Kann man Nahrungsergänzungsmittel während des Fastens einnehmen?
Klinische Prüfung ausstehend
Ob ein Nahrungsergänzungsmittel zum Fasten passt, hängt vom Präparat und dem Fastenziel ab. Einordnung von Inhaltsstoffen, Einnahmezeit und Verträglichkeit.
Passt die Magnesiumkapsel ins Fastenfenster? Macht es einen Unterschied, ob ein Vitamin als Tablette, Gummi oder Ölkapsel vorliegt? Entscheidend sind die Inhaltsstoffe und das Fastenziel. Beim Intervallfasten gelten andere Maßstäbe als beim religiösen Fasten oder bei der Nüchternheit vor einem medizinischen Eingriff. Wer die Autophagie fördern möchte, muss zusätzlich die mögliche Signalwirkung von Nährstoffen berücksichtigen. Viele Präparate lassen sich ins Essensfenster verlegen. Dabei bleiben ihre Zusammensetzung und die jeweiligen Einnahmevorgaben maßgeblich.
Was bedeutet es, das Fasten zu brechen?
Zunächst muss klar sein, welche Fastenregel gemeint ist. Für ein streng kalorienfreies Fasten zählt, ob ein Präparat Energie liefert. Bei Stoffwechselzielen können auch Aminosäuren und insulinanregende Bestandteile eine Rolle spielen. Reine Elektrolyte, wasserlösliche Vitamine und manche pflanzlichen Kapseln kommen deshalb grundsätzlich für das Fastenfenster infrage. Kalorienfreiheit allein sagt jedoch nichts darüber aus, ob ihre Einnahme gesundheitlich sicher ist.
Vitamin-Gummis, Proteinpulver, BCAAs und ölbasierte Präparate können je nach Zusammensetzung ein Fastenprotokoll unterbrechen oder dessen Ziel beeinflussen. Ob es um Stoffwechselgesundheit, Autophagie oder Gewichtsabnahme geht, macht dabei einen Unterschied. Diese Präparate lassen sich nicht für alle Ziele gleich beurteilen.
Vor einer Operation oder Darmspiegelung geht es um andere Anforderungen. Bei einer Narkose soll die Nüchternheit das Risiko einer Aspiration verringern: Mageninhalt könnte sonst in die Atemwege gelangen. Eine pauschale Regel wie „nichts über den Mund außer Wasser, manchmal auch kein Wasser“ reicht als Vorbereitung nicht aus. Verbindlich sind die individuellen Vorgaben des behandelnden Teams zu Essen, Trinken, Medikamenten und gegebenenfalls zur Darmreinigung. Der Stoffwechselzustand entscheidet hier nicht darüber, was erlaubt ist.
Beim Intervallfasten zur Unterstützung der Stoffwechselgesundheit stehen häufig ein niedriger Insulinspiegel und die Energiegewinnung aus Fett im Vordergrund. Ein Präparat, das den Blutzucker erhöht oder eine Insulinantwort auslöst, kann diesen Zustand beeinflussen. Wie stark, hängt von Zusammensetzung, Menge und individuellem Kontext ab. Die gelegentlich genannte Menge von 50 Kalorien ist keine belegte allgemeingültige Schwelle, ab der der Körper vom Fastenstoffwechsel zum Stoffwechsel nach einer Mahlzeit wechselt.
Bei der Autophagie bauen Zellen eigene Bestandteile ab und verwerten sie erneut. Nährstoffmangel kann diesen Recyclingprozess anregen; der mTOR-Signalweg hemmt ihn. Aminosäuren, insbesondere Leucin, können mTOR aktivieren. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, dass Aminosäurepräparate die Autophagie auch dann beeinflussen, wenn sie nur wenig Energie liefern. Wie sich das bei einem konkreten Fastenprotokoll auswirkt, lässt sich aus dem Mechanismus allein nicht ableiten. Auch die Bezeichnung solcher Präparate als „kalorienfrei“ ist nicht ohne Weiteres zutreffend.
Quellenhinweis: Der hierzu angeführte PubMed-Eintrag ist einer Literaturangabe über die Ruptur eines Milzarterienaneurysmas während der Schwangerschaft zugeordnet. Diese Zuordnung passt nicht zur Aussage über Autophagie und mTOR und liefert dafür keinen bestätigten Beleg.
Beim religiösen Fasten bestimmen die jeweiligen Regeln und die religiöse Absicht die Grenzen. Nach der hier beschriebenen Ramadan-Regel sind von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang Essen, Trinken und andere orale Aufnahmen nicht erlaubt. Eine Kapsel oder Tablette würde das Fasten danach unabhängig vom Kaloriengehalt unterbrechen. Ihre Stoffwechselwirkung entscheidet in diesem Fall nicht über die Zulässigkeit.
Wie Nahrungsergänzungsmittel den Fastenstoffwechsel beeinflussen
Während des Fastens gewinnt der Körper zunehmend Energie aus Fett statt aus Glukose. Der Insulinspiegel sinkt, Glukagon steigt, und gespeichertes Glykogen wird aufgebraucht. Für eine zunehmende Ketonproduktion wird ein Zeitraum von 12 bis 16 Stunden genannt: Die Leber wandelt Fettsäuren in einen nutzbaren Energieträger um. Der Zeitpunkt dieser Veränderungen variiert jedoch von Mensch zu Mensch.
Reine Elektrolytpräparate mit Natrium, Kalium oder Magnesium liefern keine Kalorien. Deshalb werden sie als mit dem Fastenstoffwechsel vereinbar eingeordnet. Die weitergehende Annahme, dass sie den Insulinspiegel nicht erhöhen und die Stoffwechselumstellung unter allen Bedingungen unberührt lassen, ist damit allein noch nicht abgesichert.
B-Vitamine und Vitamin C sind wasserlöslich. Übliche Präparate liefern vernachlässigbare Kalorienmengen und können ohne Mahlzeit aufgenommen werden. Das spricht grundsätzlich für ihre Vereinbarkeit mit metabolischem Fasten. Die Verträglichkeit ist eine eigene Frage: Auf nüchternen Magen können solche Präparate die Magenschleimhaut reizen und Übelkeit auslösen.
Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden zusammen mit Nahrungsfett besser aufgenommen. Öl in einer Kapsel liefert zudem Kalorien und unterbricht damit ein streng kalorienfreies Fasten. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Vitamine ohne gleichzeitig aufgenommenes Fett größtenteils unaufgenommen durch den Verdauungstrakt gelangen. Für diese pauschale Aussage fehlt eine ausreichende Grundlage.
Welche Präparate Insulin oder mTOR beeinflussen können
Proteinpulver, Kollagenpeptide und Aminosäurepräparate signalisieren den Zellen, dass Nährstoffe verfügbar sind. Bereits eine kleine Portion könnte mTOR aktivieren. Dieser zentrale Regulator des Zellwachstums hemmt die Autophagie. Besonders relevant ist dabei Leucin, das die mTOR-Signalübertragung direkt anregt und zu den BCAAs, den verzweigtkettigen Aminosäuren, gehört. Proteinpräparate können den Fastenzustand somit beeinflussen; dass sie unter allen Bedingungen den stärksten Einfluss haben, lässt sich aus den angeführten Belegen nicht ableiten.
Auch die übrigen Zutaten verdienen Aufmerksamkeit. Viele Präparate enthalten Maltodextrin, Dextrose oder Zuckeralkohole als Binde- oder Geschmacksmittel. Diese Stoffe wirken nicht alle gleich auf Blutzucker und Insulinausschüttung. Insbesondere Zuckeralkohole lassen sich nicht pauschal mit Dextrose oder Maltodextrin gleichsetzen.
Vitamin-Gummis enthalten häufig 2 bis 5 Gramm Zucker pro Portion. Ob das einen deutlichen Insulinanstieg auslöst, hängt von der Zusammensetzung und dem jeweiligen Kontext ab. Ein vollständiger Stopp der Fettverbrennung lässt sich aus dieser Zuckermenge allein nicht ableiten.
Was die wissenschaftlichen Belege über Nahrungsergänzungsmittel und Fasten aussagen
Was sich aus der Forschung ableiten lässt
Für die Einordnung sind drei unterschiedliche Fragen relevant:
- Reine Elektrolyte liefern keine Kalorien. Das Fehlen insulinanregender Bestandteile ist ein Argument für ihre Vereinbarkeit mit dem Fasten, belegt aber nicht pauschal, dass sie Autophagie und Ketose unter allen Bedingungen unbeeinflusst lassen.
- Für Vitamin D3 wurde mit einer fetthaltigen Mahlzeit eine etwa 32 % bessere Aufnahme als mit einer fettfreien berichtet. Das spricht dafür, fettlösliche Vitamine ins Essensfenster zu legen.
- Schon kleine Mengen Leucin könnten mTOR aktivieren und dadurch die Autophagie hemmen. Als „kalorienfrei“ vermarktete Aminosäurepräparate könnten einem auf Autophagie ausgerichteten Fastenziel deshalb entgegenwirken. Wie stark dieser Effekt beim Menschen ausfällt, bleibt offen.
Autophagie hängt sowohl von der Kalorienzufuhr als auch von der Verfügbarkeit von Aminosäuren und der Insulinsignalübertragung ab. Die angeführten Angaben reichen jedoch nicht aus, um von übereinstimmenden Forschungsergebnissen zur Wirkung sämtlicher Elektrolytpräparate auf die Autophagie beim Menschen zu sprechen. Ein Mechanismus erklärt einen möglichen Einfluss, erlaubt aber noch keine sichere Vorhersage für ein bestimmtes Präparat und Fastenprotokoll.
Einen konkreten Anhaltspunkt für den Einnahmezeitpunkt liefert eine 2015 im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics veröffentlichte Studie. Berichtet wurde eine um 32 % höhere Aufnahme von Vitamin D3 mit einer fetthaltigen gegenüber einer fettfreien Mahlzeit. Das Ergebnis unterstützt die Einnahme fettlöslicher Vitamine während des Essensfensters. Studie zur Aufnahme von Vitamin D3
Bei Aminosäuren ist zusätzlich ihre Signalwirkung wichtig. Eine Arbeit in Nature Communications beschreibt, wie Leucin die Autophagie über die Acetylierung der mTORC1-Komponente Raptor hemmt. Dieser Mechanismus begründet die Sorge, dass als „fastenfreundlich“ beworbene Aminosäurepräparate ein auf Autophagie ausgerichtetes Fasten beeinträchtigen könnten, selbst wenn ihr Kaloriengehalt vernachlässigbar erscheint. Er beantwortet noch nicht, welche kleinen Mengen dafür beim Menschen ausreichen oder wie stark die Wirkung unter einem konkreten Fastenprotokoll ist. Studie zu Leucin, Raptor und Autophagie
Welche Nahrungsergänzungsmittel während des Fastens geeignet sein können
Beim Vergleich von Präparaten helfen drei Angaben: Kalorien, Aminosäuren und mögliche insulinanregende Bestandteile. Auf alle drei im Fastenfenster zu verzichten, ist ein vorsichtiger Ansatz, wenn entsprechende Stoffwechselziele verfolgt werden. Ob die Einnahme gesundheitlich sicher ist, lässt sich daraus allein nicht beurteilen.
Elektrolyte und Mineralstoffe
Reine Elektrolytpulver oder -kapseln mit Natrium, Kalium, Magnesium oder Calcium kommen für ein kalorienfreies Fasten grundsätzlich infrage. Bei der Auswahl lässt sich auf zugesetzten Zucker, Aromen und Füllstoffe achten. Zugesetzte Kohlenhydrate in Elektrolytgetränken können eine Insulinantwort auslösen.
Natriumchlorid und Magnesiumbisglycinat werden als besonders geeignete Formen genannt, doch diese pauschale Empfehlung hat Grenzen. Magnesiumbisglycinat enthält an Magnesium gebundenes Glycin und erfüllt damit keine strikte Vorgabe vollständiger Aminosäurefreiheit. Für die Sicherheit sind außerdem Dosis, Nierenfunktion und begleitende Medikamente entscheidend.
Wasserlösliche Vitamine
B-Vitamine, Vitamin C und Folat kommen grundsätzlich auch im Fastenfenster infrage. Ihre Einordnung als kalorienfrei und mit der Ketose vereinbar muss sich auf das konkrete Produkt beziehen: Weitere Zutaten können die Zusammensetzung verändern. Ebenso wichtig ist, ob das Präparat auf nüchternen Magen gut vertragen wird.
Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel
Die meisten Pflanzenextrakte in Kapselform enthalten vernachlässigbare Kalorienmengen. Das allein genügt jedoch nicht, um Ashwagandha, Rhodiola oder Berberin allgemein als mit metabolischen Fastenzielen vereinbar einzustufen. Auch bei wenigen Kalorien können Wirkstoffe den Stoffwechsel beeinflussen oder Wechselwirkungen haben. Ihre Sicherheit und Eignung lassen sich deshalb nicht gemeinsam aus dem Kaloriengehalt ableiten.
Medikamente
Verschreibungspflichtige Medikamente sollten wie verordnet eingenommen werden, auch wenn sie kleine Mengen sonstiger Bestandteile enthalten. Ihr therapeutischer Nutzen hat Vorrang vor einem möglichen geringfügigen Einfluss auf den Fastenstoffwechsel. Gehört Nahrung zur Einnahmevorgabe, muss das Fasten dafür entsprechend unterbrochen werden. Maßgeblich bleibt die verordnete Behandlung.
Welche Nahrungsergänzungsmittel das Fasten unterbrechen
Ein Präparat kann Energie liefern, eine Insulinantwort auslösen oder über mTOR die Autophagie beeinflussen. Das sind unterschiedliche Gründe, es ins Essensfenster zu legen. Ob seine Einnahme ein Fastenprotokoll tatsächlich unterbricht, hängt vom Fastenziel und von der Zusammensetzung ab.
Proteinpulver und Kollagen
Molkenprotein, Casein, pflanzliche Proteinpulver und Kollagenpeptide liefern Aminosäuren. Selbst eine kleine Portion kann dadurch mTOR aktivieren und die Autophagie hemmen; das Ausmaß bei einem bestimmten Fastenprotokoll bleibt offen. Für ein streng kalorienfreies oder auf Autophagie ausgerichtetes Fasten sind proteinhaltige Präparate deshalb im Essensfenster einzuordnen. Die pauschale Aussage, jedes solche Präparat unterbreche jede Form des Fastens, geht darüber hinaus.
BCAAs und Aminosäuren
Bei einem auf Autophagie ausgerichteten Fasten spricht die Signalwirkung von Leucin dafür, BCAAs ins Essensfenster zu legen. Auch bei geringem Energiebeitrag können Aminosäuren den Zellen Nährstoffverfügbarkeit signalisieren.
Die Empfehlung, deshalb auch einzelne Präparate mit Glycin oder Taurin im Fastenfenster zu meiden, geht über die angeführten Leucinbefunde hinaus. Diese sichern eine Übertragung auf Glycin, Taurin oder sämtliche Aminosäurepräparate nicht ab. Ebenso wenig lässt sich daraus schließen, dass das zelluläre Recycling vollständig „abgeschaltet“ wird.
Vitamin-Gummis
Vitamin-Gummis lassen sich bequem einnehmen, enthalten aber Zucker, Maissirup oder Zuckeralkohole. Typischerweise liefern sie 10 bis 20 Kalorien pro Portion und passen damit nicht zu einem streng kalorienfreien Fasten. Wie stark sie Insulin und Fettverbrennung beeinflussen, hängt von Art und Menge der enthaltenen Kohlenhydrate beziehungsweise Zuckeralkohole ab. Die Kalorienmenge allein belegt weder einen deutlichen Insulinanstieg noch einen vollständigen Stopp des Fettabbaus.
Fischöl und fettlösliche Vitamine in Öl
Fischölkapseln und in Öl gelöste fettlösliche Vitamine liefern Energie aus Fett. Eine übliche Fischölkapsel enthält ungefähr 10 Kalorien. Für Fett wird nur eine geringe Insulinantwort beschrieben. Ein streng kalorienfreies Fasten unterbricht es dennoch, weil es Energie liefert.
Pre-Workout-Präparate
Bei Pre-Workout-Mischungen hilft die Zutatenliste mehr als die Aufschrift „null Kalorien“. Viele enthalten BCAAs, Kreatin, Süßungsmittel und teilweise Kohlenhydrate. Aminosäuren und manche weitere Zutaten können den Fastenstoffwechsel auch bei dieser Kennzeichnung beeinflussen. Süßungsmittel haben jedoch keine einheitliche Stoffwechselwirkung. Ob eine Mischung zum Fastenziel passt, lässt sich daher nur anhand ihrer konkreten Zusammensetzung beurteilen.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
Gesundheitliche Voraussetzungen können sowohl gegen das Fasten als auch gegen bestimmte Nahrungsergänzungsmittel im Fastenfenster sprechen:
- Bei Diabetes oder Insulinresistenz sollte der Blutzucker engmaschig beobachtet werden. Störungen des Elektrolythaushalts können die Insulinempfindlichkeit beeinflussen.
- Müssen Medikamente mit Nahrung eingenommen werden, hat diese Vorgabe Vorrang vor dem Fastenziel.
- Schwangeren und Stillenden wird vom Fasten abgeraten. Für die Schwangerschaft vorgesehene Vitaminpräparate sollten entsprechend den Einnahmevorgaben mit Nahrung eingenommen werden.
- Nach einer früheren Essstörung ist besondere Vorsicht mit Fastenprotokollen geboten. Sie können Verhaltensmuster erneut auslösen, die auf Einschränkung ausgerichtet sind.
- Bei einer Nierenerkrankung ist vor der Einnahme von Kalium oder Magnesium ärztlicher Rat erforderlich. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann dazu führen, dass sich Elektrolyte in gefährlichen Mengen anreichern.
- Beim religiösen Fasten gelten die Regeln der eigenen Glaubenstradition. Diese können jede orale Aufnahme und damit auch Nahrungsergänzungsmittel ausschließen.
So lässt sich die Einnahme mit dem Fasten abstimmen
Viele Fragen zum Fastenfenster lassen sich umgehen, indem Nahrungsergänzungsmittel zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Je nach Präparat kann das die Aufnahme unterstützen und Magen-Darm-Beschwerden verringern. Eine pauschale Verlegung aller Präparate ins Essensfenster passt allerdings nur, wenn ihre individuellen Einnahmevorgaben das zulassen.
Der passende Zeitpunkt je nach Präparat
Für den Zeitpunkt zählen sowohl das Fastenziel als auch Aufnahme und Verträglichkeit. Die Vereinbarkeit mit einem Fastenfenster ist dabei keine allgemeine Sicherheitsbewertung.
| Art des Nahrungsergänzungsmittels | Während des Fastens geeignet? | Bester Einnahmezeitpunkt | Begründung |
|---|---|---|---|
| Elektrolyte | Für kalorienfreies Fasten grundsätzlich möglich; individuelle Sicherheit beachten | Während des Fastenfensters erwogen, besonders bei längerem Fasten oder heißem Wetter | Keine Kalorien; eine ausbleibende Insulinantwort wird angenommen, ist aber nicht für jedes Präparat und jeden Kontext abgesichert. Können Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelkrämpfe bei längerem Fasten möglicherweise lindern |
| Wasserlösliche Vitamine | Grundsätzlich möglich, abhängig von weiteren Zutaten und Verträglichkeit | Jederzeit während des Essensfensters; als weitere Möglichkeit bei Sorge vor Übelkeit wird das Ende des Fastenfensters genannt | Vernachlässigbare Kalorienmenge. Können nüchtern die Magenschleimhaut reizen und Übelkeit verursachen |
| Fettlösliche Vitamine | Ölbasierte Präparate unterbrechen streng kalorienfreies Fasten; andere Formen sind nach dem Fastenziel zu beurteilen | Zur größten Mahlzeit, zusammen mit Fett, beispielsweise aus Avocado, Nüssen, Olivenöl oder fettreichem Fisch | Nahrungsfett unterstützt die Aufnahme; ölbasierte Kapseln liefern zusätzliche Kalorien |
| Pflanzliche Kapseln | Aus dem Kaloriengehalt allein nicht zu beurteilen | Je nach Wirkstoff und Einnahmevorgaben während des Fasten- oder Essensfensters | Meist vernachlässigbare Kalorienmenge; Zutatenliste auf zugesetzte Öle, Füllstoffe oder Süßungsmittel prüfen. Stoffwechselwirkungen und Wechselwirkungen bleiben relevant |
| Proteinbasierte Präparate | Für streng kalorienfreies oder auf Autophagie ausgerichtetes Fasten nicht geeignet | Nur während des Essensfensters | Liefern Aminosäuren und können mTOR aktivieren. Eine „ausnahmslose“ Unterbrechung lässt sich nicht auf jedes Fastenziel übertragen |
Bei einem ausdrücklichen Autophagieziel ist es ein vorsichtiger praktischer Ansatz, im Fastenfenster nur reine Elektrolyte zu verwenden und alle anderen Nahrungsergänzungsmittel ins Essensfenster zu verlegen. Dort steht die Förderung der Autophagie nicht mehr im Vordergrund. Die angeführten Belege bestätigen diesen Ansatz jedoch nicht als klinische Regel für die Autophagie beim Menschen. Auch reine Elektrolyte sind nicht für jede Person und in jeder Dosis sicher.
Was Biomarker über eine Fastenstrategie aussagen können
Lässt sich mit Blutwerten erkennen, was sich während einer Fastenphase verändert? Nüchternglukose, Nüchterninsulin, Hämoglobin A1c beziehungsweise HbA1c und Triglyceride können Hinweise auf Veränderungen der Stoffwechselgesundheit geben. Ein Vergleich vor und nach einem Fastenprotokoll kann solche Veränderungen erfassen. Er beweist für sich genommen weder einen Nutzen des Fastens noch, dass das Fasten die Veränderung verursacht hat.
Für IGF-1 wird eine spezifischere Deutung vorgeschlagen: Der Wert könnte zeigen, ob Protein oder Aminosäuren im Fastenfenster einem fastenbedingten Rückgang entgegenwirken. Als Nachweis dieser Wirkung ist eine solche Deutung durch die angeführten Angaben jedoch nicht abgesichert.
Bei längerem Fasten können Messungen von Natrium, Kalium und Magnesium Hinweise auf Störungen des Elektrolythaushalts liefern. Hochsensitives CRP dient als Entzündungsmarker. Die verlinkten Beiträge erläutern die Werte; sie sind keine hier geprüften Primärbelege für eine Fastenstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, wenn man für die Autophagie fastet?
Ein vorsichtiger Ansatz besteht darin, sich im Fastenfenster auf reine Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium zu beschränken und Präparate mit Aminosäuren, Protein oder Kalorien zu vermeiden. Hintergrund ist, dass Aminosäuren bereits in kleinen Mengen mTOR aktivieren und die Autophagie hemmen können. Alle übrigen Präparate lassen sich ins Essensfenster verlegen, wenn Autophagie nicht mehr das vorrangige Ziel ist.
Wie weit diese pauschale Empfehlung für die Autophagie beim Menschen gilt, ist offen. Sie folgt aus einer mechanistischen Überlegung und ist keine bestätigte klinische Regel. Auch bei Elektrolyten muss die Sicherheit individuell beurteilt werden.
Unterbrechen Nahrungsergänzungsmittel das Fasten zur Gewichtsabnahme?
Das hängt von der Zusammensetzung und davon ab, was mit „unterbrechen“ gemeint ist. Kalorienfreie Elektrolyte und wasserlösliche Vitamine kommen grundsätzlich für metabolisches Fasten infrage. Vitamin-Gummis, Proteinpulver, BCAAs und fettbasierte Präparate liefern dagegen Kalorien oder Bestandteile, die Stoffwechselsignale beeinflussen können. Wie stark sie Fettverbrennung oder Ketose verändern, lässt sich nicht für alle diese Produkte gleich beantworten.
Für den Vergleich lohnt sich ein Blick auf Kalorien, Kohlenhydrate und Aminosäuren auf dem Etikett. Ob ein Präparat ein streng kalorienfreies Fasten unterbricht und ob es die Gewichtsabnahme praktisch beeinflusst, sind unterschiedliche Fragen.
Kann ich während des Fastens Magnesium einnehmen?
Magnesium kommt grundsätzlich auch während des Fastens infrage. Für Magnesiumbisglycinat und Magnesiumcitrat werden Kalorienfreiheit, eine ausbleibende Insulinsteigerung und eine mögliche Linderung von Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und Müdigkeit beschrieben. Diese Aussagen sind durch die angeführten Belege jedoch nicht ausreichend abgesichert. Magnesiumbisglycinat enthält zudem Glycin und passt deshalb nicht zu einer strikten Vorgabe, sämtliche Aminosäuren zu vermeiden.
Bei Neigung zu Übelkeit wird als Möglichkeit genannt, das Präparat ganz am Ende des Fastenfensters unmittelbar vor der ersten Mahlzeit einzunehmen. Entscheidend bleiben die Einnahmevorgaben und die Verträglichkeit. Bei Nierenerkrankungen ist vor der Einnahme ärztlicher Rat erforderlich.
Unterbrechen fettlösliche Vitamine das Fasten?
Bei einer ölbasierten Kapsel liefert das Öl Kalorien und unterbricht damit ein streng kalorienfreies Fasten. Auch Präparate ohne Öl lassen sich sinnvoll ins Essensfenster legen, weil Nahrungsfett die Aufnahme fettlöslicher Vitamine unterstützt. Für die Vitamine A, D, E und K bietet sich deshalb eine fetthaltige Mahlzeit an. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ihre Einnahme während des Fastens weitgehend wirkungslos wäre.
Kann ich beim Intervallfasten ein Multivitaminpräparat einnehmen?
Die meisten Multivitaminpräparate werden am besten mit Nahrung eingenommen, um die Aufnahme zu unterstützen und Übelkeit zu reduzieren. Enthält ein Präparat fettlösliche Vitamine oder liegt es als Vitamin-Gummi vor, bietet sich das Essensfenster an. Eine Kapsel mit ausschließlich wasserlöslichen Vitaminen kommt grundsätzlich auch während des Fastens infrage. Auf nüchternen Magen sind allerdings Magenbeschwerden möglich.
Unterbrechen Elektrolyte ein Wasserfasten?
Reine Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium liefern keine Kalorien. Ihre Einordnung als mit Wasserfasten vereinbar beruht außerdem auf der Annahme, dass sie keine Insulinantwort auslösen. Ob ein Wasserfastenprotokoll Elektrolyte erlaubt, hängt jedoch von seinen Regeln ab.
Elektrolyte unterstützen den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt und können möglicherweise Müdigkeit, Kopfschmerzen und Krämpfe bei längerem Fasten lindern. Als passende Produkte werden solche ohne zugesetzte Kohlenhydrate oder Süßungsmittel genannt. Daraus ergibt sich weder eine allgemeine Empfehlung für längeres Fasten noch für eine eigenständige Elektrolytdosierung.
Unterbricht Kreatin das Fasten?
Für reines Kreatinmonohydrat wird angegeben, dass es keine Kalorien enthalte, den Insulinspiegel nicht erhöhe und mTOR nicht aktiviere. Für die absoluten Aussagen zu Insulin und mTOR fehlt im Literaturverzeichnis jedoch ein eindeutig zugeordneter Beleg. Auch die Behauptung, Kreatin sei nach den meisten Fastenprotokollen im Fastenfenster erlaubt, ist nicht ausreichend abgesichert.
Bei einem Pre-Workout-Produkt kommt es zusätzlich auf die Mischung an. Viele solcher Produkte kombinieren Kreatin mit Aminosäuren, Süßungsmitteln oder Kohlenhydraten. Je nach Zusammensetzung können diese Zusätze das Fasten beeinflussen oder unterbrechen, auch wenn reines Kreatin nach dem jeweiligen Protokoll zulässig ist.
Unterbrechen BCAAs das Fasten?
Bei einem auf Autophagie ausgerichteten Fasten spricht die Signalwirkung von Leucin dafür, BCAAs vollständig ins Essensfenster zu legen. Leucin aktiviert die mTOR-Signalübertragung und kann dadurch das zelluläre Recycling auch bei Mengen hemmen, die wenig Energie liefern. Die ungefähr 4 Kalorien pro Gramm sind für diese Einordnung daher nicht der einzige Maßstab.
Der beschriebene Mechanismus läuft über die Acetylierung von Raptor, die mTOR aktiviert und die Autophagie hemmt. Diese Wirkung hängt demnach nicht allein von der gesamten Energiezufuhr ab. Arbeit zum beschriebenen Leucin-Raptor-Mechanismus
Für metabolisches Fasten ohne ausdrückliches Autophagieziel bleibt die praktische Bedeutung umstritten. Der beschriebene Mechanismus der Autophagiehemmung beantwortet noch nicht, wie stark diese Wirkung beim Menschen unter einem bestimmten Fastenprotokoll ausfällt.
Literaturverzeichnis
Die bibliografischen Angaben sind ungeprüft übernommen. Für mehrere pauschale Aussagen fehlen eindeutig zugeordnete Belege; bei Eintrag 1 besteht zudem eine thematische Fehlzuordnung.
-
Dhinakar M, Al Mashini S, Golash V (2011). Rupture of Splenic Artery Aneurysm during Pregnancy: A Report of two Cases. Oman medical journal, 26(5), e025. https://doi.org/10.5001/omj.2011.99
Zugeordneter PubMed-Link
Quellenhinweis: Der Titel behandelt eine Gefäßkomplikation während der Schwangerschaft und stützt die Aussage über Autophagie, Aminosäuren und mTOR nicht. Auch die Zuordnung des PubMed-Links zur Literaturangabe ist ungeklärt. -
Dawson-Hughes B, Harris SS, Lichtenstein AH, Dolnikowski G, Palermo NJ, Rasmussen H (2015). Dietary fat increases vitamin D-3 absorption. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 115(2), 225-230. https://doi.org/10.1016/j.jand.2014.09.014
PubMed -
Son SM, Park SJ, Stamatakou E, Vicinanza M, Menzies FM, Rubinsztein DC (2020). Leucine regulates autophagy via acetylation of the mTORC1 component raptor. Nature communications, 11(1), 3148. https://doi.org/10.1038/s41467-020-16886-2
PubMed -
Cho Y, Hong N, Kim KW, Cho SJ, Lee M, Lee YH, Lee YH, Kang ES, Cha BS, Lee BW (2019). The effectiveness of intermittent fasting to reduce body mass index and glucose metabolism: A systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Medicine, 8(10), 1645. https://doi.org/10.3390/jcm8101645
PubMed -
Yang F, Liu C, Liu X, Pan X, Li X, Tian L, Sun J, Yang S, Zhao R, An N, Yang X, Gao Y, Xing Y (2021). Effect of epidemic intermittent fasting on cardiometabolic risk factors: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Nutrition, 8, 669325. https://doi.org/10.3389/fnut.2021.669325
PubMed