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Nahrungsergänzungsmittel, die den Blutdruck erhöhen können

Klinische Prüfung ausstehend

Auch Nahrungsergänzungsmittel können den Blutdruck beeinflussen. Welche Präparate Aufmerksamkeit verdienen und weshalb Inhaltsstoffe, Dosis und Medikamente zusammen betrachtet werden sollten.

Kann ein frei erhältliches Nahrungsergänzungsmittel den Blutdruck steigen lassen? Ja. Manche Präparate beeinflussen den Blutdruck direkt, andere verändern die Wirkung von Medikamenten. Das kann etwa bei Süßholzwurzel, Koffein, Johanniskraut, Bitterorange, Yohimbe und Ginseng eine Rolle spielen. Wie groß das Risiko ist, hängt vom Präparat, der Dosis und den gleichzeitig eingenommenen Medikamenten ab. Auch die wissenschaftlichen Belege sind je nach Stoff unterschiedlich aussagekräftig.

Wie diese Nahrungsergänzungsmittel den Blutdruck beeinflussen

Warum kann ein Pflanzenextrakt oder ein Koffeinpräparat den Blutdruck verändern? Manche Inhaltsstoffe wirken ähnlich wie Hormone, die den Flüssigkeitshaushalt steuern. Andere regen das sympathische Nervensystem an, das den Körper auf eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion vorbereitet. Wieder andere verändern, wie der Körper Blutdruckmedikamente abbaut. Diese Unterschiede helfen zu verstehen, wer besonders gefährdet sein kann, welche Medikamente betroffen sind und wie lange eine Wirkung anhält.

Süßholzwurzel: Warum der Körper Wasser und Natrium zurückhält

Süßholzwurzel enthält Glycyrrhizin, das der Körper zu Glycyrrhetinsäure umwandelt. Diese hemmt das Enzym 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 (11β-HSD2). Normalerweise inaktiviert das Enzym Cortisol in den Nieren. Wird es gehemmt, bleibt dort mehr aktives Cortisol und aktiviert Mineralokortikoidrezeptoren. Dadurch hält der Körper Natrium und Wasser zurück und verliert zugleich Kalium.

In der Folge kann der Blutdruck steigen. Das Muster ähnelt einem primären Hyperaldosteronismus, also einer übermäßigen Wirkung des Hormons Aldosteron. Solange Süßholz konsumiert wird, kann die Wirkung anhalten. Auch nach dem Absetzen kann es Wochen dauern, bis sie zurückgeht.

Koffein: Wie das sympathische Nervensystem reagiert

Koffein blockiert Adenosinrezeptoren, die normalerweise das sympathische Nervensystem bremsen. Fällt dieses Signal weg, kann dessen Aktivität zunehmen. Das Herz kann schneller schlagen und mehr Blut pro Zeit pumpen; zugleich kann der Widerstand in den peripheren Blutgefäßen steigen. Beides kann den Blutdruck erhöhen.

Für eine einzelne Dosis von 200–300 mg wird ein Anstieg des systolischen Blutdrucks um 8–10 mmHg für bis zu fünf Stunden angegeben. Diese genauen Werte sind jedoch nicht durch eine passende Einzelquelle abgesichert. Die Reaktion fällt bei Menschen besonders ausgeprägt aus, die nicht regelmäßig Koffein konsumieren. Wer gewohnheitsmäßig Kaffee trinkt, entwickelt eine Toleranz und reagiert meist mit einem geringeren Blutdruckanstieg. Hohe Dosen, insbesondere aus Nahrungsergänzungsmitteln oder Energydrinks, können den Blutdruck auch bei regelmäßigem Konsum erhöhen.

Die angeführte Koffein-Metaanalyse behandelt laut Titel die chronische Einnahme. Ob sie auch die akute Wirkung von 200–300 mg über bis zu fünf Stunden stützt, ist offen.

Johanniskraut: Wenn Medikamente schneller abgebaut werden

Johanniskraut (Hypericum perforatum) regt die Aktivität von Cytochrom-P450-Enzymen, insbesondere CYP3A4, sowie von P-Glykoprotein stark an. Über CYP3A4 baut der Körper einige Blutdruckmedikamente ab, vor allem Kalziumkanalblocker wie Amlodipin, Nifedipin und Verapamil. Beschleunigt Johanniskraut diesen Abbau, kann weniger Wirkstoff im Blutplasma verbleiben. Die blutdrucksenkende Wirkung kann dadurch nachlassen.

Ob wegen dieses Risikos bei sämtlichen Blutdruckmedikamenten vollständig auf Johanniskraut verzichtet werden sollte, ist nicht geklärt. Entscheidend ist die Wechselwirkung mit dem konkreten Wirkstoff. Die angeführte Übersichtsarbeit zu Johanniskraut behandelt solche Arzneimittelwechselwirkungen; eine pauschale Empfehlung für alle blutdrucksenkenden Mittel lässt sich daraus hier nicht ableiten.

Bitterorange und Synephrin

Bitterorange (Citrus aurantium) enthält Synephrin, ein adrenerg wirkendes Amin, dessen Struktur Adrenalin ähnelt. Als Erklärung für einen möglichen Blutdruckanstieg wird eine Aktivierung von Alpha-1-Adrenozeptoren angeführt, die zu engeren Blutgefäßen und einer höheren Herzfrequenz führen soll. Für diese konkrete Rezeptorwirkung und die daraus abgeleiteten Folgen fehlen jedoch passende Belege in der Literaturliste.

Auch die Angaben, dass die Wirkung mit der Dosis zunehme und durch Koffein verstärkt werde, sind damit nicht ausreichend abgesichert. Die Kombination ist dennoch relevant: Bitterorange und Koffein kommen häufig gemeinsam in Nahrungsergänzungsmitteln zur Gewichtsabnahme vor.

Yohimbe: Was die Blockade von Alpha-2-Rezeptoren bewirkt

Yohimbe enthält Yohimbin, das Alpha-2-Adrenozeptoren blockiert. Diese Rezeptoren bremsen normalerweise die Freisetzung von Noradrenalin über eine negative Rückkopplung. Werden sie blockiert, kann mehr Noradrenalin im Blut zirkulieren.

Als weitere Wirkung wird eine Verengung peripherer Blutgefäße beschrieben, die den Blutdruck zusätzlich erhöhen kann. Bei bestehendem Bluthochdruck kann der Anstieg stark ausfallen. Ob er durchgehend auftritt, ist jedoch nicht ausreichend geklärt. Die angeführte klinische Studie untersucht oral eingenommenes Yohimbin bei Menschen mit Bluthochdruck. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Yohimbe-Präparate übertragen, deren Wirkstoffgehalt unterschiedlich sein kann.

Asiatischer Ginseng: Welche Rolle spielt die Dosis?

Asiatischer Ginseng (Panax ginseng) enthält Ginsenoside, die den Blutdruck je nach Dosis und Zusammensetzung in beide Richtungen beeinflussen können. Eine mögliche Erklärung lautet: Bei niedrigeren Dosen könnten bestimmte Ginsenoside die sympathische Aktivität steigern und damit den Blutdruck erhöhen. Bei höheren Dosen könnten andere Ginsenoside die Bildung von Stickstoffmonoxid fördern, sodass sich die Gefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Konkrete Quellen für diese einfache Zuordnung fehlen jedoch.

Auch die Aussage, Metaanalysen hätten insgesamt keinen einheitlichen Effekt gezeigt, lässt sich ohne die betreffenden Veröffentlichungen nicht näher einordnen. Individuelle Reaktionen können unterschiedlich ausfallen. Bei Bluthochdruck ist deshalb ein vorsichtiger Umgang mit Ginseng angebracht. Ob gerade niedrigere Dosen besondere Vorsicht erfordern, bleibt offen; eine sichere Dosierungsregel ergibt sich daraus nicht.

Wie Blutdruckregulation und Nahrungsergänzungsmittel zusammenhängen

Der Blutdruck hängt davon ab, wie Herz, Blutgefäße und Flüssigkeitshaushalt zusammenarbeiten. Daran beteiligt sind das sympathische Nervensystem, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und das Endothel, die innere Auskleidung der Blutgefäße. Nahrungsergänzungsmittel können in mehrere dieser Regelkreise eingreifen. Deshalb treten manche Wirkungen rasch auf, während andere sich allmählich entwickeln.

Aktivierung des sympathischen Nervensystems

Koffein, Bitterorange und Yohimbe können über das sympathische Nervensystem auf den Kreislauf wirken, wobei die Aussagen zu Bitterorange noch nicht ausreichend abgesichert sind. Als mögliche Folgen werden eine höhere Herzfrequenz, ein größeres Herzzeitvolumen und engere periphere Blutgefäße beschrieben. Das Herzzeitvolumen ist die Blutmenge, die das Herz pro Zeit pumpt. Solche Veränderungen können den Blutdruck erhöhen.

Wie stark und wie schnell das geschieht, hängt von der jeweiligen Substanz ab. Ein unmittelbarer, dosisabhängiger Effekt lässt sich nicht gleichermaßen für alle genannten Stoffe voraussetzen. Bei Menschen mit Bluthochdruck kann die sympathische Grundaktivität bereits erhöht sein. Ein zusätzliches stimulierendes Nahrungsergänzungsmittel kann den Blutdruck dann in einen gefährlichen Bereich treiben.

Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt

Süßholzwurzel erschwert es den Nieren, den Natrium- und Kaliumhaushalt zu regulieren. Hält der Körper Natrium zurück, nimmt das Blutvolumen zu und der Blutdruck steigt. Zugleich kann der Kaliumverlust Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und einen weiteren Blutdruckanstieg verursachen.

Diese Veränderungen entwickeln sich langsamer als die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, können dafür aber länger anhalten. Bis sie sich ausprägen, können Tage bis Wochen vergehen. Ähnlich lange kann es dauern, bis sie wieder zurückgehen.

Endothelfunktion und Stickstoffmonoxid

Das Endothel kleidet die Blutgefäße von innen aus. Einige Nahrungsergänzungsmittel könnten seine Funktion verbessern und die Produktion von Stickstoffmonoxid erhöhen. Dieses erweitert die Gefäße und kann so den Blutdruck senken.

Für hoch dosierten Ginseng wird eine solche Wirkung beschrieben, für niedrigere Dosen eine entgegengesetzte. Demnach wäre der Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung nicht linear und würde sich individuell stark unterscheiden. Die angenommene Richtungsänderung ist jedoch nicht durch konkrete Quellen abgesichert. Sie rechtfertigt daher keine Dosiserhöhung von Ginseng zur Blutdrucksenkung.

Arzneimittelstoffwechsel und Wirksamkeit von Medikamenten

Johanniskraut erhöht den Blutdruck bei den meisten Menschen nicht unmittelbar. Es kann jedoch den Abbau bestimmter Blutdruckmedikamente beschleunigen und so deren Wirkung abschwächen. Auch dann kann der Blutdruck steigen.

Im Alltag kann diese Wechselwirkung zunächst unbemerkt bleiben: Das Medikament wird wie verordnet eingenommen, wirkt aber möglicherweise schwächer als erwartet. Die angeführte Übersichtsarbeit behandelt klinische Arzneimittelwechselwirkungen mit Johanniskraut.

Was Studien über die Auswirkungen auf den Blutdruck aussagen

Wie gut sich die Wirkung einschätzen lässt, hängt vom jeweiligen Nahrungsergänzungsmittel ab. Für einige gibt es klinische Daten. Bei anderen beruhen die Aussagen vor allem auf Fallberichten und biologisch plausiblen Mechanismen. Ein Mechanismus allein zeigt noch nicht, wie stark sich der Blutdruck bei der Einnahme tatsächlich verändert.

Süßholzwurzel

In einer randomisierten Crossover-Studie aus dem Jahr 2024 stieg bei einer täglichen Aufnahme von 100 mg Glycyrrhizinsäure der zu Hause gemessene systolische Blutdruck im Durchschnitt um 3,1 mmHg. Renin und Aldosteron wurden dabei um 30 % beziehungsweise 45 % unterdrückt.

Für höhere Dosen, wie sie in traditionellen Präparaten vorkommen können, werden Blutdruckanstiege von 10–15 mmHg oder mehr genannt. Dafür fehlt ein gesonderter Beleg; diese Werte dürfen nicht der genannten Niedrigdosisstudie zugeschrieben werden. Auch die gesonderte Angabe von 10–15 mmHg oder mehr lässt sich anhand dieser Studie nicht absichern.

Die Wirkung wird als dosisabhängig und reversibel beschrieben. Wie viel Glycyrrhizin aufgenommen wird, ist beim Einkauf allerdings nicht immer erkennbar: Süßholz steckt in Süßigkeiten, Tees und pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, häufig ohne eindeutige Angabe des Glycyrrhizingehalts.

Koffein

Für die akute Wirkung von Koffein werden ein systolischer Blutdruckanstieg von 3–8 mmHg und ein diastolischer Anstieg von 4–6 mmHg angegeben. Diese als Ergebnisse von Metaanalysen beschriebenen Effekte sollen bei Menschen ohne regelmäßigen Koffeinkonsum stärker ausfallen und bis zu fünf Stunden anhalten. Ob die angeführte Literatur diese Zahlen und die Dauer tatsächlich stützt, ist offen: Die aufgeführte Metaanalyse zu Kaffee und Koffein behandelt laut Titel die chronische Einnahme.

Für sehr hohe Dosen wird außerdem eine mögliche Verdopplung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse genannt, insbesondere bei schwerem Bluthochdruck. Es fehlen jedoch eine konkrete Quelle, eine Definition der Dosis sowie Angaben zur untersuchten Personengruppe und zu den Ereignissen. Die Verdopplung lässt sich deshalb nicht als verlässliche Risikoschätzung verwenden.

Johanniskraut

Bei Johanniskraut steht die Wechselwirkung mit Medikamenten im Vordergrund. Durch die Induktion von CYP3A4 und P-Glykoprotein kann es die Wirksamkeit bestimmter blutdrucksenkender Mittel vermindern.

Beschrieben werden Fallberichte, in denen der Blutdruck nach Beginn einer Johanniskrauteinnahme erneut stieg, obwohl er zuvor medikamentös gut eingestellt war. Auch eine Einstufung als schwerwiegende Interaktion in klinischen Wechselwirkungsdatenbanken wird angeführt. Die einzelnen Fallberichte und Datenbankeinträge sind jedoch nicht benannt. Deshalb bleibt offen, welche Arzneimittelkombinationen betroffen waren und wie die jeweilige Bewertung zustande kam. Die Bibliografie enthält hierzu eine Übersichtsarbeit zur klinischen Evidenz von Johanniskraut-Wechselwirkungen.

Bitterorange

Fallberichte und kleine klinische Studien sollen Bitterorange und synephrinhaltige Produkte mit akuten Bluthochdruckepisoden und kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht haben. Auch Warnungen der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zu synephrinhaltigen Produkten, die als Ersatz für Ephedra vermarktet wurden, werden angeführt. Die betreffenden Veröffentlichungen und Warnungen sind allerdings nicht konkret angegeben. Ihre genaue Aussage und ihre Übertragbarkeit auf einzelne Produkte bleiben daher offen.

Eine Verstärkung der Wirkung durch Koffein wird ebenfalls beschrieben, ist anhand der genannten Literatur aber nicht abgesichert. Da diese Kombination häufig in Produkten zur Gewichtsabnahme vorkommt, ist sie bei der Beurteilung eines Präparats besonders relevant.

Yohimbe

Für Yohimbin wird in klinischen Studien ein dosisabhängiger Anstieg des systolischen Blutdrucks und der Herzfrequenz beschrieben. Die angeführte Studie zu oralem Yohimbin untersucht Blutdruck und sympathische Aktivität bei Menschen mit Bluthochdruck.

Daneben werden Meldungen unerwünschter Ereignisse an die FDA angeführt: Im Zusammenhang mit yohimbehaltigen Produkten sollen hypertensive Krisen und Tachykardien aufgetreten sein, also ein stark erhöhter Blutdruck und eine beschleunigte Herzfrequenz. Die konkreten Meldungen sind nicht verlinkt. Befunde zu dosiertem Yohimbin und Meldungen zu unterschiedlich zusammengesetzten Yohimbe-Produkten lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres zusammenfassen. Angesichts möglicher Kreislaufwirkungen wird Menschen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Yohimbe abgeraten.

Asiatischer Ginseng

Die Studienergebnisse zu Ginseng werden als uneinheitlich beschrieben: Einige randomisierte kontrollierte Studien sollen geringe Blutdruckanstiege bei niedrigen Dosen, andere geringe Senkungen bei höheren Dosen gefunden haben. Eine systematische Übersichtsarbeit soll insgesamt keinen statistisch signifikanten Effekt auf den Ruheblutdruck ergeben haben. Die betreffenden Studien und die Übersichtsarbeit fehlen allerdings in der Literaturliste, sodass sich diese Ergebnisse nicht genauer einordnen lassen.

Ein statistisch nicht signifikanter Gesamteffekt würde für sich genommen auch nicht zeigen, dass Ginseng den Blutdruck grundsätzlich nicht beeinflusst. Bei Bluthochdruck ist deshalb ein vorsichtiger Umgang sinnvoll. Regelmäßige Blutdruckmessungen zu Beginn der Einnahme können helfen, die individuelle Reaktion zu beobachten.

Wer diese Nahrungsergänzungsmittel meiden sollte

Wie jemand auf ein Präparat reagiert, hängt unter anderem vom Ausgangsblutdruck, der Dosis, genetischen Faktoren und gleichzeitig eingenommenen Medikamenten ab. Bei bestimmten Erkrankungen oder in der Schwangerschaft verdienen mögliche Folgen besondere Aufmerksamkeit.

Menschen mit bestehendem Bluthochdruck

Steigt ein bereits erhöhter Blutdruck durch ein Nahrungsergänzungsmittel weiter, kann auch das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenschäden zunehmen. Als Vorsichtsmaßnahme wird bei Bluthochdruck empfohlen, Süßholzwurzel, Yohimbe und Bitterorange vollständig zu meiden. Wie weit diese pauschale Empfehlung für die einzelnen Präparate trägt, ist noch nicht abschließend bewertet; besonders bei Bitterorange bestehen die beschriebenen Quellenlücken.

Koffein sollte begrenzt werden, insbesondere aus konzentrierten Quellen wie Energydrinks oder Pre-Workout-Präparaten.

Menschen, die Blutdruckmedikamente einnehmen

Johanniskraut kann die Wirkung bestimmter Blutdruckmedikamente abschwächen. Als betroffene Gruppen werden Kalziumkanalblocker, Betablocker und weitere blutdrucksenkende Arzneimittel genannt. Das ist jedoch nicht für jeden Wirkstoff dieser Gruppen gleichermaßen abgesichert, insbesondere bei Betablockern. Koffein und stimulierende Nahrungsergänzungsmittel können der blutdrucksenkenden Behandlung ebenfalls entgegenwirken.

Vor der Einnahme eines neuen Nahrungsergänzungsmittels hilft daher ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, die konkrete Kombination zu beurteilen. Zu Johanniskraut ist die Übersichtsarbeit über klinische Wechselwirkungen angeführt.

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Yohimbe und Bitterorange können möglicherweise Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen und dadurch das Herz belasten. Daraus ergibt sich die Vorsichtsempfehlung, diese Nahrungsergänzungsmittel bei koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen zu meiden. Bei Bitterorange ist die Grundlage für die beschriebenen Wirkungen noch unzureichend dokumentiert; bei Yohimbe unterscheiden sich die Präparate im Wirkstoffgehalt.

Schwangere

Süßholzkonsum während der Schwangerschaft wurde mit ungünstigen Ergebnissen bei der neurologischen Entwicklung von Kindern in Verbindung gebracht. In einer finnischen Kohortenstudie im American Journal of Epidemiology erreichten Kinder von Müttern mit einer hohen Glycyrrhizinaufnahme von ≥500 mg pro Woche durchschnittlich 7 IQ-Punkte weniger als Kinder von Müttern mit geringer Exposition. Außerdem hatten sie 3,3-fach höhere Odds für ADHS-Probleme.

Eine solche Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang, beweist für sich genommen aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die 3,3-fachen Odds entsprechen zudem keinem 3,3-fachen absoluten Risiko. Als Vorsichtsmaßnahme wird Schwangeren empfohlen, süßholzhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel zu meiden. Wie weit diese umfassende Verzichtsempfehlung durch die Daten getragen wird, ist noch nicht abschließend eingeordnet.

Menschen mit Nierenerkrankungen

Süßholzwurzel stört den Natrium- und Kaliumhaushalt. Bei chronischer Nierenerkrankung kann sich das ungünstig auf die Nierenfunktion und auf Flüssigkeitseinlagerungen auswirken.

Wie Blutdruckmessungen bei der Einordnung helfen

Ob sich der Blutdruck verändert, lässt sich anhand wiederholter Messungen besser beurteilen als nach Gefühl. Dafür ist es hilfreich, den eigenen Ausgangsblutdruck zu kennen. Da die Werte im Tagesverlauf schwanken, ergibt eine einzelne Messung noch kein vollständiges Bild. Messungen zu Hause, möglichst täglich zur gleichen Zeit, erleichtern den Vergleich.

Wer ein Nahrungsergänzungsmittel erwägt, das den Blutdruck erhöhen kann, sollte vor Beginn und in den ersten Wochen danach regelmäßig messen. Als mögliche Hinweise auf einen Zusammenhang werden ein Anstieg des systolischen Werts um mehr als 10 mmHg oder des diastolischen Werts um mehr als 5 mmHg genannt. Für diese Schwellenwerte fehlt jedoch eine Quelle. Sie weisen das Präparat nicht als Ursache nach; auch kleinere Veränderungen bedeuten nicht automatisch, dass die Einnahme unbedenklich ist.

Laborwerte können ergänzende Hinweise liefern. So kann bei Süßholzkonsum der Kaliumspiegel sinken. Ob ein erhöhter Cortisolwert auf übermäßigen Süßholzkonsum hinweist, ist dagegen offen: Die lokale Cortisolwirkung bei einer Hemmung von 11β-HSD2 bedeutet nicht ohne Weiteres, dass auch der Cortisol-Laborwert erhöht ist.

Auch die vorgeschlagene Messung des hochsensitiven C-reaktiven Proteins, hs-CRP, lässt sich für diesen Zweck nicht ausreichend begründen. Ob damit erkennbar wird, dass Blutdruckveränderungen mit mehr entzündlichen Vorgängen im Herz-Kreislauf-System einhergehen, ist nicht belegt. Die verlinkten Biomarker-Seiten gehören zum Angebot des ursprünglichen Anbieters und sind keine unabhängigen Studienbelege.

Wie sich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überprüfen lässt

Wenn der Blutdruck während der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels allmählich steigt, können Laborwerte unter Umständen helfen, die Veränderung einzuordnen. Kalium, Natrium und Nierenfunktionswerte wie Kreatinin und die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, eGFR, können Hinweise darauf geben, ob ein Präparat den Flüssigkeitshaushalt oder die Nierenfunktion beeinflusst.

Ein möglicher Ansatz ist, diese Werte vor Beginn eines neuen Präparats und einige Wochen später zu bestimmen. Ob solche Untersuchungen sinnvoll sind und wann sie erfolgen sollten, muss individuell ärztlich entschieden werden. Die Werte allein können weder das Nahrungsergänzungsmittel als Ursache nachweisen noch umfassende Stoffwechselveränderungen sicher feststellen. Auch diese Links führen zu Informationsseiten des ursprünglichen Anbieters, nicht zu klinischen Studien.

Häufig gestellte Fragen

Welche Nahrungsergänzungsmittel erhöhen den Blutdruck am stärksten?

Süßholzwurzel und Yohimbe können den Blutdruck erheblich steigern, besonders bei bereits bestehendem Bluthochdruck. Ob sie ihn zuverlässiger und stärker erhöhen als die anderen genannten Mittel, lässt sich ohne einen direkten Vergleich nicht sagen.

Süßholz wirkt ähnlich wie Aldosteron und führt dazu, dass der Körper Natrium zurückhält. Yohimbe beziehungsweise sein Inhaltsstoff Yohimbin blockiert Alpha-2-Rezeptoren und erhöht die Freisetzung von Noradrenalin. Dazu sind eine Süßholzstudie und eine Studie zu oralem Yohimbin aufgeführt. Sie begründen keine Rangfolge; zudem gelten Befunde zu Yohimbin nicht automatisch für unterschiedlich zusammengesetzte Yohimbe-Präparate.

Können Koffeinpräparate langfristig Bluthochdruck verursachen?

Koffein kann akute Blutdruckspitzen auslösen. Für deren angegebene Dauer von bis zu fünf Stunden fehlt hier ein passender Beleg. Bei regelmäßiger Einnahme entwickelt sich eine Toleranz. Daraus allein lässt sich jedoch nicht schließen, dass chronischer Konsum typischerweise keinen anhaltenden Bluthochdruck verursacht. Toleranz schließt langfristige Blutdruckeffekte nicht aus; die aufgeführte Metaanalyse zur chronischen Einnahme erlaubt ohne nähere Prüfung keine abschließende Antwort auf diese Frage.

Sehr hohe Dosen aus Nahrungsergänzungsmitteln oder Energydrinks können den Blutdruck auch bei gewohnheitsmäßigem Konsum erhöhen. Bei schwerem Bluthochdruck könnte außerdem das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht sein. Wie groß dieses Risiko ist und welche Dosen betroffen sind, bleibt anhand der genannten Quellen offen.

Ist Johanniskraut bei normalem Blutdruck unbedenklich?

Ein normaler Blutdruck schließt Arzneimittelwechselwirkungen nicht aus. Eine direkte Blutdruckerhöhung bei normalen Ausgangswerten wird zwar als selten beschrieben. Johanniskraut regt jedoch Leberenzyme an, die zahlreiche Medikamente abbauen. Wechselwirkungen betreffen unter anderem Blutdruckmedikamente, Antidepressiva und die Antibabypille. Nicht alle lassen sich allein durch einen beschleunigten Abbau erklären; besonders bei Antidepressiva hängen Mechanismus und Risiko von der jeweiligen Kombination ab.

Wer verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut deshalb vor der Anwendung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Die angeführte Übersichtsarbeit behandelt die klinische Evidenz solcher Wechselwirkungen.

Wie viel Süßholzwurzel ist bei Bluthochdruck sicher?

Eine allgemein sichere Menge lässt sich aus den genannten Daten nicht ableiten. Bereits 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag könnten bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen. Die Empfehlung, bei Bluthochdruck vollständig auf Süßholzwurzel zu verzichten, ist als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen; ihre pauschale Gültigkeit ist noch nicht abschließend bewertet.

Süßholz findet sich in Süßigkeiten, Tees und pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Da die Mengen häufig nicht klar angegeben sind, lässt sich die Aufnahme schwer einschätzen. Das ist ein Grund für die Empfehlung, auf Süßholz zu verzichten, statt eine vermeintlich sichere Menge festzulegen. Die angeführte randomisierte Studie untersuchte eine tägliche Aufnahme von 100 mg Glycyrrhizinsäure. Die 100 mg beziehen sich auf den genannten Inhaltsstoff, nicht auf 100 mg Süßholzwurzel.

Beeinflusst Bitterorange den Blutdruck genauso wie Ephedra?

Das in Bitterorange enthaltene Synephrin ist strukturell mit Ephedrin verwandt, hat aber andere pharmakologische Eigenschaften. Die Aussage, sein Einfluss auf Blutdruck und Herzfrequenz falle im Allgemeinen schwächer aus als der von Ephedra, ist nicht durch eine konkrete Vergleichsquelle abgesichert.

In Kombination mit Koffein könnten sich die Herz-Kreislauf-Wirkungen verstärken und das Risiko erhöhen. Eine vermeintlich schwächere Wirkung bedeutet daher keine gesicherte Unbedenklichkeit.

Kann Ginseng den Blutdruck senken, statt ihn zu erhöhen?

Ginseng kann den Blutdruck möglicherweise in beide Richtungen beeinflussen. Die einfache Einteilung, niedrige Dosen erhöhten ihn eher und hohe Dosen senkten ihn über eine durch Stickstoffmonoxid vermittelte Gefäßerweiterung, ist durch die angeführten Quellen jedoch nicht abgesichert. Sie rechtfertigt keine Dosiserhöhung zur Blutdrucksenkung.

Die Studienergebnisse werden insgesamt als uneinheitlich beschrieben, und Menschen reagieren unterschiedlich. Bei Bluthochdruck sollte Ginseng deshalb vorsichtig angewendet und der Blutdruck engmaschig beobachtet werden.

Wie lange hält die Blutdruckwirkung von Süßholzwurzel nach dem Absetzen an?

Nach dem Absetzen kann es mehrere Wochen dauern, bis ein durch Süßholzwurzel erhöhter Blutdruck zurückgeht. Während des Konsums kann die Wirkung anhalten. Dahinter steht die aldosteronähnliche Wirkung, durch die der Körper Natrium zurückhält; sie bildet sich nur allmählich zurück.

Der Körper wandelt Glycyrrhizin in Glycyrrhetinsäure um. Diese hemmt 11β-HSD2, sodass Cortisol die Mineralokortikoidrezeptoren in den Nieren länger anhaltend aktivieren kann. Deshalb verschwinden die Natriumretention und der Kaliummangel nach dem Absetzen nicht sofort. Kaliummangel erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko auch unabhängig vom Blutdruck.

Kann hoch dosierter Ginseng den Blutdruck erhöhen oder senken?

Ginseng kann den Blutdruck in beide Richtungen beeinflussen. Welche Reaktion auftritt, könnte von der Dosis, der Zubereitung und der individuellen Herz-Kreislauf-Situation abhängen. Unter bestimmten Bedingungen könnte der Blutdruck steigen, unter anderen sinken. Eine hohe Dosis lässt daher keine eindeutige Vorhersage zu.

Als mögliche Erklärung gelten Wirkungen der Ginsenoside auf mehrere Signalwege zugleich: Einige könnten die Produktion von Stickstoffmonoxid und damit die Gefäßerweiterung fördern. Andere könnten die sympathische Aktivität stimulieren und die Gefäße verengen. Welche Wirkung überwiegt, könnte auch von der Ginsenosidzusammensetzung abhängen, die sich zwischen asiatischem und amerikanischem Ginseng unterscheidet. Für diese detaillierte Erklärung einschließlich der Unterschiede zwischen den Ginsengarten fehlen konkrete Belege in der Literaturliste.

Klinische Studien werden als uneinheitlich beschrieben. Wer wegen seines Blutdrucks betreut wird oder Medikamente einnimmt, sollte die behandelnde Fachperson deshalb über eine Ginsengeinnahme informieren.

Literatur und Quellen

Für mehrere Aussagen fehlen konkrete Quellen, insbesondere zu Bitterorange, Ginseng, akuten Koffeineffekten und einzelnen Risikoschätzungen. Die jeweiligen Grenzen sind bei den Aussagen genannt.

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Zusätzlich verlinkte Biomarker-Informationsseiten des ursprünglichen Anbieters; keine unabhängigen wissenschaftlichen Belege: