Vitamin E: Funktion, Blutwerte und Versorgung verstehen
Klinische Prüfung ausstehend
Vitamin E schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden. Wie gut der Körper damit versorgt ist, lässt sich jedoch nicht allein an einem Blutwert ablesen: Auch Blutfette, Entzündungen, die Aufnahme im Darm und Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen das Ergebnis. Dieser Artikel erklärt die Zusammenhänge und zeigt, wann eine ärztliche Einordnung sinnvoll ist.
Was sagt ein Vitamin-E-Blutwert über die Versorgung aus? Vitamin E schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden, doch seine Konzentration im Blut zeigt nur einen Teil des Bildes. Blutfette, Entzündungen, die Aufnahme im Darm und Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen das Messergebnis. Um einen auffälligen Wert einzuordnen, lohnt sich deshalb der Blick auf diese Zusammenhänge.
Vitamin E einfach erklärt
Bei einer Vitamin-E-Untersuchung misst das Labor Alpha-Tocopherol im Blut. In der Natur gibt es acht Vitamin-E-Formen aus den Gruppen der Tocopherole und Tocotrienole. Im menschlichen Blut überwiegt Alpha-Tocopherol: Ein Protein in der Leber wählt diese Form gezielt aus, bevor sie mithilfe von Lipoproteinen im Körper verteilt wird. Lipoproteine transportieren Fette im Blut. Wie das Alpha-Tocopherol-Transferprotein arbeitet, beschreibt eine Übersichtsarbeit von Arai und Kono, 2021 (DOI).
Weil Vitamin E gemeinsam mit Fetten transportiert wird, hängt seine gemessene Konzentration auch von den Cholesterin- und Triglyceridwerten ab. Der Alpha-Tocopherol-Wert im Serum ist eine Momentaufnahme: Er spiegelt die jüngste Zufuhr, die Aufnahme im Darm und die Menge der Lipoproteine wider. Wie gut die Zellen vor oxidativen Schäden geschützt sind, lässt sich daran allein nicht abschließend ablesen.
Wie Vitamin E Zellmembranen vor Oxidation schützt
Beim Atmen, bei intensivem Training oder bei der Abwehr einer Infektion entstehen in den Zellen reaktive Sauerstoffspezies. Diese reaktionsfreudigen Moleküle können mehrfach ungesättigte Fette in Zellmembranen angreifen, wenn sie nicht ausreichend abgefangen werden. Dabei beginnt eine Kettenreaktion, die sogenannte Lipidperoxidation. Vitamin E gibt direkt an der Membran ein Elektron ab und neutralisiert dadurch Lipidradikale. So kann es die Kettenreaktion unterbrechen, bevor Membranen durchlässiger werden und Proteine ihre Funktion verlieren. Vitamin C und Glutathion tragen dazu bei, oxidiertes Vitamin E zu regenerieren, sodass es erneut wirken kann. Am Schutz der Membranen sind also mehrere Stoffe beteiligt.
Wie viel Vitamin E benötigt wird, hängt auch von Ernährung und Stoffwechsel ab. Wer mehr mehrfach ungesättigte Fette aufnimmt, hat möglicherweise einen höheren Bedarf, weil mehr oxidationsanfälliges Fett geschützt werden muss. Nach einer Mahlzeit transportieren zunächst Chylomikronen das Vitamin E. Später wählt die Leber Alpha-Tocopherol aus und verteilt es erneut über die Lipoproteine VLDL und LDL.
Eine fettreiche Mahlzeit kann die Vitamin-E-Konzentration im Blut vorübergehend erhöhen. Entzündungen können sie dagegen senken, indem sie die Lipoproteinwerte verringern. Der Serumwert misst den antioxidativen Schutz der Zellen daher nicht direkt. Wenn die Lipoproteinwerte verändert sind, kann das Verhältnis von Alpha-Tocopherol zu Cholesterin die Verfügbarkeit im Gewebe besser annähern.
In Beobachtungsstudien geht eine höhere Vitamin-E-Zufuhr über Lebensmittel langfristig mit günstigeren Ergebnissen für die Funktion von Nerven, Blutgefäßen und Immunzellen einher. Solche Zusammenhänge belegen für sich genommen keine Ursache. Große randomisierte Studien mit hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln zeigten keinen umfassenden Nutzen und lieferten teilweise Hinweise auf Schäden. Eine Metaanalyse untersuchte etwa einen möglichen Anstieg der Gesamtsterblichkeit bei hoch dosierter Supplementierung (Miller et al., 2005; DOI). Für den Membranschutz über Jahrzehnte scheint eine gleichmäßige, ausreichende Versorgung wichtiger zu sein als ein möglichst hoher Laborwert.
Den Vitamin-E-Wert im Serum verstehen
Viele Labore kennzeichnen Werte um 12 µmol/l beziehungsweise etwa 5,2 mg/l als Hinweis auf einen Mangel. Werte oberhalb von ungefähr 20 µmol/l beziehungsweise etwa 8,6 mg/l werden bei Erwachsenen allgemein als Anhaltspunkt für eine ausreichende Versorgung genannt. Diese Orientierung wird auf klinische Ernährungsforschung und neurologische Befunde zurückgeführt; ihre genaue Abgrenzung gegenüber anderen Referenzbereichen bleibt jedoch offen.
Ein hoher Cholesterinspiegel kann den Alpha-Tocopherol-Wert erhöhen, ein niedriger kann ihn senken. Manche Labore berechnen deshalb das Alpha-Tocopherol-Cholesterin-Verhältnis, um die Verfügbarkeit im Gewebe besser abzuschätzen. Auch die Lebensphase beeinflusst die Einordnung: Während der Stillzeit steigt der Bedarf, und Frühgeborene sind besonders anfällig für einen Mangel.
Normaler Vitamin-E-Wert
Ein Ergebnis über ungefähr 20 µmol/l spricht bei gleichzeitig unauffälligen Blutfettwerten im Allgemeinen für eine ausreichende Versorgung. Nüsse, Samen, Pflanzenöle, grünes Blattgemüse und Avocados können dazu beitragen, Werte in diesem Bereich aufrechtzuerhalten. Diese Lebensmittel liefern außerdem weitere Stoffe, die zusammenwirken. Entscheidend ist eine dauerhaft ausreichende Versorgung, auch wenn sich Alltag, Training oder Gesundheit verändern. Dafür ist kein besonders hoher Blutwert nötig.
Hoher Vitamin-E-Wert
Hinter einem hohen Laborwert kann eine kurz zuvor eingenommene Nahrungsergänzung oder eine fettreiche, Vitamin-E-reiche Mahlzeit stecken. Nach dem Essen steigt die Konzentration mitunter vorübergehend deutlich an, weil Vitamin E gemeinsam mit Fetten transportiert wird. Auch erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridwerte können die Alpha-Tocopherol-Konzentration erhöhen. Daraus folgt nicht automatisch ein besserer Schutz des Gewebes.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Dosis wichtig. Große Studien zeigten keinen Nutzen hoch dosierten Vitamin E für Herz und Kreislauf. Einige lieferten bei hoher Zufuhr Hinweise auf Risiken, darunter häufiger auftretende hämorrhagische Schlaganfälle, also Schlaganfälle durch eine Hirnblutung (Schürks et al., 2010; DOI). In einer Studie mit täglich 400 IE synthetischem Alpha-Tocopherol trat zudem häufiger Prostatakrebs auf (Klein et al., 2011; DOI). Vitamin E kann der Vitamin-K-abhängigen Blutgerinnung entgegenwirken. Sehr hohe Dosen können daher die Blutungsneigung erhöhen, besonders bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.
Ein erhöhter Vitamin-E-Wert bei hoch dosierter Supplementierung oder erhöhten Blutfetten kann eher die Transportverhältnisse als einen tatsächlichen Überschuss im Gewebe widerspiegeln. Eine erneute nüchterne Messung kann zur Klärung beitragen. Für eine pauschale Einnahmepause von einigen Tagen vor der Blutentnahme fehlt jedoch eine konkrete Grundlage. Ob eine Pause sinnvoll ist, sollte die behandelnde Praxis oder das Labor festlegen. Ärztlich verordnete Präparate sollten nicht eigenständig abgesetzt werden.
Niedriger Vitamin-E-Wert
Ein niedriger Messwert bedeutet nicht automatisch, dass dem Körper zu wenig Vitamin E zur Verfügung steht. Bei einer akuten Erkrankung oder Entzündung können die Lipoproteinwerte sinken und damit auch der gemessene Vitamin-E-Wert. Nicht nüchterne Blutentnahmen, unterschiedliche Labormethoden und Probleme bei der Probenhandhabung können ebenfalls zu Schwankungen beitragen.
Ein tatsächlicher Mangel tritt typischerweise auf, wenn die Fettaufnahme gestört ist, etwa bei Zöliakie, Pankreasinsuffizienz oder einer cholestatischen Lebererkrankung. Auch Medikamente, die die Fettaufnahme hemmen, können dahinterstecken. Seltene genetische Erkrankungen beeinträchtigen wiederum den Transport von Alpha-Tocopherol. Eine Übersicht behandelt vitaminabhängige Erkrankungen, darunter solche mit Bezug zu Vitamin E (Baumgartner, 2013; DOI).
Ein schwerer Mangel äußert sich häufig durch neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsstörungen oder Muskelschwäche. Bei Säuglingen kann eine hämolytische Anämie auftreten: Dabei werden vermehrt rote Blutkörperchen abgebaut. Bei leicht erniedrigten oder grenzwertigen Ergebnissen helfen ein Blutfettprofil und gegebenenfalls Marker einer gestörten Nährstoffaufnahme, den Befund genauer einzuordnen.
Warum der Vitamin-E-Wert mit den Blutfetten zusammenhängt
Die Konzentration im Serum kann sich aus verschiedenen Gründen verändern, ohne dass sich die Versorgung des Gewebes im gleichen Maß verändert:
- Vitamin E wird zusammen mit Nahrungsfett aufgenommen und nach einer Mahlzeit in Chylomikronen transportiert. Werte nach dem Essen können deshalb deutlich von Nüchternwerten abweichen. Nüchtern gewonnene Proben liefern besser reproduzierbare Ergebnisse.
- Eine Ernährung mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren erhöht die Menge oxidationsanfälliger Fette. Dadurch kann der Vitamin-E-Bedarf steigen, selbst wenn die rechnerische Zufuhr ausreichend erscheint.
- Akute Erkrankungen und systemische Entzündungen können die Lipoproteinkonzentration senken. Dann kann auch der gemessene Vitamin-E-Wert abfallen, unabhängig von der Zufuhr über die Ernährung oder den tatsächlichen Körperspeichern.
- Gallensäurebinder, Orlistat und bariatrische Eingriffe, bei denen für die Fettaufnahme relevante Darmabschnitte umgangen werden, können die Aufnahme von Vitamin E verringern. Ein ähnliches Risiko besteht bei chronischen cholestatischen Lebererkrankungen, Pankreasinsuffizienz und Zöliakie.
- Hoch dosierte Vitamin-E-Präparate können die Vitamin-K-abhängige Blutgerinnung beeinträchtigen. Für die ärztliche Einordnung ist das besonders wichtig, wenn zugleich Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer eingenommen werden.
- Natürliches RRR-Alpha-Tocopherol und synthetisches all-rac-Alpha-Tocopherol verhalten sich im Körper unterschiedlich. Etiketten geben die Dosis in Milligramm oder internationalen Einheiten an, abgekürzt IE beziehungsweise englisch IU. Die beiden Formen sind dabei nicht Einheit für Einheit gleichwertig. Nach einer Supplementierung gehört deshalb auch die eingenommene Form zur Einordnung des Blutwerts.
Weitere Marker zur Einordnung eines Vitamin-E-Wertes
- LDL-Cholesterin: LDL ist einer der wichtigsten Lipoproteinträger von Alpha-Tocopherol. Sind sowohl LDL als auch Vitamin E im Serum erhöht, kann der Vitamin-E-Wert eher den Transport als eine besonders gute Gewebeversorgung widerspiegeln. Das Tocopherol-Cholesterin-Verhältnis kann bei der Einordnung helfen.
- Triglyceride: Erhöhte Triglyceride können über VLDL ebenfalls zu höheren Vitamin-E-Werten im Serum beitragen. Das gesamte Blutfettprofil hilft dabei, eine transportbedingte Erhöhung von der tatsächlichen Versorgung zu unterscheiden.
- hs-CRP: Dieser Marker gibt Hinweise auf Entzündungen. Sie können die Lipoproteinkonzentration und damit den Vitamin-E-Wert senken, unabhängig von der Zufuhr. Ein niedriger Vitamin-E-Wert zusammen mit hohem hs-CRP kann daher entzündungsbedingt sein und muss nicht auf eine unzureichende Ernährung hinweisen.
- Vitamin C: Es trägt dazu bei, oxidiertes Vitamin E an der Membran zu regenerieren. Ein niedriger Vitamin-C-Status kann diesen Vorgang beeinträchtigen und oxidativen Stress verstärken, selbst wenn der Vitamin-E-Serumwert ausreichend erscheint. Beide Vitamine gemeinsam zu betrachten, kann zusätzliche Hinweise darauf geben, wie dieser antioxidative Schutz funktioniert.
- Vitamin A: Wie Vitamin E ist es fettlöslich, wird über fettabhängige Wege aufgenommen und teilweise in denselben Geweben gespeichert. Sind beide Werte niedrig, kann ein gemeinsames Aufnahmeproblem vorliegen, etwa eine Fettmalabsorption oder eine Lebererkrankung.
Vitamin E nach einer relevanten Veränderung erneut messen
Wie schnell verändert sich der Blutwert nach einer Ernährungsumstellung oder Supplementierung? Als Zeitraum für eine Reaktion des Alpha-Tocopherols im Serum werden 4–12 Wochen genannt. Berichte über Supplementierungsstudien beschreiben messbare Veränderungen nach etwa 8 Wochen. Bei der Behandlung eines nachgewiesenen Mangels werden 8–12 Wochen als möglicher Abstand bis zur erneuten Messung angeführt. Für die Zeitfenster von 4–12 beziehungsweise 8–12 Wochen fehlen hier jedoch konkret zugeordnete Belege. Sie lassen sich daher nicht als allgemein gesicherte Kontrollintervalle verstehen.
Vergleichbare Bedingungen bei der Blutentnahme erleichtern die Beurteilung. Eine nüchterne Probe vermeidet den vorübergehenden Anstieg der Chylomikronen nach einer Mahlzeit, der den Messwert erhöhen kann. Als Vorbereitung wird außerdem eine Pause von mindestens 48–72 Stunden bei Vitamin-E-Präparaten genannt. Ob eine solche Einnahmepause von 48–72 Stunden tatsächlich den längerfristigen Versorgungszustand statt der Wirkung einer kürzlich eingenommenen Dosis abbildet, ist hier nicht durch eine konkrete Studie oder Laboranweisung abgesichert. Vorbereitung und mögliche Einnahmepausen sollten deshalb mit der behandelnden Praxis oder dem Labor abgestimmt werden.
Bei einer Behandlung mit Antikoagulanzien sollte die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt vor einer erneuten Messung von hoch dosierten Vitamin-E-Präparaten wissen. Diese können den INR-Wert beeinflussen. Für die gemeinsame Beurteilung der Gerinnungs- und Vitamin-E-Werte ist diese Information wichtig.
Wann ein Vitamin-E-Ergebnis ärztlich eingeordnet werden sollte
Die meisten gesunden Erwachsenen, die abwechslungsreich essen und Nüsse, Samen sowie Pflanzenöle in ihre Ernährung einbeziehen, benötigen keine routinemäßige Vitamin-E-Messung. Sinnvoll kann sie bei gestörter Fettaufnahme, nach bariatrischen Eingriffen oder bei Medikamenten sein, die die Fettaufnahme hemmen. Auch hoch dosierte Präparate und neurologische Beschwerden, die zu einem Mangel passen, können Anlass für eine Untersuchung sein. In diesen Situationen kann die Messung helfen, einen Mangel zu erkennen und die Behandlung zu steuern.
Als tolerierbare Höchstzufuhr aus Nahrungsergänzungsmitteln wird eine Menge von 1.000 mg Alpha-Tocopherol pro Tag angeführt. Die Angabe von 1.000 mg/Tag ist hier jedoch weder einer zuständigen Fachinstitution noch einer Zielgruppe zugeordnet. Sie ist deshalb keine allgemeingültige Höchstmenge für den deutschsprachigen Raum und keine sichere persönliche Dosierung. Ihre regionale Gültigkeit bleibt zu klären. Ein Blutwert allein kann nicht gewährleisten, dass die eingenommene Menge sicher ist.
Unerwartet niedrige oder hohe Werte sollten zusammen mit einem Blutfettprofil und gegebenenfalls Markern für Malabsorption oder Entzündungen beurteilt werden. Das gilt besonders, wenn das Ergebnis nicht zur bisherigen Ernährung passt. Wer gleichzeitig Antikoagulanzien und hoch dosiertes Vitamin E einnimmt, braucht wegen der Wechselwirkung mit der Vitamin-K-abhängigen Blutgerinnung ärztliche Begleitung. Die gemeinsame Betrachtung von Blutfetten, Entzündungsmarkern und weiteren Nährstoffen hilft, aus dem einzelnen Messwert sinnvolle nächste Schritte abzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Vitamin E und welche Aufgaben hat es?
Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans mit acht natürlichen Formen. Der Körper bevorzugt Alpha-Tocopherol, das als biologisch aktivste Form beschrieben wird. Vitamin E schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden, unterstützt die Immunfunktion und wirkt an der Regulation der Blutgerinnung mit. Als fettlösliches Vitamin wird es im Fettgewebe und in der Leber gespeichert.
Wie wird Vitamin E bei einer Blutuntersuchung gemessen?
Das Labor bestimmt die Alpha-Tocopherol-Konzentration im Serum oder Plasma. Weil Vitamin E im Blut an Lipoproteine gebunden transportiert wird, setzen manche Ärztinnen und Ärzte das Ergebnis in Beziehung zum Gesamtcholesterin oder zum LDL-Wert. So berücksichtigen sie den Einfluss der Blutfette. Die Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren; für die Beurteilung zählt außerdem die individuelle gesundheitliche Situation.
Welcher Vitamin-E-Wert ist normal?
Als allgemeiner Referenzbereich für Alpha-Tocopherol im Serum werden 12–46 µmol/l genannt, entsprechend ungefähr 5–20 mg/l. Werte unter 12 µmol/l sind mit einem Mangel vereinbar. Die Referenzbereiche können je nach Labor und individuellem Kontext abweichen. Wie sich dieser Bereich zur zuvor genannten Schwelle von ungefähr 20 µmol/l für eine ausreichende Versorgung verhält, ist nicht abschließend geklärt.
Einzelnen Forschungsarbeiten wird außerdem die Aussage zugeschrieben, Werte über 30 µmol/l gingen mit einem optimalen antioxidativen Schutz einher. Dafür fehlt hier eine konkrete Quellenangabe. Ein Wert oberhalb von 30 µmol/l lässt sich daraus nicht als gesicherter persönlicher Zielwert ableiten.
Was verursacht niedrige Vitamin-E-Werte?
Ein Vitamin-E-Mangel hängt am häufigsten mit Erkrankungen zusammen, die die Fettaufnahme beeinträchtigen. Dazu gehören Morbus Crohn, Mukoviszidose, chronische Pankreatitis und Cholestase, also ein gestörter Galleabfluss. Für die Aufnahme von Vitamin E ist eine funktionierende Fettverdauung nötig. Sehr fettarme Ernährung oder ein Speiseplan mit wenigen Nüssen, Samen und Pflanzenölen können ebenfalls die Zufuhr verringern. Bei Erwachsenen ist ein allein ernährungsbedingter Mangel ohne zugrunde liegende Erkrankung jedoch selten.
Welche Symptome verursacht ein Vitamin-E-Mangel?
Möglich ist eine periphere Neuropathie, die sich etwa durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Armen und Beinen bemerkbar macht. Weitere Beschwerden können Muskelschwäche, eine beeinträchtigte Immunantwort und in schweren Fällen Veränderungen des Sehvermögens sein. Die Symptome entwickeln sich mitunter langsam und kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Blutuntersuchungen sind deshalb erforderlich, um zu klären, ob niedrige Tocopherolwerte dazu beitragen.
Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Vitamin E?
Besonders ergiebige Quellen für Alpha-Tocopherol sind Weizenkeimöl, Sonnenblumenkerne, Mandeln, Sonnenblumenöl, Haselnüsse, Erdnussbutter und Spinat. Auch Avocados und Olivenöl liefern nennenswerte Mengen. Wer diese Lebensmittel regelmäßig isst, kann als Erwachsener meist die hier genannte Zufuhr von 15 mg pro Tag allein über die Ernährung erreichen. Die Empfehlung von 15 mg/Tag ist allerdings keiner Fachinstitution zugeordnet. Ob sie den jeweiligen Empfehlungen im deutschsprachigen Raum und für unterschiedliche Lebensphasen entspricht, bleibt offen.
Wie oft sollte der Vitamin-E-Wert gemessen werden?
Vitamin E gehört nicht zu den üblichen jährlichen Standardlaboruntersuchungen. Eine Messung wird typischerweise bei Verdacht auf Malabsorption, bei neurologischen Beschwerden oder bei Verdacht auf einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen veranlasst. Beeinträchtigt eine Erkrankung die Fettverdauung, können regelmäßige Kontrollen sinnvoll sein. Der passende Abstand lässt sich anhand der Krankengeschichte und der Beschwerden mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festlegen.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen Vitamin E und Blutverdünnern?
Ja. Hoch dosiertes Vitamin E kann die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente wie Warfarin verstärken und damit möglicherweise das Blutungsrisiko erhöhen. Als Dosis werden in diesem Zusammenhang über 400 IE pro Tag genannt. Diese Angabe von über 400 IE/Tag ist jedoch nicht mit einer passenden Quelle verknüpft und keine belegte allgemeine Grenze, unterhalb der Wechselwirkungen ausgeschlossen wären.
Bei Einnahme von Blutverdünnern oder einer Gerinnungsstörung sollte eine Vitamin-E-Supplementierung vor Beginn ärztlich besprochen werden. Vitamin E aus Lebensmitteln wird üblicherweise nicht mit dieser Wechselwirkung in Verbindung gebracht.
Literatur
Für einzelne Mengenangaben, Messintervalle und Zielwerte fehlen konkret zugeordnete Quellen. Die Literaturangaben allein klären diese offenen Fragen nicht.
- Klein EA, Thompson IM, Jr., Tangen CM, Crowley JJ, Lucia MS, Goodman PJ, Minasian LM, Ford LG, Parnes HL, Gaziano JM, Karp DD, Lieber MM, Walther PJ, Klotz L, Parsons JK, Chin JL, Darke AK, Lippman SM, Goodman GE, … Baker LH (2011). Vitamin E and the risk of prostate cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA, 306(14), 1549-56. https://doi.org/10.1001/jama.2011.1437. PubMed
- Miller ER, 3rd, Pastor-Barriuso R, Dalal D, Riemersma RA, Appel LJ, Guallar E (2005). Meta-analysis: high-dosage vitamin E supplementation may increase all-cause mortality. Annals of internal medicine, 142(1), 37-46. https://doi.org/10.7326/0003-4819-142-1-200501040-00110. PubMed
- Schürks M, Glynn RJ, Rist PM, Tzourio C, Kurth T (2010). Effects of vitamin E on stroke subtypes: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ, 341, c5702. https://doi.org/10.1136/bmj.c5702. PubMed
- Arai H, Kono N (2021). α-Tocopherol transfer protein (α-TTP). Free radical biology & medicine, 176, 162-175. https://doi.org/10.1016/j.freeradbiomed.2021.09.021. PubMed
- Baumgartner MR (2013). Vitamin-responsive disorders: cobalamin, folate, biotin, vitamins B1 and E. Handbook of clinical neurology, 113, 1799-810. https://doi.org/10.1016/B978-0-444-59565-2.00049-6. PubMed