkömmlinge. Es regt die Kollagenbildung an und beschleunigt die Erneuerung der Hautzellen. Studien zeigen, dass es das Erscheinungsbild früher, roter Dehnungsstreifen verbessern kann. Bei reifen, weißen Streifen wirkt es weniger gut. Während der Schwangerschaft darf Tretinoin nicht angewendet werden. Mayo Clinic
Frei verkäufliche Cremes mit Hyaluronsäure, Centella asiatica oder Vitamin E können die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und Juckreiz lindern. Die veränderte Hautstruktur stellen sie nicht wieder her. Kakaobutter ist ebenfalls beliebt, doch es gibt keine starken Belege dafür, dass sie Dehnungsstreifen vorbeugt oder bestehende Streifen behandelt.
Lasertherapie und Microneedling
Bei reifen Dehnungsstreifen werden unter anderem fraktionierte CO2-Laser eingesetzt. Sie erzeugen kontrollierte Mikroverletzungen in der Lederhaut, die den Kollagenumbau anregen sollen. Fraktioniertes Radiofrequenz-Microneedling verfolgt dasselbe Ziel, ist aber kein Laserverfahren. Meist braucht es mehrere Sitzungen. Wie sich die Haut verändert, hängt vom Alter der Streifen, vom Hauttyp und vom individuellen Heilungsvermögen ab. Gepulste Farbstofflaser richten sich gezielt auf Blutgefäße und können die Rötung früher Dehnungsstreifen verringern. Übersichtsarbeit zu Behandlungen
Beim Microneedling dringen feine Nadeln in die Haut ein und sollen die Kollagenbildung anregen. Studien liefern Hinweise darauf, dass sich dadurch Hautstruktur und Pigmentierung verbessern können. Untersucht werden auch Kombinationen mit aufgetragenen Wirkstoffen oder plättchenreichem Plasma, kurz PRP. Ob solche Kombinationen mehr bewirken und ob Laser bei tiefen, reifen Dehnungsstreifen grundsätzlich besser abschneiden, lässt sich daraus nicht sicher ableiten.
Keine dieser Behandlungen entfernt Dehnungsstreifen vollständig. Sie sollen den Kollagenumbau anregen, die Hautstruktur verbessern und den Farbunterschied zur umgebenden Haut verringern. Eine Behandlung in der frühen roten Phase führt eher zu besseren Ergebnissen als eine Behandlung bereits weißer, reifer Streifen.
Wann Hautveränderungen Anlass für eine weitergehende Abklärung sind
Wenn immer wieder neue Dehnungsstreifen entstehen oder eine Erklärung fehlt, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Das gilt besonders ohne typische Auslöser wie Schwangerschaft, Gewichtsveränderungen oder Pubertät. Auch begleitende Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder andere Beschwerden, die über die Haut hinausgehen, können für die Einordnung wichtig sein.
Je nach Befund können gezielte Untersuchungen helfen, hormonelle Störungen, Nährstoffmängel oder Stoffwechselprobleme zu erkennen. Dabei zählt auch der zeitliche Verlauf: Wann entstanden die Streifen, und welche körperlichen Veränderungen gingen ihnen voraus? Das hilft zu beurteilen, ob sie zum normalen Wachstum passen oder ob weitere Untersuchungen nötig sind.
Häufige Fragen
Was sind Dehnungsstreifen, und warum entstehen sie?
Dehnungsstreifen, medizinisch Striae distensae, sind Narben in der Lederhaut, auch Dermis genannt. Wird diese Hautschicht schneller gedehnt, als sie sich anpassen und wieder zusammenziehen kann, können Kollagen- und Elastinfasern reißen. Anfangs erscheinen die Streifen rot oder violett. In dieser Phase heißen sie Striae rubrae; Blutgefäße scheinen durch die dünnere Haut hindurch. Während das Narbengewebe reift, verblassen die Streifen zu weißen oder silbrigen Striae albae. Die veränderte Struktur bleibt bestehen: Die Haut ist dort dünner und weniger elastisch als das umliegende Gewebe.
Jucken Dehnungsstreifen, und wie entsteht der Juckreiz?
Dehnungsstreifen können jucken, vor allem in der frühen roten Phase der Striae rubrae. Als Erklärung gelten die Reizung von Nerven beim Einreißen der Lederhaut und die begleitende Entzündung. Die betroffenen Stellen sind dünner und empfindlicher. Trockenheit kann den Juckreiz verstärken, doch auch Veränderungen in tieferen Hautschichten spielen eine Rolle. Meist lässt der Juckreiz nach, wenn die Streifen weiß oder silbrig werden. Parfümfreie Feuchtigkeitscremes und kühle Kompressen können die Beschwerden lindern, ohne den natürlichen Heilungsverlauf zu beeinträchtigen.
Was unterscheidet Dehnungsstreifen von Cellulite?
Dehnungsstreifen sind längliche Narben durch Schäden an Kollagen- und Elastinfasern in der mittleren Hautschicht. Cellulite betrifft das Fett- und Bindegewebe unter der Haut und zeigt sich als Dellen. Vergrößerte Fettzellen drücken nach oben, während straffere Bindegewebsstränge die Haut nach unten ziehen. Entsprechend setzen Behandlungen an verschiedenen Geweben an. Bei Cellulite sollen etwa Radiofrequenz oder akustische Wellentherapie auf Fett- und Bindegewebe wirken. Bei Dehnungsstreifen sollen Lasertherapie, Microneedling oder aufgetragene Retinoide den Kollagenumbau in der Lederhaut anregen.
Welche Behandlungen können Dehnungsstreifen verbessern, und was zeigt die Evidenz?
Für Tretinoin gibt es Belege, dass es frühe Dehnungsstreifen verbessern kann. Das verschreibungspflichtige Retinoid regt die Kollagenbildung und die Erneuerung der Hautzellen an. Bei reifen, weißen Streifen ist es weniger wirksam. Während der Schwangerschaft darf es nicht angewendet werden.
Bei reifen Dehnungsstreifen kommen unter anderem fraktionierte CO2-Laser und fraktioniertes Radiofrequenz-Microneedling zum Einsatz. Beide erzeugen kontrollierte Mikroverletzungen, die den Kollagenumbau anregen sollen. Gepulste Farbstofflaser können die Rötung früher Streifen verringern. Vollständig entfernen kann keine Behandlung die Dehnungsstreifen. Erreichbare Ziele sind eine verbesserte Hautstruktur und ein geringerer Kontrast zur umgebenden Haut.
Warum bekommen manche Menschen unter gleichen Bedingungen Dehnungsstreifen und andere nicht?
Die genetische Veranlagung beeinflusst, wie anfällig die Haut ist. Genvarianten wirken sich auf die Kollagen- und Elastinbildung, die Hautdicke und die Reaktion auf Zugbelastung aus. Wenn Eltern oder Geschwister Dehnungsstreifen haben, ist das eigene Risiko erhöht. Veränderungen im Filaggrin-Gen, die auch mit Ekzemen zusammenhängen, können die Hautbarriere beeinträchtigen. Ob sie darüber hinaus Dehnungsstreifen begünstigen, bleibt offen.
Auch Hauttyp, Kollagendichte, Hormonhaushalt und Alter tragen zu den Unterschieden bei. Jüngere Haut enthält mehr Kollagen und Elastin, wird während des Wachstums aber häufig rasch gedehnt. Wie widerstandsfähig die Haut ist und wie stark sie belastet wird, beeinflusst gemeinsam das Risiko.
Wann sollten Dehnungsstreifen auf eine zugrunde liegende Erkrankung untersucht werden?
Meist entstehen Dehnungsstreifen während einer Schwangerschaft, in der Pubertät oder bei Gewichtsveränderungen. Treten sie ohne solche Auslöser rasch auf, kann eine Abklärung sinnvoll sein. Breite, violette Streifen an Bauch, Oberschenkeln und Oberarmen können beispielsweise auf erhöhte Cortisolspiegel bei einem Cushing-Syndrom hinweisen.
Bei Jugendlichen ohne Wachstumsschub kann es sinnvoll sein, mögliche hormonelle Störungen abzuklären. Auch langfristig angewendete Kortikosteroide, als Tabletten oder auf der Haut, können ohne Gewichtsveränderung Dehnungsstreifen auslösen. Eine unzureichende Versorgung mit Eiweiß, Vitamin C, Vitamin D und Zink kommt als möglicher Faktor für beeinträchtigte Kollagenbildung und eine erhöhte Anfälligkeit infrage. Dehnungsstreifen allein belegen jedoch keinen solchen Mangel.
Welche Biomarker können relevant sein, wenn Dehnungsstreifen ohne erkennbaren Auslöser entstehen?
Das hängt von den Begleitbeschwerden und dem konkreten ärztlichen Verdacht ab. Bei der Frage nach einem Cushing-Syndrom oder stressbedingten Cortisolerhöhungen muss zunächst geklärt werden, welche Cortisolmessung aussagekräftig ist. Messungen im Serum und im 24-Stunden-Urin sind dafür nicht ohne Weiteres austauschbar. Insulin und HbA1c betreffen den Zuckerstoffwechsel und können im Zusammenhang mit PCOS oder Stoffwechselveränderungen betrachtet werden; sie weisen nicht für sich genommen eine Insulinresistenz nach. TSH, freies T3 und freies T4 können helfen, Schilddrüsenstörungen abzuklären, die Hautzellenerneuerung und Kollagenbildung beeinflussen können.
Bei Verdacht auf einen Nährstoffmangel kommen Werte für Vitamin D, Zink und Vitamin C infrage. Solche Mängel könnten die Kollagenbildung beeinträchtigen. Ferritin und Eisenstatus können zur Abklärung einer Blutarmut beitragen, die die Gewebereparatur beeinträchtigen kann. Sie reichen allein jedoch nicht für einen umfassenden Anämienachweis aus. hs-CRP kann auf Entzündungen im Körper hinweisen, die möglicherweise auch die Hautheilung stören. Jeder dieser Werte beantwortet eine andere Frage. Aus Dehnungsstreifen allein lässt sich weder ein breites Testprogramm begründen noch eine bestimmte Ursache sicher nachweisen.
Wie trägt Cortisol zur Entstehung von Dehnungsstreifen bei?
Cortisol, das wichtigste Stresshormon des Körpers, kann die Kollagenbildung hemmen und die Haut empfindlicher gegenüber Zugbelastung machen. Die beschriebenen Veränderungen betreffen das stützende Gewebe aus Kollagen und Elastin. Erhöhte Cortisolspiegel kommen im Zusammenhang mit chronischem Stress, Schwangerschaft und dem Cushing-Syndrom zur Sprache. Ihr Beitrag zu Dehnungsstreifen lässt sich in diesen unterschiedlichen Situationen jedoch nicht pauschal gleichsetzen.
Kortikosteroide können vergleichbare Wirkungen im ganzen Körper oder örtlich an der Haut haben. Bei langfristiger Anwendung kann die Haut dünner und weniger widerstandsfähig werden. Dehnungsstreifen können deshalb auch ohne deutliche Gewichtsveränderung oder mechanische Dehnung entstehen.
Quellen
- Mayo Clinic. (n.d.). Symptoms causes. https://mayoclinic.org/diseases-conditions/stretch-marks/symptoms-causes/syc-20351139
- National Center for Biotechnology Information. (2025). Striae Distensae. https://ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK436005
- Cleveland Clinic. (n.d.). Stretch Marks: What are they, Causes & Treatments. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/10785-stretch-marks
- Mayo Clinic. (n.d.). Diagnosis treatment. https://mayoclinic.org/diseases-conditions/stretch-marks/diagnosis-treatment/drc-20351144
- Lokhande AJ, Mysore V (2019). Striae Distensae Treatment Review and Update. Indian dermatology online journal, 10(4), 380-395. https://doi.org/10.4103/idoj.IDOJ_336_18 PubMed