Tadalafil: Wirkung, Anwendung, Studienlage und Risiken
Klinische Prüfung ausstehend
Tadalafil wird bei Erektionsstörungen, Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung und pulmonaler arterieller Hypertonie eingesetzt. Der Artikel erläutert Wirkmechanismus, Studienergebnisse, tägliche und bedarfsweise Einnahme, Nebenwirkungen sowie ärztliche Voruntersuchungen und erläutert die Grenzen der Evidenz.

Tadalafil ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff gegen Erektionsstörungen, Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung und eine bestimmte Form des Lungenhochdrucks. Weil er lange im Körper bleibt, kommt je nach Anwendungsgebiet eine Einnahme bei Bedarf oder eine tägliche Behandlung infrage. Welcher Nutzen zu erwarten ist, welche Dosis eingesetzt wird und welche Kontrollen nötig sind, unterscheidet sich dabei deutlich.
Die Zulassungsangaben beziehen sich auf die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. Individuell in Apotheken hergestellte Tadalafil-Rezepturen sind ebenfalls verschreibungspflichtig, dürfen aber nicht ohne Weiteres mit zugelassenen Cialis- oder Adcirca-Tabletten gleichgesetzt werden. Für die Auswahl zählen die Erkrankung, weitere Medikamente und individuelle Risiken.
Bekannt ist Tadalafil vor allem als „Wochenendpille“. Sein Wirkmechanismus betrifft aber auch die Blutgefäße außerhalb des Penis, die unteren Harnwege und den Lungenkreislauf. Bei Erektionsstörungen ermöglicht die zugelassene niedrig dosierte tägliche Anwendung eine Alternative zur Einnahme im zeitlichen Zusammenhang mit Sex. Das bedeutet nicht, dass andere PDE5-Hemmer bei anderen Erkrankungen niemals regelmäßig eingesetzt werden. Hintergrund zur täglichen Anwendung
Unter den Markennamen Cialis und Adcirca ist Tadalafil als Fertigarzneimittel erhältlich; daneben gibt es zugelassene Generika. Daneben stellen entsprechend zugelassene Apotheken individuelle Rezepturen auf ärztliche Verordnung her. Um die Unterschiede einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf den Wirkmechanismus, die klinischen Ergebnisse in den zugelassenen Anwendungsgebieten und die Untersuchungen, die vor einer Verordnung relevant sein können.
Das Wichtigste im Überblick
- Die FDA ließ Tadalafil als Cialis 2003 für Erektionsstörungen und 2011 für Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung zu. Für pulmonale arterielle Hypertonie erfolgte die Zulassung 2009 unter dem Namen Adcirca. Individuelle Rezepturen können über entsprechend zugelassene medizinische Fachpersonen und Apotheken erhältlich sein.
- Zugelassene Fertigarzneimittel sind im Handel. Individuell hergestellte Rezepturen besitzen keine eigene FDA-Zulassung.
- Tadalafil ist verschreibungspflichtig. Angaben zur regionalen Verfügbarkeit eines bestimmten Angebots gelten nicht automatisch für den Wirkstoff insgesamt.
- DailyMed bietet die ältere Cialis-Fachinformation und die aktuelle US-Verordnungsinformation. Die ältere Fassung von 2009 stammt aus der Zeit vor der BPH-Zulassung.
- Tadalafil hemmt das Enzym PDE5. Dadurch verlangsamt sich der Abbau des Botenstoffs cGMP, und die durch Stickstoffmonoxid vermittelte Entspannung glatter Muskulatur hält länger an.
- Klinische Studien zeigen Verbesserungen der Erektionsfunktion, der Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung und der körperlichen Belastbarkeit bei pulmonaler arterieller Hypertonie. Die untersuchten Dosierungen und Patientengruppen unterscheiden sich je nach Anwendungsgebiet.
Was ist Tadalafil?
Tadalafil gehört zu den Hemmern der Phosphodiesterase Typ 5, kurz PDE5-Hemmern. Dazu zählen auch Sildenafil, bekannt als Viagra, und Vardenafil, bekannt als Levitra. Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, wie lange die Wirkstoffe im Körper bleiben: Die Eliminationshalbwertszeit beträgt bei Tadalafil etwa 17,5 Stunden, bei Sildenafil und Vardenafil ungefähr 4 bis 5 Stunden. Nach dieser Zeit ist die Wirkstoffkonzentration im Blut etwa auf die Hälfte gesunken. Die längere Verweildauer ermöglicht eine tägliche Einnahme und ist eine Grundlage für die Zulassung zur einmal täglichen Behandlung von Erektionsstörungen. Pharmakokinetik, Hintergrund zur Anwendung
Individuell hergestellte Tadalafil-Lutschtabletten, sogenannte Troches, lösen sich unter der Zunge oder in der Wangentasche auf. Wie viel Wirkstoff dabei im Körper verfügbar wird, lässt sich aus den hier herangezogenen Daten nur indirekt beurteilen: Untersucht wurden im Mund zerfallende Filme. Unter Nüchternbedingungen waren diese bioäquivalent zu herkömmlichen Tabletten, führten also zu einer vergleichbaren Wirkstoffexposition im Körper. Ein direkter Vergleich von Troches und Tabletten liegt diesen Aussagen nicht zugrunde. Die Übertragung von einer verwandten Darreichungsform auf Lutschtabletten bleibt deshalb unsicher, was bei der Wahl von Dosis und Darreichungsform zu berücksichtigen ist. Park und Kollegen, 2018
Individuelle Rezepturen stammen aus einer dafür zugelassenen Apotheke, sind aber selbst nicht FDA-zugelassen. Die FDA hat ihre Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität nicht in derselben Weise geprüft wie bei industriell hergestellten zugelassenen Markenpräparaten. Rezepturen können sich in Darreichungsform, Wirkstoffkonzentration und Hilfsstoffen unterscheiden.
Die beschriebenen klinischen Ergebnisse betreffen in Studien untersuchte Tadalafil-Schemata mit Fertigarzneimitteln. Sie lassen sich nicht automatisch auf individuell hergestellte Lutschtabletten oder andere ungeprüfte Darreichungsformen übertragen. Zugelassene Generika und individuelle Rezepturen sind unterschiedliche regulatorische Kategorien.
Wie Tadalafil im Körper wirkt
PDE5-Hemmung und der cGMP-Signalweg
Tadalafil hemmt selektiv die Phosphodiesterase Typ 5. Dieses Enzym baut in glatten Muskelzellen den Botenstoff zyklisches Guanosinmonophosphat, kurz cGMP, ab. Bei sexueller Stimulation wird Stickstoffmonoxid, kurz NO, freigesetzt, unter anderem aus den Endothelzellen der inneren Gefäßauskleidung. NO aktiviert das Enzym Guanylatzyklase, das cGMP bildet.
cGMP entspannt die glatte Muskulatur der Schwellkörper im Penis, sodass mehr Blut einströmen kann. PDE5 beendet das Signal, indem es cGMP abbaut. Tadalafil blockiert diesen Abbau: Der Botenstoff bleibt länger verfügbar, und die Muskelentspannung hält an.
Tadalafil verstärkt damit eine körpereigene Reaktion, die auf NO-Signalen beruht. Ohne diese physiologische Aktivierung löst es keine Erektion aus.
Eine 2021 in Frontiers in Pharmacology veröffentlichte Übersicht von Pyrgidis und Kollegen erfasste 23 systematische Übersichten mit 563 Primärstudien und 154.796 Teilnehmenden. Diese Zahlen gelten für die gesamte, überwiegend auf Erektionsfunktion ausgerichtete Übersicht. Die Aussagen zur endothelialen Dysfunktion beruhten auf einer kleineren eingeschlossenen Metaanalyse mit 13 Studien und 932 Teilnehmenden. Diese zeigte keine signifikante Verbesserung der Endothelfunktion und forderte bessere Primärstudien. Positive tierexperimentelle Befunde hatten sich in den damals verfügbaren Humanstudien somit nicht konsistent bestätigt. Das ist ein begrenzter negativer Befund, kein Nachweis, dass PDE5-Hemmer grundsätzlich keine Gefäßwirkungen haben können. Pyrgidis und Kollegen, 2021
Wirkungen auf Endothel und Blutgefäße
PDE5 kommt auch außerhalb des Penis im Gefäßsystem vor. Weil Tadalafil cGMP länger verfügbar hält, kann es den Spannungszustand und die Funktion von Blutgefäßen im übrigen Körper beeinflussen.
Eine am 30. Dezember 2025 veröffentlichte Metaanalyse von Zhang und Kollegen fasste 63 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 3.242 Teilnehmenden zusammen. In solchen Studien, kurz RCTs, werden Teilnehmende nach dem Zufallsprinzip einer Behandlung oder einer Vergleichsgruppe zugeteilt. Gegenüber Placebo berichtete die Analyse für PDE5-Hemmer:
- eine Verbesserung der flussvermittelten Gefäßerweiterung um 2,47 Prozentpunkte auf einer in Prozent ausgedrückten Messgröße; 95%-Konfidenzintervall: 1,24 bis 3,71; p < 0,001;
- eine berichtete Abnahme der Pulswellengeschwindigkeit um 0,75; 95%-Konfidenzintervall: −1,01 bis −0,49; p < 0,001. Die Publikation gibt die Einheit cm/s an. Da die Skalierung anhand der eingeschlossenen Studien geklärt werden müsste, wird dies hier weder als verifizierter klinischer Unterschied von 0,75 cm/s behandelt noch stillschweigend in m/s umgerechnet;
- eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 2,80 mmHg; 95%-Konfidenzintervall: −4,24 bis −1,37; p < 0,001.
Die flussvermittelte Gefäßerweiterung zeigt, wie gut sich ein Gefäß bei erhöhtem Blutfluss erweitert. Die Pulswellengeschwindigkeit dient als Maß für die Steifigkeit der Arterien. Das 95%-Konfidenzintervall beschreibt die statistische Unsicherheit der jeweiligen Schätzung. Ein kleiner p-Wert allein sagt dagegen noch nicht, wie groß oder im Alltag bedeutsam ein Effekt ist. Die neuere Analyse umfasst eine breitere Studienbasis und verschiedene Gefäßendpunkte; sie ist keine direkte Wiederholung der älteren Endothelanalyse. Ihre positiven Ergebnisse betreffen zudem PDE5-Hemmer insgesamt, nicht nur Tadalafil. Zhang und Kollegen
Eine Studie von Özdabakoğlu und Kollegen aus dem Jahr 2017 untersuchte 30 Männer mit Erektionsstörungen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung sowie 20 gesunde Kontrollpersonen. Die Männer mit Erektionsstörungen waren im Mittel 48,7 Jahre alt. Nach einer einzelnen Tadalafil-Dosis sanken der systolische Blutdruck (p = 0,001) und der Pulsdruck, also die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck (p = 0,018).
Zugleich verbesserten sich die Dehnbarkeit der Aorta (p = 0,001), ihre relative Dehnung beziehungsweise ihr „Strain“ (p = 0,003) und die Elastizitätsindizes großer sowie kleiner Arterien (p = 0,02 beziehungsweise p = 0,003). Auch die diastolische Funktion der linken Herzkammer, also ihre Entspannungs- und Füllungsfunktion, verbesserte sich. Özdabakoğlu und Kollegen, 2017
Diese Gefäßbefunde erklären, warum Tadalafil auch für Anwendungen außerhalb der zugelassenen Indikationen erforscht wird. Ob daraus ein langfristiger klinischer Nutzen entsteht, lässt sich aus den Messwerten allein nicht ableiten. Entsprechende zusätzliche Einsatzgebiete sind nicht FDA-zugelassen und werden weiterhin untersucht.
Wirkungen auf die unteren Harnwege und die Prostata
PDE5 findet sich auch in der glatten Muskulatur von Prostata, Blasenhals und Harnröhre. Wird das Enzym gehemmt, kann dort die Muskelspannung abnehmen. Das gilt als eine Erklärung für die Wirkung bei gutartiger Prostatavergrößerung, auch benigne Prostatahyperplasie oder BPH genannt, und bei Beschwerden der unteren Harnwege, kurz LUTS.
Alphablocker wie Tamsulosin wirken in denselben Geweben über einen anderen Weg: Sie greifen an adrenergen Rezeptoren an.
Eine 2020 in Medical Science Monitor veröffentlichte Metaanalyse von Guo und Kollegen umfasste 7 RCTs mit insgesamt 1.601 Patienten. Zwischen Tadalafil und Tamsulosin fanden sich keine signifikanten Unterschiede beim gesamten International Prostate Symptom Score, kurz IPSS, oder bei dessen Teilwerten für Blasenentleerungs- und Speicherbeschwerden. Der IPSS ist ein Fragebogen zur Stärke von Beschwerden der unteren Harnwege. Auch bei Lebensqualität, maximalem Harnfluss, kurz Qmax, und Restharnmenge nach dem Wasserlassen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.
Beim International Index of Erectile Function, kurz IIEF, schnitt Tadalafil dagegen signifikant besser ab. Dieser Fragebogen erfasst die Sexual- und Erektionsfunktion. Das kann für die Behandlungswahl relevant sein, weil BPH beziehungsweise LUTS häufig zusammen mit Erektionsstörungen auftreten. Guo und Kollegen, 2020
Wirkungen auf die Lungengefäße
In der glatten Muskulatur der Lungenarterien ist PDE5 besonders stark vertreten. Bei pulmonaler arterieller Hypertonie, kurz PAH, ist der Widerstand in diesen Gefäßen erhöht. Dadurch wird die rechte Herzkammer stärker belastet, und die körperliche Belastbarkeit nimmt ab.
Tadalafil hemmt PDE5 in den Lungengefäßen und fördert so deren Erweiterung. Das kann den Druck im Lungenarteriensystem senken und bildet die Grundlage für die Anwendung von Adcirca.
Im Körper- und im Lungenkreislauf betrifft die PDE5-Hemmung denselben molekularen Signalweg. Cialis bei Erektionsstörungen und Adcirca bei PAH unterscheiden sich vor allem in Dosierung, Patientengruppe und Zulassungsgrundlage. Der Wirkmechanismus ist derselbe.
Pharmakokinetik und der Vorteil der täglichen Einnahme
Wie Tadalafil aufgenommen und ausgeschieden wird, untersuchten Forgue und Kollegen in einer pharmakokinetischen Studie, die 2006 im British Journal of Clinical Pharmacology erschien. Daran nahmen 237 gesunde Personen teil, die Einzeldosen von 2,5 bis 20 mg erhielten. Die Halbwertszeit betrug 17,5 Stunden; das 5. bis 95. Perzentil lag zwischen 11,5 und 29,6 Stunden. Dieser Bereich zeigt, wie stark sich die Verweildauer von Person zu Person unterscheiden kann. Mit einer Halbwertszeit von etwa 4 bis 5 Stunden werden Sildenafil und Vardenafil deutlich schneller ausgeschieden. Forgue und Kollegen, 2006
Bei täglicher Tadalafil-Einnahme stellt sich nach ungefähr 5 Tagen ein Fließgleichgewicht ein, auch „Steady State“ genannt. Über mehrere Einnahmeintervalle gleichen sich Aufnahme und Ausscheidung aus, sodass gleichmäßige Wirkstoffspiegel entstehen. Sexuelle Aktivität muss dadurch weniger eng auf den Einnahmezeitpunkt abgestimmt werden. Nahrung beeinflusst die Aufnahme von Tadalafil nach den hier herangezogenen Daten nicht wesentlich, anders als bei Sildenafil. Forgue und Kollegen, 2006
Eine 2019 in Sexual Medicine veröffentlichte Metaanalyse von Zhou und Kollegen verglich die tägliche Einnahme mit der Einnahme bei Bedarf. Sie umfasste 4 RCTs mit 1.035 Teilnehmenden und einer Behandlungsdauer von mindestens 24 Wochen. Bei täglicher Einnahme verbesserte sich der IIEF-EF, der Teilbereich des IIEF zur Erektionsfunktion, statistisch signifikant stärker. Die mittlere Differenz, kurz MD, betrug 1,24 Punkte; 95%-Konfidenzintervall: 0,03 bis 2,44; p = 0,04.
Auch die mit der Frage SEP3 erfasste Rate erfolgreich abgeschlossenen Geschlechtsverkehrs lag höher: MD 8,19 Prozentpunkte; 95%-Konfidenzintervall: 2,09 bis 14,29; p = 0,009. SEP3 erfasst den Anteil erfolgreich abgeschlossener Versuche, nicht eine Veränderung um acht Punkte im IIEF-Fragebogen.
Unter täglicher Einnahme wurden insgesamt weniger unerwünschte Ereignisse erfasst, die während der Behandlung neu auftraten: Odds Ratio, kurz OR, 0,73; 95%-Konfidenzintervall: 0,56 bis 0,96; p = 0,02. Eine OR unter 1 bedeutet hier geringere statistische Chancen für ein solches Ereignis. Sie lässt sich nicht unmittelbar als gleich große Abnahme des absoluten Risikos lesen. Die Autoren nennen außerdem Unterschiede in Dosierungen und Ausgangsschwere der Erektionsstörungen als Einschränkungen der Studien. Zhou und Kollegen, 2019
Was die Forschung zur Wirksamkeit zeigt
Erektionsstörungen: tägliche Einnahme oder Einnahme bei Bedarf?
Brock und Kollegen fassten in einer integrierten Analyse 17 placebokontrollierte Studien zur Einnahme bei Bedarf und 4 zur einmal täglichen Einnahme zusammen. Die Arbeit erschien 2016 im Journal of Sexual Medicine. Insgesamt wurden 4.354 Männer über 12 Wochen untersucht.
Sowohl 5 mg einmal täglich als auch 10 bis 20 mg bei Bedarf verbesserten die Werte im IIEF-Bereich zur Erektionsfunktion gegenüber Placebo signifikant (p < 0,02). Das galt für alle untersuchten klinischen Untergruppen, darunter Männer mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten. Die Auswertung verglich zusammengeführte Studiendaten beschreibend; entsprechend sind auch die Aussagen zum Verhältnis der Einnahmeschemata einzuordnen. Brock und Kollegen, 2016
Eine 2018 im International Journal of Impotence Research veröffentlichte Studie von Bolat und Kollegen verglich bei 63 Männern mit Diabetes und Erektionsstörungen über 3 Monate täglich 5 mg Tadalafil (n = 31) mit 20 mg bei Bedarf (n = 32). Bei Patienten unter 65 Jahren verbesserten beide Einnahmeschemata die IIEF-Werte und die Beschwerden der unteren Harnwege. Unter täglich 5 mg besserten sich Ejakulationsfunktion und LUTS signifikant stärker als bei der Einnahme nach Bedarf. Für Männer, bei denen diese Beschwerden gemeinsam auftreten, können solche Unterschiede bei der Behandlungswahl relevant sein. Bolat und Kollegen, 2018
Längerfristige Daten liefert eine randomisierte, offene Studie nach Markteinführung von Jiang und Kollegen, die 2024 im Asian Journal of Andrology erschien. Sie begleitete 635 chinesische Männer mit Erektionsstörungen über 2 Jahre. Nach zufälliger Zuteilung erhielten die Teilnehmer zunächst 3 Monate lang täglich 2,5 oder 5 mg Tadalafil. Anschließend setzten sie die Behandlung für weitere 21 Monate mit täglich 5 mg fort.
Nach 24 Monaten hatte sich der IIEF-EF im Mittel um 8,6 Punkte verbessert; 95%-Konfidenzintervall: 8,1 bis 9,0; p < 0,001. Bei 48,0 % der Patienten lagen die Werte wieder im Bereich einer normalen Erektionsfunktion, definiert als IIEF-EF von mindestens 26 Punkten. Die während der Behandlung erfassten unerwünschten Ereignisse blieben zwischen Monat 12 und Monat 24 stabil. Die Ergebnisse stützen eine anhaltende Wirksamkeit und liefern längerfristige Sicherheitsdaten für die untersuchte Gruppe. Über die Sicherheit bei allen Patienten oder über längere Zeiträume geben sie keine uneingeschränkte Auskunft. Jiang und Kollegen, 2024
Gutartige Prostatavergrößerung und Beschwerden der unteren Harnwege
Eine 2021 in Frontiers in Medicine veröffentlichte Metaanalyse von Cui und Kollegen umfasste 15 RCTs mit insgesamt 9.525 Patienten. Davon erhielten 4.937 Tadalafil und 4.588 Placebo. Untersucht wurden 5 mg einmal täglich über 12 Wochen.
Gegenüber Placebo sank der IPSS um zusätzliche 1,97 Punkte; 95%-Konfidenzintervall: −2,24 bis −1,70; p < 0,00001. Die Patienten berichteten damit über statistisch signifikant geringere Beschwerden. Beim maximalen Harnfluss Qmax zeigte sich dagegen keine signifikante Verbesserung: MD 0,11 ml/s; 95%-Konfidenzintervall: −0,41 bis 0,63; p = 0,68. Die Beschwerden können sich also bessern, ohne dass der maximale Harnfluss messbar zunimmt. Cui und Kollegen, 2021
Die FDA ließ Tadalafil 2011 für BPH-Beschwerden zu. Außerdem besteht eine Zulassung für Männer mit gleichzeitig bestehenden Erektionsstörungen und BPH. Bessere Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass die Prostata schrumpft oder alle Folgen einer Abflussbehinderung verhindert werden.
Pulmonale arterielle Hypertonie: die PHIRST-Studie
Die PHIRST-Studie, ausgeschrieben Pulmonary Arterial Hypertension and Response to Tadalafil, war die maßgebliche randomisierte kontrollierte Studie für die PAH-Zulassung. Galiè und Kollegen veröffentlichten sie 2009 in Circulation.
Daran nahmen 405 Patienten mit idiopathischer PAH oder PAH im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen teil. Einige waren zuvor unbehandelt, andere erhielten bereits Bosentan. Für 16 Wochen wurden sie nach dem Zufallsprinzip Tadalafil mit 2,5, 10, 20 oder 40 mg einmal täglich oder Placebo zugeteilt.
Unter 40 mg verbesserte sich die im 6-Minuten-Gehtest zurückgelegte Strecke gegenüber Placebo um 33 Meter; 95%-Konfidenzintervall: 15 bis 50 m; p < 0,01. Bei Patienten ohne Bosentan-Vorbehandlung war der Effekt größer: +44 m; 95%-Konfidenzintervall: 20 bis 69 m. Bei bestehender Bosentan-Therapie betrug er +23 m; 95%-Konfidenzintervall: −2 bis 48 m. Das letztgenannte Intervall umfasst auch den Fall, dass kein Unterschied besteht. Der Nutzen war in dieser Untergruppe somit statistisch weniger eindeutig.
Tadalafil 40 mg verringerte außerdem die klinische Verschlechterung um 68 % (p = 0,038) und verbesserte die gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant (p = 0,041). Die Angabe von 68 % bezeichnet eine relative Verringerung, keine Abnahme um 68 Prozentpunkte. Anschließend wurde die Dosis von 40 mg unter dem Namen Adcirca zugelassen. Die Ergebnisse betreffen eine andere Patientengruppe, Dosierung und Indikation als die Behandlung mit Cialis bei Erektionsstörungen oder BPH. Galiè und Kollegen, 2009
Präferenzen von Patienten und ihren Partnerinnen oder Partnern
Wie Menschen eine Behandlung erleben, hängt auch davon ab, wie sie sich in ihren Alltag einfügt. Eine 2017 in International Urology and Nephrology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Gong und Kollegen wertete 16 kontrollierte Studien aus, die Tadalafil direkt mit Sildenafil verglichen.
Die Gesamtwirksamkeit und die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse waren ähnlich. Unter Tadalafil verbesserten sich jedoch psychologische Endpunkte, darunter das sexuelle Selbstvertrauen, stärker. Patienten sowie ihre Partnerinnen oder Partner bevorzugten Tadalafil signifikant häufiger als Sildenafil (p < 0,05). Gong und Kollegen, 2017
Eine 2024 in Minerva Urology and Nephrology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Manfredi und Kollegen untersuchte 14 RCTs mit 6.841 Patienten sowie vier Post-hoc-Analysen. Darin bevorzugten 66 bis 73 % Tadalafil gegenüber Sildenafil (p < 0,05). Als wichtigsten Grund nannten 55 bis 67 % derjenigen, die Tadalafil bevorzugten, die Möglichkeit einer Erektion noch lange nach der Einnahme.
Zugleich entschieden sich 57 bis 59 % eher für Tadalafil bei Bedarf als für eine dreimal wöchentliche Einnahme (p < 0,05). Sämtliche eingeschlossenen RCTs hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko. Die Präferenzen können für die Therapietreue wichtig sein, belegen aber keine klinische Überlegenheit. Zudem erschweren Unterschiede zwischen Patientengruppen und Studiendesigns den Vergleich. Manfredi und Kollegen, 2024
Nebenwirkungen: Womit ist zu rechnen?
Tadalafil hat ein ähnliches Nebenwirkungsprofil wie andere PDE5-Hemmer. Die Beschwerden hängen im Allgemeinen von der Dosis ab. Viele sind leicht bis mäßig ausgeprägt und können im Verlauf oder nach einer ärztlichen Dosisanpassung nachlassen. Neue oder ausgeprägte Symptome sollten dennoch abgeklärt werden; nicht jede Beschwerde klingt von selbst ab.
Häufige Nebenwirkungen sind:
- Kopfschmerzen: In einer offenen Verlängerungsstudie von Montorsi und Kollegen über 24 Monate berichteten 15,8 % von 1.173 Männern mit Erektionsstörungen darüber. Sie nahmen 5 bis 20 mg Tadalafil bei Bedarf ein. Kopfschmerzen werden als dosisabhängig beschrieben und lassen häufig im Verlauf nach. Montorsi und Kollegen, 2004
- Gesichtsrötung und Wärmegefühl, auch Flush genannt: Sie hängen mit der Gefäßerweiterung zusammen und treten bei höheren Dosierungen häufiger auf.
- Dyspepsie beziehungsweise Verdauungsbeschwerden. Die Analyse von Brock und Kollegen untersuchte Nebenwirkungen bei Tadalafil-Anwendern. Sie belegt weder eine höhere Häufigkeit als unter sämtlichen anderen PDE5-Hemmern noch PDE11-Hemmung als Ursache. Brock und Kollegen, 2009
- Eine verstopfte Nase.
- Rücken- und Muskelschmerzen: Sie sind bekannte, häufig vorübergehende Tadalafil-Nebenwirkungen. Ihre Ursache ist nicht allein durch eine Wirkung auf PDE11 geklärt. Die zitierte Untersuchung prüfte mögliche Erklärungen, bewies aber diesen Mechanismus nicht. Seftel und Kollegen, 2005
- Schmerzen in Armen oder Beinen.
Seltener, aber klinisch besonders wichtig sind:
- Blutdruckabfall: Die gefäßerweiternde Wirkung kann den Blutdruck senken. Nitrate wie Nitroglycerin sind wegen schwerer Blutdruckabfälle kontraindiziert. Kloner und Kollegen fassten 72 Studien der Phasen II bis IV mit 22.825 Patienten mit Erektionsstörungen oder BPH zusammen; die placebokontrollierte Analyse umfasste 15.030. Je nach Indikation traten hypotensionsbezogene Ereignisse bei etwa 0,6 bis 1,5 % auf. Bei mindestens einem gleichzeitig eingenommenen Antihypertensivum zeigte sich gegenüber Placebo kein signifikanter Anstieg (p-Werte ≥ 0,7386). Bei bedarfsweiser ED-Behandlung ohne Antihypertensiva gab es dagegen einen Anstieg (p = 0,0070). Auch schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse nahmen in den untersuchten Antihypertensiva-Gruppen nicht signifikant zu. Alphablocker waren ausgeschlossen; Wechselwirkungswarnungen gelten weiter. Kloner und Kollegen, 2022
- Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, kurz NAION: Diese seltene Durchblutungsstörung kann den Sehnerv schädigen. Nach einer früheren NAION verlangt die US-Fachinformation eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Plötzlicher Sehverlust erfordert sofortige medizinische Hilfe.
- Plötzliche Hörminderung oder Hörverlust: Diese Ereignisse sind selten. Wenn das Hörvermögen plötzlich nachlässt oder ausfällt, ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
- Priapismus: Eine anhaltende Erektion von mehr als 4 Stunden ist ein medizinischer Notfall. Ohne rasche Behandlung können dauerhafte Schäden am Schwellkörpergewebe und an der Erektionsfähigkeit entstehen.
Vor einer Verordnung werden deshalb der Herz-Kreislauf-Zustand, relevante Begleiterkrankungen und sämtliche gleichzeitig eingenommenen Medikamente beurteilt. Die vollständige Medikamentenliste ist besonders wichtig, um etwa die kontraindizierte Kombination mit Nitraten zu erkennen.
Für wen wird Tadalafil üblicherweise verordnet?
Erektionsstörungen
Die FDA hat Tadalafil zur Behandlung von Erektionsstörungen bei erwachsenen Männern zugelassen. Es kommt insbesondere bei bestätigten Erektionsstörungen infrage, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Zur Abklärung gehört auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit: Erektionsstörungen können ein frühes Anzeichen einer Gefäßerkrankung sein. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang mit späteren kardiovaskulären Ereignissen. Zhao und Kollegen, 2019
Eine 2020 online und im Jahrgang 2021 von World Journal of Urology veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse von Madeira und Kollegen umfasste 179 RCTs mit 50.620 Patienten. Eine solche Analyse führt direkte und indirekte Vergleiche zwischen Behandlungen zusammen. Tadalafil mit 10 und 20 mg gehörte hinsichtlich der Verbesserung des IIEF zu den am höchsten eingestuften PDE5-Hemmern. Die berichteten Rangwerte betrugen 73 % beziehungsweise 76 %. Diese statistischen Einstufungen beschreiben keine persönlichen Erfolgsquoten.
Unter gemeinsamer Betrachtung von Wirksamkeit und Sicherheit kamen die Autoren zu dem Schluss, dass niedrig dosiertes Sildenafil und Tadalafil zu den vorrangigen Behandlungsoptionen zählen sollten. Madeira und Kollegen
Ob Tadalafil im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem vom Herz-Kreislauf-Zustand, anderen Medikamenten und den Ursachen der Erektionsstörung ab. FDA-Zulassungen bestehen für Erektionsstörungen, BPH und pulmonale arterielle Hypertonie. Eine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikationen, auch „off label“ genannt, liegt in der eigenständigen klinischen Verantwortung der verordnenden Ärztin oder des verordnenden Arztes.
Gutartige Prostatavergrößerung und LUTS
Tadalafil ist von der FDA zur Behandlung der Zeichen und Beschwerden einer BPH sowie zur gleichzeitigen Behandlung von BPH und Erektionsstörungen zugelassen. Es wird insbesondere erwogen, wenn bestätigte Beschwerden der unteren Harnwege vorliegen und eine Behandlung beider Beschwerdebereiche klinisch sinnvoll ist.
Die zugelassene Dosis von 5 mg einmal täglich kann bei entsprechender individueller Eignung längerfristig eingesetzt werden. Die 2-jährige Studie von Jiang liefert zwar längere Beobachtungsdaten als viele Kurzzeitstudien, untersuchte jedoch Männer mit Erektionsstörungen. Sie ist daher kein spezifischer Langzeitnachweis für jede BPH-Patientengruppe.
Prostatabeschwerden müssen auch bei einer Behandlung mit Tadalafil ärztlich abgeklärt werden. Je nach Situation kann dazu eine PSA-Bestimmung gehören. PSA steht für prostataspezifisches Antigen. Der Wert allein kann Prostatakrebs weder sicher ausschließen noch bestätigen.
Pulmonale arterielle Hypertonie
Als Adcirca wird Tadalafil bei PAH im Erwachsenenalter mit 40 mg einmal täglich zur Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit eingesetzt. PHIRST fand außerdem weniger klinische Verschlechterungen während der 16-wöchigen Studie. Maßgeblich ist die präparatspezifische US-Verordnungsinformation für Adcirca.
Die Erkrankung erfordert die Betreuung durch entsprechend qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte, etwa aus Pneumologie oder Kardiologie. Dosierung, Patientengruppe und Überwachung unterscheiden sich wesentlich von der Behandlung bei Erektionsstörungen oder BPH.
Wer sollte Tadalafil nicht einnehmen?
Vor einer Verordnung müssen die individuellen Risiken geklärt werden. Die folgenden Punkte umfassen sowohl Gegenanzeigen als auch Situationen, in denen eine besonders sorgfältige ärztliche Prüfung oder eine Dosisanpassung nötig ist. Diese Kategorien haben unterschiedliche Konsequenzen für die Behandlung.
- Bei gleichzeitiger Anwendung organischer Nitrate oder entsprechender NO-freisetzender Substanzen droht ein schwerer, möglicherweise lebensbedrohlicher Blutdruckabfall. Dazu gehören Nitroglycerin, Isosorbidmononitrat, Isosorbiddinitrat und Amylnitrit.
- Die Kombination mit Stimulatoren der löslichen Guanylatzyklase wie Riociguat ist wegen verstärkter blutdrucksenkender Wirkungen kontraindiziert.
- Eine Überempfindlichkeit gegen Tadalafil oder einen anderen Bestandteil des Präparats schließt die Anwendung aus.
- Bei schwerer Leberfunktionsstörung der Child-Pugh-Klasse C wird die Anwendung nicht empfohlen. Lebererkrankungen können die Verarbeitung des Wirkstoffs verändern; schwere Funktionsstörungen sind unzureichend untersucht.
- Bei schwerer Nierenfunktionsstörung gelten indikationsbezogene Vorgaben. Unter 30 ml/min Kreatinin-Clearance wird täglich angewendetes Cialis nicht empfohlen; Adcirca bei PAH soll vermieden werden. Eine eingeschränkte Cialis-Bedarfsdosierung ist eine eigene ärztliche Entscheidung und keine Freigabe für eine übliche tägliche Einnahme.
- Bei instabilem Herz-Kreislauf-Zustand kann sexuelle Aktivität nicht ratsam sein, etwa bei instabiler Angina pectoris, kürzlich erlittenem Herzinfarkt oder unkontrollierten Herzrhythmusstörungen. Tadalafil darf dann zur Behandlung von Erektionsstörungen nicht ohne entsprechende fachärztliche Beurteilung eingesetzt werden.
- Eine NAION in der Vorgeschichte, also eine frühere nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, erfordert wegen eines möglichen erneuten Ereignisses besondere Beachtung.
- Bei ausgeprägt niedrigem Blutdruck unter 90/50 mmHg besteht die Gefahr eines weiteren gefährlichen Blutdruckabfalls.
- Starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol oder Ritonavir können die Tadalafil-Konzentration im Blut deutlich erhöhen. Bei gleichzeitiger Einnahme kann deshalb eine Dosisanpassung erforderlich sein.
Die Liste ist nicht vollständig. Für die Entscheidung zählen das gesamte klinische Bild, die vollständige Medikamentenliste, die Herz-Kreislauf-Vorgeschichte und Begleiterkrankungen.
Alphablocker können die blutdrucksenkende Wirkung verstärken. Bei Erektionsstörungen beschreibt die US-Cialis-Fachinformation einen Beginn mit der niedrigsten empfohlenen Dosis erst bei stabil eingestellter Alphablockertherapie. Zur Behandlung von BPH empfiehlt dieselbe Fachinformation die Kombination nicht. Dies sind indikationsbezogene Vorgaben, kein allgemeines Kombinationsschema.
Welche Untersuchungen sind vor dem Beginn mit Tadalafil sinnvoll?
Ausgangswerte helfen, die Eignung einer Behandlung einzuschätzen und spätere Veränderungen zu verstehen. Welche Untersuchungen nötig sind, hängt von Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und Anwendungsgebiet ab. Die folgenden Werte kommen je nach Situation infrage; sie bilden kein pauschal notwendiges Laborpaket.
- Blutfette und kardiovaskuläre Risikomarker, einschließlich ApoB: Erektionsstörungen sind mit frühen atherosklerotischen Gefäßerkrankungen verbunden. Ein Lipidprofil mit LDL-Cholesterin und gegebenenfalls Apolipoprotein B, kurz ApoB, kann helfen, das Herz-Kreislauf-Risiko vor einer gefäßwirksamen Behandlung einzuordnen. Die Werte ergänzen das klinische Gesamtbild. Zhao und Kollegen, 2019; Hintergrundinformationen zu kardiovaskulären Biomarkern und LDL-Cholesterin.
- Blutdruck: Eine Ausgangsmessung zeigt, ob bereits ein niedriger Blutdruck besteht. Da Tadalafil die Gefäße erweitert und den Blutdruck senken kann, beeinflusst das möglicherweise die Eignung oder Dosierung. Die Messung gehört zwar nicht zu den Bluttests, ist klinisch aber wichtig.
- Hochsensitives C-reaktives Protein, hs-CRP: Dieser Wert kann ausgewählte kardiovaskuläre Risikobeurteilungen ergänzen. Er weist weder eine gefäßbedingte Ursache der Erektionsstörungen nach noch ist er eine routinemäßige Voraussetzung für Tadalafil. Hintergrund zu hs-CRP
- Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, eGFR: Sie beschreibt die geschätzte Filterleistung der Nieren. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Tadalafil-Dosierung angepasst werden. Für eine Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min wird die einmal tägliche Anwendung nicht empfohlen. Die Beurteilung der Nierenfunktion ist daher für die sichere Verordnung relevant. eGFR und Kreatinin-Clearance sind dabei nicht ohne Weiteres austauschbar. Hintergrund zur eGFR
- Leberwerte, insbesondere ALT, AST und GGT: Tadalafil wird hauptsächlich über das Enzym CYP3A4 in der Leber verstoffwechselt. Eine Leberfunktionsstörung kann die Wirkstoffexposition erhöhen und eine Dosisänderung oder den Verzicht auf die Anwendung notwendig machen. Die genannten Enzyme geben Hinweise auf Lebererkrankungen. Normale Werte allein bestätigen jedoch nicht, dass der Körper das Arzneimittel ausreichend abbaut und ausscheidet. Hintergrund zu Leberwerten
- Gesamttestosteron und freies Testosteron: Erektionsstörungen haben häufig mehrere Ursachen. Dazu kann ein Hypogonadismus beitragen, also eine unzureichende Funktion der Keimdrüsen mit Testosteronmangel. Eine entsprechende Abklärung kann sinnvoll sein, bevor die Beschwerden ausschließlich Gefäßveränderungen oder psychischen Faktoren zugeschrieben werden. Niedrige Werte können eine zusätzliche Behandlung erforderlich machen. Hintergrund zu freiem Testosteron und Gesamttestosteron.
- Gesamt-PSA: Ein Ausgangswert kann bei Männern mit BPH-Beschwerden für die weitere Prostataabklärung hilfreich sein. Ob eine Messung angezeigt ist, wird individuell bestimmt. Eine vorhersehbare PSA-Unterdrückung wie unter 5-Alpha-Reduktase-Hemmern sollte bei Tadalafil nicht vorausgesetzt werden. Hintergrund zu Gesamt-PSA
- Nüchternglukose und HbA1c: Diabetes gehört zu den häufigen Begleiterkrankungen bei Erektionsstörungen. Sowohl Gefäß- als auch Nervenschäden können dabei eine Rolle spielen. Die Beurteilung des Zuckerstoffwechsels hilft zu erkennen, ob diese Faktoren zusätzlich behandelt werden müssen. HbA1c bildet die längerfristige Blutzuckersituation ab. Wissenschaftlicher Verweis zu Diabetes und Erektionsstörungen; Hintergrund zu Glukose und HbA1c.
Bei Männern mit Erektionsstörungen kann die Beurteilung von Herz-Kreislauf-Risiko, Testosteron, gegebenenfalls PSA, Stoffwechsel und Nierenfunktion ein umfassendes Bild ergeben. Weiterführende Hintergrundtexte behandeln hormonelle Marker im Zusammenhang mit Libido und Fruchtbarkeit sowie kardiovaskuläre Marker. Den angemessenen Untersuchungsumfang legt die behandelnde Fachperson anhand der individuellen Situation fest.
Was Blutuntersuchungen während der Einnahme zeigen können
Verlaufskontrollen sollten eine konkrete klinische Frage beantworten. Bei ohnehin angezeigter Prostataabklärung hilft ein früherer PSA-Wert beim Vergleich. In der einjährigen offenen Verlängerungsstudie von Donatucci und Kollegen stieg das mittlere PSA von 1,6 ± 1,3 auf 1,8 ± 1,4 ng/ml. Das stützt keine Behauptung, Tadalafil senke PSA. Ohne unbehandelte Vergleichsgruppe in dieser Verlängerungsphase lässt sich der Anstieg aber auch nicht einfach dem Arzneimittel zuschreiben. Donatucci und Kollegen, 2011
Tadalafil stimuliert nicht direkt die hormonelle Achse zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Hoden. In einer kleinen unkontrollierten Studie mit 20 Männern über zwölf Monate veränderten sich Gesamt- und freies Testosteron unter Bedarfsbehandlung nicht signifikant. Estradiol sank dagegen, und das Testosteron-Estradiol-Verhältnis stieg. Diese vorläufige Beobachtung lässt Hypothesen zu indirekten hormonellen Wirkungen zu, belegt aber weder eine Hormontherapie noch unveränderte Werte bei jedem Anwender. Pilotstudie zu Hormonveränderungen
Je nach Ausgangslage können Nierenwerte, einschließlich eGFR und Kreatinin, sowie Leberwerte zur Sicherheitsbeurteilung beitragen. Das gilt insbesondere bei geplanter Dosisanpassung oder längerer Behandlung. Wiederholte Lipid- und andere kardiovaskuläre Untersuchungen können außerdem das übergeordnete Gefäßrisiko erfassen, wenn Erektionsstörungen ein frühes kardiovaskuläres Warnsignal waren.
Sinnvolle Verlaufskontrollen knüpfen somit an relevante Ausgangswerte und die klinische Situation an. Tadalafil ist gut untersucht und verfügt über eine umfangreiche klinische Datenbasis. Welche Messungen für eine bestimmte Person nötig sind, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Häufige Fragen
Wie lange wirkt Tadalafil?
Tadalafil hat eine Halbwertszeit von ungefähr 17,5 Stunden und bleibt damit deutlich länger im Körper als Sildenafil oder Vardenafil. Eine einzelne Bedarfsdosis, üblicherweise 10 oder 20 mg, kann ein Wirkfenster von bis zu 36 Stunden ermöglichen. Das bedeutet weder eine ununterbrochene Erektion noch eine bei jeder Person gleich lange Wirkung. Quellenverweis zum Wirkfenster
Bei einmal täglich 2,5 bis 5 mg werden nach ungefähr 5 Tagen Steady-State-Konzentrationen erreicht. Damit ist eine kontinuierliche Wirkstoffexposition möglich, ohne sexuelle Aktivität auf einen einzelnen Einnahmezeitpunkt abstimmen zu müssen. Forgue und Kollegen, 2006
Was unterscheidet Tadalafil von Sildenafil?
Beide sind PDE5-Hemmer und haben denselben grundlegenden Wirkmechanismus. Unterschiede gibt es bei Aufnahme, Abbau und Wirkdauer. Die Halbwertszeit beträgt bei Tadalafil etwa 17,5 Stunden, bei Sildenafil ungefähr 4 Stunden. Nahrung beeinflusst die Aufnahme von Tadalafil kaum; eine fettreiche Mahlzeit kann die Aufnahme von Sildenafil dagegen verzögern. Hintergrund zum Wirkstoffvergleich
Tadalafil besitzt eine Zulassung zur täglichen Behandlung von Erektionsstörungen und eine eigene BPH-Indikation. Das schließt regelmäßige Schemata anderer PDE5-Hemmer bei anderen Erkrankungen nicht aus.
Die systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Gong und Kollegen aus dem Jahr 2017 umfasste 16 direkte Vergleichsstudien. Wirksamkeit und Häufigkeit unerwünschter Ereignisse waren ähnlich. Patienten sowie ihre Partnerinnen oder Partner bevorzugten Tadalafil jedoch signifikant häufiger (p < 0,05), vor allem wegen sexuellen Selbstvertrauens und größerer Spontaneität. Unterschiede zwischen Patientengruppen und Studiendesigns begrenzen, wie weit sich diese Ergebnisse verallgemeinern lassen. Gong und Kollegen, 2017
Ist eine individuell hergestellte Tadalafil-Rezeptur dasselbe wie Cialis?
Nein. Eine individuelle Rezeptur ist nicht ohne Weiteres gleichwertig mit Cialis oder Adcirca, den FDA-zugelassenen Tadalafil-Markenpräparaten.
Solche Rezepturen werden in entsprechend zugelassenen Apotheken hergestellt, besitzen aber keine eigene FDA-Zulassung. Die FDA hat ihre Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität nicht in derselben Weise geprüft wie bei industriell hergestellten zugelassenen Arzneimitteln. Unterschiede können Darreichungsform, Wirkstoffkonzentration und Hilfsstoffe betreffen.
Eine qualifizierte medizinische Fachperson kann erläutern, welchen regulatorischen Status ein Präparat hat und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Kann Tadalafil täglich eingenommen werden?
Ja, bei bestimmten Anwendungsgebieten und in ärztlich festgelegter Dosierung. Für Erektionsstörungen werden 2,5 und 5 mg einmal täglich angegeben, für BPH eine Dosis von 5 mg einmal täglich.
Nach ungefähr 5 Tagen werden bei täglicher Einnahme Steady-State-Spiegel erreicht. Sexuelle Aktivität muss dadurch nicht mehr eng auf die einzelne Einnahme abgestimmt werden.
Eine Metaanalyse von Zhou und Kollegen aus dem Jahr 2019 mit 4 RCTs und 1.035 Teilnehmenden fand nach mindestens 24 Wochen eine signifikant größere Verbesserung des IIEF-EF unter täglicher Einnahme als unter Einnahme bei Bedarf: MD 1,24 Punkte; 95%-Konfidenzintervall: 0,03 bis 2,44; p = 0,04. Während der Behandlung neu auftretende unerwünschte Ereignisse waren insgesamt seltener: OR 0,73; 95%-Konfidenzintervall: 0,56 bis 0,96; p = 0,02. Welches Einnahmeschema geeignet ist, hängt vom individuellen klinischen Bild ab. Zhou und Kollegen, 2019
Senkt Tadalafil den Blutdruck?
Ja. Durch die Gefäßerweiterung können der systolische und der diastolische Blutdruck in mäßigem Umfang sinken.
In einer integrierten Sicherheitsanalyse von Kloner und Kollegen mit 72 klinischen Studien und 22.825 Patienten nahmen Ereignisse im Zusammenhang mit niedrigem Blutdruck bei gleichzeitig eingenommenen blutdrucksenkenden Medikamenten nicht signifikant zu. Dieses Ergebnis gilt für die untersuchten Patientengruppen und bestätigt keine uneingeschränkte Sicherheit jeder Kombination; Alphablocker waren ausgeschlossen. Eine sorgfältige Auswahl und stabile Einstellung der sonstigen Behandlung bleiben wichtig. Kloner und Kollegen, 2022
Nitrate und Guanylatzyklase-Stimulatoren wie Riociguat sind wegen schwerer Blutdruckabfälle kontraindiziert.
Was sollte während der Einnahme von Tadalafil vermieden werden?
Nitrate und entsprechende NO-freisetzende Substanzen, darunter Nitroglycerin, Isosorbidmononitrat und Amylnitrit, dürfen nicht mit Tadalafil kombiniert werden. Es droht ein schwerer Blutdruckabfall; auch Riociguat ist kontraindiziert.
Grapefruit und Grapefruitsaft können CYP3A4 hemmen, das am Abbau von Tadalafil beteiligt ist, und dadurch die Wirkstoffexposition erhöhen. Die hier angeführte konkrete Untersuchung wurde an Ratten durchgeführt. Wie stark eine solche Wechselwirkung beim Menschen ausfällt, lässt sich damit nicht genau beziffern. Shen und Kollegen, 2020
Größere Alkoholmengen können den Blutdruck senken und die entsprechende Wirkung von Tadalafil verstärken. Starke CYP3A4-Hemmer, darunter bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen und HIV-Proteasehemmer, können die Tadalafil-Exposition deutlich erhöhen und eine Dosisanpassung erforderlich machen. Vor der Verordnung ist deshalb eine Prüfung der vollständigen Medikamentenliste nötig.
Beeinflusst Tadalafil den Testosteronspiegel?
Tadalafil wirkt nicht direkt auf die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und dient nicht dazu, die Testosteronproduktion unmittelbar zu steigern. Ein direkter Einfluss auf den Testosteronstoffwechsel wird hier ebenfalls nicht beschrieben. Indirekte Veränderungen sind damit jedoch nicht ausgeschlossen. Die oben beschriebene kleine Pilotstudie fand keine signifikante Veränderung des Gesamt- oder freien Testosterons, aber Veränderungen von Estradiol und Hormonverhältnis.
Ein niedriger Testosteronspiegel kann zu Erektionsstörungen beitragen und wird deshalb je nach klinischer Situation zu Beginn mitbeurteilt. Bei gleichzeitig bestehenden Erektionsstörungen und Hypogonadismus kann Tadalafil die gefäßbedingte Komponente behandeln. Eine gesonderte Behandlung des Testosteronmangels richtet sich dagegen an die hormonelle Komponente. Hintergrund zu Gesamttestosteron
Welche Bluttests sind vor dem Beginn mit Tadalafil sinnvoll?
Je nach Situation kommen eGFR und Kreatinin zur Beurteilung der Nierenfunktion und Dosierung, Leberwerte sowie ein Lipidprofil gegebenenfalls einschließlich ApoB infrage. Auch Gesamttestosteron und freies Testosteron, gegebenenfalls PSA sowie Nüchternglukose und HbA1c können relevant sein. Hinzu kommt eine Blutdruckmessung.
Eine individuelle Prostataabklärung bedeutet nicht, dass für alle ein PSA-Test zwingend nötig ist. Umfang und Auswahl der Untersuchungen richten sich nach Beschwerden und Indikation. Hintergrundinformationen zu eGFR, Gesamt-PSA und Gesamttestosteron.
Wichtige Sicherheitsinformationen
Tadalafil ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff mit FDA-zugelassenen Präparaten. Ob die Behandlung geeignet ist, muss ärztlich beurteilt werden.
Tadalafil darf nicht zusammen mit Nitraten gegen Brustschmerzen, etwa Nitroglycerin oder Isosorbidpräparaten, oder mit Guanylatzyklase-Stimulatoren wie Riociguat eingenommen werden. Auch nach einer schweren allergischen Reaktion auf Tadalafil darf es nicht erneut angewendet werden.
Eine Erektion von mehr als 4 Stunden, plötzlicher Sehverlust und plötzlicher Hörverlust erfordern sofortige medizinische Hilfe. Besonders zusammen mit Alkohol oder Alphablockern ist zudem ein Blutdruckabfall zu beachten.
Welche Zulassung für Geschlecht und Alter gilt, hängt vom Präparat und Anwendungsgebiet ab. Neben Erektionsstörungen gehört auch PAH bei Erwachsenen zu den hier behandelten Indikationen.
Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Flush, Verdauungsbeschwerden, eine verstopfte Nase, Rücken- und Muskelschmerzen sowie Schmerzen in Armen oder Beinen.
Die vollständigen US-Verordnungsinformationen sind über DailyMed zugänglich.
Weitere häufige Fragen
Wie lange bleibt Tadalafil im Körper?
Die Halbwertszeit beträgt ungefähr 17,5 Stunden. Tadalafil wird damit deutlich langsamer ausgeschieden als Sildenafil und Vardenafil, deren Halbwertszeiten bei etwa 4 bis 5 Stunden liegen. Nach einer einzelnen Bedarfsdosis kann ein Wirkfenster von bis zu 36 Stunden bestehen. Dieses Zeitfenster bezeichnet weder die Zeit bis zur vollständigen Ausscheidung noch die Dauer einer Erektion.
Bei einmal täglich 2,5 oder 5 mg werden nach ungefähr 5 Tagen Steady-State-Spiegel erreicht. Der Wirkstoff bleibt dadurch kontinuierlich verfügbar, und sexuelle Aktivität muss nicht eng auf die Einnahme abgestimmt werden.
Was unterscheidet Tadalafil von Sildenafil?
Beide Wirkstoffe hemmen PDE5, werden aber unterschiedlich aufgenommen und abgebaut. Die Halbwertszeit von Tadalafil beträgt etwa 17,5 Stunden, die von Sildenafil ungefähr 4 Stunden. Nahrung beeinflusst die Aufnahme von Tadalafil kaum. Für Erektionsstörungen besitzt Tadalafil eine Zulassung zur einmal täglichen Anwendung; außerdem ist es für Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung zugelassen.
Eine Metaanalyse von 2017 mit 16 direkten Vergleichsstudien fand insgesamt eine ähnliche Wirksamkeit. Patienten sowie ihre Partnerinnen oder Partner bevorzugten Tadalafil jedoch signifikant häufiger. Als Gründe nannten sie größere Spontaneität und sexuelles Selbstvertrauen.
Kann Tadalafil jeden Tag eingenommen werden?
Ja, wenn eine entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt. Für die tägliche Behandlung von Erektionsstörungen werden 2,5 und 5 mg angegeben, für BPH 5 mg einmal täglich. Die genaue Dosis hängt von der Indikation und den individuellen Voraussetzungen ab.
Nach ungefähr 5 Tagen wird ein Steady State erreicht. Sexuelle Aktivität ist dann ohne enge Abstimmung auf den Einnahmezeitpunkt möglich. Eine Metaanalyse von 2019 mit 4 RCTs und 1.035 Teilnehmenden fand nach mindestens 24 Wochen unter täglicher Einnahme eine signifikant größere Verbesserung der Erektionsfunktion und weniger unerwünschte Ereignisse als unter Einnahme bei Bedarf. Das passende Schema legt die behandelnde Fachperson fest.
Senkt Tadalafil den Blutdruck?
Ja. Durch die Erweiterung von Blutgefäßen kann der Blutdruck in mäßigem Umfang sinken. Eine integrierte Sicherheitsanalyse von 72 klinischen Studien mit 22.825 Patienten fand bei den untersuchten blutdrucksenkenden Medikamenten keine signifikante Zunahme hypotensionsbezogener Ereignisse. Alphablocker waren ausgeschlossen; nicht jede Kombination ist damit untersucht.
Die Kombination mit Nitraten wie Nitroglycerin oder Isosorbidpräparaten bleibt wegen der Gefahr eines schweren Blutdruckabfalls kontraindiziert. Vor der Verordnung wird der Ausgangsblutdruck beurteilt.
Was sollte während der Einnahme von Tadalafil vermieden werden?
Nitrate wie Nitroglycerin oder Isosorbidmononitrat dürfen wegen schwerer Blutdruckabfälle nicht gleichzeitig eingenommen werden. Auch Riociguat ist kontraindiziert.
Grapefruit kann das für den Tadalafil-Abbau wichtige Enzym CYP3A4 hemmen und so die Wirkstoffexposition erhöhen. Die zuvor genannte konkrete Tadalafil-Studie dazu stammt aus einem Tiermodell. Größere Alkoholmengen können die blutdrucksenkende Wirkung verstärken.
Starke CYP3A4-Hemmer, etwa bestimmte Antipilzmittel und Proteasehemmer, erhöhen die Tadalafil-Exposition und können eine Dosisanpassung erforderlich machen. Vor der Verordnung müssen deshalb sämtliche Medikamente geprüft werden.
Beeinflusst Tadalafil den Testosteronspiegel?
Tadalafil greift nicht direkt in die hormonelle Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse ein. Die kleine unkontrollierte Pilotstudie fand keine signifikante Veränderung des Gesamt- oder freien Testosterons; die Estradiolveränderung lässt Fragen zu indirekten Wirkungen offen.
Da Testosteronmangel zu Erektionsstörungen beitragen kann, werden Gesamttestosteron und gegebenenfalls freies Testosteron im Rahmen der Ursachenabklärung beurteilt. So lässt sich vermeiden, die Beschwerden ausschließlich Gefäßveränderungen zuzuschreiben. Liegen beide Probleme vor, kann Tadalafil die gefäßbedingte Komponente behandeln. Eine gesondert begründete Testosteronbehandlung richtet sich gegen die hormonelle Ursache.
Welche Bluttests sind vor dem Beginn mit Tadalafil sinnvoll?
Zu den möglichen Ausgangsuntersuchungen gehören eGFR und Kreatinin zur Beurteilung der Nierenfunktion und Dosierung, Leberwerte sowie ein Lipidprofil gegebenenfalls mit ApoB. Gesamttestosteron und freies Testosteron können helfen, hormonelle Ursachen abzuklären.
Bei BPH-Beschwerden kann PSA im Rahmen der Prostataabklärung einen Ausgangswert für spätere Vergleiche liefern. Eine allgemeine Pflicht zur PSA-Messung lässt sich daraus nicht ableiten.
Nüchternglukose und HbA1c helfen, die Stoffwechselsituation einzuordnen, da Diabetes häufig gemeinsam mit Erektionsstörungen auftritt.
Wird Tadalafil auch bei anderen Erkrankungen als Erektionsstörungen eingesetzt?
Ja. Zu den genannten FDA-zugelassenen Anwendungsgebieten gehören Erektionsstörungen seit 2003 unter dem Namen Cialis, Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung seit 2011 und pulmonale arterielle Hypertonie seit 2009 als Adcirca mit 40 mg einmal täglich.
In der maßgeblichen PHIRST-Studie verbesserte Tadalafil 40 mg bei PAH die 6-Minuten-Gehstrecke gegenüber Placebo um 33 Meter und verringerte die klinische Verschlechterung über 16 Wochen relativ um 68 %.
Die PAH-Ergebnisse sind nicht auf Erektionsstörungen übertragbar und rechtfertigen keine eigenständige Dosiserhöhung. Diagnose und ärztliche Beurteilung bestimmen Präparat und Einnahmeschema.
Wie die Evidenz einzuordnen ist
Entscheidend ist, was eine Studie in welcher Patientengruppe tatsächlich gemessen hat. Ein gutes Ergebnis in einem Anwendungsgebiet beantwortet nicht automatisch die Fragen eines anderen.
- Tägliche und bedarfsweise Einnahme passen zu unterschiedlichen Bedürfnissen. Bei BPH beträgt die Standarddosis 5 mg täglich; bei Erektionsstörungen sind 2,5 und 5 mg vorgesehen.
- Verbesserte Erektions- oder Harnwegssymptome sind relevante Ergebnisse. Sie belegen nicht automatisch die Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse oder von Prostatakomplikationen.
- Gefäßmechanismen bleiben erforschenswert. Ältere Endothelanalysen und neuere Gefäßmetaanalysen haben unterschiedliche Studienbasen; positive und negative Ergebnisse brauchen diesen Zusammenhang.
- Statistische Signifikanz, Effektgröße und klinische Bedeutung sind getrennte Fragen. Die ungeklärte PWV-Skalierung begrenzt die Interpretation dieses Zahlenwerts, widerlegt aber nicht die gesamte Gefäßhypothese.
- Zweijährige ED-Beobachtungen beweisen weder lebenslange Sicherheit noch die direkte Übertragbarkeit auf sämtliche BPH-Gruppen.
- Rezepturen, zugelassene Tabletten und im Mund zerfallende Filme sind nicht schon wegen desselben Wirkstoffs austauschbar.
- Hormonbefunde aus einer kleinen unkontrollierten Pilotstudie bleiben vorläufig. Sie machen Tadalafil nicht zum Testosteronersatz und sagen keine einheitliche Wirkung bei jedem Anwender voraus.
- Kontrollen richten sich nach der klinischen Frage. PSA, umfangreiche Biomarkerpakete und regelmäßige Wiederholungstests sind nicht allein wegen einer Tadalafil-Einnahme automatisch nötig.
Literatur und Quellen
Die Literatur umfasst Studien, Übersichtsarbeiten und US-Verordnungsinformationen.
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Weitere wissenschaftliche Quellen und Hintergrundtexte
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- Testosterone:estradiol ratio changes associated with long-term tadalafil administration: a pilot study
- Tadalafil improved erectile function at twenty-four and thirty-six hours after dosing in men with erectile dysfunction: US trial
- High prevalence of erectile dysfunction in diabetes: a systematic review and meta-analysis of 145 studies
Diese Hintergrundtexte ersetzen weder klinische Studien noch verbindliche Verordnungsinformationen: