Triglycerid/HDL-Cholesterin-Verhältnis: Was sagt der Wert aus?
Klinische Prüfung ausstehend
Was lässt sich aus dem Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin ablesen? Der berechnete Wert kann Hinweise auf Insulinresistenz und ein ungünstiges Blutfettmuster geben. Er stellt jedoch keine Diagnose und sollte zusammen mit den einzelnen Blutfettwerten, weiteren Stoffwechselmarkern und der gesundheitlichen Situation beurteilt werden. Entscheidend ist außerdem die Einheit: Ein aus mmol/L berechnetes Verhältnis hat eine andere Zahlenskala als eines aus mg/dL.

Das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin kann Hinweise auf Insulinresistenz und ein ungünstiges Blutfettmuster geben. Für eine Diagnose reicht der berechnete Wert allein nicht aus. Aussagekräftig wird er zusammen mit den einzelnen Blutfettwerten, weiteren Stoffwechselmarkern und der gesundheitlichen Situation. Schon beim Vergleich zweier Ergebnisse ist die Einheit entscheidend: Ein aus mmol/L berechnetes Verhältnis hat eine andere Zahlenskala als eines aus mg/dL.
Was das molare Triglycerid/HDL-Verhältnis misst
Für das molare Triglycerid/HDL-Verhältnis wird die Triglyceridkonzentration im Blut durch die HDL-Cholesterin-Konzentration geteilt. Beide Werte müssen dabei in mmol/L vorliegen. Triglyceride sind Blutfette, die unter anderem in VLDL-Partikeln und deren Restpartikeln transportiert werden. Diese Partikel können zur Arteriosklerose beitragen, also zur Bildung von Ablagerungen in den Arterien. HDL ist am Rücktransport von Cholesterin zur Leber beteiligt. Wie gut dieser Transport funktioniert, lässt sich an der gemessenen HDL-Cholesterin-Konzentration allerdings nicht unmittelbar ablesen.
Nehmen triglyceridreiche Partikel zu und sinkt zugleich HDL-Cholesterin, steigt das Verhältnis. Ein solches Muster kann bei Insulinresistenz entstehen: Die Körperzellen reagieren dann schwächer auf Insulin. Gibt die Leber weniger VLDL ab und bleibt HDL erhalten, fällt das Verhältnis.
Wie VLDL-Transport und HDL-Rücktransport zusammenhängen
Bei guter Insulinempfindlichkeit können Fettzellen Energie effizient speichern und Muskeln ihre Brennstoffe gut verwerten. Die Leber gibt mäßige Mengen an Lipoproteinen sehr geringer Dichte ab, kurz VLDL. Diese Partikel transportieren Triglyceride zu den Geweben. An den Blutgefäßwänden spaltet das Enzym Lipoproteinlipase die Triglyceride, sodass Muskel- und Fettgewebe deren Bestandteile aufnehmen können.
Bei Insulinresistenz gelangen mehr freie Fettsäuren aus den Fettzellen ins Blut. Die Leber verpackt die zusätzlich ankommenden Fettsäuren in VLDL, und die Triglyceridkonzentration im Blut steigt. Anschließend überträgt das Cholesterinester-Transferprotein, kurz CETP, Triglyceride aus VLDL auf HDL. Im Gegenzug wandern Cholesterinester, eine Transportform von Cholesterin, von HDL zu VLDL. Die hepatische Lipase, ein Enzym der Leber, baut das mit Triglyceriden angereicherte HDL verstärkt ab. Die Partikel werden kleiner und schneller aus dem Kreislauf entfernt. Dadurch sinkt HDL-Cholesterin und das Verhältnis steigt.
Dieser Austausch erklärt, weshalb die beiden Werte zusammen zusätzliche Informationen liefern können. Wird allein LDL-Cholesterin betrachtet, kann das für Insulinresistenz typische Blutfettmuster unbemerkt bleiben, weil der LDL-Cholesterinwert häufig unauffällig ist.
Auch LDL-Partikel können kleiner und dichter werden, wenn sie sich mit Triglyceriden anreichern und Lipasen auf sie einwirken. Solche kleinen, dichten LDL-Partikel enthalten pro Partikel weniger Cholesterin und werden mit einer stärkeren Arteriosklerosebildung in Verbindung gebracht. Ein höheres Triglycerid/HDL-Verhältnis geht deshalb häufig mit höherem ApoB, einem Maß für die Zahl potenziell arteriosklerosefördernder Partikel, oder mit einer höheren LDL-Partikelzahl einher. Das kann auch bei unauffälligem LDL-Cholesterin der Fall sein.
Kohortenstudien beobachten Bevölkerungsgruppen über längere Zeit. In solchen Studien ist dieses Blutfettmuster mit mehr neu auftretenden Diabetesfällen und Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden. Wie gut es solche Ereignisse vorhersagt, hängt von der untersuchten Bevölkerung und den weiteren berücksichtigten Biomarkern ab.
Wie das molare Triglycerid/HDL-Verhältnis berechnet wird
Für das molare Verhältnis müssen beide Werte in mmol/L vorliegen. TG steht dabei für Triglyceride, HDL-C für HDL-Cholesterin:
TG/HDL-C-Verhältnis (molar) = Triglyceride (mmol/L) ÷ HDL-Cholesterin (mmol/L)
Gibt das Labor die Blutfette in mg/dL an, werden sie vor der Berechnung umgerechnet:
- TG (mg/dL) ÷ 88,57 = TG (mmol/L)
- HDL-C (mg/dL) ÷ 38,67 = HDL-C (mmol/L)
Wer TG in mg/dL direkt durch HDL-C in mg/dL teilt, erhält das mg/dL-Verhältnis. Es hat eine andere Zahlenskala und ist mit dem molaren Verhältnis nicht austauschbar. Ein ausdrücklich als molar ausgewiesener Laborwert kann direkt verwendet werden. Liegen nur die Einzelwerte in mg/dL vor, müssen sie für die molare Berechnung zunächst umgerechnet werden.
Nüchternheit vor der Blutentnahme
Die hier beschriebene Einordnung bezieht sich auf Triglyceride, die nach 9 bis 12 Stunden ohne Nahrung über Nacht gemessen wurden. Vorangegangene Mahlzeiten, insbesondere kohlenhydratreiche, können die Triglyceride deutlich erhöhen und das Verhältnis ungünstiger erscheinen lassen. Nüchternheit beeinflusst HDL-Cholesterin dagegen nicht wesentlich.
Schwellen für Nüchternwerte lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf ein Verhältnis übertragen, das aus nicht nüchtern gemessenen Werten berechnet wurde. Eine solche Berechnung ist damit aber nicht grundsätzlich ungültig; entscheidend ist, welche Messbedingungen der Einordnung zugrunde liegen.
Rechenbeispiel
Bei nüchternen Triglyceriden von 1,70 mmol/L (150 mg/dL) und einem HDL-Cholesterin von 1,30 mmol/L (50 mg/dL) ergibt sich:
Molares TG/HDL-C-Verhältnis = 1,70 ÷ 1,30 = 1,31
In der nachfolgend beschriebenen Einteilung fällt 1,31 in den als günstig bezeichneten Bereich unter 2,0. Diese Schwelle ist jedoch kein universeller klinischer Grenzwert. Zudem ordnet die zitierte Quelle die Schwellenwerte im Haupttext und im FAQ unterschiedlichen Berechnungsweisen zu. Solange diese Unstimmigkeit besteht, lässt sich daraus keine verlässliche individuelle Bewertung ableiten.
Das Triglycerid/HDL-Verhältnis im Zusammenhang einordnen
Referenzintervalle zeigen anhand von Bevölkerungsdaten, welche Werte häufig vorkommen. Sie legen nicht fest, welcher Wert für einen einzelnen Menschen ideal ist. Für das Triglycerid/HDL-Verhältnis gibt es keinen universellen Grenzwert, der Gesundheit oder Krankheit sicher anzeigt. Seine Aussagekraft hängt unter anderem von Herkunft, Geschlecht und Begleiterkrankungen ab. Zur Beurteilung gehören deshalb auch ApoB und Non-HDL-Cholesterin, also das Cholesterin in sämtlichen ApoB-haltigen Partikeln.
Die zitierte Quelle nennt für das molare Verhältnis folgende Bereiche. Im FAQ wiederholt sie dieselben Zahlen allerdings nach einer Definition auf mg/dL-Basis. Da die Skalen nicht austauschbar sind, ist die Zuordnung der Schwellen zur Berechnungsweise ungeklärt:
- Unter 2,0: als günstig bezeichneter Bereich. In den meisten untersuchten Kohorten mit besserer Insulinempfindlichkeit, geringerer VLDL-Abgabe und weniger triglyceridreichen Restpartikeln verbunden.
- 2,0 bis 3,5: Bereich eines möglichen beginnenden Risikos. Zusammen mit weiteren Markern kann der Wert auf frühe Insulinresistenz oder Einflüsse des Ernährungsmusters hinweisen.
- Über 3,5: als erhöht bezeichneter Bereich. Mit dem Blutfettmuster einer Insulinresistenz vereinbar; für die Einordnung sind auch ApoB, Non-HDL-Cholesterin und Glukosemarker relevant.
Diese Bereiche lassen sich klinisch erst verwenden, wenn geklärt ist, auf welche Einheit sie sich beziehen.
Auch die körperliche Situation beeinflusst den Wert. In der Schwangerschaft steigen die Triglyceride natürlicherweise, besonders im dritten Trimester. Männer haben tendenziell höhere Triglyceride und niedrigere HDL-Werte als Frauen vor der Menopause. Nach der Menopause kann das Verhältnis steigen. Eine Schilddrüsenunterfunktion, chronische Nierenerkrankungen und eine Fettleber können es ebenfalls erhöhen. Das gilt auch für bestimmte Medikamente, darunter einige ältere Betablocker, bestimmte Diuretika, Kortikosteroide, Retinoide und systemisch angewendete Östrogene.
Alkohol kann die Triglyceride bereits nach einem einzelnen Abend deutlich ansteigen lassen. Hinzu kommen Unterschiede zwischen den HDL-Messverfahren der Labore und starke natürliche Schwankungen der Triglyceride von Tag zu Tag. Passt ein einzelner Befund nicht zum übrigen Bild, kann eine Wiederholung unter vergleichbaren Nüchternbedingungen sinnvoll sein.
Ein niedriges Verhältnis schließt erhöhtes ApoB nicht aus. Manche Ernährungsmuster senken die Triglyceride, erhöhen bei dafür anfälligen Menschen aber zugleich die LDL-Partikelzahl. Das Verhältnis ergänzt daher die übrigen Befunde; allein erlaubt es keine abschließende Beurteilung.
Was das Triglycerid/HDL-Verhältnis erhöht oder senkt
Ernährungsmuster und VLDL-Produktion der Leber
Ernährungsmuster, die schnelle Blutzuckeranstiege begrenzen, werden in der Forschung mit einer geringeren VLDL-Produktion der Leber in Verbindung gebracht. Bei Mahlzeiten mit Protein, ballaststoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln und ungesättigten Fetten werden geringere Triglyceridanstiege nach dem Essen beobachtet. Lösliche Ballaststoffe erhöhen die Ausscheidung von Gallensäuren und verlangsamen die Aufnahme von Kohlenhydraten. Dadurch kann der Triglyceridanstieg nach einer Mahlzeit schwächer ausfallen.
Marine Omega-3-Fettsäuren werden mit einer geringeren VLDL-Produktion in der Leber und einem verbesserten Triglyceridabbau in Verbindung gebracht. Alkohol kann dagegen die Triglyceridbildung in der Leber antreiben. Die Leber baut vorrangig Alkohol ab; dabei verändert sich, wie sie Triglyceride verarbeitet und verpackt. Auch Alkoholkonsum am Wochenende kann die Triglyceride für ein bis zwei Tage erhöhen.
Körperliche Aktivität und Lipoproteinlipase
Regelmäßige Bewegung ist mit einer höheren Aktivität der Lipoproteinlipase und niedrigeren Triglyceridwerten nach Mahlzeiten verbunden. Muskelkontraktionen steigern die Aktivität dieses Enzyms in den Stunden nach einer Trainingseinheit. Dadurch werden Triglyceride schneller aus dem Blut entfernt.
Mit der Zeit verbessert regelmäßiges Ausdauertraining die Insulinempfindlichkeit und verringert die VLDL-Abgabe. Es ist außerdem mit höherem HDL-Cholesterin verbunden. Krafttraining erhöht die Muskelmasse: Damit steht mehr Gewebe zur Verfügung, das Glukose und Fettsäuren aufnehmen und verwerten kann. Für beide Trainingsformen sind Regelmäßigkeit und ausreichende Erholung relevant.
Schlaf, innere Uhr und Cortisol
Kurzer Schlaf und ein verschobener Tag-Nacht-Rhythmus können die Konzentrationen von Cortisol und Katecholaminen erhöhen. Diese Stresshormone steigern die Glukoseabgabe der Leber, wodurch mehr Insulin benötigt wird. Zugleich kann die Leber mehr VLDL produzieren. Die Triglyceride steigen dann, während HDL sinken kann.
Regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten sowie Lichtverhältnisse, die den natürlichen Tagesrhythmus unterstützen, werden mit einer stabileren Verarbeitung von Blutfetten in Verbindung gebracht.
Medikamente und andere Ursachen
Einige ältere Betablocker, bestimmte Diuretika, Kortikosteroide, Retinoide und systemisch angewendete Östrogene können die Triglyceride erhöhen. Andere Arzneimittel senken sie, wobei sie an unterschiedlichen Stellen des Stoffwechsels ansetzen.
Zu den möglichen Ursachen eines erhöhten TG/HDL-C-Verhältnisses gehören außerdem eine Schilddrüsenunterfunktion, chronische Nierenerkrankungen und eine hepatische Steatose, also eine Fettleber. Bleibt das Verhältnis erhöht, helfen deshalb auch die Schilddrüsenwerte, die Nierenfunktion und die Leberenzyme bei der Einordnung.
Welche Laborwerte das Triglycerid/HDL-Verhältnis ergänzen
- Triglyceride stehen im Zähler der Berechnung. Ihr Einzelwert zeigt, wie stark sie zu einem erhöhten Verhältnis beitragen. Als Erklärungen kommen eine erhöhte VLDL-Produktion, ein verlangsamter Abbau oder Einflüsse wie Alkohol und eine Schilddrüsenunterfunktion infrage. Der Triglyceridwert allein kann diese Ursachen jedoch nicht sicher unterscheiden.
- HDL-Cholesterin steht im Nenner. Ob HDL-C sinkt oder stabil bleibt, hilft zu erkennen, weshalb das Verhältnis steigt: wegen höherer Triglyceride, wegen niedrigerem HDL oder weil sich beide Werte verändern.
- ApoB, das Apolipoprotein B, dient als Maß für die Zahl potenziell arteriosklerosefördernder Partikel. Sind sowohl TG/HDL-C als auch ApoB hoch, weisen beide Befunde auf ein ungünstiges Blutfettmuster hin. Bei hohem Verhältnis und normalem ApoB kommen unter anderem vorübergehende Ernährungseinflüsse als Erklärung infrage.
- Non-HDL-Cholesterin erfasst die Cholesterinmenge in sämtlichen ApoB-haltigen Partikeln und ist besonders hilfreich, wenn ApoB nicht bestimmt wurde. Steigt Non-HDL-C bei zugleich hohem TG/HDL-C-Verhältnis, kann auch Cholesterin in Restpartikeln dazu beitragen. Wie groß dessen Anteil ist, lässt sich aus dieser Kombination allein nicht bestätigen.
- HOMA-IR ist ein rechnerischer Näherungswert für Insulinresistenz. Sind HOMA-IR und TG/HDL-C gemeinsam erhöht, spricht das für Insulinresistenz als möglichen zugrunde liegenden Einfluss. Eine eindeutige Ursache lässt sich aus dieser Übereinstimmung allein jedoch nicht ableiten.
Warum HDL den Zeitpunkt einer Verlaufskontrolle mitbestimmt
Triglyceride reagieren vergleichsweise schnell auf Veränderungen. Nach einer Ernährungsumstellung, insbesondere wenn weniger raffinierte Kohlenhydrate aufgenommen werden, können sich die Werte innerhalb von 2 bis 6 Wochen verändern. HDL reagiert langsamer. Bis sich die HDL-Reaktion auf anhaltendes Ausdauertraining annähernd vollständig zeigt, werden typischerweise 8 bis 12 Wochen regelmäßigen Trainings genannt. Weil beide Werte in das Verhältnis eingehen, kann eine frühere Kontrolle den vollständigen Effekt einer Maßnahme unterschätzen.
Ein möglicher Zeitraum für eine Kontrolle ist deshalb 8 bis 12 Wochen, orientiert an der langsameren HDL-Reaktion. Wird vor allem die körperliche Aktivität verändert, kann eine Messung nach 4 Wochen noch zu früh sein, um die gesamte HDL-Veränderung zu erfassen. Diese Zeiträume sind keine für alle Menschen verbindlichen Fristen. Bei reinen Ernährungsänderungen, die hauptsächlich die Triglyceride beeinflussen sollen, kann eine frühere Messung nach 4 bis 6 Wochen bereits die Richtung der TG-Veränderung zeigen. Für die Beurteilung des gesamten Verhältnisses ist zusätzlich zu berücksichtigen, ob sich HDL schon stabilisiert hat.
Für vergleichbare nüchternbasierte Verlaufsmessungen werden Triglyceride nach 9 bis 12 Stunden ohne Nahrung über Nacht bestimmt. HDL selbst erfordert keine Nüchternheit. Dasselbe Labor, vergleichbare Nüchternbedingungen und dieselbe Tageszeit helfen, Unterschiede durch Messverfahren und Untersuchungsbedingungen zu begrenzen. Werden nicht nüchtern erhobene TG-Werte für das Verhältnis verwendet, müssen diese Bedingungen beim Vergleich mit nüchtern erhobenen Verhältnissen berücksichtigt werden.
Wann das Triglycerid/HDL-Verhältnis ärztlich eingeordnet werden sollte
Die oben beschriebene Einteilung nennt ein anhaltendes Verhältnis über 2,0, insbesondere über 3,5, als Anlass für eine ärztliche Besprechung. Wegen der ungeklärten Zuordnung zur Einheit sind diese Zahlen jedoch nicht als gesicherte Handlungsschwellen verwendbar. Für die Beurteilung sind vor allem begleitende Befunde relevant: erhöhtes ApoB oder Non-HDL-Cholesterin, steigender Nüchternblutzucker oder HbA1c, ein Maß für die längerfristige Blutzuckerbelastung, sowie erhöhte Leberenzyme wie ALT und GGT.
In großen Kohortenstudien gehen höhere Verhältnisse mit mehr neu auftretendem Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Ereignissen einher. Wie stark die Zusammenhänge sind, hängt von der untersuchten Bevölkerung und weiteren auffälligen Biomarkern ab. Im Gesamtbild kann das Verhältnis helfen, konkrete Fragen zu verfolgen: Produziert die Leber vermehrt VLDL? Sammeln sich arteriosklerosefördernde Partikel an? Verschlechtert sich die Blutzuckerregulation? Allein beantwortet es diese Fragen nicht.
Bei unklarem Risiko oder ausgeprägter familiärer Vorbelastung kann ApoB zusätzliche Informationen über die Partikelzahl liefern, die das Verhältnis nicht erfasst. Ist das Verhältnis hoch, ApoB aber normal, sollten vor einer weitergehenden Risikobewertung auch vorübergehende Ernährungseinflüsse und die Messbedingungen berücksichtigt werden.
Triglyceride, HDL-C, ApoB, Non-HDL-C und HOMA-IR zusammen helfen, den Fett- und Glukosestoffwechsel zu beurteilen. Je nach Befund können Informationen zu Entzündungsprozessen und zur Lebergesundheit das Bild ergänzen.
Häufige Fragen
Was ist das Triglycerid/HDL-Verhältnis?
Das Triglycerid/HDL-Verhältnis, kurz TG/HDL, ergibt sich, wenn die nüchtern gemessenen Triglyceride durch das HDL-Cholesterin geteilt werden. Werden beide Werte in mg/dL eingesetzt, entsteht das mg/dL-basierte Verhältnis. Für das molare Verhältnis müssen beide Werte in mmol/L vorliegen.
Der Wert wird als indirekter Marker für Insulinresistenz und das Vorkommen kleiner, dichter LDL-Partikel verwendet. Beides kann mit einem Herz-Kreislauf-Risiko verbunden sein, das ein übliches Cholesterinprofil möglicherweise unterschätzt. Das Verhältnis misst aber weder die Insulinresistenz noch die Partikelgröße direkt.
Welches Triglycerid/HDL-Verhältnis gilt als gesund?
Die zitierte Einteilung bezeichnet ein TG/HDL-Verhältnis unter 2,0 als günstig. Werte von 2,0 bis 3,5 ordnet sie einem möglichen beginnenden Stoffwechselrisiko zu, Werte über 3,5 einem höheren Risiko im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Insulinresistenz. Die Zuordnung dieser Zahlen zur molaren beziehungsweise mg/dL-basierten Berechnung ist in der Quelle allerdings widersprüchlich.
Die Zahlen sind daher keine verlässlichen individuellen Zielwerte. Vor einer Anwendung muss geklärt sein, auf welcher Einheit und untersuchten Bevölkerung die jeweilige Schwelle beruht. Zur Beurteilung gehören außerdem die absoluten Triglycerid- und HDL-Cholesterinwerte.
Warum ist das TG/HDL-Verhältnis für die Herzgesundheit relevant?
Ein hohes TG/HDL-Verhältnis kann auf vermehrte kleine, dichte LDL-Partikel hinweisen. Diese werden mit der Bildung von Ablagerungen in Arterien in Verbindung gebracht. Das Verhältnis korreliert außerdem mit Insulinresistenz, die zum Herz-Kreislauf-Risiko beitragen kann.
Die Aussage, TG/HDL sage das Herzinfarktrisiko stärker voraus als LDL-Cholesterin allein, wird einer 2001 in Circulation veröffentlichten Untersuchung von Gaziano und Kollegen zugeschrieben. Diese Arbeit fehlt jedoch im zugehörigen Literaturverzeichnis. Sowohl die bibliografische Zuordnung als auch der behauptete Vergleich der Vorhersagekraft sind damit ungeklärt.
Was verursacht ein hohes Triglycerid/HDL-Verhältnis?
Häufige Einflussfaktoren sind eine hohe Aufnahme raffinierter Kohlenhydrate, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und viel Fettgewebe im Bauchraum. Auch Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes können mit einem hohen Verhältnis einhergehen.
Bestimmte Medikamente, darunter einige Betablocker, Kortikosteroide und Retinoide, können Triglyceride erhöhen oder HDL senken. Ob die Blutentnahme nüchtern erfolgt, beeinflusst insbesondere die Triglyceridwerte und damit auch das Verhältnis.
Was bedeutet ein niedriges Triglycerid/HDL-Verhältnis?
Ein niedriges TG/HDL-Verhältnis geht häufig mit einer günstigen Stoffwechselsituation einher: niedrigen Triglyceriden, günstigen HDL-Werten, einem günstigeren LDL-Partikelgrößenprofil und geringerer Insulinresistenz. Dieses Muster findet sich häufig bei körperlich aktiven Menschen, die wenig raffinierte Kohlenhydrate aufnehmen und eine günstige Körperzusammensetzung haben.
Die Angabe, Werte unter 1,0 bis 1,5 seien niedrig, stammt aus dem FAQ der zitierten Quelle. Dort bleibt offen, welche Einheit zugrunde liegt. Wegen der unterschiedlichen Zahlenskalen lässt sich diese Angabe ohne Klärung der Berechnung nicht als Grenzwert verwenden. Auch ein niedriges Verhältnis schließt erhöhtes ApoB nicht aus.
Wie beeinflussen Ernährung und Bewegung das TG/HDL-Verhältnis?
Weniger raffinierte Kohlenhydrate, Zucker und Alkohol sowie mehr Ausdauerbewegung gehören zu den Lebensstiländerungen, die am konsistentesten mit niedrigeren Triglyceriden und mäßig höheren HDL-Werten verbunden sind.
Nach einer Ernährungsumstellung können Triglyceride innerhalb von 2 bis 6 Wochen sinken. HDL reagiert langsamer, typischerweise über mehrere Monate regelmäßigen Ausdauertrainings. Wie stark sich die Werte verändern, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Sollte die Blutentnahme für einen Triglycerid/HDL-Test nüchtern erfolgen?
Die hier beschriebene Beurteilung setzt eine Nahrungspause von 9 bis 12 Stunden voraus. Vorangegangene Mahlzeiten, insbesondere Kohlenhydrate und Fett, können die Triglyceride deutlich beeinflussen.
Eine nicht nüchterne Messung kann höhere Triglyceride und damit ein höheres TG/HDL-Verhältnis ergeben. Wird das Ergebnis anschließend anhand von Nüchternwerten beurteilt, kann die Einordnung irreführend sein. Eine allgemeine Nüchternpflicht für jede Untersuchung eines Lipidprofils lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Worin unterscheidet sich das TG/HDL-Verhältnis von LDL-Cholesterin?
LDL-Cholesterin misst die Cholesterinmenge in LDL-Partikeln. Der Wert unterscheidet nicht zwischen großen, weniger dichten und kleinen, dichten LDL-Partikeln.
Das TG/HDL-Verhältnis kann indirekte Hinweise auf die Partikelgröße und auf Insulinresistenz liefern, die LDL-Cholesterin allein nicht erfasst. Ein unauffälliger LDL-Cholesterinwert kann deshalb zusammen mit einem hohen TG/HDL-Verhältnis auftreten. Dieses Muster wird mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht. Für die individuelle Beurteilung müssen weitere Risikofaktoren hinzukommen.
Literatur
-
Salazar MR, Carbajal HA, Espeche WG, Aizpurúa M, Leiva Sisnieguez CE, March CE, Balbín E, Stavile RN, Reaven GM (2013). Identifying cardiovascular disease risk and outcome: use of the plasma triglyceride/high-density lipoprotein cholesterol concentration ratio versus metabolic syndrome criteria. Journal of internal medicine, 273(6), 595-601. https://doi.org/10.1111/joim.12036. PubMed.
-
Che B, Zhong C, Zhang R, Pu L, Zhao T, Zhang Y, Han L (2023). Triglyceride-glucose index and triglyceride to high-density lipoprotein cholesterol ratio as potential cardiovascular disease risk factors: an analysis of UK biobank data. Cardiovascular diabetology, 22(1), 34. https://doi.org/10.1186/s12933-023-01762-2. PubMed.
-
Ikezaki H, Lim E, Cupples LA, Liu CT, Asztalos BF, Schaefer EJ (2021). Small Dense Low-Density Lipoprotein Cholesterol Is the Most Atherogenic Lipoprotein Parameter in the Prospective Framingham Offspring Study. Journal of the American Heart Association, 10(5), e019140. https://doi.org/10.1161/JAHA.120.019140. PubMed.
-
Wang T, Zhang X, Zhou N, Shen Y, Li B, Chen BE, Li X (2023). Association Between Omega-3 Fatty Acid Intake and Dyslipidemia: A Continuous Dose-Response Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Journal of the American Heart Association, 12(11), e029512. https://doi.org/10.1161/JAHA.123.029512. PubMed.
-
Palazón-Bru A, Hernández-Lozano D, Gil-Guillén VF (2021). Which Physical Exercise Interventions Increase HDL-Cholesterol Levels? A Systematic Review of Meta-analyses of Randomized Controlled Trials. Sports medicine, 51(2), 243-253. https://doi.org/10.1007/s40279-020-01364-y. PubMed.