Systemischer Inflammationsreaktionsindex (SIRI): Berechnung und Einordnung
Klinische Prüfung ausstehend
Was der SIRI aus drei Blutzellzahlen über Entzündungsprozesse aussagen könnte, wie er berechnet wird und welche Grenzen bei Risikowerten und Verlaufskontrollen gelten.
Ein erhöhter SIRI kann auf eine veränderte Verteilung weißer Blutkörperchen hinweisen. Der Index verrechnet die Zahlen von drei Zellarten miteinander und wird als möglicher Marker für Entzündungsprozesse im Körper untersucht. In Bevölkerungsstudien hängen höhere Werte mit verschiedenen Gesundheitsrisiken zusammen. Einen allgemein anerkannten klinischen Grenzwert gibt es jedoch nicht. Ein einzelner SIRI-Wert erlaubt deshalb weder eine Diagnose noch eine verlässliche Aussage über das persönliche Erkrankungsrisiko.
Der SIRI-Wert einfach erklärt
Der systemische Inflammationsreaktionsindex, kurz SIRI, ist ein aus mehreren Blutwerten berechneter Biomarker. Er verwendet die absoluten Zahlen von neutrophilen Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Diese drei Arten weißer Blutkörperchen erfasst ein Differenzialblutbild. Für den SIRI multipliziert man die Neutrophilen- mit der Monozytenzahl und teilt das Ergebnis durch die Lymphozytenzahl.
Dahinter steht ein vereinfachtes Modell: Neutrophile und Monozyten sind an entzündlichen Reaktionen beteiligt, Lymphozyten unter anderem an der gezielten Immunantwort und ihrer Regulation. Der SIRI fasst ihr zahlenmäßiges Verhältnis zusammen. Ein höherer Wert wird als Hinweis auf mehr entzündliche Aktivität im Verhältnis zur Immunregulation gedeutet, ein niedrigerer auf weniger Aktivität. Die tatsächlichen Aufgaben der Zellen sind vielfältiger, als dieses Modell erkennen lässt. Ein niedriger SIRI allein belegt daher keine gut regulierte Immunantwort.
SIRI lässt sich leicht mit dem systemischen Immuninflammationsindex, kurz SII, verwechseln. Der SII verwendet Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, anstelle der Monozyten:
SII = (Thrombozytenzahl × Neutrophilenzahl) ÷ Lymphozytenzahl.
Weil Monozyten an chronischen Entzündungen im Gewebe beteiligt sind, könnte SIRI bei der Untersuchung anhaltender, niedriggradiger Entzündungen hilfreich sein. Solche Prozesse spielen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Alterungsprozessen eine Rolle. Das häufig verwendete Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis, kurz NLR, berücksichtigt dagegen nur zwei Zelltypen. SIRI beschreibt damit einen zusätzlichen Aspekt der Immunzellverteilung; ob er für eine bestimmte Fragestellung besser geeignet ist, folgt daraus nicht.
Warum Monozyten für den SIRI wichtig sind
Neutrophile und Monozyten wandern zu verletztem Gewebe, nehmen Krankheitserreger auf und setzen Zytokine frei. Diese Botenstoffe können weitere Immunzellen anlocken. Lymphozyten übernehmen unterschiedliche Aufgaben: Sie koordinieren gezielte Abwehrreaktionen, bilden Antikörper und helfen, Entzündungen wieder zu beenden.
Sind die Neutrophilen- und Monozytenzahlen im Verhältnis zur Lymphozytenzahl erhöht, deutet das SIRI-Modell dies als Verschiebung hin zu entzündlicher Aktivität. Solche Zellmuster wurden mit beschleunigten Alterungsprozessen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht. Der Index misst allerdings weder, wie viele Ressourcen das Immunsystem verbraucht, noch wie gut es seine Reaktionen reguliert.
Die Monozytenzahl unterscheidet SIRI von NLR und SII. Das NLR kann Hinweise auf akuten Stress und Infektionen liefern, berücksichtigt monozytenbezogene Vorgänge aber nicht unmittelbar. Der SII bezieht stattdessen Thrombozyten ein, die an Blutgerinnung und Gefäßaktivierung beteiligt sind.
Im Blut sind Monozyten vergleichsweise wenig aktiviert. Wandern sie ins Gewebe ein, können sie sich zu Makrophagen entwickeln. Diese Zellen können Entzündungen fördern oder die Reparatur des Gewebes unterstützen. Vereinfacht bezeichnet man diese Funktionsrichtungen als M1- beziehungsweise M2-Makrophagen. Dauerhaft erhöhte Monozytenzahlen könnten darauf hindeuten, dass der Körper fortlaufend Zellen für entzündliche Prozesse ins Gewebe nachliefert, etwa bei Arteriosklerose.
Damit erklärt sich das Interesse an Monozyten als Bestandteil des SIRI. Ob und in welchem Umfang die Zellen tatsächlich ins Gewebe einwandern, lässt sich aus ihrer Zahl im Blut jedoch nicht ablesen.
Die SIRI-Formel mit konkreten Werten
SIRI = (Neutrophilenzahl × Monozytenzahl) ÷ Lymphozytenzahl
In die Berechnung gehen die absoluten Zellzahlen aus dem Differenzialblutbild ein, jeweils in 10⁹/L. Qi und Kollegen entwickelten den SIRI 2016 für die onkologische Forschung. Später untersuchten Forschende ihn auch in Bevölkerungsstudien zu Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Die meisten Labore geben den Index nicht automatisch an. Liegen die absoluten Zellzahlen im Laborbericht vor, lässt er sich daraus berechnen.
Für die Bestimmung dieser Zellzahlen ist kein Nüchternsein erforderlich. Es genügt eine übliche venöse Blutabnahme. Bei Verlaufskontrollen kann die gleiche Tageszeit helfen, die Ergebnisse besser zu vergleichen, weil die Neutrophilenzahl im Tagesverlauf schwankt.
Rechenbeispiel
- Neutrophilenzahl: 4,0 × 10⁹/L
- Monozytenzahl: 0,6 × 10⁹/L
- Lymphozytenzahl: 1,9 × 10⁹/L
SIRI = (4,0 × 0,6) ÷ 1,9 = 2,4 ÷ 1,9 = 1,26
Der Wert 1,26 liegt im weiter unten beschriebenen Übergangsbereich von 1,0 bis 1,5. In diesem nicht standardisierten Schema könnte er auf eine leichte Entzündungsaktivität hindeuten, die noch keine Beschwerden verursacht. Daraus lässt sich jedoch weder eine solche Entzündung feststellen noch die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen ableiten.
Einordnung des SIRI anhand veröffentlichter Risikoverteilungen
Eine 2023 im Journal of Clinical Medicine veröffentlichte Kohortenstudie untersuchte bei 42.875 Erwachsenen aus den USA, wie SIRI und Sterblichkeit über einen Zeitraum von 20 Jahren zusammenhingen. Die Forschenden teilten die SIRI-Werte dafür in Quartile ein, also vier Gruppen innerhalb der untersuchten Verteilung. Diese Gruppengrenzen beschreiben die Studienpopulation. Sie sind keine allgemein gültigen klinischen Grenzwerte; solche sind für SIRI bislang nicht etabliert. Die Studie stammt von Xia und Kollegen (siehe Quellen).
Quartile aus der NHANES-Forschung
Für die untersuchte Gruppe werden folgende Bereiche und Risikozuordnungen beschrieben:
- Q1, SIRI unter 0,68: niedrigstes Risiko für Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Sterblichkeit.
- Q2, SIRI von 0,68 bis 0,98: mittleres bis niedriges Risiko.
- Q3, SIRI von 0,99 bis 1,42: mittleres bis hohes Risiko.
- Q4, SIRI über 1,43: signifikant erhöhtes Sterblichkeitsrisiko.
Allgemeines Interpretationsschema
Neben den Studienquartilen findet sich ein gröberes Deutungsschema. Auch dieses ist kein klinisch standardisierter Referenzbereich:
- Unter 0,5: als Hinweis auf geringe systemische Entzündung und eine gut regulierte Immunantwort gedeutet. Ein niedriger Wert allein belegt beides nicht.
- 0,5 bis 1,0: als günstiger Bereich für die meisten gesunden Erwachsenen beschrieben.
- 1,0 bis 1,5: Übergangsbereich, der eine leichte, subklinische, also noch nicht durch Beschwerden erkennbare Entzündung widerspiegeln könnte.
- Über 1,5: als Hinweis auf stärkere entzündliche Aktivität im Verhältnis zur Immunregulation gedeutet; für diesen Bereich werden Zusammenhänge mit höheren Risiken in mehreren großen Studien beschrieben.
Für die Einordnung zählen auch andere Biomarker, die einzelnen Zellzahlen und der gesundheitliche Zustand. Ein sehr niedriger SIRI kann etwa entstehen, wenn ungewöhnlich wenige Neutrophile oder Monozyten vorhanden sind. Solche niedrigen Zellzahlen könnten auf eine Unterdrückung des Immunsystems hinweisen und sollten ärztlich beurteilt werden. Mehrere Messungen können zudem besser erkennen lassen, ob ein Wert dauerhaft verändert ist oder nur vorübergehend schwankt.
Faktoren, die den SIRI beeinflussen
Qualität der Nahrungsfette
In einer bevölkerungsbezogenen Analyse ging eine höhere Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren mit niedrigeren SIRI-Werten einher. Auch für Ernährungsmuster mit fettreichem Fisch, grünem Blattgemüse, Beeren, Nüssen, Samen und nativem Olivenöl extra werden niedrigere Werte im Verlauf beschrieben. Eine Ernährung mit vielen raffinierten Stärkeprodukten, zugesetztem Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln wird dagegen mit höheren Werten in Verbindung gebracht. Solche Beobachtungen zeigen Zusammenhänge; sie belegen nicht, dass einzelne Lebensmittel den SIRI senken oder erhöhen.
Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA scheinen die Aktivierung von Neutrophilen zu beeinflussen. Für die SIRI-Berechnung zählt allerdings deren Anzahl. Eine veränderte Zellaktivität muss deshalb nicht zu einem veränderten Index führen.
Körperliche Aktivität
Bei überwiegend sitzendem Verhalten werden höhere mediane SIRI-Werte beschrieben als bei einem aktiveren Alltag. Der Median bezeichnet den mittleren Wert einer nach Größe geordneten Messreihe. Regelmäßige moderate Bewegung wird außerdem mit einem veränderten Verhältnis von Neutrophilen und Monozyten zu Lymphozyten in Verbindung gebracht. Im vereinfachten Modell des SIRI betrifft das die angeborene Immunaktivierung und die adaptive Immunregulation.
Bei chronischem Übertraining ohne ausreichende Erholung werden vorübergehende SIRI-Spitzen beschrieben. Als mögliche Erklärung gelten akute Entzündungsreaktionen auf Gewebeschäden.
Schlaf und psychische Belastung
Bei unzureichendem Schlaf werden eine erhöhte Aktivität von Neutrophilen und Monozyten sowie eine verminderte Lymphozytenfunktion beschrieben. Der SIRI steigt dadurch nur dann, wenn sich auch die Zellzahlen entsprechend verändern: Mehr Neutrophile oder Monozyten erhöhen den Zähler, weniger Lymphozyten verkleinern den Nenner.
Chronischer psychischer Stress kann über Cortisol ebenfalls die Verteilung der Immunzellen verschieben. Im SIRI-Modell wird eine solche Verschiebung als stärker entzündungsfördernd interpretiert.
Viszerales Fettgewebe
Überschüssiges Fettgewebe im Bauchraum, das sogenannte viszerale Fett, bildet entzündungsfördernde Zytokine. Studien beschreiben einen Zusammenhang zwischen Adipositas und höheren SIRI-Werten. Eine mögliche Erklärung ist, dass viszerale Fettdepots Monozyten und Neutrophile anhaltend aktivieren.
Zugrunde liegende Erkrankungen
Autoimmunerkrankungen, chronische Infektionen, Schlafapnoe und Stoffwechselerkrankungen können Neutrophile und Monozyten unabhängig vom Lebensstil dauerhaft aktivieren. Bleibt der SIRI bei ansonsten stabilen Lebensgewohnheiten erhöht, könnte eine solche Erkrankung zur veränderten Immunzellverteilung beitragen. Der Index allein zeigt jedoch nicht, welche Ursache vorliegt.
Nahrungsergänzungsmittel
Eine höhere Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, wird in Bevölkerungsstudien mit niedrigeren SIRI-Werten in Verbindung gebracht. Die beobachteten Zusammenhänge fallen je nach Menschen und Studienpopulation unterschiedlich aus. Vitamin D wirkt an der Immunregulation mit; für Curcumin wurden in klinischen Studien entzündungshemmende Eigenschaften beschrieben. Ob diese Befunde auch einen Effekt auf den SIRI bedeuten, bleibt offen.
Aus diesen Angaben lässt sich nicht ableiten, dass die Einnahme eines der Präparate den SIRI senkt. Dafür müsste der Einfluss des jeweiligen Nahrungsergänzungsmittels auf den Index selbst untersucht werden.
Weitere Marker zur Einordnung von SIRI und chronischer Entzündung
- Neutrophile sind der erste Bestandteil des Zählers. Steigt ihre Zahl, erhöht sich der SIRI auch bei unveränderten Monozyten- und Lymphozytenzahlen. Deshalb können akute Erkrankungen den Wert und seine Einordnung wesentlich beeinflussen.
- Monozyten sind der zweite Bestandteil des Zählers und unterscheiden SIRI vom NLR. Erhöhte Zahlen könnten auf Vorgänge hinweisen, die mit chronischer Gewebeentzündung zusammenhängen, etwa bei Arteriosklerose oder Stoffwechselerkrankungen. Im NLR bleibt die Monozytenzahl unberücksichtigt.
- Lymphozyten stehen im Nenner und repräsentieren im SIRI-Modell die adaptive Immunantwort. Sinkt ihre Zahl, etwa im Zusammenhang mit bestimmten Virusinfektionen oder chronischem Stress, steigt der SIRI auch dann, wenn Neutrophilen- und Monozytenzahlen gleich bleiben.
- Das Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis (NLR) ist ein Vorläufer des SIRI und verwendet zwei Zelltypen. Berechnet man beide Indizes aus derselben Blutprobe, wird der zusätzliche rechnerische Einfluss der Monozytenzahl sichtbar. Welchen biologischen Anteil Monozyten und Neutrophile an einer Entzündung haben, lässt sich daraus allein nicht bestimmen.
- Das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) erfasst eine Akutphasenreaktion, also eine Reaktion des Körpers auf Entzündungsreize. Es kann ergänzende Hinweise auf eine systemische Entzündung geben. SIRI beschreibt die Verteilung bestimmter Immunzellen. Eine gemeinsame Veränderung der Werte belegt keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen ihnen.
- Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG; englisch ESR) ist ein weiterer Entzündungsmarker und kann die Einordnung ergänzen. Die Kombinationen „hohe BSG + hoher SIRI“ und „hoher SIRI + normale BSG“ reichen jedoch nicht aus, um zuverlässig zwischen akuter und überwiegend zellulärer oder chronischer Entzündung zu unterscheiden.
- Der systemische Immuninflammationsindex (SII) verwendet Thrombozyten anstelle von Monozyten. Ein Vergleich mit dem SIRI aus derselben Blutprobe zeigt, wie die unterschiedlichen Zellbestandteile die Indizes verändern. Dahinter steht die Idee, sowohl thrombozytenbezogene Gefäßaktivierung als auch monozytenbezogene Gewebeprozesse zu betrachten. Direkt voneinander unterscheiden lassen sich diese Vorgänge anhand der Indizes allein nicht.
Sinnvolle Abstände für erneute SIRI-Messungen
Die Zahlen von Neutrophilen, Monozyten und Lymphozyten können sich innerhalb von Tagen bis Wochen verändern. Entsprechend kann auch der SIRI vergleichsweise rasch reagieren. Um mögliche Veränderungen nach einer Anpassung des Lebensstils zu beobachten, wird ein Abstand von 4 bis 8 Wochen vorgeschlagen. Ein klinischer Standard lässt sich daraus nicht ableiten.
Einzelwerte schwanken. Eine akute Infektion, intensive sportliche Belastung oder eine Impfung in den Tagen vor der Blutabnahme können die Neutrophilen- und Monozytenzahlen vorübergehend erhöhen. Dann steigt möglicherweise auch der SIRI, ohne dass sich ein längerfristiger Trend verändert hat. Als Orientierung werden 2 bis 3 aufeinanderfolgende Messungen vorgeschlagen, bevor eine Veränderungsrichtung als bedeutsam gilt. Auch diese Anzahl ist keine standardisierte Vorgabe.
Dasselbe Labor, dieselbe Tageszeit und eine Blutabnahme in Ruhe sollen die Werte besser vergleichbar machen. Als weitere Bedingung wird vorgeschlagen, dass in der vorangegangenen Woche keine akute Erkrankung aufgetreten sein sollte.
Für gesundheitlich stabile Menschen ohne aktuellen klinischen Anlass werden vierteljährliche Kontrollen oder Kontrollen alle 6 Monate als mögliche Abstände genannt. Ob eine solche regelmäßige Beobachtung sinnvoll ist, hängt jedoch vom medizinischen Anlass ab. Bei der Behandlung einer Grunderkrankung oder nach einer wesentlichen Lebensstiländerung könnten häufigere Messungen erwogen werden; auch dafür ergibt sich aus dem SIRI allein kein fester Zeitplan.
Wann SIRI-Befunde ärztlich besprochen werden sollten
Chronische Entzündungsprozesse verursachen anfangs häufig keine eindeutigen Beschwerden. Deshalb wird untersucht, ob der aus einer üblichen Blutprobe berechnete SIRI frühe Veränderungen anzeigen könnte. Die bisherigen Zusammenhänge beantworten allerdings nicht, ob sein Einsatz Erkrankungen zuverlässig früher erkennen lässt oder die Gesundheit der untersuchten Menschen verbessert.
In der NHANES-Kohortenstudie von Xia und Kollegen über 20 Jahre hatten Erwachsene mit den höchsten SIRI-Werten ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre und Gesamtsterblichkeit. Solche Beobachtungen erklären das Forschungsinteresse. Sie erlauben keine verlässliche Prognose für eine einzelne Person.
Auch bei Bluthochdruck wird ein Zusammenhang zwischen erhöhtem SIRI und höherer Sterblichkeit diskutiert. Für die Einordnung ist entscheidend, ob tatsächlich SIRI oder der ähnlich benannte SII untersucht wurde; die Aussage zum SIRI bleibt hier offen.
Für Herzinsuffizienz wird ein ungefähr 20 % höheres Risiko je Anstieg des SIRI um eine Einheit angegeben. Diese Angabe stammt aus dem Zusammenhang mit der Beobachtungsstudie von Wang und Kollegen. Sie darf nicht als gesicherte Aussage verstanden werden, dass eine Person künftig mit entsprechend höherer Wahrscheinlichkeit an Herzinsuffizienz erkrankt. Dafür müssen das verwendete Risikomaß und der zeitliche Zusammenhang geklärt sein.
Für chronische Nierenerkrankungen wird bei mehr als 40.000 Erwachsenen aus den USA eine um 79 % erhöhte Häufigkeit in der Gruppe mit den höchsten SIRI-Werten genannt. Offen bleibt, ob sich die Zahl auf bereits bestehende oder neu auftretende Erkrankungen bezieht. Außerdem wird ein Zusammenhang zwischen höheren SIRI-Werten und niedrigeren Ergebnissen in kognitiven Leistungstests beschrieben. Diese Angaben erlauben derzeit keine belastbare persönliche Risikoeinschätzung.
Ein ärztliches Gespräch kommt insbesondere infrage, wenn:
- der SIRI bei zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Messungen über 1,5 liegt; diese Schwelle ist allerdings kein allgemein anerkannter klinischer Grenzwert;
- der Wert ansteigt, ohne dass eine vorübergehende Ursache wie eine kürzliche Infektion, Impfung oder intensive Trainingsbelastung erkennbar ist;
- zugleich andere Marker für Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Nierenrisiken erhöht sind;
- der SIRI ungewöhnlich niedrig ist und niedrige Zellzahlen auf eine Unterdrückung des Immunsystems hindeuten könnten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der SIRI-Wert?
SIRI steht für systemic inflammation response index, auf Deutsch systemischer Inflammationsreaktionsindex. Er wird aus dem Differenzialblutbild berechnet: Man multipliziert die absolute Neutrophilenzahl mit der absoluten Monozytenzahl und teilt das Ergebnis durch die absolute Lymphozytenzahl. Der Marker beschreibt damit das zahlenmäßige Verhältnis bestimmter Immunzellgruppen. Forschende untersuchen ihn als möglichen Hinweis auf chronische niedriggradige Entzündungen und eine veränderte Regulation des Immunsystems.
Wie wird SIRI aus einer Blutuntersuchung berechnet?
Benötigt werden 3 Werte aus dem Differenzialblutbild: die absolute Neutrophilenzahl, die absolute Monozytenzahl und die absolute Lymphozytenzahl. Zunächst multipliziert man Neutrophilen- und Monozytenzahl miteinander, dann teilt man das Ergebnis durch die Lymphozytenzahl. Alle 3 Angaben stammen aus derselben üblichen Blutabnahme. Wenn das Differenzialblutbild vorliegt, braucht die Berechnung weder einen zusätzlichen Test noch ein gesondertes Untersuchungspaket.
Welcher SIRI-Wert ist normal?
Einen allgemein anerkannten klinischen Normalbereich gibt es bislang nicht. In der Forschung werden Werte unter 1,0 bei gesunden Erwachsenen mit einem günstigeren Entzündungsprofil in Verbindung gebracht. Für Werte über 1,8 bis 2,0 werden in mehreren Bevölkerungsstudien Zusammenhänge mit einer erhöhten Entzündungsbelastung beschrieben. Solche Studiengrenzen ersetzen keinen standardisierten Referenzbereich. Ein SIRI-Wert sollte deshalb zusammen mit anderen Entzündungsmarkern und den übrigen Blutbildwerten ärztlich eingeordnet werden.
Worauf weist ein erhöhter SIRI hin?
Ein höherer SIRI wird mit stärkerer systemischer Entzündungsaktivität in Verbindung gebracht. Im zugrunde liegenden Modell deutet er auf ein verändertes Verhältnis zwischen entzündungsfördernden Vorgängen und adaptiver Immunregulation hin. In großen Bevölkerungskohorten hingen erhöhte Werte mit Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Risiken und ungünstigeren Ergebnissen bei verschiedenen chronischen Erkrankungen zusammen. Diese Zusammenhänge allein erlauben keine Diagnose.
Welche Faktoren können den SIRI erhöhen?
Der SIRI kann steigen, wenn die Neutrophilen- oder Monozytenzahl zunimmt oder die Lymphozytenzahl sinkt. Treten diese Veränderungen gemeinsam auf, wirken sie in dieselbe Richtung. Als mögliche Einflussfaktoren gelten chronischer Stress, Adipositas, Rauchen, Schlafmangel, überwiegend sitzendes Verhalten sowie entzündliche oder metabolische Grunderkrankungen. Auch eine akute Infektion oder intensive sportliche Belastung kann den Wert vorübergehend erhöhen. Das muss keinen chronischen Entzündungszustand bedeuten.
Können Veränderungen des Lebensstils den SIRI senken?
Sie könnten zu niedrigeren Werten beitragen. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress werden mit günstigeren Immunzellprofilen in Verbindung gebracht. Ähnliche Zusammenhänge werden für eine Ernährung mit wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln und einem hohen Anteil von Lebensmitteln beschrieben, die mit geringerer Entzündungsaktivität assoziiert sind.
Diese Faktoren könnten im Laufe der Zeit niedrigere Neutrophilen- und Monozytenzahlen und damit einen niedrigeren SIRI begünstigen. Die beobachteten Zusammenhänge belegen jedoch nicht für jede einzelne Maßnahme einen ursächlichen Effekt auf den Index. Veränderungen, die über mehrere Blutbildmessungen bestehen bleiben, sind aussagekräftiger als eine einzelne Schwankung.
Wie oft sollte SIRI kontrolliert werden?
Das hängt vom medizinischen Anlass ab. SIRI lässt sich aus jedem regulären Blutbild mit Differenzialblutbild berechnen. Wird dieses ohnehin jährlich bestimmt, kann auch der SIRI jährlich erfasst werden, ohne dass dafür eine zusätzliche Blutuntersuchung nötig ist. Für die Beobachtung chronischer Entzündungen oder die Nachkontrolle früherer Blutbildauffälligkeiten werden Abstände von 3 bis 6 Monaten als mögliche Orientierung genannt. Eine standardisierte Empfehlung ist das nicht. Mehrere Messungen zeigen eher, ob sich ein Wert anhaltend verändert, als ein einzelnes Ergebnis.
Wie unterscheidet sich SIRI vom Entzündungsmarker CRP?
CRP ist ein Akutphasenprotein. Die Leber setzt es als Reaktion auf Zytokinsignale frei; der Wert bildet damit eine Reaktion auf Entzündungsprozesse ab. SIRI beschreibt dagegen das zahlenmäßige Verhältnis von Neutrophilen und Monozyten zu Lymphozyten. Im vereinfachten Modell stehen die ersten beiden Zellgruppen für entzündungsfördernde Vorgänge und die Lymphozyten für adaptive Immunregulation.
Die Marker können sich ergänzen: SIRI erfasst einen Ausschnitt der Immunzellverteilung, CRP die systemische Akutphasenreaktion. Ihre gemeinsame Messung belegt jedoch nicht, dass die im SIRI sichtbare Zellverteilung eine CRP-Erhöhung verursacht.
Quellen
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